Joana - deutsch
Kh Beyer


Ein junges Paar, Geschftsleute in der Gastronomie, erlebt die Annexion der DDR und sucht sich eine neue Arbeit weltweit. Gute Freunde helfen Ihnen. Sie betreiben einen erfolgreichen Handel mit Erotikartikeln.





Kh Beyer

Joana - deutsch





Vorwort



Um wirklich Liebe empfinden, geben und empfangen zu d?rfen, bedarf es meines Erachtens bestimmter Voraussetzungen.

Zun?chst bedarf es eines Gesellschaftssystems, in welchem das menschliche Leben geachtet und geliebt wird.

Es bedarf eines Gesellschaftssystems, das frei ist von Existenzangst.

Es bedarf eines Erziehungswesens, in welchem das menschliche Miteinander und F?reinander an erster Stelle steht.

Es bedarf einer Gleichberechtigung und gegenseitigen Achtung.

Es bedarf der konsequenten Einsicht in die Verschiedenheit menschlicher Charaktere.

Es bedarf einer partnerschaftlichen Offenheit.

Es bedarf einer nicht ?bertriebenen, elterlichen F?rsorge.

Es bedarf der Verf?gbarkeit von gen?gend pers?nlicher Freizeit in der Entwicklungsphase.



Das bisher einzige Gesellschaftssystem, das die meisten dieser Bedingungen f?r alle Gesellschaftsmitglieder anstrebt und erf?llt,

ist der Sozialismus.



KhBeyer

Der Roman ist eine Konstruktion

aus gesellschaftlichen Verh?ltnissen

und

ihre Auswirkung

auf das Zusammenleben

von Individuen.

Alle handelnden Personen,

Orte

und

Gegebenheiten

sind frei erfunden.

Die Basis des Romans sind Erlebnisberichte

Betroffener.










Der Beginn 



Eine Selbstst?ndigkeit in der DDR war eher f?r Personen geeignet, die gern etwas l?nger und intensiver arbeiten wollten als ihre Mitb?rger. Das Konzept der DDR F?hrung war nicht unbegr?ndet. Die freiwillige Mehrleistung des Unternehmers brachte neben Steuereinnahmen auch innovative Anregungen im Umgang mit schwer verk?uflichen Sortimenten. Bei diversen Handelsabkommen mit Freunden oder wichtigen Handelspartnern fielen bisweilen Produkte an, die in der DDR einfach keinen regen Absatz fanden.

Ein Gastwirt in der DDR hatte neben dem gastronomischen Auftrag, auch einen Handelsauftrag in Form von Stra?enverkauf au?erhalb der Laden?ffnungszeiten. Heute wird das entweder mit verl?ngerten Laden?ffnungszeiten oder mittels Tankstellen realisiert.

Der einfachste Weg, ein Gastwirt zu werden, war in der DDR der Weg ?ber die Kommission. Der Betreffende konnte entweder bei der HO oder beim KONSUM, Kommission?r werden. HO und KONSUM waren die beiden f?hrenden Handelsorganisationen der DDR. Mit welchem Partner der zuk?nftige Gastwirt ein Gesch?ft er?ffnete, hing meist mit der Lage des Betriebes zusammen. KONSUM war eher eine l?ndliche Handelsgenossenschaft, w?hrend sich die HO auf St?dte konzentrierte.

Unausgebildet, konnte kein Bewerber in der DDR, Gastwirt werden. Ein Meisterzeugnis erleichterte den Wunsch ungemein.

In meiner Gastst?tte gab es nur einen Arbeiter. Das war ich selbst. Ich tat es als Koch genauso wie als Barmann, Verk?ufer und Bedienung. Selbst die Reinigung des Betriebes war meine pers?nliche Aufgabe. Ich war sozusagen, ein Einpersonenunternehmen.

Meine Gastr?ume boten Platz f?r einhundert G?ste. Zu DDR Zeiten. Das hei?t, unsere Gastst?tten wurden auch rege besucht. Nicht wie im Westen, wo selbst der Konsum von zehn Bieren, die Haushaltskasse ins Wanken bringt. Genau aus dem Grund, konnten wir in der DDR, t?glich oder fast t?glich, unsere zahlreichen Stammkunden bedienen. In dem Zusammenhang bildeten sich familien?hnliche Verh?ltnisse. Bei Reparaturen oder sonstigen Schwierigkeiten, musste ein Gastwirt nicht zu lange suchen. Die Abhilfe war praktisch unter seinen Stammg?sten zu finden.

Der Gastwirt des Ortes war Bestandteil des Ortes; aber auch seine Nachrichtenzentrale. Neben dem Fris?r, dem Fleischer, Lebensmittelh?ndler und B?cker, war der Gastwirt ein Nachrichtenportal. Heute f?llt diese Aufgabe dem Internet zu.

Mit dem Wunsch, Gastwirt zu werden, verfolgte ich die Familientradition meiner Eltern. Das Leben in diesem Umfeld gefiel mir und bot sehr viel Raum f?r kreative Ans?tze. Daneben war der Bekannten  und Freundeskreis ungeheuer gro?. Genau dieses Leben passte sehr gut zur Philosophie der DDR Staatsf?hrung. Arbeit mit und f?r den Menschen. Die DDR Gastwirte waren sozusagen, mitunter auch ungewollt, Vollstrecker des sozialistischen Gedankens im Sinne der Arbeiter- und Bauernmacht.

Die Gesetze und deren wirksame Kontrolle, verhinderten Betrug und Missbrauch von Gesch?ften. Mit einer wirkungsvollen Steuergesetzgebung wurden private Bereicherungen eingeschr?nkt und ein gesellschaftlicher Nutzen aus dem Engagement gewonnen. Die gesellschaftliche Anerkennung des Berufes Gastwirt war sehr hoch.

Die DDR hatte einer der gr??ten gesellschaftlichen Errungenschaften, der Preisbindung, den Vorrang gegeben. S?mtliche Bewerber auf dem Markt hatten nur eine Art der Konkurrenz: Die Qualit?t ihrer Produkte. Es gab keinen Preiskampf, keine Ausbeutung deswegen und eine ziemlich wirkungsvolle Planpolitik. Kein H?ndler konnte zu Lasten seiner Konkurrenz, mehr verkaufen als der Plan f?r ihn vorsah. Er konnte das nur mittels besserer Qualit?t, Kreativit?t und einem allm?hlichen, planvollen Wachstum im Rahmen gesamtstaatlicher Vorgaben. Eine Gesellschaft, ein Wachstum zusammen.

Selbst der gemeine Beschiss zu Lasten der Kunden, wurde ziemlich wirkungsvoll verhindert. Die festen Preise erforderten auch deren Einhaltung. Gastronomen denken jetzt, sie h?tten da genug Spielraum. Irrtum. Der Spielraum war gesetzlich vorgeschrieben. Selbst der Gewichtsverlust durch Sch?len und Garen, war erprobt und vorgeschrieben. Daf?r gab es Tabellen.

S?mtliche Speisen und Getr?nke, insbesondere Mixgetr?nke, sollten kalkuliert werden. Dabei wurde f?r zehn Portionen kalkuliert; auf den Zehntel Pfennig genau. Ein Rundungsfehler konnte bei einer Pr?fung empfindliche Bu?gelder ausl?sen. Die wurden auf zwei Jahre zur?ck berechnet. Ich habe mich auch mal um einen halben Pfennig verrechnet. Dabei rundete ich die sechste Stelle nach dem Komma falsch. Der halbe Pfennig kostete mich nach einer Betriebspr?fung den Monatslohn eines Dreischichtarbeiters.

Selbstverst?ndlich gab es Kollegen, die beim Umgang mit Zahlen ein paar Probleme hatten. F?r die wurden alle Kalkulationen fertig in einem Register angelegt. Das konnte man sich kaufen oder bei Kollegen, abschreiben. Heute gibt es Gastwirte, Bedienungen und Barhilfen, die ohne einem Abrechnungsprogramm in der Kasse, nicht in der Lage w?ren, eine korrekte Rechnung auszustellen. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied. Die Kalkulationsbl?tter waren auch gleichzeitig Ratgeber bei der Men?gestaltung. Man setzte auf das Baukastenprinzip. Beilagen, Saucen, Fleischgerichte, Desserts und so weiter; alles war einzeln f?r jede Garmethode aufgef?hrt. Der Westen braucht daf?r noch hundert Jahre.

Im Ort sprach sich schnell herum, dass ich die Gastst?tte allein betreibe. Unter meinen G?sten waren schnell Frauen und M?nner, die mir Hilfe anboten. Nat?rlich gegen ein kleines Entgelt.

In der DDR gab es daf?r ein Pauschalsystem. Auf diesen Lohn, der nur mit f?nf Prozent besteuert wurde, waren viele flei?ige DDR B?rger verr?ckt.

Auf die Art, konnte ich mir gelegentlich eine Putzhilfe leisten. Die freie Zeit nutzte ich f?r Eink?ufe oder f?r die Verbesserung meiner Gastst?tte.

Die einzige Reinigungsarbeit, die an mir permanent h?ngen blieb, war die Toilettenreinigung. Bei den Mengen Alkohol, die wir unseren G?sten verkauften, kann sich Jeder gut vorstellen, wie die Toiletten am Abend aussahen. Seien Sie gewiss, schon in den ersten zwei Monaten lernte ich nahezu jeden menschlichen Charakter kennen, den eine Gesellschaft zu bieten hat.

Meine jugendlichen und gleichaltrigen Freunde feierten regelm??ig Partys bei mir. Oft kamen Angebote von jungen Frauen und Kolleginnen, mir helfen zu wollen. Das Ganze hatte aber einen Nachteil. Sobald meine Freunde zum Feiern kamen, blieb auch meine Kehle nicht trocken. Meine Mutter, eine gestandene Gastwirtin, empfahl mir, keinen Alkohol mit zu trinken. Daf?r habe ich mir dann Flaschen mit Saft oder Tee gef?llt. Diese Getr?nke mussten dem entsprechenden alkoholischen Getr?nk, farblich ?hneln. In der DDR gab es Sorten aus Rum?nien und Bulgarien, die nie von einem Gast verlangt wurden. Genau in so eine Flasche f?llte ich die Nachahmung. Etwas Alkohol musste trotzdem rein in das Getr?nk. Viele meiner G?ste rochen an den Flaschen. Sie hatten die Absicht, mich nachhaltig einzuseifen, um sich diese oder jene Rechnung zu sparen. Andere, vor allem die Stammtischbesucher, versuchten das mit Einzelbestellungen. Damit wollten sie mich provozierend in Stress versetzen in der Absicht, keinen Strich auf den Deckel zu bekommen.

Zu diesen Zeiten wurden die Rechnungen auf dem Bierdeckel erfasst. Ein Bier war ein Strich, f?r Speisen schrieb ich den Preis und f?r Schn?pse, ein K?rzel. Die Deckel wurden manchmal weich vom ?bergetretenen Bierschaum. Bestimmte G?ste versuchten dann, den einen oder anderen Strich zu l?schen. Der Gastwirt brauchte also auch ein ungeheuer funktionierendes Ged?chtnis. Das Training des ersten Jahres war ganz sicher nicht verlustfrei. Verluste musste der Wirt ausgleichen.

Genau das war aber in der DDR fast ein Kinderspiel. Warum? Der DDR Gastwirt lebte vom Trinkgeld. Nicht von seinem Lohn oder den Prozenten. Mein Lohn f?r meine Arbeit betrug in etwa eintausend Mark pro Monat.

Nur ein Beispiel. Ein Bier kostete dreiundvierzig Pfennig. Kein einziger Gast lie? sich auf f?nfzig Pfennig heraus geben. Das kennen wir erst seit wir den Westen kennen. Die verschenken ihre Gelder lieber an Tankstellen und an Zinsen f?r ihre Kredite. Keinesfalls darf ein Mitb?rger von ihrem Geld leben wollen. Es sei denn, er arbeitet f?r eine Bank, eine l?gende Zeitung oder eine das Recht beugende Versicherung. Das l?st aber einen ungeheuren gesellschaftlichen Neid aus. Daf?r holt sich ein Westdeutscher eben in der Kaufhalle, palettenweise billigstes Ges?ff, das er Bier nennt.

Gesoffen wird nicht etwa in einer Gastst?tte. Nein. Daf?r gibt es Garagen, Keller und Abfallr?ume.

Westdeutsche Kultur nennt sich das.

In der DDR galt eben noch ein altes Sprichwort, ein deutsches. Unter Freunden gesoffen, ist Kotzen keine Schande. Wenn man aber keine Freunde und nur Heuchler kennt, ist dieses Sprichwort ?berfl?ssig. Westdeutsche Kultur eben. Und schon sind wir bei der vielbeschworenen Freiheit. Das ist Freiheit von d?mmsten Gro?m?ulern, die echte Freiheit eben nicht kennen.

Gegen Zw?lf, also Mitternacht, war in der DDR, Polizeistunde. Bars, Tanzlokale und ausgew?hlte Lokale waren davon befreit. Das konnte jeder Gastwirt beantragen. Daf?r gab es bestimmte Auflagen, die normalen Gastwirten einfach zu l?stig waren. Unsere Gemeindepolizei, der ABV, kontrollierte regelm??ig die Einhaltung der Polizeistunde. Eine sehr vorteilhafte und gute Einrichtung war das. Bisweilen hatte ich G?ste in einem Zustand, der dazu einlud, die Polizeistunde zu missachten. Nicht selten musste ich daf?r das Hausrecht bem?hen. Volkst?mlich w?rden wir sagen: den Gast rausschmei?en. Leider hatte ich hin und wieder G?ste, denen ich k?rperlich nicht unbedingt gewachsen war. Und genau da war mir eben der ABV sehr behilflich. Der ABV war ein Gemeindevolkspolizist. Und der kannte eben jeden B?rger der Gemeinde. Oft half nur dessen Erscheinung. Handgreiflich wurde es sehr selten.

Mein Vorbild in der Hinsicht war mein Vater. Er war ziemlich resolut bei der Durchsetzung des Hausrechtes und musste nicht selten von der Familie gebremst werden. In erster Linie ging es darum, zu zeigen, wer der Hausherr und damit, der Platzhirsch ist. Es geht um Respekt.

