Der letzte Like
Aituar Abultayev


Eine Geschichte dar?ber, wie ein Mensch nicht erst im Augenblick seines Todes verschwindet, sondern lange zuvor  in dem Moment, in dem alle seinen Schmerz l?ngst sehen und trotzdem nicht aufh?ren hinzusehen.

Vier Top-Blogger nehmen an einer neuen, extremen Realityshow namens Sternenwoche teil. Sieben Tage lang sollen ihre Isolation, harte Einschr?nkungen und psychologische Pr?fungen rund um die Uhr ?bertragen werden.

Man verspricht ihnen Sicherheit, eine spektakul?re Inszenierung und garantierten Hype. Doch schon am n?chsten Tag wachen die Teilnehmer in einem unterirdischen Bunker auf. Sie sind eingesperrt, und sowohl das Wasser als auch ihre ?berlebenschancen h?ngen von den Likes der Zuschauer ab.





Aituar Abultayev

Der letzte Like








(Psychothriller/Horror)






PROLOG


Am Anfang war Stille.

Dann ert?nte in der Dunkelheit ein kurzes Signal  ein Like. Darauf ein zweites, ein drittes, ein viertes. Die Benachrichtigungen verschmolzen rasch zu einem beunruhigenden elektronischen Regen, w?hrend auf dem schwarzen Bildschirm ein Kommentar nach dem anderen aufblitzte: Cringe. Ist die echt so drauf? Hahaha! Habt ihr ihr Gesicht mit der Krone gesehen? Postet mehr davon. Meme des Jahres. Selbst schuld.

Ganz in der N?he atmete eine junge Frau schwer und k?mpfte verzweifelt gegen die Tr?nen an.

Bitte  l?scht das Video. Ich habe euch nicht erlaubt, mich zu filmen. Bitte, erklang Dinaras Stimme.

Als Antwort erscholl ein vielstimmiges, digitales und erbarmungsloses Lachen. Auf dem Bildschirm flammte ein kurzes Hochkantvideo auf: Die verst?rte Dinara stand mitten in einem Einkaufszentrum, hielt sich eine Hand vors Gesicht, w?hrend jemand aus n?chster N?he auf sie draufhielt.

Ach komm, Schwesterchen, die Leute lieben es authentisch!, erklang Armans Stimme.

Die Aufnahme brach abrupt ab. In der Dunkelheit blieb ein einziger Kommentar stehen: Die Leute machen sich doch selbst zum Meme. Ein letzter Like ert?nte, dann erlosch der Bildschirm.



Eine d?mmrige K?che. Auf dem Tisch stehen ein Laptop, eine Kindertasse und ein Teller mit eingetrockneten Breiresten. Erlan sitzt vor dem Bildschirm. Ohne zu blinzeln. Auf dem Laptop sind Ordner ge?ffnet: DINARA_STIMME, DINARA_VIDEO, CHATS, STORYS, DIE_LETZTEN. Aus dem Nebenzimmer dringt die schl?frige Stimme eines Kindes.

Papa  ist Mama schon zur?ck?, fragt Amelia.

Erlan schlie?t die Augen. Lange.

Bald, meine Kleine. Schlaf, antwortet Erlan.

Er setzt die Kopfh?rer auf und dr?ckt eine Taste. Auf dem Bildschirm erscheint die Benutzeroberfl?che eines neuronalen Netzes. Die Wellenform einer Stimme.

Erlan, du hast schon wieder das Licht im Flur angelassen, erklingt Dinaras Stimme.

Die Stimme klingt lebendig. Vertraut. Beinahe echt. Erlan zuckt zusammen.

Noch mal, sagt Erlan.

Er startet die Aufnahme erneut.

Erlan, du hast schon wieder das Licht im Flur angelassen, erklingt Dinaras Stimme.

Erlans Lippen zittern. Er weint nicht. Er dr?ckt nur wieder auf Wiedergabe. Neben der Tonspur ist auf dem Bildschirm jener Tab mit dem dem?tigenden Video von Dinara ge?ffnet. Millionen Aufrufe. Tausende Kommentare. Erlan starrt auf den Bildschirm. Auf die Gesichter der Blogger. Auf die Tausenden Kommentare.

Ihr wolltet eine Show , fl?stert Erlan.

Erlan zieht die Brauen zusammen und beginnt zu tippen.

Ihr bekommt eure Show , sagt er leise.




KAPITEL 1





Menschen, denen man zusieht


Ein heller, sonniger Tag. Die Stadt lebt im Eiltempo: Autos auf der Al-Farabi-Allee, Cafs, Kuriere, Einkaufszentren, Berge im Dunst.



In einem Studio nimmt Aruzhan ein Video auf. Hinter ihr stehen ordentliche Regale, B?cher, weiches Licht.

