Konzepte der Strategie
Vladimir L. Kvint


Von der Philosophie zur handfesten Strategie

<br/>

Sie wollen eine handfeste Strategie entwickeln? Dann müssen Sie dieses Buch lesen. Vladimir L. Kvint beschreibt zu Beginn die philosophischen Wurzeln der strategischen Theorie und geht im Zuge dessen auch auf prägende Denker, Feldherren und Anführer ein. Darauf aufbauend beschreibt er den strategischen Denkprozess und differenziert dabei zwischen drei Ansätzen des strategischen Denkens. Außerdem stellt er 15 Regeln auf, die bei der Strategiefindung helfen und erklärt, wie sich Strategien im Wettbewerb mit anderen Strategien verhalten. Auch auf das Konzept und die Funktionen der strategischen Managementsysteme geht er ein.

Grafiken und Beispiele veranschaulichen den Stoff.








Vladimir L. Kvint




Konzepte der Strategie


Impulse für Führungskräfte







Umschlagabbildung und Illustrationen: © Olivier Le Moal · iStockphoto

Piktogramme: Schachfiguren – © in8finity · iStockphoto

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de (http://dnb.dnb.de) abrufbar.

1. Auflage 2021

© UVK Verlag 2021

– ein Unternehmen der Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Internet: www.narr.de (http://www.narr.de) eMail: info@narr.de (mailto:info@narr.de)

CPI books GmbH, Leck

ISBN 978-3-7398-3105-3 (Print)

ISBN 978-3-7398-8105-8 (ePDF)

ISBN 978-3-7398-0124-7 (ePub)











Über den Autor







Der Akademiker Vladimir L. Kvint ist ein führender Wissenschaftler im Bereich der Wirtschaftsstrategie. Er ist Leiter der Abteilung für Finanzstrategie und des Zentrums für strategische Studien der staatlichen Lomonossow-Universität Moskau.

Er ist Ehrendoktor und Professor an vielen Universitäten der Welt, Mitglied des Bretton-Woods-Committee, Mitglied der Weltakademie für Kunst und Wissenschaften, Professor für Strategie- und Managementsysteme an den Wirtschaftsuniversitäten Wien (Österreich), Fordham, New York, Amerika und Lazale (USA). Er erhielt den Freundschaftsorden und den Ehrenorden sowie die goldene Medaille von N. Kondratjew. Ebenso wurde er mit dem Fulbright Prize und mit staatlichen und wissenschaftlichen Preisen Russlands, Österreichs, Albaniens, Belgiens, Bulgariens, Großbritanniens, Kasachstans, Chinas, Kirgistans, Sloweniens, den USA, der Türkei, Usbekistans und der Ukraine ausgezeichnet.

Ebenso ist er Mitglied des Akademischen Rates des Zentralinstituts für Wirtschaft und Mathematik der Russischen Akademie der Wissenschaften, Chefredakteur der Zeitschrift „Economics in Industry“, Mitglied der Redaktionen der Zeitschriften „Economics and Mathematical Methods“, „Management Consulting“ und der internationalen Zeitschrift „The International Journal of Emerging Markets“ usw. Vladimir L. Kvint ist ein anerkannter Hochschulprofessor der Russischen Föderation, Preisträger des M.W. Lomonossow-Preises 1. Grades für wissenschaftliche Arbeit für die Studie „Die Strategietheorie und Strategiemethoden“.











Inhalt


Über den Autor (#ucc4fb2e9-a66a-52dd-bf12-e7d607b6626a)

Die wichtigsten Definitionen der Strategie (#u61a26279-0901-5cd4-871d-a36073456045)

Teil 1 | Philosophische Wurzeln der Strategietheorie (#u810724a7-374b-5e85-816e-955668d86834)

Teil 2 | Stratege als Persönlichkeit und Profi (#u4688df71-716c-5d74-b53b-c1767bdf7f30)

Teil 3 | Strategisches Denken (#uc3f6cb50-66c5-5bd8-97c1-8e3446731aad)

Drei Ansätze strategischen Denkens (#ue1f426d5-ba4b-436c-9b06-935cdece5ece)