Zu einer Party bei mir brachte die Clique ein M?dchen mit, das sich mit Joana vorstellte. Zu der Zeit haben schon andere M?dchen versucht, in das Gesch?ft einzusteigen. Es erschien ihnen interessant genug. Sie putzten bei mir und wollten auf die Art meine Gunst erreichen. Zu der Zeit habe ich noch oft in der Gastst?tte geschlafen, wenn es zu sp?t wurde. Ich stellte mir ein paar St?hle zusammen, und legte mich auf denen zur Ruhe. Haupts?chlich war das aber notwendig, wenn ich gr??ere Gem?selieferungen bekam.

Gem?se kam in der DDR im ges?uberten Erntezustand. Also, nicht gefroren. Um Verluste zu vermeiden, war eben Nachtarbeit angesagt. Interessant war das, wenn Rosenkohl, Karotten oder Schwarzwurzel geliefert wurden. Schwarzwurzel war in der DDR der Arbeiterspargel und ?u?erst begehrt. Rosenkohl nat?rlich auch. Entscheidend war die Verhinderung von Verlust. Der w?re zu meinen Lasten gegangen. Lebensmittelverschwendung in den unertr?glichen Ausma?en von heute, gab es nicht in der DDR. Die h?tte ich protokollieren m?ssen und daf?r h?tte man mir die Hosen straff gezogen. Dazu sollten ausf?hrlich, Verlustprotokolle verfasst werden. Eine recht m?hevolle Aufgabe.

Die anderen Freundinnen boten mir schnell an, ich k?nnte bei ihnen ?bernachten. Manchmal tat ich das. Vor allem, wenn ich blau war. Zumindest sparte mir das ein Taxigeld oder die Nacht auf den St?hlen. Nicht selten kam es zu sexuellen Bel?stigungen mir gegen?ber, nach heutigem Sprachgebrauch. Auf die Art lernte ich sehr schnell die Sch?nheit der Verschiedenheit kennen. Unsere Frauen und M?dchen waren nicht zu feige, die Sch?nheit ihrer Figuren zu pr?sentieren.

Der Sportunterricht, die Freizeitgestaltung, die Arbeit und die damit verbundene Bewegung, bescherte uns Partnerrinnen, die durchweg gesund, klug, flei?ig und sch?n waren.

Pr?lat Hinter vom T?lzer Bulle, w?rde jetzt sagen:

Die gesegnete Gabe von Sch?nheit und Klugheit wurde in der DDR mit einhundertzehn Prozent erf?llt.

Im Westen dagegen, wurden wir mit den misslungenen Auslagen und Versuchen der Kosmetikindustrie und Chirurgie geschockt. Nicht selten wurde versucht, aus Truthennen, Truth?hne zu kreieren. Und umgedreht. Leider hat das bis heute noch Keiner am Gehirn probiert. Bei diesen Kreaturen h?tte die vollst?ndige Entnahme, keinen Schaden angerichtet. Eher, eine leichte Verbesserung.

Zum Gl?ck, k?nnen wir diese Kreaturen in Zeitungsredaktionen, Fernsehen, Rundfunk und Parlamente abschieben. Bei den Kreaturen in den Westparlamenten bin ich mir nicht ganz sicher, ob bisweilen bei einer Gesichtsoperation, nicht das Gehirn mit erwischt oder entfernt wurde. Ich stelle mir gerade vor, wir m?ssten mit diesen chirurgischen Fehlgriffen arbeiten. Grauenhaft. Sie m?ssen sich nur vorstellen, wie die Bitte: Bring mir mal bitte eine Kaffee mit, aus einem chirurgischen Fehlversuch klingt. Sie w?rden wahrscheinlich das Auto der Kreatur aufschlie?en.

Joana half mir bei der Nachtarbeit. Sie putzte mit, sch?lte mit und sie schlief einmal mit auf den St?hlen.

Irgendwann fuhren Joanas Eltern ?bers Wochenende nach Th?ringen zu ihrer Familie.

Heute und morgen, kannst Du bei mir mit schlafen.

Ich tat Joana leid.

Eigentlich hatte ich eine Wohnung, die ich mit einer Familie teilte. Mit meiner Familie. Bei der Planung der Familie war ich leider nur ein praktischer Bestandteil. Zu der Familie kam ich in Aus?bung des femininen Hausrechtes: Ich bestimme, wer der Vater meiner Kinder ist!.

Ein junger Mann l?sst sich bisweilen von Dingen blenden, die das Gehirn restlos ausschalten. Meine erste Frau war sehr lieb, flei?ig, sch?n, gesellig und nicht eifers?chtig. Ich hingegen, war es anfangs. Fast schon krankhaft.

Es musste Etwas getan werden, um das Eifersuchtsgef?hl zu brechen. Arbeit. Viel Arbeit. Und genau das f?hrte mich zu dem Plan, eine Gastst?tte zu betreiben. Das Eifersuchtsgef?hl hatte nicht unbedingt sexuelle Ursachen. Mir war nur die komplette Familienplanung entglitten. Ich wurde so zu einem Hampelmann degradiert. Britta, meine erste Frau, hat mich praktisch, kalt gestellt. Mir half nur der rechtzeitige Ausbruch, um auch meinem Leben einen Sinn zu geben. Ich sah das ja bei meinen Eltern und denen gelang es. Meine Berater waren mir also sicher.

Die Genossen in meinem Betrieb waren eher traurig. Sie h?tten mich gern als Ausbilder gesehen. Sie liebten wie unsere Lehrlinge, meine legere Art der Ausbildung. Mir lag die spezielle Begabung meiner Lehrlinge besonders am Herzen. Einer konnte sich in der Kalten K?che oder Patisserie besonders gut bewegen, der Andere in der Restaurantk?che. Trotzdem unterst?tzten mich meine Genossen und Kollegen tatkr?ftig bei der Umsetzung meines Wunsches nach meiner eigenen Gastst?tte. Nicht etwa mit finanziellen Zugaben oder Beziehungen zu Einrichtungsgegenst?nden. Nein. Mit Ratschl?gen. Ich rede von richtigen Ratschl?gen und nicht von Klugschei?erei. Jeder Ratschlag der Genossen war hilfreich.

Nach dem Dienst in der Gastst?tte gingen Joana und ich zu ihr. Joana stammt aus einer sehr kinderreichen Familie. In der DDR war das keine Seltenheit.

Nach der Abendtoilette kamen wir gleich zur Sache.

Nimmst Du die Pille?, war praktisch die erste Frage in der DDR.

Ja.

Die ?blichen Streicheleinheiten und die herrliche Figur Joanas bescherten uns einen wirklich sch?nen Abend. Die Erstbesteigung blieb uns erspart.

Wie hat es Dir gefallen?

Das passt. Wir k?nnen zusammen gehen.

Joana wollte von Anfang an mit Vorsatz feststellen, ob es in der Mitte passt. Und wenn die passt, wird der Rest passend gemacht. Ein h?ufig angewandtes, sehr praktisches DDR Sprichwort. Das klingt jetzt vielleicht zu sachlich. Man k?nnte fast denken, das Praktikum kommt vor dem Genuss. Und genau damit, lagen wir richtig. Der Rest ist ausbauf?hig.

Wir leben unser Leben von der einfachen Seite her. Ohne zu gro?e Erwartungen und Pl?ne. Obwohl wir gerade in der DDR sehr weit im Voraus planen konnten. Das erleichterte mir das zielgerichtete Sparen auf zuk?nftige Investitionen. Selbstverst?ndlich konnte ich die in der DDR eine Firma abschreiben. Die Abschreibung wurde aber auch versteuert. Grundmittelsteuer nannte sich das. Eine sehr gerechte Steuer, mit der der Verschlei? von Arbeitsmitteln geplant wurde.

Zuerst stand nat?rlich die Scheidung von meiner Britta samt meiner Familie an. Ganz arm waren wir nicht. Ich habe drei Jahre in der Sowjetunion gearbeitet. Britta wollte sich nicht scheiden lassen. Die erste schwere Pr?fung stand uns damit bevor.

In der DDR w?re die Scheidung an sich kein Problem gewesen. Nur, jetzt kommt die Besatzung, Pl?nderung der DDR durch die Westbesatzer dazu. Und die bringen ihre missratenen, deutbaren Gesetze mit. Eine Schar von Rechtsverdrehern aus dem Westen ?berf?llt die DDR B?rger und pl?ndert deren Privatkassen mit provoziertem Streit. Faschisten in Nadelstreifen. Und die nehmen das Wort: Recht in den Mund. Mir kraust bei der Vorstellung. Und schon sehen wir es abwandern, das schwer verdiente Geld.

Frauen im Westen k?nnen gar keine Alimente bekommen, weil deren geschiedene M?nner von Anw?lten und Richtern gepl?ndert werden. Und Frauen, die das zu verantworten haben, verspielen damit ihr Recht, gleichberechtigt behandelt zu werden. Wir schw?ren uns Treue in guten und in schlechten Zeiten, heuchelt die normale Westbraut in einem geliehenen oder auf Kredit gekauften Brautkleid. Britta musste einsehen, dass die drei Jahre Arbeit in der Sowjetunion unser sehr wackliges, junges Familienleben zerst?rt hatten. Wir waren nicht die Einzigen. Ein hoher Preis f?r Gas und ?l, das uns der Westen geklaut hat.

Joana verliebt sich praktisch in einen Mann, der bis auf einen alten sowjetischen Koffer, kein Eigentum besitzt. An diesem Mann sind schon zehn Jahre mehr vorbei gegangen. Vorbei. Ohne Gewinn. Ein Start bei Null. Was soll das jetzt werden?

Zur Wendezeit sind unsere sch?nsten Frauen von kriminellen Westbesatzern gekauft worden. Wenn sie sich haben kaufen lassen. Die Bordsteine waren sehr lang. In sehr kurzer Zeit durften wir den Unterschied zwischen Frau und Nutte kennen lernen. Man k?nnte fast den Eindruck bekommen, die Nutten h?tten gewonnen. Haben sie nicht. Sie sind jetzt Mitinhaber von Westschuldscheinen. Der Bordstein hat sich damit nur verl?ngert. Joana war eine Ausnahme. Sie wollte bleiben.

Das Zusammensein mit Joana war sehr sch?n. Wir wechselten uns ab beim Eier braten in den Pausen. In der Kaufhalle mussten schnell noch ein paar Eier gekauft werden. Dazu haben wir hausschlachtene Blutwurst, etwas Schinken und Jagdwurst gekauft. F?r gro?e K?che fanden wir keine Zeit. Ein paar frische Br?tchen vom B?cker und fertig war das Mahl.

Joanas Eltern kamen nach dem Wochenende wieder. Trotz der peinlichen Putzaktionen Joanas, wussten sie sofort Bescheid. Ich denke heute manchmal, das war so geplant.

Das gemeinsame Kaffeetrinken war damit angesagt. Kuchen hatten wir vom B?cker mitgebracht. Eierschecke, Kirmeskuchen und Zupfkuchen. In Sachsen war es fast eine Tradition, seine zuk?nftigen Schwiegereltern bei einem Kaffeetrinken kennen zu lernen.

Die zuk?nftigen Schwiegereltern stellten sich vor. Bei den Gespr?chen ging es sofort darum, womit ich mein Brot verdiene. Gastwirt war damals noch ein ehrenvoller Beruf. Herbert war davon begeistert. Brigitte auch. Schon bei dem ersten Zusammentreffen wurde mir klar, ich soll Schwiegersohn werden.

Herbert kannte meine Eltern. Mich auch. Davon wusste ich aber nichts. Herbert arbeitete beim Stra?enbau. Und die Arbeiter kannten praktisch jede Gastwirtschaft im Kreisgebiet. Vor allem die Gastwirtschaften mit einem Speiseangebot. Bei schlechtem Wetter waren die Arbeiter ziemlich lange in der Gastwirtschaft. Das nannte sich Regenschicht. Arbeiten mit Bitumen waren damals, bei dem Wetter, schlecht m?glich. Ebenso Markierungsarbeiten und Arbeiten an Stra?engr?ben.

Herbert erz?hlt nebenbei, er h?tte von meinen Eltern ein Doppelstockbett gekauft. In dem habe ich oben geschlafen. Ich hatte das l?ngst vergessen. In diesem Bett schlief auch Joana und ihr Zwillingsbruder. Joana schlief auch oben. Damals noch ohne mich. Dieser Zufall wurde in unserer Ehe fast schon ein heiliger Spruch. Wir lachen heute noch oft dar?ber.

In diesem Bett hatte ich meinen ersten Sex, sage ich oft scherzend zu Joana. Ich m?chte sie dazu bringen, etwas ?ber ihre ersten Erfahrungen mit der Liebe zu erz?hlen. Der erste Sex als Kind war selbstverst?ndlich die manuelle Variante.

Hast Du das etwa gesp?rt?

Joana hat bis heute, nichts dazu gesagt. Ich respektiere das. Notl?gen will ich keine h?ren. Das passt nicht zu uns. Wir haben ein ganzes Leben Zeit, Dieses oder Jenes zu beichten. Je l?nger Etwas her ist, desto gr??er wird der Spa? damit.

Brigitte arbeitete auch. F?nf Kinder wollten ern?hrt sein. Auch in der DDR. Brigitte und Herbert haben das pr?chtig hinbekommen. Ich jedenfalls, kann mich nicht beklagen.

Brigitte arbeitete als klassische Sekret?rin. Trotzdem sie eine wirklich sch?ne Frau war, hatte sie es nicht n?tig, ohne Unterw?sche auf Arbeit zu gehen. Brigitte war klug, gerecht, lieb und trotzdem ziemlich dominant. Sie ?bte ihre Dominanz in einer Art ruhiger ?berlegenheit aus.

Montag und Dienstag hatte ich Ruhetag. Herbert war nat?rlich interessiert, wie ich meine Gastst?tte betreibe. Wir fuhren zusammen mit dem Bus. Joana war ziemlich aufgeregt.

