Smaragdherz
Natali Patra


Manche M?dchen sind klug, manche klug und sch?n. F?r sie werden die seltsamsten Dinge erfunden, und selbst Nerze sind ihnen zugetan.





Smaragdherz





14 Kapitel


Kapitel 1. Gitarrenseite



Eine Stadt mit kleinen H?usern lag versteckt zwischen riesigen B?umen, deren Kronen bis in den Himmel ragten. Alle Versuche, ihr Ende zu erkennen, waren vergeblich. Marina erinnerte sich, dass ihre Freunde von riesigen, geraden, pr?chtigen B?umen geschw?rmt hatten, aber sie hatte sich nie vorstellen k?nnen, dass B?ume ihre ?ste so gerade in den Himmel biegen konnten, wo sich selten Wolken aufhielten. Nachdem sie aufgeschaut hatte, senkte Marina ihren Blick auf die H?user. Es waren Geb?ude, nicht h?her als drei Stockwerke, verziert mit gro?en, runden Steinen. Es wurde dunkel. Schilder mit der Aufschrift Smaragdviertel leuchteten an den H?usern. Sie dachte, die Smaragde hier k?nnten die Baumkronen sein, denn sie h?rte das Rascheln der Bl?tter von oben.



Marina hatte absolut keine Erinnerung daran, wie sie in dieses warme Viertel gekommen war, und wusste daher weder, wo sie schlafen noch wohin sie gehen sollte. Sie blickte noch einmal auf die geraden Baumst?mme und beschloss, in die Richtung zu gehen, wo keine waren. Sie ging und begegnete nur Menschen von Basketballgr??e, vielleicht zwei Meter oder mehr. Sie f?hlte sich winzig in einem Land der Riesen  Menschen und B?ume. Das M?dchen betrachtete die Rasenfl?chen, die von Str?uchern und gro?en Blumen ?berwuchert waren. Sie wohnte dort, wo man die Baumkronen vom Fenster aus sehen konnte, und ihr Viertel hie? tats?chlich Smaragd. Und dann wachte sie auf 

Am Sonntagmorgen sa? Marina zu Hause und versuchte, ihre Stimmung mit dem Zupfen auf ihrer Gitarre auszudr?cken. Nach einer Weile warf sie die Gitarre auf einen Stuhl; ihr fiel heute keine neue Melodie ein. Die sechssaitige Gitarre schepperte. Die klaren T?ne verhallten, als w?ren sie nie da gewesen. Und dann fragte ihre Mutter, die ins Zimmer schaute:



Marina, wann machst du heute dein Bett? Niemals!, schrie Marina und fiel mit dem Gesicht nach unten zu Boden. Ihre Mutter seufzte laut. Eine Gitarrensaite zitterte kl?glich. Die T?r knallte zu. Marina war allein im Zimmer, nur die Gitarre lag noch auf dem Stuhl. Ilya hatte sie verlassen! Sie schluchzte kl?glich auf; schon seit einer Woche weinte sie deswegen. Marina tat sich selbst leid, so ein zierliches M?dchen! Langsam richtete sie sich auf die Ellbogen auf, blickte aus dem Fenster, sah den grauen Himmel und lie? sich wieder mit dem Gesicht ins Kissen fallen. Dann fuhr sie abrupt hoch  ein einfacher Gedanke durchfuhr sie: Ihr geliebter Ilya war f?r ihre Freundin Lera gegangen! Nat?rlich hatte er sie verlassen, so zierlich und schlank! Die Tr?nen des Schmerzes trockneten augenblicklich, und ein seltsames L?cheln erschien auf Marinas Gesicht, als h?tte sie einen Witz gemacht. Ilya hatte tats?chlich seine eigenen Probleme: Seine Eltern waren geschieden. Er hatte sich f?r seinen Vater entschieden. Seine Mutter hatte ihn zwei Jahre zuvor zugunsten seines Vaters verlassen, und nun hatten sie die Wohnungen getauscht und waren ausgezogen. Er hatte ?berhaupt keine Zeit f?r Marina; er lebte sich in seiner neuen Wohnung, seiner neuen Nachbarschaft, seinem neuen Leben ein. Das Haus war ein typisches M?nnerhaus  oder ein Chaos nach dem Umzug, was ihm v?llig gleichg?ltig war.

Marinas Wohnung war so perfekt aufger?umt, dass man meinen konnte, Staub g?be es nicht; alles gl?nzte! Ihre Mutter und Gro?mutter hielten die Wohnung in Ordnung. Die Gro?mutter konnte zwar ohne Brille nichts sehen, gab aber zu, dass die Gitarre auf dem Sessel stand.

Marina nahm die Gitarre, strich mit der Hand ?ber die Saiten, zupfte die Akkorde und rief aus:



Warum habe ich keinen Pagen, der mir das Bett macht! Die Gitarre riss ihr aus den H?nden, sch?ttelte sich und verwandelte sich in Ilya, oder in einen Jungen, der ihm sehr ?hnlich sah.



Einen Gitarrenpagen!, hauchte das M?dchen.



Jawohl, Herr, ich bin Ihr Page, Herrin Marina! Was soll ich tun? Mach das Bett perfekt.



Jawohl, Mylady!

Der Gitarrenjunge machte augenblicklich das Bett und verwandelte sich in eine Gitarre.



Die Mutter betrat das Zimmer:



Marina, wie hast du es geschafft, das Bett perfekt zu machen?



Es ist einfach so passiert.



Gut gemacht, sagte die Mutter und verlie? das Zimmer.



Die T?r schloss sich. Marina war allein im Zimmer. Sie klatschte freudig in die H?nde und blickte ?berrascht auf den Stuhl: Ein Abbild von Ilya sa? darauf.



Jawohl, Mylady!, rief der Junge vom Stuhl herab.



Nein, das geht so nicht! Ich lebe allein in diesem Zimmer, und jetzt dr?ngst du dich mir auf, murrte Marina unzufrieden.



Du hast mich gerufen, Herrin! Du hast in die H?nde geklatscht, und ich bin erschienen, um deine Aufgaben zu erledigen.



Ich habe keine Aufgaben f?r dich! Wegen dir habe ich keine Gitarre mehr. Und du hast den Stuhl eingenommen, Herr Gitarren-Page, oder wer auch immer du bist!, sagte das beleidigte M?dchen schnell.

Ich bin Shurik. Ich habe die Gestalt des Jungen angenommen, den Ihr so sehr m?gt, Madam, damit Ihr nicht mehr weint, sagte der Ritter mit einem belehrenden Unterton.



Ich habe aufgeh?rt zu weinen. Spielt Gitarre, ich h?re Musik am Computer, antwortete Marina und schaltete den Computer ein.

Pl?tzlich ?ffnete sich die T?r. Ihr Vater stand im T?rrahmen.

Als er den Jungen im Zimmer sah, rief er mit aufgerissenen Augen:



Marina, warum wohnt Ilya in meinem Haus? H??!, br?llte er und holte einen G?rtel aus dem Flurschrank.



Papa, das ist nicht Ilya, das ist meine Gitarre!



Wo ist die Gitarre? Er sa? doch hier! Wirklich, die Gitarre liegt auf dem Stuhl. Bilde ich mir das nur ein?



Papa, du bildest dir das nur ein.

Ihre Mutter erschien im T?rrahmen:



Was ist denn hier los? Mama, Papa dachte, er h?tte Ilya im Sessel gesehen, aber da steht eine Gitarre!



Papa, ich war schon zweimal im Zimmer, und Ilya war nicht da. Ich hab dir doch gesagt, du sollst nicht auf leeren Magen trinken, das Fr?hst?ck ist schon fertig.



Bin ich etwa betrunken? Ich hab heute noch gar nichts getrunken! Warum bist du heute so streng mit mir, und dann l?dst du Ilya auch noch heute Morgen ein?!, sagte Papa beleidigt und ging in die K?che.



Marina verlie? ebenfalls das Zimmer und ging in die K?che. Als sie die T?rklingel h?rte, drehte sie sich zur T?r um. Ihre unbeschwerte Freundin Lera, deren Haare blond gef?rbt waren, stand davor.



Marina, hallo! Darf ich deine Gitarre spielen? Mama hat gesagt, sie kauft mir erst eine, wenn ich wenigstens ein bisschen spielen kann, sagte Lera fr?hlich.



Lera, zieh dich aus und komm rein. Ich esse schnell was und komme dann wieder.

Gerade als Marina sich zum Abendessen hingesetzt hatte, h?rte sie einen Schrei aus ihrem Zimmer. Sie lie? den L?ffel fallen und rannte ins Zimmer. Als sie die T?r ?ffnete, lachte sie: Shurik lag auf Leras Scho?, und sie trommelte mit den Fingern irgendwo in der N?he seines Bauchnabels. Marina schloss die T?r und ging zur?ck in die K?che.



Ihr Vater sah seine Tochter an und fragte:



Marina, wer schreit denn da in deinem Zimmer?



Lera spielt Gitarre.



Ich halluziniere nicht. Verzeih mir, Tochter, aber ich h?re keine Gitarre!



Und das wirst du auch nicht, murmelte Marina und biss in ihr Sandwich.



Du machst mich wahnsinnig, sagte ihr Vater ver?rgert und beleidigt.

Lera versuchte, den Jungen von seinem Scho? zu schieben:



Ilya, wo kommst du denn her? Habe ich was verpasst?



Ich bin nicht Ilya, ich bin Shurik von der Zirkusschule!



Was bist du, Ilyas Bruder? Aber ich habe die Gitarre aufgehoben, und wo kommst du her? Ich bin die Gitarre! H?r auf mit dem Quatsch! Sag mir, wo du die Gitarre versteckt hast! Sie haben mich eine halbe Stunde allein gelassen, und du verschwendest meine Zeit.



Lera konnte es nicht fassen, dass es nicht Ilya, sondern Shurik war; ihr Kopf war zu klein f?r solche Wunder. Marina kam zur?ck ins Zimmer und schloss die T?r hinter sich fest.



Lera, warum hast du Ilya mitgebracht?, fragte Marina.



Was redest du da?! Ein Freund, sozusagen! Ilya ist mein Freund, und er sitzt bei dir zu Hause!, jammerte Lera.



Wenn Ilya dein Freund ist, was fragst du dann? Lera, wo hast du die Gitarre versteckt? Du bist hierhergekommen, um Gitarre zu spielen, und spielst nicht? Wo ist deine Gitarre? Shurik ist hier, nicht Ilya!



Du hast Shurik also auch mitgebracht?, fragte Marina eindringlich.



Verschwinde! Ich gehe nach Hause!, rief Lera w?tend. Verschwinde!, rief Shurik.



Warum jagst du mich weg?!, fuhr Lera ihn an und st?rmte aus dem Zimmer. Sie kam zur?ck, doch als sie die Gitarre auf dem Stuhl sah, ?ffnete sie pl?tzlich den Mund und stie? einen Seufzer aus: Du bist gierig, Marina! Ich bin weggegangen  und da stand pl?tzlich eine Gitarre!

Marina sah ihre Freundin an, begleitete sie zur T?r, nahm die Gitarre, schob sie in den Schrank und ging ruhig zum Computer. Gerade als sie die Tabelle mit der Titelliste ?ffnete, sp?rte sie H?nde auf ihren Schultern.



Madam, Sie k?nnen mich nicht im Schrank verstecken, sagte Shurik tadelnd.



Wenn du eine Gitarrenseite bist, h?ttest du da bleiben sollen, wo du warst!, rief Marina. Du l?sst mich keine Musik h?ren! Und sie drehte ihre Lieblingsmusik voll auf.



Im Nebenzimmer hielt sich ihre Mutter die Ohren zu. Jemand klopfte an die Decke. Eine Minute sp?ter klingelte es an der T?r  es war der Nachbar aus der Wohnung ?ber ihr:



Mach die Musik leiser, meine Frau ist krank.

Marina drehte die Musik leiser und dachte, die Leute ?ber ihr w?rden st?ndig irgendetwas bohren, aber sie rannte nicht zu ihnen und bat sie, damit aufzuh?ren.



Shurik, willst du mich etwa st?ren?, fragte sie den Mann.



Ich bin dein Gitarren-Page! Ich helfe dir beim Leben!



Ja, ich habe dich nicht eingeladen! Ich gebe dich Lera! Ich habe dich auf ihrem Scho? liegen sehen!



Oh, sind sie etwa schon eifers?chtig?

Oma betrat das Zimmer:



Marina, bist du das? Und wer steht da neben dir? Ist das dein Vater oder deine Mutter? Ich kann gar nichts sehen.



Oma, ich bin allein im Zimmer.



Aber ich sehe zwei dunkle Silhouetten, aber ich kann nicht erkennen, wer sie sind. Allein, na gut. Hast du schon gegessen? Gibt es noch L?ffel? Ich gehe auch essen. Und Oma ging in die K?che.



Und du, Herr Page, musst du gef?ttert werden  oder n?hrst du dich vom Heiligen Geist?, fragte Marina.



Ich muss nicht gef?ttert werden, ich bin kein Mensch, ich bin ein Gitarrenpage, sagte Shurik roboterhaft.