Wenn wir ?ber einen Menschen lachen, den wir nicht einmal kennen  dann ist das l?ngst nicht mehr nur ein Witz. Wir treiben ihn an den Rand. Und hinterher tun wir so, als h?tten wir blo? zugesehen, sagt Aruzhan.

Sie l?sst eine Pause. Blickt direkt in die Kamera. Ruhig. Pr?zise.

Und irgendwann ist nicht mehr so wichtig, wer als Erster geklickt hat. Entscheidend ist, wer nicht aufgeh?rt hat, f?gt Aruzhan hinzu.

Die Aufnahme ist beendet. Aruzhan ver?ndert sich augenblicklich. M?de, gereizt.

War das okay? Oder klang es wieder wie eine Vorlesung?, fragt Aruzhan.

Top. Wie lautet der Titel?, fragt der Cutter.

Warum das Internet Menschen t?tet und wir dabei lachen. Aber macht das Thumbnail etwas sanfter. Kein Blut. Ich brauche keinen Strike, antwortet Aruzhan.



Die Aufnahme ist vorbei. Der Cutter atmet aus und nimmt die Kopfh?rer ab. Aruzhan tritt an den Monitor. Auf der Timeline ist ihr Gesicht eingefroren. Auf dem Bildschirm steht: DAS INTERNET VERGIBT NICHT.

Sollen wir am Ende vielleicht Dinaras Fall einbauen? Der passt doch genau zum Thema, sagt der Cutter.

Aruzhan antwortet nicht sofort.

Nein, sagt sie.

Warum? Die Zahlen waren gut. Die Leute erinnern sich.

Sie erinnern sich an das Meme. Nicht an Dinara.

Umso st?rker w?re die Folge.

Aruzhan sieht ihn an. Zu scharf.

Ich habe Nein gesagt.

Der Cutter hebt die H?nde.

Okay. Ist nur komisch. Du warst damals doch die Erste, die das Thema vern?nftig aufgearbeitet hat.

Vern?nftig?

Der Cutter ger?t ins Stocken. Er wei? nicht, was er sagen soll.

Na ja  professionell. Nicht wie die anderen. Du hast wenigstens nicht gelacht.

Aruzhan nimmt ihre Tasche.

Manchmal reicht das nicht. Einfach nicht zu lachen.

Sie geht. Die T?r f?llt ins Schloss. Der Cutter bleibt vor dem Bildschirm zur?ck. Er ?ffnet ein altes Projekt von Aruzhan und spult durch die Timeline. F?r einen Augenblick erscheint Archivmaterial: Dinara, tr?nen?berstr?mt. Ihr Gesicht ist schlecht verpixelt. Man kann sie erkennen. Der Cutter verzieht das Gesicht und schlie?t das Projekt.



Aruzhan tritt auf die Stra?e. Vor dem Eingang wartet eine junge Bewunderin mit einem Notizbuch auf sie.

Aruzhan? K?nnte ich ein Autogramm bekommen? Wegen Ihnen studiere ich Journalismus, sagt die junge Frau.

Aruzhan l?chelt automatisch.

Nat?rlich.

Die Followerin reicht ihr das Notizbuch.

Sie haben damals etwas so Starkes gesagt: Schweigen ist auch eine Haltung. Das habe ich nie vergessen.

Aruzhans Stift verharrt ?ber dem Papier.

Habe ich das wirklich gesagt?

Ja. In Ihrer Folge ?ber Online-Hetze. Danach habe ich ein paar toxische Kan?le deabonniert.

Aruzhan unterschreibt und gibt das Notizbuch zur?ck.

Sie sind wirklich mutig, f?gt die junge Frau hinzu.

Das M?dchen l?chelt und geht. Aruzhan sieht ihr nach. Das L?cheln verschwindet aus ihrem Gesicht. Auf ihrem Handy erscheint eine neue Nachricht ihres Managers: STARWOCHE. DRINGEND. HONORAR ERH?HT. EINE ABSAGE W?RE DUMM.



Arman steht neben einem Mann in einem riesigen B?renkost?m. Kameras, Assistenten, Mikrofone.

Bruder, sobald sie rauskommt, f?llst du auf die Knie und schreist: Mama, ich bin wieder da! Verstanden?, fragt Arman.

Der Mann im Kost?m nickt.

Sie ist ?brigens schwanger, sagt der Assistent.

Arman sieht ihn an.

Na und? Wir fassen sie doch nicht an. Die Reaktion wird hundertprozentig echt.

Die Aufzugt?ren gleiten auf. Eine Frau mit Einkaufst?ten tritt heraus. Der B?r st?rzt sich auf sie. Die Frau schreit, f?llt hin, die T?ten fliegen auseinander. Arman lacht in die Kamera.

Almaty, guten Morgen! Wenn das Leben ein Prank ist, sollte man besser derjenige sein, der die Kamera h?lt, f?gt Arman hinzu.

