Der dornige Weg zum Gl?ck
Magda Van


Die Familie ist der h?chste Wert f?r jeden von uns. In dieser gewaltigen Saga, die auf wahren Begebenheiten beruht, entfaltet sich die dramatische Geschichte des uralten, willensstarken Geschlechts der Armanonz. Vor dem Hintergrund der Ersch?tterungen des 20. Jahrhunderts verflicht sich die Chronik der Generationen zu einer fesselnden Handlung.

Gemeinsam mit den Protagonisten reist der Leser von den unerbittlichen Goldfeldern des Klondike und dem Feuer des Genozids von 1915 in Aylur bis hin zu den sonnenverw?hnten G?rten Kaliforniens. Jede Seite ist eine Pr?fung: Epochale H?henfl?ge, bitter Entt?uschungen und schwere Verluste zwingen die Charaktere, auf den Tr?mmern der Vergangenheit die wichtigsten Schl?sse ihres Lebens zu ziehen. Doch unersch?tterlicher Glaube und Standhaftigkeit lassen sie jegliches Unheil ?berwinden. Sie werden den Schmerz sp?ren, aber vor allem die grenzenlose Gnade einer Wahren, Ergebenen und Reinen LIEBE erfahren.





Magda Van

Der dornige Weg zum Gl?ck





 1. ?ber den K?mmen der

Familienh?gel




EPIGRAPH

Aus fernen Zellen, aus geheimen Winkeln

Habe ich das Wort wie aus dem tiefsten Brunnen geholt.

Ich schrieb f?r jene, die erst ins Leben treten,

Wie auch f?r jene, die gereift und voller Jahre sind,

F?r jene, die ihren irdischen Weg vollenden

Und die fatale Schwelle ?berschreiten.

F?r die Gerechten schrieb ich und die S?nder,

F?r die Tr?stenden und Trostlosen,

F?r die Richtenden und die Verurteilten,

F?r die Bereuenden und die in S?nde Gefangenen,

F?r die Tugendhaften und die ?belt?ter,

F?r die Unschuldigen und die Ehebrecher,

F?r alle: f?r die Edlen und Geringf??igen,

Die unterdr?ckten Sklaven und die m?chtigen F?rsten,

Ich schrieb gleicherma?en f?r M?nner und f?r Frauen,

F?r jene, die erniedrigt, und jene, die erhoben wurden,

F?r die Herrscher und die Gebeugten,

F?r die Beleidiger und die Beleidigten,

F?r jene, die Trost spendeten und die getr?stet wurden.

Ich schrieb gleicherma?en f?r die Kleinen und die Gro?en,

F?r die B?r?er und die wilden Bergbewohner,

Und f?r jenen, der als oberster Gebieter thront,

Dessen Richter einz?g Gott allein ist;

F?r die Eitlen und f?r die G?tigen,

F?r die M?nche, die heiligen Einsiedler.

Und diese Zeilen, erf?llt von meinem Leiden,

M?gen f?r jemanden zur Lehre werden.

M?ge der, der bittere Verfehlungen bereut,

In meinen Schriften Trost und Linderung finden.

M?ge ein jeder Mensch mein Werk, meinen Flei?

Sich zum Segen wenden



Grigor Narekazi, 10. Jahrhundert

Buch der Klagelieder



Kapitel 1. ?ber den K?mmen der Familienh?gel



Ein gewaltiger Strom von Automobilen raste ?ber den Highway in Richtung Santa Barbara. Die Fahrzeuge bewegten sich in einer endlosen Karawane und kamen immer wieder in der schw?len Hitze des Staus zum Stehen. Auf der Flucht vor der Sommerglut eilten die Menschen an die K?ste  alle zog es zur k?hlen Frische der Meereswellen. Viele steuerten das Santa Ynez Valley und den Lake Cachuma an, um das Wochenende im Scho?e der Natur zu verbringen. In letzter Zeit herrschte eine unertr?gliche Hitze: Die Sonne brannte unbarmherzig, die Luft wirkte wie gl?hendes Eisen, und das Atmen fiel unendlich schwer. Das wolkenlose Blau des Himmels spiegelte sich im endlosen Wasser, w?hrend sch?umende Wellen mit lautem Rauschen am flachen Ufer brachen, die Seele wiegten und alle Alltagssorgen hinwegsp?lten.

?ber der Stra?e zog mit ged?mpftem Grollen ein Flugzeug vorbei, gleich einem riesigen Vogel mit silbernen Schwingen. Es hielt Kurs auf die Bergketten. In dem luxuri?sen Privatjet befand sich die Familie Thomas: der Goldminenbesitzer Richard, seine Gattin Margareta und die Zwillinge Daniela und David.