Das ist doch alles Quatsch! Aber ich habe am Montag ein Konzert, und ich muss diese Gitarre spielen! Hast du das verstanden?



Keine Fragen, spiel!, sagte Shurik und strahlte Ruhe aus.



Auf deinem Bauchnabel spielen statt auf einer Gitarre?



Dar?ber m?ssen wir nachdenken. Lera rief Ilya an:



Ilya, warst du heute Morgen bei Marina?



Lera, hattest du zuf?llig K?tzchen?



Du hattest Welpen! Ich frage nur, warst du heute bei Marina?



Ich sage dir doch: Ich habe sie seit einer Woche nicht gesehen. Mein Vater und ich sind in eine neue Wohnung gezogen.



Verstehe. Hast du nicht einen Bruder, Shurik?



Bist du heute noch ganz bei Sinnen?



Ja, aber ich habe bei Marina einen Mann gesehen, der dir zum Verwechseln ?hnlich sah.



Willst du damit sagen, dass ich nichts von den Streitereien meiner Eltern wei?? Interessant! Ich werde sie mal nach meinem Bruder fragen.



Frag sie doch, sagte Lera und legte auf.

Ilya ging ins Zimmer seines Vaters und fragte:



Papa, Lera hat angerufen und gesagt, sie h?tte meinen Bruder Shurik heute bei Marina gesehen! Die Augen seines Vaters weiteten sich, dann blitzte Wut auf:



Das ist alles deine Mutter! Siehst du, mein Junge! Ich wei? ja nicht mal von all ihren Kindern! Das muss gekl?rt werden! Sie verlangt Unterhalt f?r dich, obwohl du bei mir wohnen sollst! Soll ich etwa ihr Kind ern?hren, und wer wei? schon, welches?!



Lera sagte, er sei mein Bruder.



Was soll das hei?en?! Ich verstehe das nicht!, rief sein Vater wie in Trance.



Habe ichs denn verstanden?!, protestierte Ilja.



Wenn du es nicht verstehst, dann geh zu Marina und finde dort alles heraus, und dann fragen wir deine Mutter nach deinem Bruder. Marinas Vater ?ffnete Ilja die T?r:



Da kommt Ilja! Aber ich habe dich heute schon in Marinas Zimmer gesehen, ich habe dich nur nicht gehen sehen! Nein, ich sollte wenigstens ein Bier trinken, sonst vergesse ich noch, wie die Leute hier rein- und rauskommen! Ilja riss abrupt die dunkle T?r zu Marinas Zimmer auf und erstarrte: Da sa? er vor ihm.

Marina, wer sitzt da auf deinem Stuhl?

Ilja, mach die T?r zu.

Ich hab sie doch zugemacht. Und wer ist das?, fragte Ilja und deutete auf den Jungen auf dem Stuhl.

Du nat?rlich! Du sitzt da.

Ich  das bin ich. Wer ist das?!

Wenn du es nicht bist, dann ist das dein Bruder, Schurik.

Ich bin das einzige Kind meiner Eltern; ich habe keine Br?der.

Du hast also einen Bruder? Merkst du das denn nicht? Frag ihn doch! Er hei?t Schurik.

Schurik, bist du mein Bruder?, fragte Ilja v?llig verdutzt.

Nein, ich bin nicht dein Bruder, ich bin ihre Tr?nen f?r dich. Ilya, Marina liebt dich mit ihrer ersten Liebe. Und ich bin die Verk?rperung ihrer Sehns?chte.



Mach dich nicht ?ber mich lustig!, emp?rte sich Ilya.



Na sch?n, ich bin eine Gitarre! Ich bin Marinas Gitarrenseite.



Bist du ein Mensch? Siehst du das nicht? Pl?tzlich verwandelte sich Shurik in eine Gitarre, die auf einem Stuhl lag.



Was war das denn?, fragte Ilya.



Keine Ahnung. Das ist schon seit heute Morgen so, antwortete Marina.



Kann ich die Gitarre haben?



Ich muss am Montag beim Konzert spielen.



Ich gebe dir meine Gitarre. Ich habe aber noch gar keine.



Dann spiel doch auf meiner Gitarre. Ilya hob die Gitarre auf, doch das unerwartete Gewicht lie? sie zu Boden fallen. Shurik lag auf dem Boden und rieb sich den Nacken.



Ilya, komm schon! Lass uns in die Disco gehen!



Es wird Zeit zu gehen, sonst kommen wir zu sp?t, stimmte Ilja zu.



Und mich, nimmst du mich mit?, fragte Schurik. Und du, sechssaitige Gitarre, schlaf im Sessel, erwiderte Marina. ?berraschenderweise verwandelte sich Schurik augenblicklich in eine Gitarre und nahm seinen Platz im Sessel ein.

Ilja winkte und ging hinunter zu seiner Gro?mutter.



Oma, hallo! Ich w?nsche mir so sehr eine neue Gitarre.



Ilja, wie lange w?nschst du dir schon eine Gitarre? Du kannst ja noch gar nicht spielen.



Ich werde Gitarre spielen!



Das glaub ich nicht!, erwiderte Oma. Marina und Ilja gingen nie zur Schuldisco.



Kapitel 2. Die Spinne und die Kuh



Drau?en schien die Sonne wie schon lange nicht mehr: hell und wolkenlos. Die Gegend war von einem trockenen Klima erf?llt, das sich hier scheinbar festgesetzt hatte. Ein Sch?ler entdeckte ein gr?nes St?ck unbekannter Substanz auf seinem Tisch; die Schnittfl?che war wei?. Instinktiv steckte er es sich in den Mund, und nach einer Weile wurde es weich.



Nun sa? der Junge da und kaute auf der seltsamen Substanz herum. Er betrachtete das M?dchen. Sie klimperte mit ihren riesigen Wimpern, an denen man leicht ein Streichholz oder einen anderen kleinen Gegenstand h?tte festhalten k?nnen. Ihr rundes Gesicht, umrahmt von dunklem Haar, strahlte Unschuld aus. Sie war wundersch?n, weshalb sie Iljas ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Schon beim blo?en Anblick von ihr schmolz er dahin.



Sie sa?en am selben Tisch und strahlten gegenseitige Z?rtlichkeit und Liebe aus. Marina und Ilja sprachen nicht viel, fielen nicht auf, galten als gute Sch?ler und waren niemandem l?stig. Ilya  ein schlaksiger Junge mit breiten Schultern und schmaler Taille  faszinierte Marina mit seinem Aussehen. Sie war schon gl?cklich, ihn neben sich sitzen zu haben. Sie wusste, dass Hunde in einem Jahr ausgewachsen waren und sie sechzehnmal so alt war wie er, aber wegen ihres s??en, kindlichen Gesichts hielt sie niemand f?r eine Erwachsene. Manchmal machte ihre Klassenkameradin Lera Ilya Avancen, aber ihre Beziehung war meist spielerisch. Marina liebte den Zeichentrickfilm ?ber eine Kuh mit langen Wimpern; sie f?hlte sich, als w?re sie in einem fr?heren Leben eine Kuh gewesen, obwohl sie immer weit vom Dorf entfernt gelebt hatte. Sie wurde nur selten in die Datscha mitgenommen; meistens verbrachte sie ihre Ferien in St?dten im S?den. Sie hatte kleine Br?ste, die an ein Kuh-Euter ohne Polsterung erinnerten. Ilya sah lieber Spider-Man-Filme. Er stellte sich vor, er w?re ein Superman mit Umhang, der zwischen den H?usern hindurchflog. Kurz gesagt, die Tr?ume eines verliebten Paares hatten nichts gemeinsam, aber das hielt sie nicht davon ab, die Gesellschaft des anderen vorerst zu genie?en. Ilya wurde von einem unbekannten Verlangen ?berw?ltigt, es lastete schwer auf ihm; er wollte auf den Schwingen der Liebe um sie herumfliegen, in einen Umhang geh?llt, dem jedes M?dchen nicht widerstehen konnte. Diese Sehnsucht lenkte ihn immer mehr ab, w?hrend sie ihn weiterhin mit den klaren Augen einer unbeschwerten Kuh ansah. Er zitterte bei der kleinsten Ber?hrung ihrer Hand; er war ersch?pft, aber er verstand nicht, warum.

Pl?tzlich durchfuhr Marina ein stechendes Gef?hl, unbekannt, ?ngstlich und zugleich verlockend. Sie wandte ihr Gesicht abrupt Ilya zu. Er sah sie an. Es war die letzte Stunde. Sie verlie?en die Schule gemeinsam. Der Mai zitterte mit seinen ersten Bl?ttern. Die warme Luft berauschte sie mit dem w?rzigen Duft des zarten Gr?ns. Das Gras war zartgr?n. Marina pfl?ckte ein paar Grashalme und steckte sie sich in den Mund. Oh, wie lecker! Ilya, probier das gr?ne Gras!



Hier sind Hunde, und du isst Gras!



Okay, ich probiere mal ein Blatt, sagte sie, pfl?ckte ein paar Bl?tter von einem Baum und steckte sie sich in den Mund.



Hast du so einen Hunger? Lass uns Eis essen gehen.



Was, Gr?nzeug schmeckt besser!, sagte Marina und spuckte das Gr?nzeug unbewusst aus.

Sie gingen in den Park, kauften Eis und schlenderten die Gasse entlang. Marina lie? versehentlich ihr Eis fallen, das ein streunender Hund schnappte. Sie pfl?ckte einen hohen Grashalm und begann daran zu kauen.



Ich verstehe, du hast Vitaminmangel. Hier, ein paar L?wenzahnbl?tter, iss sie, sagte Ilya lachend und versuchte, ihre Hand festzuhalten, die das gr?ne Gras hielt. Marina ging auf alle Viere, riss ihre Hand aus seiner und verwandelte sich vor seinen Augen in eine Kuh oder ein weibliches Kalb. Sie wollte nichts anderes, als das junge, gr?ne Gras zu fressen.



Ilya holte tief Luft. Er wollte auf einen Baum klettern oder gar hinauffliegen. Er lie? seinen Schulrucksack fallen und kletterte hinauf. Der Ausblick vom Baum war berauschend. Er betrachtete die Kuh. Sie graste noch immer. H?rner waren ihr durch das Fell gewachsen. Ihre Jeans waren ausgeleiert und drohten jeden Moment zu platzen, doch die N?hte hielten. Marina krabbelte auf allen Vieren, wie eine richtige Kuh, und nichts an ihr erinnerte an ein M?dchen.



Ilya fand sich neben ihr wieder und w?nschte sich, er w?re ein junger Stier! Er war bereit, auf sie zu springen; er kannte sich mit Hunden aus und hatte eine gute Vorstellung von Rindern. Er hatte bereits sein Bein ?ber den Widerrist der jungen Kuh geworfen, als ihn etwas hochhob. Erschrocken stellte er fest, dass er einen Umhang trug, der ihn vom Boden abhob. Ilya sehnte sich danach, auf der Kuh zu reiten, wollte unbedingt ein Stier sein, doch seine Fl?gel hielten ihn ?ber der Kuh und hinderten ihn daran, sich ihr zu n?hern.



Die Kuh blickte zu Ilya auf: Er sah in seinem Umhang gut aus. Marina sehnte sich danach, ein M?dchen zu sein; Sie war es so leid, eine Kuh zu sein! Sie m?hte sich ab, auf ihren Hinterbeinen zu stehen, doch ihre Vorderhufe hoben sich nur ein wenig vom Boden ab, bevor sie wieder aufsetzten. Das Gras wollte einfach nicht in ihren Hals gelangen!

Ilya flog zu einem Baum, legte seinen Umhang ab und landete. Er n?herte sich der Kuh, deren Augen voller Tr?nen waren, und k?sste sie. Und welch ein Wunder! Marina begann sich in ein normales M?dchen zu verwandeln. Sie umarmten sich einfach. Die ?lteren waren gl?cklich, wieder sie selbst zu sein. Marinas Lippen waren noch gr?n vom Gras, doch sie lachte freudig und nerv?s. Und er k?sste ihre gr?nen Lippen.

Sie f?hlten sich so wohl, dass eine Nachtigall in der N?he zu singen begann. Ihr zauberhafter Gesang hallte z?rtlich in ihren jungen Herzen wider. Sie setzten sich auf die Bank.



Was war das?, fragte Ilja.



Ich wei? nicht, mir ist das noch nie passiert, antwortete Marina. Ich habe immer noch Angst.



Ich muss dar?ber nachdenken. So eine Verwandlung! Was hast du gef?hlt, als du eine Kuh warst?



Nichts, ich wollte nur Gras, das ist alles.



Und wolltest du nicht einen Stier?



Ich wollte definitiv etwas, aber ich konnte nicht genau sagen, was. Und du bist auf einem Umhang geflogen und warst unglaublich sch?n.



Und ich habe immer wieder dar?ber nachgedacht, wie ich auf dir landen k?nnte, aber meine Fl?gel haben mich nicht nah genug herangelassen. Nein, ich will nicht fliegen und von den W?nschen von Fl?geln oder dem Verstand eines anderen abh?ngig sein.



Und ich will keine Kuh mehr sein! Ich hatte immer das Bild einer Kuh mit Wimpern aus einem Cartoon vor Augen.