Die Frau weint. Der Assistent versucht, ihr aufzuhelfen. Ohne das L?cheln abzulegen, fl?stert Arman dem Kameramann zu:

N?her ans Gesicht. N?her, habe ich gesagt.



Timson steht auf der B?hne. Der Saal lacht.

Ist euch schon mal aufgefallen, dass manche Leute ins Internet gehen wie unter die Dusche? So nach dem Motto: Gleich komme ich blitzsauber wieder raus. Nein, Bruder. Du kommst als Meme wieder raus, sagt Timson.

Gel?chter. Timson entdeckt in der ersten Reihe eine korpulente junge Frau, die lauter lacht als alle anderen.

Die Dame da lacht, als h?tte ihr Mann nach drei Jahren endlich einen Wink verstanden, setzt Timson nach.

Der Saal explodiert vor Lachen. Die Frau wird verlegen und err?tet.

Ist doch lieb gemeint! Keine Sorge. Im Zweifel sagst du einfach, das sei Body Positivity.

Das Lachen wird noch lauter. Die Frau lacht nicht mehr. Nach dem Auftritt zeigt Timsons Manager ihm hinter der B?hne sein Handy.

Der Clip mit der Frau geht schon ab. Zweihunderttausend in zwanzig Minuten.

Siehst du? Ich mache aus Leuten Stars. Morgen erkennt man sie auf der Stra?e.

Sie hat geschrieben, wir sollen ihn l?schen.

Timson nimmt ein Glas Wasser.

Soll sie sich freuen. Kostenlose PR.



Saya sitzt auf dem Boden eines gem?tlichen Zimmers. Lichterkette, Pl?schtiere, Ringlicht. Sie spricht in ihr Handy.

Heute m?chte ich mal ohne Filter sein. Einfach nur reden. Kennt ihr das Gef?hl, dass die Leute schon vergessen haben, dass es euch gibt, sobald ihr einen Tag lang verschwindet?, sagt Saya.

Sie liest die Kommentare im Livestream.

Saya, du wirkst irgendwie traurig.

Saya l?chelt 

Nein, alles gut. Ehrlich. Ich bin nur m?de.

Eine Pause.

Schickt ein Herz, wenn ihr da seid. Ich muss wissen, dass ich nicht allein bin.

Herzen fluten den Bildschirm. Saya l?chelt. Kindlich, dankbar. Pl?tzlich erscheint eine Direktnachricht: STARWOCHE. NUR F?R AUSGEW?HLTE. Saya ?ffnet sie. Eine Videoeinladung. Hochglanzlogo, Musik, Lichtblitze.

Sieben Tage. Vier Stars. Kameras rund um die Uhr. Eure Zuschauer entscheiden, wer den Sieg verdient, ert?nt die Stimme des Moderators.

Saya erstarrt.

Starwoche 

Sie blickt auf die Zuschauerzahl ihres Livestreams. Es sind weniger als sonst.

Vielleicht ist das ein Zeichen.



Saya steht am K?hlschrank. An der T?r h?ngen ein Magnet aus ihrer Kindheit und ein Familienfoto. Sie ruft ihre Mutter per Video an.

Du bist d?nner geworden. Isst du ?berhaupt?, fragt Sayas Mutter.

Mama, ich arbeite.

Arbeit ist, wenn man ein Gehalt bekommt. Bei dir schicken die Leute Herzchen.

Saya l?chelt, doch die Worte tun ihr weh.

Diese Herzchen bezahlen meine Wohnung.

Mir geht es nicht ums Geld. Mir geht es um dich. Wann bist du das letzte Mal einfach spazieren gegangen  ohne Handy?

Saya antwortet nicht.

Saya?

Mir wurde ein Projekt angeboten. Ein gro?es. Sieben Tage ohne Handy.

Ihre Mutter hellt sich auf.

Na also! Mach das. Dann erholst du dich.

Saya lacht.

Das ist keine Erholung. Es ist eine Realityshow. Die Kameras laufen die ganze Zeit.

Das Gesicht ihrer Mutter ver?ndert sich.

Wozu dann?

Damit die Leute mein wahres Ich sehen.

Dein wahres Ich sehe ich doch l?ngst.

Saya dreht sich weg, damit sie nicht in Tr?nen ausbricht.

Mama, das ist wichtig.

Versprich mir nur, dass du gehst, sobald es dir schlecht geht.

Saya schaut auf die Einladung auf ihrem Laptop. Dort steht in gro?en Buchstaben: EIN AUSSTIEG AUS DEM PROJEKT IST VOR DEM FINALE NICHT M?GLICH.

Versprochen.

Sie wendet sich vom Bildschirm ab.



Timson sitzt vor einem Spiegel und wischt sich mit einem Tuch die Schminke ab. Im Spiegel sieht er ein m?des Gesicht, das kaum seinem B?hnen-Ich ?hnelt. Ein junger Comedian namens Nur steht z?gernd in der T?r.

