30     A2.    
 


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30       ,           ,   .    ,    A2    ,     .    ,        .           .

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 A2.    






Wie man dieses Buch liest /    


Dieses Buch hat drei?ig Geschichten  eine f?r jeden Abend in einem Monat. Es ist f?r Menschen mit ein bisschen Deutsch. Sie m?chten jetzt echte Geschichten lesen. Keine ?bungen, keine Tabellen. Nur Geschichten: ?ber einen verlorenen Koffer, eine kaputte Kaffeemaschine, zwei Menschen mit demselben Namen und nur einem Hotelzimmer.

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Das Deutsch in diesem Buch ist einfach, aber nat?rlich. Die Personen sprechen wie echte Menschen. Sie erz?hlen, was sie gestern gemacht haben und was sie morgen machen. Manchmal machen sie Fehler. Sie auch  und das ist ganz normal.

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Jede Geschichte steht zweimal im Buch. Zuerst lesen Sie einen Absatz auf Deutsch, dann denselben Absatz auf Russisch. Der russische Text ist keine Wort-f?r-Wort-?bersetzung. Er erz?hlt dieselbe Geschichte in nat?rlichem Russisch. Lesen Sie zuerst den deutschen Text und verstehen Sie so viel wie m?glich. Bleiben Sie nicht bei jedem neuen Wort stehen. Oft verstehen Sie es aus der Geschichte. Dann lesen Sie den russischen Text und pr?fen sich selbst.

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Nach jeder Geschichte finden Sie eine kurze Liste: Neue W?rter. Dort stehen die wichtigsten W?rter aus der Geschichte, mit Artikel und mit ?bersetzung. Bei trennbaren Verben sehen Sie ein Beispiel aus dem Text.

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Eine Geschichte dauert etwa zehn Minuten. Lesen Sie jeden Abend eine, oder am Wochenende zwei, oder eine zweimal. Und achten Sie auf die erste und die letzte Geschichte: Sie geh?ren zusammen. Am Ende des Buches verstehen Sie, warum.

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DAY 1





Der Abendkurs


Ich hei?e Nadja. Ich bin vierunddrei?ig Jahre alt, und vor drei Monaten bin ich mit meinem Mann Mischa aus Russland nach Leipzig gezogen. Mischa hat hier eine Stelle bei einer gro?en Firma gefunden. Ich habe keine Stelle gefunden. Ich habe viel Regen gefunden und viel Deutsch geh?rt. Verstanden habe ich es nicht.

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In der Schule habe ich acht Jahre lang Deutsch gelernt. Ich kannte die Grammatik. Ich kannte alle Artikel  na ja, fast alle. Aber in der B?ckerei an unserer Ecke sagte die Verk?uferin jeden Morgen: Noch was, meine Gudste? Und ich stand nur da und l?chelte. Ich verstand kein Wort. Was ist eine Gudste?

      .   .     ,  .           :  -,  ?      .     .   ?

Du brauchst einen Kurs, sagte Mischa eines Abends. Mit echten Menschen. Nicht nur Apps auf dem Handy.

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Ich bin zu alt f?r einen Kurs, sagte ich.

     ,   .

Du bist vierunddrei?ig, lachte er. Das ist nicht alt. Das ist perfekt.

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Also fuhr ich an einem nassen Dienstag im Oktober mit der Stra?enbahn zur Volkshochschule. In Deutschland gibt es in fast jeder Stadt eine Volkshochschule. Dort lernen Erwachsene am Abend Sprachen, Kochen, Yoga  fast alles. Mein Kurs begann um sieben. Ich bin schon um sechs von zu Hause losgegangen, weil ich Angst hatte. Nat?rlich habe ich mich trotzdem verlaufen.

               Volkshochschule.         .      , ,     .     .       ,   .  ,   .

Ich bin dreimal dieselbe Stra?e hoch und runter gelaufen. Die Schule war in einem alten Geb?ude zwischen einem Caf und einem Friseur, und das Schild an der T?r war sehr klein. Als ich sie endlich fand, war es zehn nach sieben. Meine Haare waren nass, meine Schuhe waren nass, und mein Herz schlug sehr schnell.

           .         ,       .     ,    .  ,  ,     .

Der Kursraum war im zweiten Stock. Ich ?ffnete leise die T?r. Acht Leute sa?en um einen gro?en Tisch, und neben der Tafel stand ein gro?er Mann mit grauem Bart. Alle drehten sich um und sahen mich an.

    .    .      ,         .      .

Hallo! Kommen Sie rein, kommen Sie rein, sagte der Mann. Kein Problem, wir haben gerade erst angefangen. Ich bin J?rg Lorenz, Ihr Lehrer. Setzen Sie sich, wo Sie m?chten.

 ! , ,   .   ,   .   ,  .   .

Ich sah einen freien Stuhl am Fenster und setzte mich. Dann kam ein junger Mann mit lockigen Haaren zur?ck in den Raum. Er sah mich mit gro?en, traurigen Augen an.

       .         .       .

Entschuldigung, sagte er. Das ist mein Stuhl. Ich habe nur Wasser geholt.

 ,   .    .     .

Er hielt einen Plastikbecher hoch. Mein Gesicht wurde hei? und rot. Ich stand so schnell auf, dass meine Tasche auf den Boden fiel. Meine Stifte und mein Handy flogen ?berallhin. Jemand lachte  nicht b?se, aber er lachte.

   .       .    ,     .       . -    ,  .

Kein Problem, kein Problem, sagte der junge Mann und half mir mit den Stiften. Hier ist noch ein Stuhl, neben mir. Ich bin Lucas. Aus Brasilien.

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Nadja, sagte ich. Aus Russland. Meine Stimme war sehr leise.

 ,   .   .       .

Herr Lorenz klatschte in die H?nde. So! Wir fangen mit den Namen an. Sagen Sie bitte Ihren Namen und woher Sie kommen. Und dann buchstabieren Sie bitte Ihren Vornamen. Wer m?chte anfangen?

    .  !   . , ,      .       .   ?

Niemand wollte anfangen. Herr Lorenz l?chelte und zeigte auf eine Frau mit kurzen blonden Haaren. Sie war ungef?hr vierzig und hatte ein Heft mit vielen bunten Aufklebern.

   .           .    ,     ,    .

Ich hei?e Kasia, sagte sie. Ich komme aus Polen. Ich wohne in Leipzig seit sechs Jahre. Sie hielt inne. Nein. Seit sechs Jahren. Dativ!

   ,   .    .     seit sechs Jahre.   .  . Seit sechs Jahren.  !

Perfekt, sagte Herr Lorenz. Und buchstabieren?

 ,    .    ?

K-A-S-I-A, sagte Kasia und lachte. Sechs Jahre in Deutschland, und ich vergesse immer noch den Dativ!

 K-A-S-I-A,     .              !