Genau, du siehst ihr ?hnlich.



Und du wolltest Spider-Man sein? Bei dir ist alles klar. Lass uns einfach Menschen sein wollen! Du bist so gutaussehend, selbst ohne Umhang!



Und du bist wundersch?n, so wie du bist! Marina und Ilya schlenderten langsam die Gasse entlang, holten dann ihre Taschen und rannten auf ihre Liebe zu. Jetzt redete die ganze Schule dar?ber, dass Ilya und Marina ein Paar seien, obwohl sie vorher nur ganz normale Klassenkameraden waren. Es ist schwer zu verstehen, wie Schulkinder Liebe auf den ersten Blick begreifen. Schlie?lich haben sie es selbst noch nicht erlebt! Ilyas und Marinas Augen begannen zu leuchten, als sie einander sahen; sie kannten bereits ihre geheimen Verwandlungen. Nein, sie glaubten nicht an die Verwandlung und den M?rchencharakter ihrer Pers?nlichkeiten; sie versuchten, sie zu vergessen. Die Schulleiterin, deren Haare vom Wind zerzaust waren, hielt eine Abschiedsrede und schloss mit den Worten:



Das Wichtigste im Leben ist, eine Quelle positiver Gef?hle zu finden und daf?r zu sorgen, dass K?rper und Organe funktionieren, damit sie nicht vor Faulheit rumpeln und grummeln. Aktivisten meldeten sich lautstark zu Wort und vertraten sowohl j?ngere als auch ?ltere Sch?ler. Damit endete der feierliche Teil der Einfrierzeremonie. Die eingefrorenen Kinder gingen dorthin, wo sie hingeh?rten: einige in die Ferien, andere, um sich auf ihren Schulabschluss vorzubereiten. Marina und Ilja gingen zur Schule, wo ihnen der Pr?fungsplan mitgeteilt wurde und sie noch einmal die Pl?ne f?r die Abschlussfeier besprachen. Marina plante, nach der Schule Medizin zu studieren. Sie w?rde nicht sofort einen Studienplatz bekommen; ihr Schulabschluss w?rde gen?gen! Obwohl sie in den Naturwissenschaften besser war. Geranien bl?hten immer auf den Fensterb?nken von Iljas Wohnung. Doch eines Tages h?rte er seine Mutter schreien, als sie wieder einmal nach Hause kam:



Wer hat die Geranien gepfl?ckt? Ilya und sein Vater kamen beim Schrei heraus.

Ihre Mutter betrachtete die kahlen Geranient?pfe. Sie hatten keine Katzen oder Hunde im Haus, und es waren noch nie Fremde gekommen.



Mama, ich esse keine Geranien!, sagte Ilya w?tend.



Mama, ich bin doch keine Ziege! Ich esse keine Bl?tenbl?tter!, donnerte sein Vater.



Geranien esse ich erst recht nicht!, rief seine Mutter, den Tr?nen nahe.



Entschuldigt, aber sie hat die Blumen gepfl?ckt, sagte Marina und verlie? Ilyas Zimmer.



Marina, haben sie dich etwa vergessen zu f?ttern?, fragte seine Mutter mit Tr?nen in den Augen.



Die Geranien sind so lecker!



Was?!, rief sein Vater. Mama, macht sie Witze oder sagt sie die Wahrheit?



Warum bist du so aufgebracht? Ich habe nur die Geranien in der K?che gegessen; die in meinem Zimmer habe ich noch nicht anger?hrt, sagte Marina unschuldig. Mama, sie hat doch nicht alle Blumen gegessen!, rief der Vater fr?hlich.



Okay, Papa, ich stelle die Blumen zur?ck. Aber was erwartet uns als N?chstes, mein Sohn?



Mama, Marina knabbert so gern am gr?nen Gras, sagte der Sohn liebevoll.



Mein Sohn, ich lasse ihr ein paar Weizenk?rner keimen, l?chelte die Mutter.



Oh, danke!, rief Marina.



Marina, vielleicht m?chtest du einen Salat mit frischem Gem?se und Kr?utern? Ich mache dir gleich einen; ich habe ein neues Messer, ich schneide die Tomaten und alles andere.



Wir haben immer frisches Gem?se und Kohl zu Hause. Ich liebe Kohl und Gurken, antwortete Marina.



Liebling, warst du vielleicht in einem fr?heren Leben eine Ziege oder ein Kaninchen?



Mama, die war eine Kuh!, rief Ilja.



Das ist doch nicht dein Ernst, sagte die Mutter und ging in die K?che. Die ?lteren Kinder kamen herein und schlossen die T?r hinter sich.



Marina, meinst du das ernst? Ich frage doch wegen der Geranie!, fragte Ilja ohne zu l?cheln.



Was ist denn los? Fr?her mochte ich die kleinen Bl?mchen nie, aber jetzt bin ich ganz fasziniert von ihnen  von den Bl?tenbl?ttern!



Du isst doch haufenweise Dill, aber Geranien?! Warum?!, fragte der Junge verwirrt.



Wenn du w?sstest, warum, h?ttest du die Blumen nicht angefasst. Ich habe Hunger.



Ich mache mir langsam Sorgen um dich.



Lass mich in Ruhe, nimm die andere. Pl?tzlich sprang Ilja auf, packte die Ringe an der Decke und sah aus wie ein Affe, der auf den H?nden ?ber die Decke kletterte. In Wirklichkeit hingen dort Ringe, Vorspr?nge und Stangen an Seilen, die wiederum an der Decke befestigt waren. Er hielt sie mit den H?nden fest, als w?rde er auf H?nden laufen. Ilya zeigte seine Turn?bungen, sprang auf den Boden, schnappte sich eine Banane vom Teller und begann, daran zu kauen.  Ilya, wer bist du? Ein Affe oder ein Spinnenmann?

Ich habe wohlgeformte H?nde; ich bin leicht und kann alles m?helos greifen.



Du spinnst wohl, sagte das M?dchen gedehnt.



Okay, aber ein Affe zu sein ist einfacher als eine Kuh.



Mit Hufen ist es definitiv schwieriger, stimmte sie zu. Sie wurden zum Abendessen gerufen, es gab einen gro?en Salat mit frischem Gem?se und Gr?nzeug. Marina st?rzte sich auf den Salat, er flackerte auf und verschwand schnell aus der Sch?ssel. Die anderen leckten sich nur die Lippen und a?en Fleisch und Kartoffeln; sie r?hrte diese Speisen nicht an. Marina sa? da wie eine wohlgen?hrte Katze und knabberte tr?ge an Kartoffeln. Ihr Vater verschlang das Fleisch mit beiden Backen; er verlangte sogar Nachschlag, sein ganzes Aussehen erinnerte an einen L?wen nach der Jagd. Seine Mutter knabberte an Kartoffeln und Salat, den sie sich vor Marinas Ankunft auf den Teller getan hatte. Sie kehrte zum Haus ihres Mannes und Sohnes zur?ck und kochte nun gl?cklich f?r sie.



Ich frage mich, wer seine Mutter ist? Marina dachte nach, unf?hig, etwas zu finden, aber sie beschloss, sich nicht wieder mit Zimmerpflanzen abzugeben; sie war schlie?lich keine Ziege. Marina blickte aus dem Fenster; Kakteen standen auf einem Regal dar?ber. Sie l?chelte: Nein, sie war kein Kamel! Das Abendessen verlief in freundlicher Atmosph?re und ohne Vorw?rfe. Marina verlie? allein die Wohnung, holte einen Beutel Geranienbl?ten aus der Tasche und warf ihn in den M?ll.



Essen Sie etwa wirklich Geranien?, grummelte Marina und schlenderte nach Hause. Dort holte sie die Hufe aus ihrer Schultasche, drehte sie in den H?nden und legte sie in den Schrank. Die Idee mit der Kuh-Requisite hatte sie sich schon vor langer Zeit nach einem Kindertheaterst?ck ausgedacht, aber dies war das erste Mal, dass sie sie benutzte. Sie hatte den gro?en Traum gehabt, Schauspielerin zu werden, und au?erdem hatte sie geh?rt, dass sie mit ihrer Gr??e Jungen und Tiere spielen m?sse. Marina hatte die Lust verloren, eine Kuh zu sein, und auf der B?hne eine zu spielen, kam f?r sie nicht in Frage. Nein. Sie wollte lieber Medizin studieren!



Am n?chsten Tag zwinkerte Ilja Marina st?ndig zu. Was wusste er schon? Gar nichts! Dass sie Blumen aus dem Beet gegessen hatte? Niemals! Nur auf eine Wette und f?r viel Geld. Sie gingen zum Spielplatz, wo Ilja auf den ziemlich primitiv gebauten Sportger?ten der Schule angab, wie cool er doch war. Er strengte sich so sehr an, dass er ausrutschte und Blut aus seinem nackten Bein str?mte.



Marina, du wolltest doch Krankenschwester werden, verbinde das!, rief Ilja.



Entsetzt sah sie das Blut und die aufgerissene Wunde an:



Nein, ich habe den Traum von der Krankenschwester schon aufgegeben! Bring mir ein paar Spitzwegerichbl?tter, die wachsen auf dem Rasen!



Z?gernd pfl?ckte Marina ein paar Spitzwegerichbl?tter und begann, sie auf die Wunde zu legen.



Der letzte Schultag r?ckte n?her, sie musste lernen, und die Liebe r?ckte in den Hintergrund. Der letzte Schultag war regnerisch und kalt. Die Sch?ler standen drau?en in einer Reihe. Ein eisiger Wind pfiff durch die Luft. Sch?ler, Lehrer und Eltern sehnten sich nach w?rmerem Wetter; jeder wollte etwas vorzeigen. Die Erstkl?ssler froren, genau wie ihre Eltern. Die erste Klasse verabschiedete die letzte Jahrgangsstufe. Diese letzte Klasse wirkte am letzten Schultag sehr ungleichgewichtig, was Gr??e und Gewicht anging.



Ilya beschloss, zur Polizeiakademie zu gehen. Sein Vater schenkte ihm zum Abschluss ein Auto, das vorletzte Modell eines inl?ndisch produzierten Wagens. Marina freute sich sehr. Sie besuchten sich gegenseitig, und die Verwandten konnten nur staunend ihre Verbundenheit anerkennen. Nachdem sein Vater in eine neue Wohnung gezogen war, kam seine Frau  Ilyas Mutter  zur?ck und stellte Geranien in alle Fenster.



Eine jung aussehende Mutter empfing Marina zu Hause, immer noch eine sehr attraktive Frau! Marina war eine junge Frau; ihr Spiegelbild spiegelte sich in allen Spiegeln der Wohnung. Sie begann zu ?berlegen, in welchem Lebensjahr sie sich befand, um ihre Handlungen oder Worte gegen?ber ihrer Gro?mutter nicht falsch zu deuten. Als sie durch die Wohnung ging, wurde ihr bewusst, dass sie dort mit ihrer Mutter und Gro?mutter lebte. Offenbar hatte sie ihr Studium noch nicht abgeschlossen und erst vor Kurzem angefangen zu arbeiten. Marina ging ins Badezimmer und betrachtete ihren durchtrainierten, jugendlichen K?rper im Spiegel. Sie war so jung! Sie genoss ein entspannendes Bad, denn in ferner Vergangenheit waren hei?es Wasser und Waschmittel schwer zu finden und so umst?ndlich in der Anwendung gewesen. Marina sonnte sich im Schaum, goss Shampoo in ihr langes, ungef?rbtes Haar, nahm einen Algenwaschlappen und wusch sich den Schmutz der Vergangenheit ab. Sie war tats?chlich in ihre eigene Zeit zur?ckgekehrt, wenn auch mit einer kleinen Zeitverschiebung. Marina strengte ihre Erinnerung an, doch sie wollte ihr nicht in die vertraute, bereits gelebte Zukunft zur?ckf?hren. Sie erinnerte sich, dass ihr erster Ehemann der Mann gewesen war, mit dem sie seit ihrer Kindheit am Meer Urlaub gemacht hatte, und das st?rte sie manchmal. Marina hatte eine neue Liebe gefunden. Er stammte aus dem S?den, aus einem Dorf mit Mineralquellen. In seiner Heimat war es warm, und er f?hlte sich hier nicht wohl, obwohl Er wohnte erst seit Kurzem hier. Ihm gefiel ihre Wohnung auf Anhieb, als w?re er in eine andere Welt eingetreten. Und er war definitiv nicht ihr Halbbruder. Doch es war eine fl?chtige Freundschaft gewesen. Marina wurde achtzehn, und ihr Zuhause war voller Sorgen. Dieses Jahr feierten sie den Geburtstag ihrer Gro?mutter im engsten Familienkreis  nur neun Personen. Doch zu Marina kamen neununddrei?ig Leute. Sie ist gesellig und hat unz?hlige Freunde, Freundinnen und Bekannte.