Darf ich?

Falls du einen Rat willst: Leih dir kein Geld und lies keine Kommentare.

Nur l?chelt nicht.

Du hast heute schon wieder meinen Witz erz?hlt.

Timson h?lt f?r einen Moment inne. Dann wischt er weiter ?ber sein Gesicht.

Bruder, wir leben alle im selben Land, stehen in denselben Staus und haben dieselben Verwandten. Da ?hneln sich Witze nun mal.

Nicht dieser. Ich habe ihn dir geschickt. Du hast gesagt, er sei zu schwach.

Dann habe ich ihn wohl verbessert.

Nur wird rot.

Ist dir klar, was die Leute mir schreiben, seit du auf der B?hne ?ber mich geredet hast?

Timson wirft Nur einen Blick zu 

Sie schreiben, ich w?rde von dir klauen. Dabei sind es meine Witze.

Timson wendet sich ab.

H?r zu. Das Internet schreibt jedem irgendwas. Nimm es dir nicht so zu Herzen.

Du hast leicht reden. Dich lieben sie.

Timson betrachtet sich im Spiegel.

Sie lieben mich, solange ich lustig bin.

Nur geht. Timson bleibt allein zur?ck. Auf seinem Handy erscheint die Einladung zur Starwoche. Er liest die Bedingungen und schnaubt belustigt.

Sieben Tage ohne Kommentare. Fast wie Urlaub.



Arman sieht sich den Rohschnitt seines Pranks mit der Frau im Parkhaus an. Auf dem Bildschirm weint sie. Ein Assistent versucht, sie zu beruhigen.

Vielleicht sollten wir das lieber nicht verwenden. Ihr geht es da wirklich schlecht, sagt der Assistent aus dem Off.

Arman h?lt das Bild auf dem Gesicht der Frau an.

Schlecht ist, wenn etwas langweilig ist. Das hier ist echt.

Neben ihm berechnet sein Manager Alik die erwartete Reichweite.

Mit dem Sturz schaffen wir eine Million in der ersten Stunde. Ohne ihn dreihunderttausend.

Der Sturz bleibt drin.

Sie k?nnte sich beschweren.

Alle beschweren sich. Und dann teilen sie es trotzdem.

Alik nickt l?chelnd. Arman ?ffnet seine Direktnachrichten. Dutzende Menschen bitten ihn, alte Videos zu l?schen. Er liest keine einzige Nachricht. Er markiert alle und verschiebt sie ins Archiv. Eine neue E-Mail erscheint: STARWOCHE. ENDG?LTIGE BEST?TIGUNG. Arman l?chelt.

Das wird endlich echter Content 



Glasw?nde, Poster, Hochglanzpr?sentationen. Auf dem Bildschirm prangt das Logo: STARWOCHE. Vier Blogger sitzen am Tisch: Aruzhan, Arman, Timson und Saya. Der Moderator  strahlend, makellos und teuer gekleidet  schreitet vor ihnen auf und ab.

Ich begr??e Sie alle noch einmal ganz herzlich!, ruft der Moderator.

Arman nickt, als h?tte er bereits gewonnen. Timson blickt in die Kameras und deutet eine Verbeugung an. Saya l?chelt. Ein wenig zu bem?ht. Aruzhan bl?ttert im Vertrag.

Das Format ist denkbar einfach. Sieben Tage an einem abgeschlossenen Ort. Ohne Handys. Ohne Internet. Ohne Ausgang.

Eine Pause.

Nur Sie, die Kameras und die Liebe der Zuschauer.

Alle l?cheln. Au?er Aruzhan.

Nach jeder Aufgabe stimmen die Zuschauer mit Likes ab.

Wieder eine Pause.

Am Ende gibt es einen Gewinner und ein stattliches Preisgeld.

Wie stattlich?, fragt Arman.

Der Moderator l?chelt.

Stattlich genug, damit Sie so tun k?nnen, als ginge es Ihnen nicht ums Geld.

Timson grinst.

Gef?llt mir jetzt schon. Der Mann versteht Blogger.

Aruzhan hebt den Blick vom Vertrag.

Welche Sicherheitsgarantien gibt es?

Mediziner hinter der Wand. Psychologen. Anw?lte. Alles, was Sie brauchen, um sch?n und vollkommen legal leiden zu k?nnen.

Und der Kontakt zu unseren Familien?, fragt Saya.

Vor Beginn so viel Sie m?chten. W?hrend des Projekts gar keiner. Ein reines Experiment.

Arman beugt sich zu Saya hin?ber.

Keine Sorge. Wenn etwas passiert, rette ich dich. Gegen einen Extra-Like.

Saya versucht zu l?cheln. Aruzhan bl?ttert weiter durch den Vertrag.