15 Regeln des strategischen Denkens von V.L. Kvint (#u175986b1-1dcc-4f25-ab5e-3aa0c045466d)

Teil 4 | Das System und die Gesetze der Strategie (#ub011131c-337f-58fc-8a58-6046860b10c8)

Ganzheitliches nationales Strategiekonzept (#u6a8e77d7-a265-442d-912f-a5c44c865c84)

Teil 5 | Strategieentwicklung (#ube4408aa-9f91-5106-a130-b304e2af17ad)

Zusammenhang zwischen Voraussicht, Prognose-, Strategie- und Planungsprozessen (#u1936d970-9fe7-480b-844e-3676bfa92417)

Die Etappen der Strategieentwicklung (#udcbec093-0370-4cae-99e4-88b12e57909e)

Untersuchung und Prognose des internen und externen Umfelds (#uf47a093f-879b-4b81-a0f0-3a84eaf9c939)

Mission und Vision (#u6c27cd2c-283d-405a-91f3-44d81313f169)

Zielsetzung und Programme zur Zielerreichung (#u074cdade-0829-414c-8371-dcc7d1b6de30)

Teil 6 | Strategieumsetzung (#ud5707d03-282a-54a5-929b-fbb1f9ccb505)

Taktik (#uea337db6-5816-4d51-84e6-3c8dcf3d83bd)

Abschließende Ressourcenbewertung der Strategie (#ud8bde670-134b-44b4-b480-f6db6819e510)

Berücksichtigung der Besonderheiten des Marktes und der Strategieumsetzungsbereiche (#u6a5d59f9-2b44-47ea-beee-c1012b78ae9f)

Strategische Gefahrenanalyse und Bekämpfung des Terrorismus und Extremismus (#ufa022f4c-e8fd-4dd2-b8b2-e890c331f243)

Die Exitstrategie (#u826f162b-b2de-4f0e-abb6-fbe17b274500)

Teil 7 | Konzepte für das strategische Führungssystem (#u3d87d0e8-dded-58db-99f9-99e23d4820c2)

Teil 8 | Funktionen strategischer Führung (#u4f1a9384-a9a0-5a78-a7df-229ba53597e6)

Short Version of The Concept of Strategizing (#ua9cfe2e7-ba51-5f2f-baa1-128af274677a)

Die wichtigsten Bücher und Monographien von V.L. Kvint (#ua0d148ad-9733-5095-a65b-afc91b2bf9f2)

Wissenswertes über den Autor (#uc22d7ca6-cac9-5153-8b26-ca0eae7e890b)

Expertenmeinungen zu den Werken von V.L. Kvint (#u802ac102-f9d5-5949-8b7c-d749feb571bc)

Stichwörter (#ua29a64d3-8bd9-5675-a522-31178544a9f8)




Danksagung


Die Erstellung dieses Buches wäre nicht möglich gewesen ohne die Übersetzung aus dem Russischen von Jessika Tkachenko und Ralf Gleske und der organisatorischen Unterstützung meines Studenten Lennart Welter. Ich möchte ihnen meinen größten Dank für die herausragende Arbeit aussprechen.











Die wichtigsten Definitionen der Strategie

Strategie


»Strategie ist ein System zur Suche, Formulierung und Entwicklung einer Doktrin, die mit ihrer konsequenten und vollständigen Umsetzung langfristigen Erfolg gewährleistet.

»Strategie ist das Ergebnis einer systematischen Analyse der Umwelt, bestehender Prognosen zukünftiger Bedingungen auf der Grundlage von strategischem Denken, tiefem Wissen und Intuition. Das Endprodukt dieser Analyse ist eine formalisierte Strategie, die eine neue Prognose, Mission, Vision, Prioritäten und langfristige Ziele mit einem detaillierten Szenario kombiniert. Zur Realisierung dieses Szenarios ist die Umsetzung eines Strategieplans unter Verwendung eines strategischen Überwachungssystems für dessen gesetzestreue Umsetzung erforderlich.

»Strategie ist ein Leitfaden, der durch das Chaos der Zukunft und des Unbekannten zu bewährten Prioritäten und Zielen führt. Sie ist Verstand multipliziert mit einem genau ausgewählten Angriffsvektor mit einer Bewertung der Ressourcenbeschränkungen.