Die Tochter und der Sohn des Ehepaars Thomas hatten die Schule mit Auszeichnung abgeschlossen und waren an der Harvard University angenommen worden. F?r die Familie war dieses Ereignis eine Quelle unb?ndiger Freude. Vor Daniela und David ?ffnete sich ein neuer Lebensweg, und sie erwarteten den Tag der Abreise voller Ungeduld. Aus diesem Anlass war auf ihrer Villa in den Bergen, in der Umgebung von Santa Barbara, ein feierlicher Ball geplant.

Richard war k?rzlich f?nfundf?nfzig Jahre alt geworden. Trotz seines grauen Haares wirkte er weitaus j?nger. Wie es sich f?r einen wahren Aristokraten und wohlhabenden Mann geh?rte, war er makellos gepflegt. Seine Augen, blau wie der wolkenlose Himmel, strahlten G?te und W?rme aus. Richard sa? in einem weichen Sessel neben seiner Gattin, die er ?ber all die Jahre ihrer Ehe hinweg abg?ttisch liebte. Er hielt ihre schneewei?e Hand in seinen Handfl?chen. Das Schicksal hatte ihnen eine reine, tiefe Liebe geschenkt. Margareta war fast pf?nfzig, doch auf ihrem Gesicht zeigte sich nicht eine einzige Falte, und Richard wiederholte oft: Die Jahre ber?hren dich nicht, meine Liebe.

Margareta lachte dann stets hell auf. Ihr kastanienbraunes Haar, von edlem Grau durchzogen, fiel in Wellen auf ihre Schultern. Ihre smaragdgr?nen Augen mit dem Schimmer des Meeres und die dunklen, dichten Wimpern zogen jeden in ihren Bann. Das zarte Oval des Gesichts, eine gerade Nase und volle, kirschrote Lippen vollendeten die vollkommene Erscheinung. Wenn sie l?chelte, gl?nzte die makellose Reihe ihrer wei?en Z?hne wie schimmerndes Perlmutt. Sie war der Sinn in Richards Leben und erf?llte seine Tage nach all den Pr?fungen der Vergangenheit mit Gl?ck.

Das Flugzeug stieg immer h?her. Margareta bettete ihren Kopf friedvoll auf die Schulter ihres Mannes, w?hrend die Zwillinge lebhaft ?ber irgendetwas debattierten. Schlie?lich k?ndigte die Flugbegleiterin die Vorbereitung zur Landung an. In der Ferne, eingebettet zwischen den gr?nen H?geln, erschien ihr Familiensitz, umgeben von einer hohen Granitmauer und jahrhundertealten B?umen.

Der Jet setzte sanft auf der Landebahn auf und kam zum Stillstand. Die Passagiere dankten der Besatzung und stiegen die Gangway hinab, wo sie von einer sanften Brise empfangen wurden. In gehobener Stimmung bestiegen sie die wartenden Limousinen, die das Gel?nde des Privatflughafens verlie?en. Nach einer halben Meile hielten die Wagen vor den massiven, geschmiedeten Toren. Der Wachmann lie? den Konvoi mit einem freundlichen Gru? passieren.

Zur Rechten und Linken erstreckten sich gepflegte Rasenfl?chen, die von bunten Blumenbeeten ges?umt waren. Am Waldrand bl?hten prachtvoll die ausladenden B?sche wei?er Bougainvilleen und violetter Jacarandas. Voraus lagen ein ?berdachter Parkplatz und ein G?stehaus im spanischen Stil mit einer Fassade aus smaragdgr?nem Glas, das an ein Kristallschloss erinnerte. Etwas weiter im Hintergrund erhob sich das dreist?ckige Hauptschloss aus wei?em Marmor im Barockstil. Es war geschm?ckt mit S?ulen, grazilen goldenen Stuckarbeiten an den Fenstern und einer breiten Freitreppe mit Balustraden, an deren Seiten antike Vasen mit wei?en und rosa Lilien standen.

Vor der Treppe pl?tscherte ein Springbrunnen: In dessen Zentrum f?llte sich eine goldene Schale mit Wasser, getragen auf den Schultern zweier sich umarmender Engel, w?hrend die Tropfen in der Sonne wie ein Meer aus Diamanten funkelten. In der weitl?ufigen Halle hing aus schwindelerregender H?he ein Kristalll?ster herab. Marmortreppen, ausgelegt mit smaragdgr?nen Teppichen, f?hrten nach oben. Von der Halle aus ?ffnete sich der Zugang zu einem halbrovalen Bankettsaal mit einer verglasten Wand und Blick auf den Teich.

Dort liefen bereits die letzten Vorbereitungen f?r den Ball. Die R?umlichkeiten waren in Rosa- und Goldt?nen gehalten, ausgestattet mit Spiegelw?nden, runden Tischen und erlesenem englischen Porzellan der Marke De Lamerie. In der Ecke stand ein wei?er Steinway-Fl?gel, und im Zentrum befand sich eine runde Tanzfl?che, die von einem Mosaik aus Marmorplatten umrahmt war.