Trotzdem ich Ruhetag hatte, stand genug Arbeit an. Die Brauerei hatte geliefert. Es standen vier F?sser Bier vorm Haus. Die Flaschenlieferung war dienstags. Das war mein zweiter Ruhetag. Herbert wollte sofort die F?sser in den Keller rollen. Als ich ihm die Kellertreppe zeigte, lie? sein Interesse sofort nach. Das war ihm eindeutig zu gef?hrlich. Mein Bierkeller war ein ehemaliger Luftschutzraum. F?nfzehn Stufen hatte die Treppe. Ein Fass, das dort ins Rollen kam, ging sofort kaputt. Selbst die leeren F?sser hoch zu transportieren, war schon eine Kraftanstrengung. Die Brauerei hatte mir daf?r eine wirklich feine Sackkarre gegeben. Das Fass konnte ich darauf anketten. Die Karre zeigte ich Herbert. Das ist zu schwer f?r mich.

F?r den Transport in den Keller, bei dem ich extra noch den Kopf extrem einziehen muss, braucht es schon einige Routine. An Tagen, an denen ich da bin, f?hrt mir der Bierkutscher die F?sser in den Keller. Der kennt die Gegebenheiten genau. Und er ist bedeutend k?rzer als ich. Ich gab ihm daf?r auch etwas Trinkgeld.

Wir gehen in die Gastst?tte. Ich bin dort P?chter. Der Besitzer ist ein Bauer. Er arbeitet in der LPG als Traktorist, Techniker und Elektriker. Wenn ich komme, steht der schon hinter den Gardinen und beobachtet mich. Heute auch.

Er k?nnte uns sicher genau erz?hlen, wie viele junge M?dchen bei mir hier mit ?bernachteten. Heute sieht er einen Unterschied. Meine halbe Familie will das Restaurant sehen.

Vor seinem Haus steht auch ein Krankenwagen. Die Jungb?uerin lief aufgeregt auf dem Hof umher. Frank, der mit mir befreundete Krankenwagenfahrer, sah mich und kam sofort zu uns.

Die Altb?uerin ist gestorben.

Oh. Das ist schade. Sie war die Einzige, mit der ich mich besonders gut verstanden habe. Sie war in dieser Gastst?tte die Gastwirtin.

Der Jungbauer wollte sein Restaurant eigentlich selbst bewirtschaften oder f?r mehr Geld verpachten. Er war deshalb ein ziemlich unfreundlicher Zeitgenosse. Seine Frau, die B?uerin, h?tte er bei mir auch gern als Hilfe gesehen. Sie hat das Restaurant fr?her schon mit ihrer Mutter betrieben und wegen der Geburt einer Tochter, dem zweiten Kind, aufgegeben. Die beiden Jungbauern hatten sich ein neues Haus gebaut. Im Haus des Restaurants wohnte die Altb?uerin. Ihre Wohnung wird jetzt frei.

Trotz des tragischen Ablebens, bietet sich damit die Chance, ihre Wohnung zu mieten. Das w?rde die N?chte im Gastraum auf St?hlen und Luftmatratzen ?berfl?ssig machen. In der Trauer ist doch ziemlich oft auch etwas Freude versteckt.

Der Jungbauer kommt und stellt sich mit J?rgen vor. Das erste Mal seit Monaten. Die Jungb?uerin ist dabei. Sie hat entz?ndete Augen. Schluchzend stellt sie sich mit Andrea vor. Ihren Namen kannte ich aber schon von meinen Stammg?sten her. Die fragten mich oft, warum ich sie nicht bei mir arbeiten lasse. Ganz einfach. Sie wollte zu viel Geld. Wenn sie meine G?ste bedient, bekommt sie auch das Trinkgeld. Das h?tte ich ihr nicht zahlen k?nnen. Ich sparte auf ein Auto. Meinen Kleineinkauf musste ich immer noch mit einem Rucksack und dem ?ffentlichen Verkehr erledigen. Das war nicht einfach und ziemlich zeitaufwendig.

Die Familie geht mit mir und Joana zusammen in das Restaurant. Herbert gefiel das sofort. Ich hatte die Gastst?tte neu tapeziert und gestrichen. Die K?che hatte ich mit Haushaltger?ten ausgestattet. Im Hinterzimmer habe ich ein Billard aufgebaut. Das war ein Geschenk meines Vaters. Er hatte es in seinem Gasthof abgebaut. Meine Eltern brauchten den Platz f?r ihre G?ste. Sie wollten auch den damit verbundenen Krach los werden.

Am Billardtisch wurde ziemlich oft gestritten. Unsere Bauern spielten nicht selten um Teile ihres Viehbestandes oder um diverse Liegenschaften.

Und Du machst das ganz allein?, fragt mich Herbert.

Ja. Das ist eine ziemliche Rennerei. Der Stammtisch will nat?rlich bedient werden. Die Anderen, vor allem j?ngeren G?ste, setzen auf eine Art Selbstbedienung. Das funktioniert.

Und wenn hier voll ist?

Hin und Wieder habe ich eine Abrechnung vergessen. Das kann zu bestimmten Zeiten ziemlich hektisch werden.

Brigitte staunt bei der Schilderung. Sie kann sich schlecht vorstellen, wie das ein Mann allein erledigen kann. Ich konnte mir schlecht vorstellen, wie eine Frau, f?nf Kinder gro? ziehen kann und das bei einer Vollzeitarbeit im B?ro. In der DDR ging das eben.

Im Westen ist so etwas unvorstellbar. Au?er vielleicht bei unseren Gastarbeitern heute. Die m?ssen das bringen. Sie bekommen auch grunds?tzlich den halben Lohn und die doppelte Miete. Das nennt sich westdeutsche Gastfreundschaft.

Andrea bot mir im Beisein Joanas, umgehend an, die Wohnung der Mama zu r?umen, damit wir einziehen k?nnen. Ich soll mir die Wohnung selbst etwas frisch machen. Und schon war die Mietverhandlung beendet.

Gesagt getan. Wir waren uns sofort einig. J?rgen, der Jungbauer, wurde langsam etwas gel?ster. Damit ist ja schon mal der Hausstand gegr?ndet. Herbert wollte gleich ein Bier probieren. Ein Fassbier. Brigitte wollte einen Kaffee. Den hat Joana f?r sie gekocht. Unweit der Gastst?tte gab es eine B?ckerei. Der B?cker war ein Mal mein Gast. Seine zwei Kinder waren bei mir fast Stammg?ste. Sie geh?rten der gut organisierten Jugendgruppe des Ortes an. Ich renne schnell hin, um uns ein paar frische Windbeutel zu holen. Windbeutel waren in der DDR ?u?erst beliebt. Die B?ckerin bietet mir noch ein paar Liebesknochen an, die sie heute auch frisch gemacht hatten. Liebesknochen war die Bezeichnung f?r einen mit Sahne gef?llten Eclair. Die Liebesknochen wurden mit reichlich Schokoladen?berzug versehen und waren vergleichbar mit einer Portion Stracciatella. In dem Fall, durften wir die Verpackung aber mit essen.

Unser Kaffeetrinken ist damit schon mal gerettet und ich habe meinen zuk?nftigen Schwiegereltern sicher ein gutes Bild abgeliefert.

Nach dem Kaffeetrinken macht Herbert einen Rundgang durch meine Gastst?tte. Er bewunderte das Billard.

Spielen mer ne Runde?, hab ich ihn gefragt.

Das kann ich nicht, antwortet mir Herbert. Herbert war ein leidenschaftlicher Skatspieler. Das hat sicher mit seinem Beruf zu tun. Herbert ist Brigadier in der Stra?enbaufirma. Bei schlecht Wetter haben die eher geknobelt oder Skat gespielt. Billards gab es nur in wenigen Gastst?tten.

Geb?ck wollte er keins. Herbert ist zuckerkrank. Schon in den kommenden Minuten durfte ich miterleben, wie er sich spritzte.

Wie oft musst Du Dich spritzen am Tag?

Ein bis zwei Mal. Kommt darauf an, was ich esse und trinke.

Andrea die B?uerin kommt herein.

Oh. Das sieht recht gut aus hier. Hast du frisch tapeziert?

Ja. Gef?llt s Dir?

Das ist sch?n! Willst Du oben die Wohnung sehen?

Gerne.

Wir gehen im Haus zur ersten Etage hinauf und sie schlie?t uns die Wohnung auf.

Ich r?ume aus, was Du nicht brauchst.

Ich brauche eigentlich nur ein Zimmer und ein Badezimmer.

Sie zeigt uns das Badezimmer. Der Badeofen ist elektrisch. Der geht auch als Durchlauferhitzer.

Im Grunde reicht das. Den Rest haben wir Unten.

?bermorgen ist das fertig ausger?umt.

Danke. Wollt Ihr die Miete offiziell oder schwarz?

Am liebsten offiziell. Das Andere gibt Probleme. Die wollen wir nicht. Gib uns das mit der Gastst?ttenmiete.

"Gut! Das kann ich dann absetzen."

Sch?n, dass wir uns so schnell einig sind. Das w?re sozusagen, unser erstes gemeinsames Nest. Joana freut sich dar?ber.

Eigentlich w?re es jetzt die Zeit, mein Motorrad mit hier her zu nehmen. Das erleichtert mir den Einkauf. Joana ist begeistert. Gelegentlich k?nnen wir so auch auf den Automarkt fahren und schauen, ob f?r uns ein Auto da steht. Ein gebrauchtes. Am besten, ein Kombi.

Nach der Besichtigung fahren wir wieder nach Hause zu Joana. Ich bekomme einen Platz mit ihr zusammen im Kinderzimmer. Der wurde frei, als ihre Schwestern in die BRD umsiedelten. Sie sind mit ihren M?nnern ausgewandert.

In der DDR war das scheinbar nicht einfach. Funktioniert hat es aber trotzdem, wie wir sehen durften. Und sie haben das sogar lebend geschafft. Und das, ohne arbeitslos zu werden oder gar in Not leben zu m?ssen. Ausreisewillige wurden in der DDR von ihren Kollegen eher etwas heimlich bel?chelt. Von ihren Freunden hingegen, wurden sie bewundert. Witzigerweise sind jene, von denen wir dachten, sie w?rden sicher gehen wollen, geblieben.

Unseren ersten Arbeitstag verbringen wir zusammen. Joana will sich bei mir als Gastst?ttenhilfe anmelden und bei sich auf Arbeit, k?ndigen. In der DDR gab es daf?r keine Fristen. Auf der neuen Arbeitsstelle, konnte der Betreffende, sofort neu anfangen. Ich wei? jetzt nicht mehr wie das hie?. Ich sch?tze, wir haben einen Aufhebungsvertrag gemacht. In aller Regel wurden beliebte Mitglieder eines Kollektives, mit einem kleinen Fest verabschiedet. Das wurde von den Kollegen organisiert. Wir feiern das nachtr?glich bei uns in der Gastst?tte, die wir auf die Art auch gleich den Kollegen vorstellen.

Als Gastwirt war ich nat?rlich selbstst?ndig. Uns blieb also nicht erspart, die Anmeldung selbst durchzuf?hren. Und schon da zeigte Joana ihre besondere F?higkeit, mit Beamten umgehen zu k?nnen. Schon in der DDR war mir das ein Graus. Obwohl mir dort Beamte, jede erdenkliche Hilfe gew?hrten. Irgendwie bin ich zu einer Art Eigenbr?tler erzogen worden von meinen Eltern. Vielleicht komme ich auch zu sehr nach meinem Vater. Der hatte grunds?tzlich Probleme damit, Beamte zu m?gen.

Abends reden wir gern ?ber unsere Pl?ne, tr?umen zusammen von einer Zukunft und versprechen uns, keine Kinder zu wollen. In der DDR ging das leicht zu realisieren. Wobei ich eigentlich einen gro?en Fehler gemacht habe. Ich h?tte mich sollen sterilisieren lassen. Zwei Kinder aus der ersten Ehe sind eigentlich schon Belastung genug f?r einen Vater. F?r die Mutter nat?rlich auch. Aber in der DDR fiel das nicht so gravierend auf, wie heutzutage im Kapitalismus. Die Belastung des Vaters tr?gt nat?rlich auch seine neue Frau mit. Und das ist eigentlich das B?se an diesem System. Zuerst m?sste also die Frage gestellt werden: Wer wollte die Kinder? Und genau das sollte auch ein Vertragsgegenstand einer Ehe sein.

Wir Zwei wollen keine Kinder und Joana steht dazu. Und das ist ein Liebesbeweis, den ich selten von einer Frau erwarten kann. Frauen bevorzugen Kinder als Erpressungsmittel. Ob ausgesprochen oder nicht. Deren Ehe steht sozusagen, auf einer kriminellen Basis. Erpressung. Auf Grundlage dieser Basis, kann sich unm?glich eine feste Liebe entwickeln. Auf dieser Basis entwickelt sich eine Zweckgemeinschaft. Das kennen wir aus den Rechtsformulierungen. Dort wird das Zugewinngemeinschaft genannt. Die Ehe wird damit ein Sachgegenstand. Liebe ist in so einer Ehe, Zufall.










Joana als Gastwirtin



Weil Joana Verk?uferin gelernt hat, lag es uns nat?rlich am Herzen, dass sie die Bedienung und den Service ?bernimmt. Die Entscheidung ist gar nicht so ?bel. Joana bekommt einfach mehr Trinkgeld als ich. Zu aller Erst musste meine Joana lernen, Bier zu zapfen. Das Anschreiben und Abrechnen ist ihr eine Leichtigkeit. Joana verliert auch nicht den ?berblick. Zusehens sp?ren wir, der Beruf macht Joana extrem gl?cklich. Sie findet es einfach besser als im Laden zu stehen. Meine G?ste finden das auch besser. Von einem Tag zum Anderen, bin ich nicht mehr ihr Ansprechpartner. Sie verlangen immer Joana als Bedienung von mir.

Dadurch kann ich mich endlich mehr um die K?che bem?hen. Im Nu sind wir Gespr?chsthema Nummer zwei im Ort. Also, kurz nach den aktuellen Neuigkeiten.

Unsere Staatsf?hrung gibt das alte Preisniveau teilweise auf. Wir Gastwirte bekommen pl?tzlich das Angebot, eine neue Preisstufe beantragen zu k?nnen. Wir sollen das neue Delikatsortiment in unsere Kalkulationen einflie?en lassen. Das ist nat?rlich auch abh?ngig von der Preisklasse. Ich kann also nicht ?ber Nacht, Champignons auf alle Gerichte schmei?en. Auf die Art, versuchen viele Kollegen, ihr Angebot etwas zu verteuern. Es lockt eine etwas gr??ere Handelsspanne. Pl?tzlich gibt es wieder endlos beliebte Lik?rsorten. Leider gibt es wenig Nachfrage; bei den Preisen. Daf?r gibt es aber harte Diskussionen am Stammtisch. Joana kann diese Diskussionen gut abmildern. Im Grunde bleibt Alles beim Alten. Der Einkauf wird f?r mich etwas komplizierter.