Danach kam ein ?lterer Japaner in einer sehr ordentlichen Jacke. Er hie? Hiro. Er war Ingenieur und schon in Rente, und seine Tochter wohnte mit ihrem deutschen Mann in Leipzig. Ich m?chte mit meinem Enkel sprechen, sagte er langsam. Er ist vier. Sein Deutsch ist besser als mein Deutsch.

       .   .     ,        -.       ,    .   .   ,   .

Alle lachten, und Hiro l?chelte auch. Dann war Lucas dran. Er sprach schnell, und seine H?nde waren immer in Bewegung. Er war f?nfundzwanzig, arbeitete in einer Restaurantk?che und liebte Fu?ball, Musik und  er zwinkerte  den deutschen Regen. In S?o Paulo ist es immer hei?. Hier kann ich endlich meinen Pullover tragen!

 ,    .    .      .    ,        ,         .   -  .       !

Dann sahen alle mich an.

    .

Ich kannte die W?rter. Ich habe sie in der Stra?enbahn ge?bt. Ich hei?e Nadja. Ich komme aus Russland. Ganz einfach. Aber pl?tzlich war mein Mund trocken, und mein Name klang leise und komisch.

  .     .   .   .  .     ,       .

Und buchstabieren?, fragte Herr Lorenz freundlich.

   ?     .

N, sagte ich. A. D Und dann kam der letzte Buchstabe. In meinem Kopf war das kein deutscher Buchstabe. Es war ein russischer: ߓ. Also sagte ich laut: !

 N,   .  A. D        .         .   : ߻.    :  !

Herr Lorenz sah mich freundlich an. Ja?, fragte er.

     .  Ja?   . (?)

Nein, sagte ich. !

 ,   .  !

Ja was?

  ?

!

 !

Lucas kicherte. Dann Kasia. Dann ich. Auf Russisch ist ߓ ein Buchstabe  und auf Deutsch klingt er wie ja. Ich erkl?rte das, und bald lachte der ganze Kurs. Herr Lorenz schrieb meinen Namen gro? und blau an die Tafel: N-A-D-J-A. Jott und A, sagte er. Auf Deutsch sind es zwei Buchstaben. Aber Ihr ߑ gef?llt mir besser.

 .  .  . - ߻   ,  -    ja, .   ,     .          : N-A-D-J-A.    ,   .  -   .   ߻   .

In der n?chsten Stunde sprachen wir zu zweit. Ich sprach mit Kasia ?ber unser Lieblingsessen. Sie erz?hlte von den Piroggen ihrer Mutter, und ich erz?hlte von den Pelmeni meiner Gro?mutter. Das ist dasselbe!, sagte Kasia. Fast dasselbe, sagte ich. Es war mein erstes echtes Gespr?ch auf Deutsch in Leipzig  und es war ?ber Teigtaschen.

     .       .           ,      .      !   .      ,   .       -        .

Alle machten Fehler. Lucas sagte viermal die Tisch. Hiro sagte er ?ber seine Frau und sie ?ber seinen Enkel. Kasia verga? den Dativ schon wieder. Und nichts Schlimmes passierte. Niemandem war es peinlich. Langsam wurde mein Herz ruhig.

 .     die Tisch.         .      .     .    .    .

Um neun stand Herr Lorenz auf. Noch etwas, sagte er. Hausaufgaben. Aber nicht f?r n?chste Woche. Diese Hausaufgabe ist f?r den ganzen Kurs.

    .    ,   .   .     .     .

Alle st?hnten.

 .

Unser Kurs dauert zehn Wochen, sagte er. In der letzten Stunde erz?hlt jeder von Ihnen eine Geschichte. Eine echte Geschichte aus Ihrem Leben. F?nf Minuten. Auf Deutsch. Ohne Zettel.

     ,   .         .     .  . -.  .

F?nf Minuten! Ich konnte nicht einmal meinen Namen buchstabieren. Wie sollte ich f?nf Minuten sprechen?

 !       .      ?

Keine Angst, sagte Herr Lorenz und sah mich an. Zehn Wochen sind eine lange Zeit. Sie schaffen das.

  ,        .      .  .

Drau?en regnete es immer noch. Lucas ?ffnete einen gro?en Regenschirm und brachte mich zur Haltestelle. Bis n?chsten Dienstag, Nadja, sagte er. Und nimm nicht meinen Stuhl!

     .         .    , ,   .      !

Ich lachte. Es war ein echtes Lachen, das erste an diesem Abend.

 . -     .

In der Stra?enbahn sah ich auf die dunklen, nassen Stra?en von Leipzig. Zehn Wochen. Eine Geschichte. F?nf Minuten auf Deutsch. Ich hatte keine Ahnung, was meine Geschichte sein sollte. Aber zum ersten Mal seit drei Monaten wollte ich es herausfinden.

        .  .  .   -.    ,     .         .

Neue W?rter /  

die Volkshochschule (VHS)   ,   



sich verlaufen (ich habe mich verlaufen)   ()

das Schild  , 

die Tafel  () 

buchstabieren    

in Rente sein    

ordentlich  

dran sein (Lucas war dran)    

zwinkern  

kichern  

die Hausaufgabe, -n   

ohne Zettel   

herausfinden (ich finde es heraus)  , 




DAY 2





Die Kaffeemaschine


Jeder Morgen im B?ro der Firma Sonnenseite in Hamburg beginnt gleich. Um halb neun kommen die Leute mit nassen Jacken und m?den Gesichtern. Sie sagen Moin und sehen dabei nicht hoch. Und dann gehen sie einer nach dem anderen in die K?che und stellen sich vor die gro?e silberne Kaffeemaschine.

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Die Kaffeemaschine ist das Wichtigste im ganzen B?ro. Sie ist wichtiger als die Computer. Sie ist wichtiger als die Chefin. Alle wissen das, aber niemand sagt es.

       .  .  .   ,     .

Am Montagmorgen war Gerd aus dem Vertrieb als Erster in der K?che. Er stellte seine Tasse unter die Maschine und dr?ckte auf den gro?en gr?nen Knopf. Die Maschine machte ein komisches Ger?usch  wie ein alter Mann mit starkem Husten. Dann war sie still. Ein kleines rotes Licht blinkte.

          .           .          .  .    .

Nein, sagte Gerd. Nein, nein, nein. Er dr?ckte noch einmal. Nichts. Er dr?ckte noch f?nfmal. Immer noch nichts.

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Was ist los?, fragte Meike aus der Buchhaltung. Sie stand mit ihrer rosa Tasse hinter ihm.

  ?     .        .

Kaputt, sagte Gerd. Seine Stimme war sehr ernst, wie bei einem Arzt mit schlechten Nachrichten.

 ,   .      ,      .

Zehn Minuten sp?ter stand das ganze B?ro in der K?che. Zw?lf Menschen sahen die silberne Maschine an, und die silberne Maschine sah mit ihrem kleinen roten Licht zur?ck.

       .      ,          .

Vielleicht braucht sie Wasser, sagte Martin aus der IT. Er ?ffnete den Wassertank. Er war voll.

 ,   ,     IT-.     .   .