Stratege


Ein Stratege ist ein weiser, disziplinierter und optimistischer Fachmann, der strategisches Denken, eine Vision für die Zukunft und von strategischer Methodik gestützte Intuition besitzt. Der Stratege erkennt schnell neue globale Muster und kennt die Grundwerte und Interessen des strategischen Vorhabens genau, um den Erfolg und das Ansehen dieses Vorhabens zu steigern.




Strategiemanagement


Strategiemanagement ist der Prozess der Bildung und die Funktionsweise eines strategischen Managementsystems, das die Entwicklung und langfristige Umsetzung einer Strategie und ihrer Lehren in Übereinstimmung mit den darin enthaltenen Wettbewerbsvorteilen, Prioritäten, Zielen und Vorgaben sicherstellt, die zur Umsetzung der Grundwerte und Interessen des strategischen Vorhabens beitragen.




Weltwirtschaftsordnung


Die WWO (Weltwirtschaftsordnung) ist ein Teilsystem der globalen Weltordnung, ein Rahmen für eine relativ stabile geschäftliche Zusammenarbeit mit globalen, regionalen und nationalen Institutionen. Die WWO stimuliert hauptsächlich die evolutionäre Entwicklung des globalen Marktraums und der globalen Gemeinschaft. Dies sind die Regeln und Traditionen, nach denen Unternehmen, nationale und wirtschaftliche Institutionen im globalen Markt konkurrieren und zusammenarbeiten, um Menschenrechte, nationale Interessen oder regionale und globale Standards und Vereinbarungen zu respektieren.




Ausländische Direktinvestitionen


Die wirtschaftliche und strategische Basis ausländischer Direktinvestitionen bilden mögliche Wettbewerbsvorteile im Ausland: ausgebildete Arbeitskräfte, günstige Lohnkosten, Zugang zu Kapital, effektive Managementsysteme, Know-how und Technologien, die zu höheren und schnelleren Renditen bei einem überschaubaren Risiko in Zusammenspiel mit einer technisch-wirtschaftlichen Grundlage und der angewandten Strategie führen.

Das Risiko ausländischer Direktinvestitionen ist ein inhärentes Merkmal des internationalen Geschäfts, das mit der Gefahr vorhersehbarer oder unvorhersehbarer negativer Änderungen des externen Umfelds oder der internen Ressourcen eines Unternehmens verbunden ist und kontrollierte, nicht verwaltete Konsequenzen hat, die zu potenziellen strategischen Verlusten führen.




Formale Strategie


Eine formale Strategie ist ein strategisches Endprodukt unter Berücksichtigung zuvor verbesserter Prognosen; spiegelt soziale Werte und Interessen des Vorhabens der strategischen Planung wider und umfasst:

»Mission;

»langfristige Vision (Grundsätze, Interessen, Prioritäten, mit Wettbewerbsvorteilen versehen)

»Ziele;

»Implementierungsprogramme einschließlich ressourcenbasierter Aufgaben;

»Skript;

»strategischer Plan zur Umsetzung des Szenarios;

»ein System des strategischen Managements und der Überwachung zur Umsetzung der Strategie.











Teil 1 | Philosophische Wurzeln der Strategietheorie


Die Bedeutung und Wirksamkeit des echten strategischen Denkens und der Strategie selbst wird in der modernen Welt oft unterschätzt oder ignoriert. Obwohl strategisches Denken in militärischen und staatlichen Machtstrukturen seit etwa dreitausend Jahren angewendet wird, gab es keine Kenntnis und kein konkretes Verständnis für das Phänomen der Strategie. Die Strategie als theoretisches Konzept und als Bereich unabhängiger grundlegender Kategorien befindet sich im Gegensatz zu den meisten anderen Wissenschaften in der Anfangsphase ihrer Entstehung und Entwicklung.






Strategen und Führungskräfte sollten die verschiedenen Bereiche, Prinzipien und Gesetze der Strategie sowie die Regeln des strategischen Denkens und die strategischen Prozesse ernsthaft studieren, gründlich analysieren und verstehen. Dies beinhaltet das Studium der wichtigsten alten und späteren philosophischen (hauptsächlich ontologischen und existentialistischen) Werke, klassischer historischer militärischer Werke und analytischer Studien militärischer Kampagnen sowie moderner Theorien des Führungsentscheidungsprozesses.