Neuerdings kommen zu uns unsere vietnamesischen Freunde. Sie haben oft Dinge im Gep?ck, die bei uns am Stammtisch ziemlich gefragt sind. Es entwickelt sich ein kleiner Zusatzmarkt. Sozusagen, Stra?enverkauf mit Pr?mien als Zusatzangebot. Darunter sind auch K?rpersprays aus dem Westen oder zumindest mit einem Westmarkenname. Unsere vietnamesischen Freunde haben praktisch die ?bersch?sse der DDR Lizenzproduktion an den Mann gebracht. Die Produkte sind nicht billig. Zudem sind sie wirklich schwer absetzbar. In der DDR gibt es Besseres zu g?nstigeren Preisen. Aber damit wird am Stammtisch eine Welle erzeugt, die ernstere Folgen provozierte. Ich bekomme jetzt h?ufiger Besuch von unserer Volkspolizei auf der Suche nach Schwarzh?ndlern. Ich wurde auch erwischt beim Verkauf. S?mtliche Waren wurden konfisziert und ich durfte mir einige Tage lang, schwere Vorw?rfe, Schulungen und Belehrungen anh?ren.

Die Volkspolizei ist sehr engagiert, uns S?ndenb?cke nachhaltig aufzukl?ren.

Montags, zu unserem Ruhetag, finden jetzt komische Versammlungen auf unseren gro?en Pl?tzen der Kreisstadt statt. Teile unserer Stammg?ste luden uns zu so einem Treffen ein. Wir gingen einmal mit. Als Sprecher und Sprecherin stehen ausgerechnet ?rzte auf dem Podium. Und die schw?tzten etwas von Demokratie. In einer Demokratie, von der die da schw?rmen, w?ren sie nie Arzt geworden. Das verschweigen die uns. Die Leute machten sich damit l?cherlich. Die knapp zweihundert Zuh?rer gehen kopfsch?ttelnd vom Platz. Wahrscheinlich werden solche Treffen, w?chentlich abgehalten. Ehrlich gesagt, Gastwirte haben f?r so einen Stuss, einfach keine Zeit.

Mittwochs ist das nat?rlich Thema bei uns im Lokal. Es gibt auch ein paar Antragsteller auf Ausreise in den Westen. Zwei meiner Stammg?ste waren da und geben sich alle M?he, die Leute von der Realit?t im Westen zu ?berzeugen. Joana kann etwas mitreden bei dem Thema. Sie hat Westverwandtschaft und auch eigene Geschwister da.

Bei uns treffen sich immer mehr junge Paare und junge Leute. Wir diskutieren ?ber Partys, Konzerte, gemeinsame Abende und anstehende Feiern. Es entwickeln sich gute Freundschaften. Wir glauben das zumindest. Zwei der Paare wollen schlie?lich in den Westen und hatten einen Antrag zu laufen. Es kann also jeden Tag die Nachricht eintreffen, dass deren Ausreise genehmigt wird.

Die Schwester eines befreundeten Ehepaares hatte sich bereits verhurt im Westen und galt als deren Vorbild. Sie hat sich einem windigen Gesch?ftsmann geangelt und haut gewaltig auf die Welle. Eine alte Kollegin von Joana, auch eine Verk?uferin, war dadurch in den Verwandtschaftskreis dieser Dame geraten. Sie kommt mit ihrem Mann h?ufig zu uns. Er ist Hilfsarbeiter und Heizer. Ein gut bezahlter Beruf in der DDR. Man feiert praktisch, ein halbes Jahr lang, den endg?ltigen Abschied von der DDR. Von diesen Feiern lassen sich nat?rlich auch ein paar vereinzelte, trinkfeste Stammg?ste anstecken. Die wollen pl?tzlich auch ausreisen. Die alten Bergm?nner und Genossen an meinem Stammtisch winken ab: Um die ist es nicht schade. Ein alter Lehrer sagt: Das Ventil h?tten wir eher ?ffnen sollen.

In unserem Vereinszimmer, in dem mit dem Billard, treffen sich neuerdings zwei Z?chtervereine. Der eine z?chtet Rassekaninchen und die anderen sind eine Gartengemeinschaft. Viele oder gar alle Mitglieder dieser Vereine sind Mitglieder der Staatssicherheit. Sie haben zu mir entweder Vertrauen oder sie ?berwachen Teile meiner Kunden. Das erfahre ich leider erst zum Ende unserer Gastst?tte. Die Mitarbeiter haben mir das erst gestanden, als es bereits zu sp?t war f?r die DDR.

Der wirklich rege Betrieb bescherte uns die M?glichkeit, ein gebrauchtes Auto kaufen zu k?nnen. Es war ein Trabant mit vergr??ertem Tank, extra Ger?uschd?mmung zum Motorraum und einem Faltdach. Den bekam ich f?r runde zehntausend Mark. Ab jetzt war der Einkauf einfacher und zudem ein mancher Ausflug m?glich. Endlich k?nnen wir mit Herbert und Brigitte zusammen, Ausfl?ge unternehmen. Die Zwei haben sich das wirklich verdient. Herbert wird Zusehens stolzer auf Joana und mich.

Es gibt einen Nachteil, den wir schnell abstellen wollen. Joana hatte noch keinen F?hrerschein. Sie kam nach ihrer Mutter. Die wollte keinen. Herbert hatte auch keinen. Es hat einige Zeit gedauert, Joana davon zu ?berzeugen, einen F?hrerschein zu erwerben.

Doch pl?tzlich stehen wir am Stammtisch, h?ren mit unseren G?sten Radio und h?ren von einem Zug aus Dresden in Richtung Prag. In Prag w?rden DDR B?rger begehren, in den Westen zu kommen. Kaum kommt die Nachricht im Radio, springen ein paar Stammg?ste auf und wollen mit diesem Zug fahren oder zumindest, den Insassen zuwinken. Ich dachte, jetzt w?re ich endlich die problematischsten Trinker f?r immer los. Wenn die in den Westen gehen, m?sste bei mir kein Volkspolizist mehr stehen und die Polizeistunde durchsetzen.

Die Freude war etwas zu fr?h. Am Tag darauf sind wieder Alle da. Ab dem Tag bestehe ich darauf, nicht mehr anzuschreiben. Die Anschreiber m?ssen sofort zahlen. Das wirke besser als die Revolution von 1917. Ab da, muss ich nie wieder einen Gast rausschmei?en. Disziplin zog ein.

Nach der ?ffnung der Grenzen sterben mir viele Genossen weg. Daf?r haben wir jeden Samstag Subotniks gemacht? F?r diese Verr?ter? Das sind die Aussagen der Entt?uschten. Binnen drei Wochen sterben mir vier echte Genossen; Bergm?nner der ersten Stunde. Beste Freunde. Ich kann zusehen, wie sie von ihren zwei Bier auf ein Bier und eine Limo und sp?ter, nur auf eine Limonade um bestellen. Kein Bier mehr, kein Schn?pschen. Schon am folgenden Tag kommen die Meldungen ?ber deren Ableben. Der Schock ist ?berw?ltigend.

Pl?tzlich kommt die Meldung, die Grenze w?re offen. Man k?nnte in den Westen fahren und bek?me noch Geld daf?r. Joana sagt mir, wir k?nnten ja unsere Verwandtschaft besuchen fahren. An unserem Ruhetag, ja.





Die Grenz?ffnung



Unser Stammtisch ist leer. Zwei alte Bergm?nner sitzen bei uns und wir reden von der offenen Grenze.

Das bringt nichts Gutes!, seufzt Kurt. Ich muss da nicht hin. Die haben Angeh?rige meiner Familie jahrelang eingesperrt, weil sie Kommunisten waren.

Du bist doch gar kein Kommunist, Kurt.

Ich habe die Vereinigung mit der SPD nicht mit gemacht.

Ja. Aber Du bist ja Verfolgter des Naziregimes.

Mich graust bei der Vorstellung, die kommen jetzt ungestraft hier her.

Joana hat Kurt einen Kirschlik?r ausgegeben. Kurt trinkt keine harten Schn?pse. Er, mit seiner Bergmannslunge, kommt dabei f?rchterlich ins Husten. Kurt hat mir immer seine Monatsration von Bergarbeiterschnaps verkauft. Ich habe den zu Kirschlik?r gemacht. Schwarz. Das Zeug hat sich gut verkauft. Mitunter habe ich daraus mit Puddingpulver, Eierlik?r hergestellt. Der verkaufte sich zeitweise, extrem gut in Schokobechern. Unsere Frauen waren verr?ckt nach diesem Ges?ff. Viele Kollegen fragten mich neidvoll, woher ich die Schokobecher habe. Das war zeitweise Mangelware wegen der hohen Nachfrage. Jetzt, da Joana da ist, finde ich bisweilen die Zeit, ein paar Dutzend zu gie?en.

In den kommenden drei Tagen konnten wir uns auf unseren Einzug konzentrieren. Andrea hat uns mit J?rgen zusammen, die Wohnung ger?umt. Neben einem Bett, einem Schrank und dem Fernseher brauchten wir nicht viel f?r unsere erste gemeinsame Wohnung. Unser Leben spielte sich in den Gastr?umen und beim Einkauf ab.

Zwischendurch fanden wir schon die Zeit, an unseren Ruhetagen im Sommer, baden zu gehen. Wie fast alle DDR B?rger, bevorzugten wir FKK. In unserer N?he gab es reichlich Badeseen und B?der mit diesem Angebot. Unser neues Auto war daf?r das beste Bewegungsmittel.

Im Sp?therbst fuhren wir eher in die CSSR, um uns da Dinge zu kaufen, die wir bei uns eher seltener fanden. ?lsardinen und Dorschleber sind bei uns Zweien eine beliebte Schmuggelware. Schon deshalb, weil wir die selbst gern essen. An Ruhetagen fahren wir nach Prag, in den Harz oder ins Erzgebirge.

Mit der Grenz?ffnung ?ndert sich das. An den ersten drei bis vier Tagen gab es hundert kilometerlange Staus in Richtung Franken. Wir haben mit dem Ruhetag nach der Grenz?ffnung das Gl?ck, nicht endlos im Stau stehen zu m?ssen. Es liegt eine Woche dazwischen. Im Grunde wollen wir nur etwas Westgeld holen und dabei Land und Leute kennen lernen. An zwei Ruhetagen ist kaum mehr m?glich. Bei uns am Stammtisch treffen schon die Ersten ein, die Dr?ben waren. Die Gesichter zeigen uns keine Begeisterung. Den Erz?hlungen nach, k?nnte das eher am Stau und den Warteschlangen vor den Geldausgabestellen gelegen haben. Das erste Mal in meinem Leben, h?re ich, wie DDR B?rger, Ihresgleichen schlecht machten. Ein Tag und die Gesellschaft ist gespalten. Das setzte sich am Stammtisch rege fort. Wir werden neugierig, was es da zu sehen gibt, das so viel Streit ausl?ste.

Am Wochenende gibt es wieder eine Trauerfeier. Unser Nachbar wurde beerdigt. Er wurde keine siebzig Jahre. Seine Kinder leben im Westen. Sie sind zugegen.

Wieso habt Ihr zwei Ruhetage? Unsere Gastwirte machen einen pro Woche.

Wir haben bei uns die Vierzig-Stunden-Woche. Sie nicht?

Joana und ich sind schockiert von dieser Frechheit. Was glaubt dieser Trottel, wer er ist?

Sind Gastwirte keine Menschen?

Praktisch vergeht kaum ein Tag ohne Trauerfeier. Das wird langsam zu unserem Stammgesch?ft. Trauerfeiern wurden in der DDR ziemlich ?ppig gefeiert. Wir haben den Hinterbliebenen unserer Stammg?ste nat?rlich auch den gef?llten Umschlag gegeben. Damit wurde der Kauf des Grabsteines gest?tzt und ein angemessener Respekt bezeugt. Ich will jetzt nicht behaupten, dass ich als Gastwirt die helfende Hand des Abganges war. Obwohl mir manchmal der Verdacht unterlief. Auf alle F?lle, war ich der Ersatz f?r einen Pfarrer. Bei den Lebenden genauso, wie bei den Toten. Viele meiner Stammg?ste bekamen am Stammtisch einen Platz nach ihrem Ableben. Ihre Bilder wurden langsam zu einer Galerie der Unvergessenen. Zwei meiner Stammg?ste waren im Spanienkrieg. Andere an der Ostfront. Auf beiden Seiten. Und genau diese Bilder s?umten meinen Stammtisch. In meinen Augen, ist das die Galerie von Helden. Die haben unser Land wieder aufgebaut und uns erzogen.

Immer ?fter kommen Westautos. Vor allem, an Wochenenden. Meist sind es Familienangeh?rige von Ortsans?ssigen. Selbst ganze Familienfeiern werden in Osten verlegt. Das war billiger f?r die Westler, die uns abf?llig als Ossis oder Zone bezeichneten. Bei den Tauschs?tzen. Die haben praktisch f?r das eh preiswerte Bier, ein Viertel bezahlt. Es war damit billiger als sie und die Preise in ihren Kaufhallen. B?chsenbier war praktisch nur noch eine Geschenkgabe in den verhungerten Osten. Wir sammeln auch noch die leeren B?chsen. Damit werden wir schon zeitig zur M?llgrube des Westbesuchers. Die Sammelwut l?sst blitzartig nach.

Mit den Westbesuchern kommen auch reichlich Leute mit Fotoapparaten. Als Hobbyfotograf wundere ich mich, warum die ausgerechnet H?user und Motive w?hlen, die kaum einen Fotografen interessieren. Zu der Zeit, kostet ein entwickeltes Foto, zwei Mark. Und die Filme sind auch nicht gerade billig. Kurt gab mir mal den Hinweis. "Die haben hier zeitweise gewohnt. Die sind nach dem Krieg in den Westen gegangen."