Gro?mutter und Enkelin sind grundverschieden. Marina hat ihren F?hrerschein schon in der Tasche und f?hrt wunderbar. Ihre Gro?mutter hingegen ist Fu?g?ngerin und f?hrt Bus. Marina organisiert eine Party f?r Marina, bezahlt das Restaurant, plant Wettbewerbe und Geschenke. Fotoalben und Videos werden sorgf?ltig f?r die Feier ausgew?hlt. Doch es steckt etwas dahinter: Wenn Marina 18 wird, ist auch ihre Mutter frei. Sie kann ihre Tochter dann verheiraten. Ja, vielleicht ist dies ihr gemeinsamer Feiertag. Nein, Marina hat nicht vor, ihren Freund zu betr?gen; sie f?hlt sich wohl bei ihm. Wer ist er? Noch niemand. Was soll man dazu sagen? Niemand  Ilya.



Kapitel 3. Eine ungew?hnliche Falle



Schurik sa? allein vor dem Fernseher. Ein Film ?ber Piraten, die einst auf Asteroiden, also auf Schiffen, lebten, flimmerte ?ber den Bildschirm. Er stellte sich vor, er w?re ein Bootsmann mit einem Holzbein. Und warum nicht?! Diese reizende Marina  Venus  hatte ihn nicht eingeladen, aber er wollte sie unbedingt kennenlernen. Aber wie? Einen klapprigen Bootsmann verk?rpern? Warum nicht? Er beschloss, die Rolle eines lahmen Bootsmanns zu spielen; er zog Schuhe mit unterschiedlich hohen Sohlen an. Ein Schuh klackerte. Der andere knarrte. Er setzte die Maske eines alten Mannes auf. Er war bereit, Marina  Venus  einen Besuch abzustatten. Er befestigte eine Minikamera an seinem Jackettrevers.

Marina n?herte sich dem Eingang ihres Geb?udes. Der junge Mann musterte Marina mit einem schweren, wilden Blick. Er wandte seinen trotzigen Blick der geschlossenen T?r zu, als sie den Zugangscode eingab. Seine Augen ruhten auf ihren H?nden. Sie sp?rte diesen unheimlichen Blick und machte deshalb einen Fehler. Sie setzte den Code zur?ck und w?hlte erneut, wobei sie die Nummer des Haust?rschlosses verdeckte. Der Mann folgte Marina in den hellen Flur; er ging nicht zum Aufzug. Schwer humpelnd begann er die Treppe hinaufzusteigen. Marina sah dem lahmen Mann mit einem Gef?hl inneren Grauens nach. Sie hatte das Gef?hl, dass sich in seinem Bein noch etwas anderes befand als das Bein selbst. Aber was? Oder bildete sie es sich nur ein?



Der Aufzug hielt und ?ffnete die T?ren. Sie erreichte problemlos das gew?nschte Stockwerk. Der gehbehinderte Mann war nicht in ihrem Stockwerk und konnte unm?glich schon so viele Stockwerke vor ihr hochgefahren sein. Sein unheimlicher Blick jagte Marina einen Schauer ?ber den R?cken. Sie ?ffnete ihre Wohnungst?r, verriegelte sie hastig und beruhigte sich etwas. Kurz darauf klingelte Lera. Sie hatten sich verabredet, um ?ber ihre pers?nlichen Probleme zu sprechen und einfach mal abzuschalten.



Ihre Freundin Lera st?rmte mit vor Entsetzen geweiteten Augen in Marinas Wohnung:



Marina, es ist stockdunkel im Aufzug! Und im Flur!



Lera, ich bin gerade erst eingezogen, und da war ?berall Licht.



Und jetzt! Stell dir vor, der Eingangsbereich ist komplett dunkel! Ich hasse deine Hochh?user. Es ist unheimlich hier! Zwanzig Stockwerke sind eine Belastung f?r die Psyche, jedes Stockwerk f?hlt sich an wie eine Falle! Es ist besser, im Sumpf zu wohnen; da gibt es weniger Stockwerke.



 Wir wohnen hier.



 Marina, du gehst mit dem Schl?ssel zur T?r zwischen dem Aufzug und dem Treppenabsatz vor deiner Wohnung. Ich steige aus dem Aufzug und sehe zwei verschlossene T?ren und vier weitere Aufzugt?ren. Stell dir vor: Das Licht ist aus. Eine Falle! Eine ganz besondere Falle.



 Du hast recht, Lera. Zwischen dem ersten und zweiten Stock gibt es eine Treppe, und dar?ber ist der Zugang auf allen Etagen versperrt. Heute habe ich einen humpelnden Mann gesehen, der die Treppe in den zweiten Stock hochging. Er kommt nicht zu uns; alle T?ren zu den Wohnungen im Treppenabsatz am Seiteneingang sind verschlossen.



 Deshalb mag ich diese Hochh?user nicht.



 Wei?t du, unser Treppenabsatz wurde seit 18 Jahren nicht renoviert; so lange wohnen wir schon hier.



 Streich doch selbst die W?nde im Eingangsbereich deiner Etage.



 Auf keinen Fall, der Treppenabsatz ist riesig; hier sind vier gro?e Wohnungen. In zwei der Wohnungen wohnt niemand. Wir sind zu zweit in unserer Wohnung, und in der anderen wohnt noch jemand. Und sie rei?en f?nfst?ckige Geb?ude ab, obwohl die Treppen hatten! Und wenn ihr den Strom in euren T?rmen abstellt, sitzen alle f?r immer in ihren Wohnungen fest.



Ja, der Turm ist riesig und halb leer. Und in deinem Haus im Sumpf gibt es gar keine Menschen, nur Ghule, das hast du doch selbst gesagt.



Stimmt. Die Leute m?gen Sicherheit, keine riesigen R?ume.



Das stimmt nicht, T?rme gibt es in allen Formen und Gr??en.



Wir reden von deinem Turm, Marina.

Hinter der T?r war ein seltsames Ger?usch zu h?ren. Die M?dchen wechselten Blicke. Das Licht in der Wohnung ging aus. Die Haust?r ?ffnete sich. Sie sanken in die riesigen Sessel, in denen sie sa?en. Das unregelm??ige Quietschen von Schuhen war zu h?ren.



Knarren. Klopfen. Knarren. Klopfen.



Die M?dchen erstarrten. Das Licht blitzte auf. Ein junger Mann mit stechend schwarzen Augen stand vor ihnen.



M?dchen, ihr habt einen Wunsch frei. Ich habe nur einen. Wir drei haben einen Wunsch, sagte der Mann mit eiskalter Stimme, als w?re er ein Roboter.



Was wollen Sie von uns?, fragte Marina mit zitternder Stimme.



Ich will euch. Ich will euch wirklich. Ich wei? aber nicht, warum.

Bist du ein Kannibale?, fragte Lera heiser.



Euer Solit?rspiel bringt nichts. Ich will euch beide zusammen, auch hier in der H?hle, sagte er und deutete auf das Sofa, das zu einer Polsterm?belgarnitur mit riesigen Sesseln geh?rte. Das Sofa war also gewaltig.



Ohne Wein, trocken?, fragte Marina.



Kann ich etwas Lik?r haben? Ich habe keinen Lik?r, antwortete Marina.



Warum fragst du? Zieh dich aus!, schrie der Mann pl?tzlich laut.



Wir sind keine Lesben!, entgegnete Lera.



Und ich bin kein Yankee, sagte er und ahmte ihre Betonung nach.



Wenn er ein Yankee w?re, w?rde er nicht so schnell M?dchen ansprechen, erwiderte Lera. Er w?rde sich Frauen suchen, die hundert oder mehr verlangen.



Und ich will dich ?ber den Knien. Gespr?che in den Reihen!  Der Mann fuhr auf, seine Augen verdrehten sich vor Wut.



Die M?dchen waren auf diesen spontanen Striptease nicht vorbereitet. Sie fingen an, sich auszuziehen.



 H?rt auf!  knurrte der Mann und sch?ttelte sein langes Haar.



 Womit aufh?ren?  fragten die M?dchen wie aus einem Mund.



 H?rt auf, euch auszuziehen!



 Mein Handgelenk ist gebrochen,  jammerte Marina.



 Toll, genau das, was ich brauche! Mein Bein ist gebrochen. Dein Arm ist gebrochen. Wir geben ein tolles Paar ab.



 Darf ich gehen?  kreischte Lera mit seltsamer Stimme.



 Wir brechen dir auch noch was, wenn du gehst!  ermahnte der lahme Mann.  Geht beide schnell in die Hocke! Ich sagte beide!



 Ich kann nicht in die Hocke gehen. Meine Hose ist zu eng. Ich habe zugenommen.



 Zieh deine Hose aus, geh ohne sie in die Hocke.

Lera zog ihre Hose aus. Zur?ck blieb ein Dreieck aus Schn?ren. Sie hockte sich hin.



Pfui, nacktes M?dchen, sagte der Mann vorwurfsvoll. Du bist ja ganz nackt! Na gut, hock dich hin. Hocke dich hin, ich habs dir doch gesagt!, rief der Lahme und lie? sich auf den Stuhl fallen.



Was soll das, ein Aufw?rmtraining?, fragte Marina.



Ich hab nichts von Liebe gesagt.



Wer wollte denn, dass wir auf der Couch liegen?, fragte Lera m?de und hockte sich zum zwanzigsten Mal hin. Besser auf der Couch 



Legt euch auf die Couch. Ihr beide, legt euch auf die Couch!

Die M?dchen legten sich nebeneinander auf die Couch: die eine in Shorts, die andere in H?schen.

Knarren. Klopf. Knarren. Klopf.

Der Mann verlie? den Raum. Die M?dchen standen auf. Lera begann, ihre Hose hochzuziehen.

Knarren. Klopf. Knarren. Klopf.



Warum macht ihr keine Sit-ups?, fragte der Lahme.



Es gab keinen Befehl, Colonel!, sagte Lera schroff.



Ich bin kein Colonel. Ich bin ein Bootsmann im Ruhestand.



Was, niemanden, dem ich Befehle erteilen kann?, fragte Lera kl?glich.



Halt die Klappe! Ich sagte, halt die Klappe!



Was f?r eine befehlshaberische Stimme 



Smalltalk unter den Mannschaften 



Wozu sind wir hier?, fragte Marina. Ich decke den Tisch und f?ttere dich.



Deck ihn!, rief der Lahme.

Marina eilte in die K?che.

Lera konnte ihre Hose nicht zukn?pfen; sie war zu eng.



Was f?r ein ungeschicktes M?dchen du bist, sagte der Mann herzlich.



Du beleidigst mich, Bootsmann.



Ob du es glaubst oder nicht 



Ich glaube es, Admiral!



Woher hast du das? Es klingt nett; so wurde ich noch nie genannt.



Und wie viele M?dchen hast du im Monat? Erz?hl mir mehr! Du brichst in die Wohnung eines M?dchens ein, du beraubst sie nicht, du vergewaltigst sie nicht. Wozu brauchst du sie?, fragte Lera ?berrascht.



Ich sehe, wie unterschiedlich die M?dchen sind. Ihr seid zu zweit, und wie unterschiedlich ihr seid!



Das zweite M?dchen ging kochen, und du hast f?nf Minuten lang getanzt und versucht, deine Hose zuzukn?pfen.



Du mochtest mich nicht? Entschuldige, was ist mit deinem Bein passiert?



Nur eine verirrte Kugel.



Warum l?sst sich dein Bein nicht beugen? Ist es weg? Hast du eine Prothese?



Was klebt daran? Das kann ich dir nicht sagen.



Zeig es mir, ich bin Arzt. Orthop?de, nebenbei bemerkt.



Das h?ttest du auch gleich sagen k?nnen. Wolltest du mich also nicht behandeln? Erinnerst du dich nicht an mich?



Ich erinnere mich nicht an dich, ich habe viele Patienten.



Ich verfolge dich schon lange. Als ich dich sah, dachte ich, du k?nntest mir mit meinem Bein helfen.

Du h?ttest ins Krankenhaus oder zu mir kommen sollen, aber du bist zu deinem Freund gekommen. Du siehst aus wie ein Arzt. Ich habe dich schon mal gesehen, ich wollte dich erschrecken.



Das ist dir gelungen. Sch?mt du dich denn gar nicht?



Sch?m dich nicht, sieh dir nur dein Bein an. Der gel?hmte Mann sah Lera an und begann, seine Hose aufzukn?pfen. Lera spannte sich an; sie hatte schon viele Beine am Strand gesehen, aber dieser Mann weckte gemischte Gef?hle in ihr. Die Hose fiel zu Boden. Ein Bein war normal, behaart. Das andere endete in einer mechanischen Prothese. Lera verlor das Bewusstsein.

Knarren. Klopfen. Knarren. Klopfen.

Ein humpelnder Mann kam in die K?che. Marina sah den Mann ohne Hose an und fiel mitsamt Teller zu Boden, ihr wurde schwindelig. Die M?dchen kamen wieder zu sich. Sie sahen sich an. Der Mann war verschwunden. Kein Knarren mehr. Sie standen auf und schlichen durch die Wohnung. Leer. Die T?r war geschlossen. Die K?che war sauber, das Geschirr gesp?lt, die T?pfe leer. Marina beschloss, in ihrer Tasche nachzusehen. Die Geldb?rse war leer. Marina ging zum Safe im Schrank. Der elegante Safe stand offen.



Da ist das Klopfen  das Knarren.



Du wirst ein Verm?gen machen. Du lebst, und das ist gut so. Marina, ich verlasse dein Haus nicht allein, bring mich nach Hause.