Obwohl die meisten Philosophen keine klaren strategischen Empfehlungen formulieren, können ihre Ideen insofern eine Bereicherung sein, da sie für die strategische Praxis verwendet werden können.

Moderne Strategen können ihr strategisches Denken vertiefen, ihre Erfahrungen teilen und die Praxis verbessern, indem sie die Werke und Errungenschaften historischer, mythologischer und moderner Führer analysieren (Abb. 1 (#ulink_31cbb504-0e3a-5128-953b-0225d3e64be9) und 2 (#ulink_dcd24be4-066f-5984-b8d1-f72bd8ac7214)).









Strategie, Philosophie und Fakten


Strategen konzentrieren sich auf eine ganzheitliche und miteinander verbundene Weltanschauung. In diesem Sinne vereint Philosophen und Strategen ein tiefes Verständnis der Zukunftsvision und eine Bewertung der Umwelt und der Fakten. Dennoch sind Philosophen mit Schlussfolgerungen beschäftigt, die durch Fakten gestützt werden; in diesem Sinne unterscheiden sie sich etwas von Strategen; die sich mehr mit den noch unbekannten Realitäten der Zukunft, wirtschaftlichen Prozessen, öffentlichen Interessen und aufkommenden Technologien und Innovationen befassen. Strategen ignorieren Fakten nicht, aber sie sind ihnen weniger wichtig als Philosophen.

Natürlich kann ein korrektes Verständnis der Ereignisse durch das Prisma des strategischen Denkens im weitesten Sinne dazu beitragen, die ausgewählten strategischen Perspektiven und Szenarien zu bewerten.

Strategen können die Fakten jedoch ignorieren, da ihre analytische Aufmerksamkeit auf die Zukunft gerichtet ist, in der aktuelle Fakten und Ereignisse als unbedeutend angesehen werden oder weniger Einfluss auf die zukünftige „Realität“ haben als bisher angenommen. Die Arbeit des Strategen zielt darauf ab, neue strategische Perspektiven, Prioritäten und Szenarien in einer Situation zu schaffen, in der die „Gegenwart“ nicht existiert und die Fakten der Zukunft selbst Strategen mit einer langfristigen Vision und Perspektive unbekannt bleiben.

Genau aus diesem Grund unterscheiden sich Strategen und Philosophen darin, wie sie Fakten analysieren, daraus Schlussfolgerungen ziehen und wie diese Fakten in die Ergebnisse ihrer Arbeit einfließen.

Für Strategen sind Fakten für die Analyse und nicht unbedingt zur Einbeziehung in ein formales strategisches Skript erforderlich.






Abb. 1 | Philosophen und Denker, die einen wesentlichen Einfluss auf die Entstehung der Strategietheorie (der Antike) hatten






Abb. 2 | Philosophen und Denker, die einen wesentlichen Einfluss auf die Bildung der Strategietheorie hatten (Neuzeit und moderne Geschichte)






Abb. 3 | Die Entwicklung von militärischen und staatlichen Strategien. Strategen und Führungskräfte, die einen wesentlichen Einfluss auf die Entstehung der Strategietheorie hatten (Antike)






Abb. 4 | Die Entwicklung von militärischen und staatlichen Strategien. Strategen und Führungskräfte, die einen wesentlichen Einfluss auf die Bildung der Strategietheorie hatten (Mittelalter)

Strategisches und philosophisches Denken wächst aus vielen Traditionen und Lehren unterschiedlicher Reifegrade. Wenn der ontologische Ansatz zur Analyse von Fakten und das Konzept des guten Lebens von Aristoteles die Zielorientierung der Strategie zur Verbesserung der Lebensqualität innehaben – eine verwandte Kategorie des „Das-gute-Leben-Konzepts“ – dann bestimmt eine andere philosophische Richtung – der Existentialismus, der die Wahlfreiheit als einen Grundstein anerkennt – diese Kategorie als eines der Prinzipien und die Postulate der Strategie und die Schaffung der Bedingungen für eine solche freie Wahl im Planungsprozess.