Hier gibt es einen Passus ?ber unvorhergesehene emotionale Reaktionen. Den kann man auslegen, wie man will.

Aruzhan, Sie k?nnen doch zwischen den Zeilen lesen. Das ist Fernsehen. Da kann man alles auslegen, wie man will.

Das ist kein Fernsehen. Das ist Streaming.

Umso mehr.

Gel?chter. In einer Ecke, beinahe unsichtbar, ?berpr?ft Erlan  IT-Spezialist und technischer Leiter des Streams  die Kabel. Er sieht die Blogger nicht an. Aber er h?rt jedes Wort. Saya bemerkt ihn.

Entschuldigung  l?uft die Kamera da schon?

Erlan hebt den Blick. Er sieht sie einen Moment l?nger an, als n?tig w?re.

Kameras laufen immer.

Saya wei? nicht, ob das ein Witz sein soll.



Nach der gemeinsamen Pr?sentation unterschreibt jeder ein eigenes Dokumentenpaket. Der Jurist legt ihnen Tablets vor. H?kchen, Unterschriften, biometrische Best?tigung.

Klausel zur freiwilligen Teilnahme. Klausel zur vor?bergehenden Einschr?nkung der Kommunikation, liest der Jurist vor.

Klausel ?ber das Recht des Projekts, Bild, Stimme, Reaktionen und emotionale ?u?erungen zu verwenden.

Emotionale ?u?erungen  hei?t das, wenn ich fotogen weine, oder wenn Arman die Requisiten anschreit?, fragt Timson.

Der Jurist l?chelt nicht.

Alle.

Und wenn das Projekt komplett verkackt?, fragt Arman.

Das Projekt wird nicht verkacken.

Guter Anwalt. Selbstbewusst. Fast wie ein Betr?ger.

Der Jurist reagiert nicht. Aruzhan liest aufmerksamer weiter.

Hier steht: Der Teilnehmer best?tigt, dass psychisches Unbehagen Teil des Formats ist. Das kann alles M?gliche bedeuten.

Kann es. Aber wir sind doch nicht unsere eigenen Feinde.

Menschen sind selten ihre eigenen Feinde. Meistens sind sie die Feinde anderer.

Saya sagt leise:

Kann ich vor dem Start noch meine Mutter anrufen?

Der Moderator l?chelt sanft.

Nat?rlich. Alle werden sich von ihren Liebsten verabschieden k?nnen.

Das Wort verabschieden bleibt im Raum h?ngen. Saya spannt sich kaum merklich an. Arman schmunzelt. Hinter der Scheibe des Regieraums h?rt Erlan alles ?ber das Mikrofon. Sein Finger erstarrt ?ber einer Taste.

Verabschieden? Sie reden ja, als w?rden wir in den Krieg ziehen.

Wir gehen an einen Ort ohne Essen, Handys und vern?nftige Matratzen. F?r einen Blogger ist das schlimmer als Krieg.

Aruzhan unterschreibt als Letzte. Auf dem Tablet leuchtet in Gr?n auf: ZUSTIMMUNG ERTEILT. Einen Sekundenbruchteil lang spiegelt sich darin statt Aruzhans Gesicht Dinaras Gesicht aus dem alten Video. Aruzhan blinzelt. Sie schaut noch einmal hin  nichts. Der Jurist nimmt das Tablet an sich.

Willkommen im Projekt.



Nach der Vertragsunterzeichnung gehen die Blogger hinaus. Die Stimmung ist leicht und von Konkurrenz gepr?gt.

Na, Kolleginnen und Kollegen  wer heult zuerst?, fragt Arman.

Du. Sobald du merkst, dass du ohne Schnitt nur ein lauter Typ mit Komplexen bist, sagt Timson.

Und du bist ohne Publikum blo? ein Typ, der Kellner beleidigt.

Kellner lieben mich. Ich hinterlasse ihnen Trinkgeld und Traumata.

Saya lacht nerv?s.

Ist euch klar, dass die ganze Mechanik darauf ausgelegt ist, uns gegeneinander aufzuhetzen?, fragt Aruzhan.

Aruzhan, nat?rlich ist uns das klar. Manche Menschen verstehen es eben, stilvoll aneinanderzugeraten.

Aruzhan bemerkt, dass Erlan an einer technischen T?r steht und sie beobachtet.

Sind Sie schon lange bei dem Projekt?

Von Anfang an.

Dann wissen Sie also, wo man uns festhalten wird?

Nicht festhalten. Filmen.

Er schlie?t die technische T?r. Aruzhan sieht ihm nach 



Nach der Vertragsunterzeichnung treten die Blogger ins Freie. Sie haben ihre Handys noch. Arman schaltet bereits die Kamera ein und nimmt neben dem Auto eine Story auf.

Bald startet das Projekt, nach dem die H?lfte der Branche in Rente geht. Und ich bleibe wie immer sch?n, sagt Arman.