"Was? Was wollen die hier?"

"Das ist die Familie, denen mal Deine Gastst?tte geh?rte. Ich glaub, das sind Juden." Kurt neigt etwas zur Spekulation. Er glaubt, die Leute zu erkennen.

"Die wurden von Adolf enteignet."

"Wieso sind die dann in den Westen gegangen?"

"Propaganda bewirkt Wunder, Karl. Jeder sucht sich seinen Henker selbst."

Kurt wirkt etwas bissig.

"Ich hab bissl Hunger. Mach mir mal ne Scharfe Sache."

Die "Scharfe Sache" war eine Kreation meiner Mutter. Es war Schweinebraten, kalt, auf einer doppelten Schwarzbrotschnitte, die mit Senf bestrichen, mit Meerrettich und saurer Gurke gef?llt wurde. Das Gericht hatte ich in meine Gastst?tte mitgenommen. Das Gericht wurde mit Schweinebraten der Keule kalkuliert und mit Braten der Schulter serviert. Auf diese Art, konnte ich mir ein paar Pfennige extra verdienen. Zumindest gab es mir die M?glichkeit, meine Verluste zu verringern. Die Kontrolleure der ABI haben das gro?m?tig ?bersehen. ABI war die Arbeiter- und Bauerninspektion, welche die Preise und ihre Einhaltung kontrollierten. Die ABI bestand zu achtzig Prozent aus Frauen. Mit denen war kein gut Kirschen essen. Die waren unbestechlich. Trotzdem waren die Frauen realistisch. Verluste konnte ich ihnen gut erkl?ren. Alles lag im Rahmen.

Kurt isst langsam. Er hatte erst frisch einen Stiftzahn bekommen. Den soll er noch etwas schonen, sagt er. Kurt kommt fast t?glich. Er trinkt immer ein Bier. "Gem?tlich", sagt er. Mit einem Bier ist der halbe Liter gemeint. Zu besonderen Anl?ssen, genehmigt er sich einen Kirschlik?r. Heimlich, wenn er allein bei mir ist, darf es auch ein Eierlik?r sein. Vor seinen Kollegen sch?mt er sich, das Weibergetr?nk zu konsumieren. Joana gibt ihm manchmal ein St?ck Kuchen vom B?cker. Kurt ist ein heimlicher S??hahn. Seit Joana bei mir ist, bleibt er l?nger. Seit einem Jahr, ist er allein zu Hause. Seine Frau, Berta ist gestorben. Sie war auch eine Spanienk?mpferin. Sie war aus dem Ruhrpott und ist nach dem Krieg bei Kurt geblieben. Sie wurde im Westen schwer verfolgt und sa? auch ein paar Mal ein. Berta trug immer das Abzeichen der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft am Revers.

Wir sitzen am Stammtisch zusammen mit Joana und vertreiben uns die Zeit mit ein paar Erinnerungen. Vor der Gastst?tte stehen wieder Fotografen. Sie fotografieren unser Lokal.

'Was gibt es hier schon zu fotografieren', denk ich mir.

Die T?r geht auf und vier Leute kommen herein. Eine Familie, wie es aussieht. Die zwei J?ngeren werden begleitet von zwei ziemlich alten Personen. Die J?ngeren helfen den Alten aus der Jacke. Alle setzen sich.

Joana geht hin, um sie zu fragen, was sie m?chten.

Sie bestellen Kaffee und fragen, welchen Kuchen wir anzubieten haben. Zum Gl?ck haben wir nicht Alles gegessen. Joana kann Etwas vorweisen. Unsere G?ste nehmen die Windbeutel, Liebesknochen und ein paar St?cke Kirmeskuchen.

"Der Kaffee ist gut. Ich nehme noch ein K?nnchen."

"Reicht Ihnen der Kuchen", fragt Joana.

"Der ist sehr gut. Den B?cker kennen wir", sagt der Opa am Tisch. Er ist sicher um die Achtzig.

Kurt sitzt noch am Stammtisch und gibt ein paar Ger?usche von sich. Ich habe es nicht verstanden. Der Opa am Tisch, schon. Er schaut, schaut nochmal, steht auf und geht zum Stammtisch.

"Kurt, bist Du es?"

"Mischa, ?h Elias. Sch?n, Euch mal wieder zu sehen."

"Karl", sagt Kurt, "das waren mal die Besitzer Deiner Kneipe."

"Ich bin jetzt etwas ?berrascht."

"Nebenan, das ist ein Kino. Das geh?rte dazu."

"Ich dachte, unser Kino ist unten im Kulturhaus."

"Fr?her war das hier. Das ging gut."

"Das war immer voll", sagt Elias.

Seine Frau bekommt feuchte Augen. Joana gibt ihr eine Serviette. Sie stellt sich mit Zine vor.

"Wir sind hier enteignet worden. Nicht von den Kommunisten. Von den Faschisten."

"Wollen Sie das wieder haben?"

"Wir haben es beantragt", sagt Elias.

Wir unterhalten uns noch etwas. Unsere G?ste m?chten auch Abendbrot essen. Der nicht mehr so junge Sohn, eigentlich auch fast ein Rentner, m?chte gern noch das Haus anschauen. Wir gehen zusammen eine Runde durchs Haus.

"Hier hat sich Nichts ge?ndert. Sehr sch?n. Genau so, wie Vater es gebaut hat."

"Ins Kino kann ich leider nicht rein. Wir m?ssten Andrea fragen."

Die Runde ist recht lustig und die Geschichten stimmen mich trotzdem nachdenklich. 'Wie kann ein Mensch, nach so einem Grauen, so lustig davon erz?hlen.'

"Sie waren im Ort sehr beliebt unter uns Bergleuten. Wir haben ihnen Nichts getan", sagt Kurt.

Elias entkr?ftet etwas die Aussage. "Ein paar Verr?ter gab es schon in euren Reihen zu der Zeit."

Joana versucht mit der Frage: "Darf es noch Etwas sein?", einen Streit zu verhindern.

Das war nicht notwendig. Elias sagt, Kurt und seine Kollegen h?tten daf?r gesorgt, dass die ungeschoren weg kommen. Die Kneipe und das Kino waren sie trotzdem los. Auch die Wohnung samt Inhalt. Ihre Eltern haben es nicht geschafft. Sie wurden sp?ter gegriffen.

Wir gehen nicht genauer darauf ein.

Kurt m?chte nach Hause. Der Abend ist so gut wie gelaufen. Die anderen Stammg?ste verlassen uns auch gruppenweise. Es wird stiller. Ein Nachbar, der Krankenwagenfahrer, ist noch da. Seine Eltern kennen die Altwirte auch noch pers?nlich. Er soll sie recht lieb gr??en von den Vieren.

"Wir kommen bei Gelegenheit wieder", sagt Zine zu mir. Sie wirkt etwas abwesend. Der Sohn hat sich noch nicht vorgestellt. Seine Frau auch nicht. Sie stellen sich bestimmt das n?chste Mal vor.

Joana sagt zu mir: "Das klingt nicht gut."

"Kommt Zeit, kommt Rat", antworte ich ihr.










Der Wandel



?ber die Wochen entwickelt sich unser Betrieb immer besser. Der Stra?enverkauf geht etwas zur?ck. Die Themen am Stammtisch drehen sich immer mehr um die Wiedervereinigung. Jeder prahlt am Stammtisch mit ein paar Westmark. Die G?ste erz?hlen sich untereinander, was sie von ihrem ersten Westgeld gekauft haben. Die Urlaubsplanungen unserer Stammg?ste klingen f?r uns utopisch.

F?r uns liegt erst Mal ein Besuch der Familienmitglieder an. Immerhin haben wir sie jahrelang nicht gesehen. Dazu wollen wir jetzt endlich Westgeld sehen. Es war einfach keine Zeit f?r einen Besuch.

Wir setzten uns in den Trabi und fahren los. Bewaffnet waren wir mit einer Landkarte der DDR. Selbst unser Land ist uns zu diesem Zeitpunkt, teilweise fremd. Es gibt sehr viele Gebiete, in denen wir noch nicht waren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei uns Leute gibt, denen es bei uns zu eng geworden sein soll. In unserer Familie leben Bauern, die selten ?ber die Kreisgrenzen hinaus kommen. Eine Fahrt in den Nachbarbezirk oder gar in die CSSR, ist eine Weltreise f?r sie. Weite Reisen sind bei uns etwas f?r Prahler. Denen h?ren wir schon gern zu. Selten kommt der Wunsch auf, es ihnen gleich zu tun.

Erz?hlte ich ihnen etwas von der Sowjetunion, aus Sibirien, wo ich gearbeitet habe, wurden die Ohren spitz. Als Tourist sieht man sein Gastgeberland aus einem anderen Blickwinkel. Man sieht die Fassade. Nicht das soziale Leben der Gastgeber.

Wir fahren ?ber die Autobahn. Es ist reichlich Betrieb. Unsere Volkspolizei steht ?berall. Sie f?hren emsig Geschwindigkeitskontrollen durch. An ihren Standorten, den Parkpl?tzen, befinden sich fast ausnahmslos Westautos mit Westnummern.

In der DDR gibt es f?r Vergehen im Verkehr, Stempel. Viel Spielraum hatten wir nicht. Beim f?nften Stempel war Schluss mit Lustig. Mit Alkohol im Blut, egal in welcher Menge, war sofort Spazierengehen angesagt. Bei recht viel Alkohol, hatte der Betreffende auch genug Zeit, an unserem Aufbauprogramm teilzunehmen. Wir haben genug Pl?tze in der DDR, an denen Sand gesiebt oder Ziegel geformt werden k?nnen. Es gibt auch genug Waldsch?den durch St?rme, die dringend beseitigt werden m?ssen. Zu guter Letzt, stehen uns auch reichlich Tagebaue zur Verf?gung, in denen jede hilfreiche Hand ben?tigt wird. Das Bet?tigungsfeld f?r S?nder jeder Art ist praktisch endlos. Der Erziehungsprozess zu vollem Gehalt wirkte Wunder. Es gibt so gut wie keine Kriminalit?t.

Wir fahren an unseren Rastpl?tzen vorbei in Richtung Grenz?bergang Vogtland. Die Autobahn ist in einem recht ertr?glichen Zustand. Teilweise neu gemacht mit Betonguss. Unser Trabi f?hrt einhundert und zehn Stundenkilometer. Die mit Bitumen gef?llten St??e der Fahrbahnplatten st?ren uns kaum. Obwohl wir w?hrend der Fahrt, keinen Kaffee trinken k?nnen. Daf?r haben wir angehalten. An uns rauschen gelegentlich gro?e Westkutschen vorbei. Deren Scheiben sind teilweise abgedunkelt. Das erste Mal sehen wir eine Gesellschaftsschicht, die Angst hat vor der anderen. Und das ziemlich zahlreich. Wir kennen keine Autos mit schwarzen Scheiben. Kann man durch die Scheiben sehen? Oder, wollen die Nichts sehen?

Die kleine Reise sollte ziemlich interessant werden. Auf den paar Kilometern bis zur Grenze, d?rfen wir sechs Unf?lle registrieren. Das ist pro zehn Kilometer, einer. Wenn das der neue Durchschnitt wird, brauchen wir uns nicht wundern, dass deren Autoindustrie floriert. Die brauchen tats?chlich die vielen Autos, weil sie nicht fahren k?nnen.

An der Grenze stehen unsere Grenzer und winken uns freundlich durch. Auf der Gegenseite m?ssen wir uns schon ein paar Beleidigungen anh?ren.

"Was ist der Grund Ihrer Reise?"

Ich frag mich, ob der schon aufgewacht ist. Der wirkt auch nicht gerade n?chtern. Er hat gelbe Augen und eine ziemlich rote Nase.

"Sie haben uns Reisefreiheit versprochen."

Das war dem zu frech.

"?ffnen Sie mal den Kofferraum. Was haben Sie da drinnen?"

"Flie?en."

Jetzt lacht der Trottel auch. "Mangelware."

Kurz nach der Grenze kommen wir nach Hof. Die Stra?en sind ziemlich gut. Die H?user sind in einem schlimmeren Zustand als in unseren zerbombten St?dten. Es stinkt f?rchterlich. Feucht und muffig. Wenn uns das erwartet, danke vielmals. So riecht es nicht mal im unteren Elbtal wie hier. Das Einzige, das in diese traurige Gegend etwas Farbe bringt, sind Werbeplakate. Und die, gibt es hier reichlich.

Irgendwie bin ich nach meinem Vater gekommen. Der hatte ein Leben lang, einen Lederjacke an. Mutter hat ihn oft wegen dieser b?uerlichen Sparsamkeit kritisiert. Obwohl er die nicht besonders mochte, hatte er die gleiche Gewohnheit wie unsere Genossen. In der DDR war eine Lederjacke ein Sparziel der besonderen Art und ein Kennzeichen f?r Parteigenossen. F?r den Preis einer Lederjacke bekam ich locker ein gutes Moped von Simson. Ich kann jetzt nicht mit genauer Pr?zision sagen, was von Beiden l?nger hielt. Vaters Jacke jedenfalls, schien unverw?stlich. Genau das war jetzt auch der Suchgegenstand bei unserem ersten Westbesuch. Das Angebot ist gro?, aber nicht in allen Gr??en. Wir sind es gewohnt, von einem Produkt die volle Gr??enpalette angeboten zu bekommen. Dadurch hat sich oft der Eindruck aufgedr?ngt, es g?be eben nur dieses Produkt. Hier stehen vor mir Verk?ufer, die sagen: "In Ihrer Gr??e haben wir das nicht. Wir k?nnen Ihnen das aber bestellen." Und schon sind wir wieder bei Mangelware und Lieferzeiten. Komisch. Der Vergleich dr?ngt sich bei jeder Gelegenheit, unwiderstehlich auf. Die Westpropaganda ist so tief sitzend und verlogen, dass sie einem einfach nicht aus dem Sinn geht. Von wegen, "volle Regale". Ein einziger Einkaufstag reicht, um uns von einer gro?en L?ge zu heilen.