Abb. 5 | Die Entwicklung von militärischen und staatlichen Strategien. Strategen und Führungskräfte, die einen wesentlichen Einfluss auf die Bildung der Strategietheorie hatten (Neuzeit und moderne Geschichte)






Abb. 6 | Die Entwicklung von militärischen und staatlichen Strategien. Strategen und Führungskräfte, die einen wesentlichen Einfluss auf die Bildung der Strategietheorie hatten (21. Jahrhundert)






Ein professioneller Stratege sucht und belegt neue strategische Perspektiven, wählt Prioritäten aus und entwickelt Szenarien in einer Situation, in der die Vergangenheit nur teilweise auf die Zukunft hochgerechnet wird, die „Gegenwart“ nicht existiert und zukünftige soziale Prozesse und Wirtschaftsakteure selbst Strategen mit einer langfristigen Vision weitgehend unbekannt bleiben. Die Fakten und aktuellen Technologien, die sich immer auf die Vergangenheit beziehen, sind für Strategen erforderlich, um sie zu analysieren und optional in das strategische Szenario der Zukunft einzubeziehen. Um jedoch die wiederkehrenden Beziehungen von Phänomenen und Prozessen zu beweisen, die die Grundprinzipien und Gesetze der Strategie vorgeben, können strategische Theoretiker und Praktiker spezifische Beispiele und Axiome der Vergangenheit verwenden (Abb. 3 (#ulink_26775452-902c-5966-b2b1-4c3420b93e0c)–6 (#ulink_abd3d5d5-f2b4-5ccf-93a7-7a0a19223aeb)).






Jede Führungskraft mit strategischem Denken und reicher Erfahrung ist sich der dringenden Notwendigkeit bewusst, strategische Ideen zu verwenden, anstatt sofort Waffen, Kapital, natürliche Ressourcen oder Arbeitskräfte einzusetzen, um einen Kampf, einen Wettbewerb oder eine Machtposition zu gewinnen. Der antike römische Staatsmann und Kommandeur Sextus Julius Frontin (1. Jahrhundert v. Chr.) widmete die ersten beiden Kapitel seines Buches „Strategien“ der Bedeutung des Strategieplans; in diesen Kapiteln argumentiert er, dass es notwendig ist, die eigene Strategie geheim zu halten, bis der Plan des Feindes aufgedeckt ist. Diese Proposition ist eine der wichtigsten Grundprinzipien der Strategie.






Der große Meister der Strategie Sun Tzu (544–496 v. Chr.) schrieb: „Der Kommandant (oder besser gesagt der Stratege – V.L. Kvint) steht für: Weisheit, Ehrlichkeit, Mitgefühl, Mut, Härte.









Wissen


Wenn Philosophie die ausgereifteste Wissenschaft ist, befindet sich die Strategie als Wissenschaft in der Anfangsphase ihrer Entwicklung.

Die Entwicklung der Theorie und Methodik der Strategie beinhaltet das Studium der wichtigsten antiken und später philosophischen (hauptsächlich ontologischen und existentialistischen) Werke, klassischer historischer militärischer Werke und analytischer Studien militärischer Kampagnen sowie moderner Theorien von Führungsentscheidungsprozessen.

Trotz der signifikanten Unterschiede zwischen philosophischem und strategischem Denken bilden sie zusammen ein komplementäres Ganzes. Die strategische Denkweise sollte zur Bildung eines fertigen, völlig unteilbaren Selbstbewusstseins des Strategen in bedeutender Übereinstimmung mit der philosophischen Weltanschauung führen.











Teil 2 | Stratege als Persönlichkeit und Profi


Um ein Stratege zu werden, müssen Sie zunächst eine strategische Denkweise entwickeln: Richten Sie Ihr Denken langfristig völlig neu aus, orientieren Sie sich neu, um unerwartete Lösungen zu finden, erneuern Sie Ihre Vision und das Verständnis der Innovation, was Ihnen hilft einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.






Strategen sollten eine klare Vorstellung von globalen Mustern haben, die wahren Werte und Interessen des strategischen Vorhabens identifizieren, Prioritäten formulieren, ihre Wettbewerbsfähigkeit bewerten, Ziele und Vorgaben in Übereinstimmung mit Prioritäten festlegen und die effektivsten Wege zu den Wegweisern ihrer Zukunftsvision bestimmen können, bevor die Konkurrenz diese strategischen Wege erkennt.