Ein St?ck entfernt nimmt Saya ihr eigenes Video auf, deutlich vorsichtiger.

Ich habe ein bisschen Angst. Aber wahrscheinlich beginnen gute Dinge immer mit Angst. Ihr bleibt doch bei mir, oder?

Sie beendet die Aufnahme nicht. Wartet. Das erste Herz erscheint. Saya l?chelt sofort. Dann noch eins. Und noch eins. Sie atmet aus. Timson tippt einen Post: Falls ich aus der Realityshow nicht zur?ckkomme, betrachtet es als experimentellen Stand-up. Er l?scht ihn.

Er schreibt: Ich gehe dorthin, wo mich sieben Tage lang niemand canceln kann.

Er l?scht auch das. Schlie?lich postet er nur: Starwoche. Los gehts. Aruzhan nimmt gar nichts auf. Sie steht am Rand des Parkplatzes und blickt zu den Bergen. Erlan kommt mit einer Kiste voller Technik auf sie zu.

M?gen Sie keine Ank?ndigungen?, fragt Erlan.

Doch. Deshalb traue ich ihnen nicht.

Das ist vern?nftig.

Aruzhan mustert ihn aufmerksamer.

Sie reden, als w?rden Sie das Ende bereits kennen, sagt Aruzhan.

Techniker kennen das Ende immer, antwortet Erlan.

Eine kurze Pause.

Wenn das Licht ausgeht, rufen alle nach uns, f?gt Erlan hinzu.

Er geht zum Lastwagen. Aruzhan sieht ihm noch einen Moment nach. Dann holt sie ihr Handy heraus und nimmt doch eine Story auf:

Ich gehe in ein Projekt, in dem sich alles um Reaktionen drehen wird. Ich werde versuchen, nicht zu vergessen, dass hinter jeder Reaktion ein Mensch steht.

Sie stoppt die Aufnahme und sieht sie sich an. Aruzhan l?chelt ihrem eigenen Bild gereizt zu.

Zu sch?n formuliert.

Sie l?scht die Aufnahme.



Aruzhan nimmt eine neue Story auf.

Ich gehe in ein neues Projekt. Das Format ist umstritten, die Risiken sind mir bewusst. Trotzdem interessiert mich brennend, wo eine Show endet und ?ffentliche Dem?tigung beginnt.

Sie stoppt die Aufnahme und sieht sie sich an. Unzufrieden.

Zu verkopft.

Sie l?scht sie und beginnt von vorn.

Leute, ich gehe in die Starwoche. Es wird hart, ehrlich und hoffentlich nicht bescheuert.

Sie ver?ffentlicht das Video. Sofort prasseln Benachrichtigungen herein:

Queen! Mach sie alle fertig. Aruzhan h?lt uns wieder eine Moralpredigt. Erinnerst du dich noch an Dinara? Oder hast du sie vergessen?

Aruzhan erstarrt beim letzten Kommentar. Sie l?scht ihn hastig. Dann ?ffnet sie eine Suchmaschine und tippt: Dinara Meme Blogger Online-Hetze. Eine Pause. Sie dr?ckt nicht auf Enter. Sie klappt den Laptop zu.



Kurz vor Beginn des Projekts ist Erlan erneut allein mit dem System, das er erschaffen hat.

Erlan steht vor der T?r des Kinderzimmers. Amelia schl?ft und h?lt einen Pl?schhasen im Arm. An der Wand h?ngt eine Kinderzeichnung: Mama, Papa und ein kleines M?dchen. Darunter steht in krakeligen Buchstaben: Mama kommt zur?ck. Erlan nimmt das Bild von der Wand und faltet es vorsichtig zusammen. Hinter ihm spricht der Laptop mit Dinaras Stimme.

Erlan, ich will nicht, dass sie leiden, sagt das System mit Dinaras Stimme.

Erlan dreht sich um.

Das ist kein Leiden.

Eine Pause.

Das ist die Wahrheit.

Ist Wahrheit das, was wehtut?, fragt die vertraute Frauenstimme.

Erlan antwortet nicht. Auf dem Bildschirm wird das Modell trainiert. Codezeilen. Kommentare werden geladen: H?ssliche. Meme. Selbst schuld. Like f?r Cringe. Dinaras Stimme verzerrt sich.

Wenn sie gelacht haben, hatten sie Spa?, sagt das System mit derselben Stimme.

Ja.

Dann sollen sie wieder Spa? haben.

Erlan starrt auf den Bildschirm. Zum ersten Mal wird ihm unbehaglich.



Am n?chsten Morgen f?hrt er zu seiner Schwester, bei der Amelia lebt.

Erlans Schwester Aigul macht Amelia f?r den Kindergarten fertig. Amelia sitzt auf einem Stuhl und l?sst die Beine baumeln. Erlan steht mit einem Werkzeugrucksack im Flur.