Du hast mich ?berzeugt, ich bringe dich nach Hause. Die Freundinnen gingen nach drau?en und atmeten die k?hle Abendluft ein. Lera hob die Hand. Ein drittes Auto hielt an. Ein Mann starrte sie an, seine stechenden schwarzen Augen bohrten sich in die der M?dchen. Steigt ein, ihr beiden!, rief der gehbehinderte Mann laut.

Die M?dchen kletterten auf den R?cksitz. Langsam glitt das Fenster zwischen dem Fahrer und ihnen hoch. Sie sch?ttelten sich die H?nde, die vor Angst zu zittern begannen. Die dunklen Scheiben der Seitenscheiben hoben sich langsam und verdunkelten den Innenraum. Die M?dchen befanden sich in einem fahrenden Auto in v?lliger Dunkelheit. Die Heckscheibe war fest mit dunklem Stoff verh?ngt. Es f?hlte sich an, als ob sie keine Luft mehr bek?men. Pl?tzlich ?ffnete sich das Dach ?ber ihnen. Gro?e Sterne blickten ins Auto. Der Wagen hielt abrupt an. Ein Gesicht mit schwerem Blick erschien im Schiebedach.



Wie geht es euch, M?dchen?, fragte der gehbehinderte Mann sp?ttisch.



Okay, Herr Admiral, antwortete Lera. Wir sind in der Roten Festung angekommen.

Die Autot?ren ?ffneten sich. Die M?dchen standen im Wald vor einer roten Backsteinmauer. Die T?r glitt auf.

Knarren. Klopfen. Knarren. Klopfen.



Ein gehbehinderter Mann ging neben ihnen her. Im Hof der Datscha stand ein gro?er runder Tisch. Zehn Frauen sa?en darum.



Frauen, eure Reihen sind gewachsen! Zwei M?dchen sind noch da. Nun seid ihr zw?lf. Lebt in Harmonie. Ladet uns zu Tisch ein.



Der Mann lie? sich auf einem thronartigen Stuhl nieder, der mit einem Dreizack verziert war. Zw?lf Frauen sa?en im Kreis um ihn herum. Dreizehn Teller standen auf dem Tisch. Zwei Frauen servierten. Am Tisch herrschte Stille. Eine allgemeine Angst lag in der Luft.



Aufstehen! Hinsetzen! Aufstehen! Hinsetzen!, rief der Mann gebieterisch und begann zu essen.



Die M?dchen gehorchten und nahmen L?ffel. Es gab kein scharfes Besteck. Alle Teller waren aus reinem Aluminium.



Marina blickte unwillk?rlich zwischen den roten Backsteingeb?uden umher. Sie f?hlte Traurigkeit und Neugier zugleich.



Meine Abteilung hat dreizehn Zimmer, eines f?r jede. Der Speisesaal ist drau?en, die K?che direkt vor euch. Essen f?r dreizehn Tage ist eingekauft, und die Festungstore bleiben dreizehn Tage lang verschlossen. Ihr werdet nicht entlassen; ihr habt alle zwei Wochen Urlaub. Ihr seid zw?lf  ich bin die Einzige. Die W?nde stehen unter Strom. Geht auseinander!



Auf dem Tisch vor jedem M?dchen lag ein Zettel mit Zimmernummer und Tagesplan, aber es wurden keine Zimmer zugeteilt. Die M?dchen verlie?en den Tisch. Zwei begannen, das schmutzige Geschirr einzusammeln. Eine von ihnen war Marina. Sie begriff nicht, dass dies alles bitterer Ernst war und kein Scherz. Marina traf die einzig vern?nftige Entscheidung: in der N?he der K?che bleiben, kochen, putzen, abwaschen, still sein und zuh?ren.



H?re allen zu, aber lass nur wenigen eine Stimme geben, erinnerte sie sich an Shakespeares Worte.



Am ersten Morgen blieb ein Platz frei. Marina bereitete Essen f?r dreizehn Personen zu. Das Aluminiumbesteck blieb leer, und ein M?dchen erschien weder zum Mittag- noch zum Abendessen. Marina hatte keine Zeit gehabt, sich zu erinnern, wer dieses M?dchen war. Nun versuchte sie, sich an alle zu erinnern.



Der zweite Tag war regnerisch. Der Mann tauchte nicht auf. Zwei Pl?tze am Tisch blieben leer. Zehn M?dchen a?en im Regen. Einige niesten in den Kleidern, in denen sie hereingebracht worden waren. Lera fl?sterte Marina zu, sie solle rebellieren, und lud sie ein, die Zimmer zu sehen, aus denen niemand gekommen war. Marina war entschlossen zu ?berleben und weigerte sich, einer Rebellion zuzustimmen. In ihrer Freizeit fegte sie den Hof. Lera fand einige Freunde, und sie diskutierten hitzig ?ber die Lage.



Der dritte Tag war blendend sonnig. Die W?rme umh?llte die M?dchen von Kopf bis Fu?. Sie fragten sich, wo sie sich waschen k?nnten.



Knarren. Klopf. Knarren. Klopf.



Der gehbehinderte Mann n?herte sich Marina, sah ihr in die Augen und ging.



Knarren. Klopf. Knarren. Klopf.

F?nf Tage vergingen. Am sechsten Tag erschien Lera nicht am Tisch. Marinas Herz sank. Es war sinnlos, den Mann zu fragen. Stille breitete sich am Tisch aus. Er gab nicht einmal Bestellungen auf. Das Essen wurde immer weniger, verschwand vor ihren Augen. Marina beschloss, sparsamer zu kochen, da die M?dchen ja jeden Tag gingen. Am achten Abend h?rte sie Schritte in ihrem Zimmer.



Knarren. Klopfen. Knarren. Klopfen.



Marina verstummte. Es gab kein Versteck; neben dem Zimmer befand sich ein Badezimmer, aber ohne Fenster und Badewanne. Im Zimmer stand ein Bett, sonst nichts. Der gehbehinderte Mann trat ein und n?herte sich Marina leise. Das Knarren war nicht mehr zu h?ren. Marina lag da und sah den Mann an  Sein schwerer Blick wurde pl?tzlich weicher.



Marina  Willst du leben? Hast du keine Angst vor meinem Bein?



Ich habe es nicht gesehen. Ich habe das eine gesehen, aber nicht das andere.



Fragst du nicht, wo die sieben Frauen sind? Sie sind zu Hause. Haben die anderen Angst oder wissen sie, dass sie freigelassen werden?



Nein, die anderen wissen nichts. Du kannst nach Hause gehen oder bei mir bleiben.



Sind die M?dchen nach Hause gegangen?



Willst du ihrem Weg folgen?



Ich wei? nicht, sie haben die Stra?e nicht ?berquert.



Und du gehst nie wieder in diesen Hof. Der Besen n?tzt dir nichts mehr, du hast ihn ja festgehalten.



Ja, du hast recht. Was soll ich tun?



Zwei M?glichkeiten: mich lieben oder nach Hause gehen.



Was haben sie gew?hlt? Haben sie mit dir geschlafen?



Nein. Sie sind alle nach Hause gegangen. Ich habe sie nicht gesp?rt. Der Strom floss nicht durch sie, er flie?t durch die Dr?hte, und sie liebten mich nicht, selbst unter Todesdrohung. Ich sp?re dich.



Und wo ist Lera?



Eine ?rztin vielleicht? Ich dachte, ich k?nnte es mit ihr schaffen, aber ich wollte sie nicht. Sie ist fort.



Ist Lera gestorben oder nach Hause gegangen?



F?r mich ist es dasselbe. Sie werden die Polizei holen!



Nein, niemand wird das tun.

Pl?tzlich wurde der Raum in tiefe Dunkelheit getaucht. Eine leichte, zitternde Ber?hrung erreichte Marinas Hand. Instinktiv streckte sie die Hand danach aus. Das Licht flackerte. Eine kleine graue Maus lag in der N?he. Marina suchte den Raum ab; sie konnte keine einzige T?r finden. Vier glatte W?nde. Sie schrie auf, doch der Schrei ging im weichen Stoff der W?nde unter. Das Bett zuckte heftig. Marina versank in noch mehr Dunkelheit. Sie sprang auf, sp?rte einen stechenden Schmerz in einem Bein und eine Hand an ihrem Ellbogen.



Marina. Marina  Bist du es immer noch?! Marina biss vor Schmerz die Z?hne zusammen und blickte in die furchterregenden Augen des Mannes.



Ich bin der abscheulichste aller M?nner.



Was tust du da?! Warum qu?lst du M?dchen? Warst du jemals mit Frauen zusammen? Ich wusste nicht, was ich mit ihnen anfangen sollte, also habe ich einen Harem um mich geschart, sie mir alle angesehen und sie dann gehen lassen.

Sie standen in einem Kellerraum mit roten Backsteinw?nden. In einer Ecke schimmerte ein schwaches Licht. Der Mann lie? sich auf ein schwarzes Ledersofa fallen. Marina, die humpelte, folgte ihm.



Alle M?dchen haben versucht, mir etwas anzutun. Ich habe nicht verstanden, was sie von mir wollten. Ich habe sie alle durch diese T?r hinausgelassen, sagte er und deutete auf die T?r gegen?ber dem Sofa.



Bist du normal?



Ich versuche mich zu erinnern, warum ein Mann eine Frau braucht, aber ich kann es nicht.



Woher hast du diese rote Festung?



Das ist meine Datscha. Ich bin hier der W?chter. Die T?r ist offen. Du kannst gehen. Shurik schlug zw?lf Fliegen mit einer Klappe; das war seine Methode. So hatte er zw?lf M?dchen resozialisiert. Widerspenstige M?dchen zu z?hmen, war seine Spezialit?t. Nebenbei arbeitete er als Wachmann auf der Datscha. Er fand Marina  Venus  bereits die St?rkste der M?dchen, moralisch und ethisch, aber Lera war auch nicht schlecht  Vorsicht ist ein schmaler Grat, der ?ber das Wohlbefinden eines Menschen entscheidet. Und was ist mit dem Bein? Shurik ist von Beruf Zirkusartist 



Kapitel 4. Zedernland



Marina und Ilya waren f?r den Sommer ins Zedernland gefahren. Ihr Beobachtungsposten lag f?nfzig Meter ?ber den Baumwipfeln des Zedernwaldes. Zwischen den B?umen waren seltene goldene Zweige zu sehen. Doch es war nicht die Sch?nheit des Herbstes, die ihre Aufmerksamkeit fesselte.

?ber dem Wald erstreckte sich ein gew?hnlicher Himmel mit grauen Zirruswolken. Zwischen ihnen schimmerte eine bl?uliche Wolke. Sie war langgestreckt wie eine Welle. Unter ihr, am Boden, lag ein kleiner Teich mit ?hnlicher Form.



Es schien, als sei das Geheimnis der Wolke gel?ftet. Nur f?nf Minuten sp?ter hatte der Himmel ein v?llig anderes Aussehen und eine andere Farbe angenommen. An der Stelle, wo die bl?uliche Wolke  ja, eine Wolke  geschwebt hatte, war nun eine recht gro?e L?cke hellblauen Himmels zu sehen! Doch die bl?uliche Wolke tauchte wieder auf! Eine Wolke mit einem bl?ulichen Schimmer an den Seiten!



So f?hlt es sich an, auf einem Beobachtungsposten zu sitzen. Der F?rsterturm wurde in der Taiga zu einem einzigen Zweck errichtet: um die Waldgebiete von oben zu beobachten. Unten erstreckte sich ein Zedernwald. Die kostbaren B?ume brauchten Schutz.



In diesen Gebieten lebten unz?hlige bl?uliche Nerze. Marina h?tte sich eine Schar bl?ulicher Nerze vorstellen k?nnen, die durch den Wald rannten und sich irgendwie in der grauen Wolke spiegelten, sodass diese bl?ulich erschien? Ein Trugbild. Sie senkte den Blick auf den Tisch und sch?ttelte den Kopf, um die Vision der bl?ulichen Wolke abzusch?tteln.



Der Metallturm mit seinem beeindruckenden Glascockpit und der roten Dachkuppel zur Flugnavigation wirkte inmitten des gr?nen Taiga-Meeres wundersch?n. Ilya flog mit dem Hubschrauber zu Marina. Er brachte ihr Essen und ein neues Ger?t zur Beobachtung der Umgebung. Ilya genoss es immer, zu Marina zu fliegen. Ihr Turm hatte ein so gem?tliches Interieur, und ihre Augen strahlten so sehr, wenn sie sich begegneten, dass er f?rmlich auf den Schwingen der Liebe in dem gr?nen Hubschrauber zu ihr geflogen kam.



Marina bemerkte den Hubschrauber und war nicht ?berrascht von seiner Ankunft: Ilya flog planm??ig. Eine gro?e Aussichtsplattform umgab den Turm. Er h?tte die Vorr?te einfach auf der Plattform abwerfen k?nnen, aber er zog es vor, auf dem roten Dach zu landen und die Fracht selbst abzuliefern. Heute begr??te sie ihn mit einem abwesenden Blick.