Nun soll es nach M?nchen gehen. Wir haben es satt in dem stinkenden Kaff. Wir gehen zum Parkplatz und bekommen gleich eine v?llig neue Art von Bel?stigung gezeigt. Auf unserer Autoscheibe kleben neben zehn Werbezetteln, ein Busgeldbescheid. Wir h?tten die Parkzeit ?berschritten. Das sollte unser gesamtes Restbudget verschlingen. Joana nimmt den Zettel und schaut in die Runde. Und siehe da, unweit geht eine nicht unterern?hrte Tante mit einem gro?en Vorrat an Zetteln, zwischen den Autos spazieren. Joana geht z?gig hin zu der Zosse, die kaum ohne Ber?hrung zwischen den Autos durch kommt. Sie poliert mit ihrem Riesenhinterteil die Heck- und Frontpartien der Autos.

"Was soll das? Was haben wir falsch gemacht?"

"Das ist ein Parkplatz mit Zeitbegrenzung. Sie haben keine Parkuhr."

Joana ruft mich. Ich frage die Zosse, ob es eventuell mal eine Ausnahme gibt, weil wir das nicht kennen. Die Zosse bleibt stur. Warum arbeitet die nicht in der ?rtlichen Brauerei und rollt F?sser? Sie will drei?ig DM.

"Hab ich nicht", sage ich zu ihr.

Sie nimmt den Sprechfunk und ordert einen Kollegen an.

"Die wollen uns wohl verhaften hier?", fragt mich Joana.

"Sieht so aus."

Der Kollege von der Zosse kommt. Er sieht etwas freundlicher aus, hat aber auch gelbe Augen und eine rote Nase.

"Lass die Zwei gehen. Die haben Nichts gemacht", sagt er zu der Zosse.

"Hat es Ihnen bei uns gefallen? Wo soll es denn hingehen?"

"Wir wollten eigentlich noch nach M?nchen", antwortet Joana.

"Die Autobahn ist gesperrt. Da war eine Massenkarambolage."

"Gibt es Umwege?"

"Ja. Die Regensburger Autobahn. Aber auf der werden Sie auch nicht vorw?rts kommen."

"Danke."

Wir suchen schnell eine Telefonzelle, um in M?nchen anzurufen. Der Besuch muss abgesagt werden. Jonas in M?nchen ist nicht begeistert. Er h?tte schon Alles eingekauft. Die Zwei wollten nat?rlich gl?nzen vor uns. Dem entsprechend gro?, wird der Einkauf gewesen sein.

Wir konnten beim besten Willen nicht ahnen, dass im Westen eine Reise von Hof nach M?nchen, zwei Tage dauert. In der Zeit haben mich Russen per Bahn durch die halbe Sowjetunion bef?rdert.

Leider konnten wir nicht mit der Westbahn fahren. Daf?r h?tten wir einen beachtlichen Kredit ben?tigt.

Irgendwie war der Plan auch zu kurz durchdacht. Wir h?tten unterwegs tanken m?ssen. An eine Panne oder gar einen Unfall, wollte ich gar nicht erst denken. Also, kehren wir um. Die Schule der Reisefreiheit hat umgehend gewirkt.

Auf dem Nachhauseweg sind wir noch in unsere Autobahnrastst?tte gegangen, um wenigstens Etwas zu essen. Zu vern?nftigen Preisen. Ich glaube fast, das war unser letztes Schnitzel f?r unter f?nf Mark in einer Rastst?tte. Wir h?tten das fotografieren sollen.

Auf der Heimfahrt ?berholen uns wieder Autos mit irren Geschwindigkeiten. Ein Stau an einer un?bersichtlichen Stelle und der Fahrer nebst Opfern ist f?llig. Auf der Autobahn k?nnen wir die Gewissenlosigkeit von den Kriminellen nachvollziehen. An drei Stellen stehen weinende Leute am Rand neben Schrott. S?rge sind auch dabei. Das ist feinster Aufbau  Ost. Zumindest f?r das Beerdigungsgewerbe. Mich w?rde jetzt nicht wundern, wenn die DDR Beerdigungsunternehmen pl?tzlich Westpartner h?tten.

Zu Hause angekommen, erwartet uns eine ?berraschung der besonderen Art. Elias ist da mit Familie. J?rgen und Andrea sind bei ihnen. Andrea kommt zu mir und sagt, sie w?rden mit Elias zusammen ein Hotel bauen wollen.

"Was bedeutet das f?r mich?", frage ich sie.

"Ja. Wir haben Eigenbedarf und m?chten den Pachtvertrag aufl?sen."

Und ich habe gerade erst Geld ausgegeben f?r Einrichtungen. Das fehlt mir noch.

"Kauft Ihr mir die Einrichtung ab?"

"Nein. Wir rei?en die Gastst?tte ab."

Naja. Ich stehe nur im Verlust. Aber wenigstens schuldenfrei.

Unsere W?hrung ist halbiert worden. Die Schulden auch. Das lie? sich jetzt aus dem Portemonnaie bezahlen. Wir sind also ?ber Nacht, blank.

"Was ist mit der Wohnung und den neuen M?beln?"

"Wir brauchen die nicht. Die kannst Du abholen."

Was machen wir jetzt? Ziehen wir zu meiner Mutter? Zu Joanas Eltern ins Kinderzimmer?

Zuerst rufe ich die Brauerei an und frage, was wir mit der Ware und den Rechnungen tun.

"Wir holen das ab. Offene Rechnungen hast Du nicht. Wir haben aber ein Angebot f?r Euch. Komm einfach mal vorbei."

Ein Hoffnungsschimmer zeigt sich. Wir verabreden uns auf den kommenden Tag. Die Nacht war f?r mich keine ruhige. Joana konnte auch nicht schlafen. Wir sa?en zusammen und r?tselten, was wir tun k?nnen. Neben dem Brauereibesuch, wollen wir zun?chst unsere Kammer anrufen, wie das nun weiter gehen soll.

Am kommenden Morgen rufe ich an und erbitte einen Termin.

"Sie sind einer von Zehntausend, die gerade anfragen."

Ich habe wirklich nicht gewusst, dass wir so viele Kollegen haben. Der Termin f?llt dementsprechend sp?t aus. In einem Monat. Darauf werden wir wohl verzichten m?ssen, sch?tze ich. Das dauert zu lange. Wir brauchen etwas zum Leben.

Das Angebot der Brauerei h?rt sich da etwas besser an. Unsere Brauerei hat pl?tzlich eine Partnerbrauerei aus Bayern. Irgend Jemand muss ja die Gewinne klauen. Der Brauereichef bietet uns eine Pachtgastst?tte in ihrem Ort an. Die w?rde gerade frei werden. 'Wenn der uns eine Gastst?tte anbietet, gibt es sicher noch Gastst?tten in anderen Gegenden', denke ich mir. Wir kaufen also Zeitungen und lesen die Anzeigen. Und siehe da, der gesamte Westen sucht Gastwirte. Und das ausgerechnet in der besetzten DDR. Wenn das kein Plan ist, was dann?

Pl?tzlich wollen die ganzen verkappten Gastwirte des Westens ein Gesch?ft machen. Sie wollen ihre herunter gewirtschafteten M?hlen teuer verschleudern oder unter verpachten. Auf DDR Gastwirte wartet ein Heer von Kriminellen. Angefangen bei Geschirrvertretern. Gefolgt von Anzeigenvertretern und nicht zuletzt, von Kreditvermittlern. Von einem Tag zum anderen, tritt vor unseren T?ren der gesamte kriminelle Abschaum dieser Erde. Begleitend dazu, hat man auch gleich die DDR Gesetze beseitigt. Freie Fahrt f?r westdeutsche Kriminelle. Die umfassende Pl?nderung durch ein kriminelles Gesindel kann also beginnen. Das nennt sich dann in ihrem Deutsch, Wirtschaftswunder. Selbst aus der Schweiz und Holland kommen Vertreter, die sich anbieten, Gewinne oder Bargeld ins Ausland zu transferieren. Sagen wir einfach Klauen dazu. Vater ist fast am Verzweifeln. "Wenn ich die T?r ?ffne, steht immer ein Verbrecher davor!

F?r dieses abscheuliche Gesindel hast Du ein Leben lang gearbeitet." Vater hat fr?her anders vom Westen gesprochen. Ein Tag, und er ist nachhaltig geheilt.

Gastwirtschaften sind eigentlich Geb?ude mit einer offenen T?r f?r G?ste. Wenn diese G?ste ausnahmslos aus Verbrechern bestehen, ?ndert sich auch die Einstellung der Gastwirte. Ab genau dem Tag, sind sie keine Gastwirte mehr.

Die DDR steht also jetzt zum Verkauf. Die Kammer unterrichtet uns, wir k?nnten jetzt unseren Betrieb retten, in dem wir ihn kaufen. Es gibt jetzt eine Treuhand. Schon der Name m?sste jeden DDR B?rger nachhaltig erschrecken. DDR B?rger bestehen zum gro?en Teil aus B?rgern der Gebiete, die schon unter Hitler besetzt waren. In Folge des verlorenen Angriffskriegs wurden unsere Eltern und Gro?eltern umgesiedelt. Das war nat?rlich eine Enteignung. Und genau diese Enteignung erleben diese Leute jetzt das zweite Mal. Nicht etwa durch die medial verhassten Kommunisten. Nein. Es waren die alten Herren der fr?heren Jahre. Kriminelle und V?lkerm?rder.

Unsere Kammer empfahl uns also, auf die Treuhand zu gehen und dort um ein Objekt anzusuchen.










Der Neubeginn



Zun?chst mussten wir uns erst Mal etwas Geld besorgen. Wir hatten weder eine Arbeitsstelle noch ein Einkommen. Joana hatte noch Energie und fast grenzenloses Vertrauen in mich. Das Gros ihrer Kolleginnen hatte schon einen Mann aus dem Westen. Im Nu wurde reichlich Wohnraum frei in unseren Neubauten.

Auf dem Amt sa?en unsere Bekannten von fr?her. Sie waren pl?tzlich nicht mehr Chef in der Abteilung. Sie sind jetzt Sachbearbeiter. "Eine steile Karriere haste hingelegt", scherze ich bei einem Gespr?ch.

"Jaja. Was willst Du denn?"

"Ich habe weder Einkommen noch eine Arbeitsstelle. Gibt es eine Hilfe, ein Geld oder so etwas?"

" Das Begr??ungsgeld hast Du schon?"

"Ja."

"Naja. Da hast Du schon unsere Hilfe." Er lacht dabei. "Hast Du nichts zum Verkaufen?"

Der Gedanke war nicht schlecht. 'Wer will jetzt einen Trabi?' geht mir durch den Kopf.

Der Termin in der Brauerei ist f?llig. Wir verabschieden uns und fahren zu unserem Hoffnungsschimmer in die Brauerei. Am Betriebseingang sitzt unsere Nachbarin. Die Frau vom verstorbenen Lehrer. Julia hei?t sie.

"Ich habe einen Termin mit dem Chef."

"Mit der Chefin", sagt Julia. "Wir haben eine Chefin. Unsere M?nner wollten die Brauerei nicht ?bernehmen."

Ausgerechnet die Chefin der Lohnbuchhaltung konnte dem Haustrunk bisher widerstehen. Ihr Mann hat ihr Kontingent mit vertan. Die Haustrunk Genie?er waren nat?rlich zu feige, die Verantwortung zu ?bernehmen. Frei nach dem Sprichwort betreffs der Onanie: "Alkohol schw?cht Kopf und Knie." Eine DDR Frau zeigt den M?nnern, wie es geht. Mit Mut. Unser Sozialismus hat offenbar die M?nner verweichlicht. "Jammerossis", jubelten die Propagandakan?le der Kriegsverbrecherfamilien. Jetzt kommt die Zeit unserer starken Frauen. Und Joana zeigte St?rke.

Margret, die Chefin der Brauerei, duzt mich nat?rlich. Wir kennen uns und sie m?chte mit mir zusammen arbeiten. Die Kriminellen aus dem Westen w?rden uns jetzt als Seilschaft betiteln. Die Chefs der Westbrauerei waren zugegen.

"Wir haben bei uns eine Gastst?tte, die frei wird",sagen sie uns.

"Ja gut. Ich muss mir die trotzdem erst mal anschauen."

Margret ist nicht begeistert. Ich sehe das in ihren Augen. Sie gibt stille Zeichen.

"Kommen Sie einfach mal vorbei. Wir fahren morgen wieder nach Hause."

"Gut. Wir sehen uns dann morgen Abend oder ?bermorgen."

Der Chef der Westbrauerei geht. Jetzt kommt Margret zur Sache.



"Die Treuhand verkauft unsere Gastst?tten und wir k?nnten eine ?bernehmen."

"Das klingt interessant. "

"Dazu haben wir ja auch noch unsere Hausgastst?tte."

DDR B?rger sollen ihr Eigentum kaufen, w?hrend Westganoven es rauben.

Das war fr?her ein Kulturhaus. Ein Mordsgeb?ude. Ich m?sste einen Haufen Personal ?bernehmen. Davor habe ich jetzt bissl Schiss. Ich traue mir das nicht zu. Das Alles, bei neuen Gesetzen, mit den Besatzern, zu deren Bedingungen?

"Wir helfen Dir. Den Bau und so ?bernehmen wir."

"Das klingt verlockend. Ich muss das dringend ?berschlafen, Margret."

Die Sorge ist nicht unberechtigt. Selbst die Brauerei steht auf der Kippe. Kann Margret und ihr Kollektiv dem Westdruck widerstehen? Ich muss meine Eltern fragen. Das Risiko scheint mir unbeherrschbar. In den Augenblicken schau ich immer in die Augen Joanas. Was steht da? Joana ist mein Wahrsager.





Die Suche



Wir hatten also ab jetzt, die M?glichkeit, reichlich Fehler zu begehen. Der Rat mit der Treuhand war an sich nicht schlecht. Die Treuhand wurde in der Bezirkshauptstadt eingerichtet. F?r uns war das Karl-Marx-Stadt.

In diesen Tagen wurden ?ber Nacht, Millionen DDR B?rger arbeitslos. Lohnzahlungen blieben aus und verschwanden. In der Nacht fuhren tausende Lastwagen durch das Land in Richtung Westen.

Darauf waren unsere Maschinen und Fabrikeinrichtungen. Darunter modernste Technik.

Unsere Gro?eltern fragten bei unserem Besuch, ob die Russen wieder da seinen.