Vielleicht braucht sie Bohnen, sagte Meike. Aber die Bohnen waren auch da.

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Vielleicht braucht sie Urlaub, sagte jemand hinten. Ein paar Leute lachten  aber nicht Gerd. Gerd lachte nie vor dem ersten Kaffee.

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In der Ecke, neben dem K?hlschrank, stand Finn. Er war einundzwanzig und der neue Praktikant. Er war erst seit drei Wochen bei Sonnenseite. Er war sehr ruhig und ein bisschen sch?chtern. Jeden Tag trug er denselben grauen Pullover, und die anderen nannten ihn heimlich den Kleinen. Meistens verga?en sie, dass er ?berhaupt da war.

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Finn ?ffnete den Mund. ?hm, ich glaube, sagte er.

  .  -,     .

Aber in diesem Moment ging die T?r auf, und Frau Diekmann kam herein. Frau Diekmann war die Chefin. Sie war gro?, sie ging schnell, und sie hatte immer einen Plan.

     ,    .    . , ,      .

Was ist hier los?, fragte sie. Warum sitzt niemand am Schreibtisch?

   ?   .       ?

Die Kaffeemaschine ist kaputt, sagte Gerd.

  ,   .

Frau Diekmann sah die Maschine an. Dann sah sie ihr Team an. Gut, sagte sie. Um zehn haben wir ein Meeting mit einem wichtigen Kunden. Alle gehen jetzt bitte arbeiten. Wir ?berleben einen Morgen ohne Kaffee.

    .    .  ,   .         . ,   .      .

Alle gingen an ihre Schreibtische. Aber niemand arbeitete.

    .     .

Gerd sah zwanzig Minuten auf seinen Bildschirm und schrieb kein einziges Wort. Meike beantwortete dreimal dieselbe E-Mail. Martin schlief mit dem Kopf auf der Hand ein, und seine Tastatur schrieb jjjjjjjjjjjj in ein sehr wichtiges Dokument. Um halb zehn sprach jemand ?ber das Caf an der Ecke  aber es regnete stark, und montags gibt es dort immer eine lange Schlange.

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Ich kann nicht denken, sagte Gerd laut. Mein Gehirn ist aus. Ich brauche Kaffee, oder ich gehe nach Hause.

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Um Viertel vor zehn kam Frau Diekmann aus ihrem B?ro. In der Hand hatte sie die Bedienungsanleitung der Kaffeemaschine. Die Anleitung war sehr dick.

        .        .  .

Okay, sagte sie. Ich repariere sie selbst. Wie schwer kann das sein?

 ,   .     .     ?

Sie ging in die K?che, und alle gingen hinter ihr her. Frau Diekmann ?ffnete die Anleitung. Seite siebenundvierzig, las sie laut. Blinkt die rote Anzeige, so ist der Tresterbeh?lter zu leeren. Sie sah hoch. Der was?

   ,     .    .    ,    .        .    .    ?

Niemand wusste es. Gerd sagte: Trester? Ist das nicht Wein? Martin suchte das Wort im Internet, aber an diesem Morgen war auch das Internet langsam.

  .  :  ?   - ?      ,        .

Frau Diekmann dr?ckte auf den gr?nen Knopf. Sie dr?ckte auf den roten Knopf. Sie dr?ckte beide Kn?pfe zusammen. Sie schlug mit der Hand gegen die Seite der Maschine  nicht sehr fest, aber fest genug. Die Maschine hustete wieder, und dann lief ein bisschen braunes Wasser auf den Boden.

    .  .   .         ,  .   ,       .

Oh je, sagte Meike.

 -,   .

Ich rufe den Service an, sagte Frau Diekmann. Sie sah auf die Uhr. Aber der Kunde kommt in f?nfzehn Minuten.

   ,    .    .       .

Da kam eine leise Stimme aus der Ecke.

      .

Entschuldigung. Darf ich es mal versuchen?

 .   ?

Alle drehten sich um. Finn stand neben dem K?hlschrank. Sein Gesicht war ein bisschen rot.

 .    .     .

Du?, sagte Gerd.

 ?   .

Mein Vater hat ein Caf, sagte Finn. In L?neburg. Er hat genau dieselbe Maschine. Ich habe in allen Sommerferien dort gearbeitet. Sie geht st?ndig kaputt.

    ,   .   .      .      .   .

Frau Diekmann sah ihn eine Sekunde an. Dann gab sie ihm die Anleitung.

     .    .

Finn ?ffnete die Anleitung nicht. Er ging zur Maschine, ?ffnete hinten eine kleine T?r und zog einen kleinen Metallkasten heraus. Er war voll mit altem, nassem Kaffeesatz. Finn leerte ihn in den M?ll, sp?lte ihn im Waschbecken und schob ihn zur?ck. Dann dr?ckte er drei Sekunden lang zwei Kn?pfe zusammen und wartete.

    .    ,         .       .      ,       .          .

Das rote Licht blinkte nicht mehr. Es wurde gr?n. Die Maschine machte ein fr?hliches kleines Ger?usch, und der wunderbare Duft von frischem Kaffee f?llte die K?che.

   .   .    ,       .

Einen Moment lang sagte niemand etwas. Dann klatschte Gerd. Meike klatschte auch, dann Martin, dann alle. Finn sah auf den Boden, aber er l?chelte.

    .    .  ,   ,     .    ,  .

Wie hast du das gemacht?, fragte Frau Diekmann.

    ?    .

Das ist der Tresterbeh?lter, sagte Finn und zeigte auf den kleinen Kasten. Der Kasten f?r den alten Kaffee. Wenn er voll ist, stoppt die Maschine. Steht auf Seite siebenundvierzig. Er l?chelte sch?chtern. Aber das Wort versteht kein Mensch.

    ,        .     .   ,  .      .    .         .

Alle lachten. Gerd machte den ersten Kaffee  und gab ihn Finn. Du zuerst, sagte er. Den hast du dir verdient.

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Das Meeting mit dem Kunden lief sehr gut. Alle waren wach, alle hatten Ideen, und Gerd war sogar h?flich.

    .   ,    ,     .

Am n?chsten Morgen hing ein neues Schild an der Kaffeemaschine. Jemand schrieb gro? und schwarz darauf: PROBLEME? FRAG FINN. Und darunter, kleiner: (Er kennt das Wort.)

       . -      : ?  .  , : (   .)

Und von diesem Tag an nannte ihn niemand im B?ro mehr den Kleinen.

           .

Neue W?rter /  

Moin!  ! (   )

dr?cken (auf den Knopf)   ( )

blinken  

der Praktikant, -en  , 

sch?chtern  

die Schlange   ( )

die Bedienungsanleitung    

reparieren  

der Kaffeesatz   

leeren  , 

klatschen   ( )

Den hast du dir verdient.    .




DAY 3





Zimmer frei


Die Anzeige im Internet war kurz: Zimmer frei. Ruhiges Haus in Heidelberg, mit Garten. Nur f?r ernsthafte Studenten. Keine Haustiere, keine Partys, kein Unsinn.