Er war sichtlich ?berrascht, sagte aber nichts. Ilja ?berpr?fte die Aufnahmen der Fernsehkameras, die rund um den Turm unterhalb der Baumwipfel angebracht waren. Hier erlebte er eine weitere ?berraschung: Ein ganzer Schwarm bl?ulicher Nerze rannte am Turm vorbei!



Ilja ging zu Marina:



Ein Schwarm bl?ulicher Nerze ist an deinem Turm vorbeigezogen.



Sie l?chelte und sagte:



Ilja, ich habe eine bl?uliche Wolke gesehen.



Ilja zeigte keine ?berraschung. Er hatte erwartet, dass ein gro?er Schwarm bl?ulicher Nerze eine Anomalie am Himmel verursachen w?rde. Diese Nerze strahlten eine unbegreifliche Energie aus, oder es handelte sich einfach um statische Elektrizit?t in ihrem Fell. Funken spr?hten ?ber die Bildschirme, und Funken sind sehr sch?dlich f?r den Wald. Beide waren so in Gedanken versunken, dass sie einander nicht bemerkten. Ilja kam als Erster wieder zu sich. Er dr?ckte den Notrufknopf und stellte sofort eine Verbindung zur zentralen Beobachtungsstation her.



Dobrynja Nikititsch, der als Oberf?rster der Zedernregion fungierte, sah Ilja fragend an:



Ilja, was ist los?



Ein Schwarm blauer Nerze ist an Marinas Turm vorbeigezogen.



Gute Neuigkeiten! Die blauen Nerze sind von einer Pelzfarm ausgebrochen. Jemand hat den Knopf f?r die T?ren gedr?ckt. Die T?ren aller K?fige der Farm ?ffneten sich gleichzeitig. Die Nerze dr?ngten sich zusammen und verschwanden im Nu von der Farm.



Warum sind das gute Neuigkeiten?, fragte Ilja naiv.



Die blauen Nerze durchqueren unser Gebiet. Wir nehmen ein gutes L?segeld f?r sie, erwiderte Dobrynja Nikititsch ruhig.



Aber um das L?segeld zu bezahlen, m?ssen wir die Nerze erst einmal fangen!, rief Ilja.



Das schaffst du!, rief Dobrynja Nikititsch zufrieden. Du hast ein Netz im Hubschrauber. Befestige zusammen mit Marina Fleischst?cke daran. Wirf das Netz vom Hubschrauber aus vor die Gruppe blauer Nerze. Das Netz ist clever, es ist elektronisch gesteuert; du wei?t, wie man es bedient. Wenn du welche f?ngst, sag mir Bescheid, sagte er und trennte die Notverbindung zum Turm.



Marina schnitt das Fleisch in kleine St?cke. Ilja befestigte das Fleisch mit Haken an den Knoten des Netzes. Sie verstauten das vorbereitete Netz im gr?nen Hubschrauber und flogen der Gruppe blauer Nerze hinterher.



Sobald der gr?ne Hubschrauber vom roten Dach des Turms abhob, st?rmten zwei M?nner in blauen Uniformen in den Turm. Ihre Augen blitzten in den Schlitzen ihrer blauen Masken. Sie durchsuchten jeden Raum des Turms und bemerkten Fleischreste und die Unordnung, die in der Eile entstanden war. Die uniformierten M?nner sichteten die Aufnahmen der Fernsehkameras. Sie entfernten die Aufnahmen der blauen Nerze von den Kameras und riefen den blauen Hubschrauber der Pelzfarm. Schurik war einer der uniformierten M?nner. Er setzte sich auf den Beobachtungsposten und sah den gr?nen Hubschrauber ?ber den Wald fliegen. Frustriert knirschte er mit den Z?hnen.

Sein Blick fiel auf das Bedienfeld. Er fand den Knopf mit der Aufschrift Waffe und dr?ckte ihn. Ein Ziel erschien auf dem Bildschirm. Shurik richtete die Waffe auf den gr?nen Hubschrauber und dr?ckte erneut. Ein kleines Projektil schoss aus dem Kampfraum des Beobachtungsturms und flog auf den gr?nen Hubschrauber zu. Doch dieser st?rzte abrupt in den Wald. Das Projektil flog ?ber den Hubschrauber hinweg.



Der gr?ne Hubschrauber landete auf einer Lichtung. Tats?chlich hatte sich eine Schar bl?ulicher Nerze in der Netzfalle verfangen und stie? schrille, alarmierende Laute aus. Marina meldete Dobrynya Nikitich ?ber Funk, dass die Nerze gefangen waren. Er stie? einen triumphierenden Schrei aus. Ein blauer Hubschrauber mit Vertretern der Pelzfarm kreiste ?ber der Lichtung. Shuriks Warnung ert?nte aus dem Lautsprecher des blauen Hubschraubers, gefolgt von Sch?ssen 

Ilya ?ffnete blitzschnell die Ladeluke des gr?nen Hubschraubers, und das gesamte Netz samt der Nerzschar wurde in den Hubschrauber gesogen. Dann dr?ckte er einen weiteren Knopf, und ?ber dem Hubschrauber erschien ein kugelsicherer Bildschirm. Schrotkugeln prasselten auf den Bildschirm.

Marina informierte Dobrynja Nikititsch ?ber die Gefahr. Er war von dem Angriff des blauen Hubschraubers nicht ?berrascht. Er warnte die Besatzung des blauen Hubschraubers, dass alle blauen Nerze im Ofen des gr?nen Hubschraubers sterben w?rden, wenn sie nicht aufh?rten zu schie?en. Der Beschuss des gr?nen Hubschraubers h?rte auf. Die Besatzungen des blauen und des gr?nen Hubschraubers begannen zu verhandeln.

Dobrynja Nikititsch forderte ein Drittel des Erl?ses aus dem Verkauf der Felle der blauen Nerze von der Pelzfarm. Schurik, als Miteigent?mer der Pelzfarm, stimmte seinen Bedingungen zu. Die Nerze waren fast verkauft; eine Anzahlung war geleistet worden.

Die Felle der blauen Nerze waren f?r das Zelt von Nymphe Igorewna selbst bestimmt, der amtierenden Gouverneurin der Zedernregion. Sie hatte einen neuen Plan. Sie wollte ein Zelt mit W?nden aus bl?ulichem Nerz. Sie brauchte einen Teppich aus bl?ulichem Nerz, auf dem weiche M?belst?cke mit Bezug aus dem weichen blauen Fell von Stierk?pfen stehen sollten. Auf der Lichtung roch Marina den erstickenden Geruch von Schwefeldioxid  Schwefel brannte. Hatte sie deshalb die bl?uliche Wolke gesehen? Es war Gas! Ihr hatte die Wolke am Himmel einfach gefallen! Und jetzt machten sie verschiedene Ger?usche. Der Rotor des gr?nen Hubschraubers lief im Leerlauf. Ilya rief ins Funkger?t. Der blaue Hubschrauber summte. Marina hielt sich kurz die Ohren zu, dann wurde sie von dem Geruch ?berw?ltigt. Wohin sie auch blickte, ?berall war er! Der Kampf zwischen den Beh?rden dauerte schon lange an. Tatsache war, dass bei der Verarbeitung von Nerzfellen Salz, Essig, Phenol und Borax in unterschiedlichen Mengen verwendet wurden. All diese Stoffe, in Wasser gel?st, sickerten zu den Wurzeln der Zedern. Die Zedern starben aufgrund dieser ernsten Lage. Genau deshalb k?mpfte Dobrynya Nikitich gegen die Pelzfarm. Nat?rlich war es sein Mann gewesen, der alle Nerzk?fige ge?ffnet hatte.



Pl?tzlich regneten blaue Kupfersulfatkristalle vom Himmel direkt auf die Schutzscheibe des gr?nen Hubschraubers. Ein warmer, unter Druck stehender Luftstrom str?mte aus dem Hubschrauber. Die Kristalle fielen aufgrund der Hitze zu einem wei?en Niederschlag aus. Die blaue Farbe verschwand, und das Glas des Hubschraubers wurde tr?b. Marina bemerkte dies und zuckte ?berrascht zusammen angesichts einer weiteren Unannehmlichkeit.

Schurik rief Nymphe Igorewna pers?nlich an:



Wir haben hier einen Kampf zwischen den Gr?nen und den Blauen.

Nymphe Igorewna lachte vergn?gt:



Herr Schurik, filmen Sie den Kampf zwischen den Gr?nen und den Blauen und machen Sie einen netten, aber kurzen Film daraus. Ich werde ihn den Gouverneuren zeigen. Der Gouverneurskongress der benachbarten Regionen wird in diesem Zelt aus bl?ulichen Nerzen erwartet. Die Gouverneurin der Zedernregion war so am?siert, dass sie Landschaftsarchitekten zusammenrief. Sie wollte einen Park am See anlegen. Sofort bestellte sie Architekten und Innenarchitekten. Ihre Aufgabe war es, ein halbrundes Hotel zu dekorieren. Und in diesem Moment wurde Nymphe Igorewna klar, dass sie selbst auf keinen Fall Blau tragen w?rde. Sie w?hlte Goldbrokat, ?nderte dann aber ihre Meinung und entschied, dass Schwarz eleganter wirken w?rde.

Die Frau betrachtete sich im Spiegel und stellte fest, dass sie alles getan hatte, um ihre blauen Augen zu betonen. Nun fehlte Nymphe Igorewna nur noch, ihr blauschwarz gef?rbtes Haar hervorzuheben. Und warum sollte sie es ?berhaupt betonen? Sie war doch schon umwerfend! Ihr wurde diese Weisheit etwas langweilig. Sie rief den Chef-Modedesigner der Region und ihren eigenen, Konstantin, zu sich. Er war selbst au?ergew?hnlich gutaussehend, aber da er die exzentrische Art seiner Herrin kannte, schlug er Grau vor. Nymphe Igorewna war Konstantin, was ist denn los, mein Lieber? Mein bl?uliches Nerzfell steht mir ja fast bis auf die Ohren und betont meine Augenfarbe, und du schl?gst vor, ich solle Grau tragen!



Madam, Grau unterstreicht Ihre Bescheidenheit, Ihre bescheidenen Anspr?che. Ihre Bescheidenheit wird sich positiv auf Ihre Verhandlungen mit reichen L?ndern auswirken.



Das meinen Sie? Und wie soll meine Bescheidenheit noch unterstrichen werden? Welchen Schmuck schlagen Sie mir vor?



Eine heikle Frage. Ein Zelt aus bl?ulichem Nerzfell wird Sie schm?cken.



Was, so einfach? Und was soll ich dann tragen?



Zu Ihrer Sicherheit m?chte ich, dass Sie eine schlichte Schutzweste tragen.



Gut. Und woraus soll die Weste bestehen?



Elektronenstrahlen.



Wow! Und wie soll eine Kugel von einem Elektronenstrahl abprallen? Sie m?ssen einen Streifen elektronischer Ausr?stung oberhalb Ihrer Brust tragen, der Sie von allen Seiten mit Strahlen umgibt. Eine Kugel, die einen Strahl trifft, prallt wie ein Bumerang zur?ck und trifft denjenigen, der auf Sie geschossen hat.



Und was ist, wenn die anderen Gouverneure die elektronische Weste nicht m?gen?



Silberne F?den h?ngen parallel zu den Strahlen, und die Strahlen spielen in ihnen.



Ich mag sie, sagte der Gouverneur der Zedernregion w?rdevoll.



Alles ist bereit, Mylady!



Darf ich die elektronische Weste anprobieren?



Jeden Moment!, rief Konstantin und klatschte in die H?nde.

Ein flaches Paket mit der elektronischen Weste wurde in den Raum getragen.

Unterdessen kreiste im Zedernwald ein blauer Hubschrauber ?ber dem gr?nen und flog zu seinem leeren Tierhof. Ilja warf mit gro?er M?he den besch?digten Bildschirm ab, ersetzte das Glas und flog mit der wertvollen Fracht davon. Sie trafen ihn, nahmen die wertvolle Fracht entgegen und gaben Marina neue Vorr?te. Ilya flog zur?ck zum vertrauten roten Dach des Aussichtsturms.



Ilya, hast du Fleisch f?r mich zum Abendessen mitgebracht?, fragte Marina. Schau aus dem Fenster, ich mache dir einen Braten mit Karottenstiften.

Ilya holte das Fernsichtger?t hervor, das noch gar nicht ausgepackt war. Er stellte es auf und begann, die Umgebung abzusuchen. Er sah nichts Neues. Der Himmel war nahezu grenzenlos und hellblau. Pl?tzlich sah er eine d?nne Feuers?ule, als w?re sie aus dem Boden geschossen. Die Feuers?ule befand sich in der N?he der Stelle, wo der gr?ne Hubschrauber vor Kurzem gewesen war, und dar?ber kreiste ein blauer feindlicher Hubschrauber. Ilya kletterte schnell auf das rote Dach und startete mit dem Hubschrauber. Er flog in Richtung der seltsamen Feuers?ule, die er durch sein neues Fernsichtger?t entdeckt hatte.