"Nein. Es sind angeblich unsere Landsleute."

"Und die klauen unsere Maschinen?"

"Ja. Das haben die doch auch in der Sowjetunion gemacht. Offensichtlich k?nnen die sich nicht von ihren Gewohnheiten verabschieden."

"Das geht nicht gut aus!"

Vor nahezu jeder Haust?r standen Kriminelle aus dem Bruderland. Sie boten Zeitungsabonnements, Versicherungen, Tauschgesch?fte, b?sartige Kredite und reine Betrugsartikel. Nach DDR Recht, w?ren ?ber Nacht s?mtliche Gef?ngniszellen der DDR, nachhaltig ausgebucht mit diesem Gesindel. Im Arbeitseinsatz h?tten diese Lumpen unsere Braunkohletagebaue komplett begr?nen k?nnen. Selbst Banken mutierten zu reinen Betrugsgesellschaften. Wahrscheinlich sind auch Banken dabei, die schon die UdSSR im Zeiten Weltkrieg beraubten. Traditionsbanken nennen die sich auch noch.Wir fuhren also zu einer Filiale der Treuhand in unsere Bezirkshauptstadt. Einen Ruhetag hatten wir noch. Und den wollten wir sinnvoll verbringen.

Die Filiale ist ausgerechnet in einem Betrieb untergebracht, den wir von unseren Hygiene- und Reinigungsmitteln her kennen. Die Arbeiter dieser Firma sind jetzt arbeitslos. Sie d?rfen jetzt die Gr?nanlagen davor pflegen, die wir bei unseren Subotniks dort anlegten. Schade. Die Berberitzen haben nicht deren Einzug verhindern k?nnen.

Wir betreten den Tempel und werden schon beim Empfang im Westjargon bedient. Jetzt reden wir nicht mehr mit unseres Gleichen. Im Wartesaal des Geb?udes treffen wir viele Kollegen und ihre Familienmitglieder. Sie sind teilweise emp?rt ?ber den Umgangston in diesen Stuben. Gelegentlich kommen aus dem Paternoster Typen mit wei?em Hemd, schr?g gestreiftem Schlips und dunkelblauem Wollmantel.

"Was ist das f?r eine Uniform?", fragt mich Gerd, ein Kollege aus dem Nachbarort.

"Gestapo?", fragt Jens aus dem Jugendclub eines anderen Nachbarortes. Er lacht noch dabei. Eine Stunde sp?ter war ihm das Lachen vergangen. Sein Club wurde verschenkt. An ein Anwaltsb?ro.

"Den Club habt Ihr doch erst frisch gebaut", sagt Joana zu ihm.

"Wir sind gerade fertig geworden. Auch mit unserer Wohnung oben dr?ber", antwortet Agnes, die Frau von Jens.

"Dann musst Du aber schnell aufr?umen. Wenn die Dein kommunistisches Agitationsmaterial finden, wird es richtig lustig."

Unsere Jugendclubs waren auch FDJ  Treffpunkte und Schulungszentren. Die FDJ war im Westen immerhin verboten. Die hatten eben keine braune Hemden. Nur blaue.

"Wenn die unsere Unterlagen finden, werden sie vielleicht auch Menschen", antwortet Jens lachend.

"Sind das DDR Anw?lte?"

"Nein. Alle vom Westen."

"Aha. Das Unrecht h?lt Einzug mit Unrecht. Dann erwarte ich auch bei unserem Ansuchen, kein Recht."

"Was willst Du hier?"

"Wir brauchen eine neue Gastst?tte. Vielleicht k?nnen wir etwas DDR Kulturgut retten."

"Da sehe ich schwarz bei den neuen Herrschaften."

"Naja. Du musst jetzt auch neu suchen."

"Das wird eine finstere Zeit, denke ich."

Beim Betreten des B?ros kommt uns eine Wolke entgegen, die Joana sofort dazu zwang, sich die Nase mit dem Taschentuch zu bedecken. Saufen die das K?lnisch-Wasser schon literweise? Dabei sind diese Gestalten total verschmiert. Ich denke, ich stehe in Hamburg auf dem Strich. Wer malt diese Kreaturen an. Der Plakatanbringer einer Litfa?s?ule? Nehmen die vierziger Rasierpinsel f?r den Kleister?

"Wir sind hier, weil wir eine Gastst?tte suchen."

"Hier ist die Liste aller uns zur Verf?gung stehenden Objekte."

"Haben Sie auch eine Liste aus unserem Kreisgebiet? Ich m?chte nicht den Bekanntenkreis wechseln."

"Die Gesamtliste ist nach Verwaltungseinheiten sortiert. Sie m?ssen nur Ihre suchen."

"Wo muss ich dann den Antrag abgeben?"

"Hier in Chemnitz."

"Sie meinen Karl-Marx-Stadt?"

"Wie Sie das nennen, ist mir egal. Bei mir hei?t das Chemnitz."

"Dazu hab ich nur die Frage. Sie verwechseln nicht zuf?llig den Campingplatz bei Gro?kotzenburg mit Karl-Marx-Stadt? Kommen Sie aus diesem Kaff?"

"Ich habe jetzt Termine."

"Mit dem Wollmantel vor der T?r?"

"Auf Wiedersehen."

Der Hefter ist etwa zehn Zentimeter dick. Woher wissen die von einem Tag auf den anderen, welche Objekte von der Treuhand verschachert werden sollen? Die Liste muss, bei dem Arbeitstempo dieser dummen, leichten Damen, schon vorher geschrieben worden sein. Die Kreatur dort Drinnen jedenfalls, wei? weder, von welchem Kreis wir reden noch Irgendetwas von den Objekten.

Wir bl?ttern in dem Hefter und finden, man glaubt es kaum, unsere alte Gastst?tte darin. Joana fragt mich besorgt, was hier los ist.

"Ich wei? es auch nicht."

Wir kommen auf die letzten Seiten dieses Kataloges. Dort steht beschrieben, wie wir uns um ein Objekt bewerben sollen. Wir br?uchten eine Machbarkeitsstudie, eine Verm?gensaufstellung, Darlehenszusagen von Banken und einen Businessplan. Das soll von einem Steuerb?ro, von vereidigten Wirtschaftsberatern und vereidigten Anw?lten ausgefertigt werden. Nat?rlich von Westdeutschen, zu deren Kosten.

Strohdummes, versoffenes, verhurtes Gesindel soll uns beraten, wie wir eine Wirtschaft in der DDR zu f?hren haben. Die machen das nicht kostenlos. Joana sieht schwarz f?r unsere Zukunft in Deutschland. Etwas Hoffnung habe ich noch.

"Wir fahren nach Berlin und versuchen dort unser Gl?ck." Ich denke, auf die Provinz haben sie die Unf?higsten geschickt.

Unsere Nachbarin Julia, die in der Brauerei arbeitet, m?chte uns den Trabi abkaufen. Ein anderes Auto kann sie nicht fahren, sagt sie. Sie bietet uns sieben tausend Westmark. Das waren praktisch vierzehntausend Mark. Wir werden uns schnell einig. Das Auto ist jetzt weg. Wir sind Fu?g?nger. Zu der Zeit scheint das ein Nachteil zu sein.

Just an dem Tag ruft mich meine Mutter an und sagt, sie h?tte jetzt ein Westauto. Der Wartburg von ihr ist jetzt frei. Die Freude ist gro?. Wir brauchen jetzt dringend ein Auto. Ein Auto, Westgeld und schon kann der Kampf um eine Gastst?tte beginnen. Wir treten jetzt gegen Mitbieter an, die ihre eigenen B?rger im Westen schon anst?ndig beraubt haben und zus?tzlich, gegen Gl?cksritter. Selbst vorher ausgereiste DDR B?rger finden pl?tzlich ihre Heimat wieder attraktiv. Sie spielen sich jetzt als kenntnisreiche Westdeutsche auf. Alte Bekannte gr??en sie auf einmal wieder. Sie heucheln eine Gemeinsamkeit.

"Wir kommen ja von hier."

Sie sagen nicht, "im Westen ist mein Traum zerplatzt und Alles ist schief gelaufen." Das w?re ja ein Offenbarungseid an ihre verlogenen Ausreisegr?nde. Sie spielen jetzt Chef. Sie sind etwas Besseres und reichlich ?berheblich. In dem Umfeld wird es wirklich schwer, den Boden zu behalten. Dank Joanas Eltern und ihrer Geschwister, bleiben wir auf dem Boden.

Auf der Fahrt nach Berlin ?rgern wir uns, mit dem Auto gefahren zu sein. Selbst unsere Feldwege waren in einem besseren Zustand als die Wege in Berlin, die sie Stra?e nennen. Endlose Staus und an jeder Ecke mindestens ein Unfall. An den Stra?enr?ndern stehen nahtlos Nutten, die mit Polizisten ums Schutzgeld schachern. Unsere Parks verkommen zu Bumsecken. Besucher laufen dort bereits fl?chendeckend auf gef?llten Parisern. Erde ist dort keine mehr zu sehen. Vor jeder Toilette steht irgendeine Mafia und will selbst f?r kleine Gesch?fte, drei Mark. Ein Jahr, und aus einer wirklich sch?nen, sehenswerten Kulturstadt, wird ein mit Nutten und Kriminellen verseuchtes Drecksloch. Ich frag mich, wer in diesem Umfeld ein Gesch?ft machen m?chte. Das, was wir in amerikanischen Filmen zu sehen bekamen, ist Wirklichkeit geworden. Ausgerechnet im Haus der DDR Ministerien siedelt sich eine Verbrecherorganisation an, die schon in fr?heren Reichszeiten f?r Millionen Zwangsarbeiter sorgte. Schon beim Betreten der mir bekannten Flure, begegnen uns wieder die dunkelblauen Wollm?ntel. Dieses Mal, massenhaft. Alle mit kantigen Aktentaschen der gleichen Marke. Und diese gewissenlosen Kreaturen, wollen ?ber unsere Menschen der Volkskammer oder des Politb?ros l?stern. Das ist, als w?rde sich stinkendes Abwasser ?ber die Vorrichtung beschweren, die es geruchslos beseitigt.

Wir werden wieder in ein B?ro gerufen. Schon beim Eintreten bekomme ich den Eindruck, wir w?ren in der Filiale eines Drogeriemarktes gelandet. Neben dem Geruch der Mixtur aus den oberen Regalen der Parf?merieabteilung, liegen s?mtliche Sonderangebote der Drogen f?r die Schmerzbehandlung. Nicht nur das. Das Angebot ist riesig. Es fehlen nur die Preisschilder. Um die Stuhllehnen h?ngen die offenen Handtaschen. Prall gef?llt mit Schmiere f?r Augenbrauen, Lippen, Visage und, ich dachte ich sehe nicht richtig, Vaseline. Das B?roleben muss wirklich unglaublich hart sein. Die Schreibtische sind teilweise nicht verblendet. Die Zwickelschau f?r die Chefetage k?nnte man fast schon mit einem Werbeaushang der Herberststra?e in Hamburg vergleichen. Die Postengeilheit in diesem B?ro scheint un?bertroffen. Ich habe fast den Verdacht, die Frauen in der Herbertstra?e sind kl?ger als die in dem B?ro.

Eine scheinbare Ausnahme, anst?ndig gekleidet und nicht verkleistert, winkt uns gerade zu ihrem Schreibtisch.

"Was w?nschen Sie?"

Ich lege den Hefter auf den Tisch und sage ihr, wir k?men aus dem Raum Karl-Marx-Stadt. Unsere Gastst?tte haben Alteigent?mer wieder bekommen und wir wurden gek?ndigt.

"Die K?ndigung ist nicht rechtens."

"Wie soll ich das verstehen?"

"Naja. Die Familie Elias hat das Objekt nicht wieder bekommen. Sie wurden nicht von der DDR enteignet."

"Verstehe ich die Welt richtig? Die Enteignung 1933 war rechtens?"

"Naja. So ist erst Mal das Gesetz."

"Damit ist die Familie schon das zweite Mal enteignet worden. Sind es die gleichen Enteigner wie damals?"

"Was suchen Sie jetzt konkret. Eine Gastst?tte?"

"Wenn es geht, nicht zur Pacht sondern in Besitz. Ich habe kein Vertrauen in die neuen Besitzer."

"Sie wollen also kaufen."

"Das w?re, glaub ich, der idealste Schritt."

"Ich liste Ihnen bis morgen alle Objekte in Ihrer Umgebung mit dem Verkaufspreis auf. Ist ihnen das recht?"

"Wie l?uft das dann weiter?"

"Damit gehen Sie zu einer Bank und beantragen das Darlehen f?r den Kauf."

"Kennen Sie irgendein Hotel hier in der N?he?"

Sie kommt gewaltig ins Lachen.

"Im Umkreis von hundert Kilometern werden Sie kein Hotel finden."

"Und wenn doch?"

"Eine Nacht in dem Hotel, in dem ich schlafe, kostet 550.-DM. Das ist kein Palast."

"Ich sch?tze, das Hotel hat schon einen Westbesitzer."

"Bis morgen. Auf Wiedersehen."

"Wo schlafen wir heute?", fragt mich Joana.

"Wir m?ssen mal schauen. Ich habe mehrere Kollegen, die mit mir an der Trasse gearbeitet haben. Die rufen wir an."

Wir setzen uns in ein Cafe. Bei den Preisen wird sich das wohl auf eine Tasse beschr?nken. Kaffee ist es auch keiner. Eher Hauskaffee. Von dort rufe ich Thomas, Klaus, Micha und Steffen an. Steffen hat f?r uns ein Bett. Er braucht kein Kinderzimmer. Das ist frei.

"Bist Du denn noch mit Karin zusammen?"

"Aber nat?rlich. Du wirst staunen."