Die strategische Denkweise ermöglicht es Ihnen, das zukünftige Szenario auf das Projekt zu projizieren und alle während der Studie empfangenen Signale neu zu fokussieren und die von anderen Experten durchgeführten Analysen zu verwenden. Strategen müssen die Vergangenheit täglich neu bewerten, bekannte Axiome und Muster überschlagen und die Innovationen und Pläne der Zukunft erkunden.






Strategen sollten das externe und interne Umfeld des strategischen Vorhabens, das sich in etwa sechs bis zwölf Monaten (zum Zeitpunkt der Einführung der neuen Strategie) entwickeln wird, klar verstehen und die Bedingungen und Daten als Startplattformen für die Entwicklung der Strategie verwenden. Ohne eine Strategie, die auf einen langfristig stabilen Erfolg abzielt, eine neue Nische im Markt zu finden und zu meistern, führt der Einsatz neuer Technologien meist nur zu einem vorübergehenden Sieg.






Die Fähigkeiten des Strategen hängen mit dem Abstraktionsgrad der untersuchten statistischen Daten und empirischen Schätzungen und gleichzeitig mit deren Detaillierung, multipliziert mit der intuitiven Auswahl der wichtigsten bestimmenden Merkmale und Bedingungen, zusammen.






Ein Stratege fungiert als Navigator, der ein Unternehmen, eine Regierung oder ein strategisches Vorhaben von der Vergangenheit in die Zukunft führt, indem er Prognosen verwendet, antizipiert und strategisch einordnet, auf neue Erfolgschancen reagiert und potenzielle und wenig bekannte Herausforderungen und Hindernisse der Zukunft nutzt, wobei letztere nach Möglichkeit vermieden werden.






Strategen sollten die Voraussicht und die mentale Kraft haben, potenzielle Ereignisse zu planen, sich in die Zukunft hineinzuversetzen, nachdem sie zuvor die politischen, wirtschaftlichen, technologischen, ökologischen und andere Bedingungen der Zukunft festgelegt haben, unter denen die Strategie umgesetzt wird, und das strategische Vorhaben zum Erfolg führen.






Die Globalisierung und der wirtschaftliche Nationalismus als Gesetze haben sehr wichtige kulturelle und religiöse Konsequenzen mit langfristigen Auswirkungen, die von Strategen, die auf dem globalen Markt und seinen nationalen und regionalen Teilsystemen tätig sind, verstanden, bewertet und genutzt werden sollten.






Der Erfolg des Strategen beruht auf seiner Weitsicht und Vision, der Fähigkeit, die Reifung neuer Muster, Trends und Wettbewerbsvorteile zu erkennen und deren Auswirkungen und Effektivität vor ihren Konkurrenten und Gegnern zu antizipieren.






Ein typischer Fehler von Strategen auf nationaler und regionaler Ebene besteht darin, die Strategien in- und ausländischer Unternehmen zu ignorieren, die in ihrem Gebiet tätig sind. Es sind eben diese Unternehmensstrategien, die die Länder und Regionen verwirklichen müssen.






Die Entwicklung einer neuen Strategie oder die Überarbeitung einer bestehenden Strategie sollte mit einer Analyse ausgereifter und allgemein anerkannter Muster und Trends, die in direktem Zusammenhang mit dem strategischen Vorhaben stehen, sowie der Überwachung der Dynamik ihrer Auswirkungen beginnen. Noch wichtiger ist, dass Strategen sich bemühen sollten, Muster und Trends zu antizipieren, die sich noch nicht manifestiert haben, und in der Lage sein, ihre Kinematik und potenziellen Auswirkungen strategisch zu steuern. Die innovativsten und potenziell erfolgreichsten Strategien basieren auf der Analyse von Gesetzen und Trends, die zu Beginn der Strategie wenig bekannt oder noch nicht bewusst waren.