Der gr?ne Hubschrauber kreiste ?ber der merkw?rdigen Lichtung. Ilya erinnerte sich deutlich an diesen Ort; Dort war vorher nichts gewesen, doch nun stand dort ein rundes Geb?ude mit Metallrahmen. Ein d?nner Feuerstrahl stieg aus der Mitte der Kuppel in den Himmel. Ein solches Ph?nomen war im Land der Zedern schlichtweg inakzeptabel! Unertr?glich im Reich der majest?tischen Zeder! Schon ein Windsto? w?rde die Zedern in Brand setzen. Ohne zu z?gern, richtete Ilja einen kr?ftigen Schaumstrahl aus dem Hubschrauber direkt auf das Feuer. Seltsamerweise erlosch das Feuer nicht; im Gegenteil, es durchdrang den Schaumstrahl und brannte nun in einem kreisrunden Bereich um sich herum.



Ilja gefiel das ?berhaupt nicht! Er meldete die Lage im Wald an die Leitstelle:



Dobrynja Nikititsch, auf dem Platz wurde ein Feuer entdeckt  Ich habe versucht, das Feuer mit Schaum zu l?schen, aber es ist nicht erloschen; es ist sogar noch gr??er geworden.



Ilya, in diesem Fall kommt das Feuer nicht von einem anderen Feuer, sondern von einem D?sentriebwerk, wie die Abgase. Hier ist etwas streng Verbotenes im Einsatz! Zur?ck zur Basis! Ein Kampftrupp n?hert sich dem markierten Platz. Danke.



Ein Kampftrupp tapferer M?nner in gr?nen Uniformen, mit Mini-Maschinengewehren in der Hand und Feuerl?schern ?ber der Schulter, n?herte sich einer kleinen Metallkonstruktion. Weder Menschen noch Tiere waren zu sehen, und es gab keine T?ren.



Im Wald stand eine Metallkonstruktion ohne Fenster und T?ren, aus deren Dach ein d?nner Feuerstrahl quoll. Aus der N?he wirkte der Feuerstrahl unwahrscheinlich. Die M?nner in Gr?n umkreisten die Konstruktion langsam und versuchten, die Verbindungsstelle zwischen den Profilen zu finden. Einer holte einen Spaten hervor und versuchte, einen Tunnel zu graben, doch egal wie fest er grub, sein Spaten stie? immer wieder auf das Metallblech.



Der Anf?hrer des Kampftrupps rief:von Arroganz ?berrascht:

Achtung: Entweder Sie ergeben sich, oder wir er?ffnen in f?nf Minuten das Feuer  selbst durch d?nnes Metall!



Stille. Die M?nner in den gr?nen Uniformen warteten f?nf Minuten und begannen dann, fast an derselben Stelle zu feuern. Doch vergeblich! Das Material schien die Sch?sse einfach abzusch?tteln. Die Kugeln bohrten sich ins Metall und blieben dort fest. Das Metall besa? eine unerwartete Z?higkeit.



Die bewaffneten M?nner f?hlten sich diesem seltsamen Ph?nomen schutzlos ausgeliefert und meldeten sich bei der Zentrale:



Dobrynja Nikititsch, wir haben Probleme! Ein seltsames Metallgeb?ude ohne Fenster und T?ren. Die Kugeln bleiben in den W?nden stecken! Das Feuer brennt langsam. Sollten wir den Hinterhalt abbrechen und zur Basis zur?ckkehren?



Auf keinen Fall! ?ben Sie alles! Organisieren Sie ?berwachung des Hauses von allen vier Seiten, und einer von Ihnen bereitet Essen zu und h?lt Kontakt. Das wars, Feuer einstellen. Die Weste ist unglaublich sch?n, dachte Nymphe Igorewna, w?hrend sie die elektronische Weste mit den silbernen F?den anzog. Doch sie weigerte sich beharrlich, an die kugelsichere Wirkung zu glauben:



Konstantin, du bist doch nicht dick. Zieh die Weste an, dann schie?t dich der Wachmann schon ab. Zitternd vor Angst legte Konstantin die elektronische Schutzweste an. Der Wachmann, ein stattlicher, stattlicher Mann, stand mit einer verzierten silbernen Pistole da. Regungslos feuerte er auf den Strahl der Weste. Er fiel tot um. Doch welcher der beiden H?flinge fiel? Nat?rlich der Wachmann! Unglaublicherweise prallte die Kugel von der Weste ab und traf den Wachmann mit der Pistole in der Hand in die Brust!



Wunderbar!, rief die Gouverneurin der Zedernregion. Ich werde diese elektronische Weste definitiv bei Empf?ngen tragen. Marina setzte sich an den Computer und fand auf ihrer Lieblingswebseite nicht die ?blichen Gemeinheiten ?ber sich selbst, sondern nur eine kurze Meldung: Die Gouverneurin der Zedernregion, Nymphe Igorewna, berichtet, dass ihr Leibw?chter in einem ungleichen Kampf mit elektronischer Ausr?stung get?tet wurde. Marina bemerkte ihren Freund, das Eichh?rnchen, das auf der Antenne gegen?ber dem Fenster sa?. Sie ?ffnete das Fenster. Langsam krabbelte das Eichh?rnchen ?ber das Bedienfeld und setzte sich an seinen Lieblingsplatz neben den Computerbildschirm.



Der Gouverneurspalast der Zedernregion thronte auf einem H?gel, ein markantes, aus roten Ziegeln erbautes Schloss mit zahlreichen T?rmchen. Majest?tische Tannen umgaben den Palast an drei Seiten. An der vierten Seite befand sich eine beeindruckende Kaskade aus violettem Granit.

Die Kaskade wirkte pr?chtig und st?rzte ?ber gewaltige Stufen zum Fluss hinab. Im Inneren des Palastes gab es gro?e S?le und kleine Zimmer. Die Gouverneurin empfing in verschiedenen S?len Vertreter aus verschiedenen Regionen. Sie bevorzugte ein Einzelzimmer mit einer weichen Matratze und Spiegeln zu beiden Seiten des Bettes. Vor dem Bett stand ein riesiger Flachbildfernseher, der sowohl als Fernseher als auch als Computer dienen konnte. Verschiedene Fernbedienungen, Telefone und eine Tastatur lagen auf dem Kopfteil. Das Zelt aus bl?ulichem Nerzfell sollte rechts vom Palast stehen. Dieser Bereich war f?r inszenierte Empf?nge f?r Vertreter anderer L?nder vorgesehen. Nymphe Igorewna lag in ihrem Bett und sah sich eine Modenschau an. In diesem Moment wurde sie mit dem Oberf?rster verbunden.



Dobrynja Nikititsch, was ist los?, fragte sie.



Nymphe Igorewna, im Zedernhain wurde ein metallenes, zisternenartiges Gebilde entdeckt. Aus seiner Mitte steigt eine d?nne Feuers?ule auf, die negative Auswirkungen auf die Zedernregion haben k?nnte.



Verstehe. Ich habe vergessen, Ihnen zu sagen, dass im Zedernhain Gas entdeckt wurde, das brennt. Das Gas wird bald abgestellt. Ja, aber ich habe die Konstruktion gar nicht bemerkt! Ich habe diesen Metallzylinder nicht gesehen!



Das ist Ihre Schuld. Fragen Sie Marina, womit sie so besch?ftigt war, dass sie die Invasion ihres Territoriums verpasst hat.



Der H?rer brummte unzufrieden. Dobrynja Nikititsch geriet in Wut; er beschloss, Marina selbst aufzusuchen und sie wegen ihrer Vernachl?ssigung der Zedern zu r?gen. Er rief Ilja per Hubschrauber. Seit er Oberf?rster der Zedernregion geworden war, hatte er keine Lust mehr, durch den Wald zu laufen.



Der gr?ne Hubschrauber erschien schnell genug und brachte ihn auf das rote Dach des Beobachtungspostens. Dobrynja Nikititsch flog so schnell in Marinas Zimmer, dass sie zusammenzuckte und ihre G?ste  das Eichh?rnchen und den Nerz  erschreckte. Die Tiere sprangen sofort aus dem offenen Fenster.



Marina, warum hast du die Gasf?rderung auf deinem Grundst?ck nicht rechtzeitig entdeckt? Warum erfahre ich das erst vom Gouverneur der Zedernregion?

Dobrynya Nikitich, falls ich von meinem Standpunkt aus etwas ?bersehen habe, h?tten es die ?berwachungskameras aufzeichnen m?ssen. Lass uns die Aufnahmen der Baustelle gemeinsam ansehen.



Was ist denn los? Soll ich etwa auf einen leeren Bildschirm starren?, protestierte er.



Na gut, ich sehe mir die Aufnahmen an. Marina sichtete pflichtbewusst die Aufnahmen von vier ?berwachungskameras. Auf einem Bildschirm sah sie einen gr?nen Hubschrauber ?ber eine Lichtung fliegen und landen. Dann war deutlich zu sehen, wie die Kanone feuerte, gefolgt von einem blauen Hubschrauber, der ?ber der Lichtung kreiste. In diesem Moment flog in der Ferne ein Lastenhubschrauber mit einem Metallzylinder an Bord vorbei und landete auf einer benachbarten Lichtung. W?re sie in dem gr?nen Hubschrauber gewesen, h?tte sie den Metallzylinder unm?glich ankommen sehen k?nnen! Ilya betrachtete die Aufnahmen und erkannte, dass die Gouverneurin ein doppeltes Spiel trieb  genau das war sie, die Gouverneurin der Zedernregion. Der grenzenlose Himmel erlaubte es ihr, die Zedern ohne Anstrengung zu betrachten. Die ?berwachungskameras zeichneten eine gr?n-blaue Landschaft auf.



Marina langweilte sich, die Aufregung ?ber den Gasfund legte sich, und die Nerze wurden in ihre K?fige zur?ckgebracht. Shurik Peony war auf dem Bildschirm so gutaussehend, dass er alle anderen in den Schatten stellte. Wenn sie Menschen nur wegen ihrer Sch?nheit jagen, dann kann man nichts dagegen tun; sollen sie sich doch selbst h?ssliche M?nner ansehen, dachte Marina und schluchzte ?ber die Sendung. Ilya war mitten im Flug und bemerkte weder Shuriks Ausscheiden aus dem Fernsehprojekt noch, wie die Frauen in der ganzen Region ihm zum Abschied zujubelten. Marina mochte Ilya, deshalb bemerkte sie keine andere m?nnliche Sch?nheit.



Ja, nur Shurik kann der Schneek?nig sein, dachte Shurik und blickte auf den Fernsehbildschirm. Seine unvergleichlichen Gesichtsz?ge, Augen, Z?hne, L?cheln  er ist das Ebenbild des Schneek?nigs, und ich bin zu gew?hnlich. Shurik war so fasziniert von der Vorstellung, dass der Schneek?nig ihm ?hneln sollte, dass er alle seine Verwandlungsf?higkeiten ausreizte. Er blickte in den Spiegel und war nicht sonderlich ?berrascht, dort das pr?chtige Gesicht von Schurik zu sehen. Bald verwandelte sich auch sein K?rper in Schuriks. Schurik hatte sich so sehr ver?ndert, dass seine Kleidung zu weit und zu kurz geworden war. Er war gr??er und schlanker geworden. Er war charmant und attraktiv! Nun war er bereit, seine Freunde in der Zedernregion erneut zu ?berraschen!

Schurik beschloss sofort, vor der Frau des Gouverneurs zu erscheinen. Er wollte sie ?berraschen! Die Wachen, ?berrascht, lie?en den gutaussehenden jungen Mann zum Gouverneur der Zedernregion. Die Nymphe Igorewna, wie alle Frauen, hielt sich f?r die Schneek?nigin und verehrte Kai sehr. Als sie ihn in ihrem B?ro sah, erhob sie sich.



Ihr Gesicht erhellte sich mit einem bezaubernden L?cheln:



Schurik, was f?hrt dich hierher? Ich habe dich neulich im Fernsehen gesehen  und hier bist du!



Nymphe Igorewna, die Fernsehsendung hatte eine Zeitverschiebung. Ich bin nicht Schurik selbst, ich bin nur der gew?hnliche Schurik.



Was w?nschst du dir von mir, mein Lieber?, fragte Nymphe Igorewna.



Ich m?chte der Schneek?nig werden!, verk?ndete Schurik stolz.



Liebling, sei der Schneek?nig! Wir haben im Winter Schnee im ?berfluss!, sagte Nymphe Igorewna und sah ihn liebevoll an.



Ich brauche ein K?nigreich!, bat der junge Mann stolz.



Ich bin Gouverneurin, was deinen k?niglichen Status etwas kompliziert, bemerkte die Frau. Man hat mir ein Zelt aus bl?ulichem Nerz gefertigt; es befindet sich in einer modernen Kuppel. Im Zelt steht ein Stuhl f?r den Schneek?nig. Man wird dir einen Anzug mit bl?ulichem Nerzbesatz anfertigen. Deine Aufgabe ist es, mit den Damen zu verhandeln und Vertr?ge ?ber Pelze und Pinienkerne abzuschlie?en. Berater und Spezialisten in diesen Angelegenheiten werden dir stets im Hintergrund zur Seite stehen. Bist du bereit, als Schneek?nig zu arbeiten?



 Ich w?re ?bergl?cklich, der Schneek?nig zu sein!