    :  .    ,  .    .  ,  ,  .

Ole las sie dreimal. Er war dreiundzwanzig, er machte einen Master in Geschichte, und er hatte sehr wenig Geld. Das Zimmer war billig  viel billiger als alle anderen. Kein Unsinn, sagte er zu sich selbst. Das kann ich.

    .    ,      ,       .        .  ,    .    .

Das Haus war hoch und alt, mit einer gr?nen T?r und vielen Rosen im Vorgarten. Eine kleine Frau mit wei?en Haaren und einem sehr geraden R?cken ?ffnete die T?r. Sie sah Ole langsam an, von den Schuhen bis zu den Haaren  wie eine Lehrerin bei einer Hausaufgabe.

    ,        .         .           ,   .

Herr Ole Kr?ger?, sagte sie. Ich bin Frau Pfennig. Sie sind vier Minuten zu sp?t.

   ?   .    .     .

Entschuldigung, sagte Ole. Der Bus

 ,   .  

Schuhe aus, bitte, sagte Frau Pfennig und ging ins Haus.

  , ,        .

Das Zimmer war ganz oben. Es war klein, aber hell, mit einem gro?en Fenster, einem Bett, einem Schreibtisch und einem alten Sessel. Vom Fenster aus sah Ole den Garten, den Fluss und weit hinten das alte Schloss. Er liebte es sofort.

    . ,  :  , ,     .     , ,     .      .

Ich nehme es, sagte er.

 ,   .

Nicht so schnell, sagte Frau Pfennig. Sie nahm ein Blatt Papier aus der Tasche. Zuerst m?ssen Sie die Hausordnung lesen.

   ,    .      .       .

Die Hausordnung hatte zwanzig Regeln. Frau Pfennig schrieb sie auf einer alten Schreibmaschine, und unter einige Regeln machte sie zwei Striche. Ole las:

    .        ,    .  :

Regel 1: Schuhe an der T?r ausziehen.

Regel 4: Im Bad nicht singen.

Regel 7: Kaffee und Kuchen um 15 Uhr. Nicht um 15:05 Uhr.

Regel 9: Das Klavier nicht anfassen.

Regel 11: Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr.

Regel 15: Kein Besuch nach 21 Uhr.

Regel 20: Licht aus um 23 Uhr.

 1:    .

 4:    .

 7:      15:00.   15:05.

 9:   .

 11:    13  15.

 15:    21:00.

 20:    23:00.

Warum darf ich im Bad nicht singen?, fragte Ole.

       ?   .

Weil die W?nde d?nn sind und die meisten Menschen schlecht singen, sagte Frau Pfennig. Singen Sie gut, Herr Kr?ger?

    ,     ,    .    ,  ?

Nein, sagte Ole ehrlich.

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Dann ist Regel vier eine gute Regel.

 ,     .

Ole unterschrieb. Am selben Abend zog er mit zwei Koffern und einem Karton B?cher ein.

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Die ersten Wochen waren nicht leicht. Um genau dreiundzwanzig Uhr machte Frau Pfennig im ganzen Haus das Licht aus, und Ole ging oft im Dunkeln die Treppe hoch. In der Mittagsruhe durfte er nicht duschen, nicht Musik h?ren und nicht laut lachen. Einmal nieste er um zwei Uhr nachmittags. Frau Pfennig klopfte sofort an seine T?r.

   .           ,        .       ,     .       .         .

Jeden Tag um f?nfzehn Uhr klopfte sie wieder. Dann tranken sie Kaffee in der K?che, an einem kleinen Tisch mit einer wei?en Decke, und a?en ein St?ck Kuchen. Sie fragte ihn nach seinem Studium. Er erz?hlte von der Geschichte Heidelbergs. Sie h?rte zu und sagte dann: Nein, Herr Kr?ger. Das war 1693, nicht 1694. Und sie hatte immer recht.

       .      ,      ,     .     .     .  ,   : ,  .    1693 ,    1694-.    .

Im Oktober ging ihr altes Radio kaputt. Frau Pfennig h?rte jeden Morgen die Nachrichten im Radio, und ohne Radio war die K?che sehr still. Ole sah sich das Radio an. Innen war ein kleines Kabel lose. Nach f?nf Minuten funktionierte es wieder.

     .        ,        .     .    .      .

Am n?chsten Tag klopfte um f?nfzehn Uhr niemand. Ole kam um zehn nach drei ein bisschen nerv?s in die K?che. Frau Pfennig sa? am Tisch, mit zwei Tassen und einem ganzen Apfelkuchen.

        .          .            .

Sie sind zu sp?t, sagte sie. Dann l?chelte sie  zum ersten Mal. Egal. Regel sieben ist flexibel.

  ,   .   .  .   .

Im November kam Ole einmal fr?h nach Hause. Das Haus war leer. Im Wohnzimmer stand das alte schwarze Klavier. Der Deckel war offen. Ole dachte an seine Klavierstunden als Kind. Er setzte sich und spielte ein paar T?ne  ganz leise.

      .   .      .   .    ,    .         .

Das war das Klavier von meinem Mann, sagte eine Stimme hinter ihm.

     ,       .

Ole sprang auf. Frau Pfennig stand mit ihren Einkaufstaschen in der T?r.

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Es tut mir so leid, sagte er. Regel neun. Ich wei?.

 , ,   .   .  .

Frau Pfennig sah lange das Klavier an. Harald hat jeden Abend gespielt, sagte sie leise. Seit sechs Jahren hat niemand mehr darauf gespielt. Dann setzte sie sich in den Sessel. Na? Nicht aufh?ren. Spielen Sie etwas.

     .     ,    .         .      .  ?  .  -.

Ole spielte schlecht. Er verga? die H?lfte der T?ne. Aber Frau Pfennig schloss die Augen und h?rte zu, und am Ende lachte sie. Furchtbar, sagte sie. Wirklich furchtbar. Noch einmal, bitte.

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Im Dezember bekam Ole eine schlimme Erk?ltung. Drei Tage lag er im Bett, mit roter Nase und schrecklichen Kopfschmerzen. Am ersten Nachmittag klopfte es an der T?r. Frau Pfennig kam mit einem Tablett herein. Darauf stand eine gro?e Sch?ssel H?hnersuppe.

    .             .       .     .       .

Mittagsruhe, sagte Ole schwach. Es ist erst halb drei.

  ,     .     .

F?r kranke Menschen gibt es keine Regeln, sagte Frau Pfennig. Essen Sie alles auf.

    ,    .     .

Zu Silvester kamen drei Freunde von Ole zu Besuch. Sie kamen um halb neun, und Ole sah nerv?s auf die Uhr. Um neun kam Frau Pfennig ins Wohnzimmer. Seine Freunde wurden still.

       .     ,      .       .   .

Spielt hier jemand Karten?, fragte sie.

 -    ?   .