Strategen sollten die Entwicklung regionaler und sektoraler Strukturen der Wirtschaft, das wissenschaftliche und/oder das militärische Potenzial (je nach Gegenstand der strategischen Planung), ihr Tempo, ihre Proportionen und Entwicklungsvektoren unter dem Gesichtspunkt der Früherkennung analysieren – zunächst die potenziellen neuen Möglichkeiten und danach potenzielle Bedrohungen. Eine grundlegend andere Analyse führt jedoch zur Identifizierung tief verwurzelter Interessen und nationaler Prioritäten, die in einer bestimmten Region lokalisiert werden sollten. Zunächst sollten die Wettbewerbsvorteile in der Region und/oder im strategischen Bereich ermittelt werden, die, wenn sie mit Ressourcen ausgestattet sind, zur Verwirklichung einer Priorität von nationaler Bedeutung beitragen können.

Strategen sollten die Umsetzung des Strategieplans überwachen und herausfinden, wie sie unvorhergesehene Hindernisse vermeiden und ihre negativen Auswirkungen, falls solche auftreten, verringern können und wie sie auf unvermeidbare Hindernisse und Komplikationen reagieren können. Es ist auch wichtig, Führungskräfte in das Überwachungssystem für strategische Planungsprozesse einzubeziehen, um die Kontrolle über die Realisationsszeit sicherzustellen und die effektive Umsetzung der Strategie zu fördern.






Strategen müssen zwei paradoxe kulturelle Dynamiken berücksichtigen: die globale Konvertierung von Kulturen und gleichzeitig die Erhaltung und den Schutz nationaler und lokaler kultureller Besonderheiten und Werte. Kulturelle und religiöse Risiken als Phänomene, Faktoren und strategische Kategorien können durch Zusammenarbeit mit Strategen, Ökonomen, Kulturwissenschaftlern und Theologen erforscht werden. Das Ignorieren des Einflusses dieser Phänomene auf die Entwicklung und Umsetzung einer Strategie verringert deren Wirksamkeit und führt zu komplexen negativen wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen, einschließlich den Zusammenhang mit Extremismus und Terrorismus.






Das rasante Urbanisierungstempo in den meisten aufstrebenden Ländern vergrößert die kulturelle Kluft, mit der ausländische Strategen konfrontiert sind, immer mehr.









Strategien stoppen und anpassen


Selbst die erfolgreichsten Strategien erreichen das Stadium, in dem im Zusammenhang mit sich ändernden Bedingungen oder Bedürfnissen der Übergang zu einer neuen Strategie beginnen sollte. Wenn eine Strategie zum Scheitern führt oder der Stratege in naher Zukunft eine Fehlkalkulation vorhersieht, sollte die Umsetzung der Strategie gestoppt oder angepasst werden. Im Falle eines strategischen Erfolgs und der Gewährleistung eines dynamischen Gleichgewichts sind Strategen faktisch die ersten, die das strategische Ziel zur Zerstörung des erreichten ausgeglichenen Zustands führen, um unter qualitativ neuen und effektiveren Bedingungen eine neue Balance zu erreichen. Strategen führen also das Ziel der Strategie von Stagnation bis zur Erreichung neuer Prioritäten und Fortschritte.






Für eine produktive und fehlerfreie Arbeit von Strategen und strategischen Führungskräften ist ein Verständnis der Essenz, der Methoden und Formen der Verwendung der Grundelemente des strategischen Managements sowie der Managementfunktionen Planung, Motivation und Kontrolle der passenden Indikatoren für die Wirksamkeit der Prozesse zur Entscheidungsfindung und Umsetzung strategischer Entscheidungen erforderlich.






Ein Stratege ist also ein weiser, disziplinierter und optimistischer Fachmann, der strategisches Denken, eine Vision für die Zukunft und Intuition hat, welche von einer strategischen Methodik gestützt wird. Der Stratege erkennt schnell neue globale Muster, kennt genau die Grundwerte und Interessen des strategischen Vorhabens, welche notwendig sind, um den Erfolg zu steigern und dieses Vorhaben zu stärken.









Wissen


Strategen sind dazu verpflichtet, die Vergangenheit täglich neu zu bewerten, bekannte Axiome und Muster zu überschlagen und die Innovationen und Pläne der Zukunft zu erforschen.




Конец ознакомительного фрагмента.


Текст предоставлен ООО «ЛитРес».

Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию (https://www.litres.ru/vladimir-l-kvint/konzepte-der-strategie/) на ЛитРес.

Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.