Arbeitet, und wenn wir euch als Repr?sentanten brauchen, rufen wir euch ins Zelt.



So wurde Schurik zum Schneek?nig. Doch mit dem Essen kommt der Appetit: Er hatte das Zelt schnell satt und wollte einen ganzen Palast. F?r seinen Auftritt vor dem Volk wurde eine kleine Auff?hrung inszeniert.



Das S?ulenhaus stand seit Urzeiten auf einem H?gel; die Menschen hatten sich so daran gew?hnt, dass sie sich die Skyline ohne es gar nicht mehr vorstellen konnten. Lange Zeit stand der Palast leer. Die Leute wussten einfach nicht, was sie damit anfangen sollten. Einst beherbergte das S?ulenhaus den Kulturpalast. Niemand sah sich dort mehr alte Filme an; Fernseher gen?gten. Junge Leute tanzten in Diskotheken, wof?r der alte Palast v?llig ungeeignet war.

Ein Nachkomme des Palastbesitzers, Graf Dobrynja Nikititsch, kam aus dem Ausland. Er war so gutaussehend, grauhaarig und von so edler Erscheinung, dass man ihn sofort den Schneek?nig nannte. Die Einheimischen glaubten nicht, dass er gro?en Reichtum besa?; sie glaubten, er habe nichts au?er seiner ehrw?rdigen Erscheinung.



Doch die Menschen brauchten ein M?rchen. Laut Staatsgesetz durfte ihm niemand das Familiengut vermachen, und nach dem Ehrengesetz war alles erlaubt, was einen adligen Beigeschmack hatte. Die Herrin, oder besser gesagt, die Verwalterin, des Zedernlandes war Nymphe Igorewna. Sie hatte das Land einfach gekauft, aber niemand sch?pfte Verdacht. Ihre Gesichtsz?ge waren nicht adlig: eine Stupsnase, volle, nicht eingefallene Wangen. Aber sie konnte wandelbar und unberechenbar sein, sowohl in ihrem Aussehen als auch in ihren Entscheidungen. Nachdem sie Graf Pawlin, oder besser gesagt Iwan Sergejewitsch, bei einer Wohlt?tigkeitsveranstaltung kennengelernt hatte, beschloss sie, ihm einen Moment des Ruhms zu verschaffen. Als sie von seinem Wunsch erfuhr, im Familienpalast zu leben, beauftragte sie ihn mit der Restaurierung des Geb?udes. Ehrlich gesagt, hatte sie das M?rchen Die Schneek?nigin in all seinen Variationen seit ihrer Kindheit geliebt.



Dann h?rte sie, wie die Leute den Grafen den Schneek?nig nannten. Nat?rlich beschloss sie, dass der K?nig einen Thronsaal haben sollte. Sie ordnete an, alle Eisb?r- und wei?en Nerzfelle zu sammeln. Sie gab in Auftrag, das Fell zur Dekoration des Thronsaals zu verwenden.



Sie stellte dem grauhaarigen Grafen eine einfache Aufgabe: Er sollte regelm??ig auf dem wei?en Thron Platz nehmen. Das Spektakel war so atemberaubend, dass zahlreiche Journalisten in die Region str?mten, und die Region wurde dank des Schneek?nigs ?ber Nacht weltber?hmt.



Und das bedeutete neue Auftr?ge und weltweiten Erfolg f?r die Zedernregion! Nymphe Igorevna war sich ihrer eigenen Unansehnlichkeit, selbst auf ihrem B?rostuhl, durchaus bewusst, aber sie besa? Willenskraft und einen eisernen Charakter. Deshalb war sie durchaus in der Lage, den grauhaarigen Schneek?nig auf den Thron zu setzen. Er verlas ihre Erlasse in der gesamten Zedernregion, und die einfachen Bewohner h?rten ihnen mit gro?er Aufmerksamkeit zu.



Der Richter erkannte auch, dass der Schneek?nig an seiner Stelle sprechen konnte. Und so mancher komplizierte Fall, der sich in der Endphase befand, wurde nun im Thronsaal des Schneek?nigs verhandelt. Graf Iwan Sergejewitsch wirkte auf seinem Thron, in wei?es Nerzfell geh?llt, so erhaben, dass der Schuldige fromm Besserung gelobte.

Schurik betrat sein Zimmer, blickte in den Spiegel und grinste: Offenbar war er in seiner Rolle als Graf erfolgreicher als in seiner Rolle als Schneek?nig. Er hatte den letzten Auftritt des Grafen in einer Fernsehsendung gesehen, in der ein alter Aristokrat gezeigt wurde, und genau das war er geworden. Doch Schurik wurde es leid, jemand anderes zu sein; er f?hlte sich unaufhaltsam dazu hingezogen, er selbst zu sein.

Die Gouverneurin der Zedernregion, die brillante Nymphe Igorewna, beschloss, die Besucherzahlen ihrer Region zu erh?hen. Sie besa? Zedern und Pelze, aber die Einwohnerzahl war so gering, dass man sie an einer Hand abz?hlen konnte. Ihr Reich war weitl?ufig, aber sehr abgelegen von dicht besiedelten Gebieten. Also entwarf sie eine Touristenroute durch ihre Region. Eine ungew?hnliche Route.



Der Gouverneur gr?ndete eine Firma, die antike Truhen mit Edelsteinen darin herstellte! Geologen halfen dabei, Dutzende Routen mit dazugeh?rigen Karten zusammenzustellen. Sie f?llten die Truhen mit echten Edelsteinen  warum sollten sie in Lagerh?usern verstauben? Sie sollten den Menschen dienen und Freude bringen. Das Wichtigste dabei war, nicht in der Presse zu werben; sie pflegten eine solche Geheimhaltung, dass Ger?chte die Runde machten. Ger?chte ?ber unermessliche Sch?tze, die in der Zedernregion entdeckt worden waren  Saphire und Topase, Diamanten und Amethyste, Rubine und Achate, allesamt echt und kostbar  verbreiteten sich wie ein Lauffeuer. Es war auch gut, dass man keine Lizenz f?r die Schatzsuche ben?tigte; sie konnten sofort gefunden werden. Routenkarten wurden unter den Leuten verteilt, vermehrten sich und wurden von Legenden umrankt.



Schurik kannte eine Firma, die Schatztruhen mit Sch?tzen f?llte, speziell f?r den Zweck, sie an verschiedenen Orten in der Zedernregion zu vergraben. Das faszinierte ihn sehr. Einen Schatz zu finden und reich zu werden, war ein Traum. Nymphe Igorevna verbreitete das Ger?cht, nur der Schneek?nig kenne den Standort der Sch?tze in der Gegend. Die Menschen str?mten zum Schneek?nig, und jeder erkannte sofort, dass er die Gunst der Gouverneurin genoss. Doch er wusste nichts ?ber den Standort der Schatztruhen!

Die Menschen standen Schlange, um ihn zu sehen, so begierig darauf, reich zu werden  es war unm?glich, sie alle zu z?hlen! Doch die Geschichten kursierten weiter, und die Menschen str?mten in diese abgelegenen Gegenden, um das Wunder in der Truhe zu suchen. Man sagte, sie enthalte Amethyste, Saphire und Goldm?nzen  allesamt sorgf?ltig verpackt, damit sie nicht verdarben. Man vermutete auch, die Truhen seien f?r zuk?nftige Generationen vergraben worden, damit diese die Suche nach den Sch?tzen des Zedernlandes noch mehr genie?en k?nnten.

Nymphe Igorevna erfuhr von neuen Ger?chten. Man erz?hlte ihr, die Zahl derer, die ins Land k?men, wachse. Sie lachte und legte noch M?nzen in die Truhen. Das steigerte das Interesse der Menschen an der Schatzsuche nur noch. Und Nymphe Igorevna begann, Schurik den Schneek?nig zu nennen, da er noch nicht k?niglich genug war. Die Menschen str?mten zu Marinas Wachturm: Fr?her hatte sie dort au?er den Nerzen niemanden gesehen, doch nun kamen st?ndig Leute zu ihr und baten sie, ihnen zu zeigen, wo sie vom Turm aus nach Sch?tzen suchen konnten. Alle behaupteten, der Schneek?nig bes??e eine Karte aller Sch?tze. Sie erwiderte, sie wisse nichts Konkretes ?ber den Verbleib der Sch?tze, doch Ger?chte machten die Runde.

Marina hatte von Nymphe Igorevna pers?nlich den Auftrag erhalten, Schatzsucher mit einer neuen Sonde zu ?berwachen, die st?ndig ?ber dem Turm hing und so den Beobachtungsbereich des Zedernwaldes erweiterte. Die Zedern wurden alt, und anderswo wurden neue Setzlinge gepflanzt. Die Menschen brachten ihr Geld ins Zedernland und erhielten im Gegenzug ein M?rchen, so alt wie alle M?rchen  und davon gab es viele.

Meistens waren Schatzsucher damit besch?ftigt, alte Zedern auszurei?en, und tats?chlich waren die Schatztruhen in den Wurzeln der ?ltesten B?ume versteckt. Die Menschen str?mten wegen des Holzes hierher. Die Hauptstadt der Zedernregion begann sich wie von selbst auszudehnen, und unsere Helden kehrten nach Hause zur?ck.



Kapitel 5. Paradiesinsel



Im Sommer reiste Marina zur Paradiesinsel, wo sie den Regisseur Timofey Kuklin kennenlernte. Sie freundeten sich gesch?ftlich an. Marina erwachte aus Erinnerungen, die sie auf der Veranda eines Steinhauses in einem Schaukelstuhl heimgesucht hatten. Ja, sie war eine wundersch?ne, gepflegte junge Frau. Ihr Haar fiel ihr ?ber die Schultern, und ihre kunstvoll lackierten N?gel umspielten ein hohes Cocktailglas. Schlanke Beine in hochhackigen Sandalen lugten unter ihren kurzen Shorts hervor.



Sie war in letzter Zeit etwas niedergeschlagen gewesen. Zwei Monate waren vergangen, seit sie ihr Land verlassen hatte und auf Paradise Island lebte.



Timofey, hallo!, rief Marina freundlich, als sie den jungen Mann sah. Hallo, Marina!, erwiderte Timofey. Warum sonnst du dich nicht?



Von der Br?une werde ich zu einer ausgetrockneten Kakerlake. Vergiss es. Du schuldest mir was!



Das ist unm?glich, ich habe mir kein Geld von dir geliehen!



Timofey, du bist meine Troph?e, und Troph?en bringen Gewinn. Du, mein Lieber, schuldest mir eine ansehnliche Summe!



Du sagtest, du liebst mich, und Liebe ist kostenlos.



Aber du bist mir bis zum Hals in die Seele gekrochen! Zahl! Der Betrag steht auf der Serviette. Timofey warf einen Blick auf die Serviette, auf die Zahl, und war sprachlos.



Warum bist du so verbl?fft? Ich habe geliebt und geliebt, und die Zahlung hat sich angesammelt. Jemand hat sich ?ber dich beschwert, aber du hast mich nicht geliebt, sagte Marina. Timofey dachte pl?tzlich daran, dass er fr?her mit seiner Lebensgef?hrtin zusammengelebt hatte und sie ihn nie um etwas gebeten, sondern einfach nur das Leben genossen hatte! Oder vielleicht die Hauptrollen, die ihr Regisseur-Ehemann ihr gegeben hatte.



Marina, ich habe nicht so viel Geld!



Gib mir, was du hast! Den Rest zahlst du mir zur?ck. Sie werden sich um dich k?mmern. Timofey ging ins Nebenzimmer, holte das Geld und brachte es Marina. Sie nahm es entgegen, Strasssteine glitzerten auf ihren N?geln, und ein gequ?ltes L?cheln huschte ?ber ihr Gesicht. Die Frau ignorierte seine Antwort, trat aus dem Zimmer in die pralle Sonne und bog um die Ecke, als w?rde sie in der Hitze schmelzen. Timofey sa? auf einem Stuhl und st?tzte seinen Kopf in beide H?nde. Er war sprachlos vor Staunen. Niemand hatte ihn je so hintergangen. Die Leute hatten Angst vor seiner imposanten Statur gehabt, aber diese k?nstliche Frau mit falschen Wimpern und Br?sten hatte ihm alles umsonst geraubt. Er war sich sicher, dass Frauen es als Gl?ck betrachten sollten, eine zuf?llige Begegnung mit Regisseur Timofey Kuklin zu haben, mit einem Mann wie ihm!

Zu dieser Zeit litt Lera unter Einsamkeit. Sie dachte an Timofey und wurde von Gef?hlen ?berw?ltigt. Sie arbeitete als Journalistin und berichtete ?ber sein Theater. So hatten sie sich kennengelernt. Groll, ?rger  nein. Hass  zum Teufel damit. Verzweiflung? Nein. Gleichg?ltigkeit? Teilweise. Verschw?rung? Sie wird vor?bergehen. Die Zeit der fremden Macht ist vorbei. Dunkelheit, und das ist alles. Die Freude der Feinde w?hrt nicht lange. Sein Leben wird ihn vernichten!, dachte Lera, w?hrend sie die 1s in ihrer E-Mail betrachtete und mit einem Klick alles l?schte, was sie geschrieben hatte.




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