Sie spielten bis nach Mitternacht. Frau Pfennig gewann jedes Spiel. Um dreiundzwanzig Uhr machte niemand das Licht aus  und um zw?lf standen sie alle zusammen im Garten und sahen das Feuerwerk ?ber dem Schloss.

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Der Winter wurde zum Fr?hling. Die Rosen im Vorgarten wuchsen wieder. An einem Sonntagmorgen im April wachte Ole fr?h auf, weil er ein komisches Ger?usch h?rte. Jemand sang. Laut. Schlecht. Im Bad.

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Er ging die Treppe hinunter. Die Badezimmert?r ging auf, und Frau Pfennig kam heraus, in einem blauen Bademantel und mit einem Handtuch auf dem Kopf.

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Frau Pfennig, sagte Ole. Regel vier!

  ,   .   !

Ich singe jetzt in einem Chor, sagte sie. Im Dezember haben wir ein Konzert, und ich muss ?ben. Die W?nde sind d?nn, Herr Kr?ger. Daran m?ssen Sie sich gew?hnen.

     ,   .      ,    .  ,  .   .

Am Nachmittag sah Ole die Hausordnung am K?hlschrank an. Durch Regel vier ging ein Strich. Und durch Regel sieben. Und durch neun, elf, f?nfzehn und zwanzig. Eigentlich ging durch jede Regel ein Strich  durch jede Regel bis auf eine.

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Regel 1: Schuhe an der T?r ausziehen.

 1:    .

Warum steht diese Regel noch da?, fragte Ole um f?nfzehn Uhr, bei Kaffee und Kuchen.

     ?          .

Frau Pfennig sah ihn ?ber ihre Tasse an. Manche Regeln sind wichtig, Ole, sagte sie. Der Teppich ist sehr alt.

      .    , ,   .    .

Es war das erste Mal, dass sie ihn mit dem Vornamen ansprach.

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Neue W?rter /  

die Anzeige, -n  

der Unsinn  , 

die Hausordnung   , 

die Regel, -n  

die Mittagsruhe    ( 1315)

einziehen (er zieht ein)  , 

niesen (er hat geniest)  

lose  , 

die Erk?ltung  

das Tablett  

der Strich, -e   (ein Strich durch   )

sich gew?hnen an (+ Akk.)   




DAY 4





Ein Paket f?r Nummer 12


Hanna wohnt seit drei Jahren in der Lindenstra?e in Bremen. Sie arbeitet von zu Hause  sie ist Grafikdesignerin  und sie kennt ihre Stra?e sehr gut. Sie kennt das rote Auto vor Nummer 7, den lauten Hund aus Nummer 15, den sch?nen Garten vor Nummer 3. Aber die Menschen kennt sie nicht. In drei Jahren hat sie mit keinem Nachbarn richtig gesprochen.

        .               .        7,      15,      3.     .            .

Am Donnerstagnachmittag klingelte es. Als Hanna die T?r ?ffnete, war niemand da  nur ein gro?er brauner Karton auf der Treppe. Ein Lieferwagen fuhr schnell weg.

     .   ,           .    .

Ich habe doch nichts bestellt, sagte Hanna zu sich selbst. Sie las das Etikett: Herrn R. Okafor, Lindenstra?e 12.

     ,    .   :  . , , 12.

Hanna wohnte in Nummer 21. Zw?lf, einundzwanzig, seufzte sie. Typisch.

     21.  ,  ,   .   .

Der Karton war schwer. Sie trug ihn langsam, mit beiden Armen, ?ber die Stra?e. Nummer 12 war ein altes Haus mit einer sehr hohen Hecke und dunkelgr?nen Vorh?ngen. Die Vorh?nge waren immer zu. Hanna ging jeden Tag an diesem Haus vorbei, aber sie sah nie jemanden hineingehen oder herauskommen.

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Sie klingelte. Lange passierte nichts. Dann h?rte sie langsame Schritte, und die T?r ?ffnete sich ein kleines St?ck. Ein alter Mann sah heraus. Er war gro? und d?nn, mit wei?en Haaren und Brille, und in einer Hand hatte er einen Gehstock.

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Ja?, sagte er.

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Guten Tag. Ich bin Hanna, aus Nummer 21, sagte Hanna. Ich glaube, das ist f?r Sie. Der Paketbote hat es bei mir abgestellt.

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Der alte Mann sah den Karton an, und sein Gesicht ver?nderte sich v?llig. Mein Teleskop!, sagte er. Ich warte schon drei Wochen darauf! Die Firma hat gesagt, sie haben es geliefert. Ich habe f?nfmal angerufen.

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Drei Wochen?, sagte Hanna. Aber ich habe es erst heute bekommen.

  ?   .       .

Dann hat die Firma eine komische Vorstellung von Zeit, sagte er und lachte. Es war ein tiefes, warmes Lachen. Kommen Sie doch herein. Sie haben den schweren Karton ?ber die ganze Stra?e getragen. Eine Tasse Tee ist das Mindeste. Ich bin Robert. Robert Okafor.

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Drinnen war das Haus voller B?cher. B?cher in den Regalen, B?cher auf den St?hlen, B?cher auf dem Boden. An den W?nden hingen alte Karten  aber keine Karten von L?ndern. Es waren Karten vom Nachthimmel, mit Sternen und Planeten und Linien dazwischen.

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Ich war vierzig Jahre Physiklehrer, sagte Robert, als er ihr Gesicht sah. Am Gymnasium hier um die Ecke. Die Sterne waren immer mein Lieblingsthema.

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Sie tranken Tee in der K?che. Robert erz?hlte von der Schule, von seinen Sch?lern und von einem Kometen im Jahr 1997. Er kam als junger Mann aus Nigeria nach Bremen, zum Studium, und dann blieb er einfach. Hanna erz?hlte von ihrer Arbeit und von ihrer Familie in Hannover. Mit ihm konnte man leicht sprechen. Er h?rte gut zu und stellte gute Fragen.

    .    ,      1997 .        , ,    .          .     .       .

Hatten Sie fr?her schon ein Teleskop?, fragte Hanna.

     ?   .

Robert sah aus dem Fenster. Ja. Ein altes. Meine Frau Gisela und ich haben jede klare Nacht zusammen die Sterne angesehen. Im Garten, mit einer Thermoskanne hei?er Schokolade. Er war einen Moment still. Gisela ist vor zwei Jahren gestorben. Danach habe ich das alte Teleskop der Schule geschenkt. Allein wollte ich nicht mehr in den Himmel sehen.

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Das tut mir leid, sagte Hanna leise.

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Mein Enkel hat das neue f?r mich bestellt, sagte Robert. Er hat gesagt: Opa, es ist Zeit. Vielleicht hat er recht. Er sah den gro?en Karton an. Aber ich wei? nicht, ob ich es zusammenbauen kann. Meine H?nde sind nicht mehr so gut.

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Ich kann helfen, sagte Hanna. Sie war selbst ?berrascht. Anleitungen lesen kann ich gut.