F?hrst du schon wieder weg?, fragt Aigul.

Arbeit.

Was ist das f?r eine Arbeit  nachts, tags?ber, am Wochenende? Siehst du sie ?berhaupt noch an?

Erlan blickt zu Amelia. Das M?dchen zeichnet mit dem Finger Figuren in die Luft.

Papa, reparierst du Mamas Handy?, fragt Amelia.

Erlan erstarrt.

Wozu?

Da ist ihre Stimme drin. Wenn ich dr?cke, redet Mama.

Aigul sieht ihren Bruder beunruhigt an.

Erlan, sie braucht keine Stimme aus einem Handy.

Ich wei?. Beruhig dich 

Du wei?t gar nichts. Du h?ngst st?ndig in diesen Dateien. Mit dem Computer sprichst du ?fter als mit deiner Tochter.

Erlan sagt leise:

Der antwortet wenigstens.

Aigul tritt n?her.

Das ist nicht sie.

Erlan erstarrt. Langsam hebt er den Blick zu ihr.

Das entscheidest nicht du.

Amelia hebt eine Zeichnung hoch und faltet sie auseinander.

Papa, schau. Mama kommt zur?ck.

Erlan nimmt das Bild. Amelia sieht ihn viel zu lange an.

Ja.

Aigul zieht Amelia wortlos zu sich. Erlan faltet die Zeichnung. Einmal. Dann noch einmal. Er steckt sie in die Innentasche.



In derselben Nacht beendet Erlan im Lager der Produktionsfirma die letzten Vorbereitungen.

Erlan ist allein zwischen Kisten mit Scheinwerfern, Kameras und Kulissen. Er legt vier Armb?nder f?r die Teilnehmer auf den Tisch. In jedem steckt mehr als nur ein Tracker: winzige Sensoren f?r Puls, Temperatur und Hautleitwert. Auf dem Laptop zeigt das System die Profile an.

ARUZHAN  KONTROLLE / SCHULD / ?FFENTLICHE MORAL.

ARMAN  AGGRESSION / NARZISSMUS / ANGST VOR SCHW?CHE.

TIMSON  ABWEHRHUMOR / ANGST VOR STILLE.

SAYA  ABH?NGIGKEIT VON BEST?TIGUNG / ANGST, ZU VERSCHWINDEN.

Erlan spricht leise:

Siehst du sie?

Ich sehe sie, antwortet das System mit Dinaras Stimme.

Sag mir, dass sie es verdient haben.

Eine Pause.

Du nennst es verdient. Ich messe Reaktionen, antwortet die vertraute Frauenstimme.

Nein. Du musst dich erinnern.

Ich erinnere mich an alles, was du hochgeladen hast.

Tausende Kommentare tauchen auf dem Bildschirm auf. Zun?chst lassen sich einzelne W?rter erkennen: Cringe. Selbst schuld. Meme. Like f?r Tr?nen. Dann beschleunigt sich der Text und verschmilzt zu einem schmutzigen digitalen Strom. Das System wird mit Hass trainiert.

Schmerz h?lt die Aufmerksamkeit l?nger.

M?de klappt Erlan den Laptop zu.

Davon rede ich nicht.

Er steht auf und tritt vom Tisch zur?ck. Ged?mpft dringt es aus dem geschlossenen Laptop:

Ich rede wie sie.

Erlan h?rt es nicht.




KAPITEL 2





Die Starwoche


Der Tag des Starts. Eine riesige Halle. Licht, Musik, Kameras, B?hnennebel, der Schriftzug STARWOCHE. Unter dem Applaus des Produktionsteams betreten die Blogger das Set. Jeder spielt seine Rolle. Arman winkt in die Kameras.

Mama, ich bin im Fernsehen! Wobei Mama YouTube Premium hat, sie sieht mich sowieso, sagt Arman.

Timson deutet einen Knicks an.

Falls ich sterbe, l?scht meinen Browserverlauf und mein letztes Stand-up.

Saya l?chelt, h?lt die H?nde aber fest ineinander verschr?nkt.

Hallo, ihr Lieben. Ich bin wahnsinnig nerv?s. Aber ich bin bei euch.

Saya formt mit den H?nden ein Herz. Aruzhan blickt ruhig in die Kamera.

Sehen wir mal, wie ehrlich eine Show sein kann, die von Anfang an Wahrheit verkauft.

Eine Pause. Sie wendet den Blick nicht ab. Der Moderator tritt in die Mitte.

Willkommen bei der Starwoche! Hier gibt es keine Filter. Keinen Schnitt. Keine zweite Aufnahme. Nur Sie, die Kamera und die Liebe der Zuschauer.

Erlan sitzt am Regiepult. Auf den Monitoren sind die Gesichter der Blogger zu sehen. Sein Blick verweilt auf Saya. Von selbst ?ffnet das System daneben ein altes Foto von Dinara. Nur f?r den Bruchteil einer Sekunde. Erlan erstarrt und schlie?t das Fenster hastig.