Steffen hatte Karin an der Trasse geheiratet. Das war ein Fest. Unsere Sowjetischen Gastgeber haben die Ehe mit einer Jakuten  Schamanin gesegnet. Karin hat ihren zuk?nftigen Ehemann wirklich gewissenhaft gesucht. Sie wohnte mit ihren Kolleginnen zwei Zimmer weit entfernt von unserem. Karin hat bei uns Kassiererin und Essensausgabe gemacht. Abends hat sie bisweilen in der Bar geholfen. Sie war begehrt und ihr Zimmer wurde sehr gut besucht. Karin war die erste Frau, mit der ich fremd gegangen bin. Sie sagte mir, es w?re f?r sie ein Kinderspiel gewesen, mich rum zu bekommen. Kein Wunder. Manchmal war ich ein halbes Jahr am St?ck in Sibirien. Mitunter hatten wir das Gef?hl, die weniger sch?nen Frauen, h?tten in Sibirien alle einen Mann gefunden. Das wirkte nat?rlich anziehend f?r diese Frauen. Zumal Sch?nheit, eine wirklich pers?nliche Ansichtssache ist. Karin hingegen war eine Art Lichtschein unter ihren Kolleginnen. Gut gebaut, nicht zu viel Brust, klug und redselig. Eine Idealgestalt in Engelsform. Unwiderstehlich. Und sie wusste das. Sie nutzte es auch aus. Es dauerte nicht lange und sie hatte das gesamte Lager des Verkaufssortimentes unter ihrer Verantwortung. Obwohl es uns an Nichts fehlte, haben verschiedene Lieferprobleme oft die zuteilende Hand Karins ben?tigt. Gerade in Winter- und Schmelzzeiten hatten unsere Lieferz?ge oft schwere Unterbrechungen.

"Wo seid Ihr gerade", fragt Steffen.

"Wir sitzen in dem Cafe."

"Wir holen Euch ab. Nach Marzahn zu kommen, ist etwas kompliziert."

Die polnische Bedienung fragt uns, ob uns der Kaffee geschmeckt hat.

"Ist Ihr Chef ein Ossi oder ein Wessi?"

Sie lacht.

"Eine Wessi aus Hannover."

"So schmeckt der Kaffee!"

Sie lacht schon wieder.

"Ich trinke hier keinen Kaffee."

"Den Personalkaffee m?sst Ihr sicher auch bezahlen."

"Jaja."

Steffen kommt im dreihunderter Benz. Bei ihm sitzt Karin. Es scheint, als w?ren die Beiden j?nger geworden.

Wir begr??en uns, fragen uns gegenseitig, wie es geht und warum wir in Berlin sind.

"Wollen wir noch etwas Essen gehen?"

"Naja. Bei der K?che hier....", antworte ich Steffen.

"Halt, Halt. Ich kenne einen Griechen, bei dem schmeckt es Dir."

Steffen kennt meine Abneigung gegen preu?isches Essen. In Berlin haben wir nie gut gegessen.

"Griechisches Essen? Gut. Probieren wir das."

"Den Gastwirt kenne ich pers?nlich. Den k?nnten wir mal zu Hause besuchen. Er baut gerade ein Hotel."

"Im Moment sieht es ungeheuer schlecht aus bei mir. Ich habe weder einen Betrieb noch irgendeine Aussicht, eine halbwegs bezahlte Arbeit zu finden."

Das Essen bei dem Griechen war wirklich sehr gut.

Der Chef fragt Steffen, ob ich sein Freund w?re. Er erz?hlt von unserer gemeinsamen Zeit in Sibirien.

"Unsere warme Stube habt Ihr also gebaut?", fragt der Gastwirt.

"Au?er etwas pers?nlichem Stolz ist uns nicht viel geblieben", antworte ich ihm.

"Naja. Das ist die Zeit f?r einen guten Metaxa."

Christos geht in die K?che und kommt mit einem Metaxa wieder. Den haben wir schon in der DDR sch?tzen gelernt. Ein edles Ges?ff.

"L?uft Dein Gesch?ft gut, Steffen", fragt Christos.

"Besser als ich je gedacht hatte."

"Was machst Du denn", frage ich ihn.

"Ja. Ich verkaufe Dildos."

"Und das funktioniert?"

"Naja. Neben Karin habe ich noch zwei Freunde, die Du auch von der Trasse kennst. Die helfen mit."

"Und Ihr k?nnt gut leben davon?"

"Das Auto ist jedenfalls bezahlt. Wie ich das sehe, k?nnte Joana auch bald diese Helfer ben?tigen. Bei dem Druck, den Du hast, sicher."

Steffen hat schon irgendwie recht. Joana best?tigt das mit ihrem Blick. Karin sagt zu Joana: "Ich muss an die frische Luft. Gehen wir eine Runde?"

Mein Gott. Wenn ich Karin so hinter her schaue. Steffen bemerkt das.

"Kannst Du Dich noch gut erinnern?"

"Lass uns einen Metaxa ein und wir vergessen den Stress erst mal f?r einen Tag."

Christos l?sst die Flasche gleich auf dem Tisch stehen. Irgendwie hat der ein Abkommen mit Steffen. Das hinterfrage ich nicht.

"Wie ich das sehe, bist Du momentan ziemlich klamm."

"Das ist schon recht bescheiden ausgedr?ckt", antworte ich.

"Du musst versuchen, Allianzen aufzubauen. Bei Deinen Beziehungen geht das sicher."

"Naja. Ratschl?ge bringen jetzt erst mal Nichts. Wir m?ssen erst mal eine neue Gastst?tte bekommen."

"Die Kredite von diesem Pack sind teuflisch. Pass auf!"

"Du hast es ohne geschafft."

"Nat?rlich. Ich habe nur im richtigen Moment angefangen. Aber jetzt brauchen wir schon auch fast eine Lagerhalle."

"Und die Steuer?"

"Die waren bei mir schon vier Mal die B?cher pr?fen. Komisch. Bei meinen Westnachbarn waren die noch nie. Die haben sich schnell, billig, freie Wohnungen gekauft. Seit dem schlafen in unserer Nachbarschaft, Fl?chtlinge und Migranten. Viele Russlanddeutsche. Die wollen fast Alle wieder nach Hause."

"Da hast Du ja Gl?ck. Deine Nachbarn verstehst Du gut."

"Du wirst staunen. Es sind auch Tataren dabei."

"Jetzt vermisse ich schon fast den sch?nen Ural."

"Jaja. Die Maik?fer -, Ameisen  und M?ckensaison."

"Vergess die Holzb?cke nicht. Schwein vom Grill und das Brot von Hermann."

Karin und Joana kommen zur?ck.

"Wir gehen inzwischen", sagt Karin zu Steffen.

"Was? Zu Fu??"

"Aber sicher. Joana m?chte etwas testen."

"Naja. Dann saufen wir eben noch ne Runde", sagt Steffen zu mir.

"Lass doch die Zwei mit dem Auto fahren. Sie k?nnen uns dann abholen. Besoffen k?nnen wir eh nicht fahren."

"Darauf einen Metaxa", ruft Steffen, der sichtlich etwas angeheitert wirkt.

Karin l?chelt zu dem Geschehen. Sie kennt das noch aus Trassenzeiten. Ich freue mich so sehr dar?ber, gerade die Zwei zusammen zu sehen. Ein Paar wie aus dem Bilderbuch.

"Deine Joana ist eine sehr sch?ne Frau. Wann willst Du heiraten. Wir kommen sicher."

"Ich wei? nicht, ob wir ?berhaupt heiraten oder heiraten m?ssen. Die neuen Gesetze geben mir schwer zu Denken."

"So, wie ich das sehe, braucht Ihr nicht heiraten. Ihr geh?rt einfach zusammen."

"Das sehe ich und Joana auch so."

"Wenn Ihr wieder beisammen seid, fahren wir zusammen zu Christos nach Griechenland."

"Einen Urlaub k?nnten wir schon gebrauchen. Bei dem Theater."

Die Flasche ist fast leer. Christos bringt die n?chste und setzt sich jetzt auch etwas mit zu uns. Er hat im Lotto gewonnen und baut zu Hause ein Hotel. Er bleibt nicht mehr hier. Ehrlich gesagt, hat er auch nicht das Gem?t, um in so einer Stadt zu hausen. Das stellt sich schon nach den ersten Worten so dar. Das Heimweh foltert Christos. Miriam, seine Frau, kommt gerade zu uns. Miriam ist eine sch?ne Frau, die etwas maskulin wirkt. Typisch, s?dl?ndisch. Christos springt sofort auf und macht ihr Platz, als sie kommt. Er holt sich einen Stuhl.

"Das M?bel ist von uns zu Hause" betont er. "Handarbeit."

"Nehme es wieder mit. Es passt nicht zu den Herren hier. Die schmei?en Alles, was ihnen nicht passt, ins Feuer."

Christos lacht und Miriam nickt. Steffen sagt, Christos w?re Mitglied der KKE.

"Also, liebe Genossen", antworte ich ihm.

"Das kannst Du f?r voll nehmen."

Miriam steht auf, rennt in die K?che und kommt mit einem Dessert wieder.

"Bei den Mengen Metaxa, braucht Ihr sicher einen Kuchen."

Sie hat einen Hefekuchen in der Hand, der dem Panettone sehr ?hnelt. Die St?cken werden abgerupft. Sehr sch?n.

Karin und Joana kommen uns abholen. Es gibt K?sschen und das Versprechen, Christos und Miriam zu Hause zu besuchen. Christos und Joana helfen mir etwas beim Hinaus gehen. Ich bin besoffen. Steffen schleppt sich bis an die T?r, wo ihn die Beiden auch abholen.

Karin f?hrt sehr gut und fl?ssig. Das erinnert mich an meine Fahrlehrerin, die auch Rennen gefahren ist und jetzt als Taxifahrerin arbeitet. Sie hat auch Busse gefahren. Karin hat an der Trasse auch gelegentlich unseren Bus gefahren. Wie sie mit dem Schalthebel umgeht, sucht Ihresgleichen.

Sie tippt den Hebel an, wie eine Fee. Und das funktioniert. Wir kommen bei Steffen zu Hause an. Seine Wohnung ist eigentlich nur ein Nest. Die Eltern haben ein H?uschen gebaut zu DDR Zeiten. Dort hat er sicher auch sein Lager. Mit dem Fahrstuhl fahren wir fast bis nach ganz Oben. Einen Stock tiefer wohnen Steffen und Karin. Das Haus wirkt leer und ziemlich ruhig. Ich frage Steffen, wie das kommt.

"Die sind alle weg gezogen. Investoren haben viele Wohnungen gekauft. Die wollen wahrscheinlich zu viel."

Die Wohnung ist das B?ro von Steffen. Sie schlafen im Wohnzimmer. Im Schlafzimmer zeigt mir Steffen sein Fotostudio. Dort machen sie die Fotos von den Produkten, die er anbietet. Sch?n.

Joana sagt, sie ist schon fertig geduscht. Sie wirkt etwas m?de, aber gleichzeitig ziemlich zufrieden und aufgeweckt. Sonst rennt sie nerv?s, wie aufgezogen umher. Sie kichert etwas, als ich ihre den Hintern streichel und einen Gute Nacht Kuss gebe.

Steffen l?dt mich ein, noch einen kleinen Schluck aus der Hausbar zu trinken.

"Aber wirklich nur etwas S??es."

"Ich habe etwas Besseres."

Karin will sich auch schon hinlegen. Das Wohnzimmer ist jetzt unser. Karin geht zu Joana. Steffen und ich trinken noch etwas. Wir schalten den Fernseher an und schauen Filme vom Videorecorder. Filme von der Trasse. "Die habe ich kopiert von meiner Kamera."

Es sind wirklich feine Filme dabei mit echter K?nstlerprominenz aus der DDR. Sehr sch?n waren die Filme mit den russischen Tanzgruppen und K?nstlern. Wir k?nnten fast eine Woche am St?ck, Filme anschauen. So viele hat Steffen gefilmt. Mir ist das dort kaum aufgefallen.

Steffen weckt mich. Wir haben acht Uhr. "Fr?hst?ck", ruft er.

Karin hat f?r mich vier Eier gekocht. Joana hat ihr verraten, dass ich, wenn ich fr?h esse, nur Kaffee, Tabak und Eier brauche. Steffen fragt mich, ob ich immer noch meine Zigaretten rolle.

"Das ist Familientradition. Unsere Familie hat schon immer Tabak angebaut."

"Zeig mir mal, wie Du das machst."

Ich zeige es ihm. Zuerst rolle ich Watte oder Krepppapier zu einer Art Zigarette. Aus den Zigaretten schneide ich die Filter. Die rolle ich neu mit Tabak zusammen und rauche eine verk?rzte Filterzigarette. Schon zu DDR Zeiten hatten K?che wenig Zeit zum Rauchen. Und die russischen Belomorkanal und Herzegowina Flor waren mir dabei ein Vorbild geworden.

"Sollen wir Euch wieder zu der komischen Treuhand fahren?"

"Mir w?re das Recht", antwortet Joana.

"Hoffentlich finden wir unser Auto wieder."

"Wo habt Ihr denn geparkt?"

Ich beschreibe Steffen, wo unser Wartburg steht.

"Hoffentlich ist er noch da", scherzt er.

Als w?rde uns Jemand einen Wartburg klauen. Noch zumal, einen mit dem alten Zweitaktmotor.

"Ich hab hier schon Pferde kotzen sehen."

Wir haben den Parkplatz unweit des Palastes der Republik gew?hlt. Der ist leicht zu finden und gut bewacht.

Wir fahren und der Abschied von den Zweien f?llt uns schwer. Wir w?rden sofort da bleiben. Karin gibt mir ein K?sschen und bei der Ber?hrung erinnere ich mich an die seidenweiche Haut von Karin. Nicht mal bei unseren Kindern habe ich so eine Haut ber?hrt. Was macht sie f?r diese Haut? Die war schon in der Sowjetunion so unbeschreiblich weich. Steffen k?sst Joana und mir gibt er einen H?ndedruck mit dem dringenden Wunsch, uns wieder sehen zu wollen. Karin hat Joana ein gro?es P?ckchen mit gegeben. Ich frage nicht, was drinnen ist. Ich kann es mir denken.

Steffen fragt mich noch zum Abschied, ob ich noch Rolf und Kato aus Rostock kenne.

"Die wollen Dich auch unbedingt mal treffen. Ich k?mmere mich mal drum."

"Bis dann, Ihr Lieben."

Jetzt wird es Zeit, in den heiligen Tempel zu schreiten.

Im Foyer des Tempels stehen dieses Mal ein paar bewaffnete Polizisten. Sie haben ein kleines Maschinengewehr am K?rper. Was soll das? Ist schon die Gestapo eingezogen?




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