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Sie ?ffneten den Karton auf dem Wohnzimmerboden. Es gab viele Teile: ein langes wei?es Rohr, drei Metallbeine, kleine Spiegel, viele Schrauben. Hanna las die Anleitung, und Robert erkl?rte, wof?r jedes Teil war. Es dauerte zwei Stunden. Am Ende stand ein sch?nes wei?es Teleskop mitten im Zimmer.

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Robert ber?hrte es vorsichtig. Haben Sie das Wetter gesehen?, sagte er. Heute Nacht gibt es keine Wolken. Das passiert in Bremen nicht oft. Er sah Hanna an. Haben Sie heute Abend schon etwas vor?

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Um zehn Uhr trugen sie das Teleskop in den Garten hinter dem Haus. Die Nacht war kalt und sehr klar. Robert machte hei?e Schokolade in einer alten roten Thermoskanne. Dann richtete er das Teleskop auf einen kleinen, hellen Punkt im S?den und bewegte es ganz vorsichtig ein bisschen.

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Da, sagte er. Schauen Sie mal.

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Hanna sah durch das Teleskop. Zuerst sah sie nur Dunkelheit. Dann sah sie es  eine kleine gelbe Kugel mit einem Ring. Einem echten Ring, d?nn und perfekt, wie in einem Kinderbuch.

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Ist das

 

Saturn, sagte Robert. Etwa eine Milliarde und zweihundert Millionen Kilometer von Ihrer Stra?e entfernt.

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Hanna sagte nur leise: Oh Sie sah und sah. Sie war neunundzwanzig. Ihr ganzes Leben lang lebte sie unter diesem Himmel  und sie wusste nicht, dass Saturn jede Nacht da oben war, direkt ?ber der Lindenstra?e.

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Als sie endlich hochsah, l?chelte Robert. Seine Augen waren ein bisschen nass.

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Gisela hat genau dasselbe Ger?usch gemacht, sagte er. Beim ersten Mal. Genau dasselbe.

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Sie blieben bis Mitternacht im Garten. Robert zeigte ihr den Jupiter mit seinen vier kleinen Monden und eine Gruppe von Sternen mit dem Namen Siebengestirn. Als Hanna endlich ?ber die Stra?e nach Hause ging, sah sie die ganze Zeit nach oben.

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Am n?chsten Dienstag klopfte sie mit einem Zitronenkuchen an die T?r von Nummer 12.

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Laut Wetterbericht gibt es heute Nacht keine Wolken, sagte sie.

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Robert ?ffnete die T?r weit. Die dunkelgr?nen Vorh?nge im Wohnzimmer waren jetzt offen. Ich wei?, sagte er. Die hei?e Schokolade ist schon fertig.

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Neue W?rter /  

das Paket, -e  

der Paketbote   ()

das Etikett  , 

die Hecke   

der Gehstock  

das Mindeste   

die Thermoskanne  

zusammenbauen (er baut es zusammen)   ( )

die Schraube, -n  , 

etwas vorhaben (Haben Sie etwas vor?)   (   ?)

der Wetterbericht   

die Wolke, -n  




DAY 5





Die F?hrerscheinpr?fung


Raj war achtunddrei?ig Jahre alt, und er konnte nicht Auto fahren. Raj ist in Berlin aufgewachsen, und dort brauchte er nie ein Auto. Es gab die U-Bahn, die S-Bahn und Busse. Aber vor zwei Jahren zog er mit seiner Frau Anjali und den zwei Kindern in eine kleine Stadt bei L?neburg. Dort fuhr nur einmal pro Stunde ein Bus, und am Sonntag fuhr gar keiner.

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Du musst es lernen, sagte Anjali. Ich kann nicht f?r den Rest meines Lebens alle ?berallhin fahren.

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Also lernte Raj. In Deutschland ist das nicht so einfach: Man braucht viele Fahrstunden, eine Theoriepr?fung und eine praktische Pr?fung, und alles ist teuer. Raj hatte jeden Samstag Fahrstunde bei Uwe  einem gro?en, ruhigen Mann. Uwe trank viel Kaffee und schrie nie. Nach sechs Monaten machte Raj seine erste praktische Pr?fung.

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Er ist durchgefallen. Er war so nerv?s, dass er dreimal um einen Kreisverkehr fuhr. Er fand die richtige Ausfahrt einfach nicht.

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Vier Monate sp?ter machte er die Pr?fung noch einmal. Diesmal verga? er vor dem Abbiegen den Blick in den Spiegel, und ein Radfahrer rief ihm etwas sehr Unh?fliches hinterher. Wieder durchgefallen.

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Aller guten Dinge sind drei, sagte Uwe. Du bist ein guter Fahrer, Raj. Du musst nur ruhig bleiben. Egal was passiert: ruhig bleiben.

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Die dritte Pr?fung war an einem Freitagmorgen im April. Als Raj aufwachte, regnete es. Nicht ein bisschen  sehr stark. Es regnete so stark, dass er den Garten kaum sehen konnte.

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Perfekt, sagte Raj.

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Seine Tochter Priti war neun. Sie gab ihm einen kleinen Spielzeugelefanten. Der bringt Gl?ck, Papa, sagte sie. Steck ihn in die Tasche. Sein Sohn Arjun war sechs. Er umarmte ihn und gab ihm ein Marmeladenbrot. Ein bisschen Marmelade landete auf Rajs Hemd.

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Die Pr?ferin war eine Frau von ungef?hr sechzig Jahren, Frau Hartmann. Sie hatte kurze graue Haare und ein Klemmbrett, und sie l?chelte nicht.

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Guten Morgen, Herr Sharma, sagte sie. Bitte fahren Sie los, wenn Sie bereit sind.

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Raj stellte die Spiegel ein. Er machte den Sicherheitsgurt zu. Er ber?hrte den kleinen Elefanten in seiner Tasche. Dann startete er den Motor.

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Die ersten zehn Minuten liefen gut. Raj fuhr langsam und vorsichtig durch die nassen Stra?en. Er hielt an jeder roten Ampel. Er sah jedes Mal in den Spiegel. Er fuhr nur einmal um den Kreisverkehr und nahm die richtige Ausfahrt. Frau Hartmann schrieb etwas auf ihr Klemmbrett, aber ihr Gesicht zeigte nichts.

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Am Ende der Stra?e bitte links, sagte sie.

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Raj bog links ab  und hielt sofort an. Mitten auf der Stra?e lief eine Entenfamilie: eine Entenmutter und sieben kleine K?ken. Sie gingen sehr langsam von einer Stra?enseite zur anderen. Sie wollten zum Fluss.

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Hinter Raj hupte ein Mann in einem gro?en schwarzen Auto. Raj bewegte sich nicht. Er wartete. Ein K?ken blieb mitten auf der Stra?e stehen und sah das Auto an. Raj wartete. Das K?ken setzte sich hin. Raj wartete. Der Mann hinter ihm hupte noch einmal.

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Ruhig bleiben, sagte Raj leise zu sich selbst. Egal was passiert: ruhig bleiben.