Der erste Tag. Alles wirkt wie eine teure Realityproduktion: ein gro?z?giger Raum, Matratzen, eine K?che ohne Essen, Kameras an den W?nden. Auf dem Tisch stehen vier Flaschen Wasser und winzige Essensportionen.

Das nenne ich mal Hunger. Nach meiner Detox-Werbung gab es mehr zu essen, sagt Arman.

Pst. Das ist eine Designerdi?t: reich, hungrig, ungl?cklich, erwidert Timson.

Saya nimmt eine Wasserflasche, ?ffnet sie aber nicht.

Schauen die Zuschauer schon zu?

Aus den Lautsprechern ert?nt die Stimme des Moderators.

Sie schauen zu. Und sie bewerten.

Auf dem Bildschirm erscheint die Rangliste:

ARMAN  31 %   ARUZHAN  27 %

SAYA  24 %   TIMSON  18 %

Achtzehn? Das ist manipuliert. Ich verlange eine Neuausz?hlung aller, die meine Witze verstanden haben, sagt Timson.

Keine Sorge, Opa. Deine Zielgruppe schl?ft einfach nach neun, antwortet Arman.

Aruzhan begutachtet die Kameras.

F?r eine sichere Show h?ngen hier verd?chtig viele Kameras.

Bist du immer so gut gelaunt?

Nur wenn ich einen Vertrag unterschreibe, den sp?ter Anw?lte auseinandernehmen werden.

Saya ?ffnet schlie?lich ihr Wasser und nimmt einen kleinen Schluck. In einem der schwarzen Bildschirme erkennt sie ihr Spiegelbild. Hinter ihrer Schulter scheint jemand zu stehen. Saya f?hrt herum. Niemand.



Das erste Abendessen. Auf dem Tisch liegen h?bsch angerichtete, winzige Portionen: ein St?ck H?hnchen, einige Salatbl?tter, Wasser im Glas. Alles sieht teurer aus, als es satt macht. Arman hebt unwillk?rlich die Hand, als wolle er seinen Teller fotografieren. Seine Hand ist leer.

Ich habe eine Phantom-Story. Meine Hand sucht von selbst nach dem Button, sagt Arman.

Bei mir auch. Ich denke st?ndig: Das m?sste man filmen, sagt Saya.

Gl?ckwunsch. Wir sind in einer Entzugsklinik f?r Leute, die ihre Sucht Beruf genannt haben, sagt Timson.

Aruzhan blickt zur versteckten Kamera in der Decke.

Keine Klinik. Ein Zoo.

Arman hebt sein Glas.

Auf den Zoo. M?ge das sch?nste Tier gewinnen.

Sie trinken. Das Wasser schmeckt ganz gew?hnlich. Saya bemerkt einen Motivationsspruch an der Wand: MAN LIEBT EUCH, SOLANGE MAN EUCH SIEHT.

Seltsamer Slogan.

Ehrlicher Slogan.

Aruzhan blickt durch die Scheibe in den Regieraum zu Erlan. Er sitzt reglos da, als w?re er ein Teil der Technik.

Der Techniker ist schon wieder da.

Du gef?llst ihm.

Mich sieht er nicht an.

Saya dreht sich um, als h?tte sie den Blick gesp?rt. Erlan schaut l?ngst auf einen anderen Monitor.



Erlan sitzt am Pult. Neben ihm bl?ttert der junge Regisseur der Live?bertragung auf einem Tablet.

Nach Mitternacht schalten wir das Hauptlicht aus. Die Infrarotkameras bleiben an.

Eine Pause. Er ?berpr?ft den Ablaufplan auf dem Tablet.

Morgens kommt der Moderator rein: Tag zwei, Fr?hst?ck mit ?berraschung.

Erlan nickt.

Hast du wirklich alles eingerichtet? Morgen sehen sich die Investoren den internen Testlauf an.

Alles eingerichtet.

Der Regisseur geht Kaffee holen. Erlan bleibt allein. Er zieht einen USB-Stick hervor und steckt ihn in den Rechner. F?r einen Sekundenbruchteil erscheint auf den Monitoren eine andere Benutzeroberfl?che. Keine Studiooberfl?che. Schwarz, minimalistisch, mit der Aufschrift: DINARA-PROTOKOLL: AKTIVIERUNG NACH SEDIERUNG. Erlan blickt auf den Bildschirm mit den Gesichtern der Blogger. ?ber die Kopfh?rer h?rt er ihr Gespr?ch.

Wenn irgendwas schiefl?uft, machen wir eben einen Skandal daraus. Ein Skandal bringt auch Reichweite, sagt Arman.




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   ,     (https://www.litres.ru/pages/biblio_book/?art=74277123)  .

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