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Endlich stand das K?ken auf und lief seiner Familie hinterher. Raj fuhr weiter. Frau Hartmann schrieb etwas auf ihr Klemmbrett.

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F?nf Minuten sp?ter fuhren sie durch die Innenstadt. Da h?rte Raj lautes Hupen. Dann sah er es: eine lange Reihe Autos mit wei?en B?ndern und Blumen. Ganz vorne ein altes rotes Cabrio mit einer Braut und einem Br?utigam. Ein Hochzeitskorso! In Deutschland fahren die G?ste nach der Trauung oft so durch die Stadt, alle zusammen, und alle hupen. Und der ganze Korso fuhr direkt vor Raj, sehr langsam, durch die enge Stra?e.

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Die Braut winkte ihm durch den Regen zu. Raj winkte zur?ck. Er konnte nicht anders.

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Herr Sharma, sagte Frau Hartmann. Bitte beide H?nde ans Lenkrad.

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Entschuldigung, sagte Raj.

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Der Korso bog ab. Sie fuhren weiter. Jetzt sollte Raj zwischen zwei Autos einparken  das Schwierigste bei der ganzen Pr?fung. Raj sah in den Spiegel und drehte ganz langsam das Lenkrad. Da klopfte jemand an sein Fenster.

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Er drehte den Kopf. Ein Gorilla sah ihn an.

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Nat?rlich kein echter Gorilla. Es war ein Mann in einem Gorillakost?m, mit einer Spendendose in der Hand. Auf der Dose stand: SPENDENLAUF  F?R DAS KINDERKRANKENHAUS!

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Eine Sekunde lang blieb Rajs Herz stehen. Dann  er wusste nicht, warum  lachte er. Er lachte so sehr, dass seine Augen nass wurden. Enten, eine Hochzeit und jetzt ein Gorilla. Und es war erst halb elf am Vormittag.

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Dann lachte er nicht mehr. Er sah in den Spiegel, drehte das Lenkrad und parkte ein. Perfekt. Genau zwischen den zwei Autos, nicht zu nah an dem einen und nicht zu nah an dem anderen.

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Der Gorilla zeigte ihm den Daumen nach oben und ging weiter.

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Sie fuhren schweigend zur?ck. Raj machte den Motor aus. Jetzt zitterten seine H?nde ein bisschen. Frau Hartmann sah lange auf ihr Klemmbrett.

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Herr Sharma, sagte sie endlich. Ich mache diesen Job seit zweiundzwanzig Jahren. Enten, eine Hochzeit und ein Gorilla in einer Pr?fung  das hatte ich noch nie.

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Entschuldigung, sagte Raj.

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Sie m?ssen sich nicht entschuldigen, sagte Frau Hartmann. Und dann l?chelte sie zum ersten Mal. Sie sind ruhig geblieben. Das ist das Wichtigste f?r einen Autofahrer. Herzlichen Gl?ckwunsch. Sie haben bestanden.

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Raj sa? einen Moment ganz still. Dann nahm er den kleinen Elefanten aus der Tasche und k?sste ihn.

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Frau Hartmann sah den Elefanten an. Dann sah sie die Marmelade auf seinem Hemd. Sie sagte nichts. Sie schrieb nur noch etwas auf ihr Klemmbrett. Was es war, hat Raj nie erfahren.

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Am Sonntag h?rte der Regen auf, und die Sonne kam heraus. Raj fuhr mit seiner Familie an die Ostsee  zwei Stunden, vier Kreisverkehre, keine Enten. Anjali sa? neben ihm und las eine Zeitschrift. Kein einziges Mal sagte sie: Spiegel!

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Hinten sangen Priti und Arjun. Und vorne auf dem Armaturenbrett sa? ein kleiner Spielzeugelefant.

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Neue W?rter /  

der F?hrerschein   

die Pr?fung, -en  

durchfallen (er ist durchgefallen)   ( )

bestehen (Sie haben bestanden)   ()

der Kreisverkehr   

Aller guten Dinge sind drei.    .

abbiegen (er biegt links ab)  

hupen  , 

das K?ken, -  , 

der Hochzeitskorso   

einparken  

das Lenkrad  




DAY 6





Faschingsdienstag


In vielen L?ndern ist ein Pfannkuchen einfach ein Pfannkuchen. Aber in Deutschland ist sogar das Wort kompliziert. In Bayern ist ein Pfannkuchen d?nn und flach, wie ein Blin. In Berlin ist ein Pfannkuchen etwas ganz anderes: ein runder, s??er Krapfen mit Marmelade. Viele Familien streiten dar?ber jedes Jahr  besonders am Faschingsdienstag, dem letzten Tag vor der Fastenzeit. An diesem Tag isst man in ganz Deutschland S??es: Krapfen, Pfannkuchen, Waffeln.

       .         .   Pfannkuchen    ,  .    Pfannkuchen    :     .            , Faschingsdienstag,    .        : , , .

Bei Familie Hoffmann im Allg?u gibt es an diesem Tag au?erdem einen Wettbewerb.

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Die Regeln sind einfach. Jeder backt einen Pfannkuchen  einen d?nnen, bayerischen, nat?rlich  und wirft ihn aus der Pfanne in die Luft. Der h?chste Wurf gewinnt. Aber es gibt eine wichtige Regel: Der Pfannkuchen muss wieder in der Pfanne landen. Wenn er auf dem Boden landet, oder auf dem Herd, oder auf dem Hund, dann hat man verloren.

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Seit einundvierzig Jahren ist Opa Dieter der Champion. Er ist jetzt achtundsiebzig, aber jedes Jahr wirft er seinen Pfannkuchen fast bis zur Decke, f?ngt ihn perfekt und sagt immer dasselbe: Kinderspiel.

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Dieses Jahr kam die ganze Familie zu Mama und Papa. Da war Mama, Karin  sie machte den Teig. Da war Papa, Stefan  sein erster Pfannkuchen war immer ein Klumpen. Da war Mia  sie war zw?lf und wollte unbedingt gewinnen. Da war Kr?mel, der alte braune Hund  er wollte unbedingt essen. Und dieses Jahr war zum ersten Mal seit drei Jahren auch Jonas da.

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Jonas war sechsundzwanzig. Er war der Sohn von Karin und Stefan, und er war Grundschullehrer in Freiburg. Er kam nur f?r einen Abend ins Allg?u  und er hatte einen Plan.

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Dieses Jahr, sagte er an der K?chent?r, gewinne ich gegen Opa.

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Opa Dieter sah ihn ?ber seine Brille an. Das hast du mit acht gesagt, sagte er. Und mit f?nfzehn. Und mit zweiundzwanzig.

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Ich habe ge?bt, sagte Jonas. In Freiburg. Zwei Monate lang, jeden Sonntag.

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Mit echten Pfannkuchen?

   ?

Mit einem Geschirrtuch, sagte Jonas. Alle lachten.

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Mama stellte die Pfanne auf den Herd, und der Wettbewerb begann. Papa war zuerst dran. Sein Pfannkuchen flog ungef?hr drei?ig Zentimeter hoch und landete halb in der Pfanne und halb auf dem Herd. Sowieso ein Klumpen, sagte er fr?hlich und a? ihn.

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Dann war Mama dran. Ihr Pfannkuchen war wundersch?n  d?nn und goldbraun. Er flog sch?n hoch und landete wieder in der Pfanne. F?nfzig Zentimeter, sagte Mia. Sie hatte ein Ma?band. Sie nahm ihren Job sehr ernst.

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Dann kam Mia. Sie gab Jonas das Ma?band, nahm die Pfanne mit beiden H?nden, machte die Augen zu und warf. Der Pfannkuchen flog hoch  h?her als bei Mama  und dann kam er herunter, drehte sich einmal in der Luft, verfehlte die Pfanne und landete auf Kr?mels Kopf.

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Kr?mel bewegte sich nicht. Er sah sehr ?berrascht aus, und dann sehr gl?cklich. Nach zwei Sekunden war der Pfannkuchen weg.

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Das z?hlt nicht!, rief Mia. Der Hund hat sich bewegt!

   !   .   !

Der Hund hat sich nicht bewegt, sagte Opa. Der Pfannkuchen hat sich bewegt. Der N?chste!

   ,   .   . !

Dann war Opa dran. In der K?che wurde es still. Opa Dieter stand vor dem Herd wie ein Fu?baller vor einem Elfmeter. Er sah die Pfanne an. Er sah die Decke an. Er bewegte ein bisschen die F??e. Dann  mit einer kleinen, leichten Bewegung  warf er. Der Pfannkuchen flog hoch, hoch, hoch, fast bis zur Decke, drehte sich langsam und landete genau in der Mitte der Pfanne. Perfekt.

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Kinderspiel, sagte Opa.

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Zwei Meter zehn, sagte Jonas leise mit dem Ma?band. Dann nahm er die Pfanne. Jetzt ich.

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Alle sahen zu. Jonas backte einen gro?en Pfannkuchen, den gr??ten des Abends. Er hielt die Pfanne mit beiden H?nden. Er ging in die Knie. Er atmete tief ein.

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Jonas, sagte Mama. Nicht zu

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Aber es war zu sp?t. Jonas warf mit aller Kraft. Der Pfannkuchen flog nach oben wie eine Rakete  und kam nicht wieder herunter.

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Alle sahen nach oben. Der Pfannkuchen klebte an der Decke. Flach und rund, direkt ?ber dem Herd, wie ein komischer gelber Mond.

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Einen Moment lang sagte niemand etwas. Dann lachte Mia los, dann Papa, dann Mama, und dann sogar Opa. Sie lachten Tr?nen. Kr?mel sa? unter dem Pfannkuchen und sah mit gro?er Hoffnung nach oben.

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Na ja, sagte Jonas, er ist auf jeden Fall der h?chste.

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Aber er ist nicht in der Pfanne gelandet, sagte Mia. Regel ist Regel.

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Er ist noch gar nicht gelandet, sagte Jonas. Vielleicht landet er sp?ter in der Pfanne.

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Sie lie?en ihn dort. Sie backten noch viele Pfannkuchen  mit Zucker und Zimt, mit Apfelmus, mit Schokolade  und a?en sie am gro?en K?chentisch. Sie sprachen ?ber Jonas Schule in Freiburg, ?ber Mias Fu?ballmannschaft und ?ber das Jahr 1987, als Opa einen Pfannkuchen aus dem Fenster warf. Und alle paar Minuten sah jemand zur Decke hoch und lachte wieder.

  .         ,   ,          .      ,       1987 ,       .     -       .

Um zehn Uhr stand Opa auf. Er wollte noch einen letzten Tee machen. Er ging zum Herd. Und genau in diesem Moment fiel der Pfannkuchen von der Decke.

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Er fiel langsam  und landete genau auf Opas Kopf.

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Opa stand ganz still. Der Pfannkuchen lag auf seinen wei?en Haaren wie ein gelber Hut. Alle hielten den Atem an.

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Dann nahm Opa Dieter seine Brille ab, sah seine Familie an und sagte ernst: Regel ist Regel. Er muss in einer Pfanne landen. Er machte eine Pause. Und dieser alte Kopf ist die beste Pfanne in der Familie. Jonas hat gewonnen.

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Jonas hat das Foto jetzt auf seinem Handy. Opa mit einem Pfannkuchen auf dem Kopf, mit dem breitesten L?cheln im ganzen Allg?u. Darunter hat Mia geschrieben: Neuer Champion. Aber n?chstes Jahr bin ICH dran.

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Neue W?rter /  

der Faschingsdienstag    (  )

die Fastenzeit  

der Pfannkuchen, -   (   )

der Krapfen, -  

der Wettbewerb  

werfen (er wirft, er warf)  

landen  

die Decke   ( )

der Teig  

das Ma?band  

kleben  , 

den Atem anhalten (sie hielten den Atem an)   




DAY 7





Die Buchladenkatze


Der Buchladen hie? Zweites Kapitel. Er lag in einer schmalen alten Gasse in Bamberg, zwischen einem K?seladen und einem Laden f?r Regenschirme. Drinnen roch es nach altem Papier und nach Kaffee. Die B?cher standen vom Boden bis zur Decke, und manche Regale waren so hoch, dass man eine Leiter brauchte.

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Und auf der Theke, neben der alten Kasse, lag meistens ein gro?er roter Kater. Er hie? Tolstoi.

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Warum Tolstoi?, fragte Ida an ihrem ersten Tag.

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Weil er gro? ist, weil seine Mutter eine Russisch Blau war und weil man ihn nie bis zum Ende schafft, sagte Herr Albrecht, der Besitzer. Herr Albrecht war ungef?hr siebzig. Er trug eine Strickjacke mit L?chern an den Ellenbogen, und er lachte ?ber seine eigenen Witze, schon bevor er sie zu Ende erz?hlte.

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Ida war neunzehn. Letzten Sommer fingen alle ihre Freundinnen mit dem Studium an. Ida nicht. Sie wusste nicht, was sie studieren wollte. Und sie wollte nicht drei Jahre und viel Geld in das falsche Fach stecken. Also arbeitete sie jetzt vier Tage pro Woche im Buchladen, und in der restlichen Zeit wusste sie nicht so richtig, was sie mit sich anfangen sollte.

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Schon in der ersten Woche merkte sie etwas Seltsames an Tolstoi.

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Meistens schlief der Kater auf der Theke. Er schlief viel  ungef?hr zwanzig Stunden am Tag. Aber manchmal, wenn ein Kunde hereinkam, ?ffnete Tolstoi die Augen. Er beobachtete den Kunden eine Weile. Dann sprang er von der Theke, ging langsam an den Regalen entlang, sprang hoch und legte sich auf ein Buch. Und er bewegte sich nicht mehr, bis der Kunde dieses Buch in die Hand nahm.




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