Bei Bedarf lie?en sich die Spiegelw?nde des Bankettsaals zur Seite schieben, um den Durchgang zu einem gro?en Billardzimmer mit sechs Tischen freizugeben. In der Ecke befand sich eine Bartheke mit einer reichen Auswahl an Getr?nken, und direkt daneben lag der Ausgabebereich: Die fertigen Speisen wurden ger?uschlos mit einem Aufzug aus der weitl?ufigen K?che im Untergeschoss emporgehoben. Links vom Saal gelangte man in einen Salon mit Tischen f?r das Boston-Spiel, die mit gr?nem Samt bezogen waren. Nebenan hatte man ein gem?tliches Raucherzimmer eingerichtet, das eine erlesene Auswahl an Pfeifen, Shishas und seltenen Tabaksorten bot, wo auf eleganten Beistelltischen bereits Kristallgl?ser auf die G?ste warteten.

Hinter der R?ckfassade des Schlosses erstreckte sich ein malerischer, nat?rlicher Teich, der von einem k?hlen Bergbach gespeist wurde. Auf seiner Wasseroberfl?che glitten majest?tisch wei?e und schwarze Schw?ne dahin. Die Ufer wurden durch eine leichte wei?e Br?cke verbunden, die mit einem Bogen aus ?ppigen Girlanden m?rchenhafter Blumen geschm?ckt war.

Weiter hinten, verborgen im intimen Schatten ausladender Baumkronen, lag das private Wohnhaus des Ehepaars Thomas. Zu ihm f?hrte ein Pfad, der in eine Wendeltreppe ?berging, auf deren Gel?nder die kunstvoll gemei?elten Figuren zweier aufeinander zufliegender Marmortauben verwelten. Hinter der Treppe ?ffnete sich eine weite Lichtung, die mit seltenen Sorten samtiger Rosen in faszinierenden Nuancen bepflanzt war. Vor dem zweist?ckigen Schl?sschen selbst spielte in seiner ganzen Pracht ein klanggesteuerter Springbrunnen. Durch seine regenbogenfarbenen Gischtfont?nen schimmerten zwei Marmorstatuen hindurch  ein Mann, der eine Frau z?rtlich umarmt. Die Farbe ihrer steinernen Gew?nder ?nderte sich dank einer Unterwasserbeleuchtung zauberhaft zum Rhythmus der Musik. Die Skulpturen verk?rperten die tiefe Liebe der Hausherren. Diese feinste Arbeit, die dem Mei?el Michelangelos w?rdig gewesen w?re, stammte von einem ber?hmten Bildhauer, der eigens aus Rom geladen worden war.

In diesem abgelegenen Winkel war die gesamte Atmosph?re von Z?rtlichkeit durchdrungen. Im Inneren des Hauses herrschte vollkommener Luxus, der die Realit?t in ein zauberhaftes M?rchen verwandelte. Es wurde offensichtlich, dass das Ehepaar, dem es gelungen war, eine solche Sch?nheit zu erschaffen, nicht nur ?ber immensen Reichtum, sondern auch ?ber ein seltenes Talent und eine reine Seele verf?gte




 2. Das kalte Gold des Klondike




Im England des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, in einem der abgelegenen Vororte von London, lebte die Familie von David Towmasjan  armenische Einwanderer, die gezwungen gewesen waren, ?gypten zu verlassen. Das Leben in der Fremde war unbarmherzig: David musste nach jeder noch so schweren Arbeit greifen, nur um das nackte Brot zu verdienen. Tag f?r Tag zog sich ein endloser Kampf ums ?berleben hin, und schon bald versetzte das Schicksal einen neuen Schlag. Davids Frau erwartete ein Kind, doch ihre Kr?fte waren am Ende. Nach der Geburt eines Jungen verstarb die entkr?ftete Frau.

Kummer und die Angst um den neugeborenen Sohn h?tten den Vater fast zerbrochen. Er musste sowohl arbeiten als auch den S?ugling allein durchbringen. Aus Barmherzigkeit halfen die Nachbarn  sie k?mmerten sich um den kleinen Jungen, den sie Tadewos nannten, nach englischer Art jedoch Teddy. Zur allgemeinen ?berraschung wuchs der Junge trotz aller Entbehrungen kr?ftig und gesund heran.

Seine gesamte Kindheit verging auf den rauen Stra?en Londons. Als Tadewos zw?lf Jahre alt wurde, verlor er auch seinen Vater. Als Vollwaise zur?ckgeblieben, k?mpfte der Heranwachsende verzweifelt um seine Existenz. Dem Schicksal zum Trotz strebte er danach, um jeden Preis auf die Beine zu kommen und seinen sehnlichsten Traum zu erf?llen  sich emporzuarbeiten und reich zu werden. Indem er andere obdachlose Jungen um sich scharte, bewies Teddy F?hrungsqualit?ten: Er ?berzeugte seine Freunde, sich nicht auf Diebst?hle einzulassen, sondern einer ernsthaften Besch?ftigung nachzugehen.

Bald schon verbreiteten sich atemberaubende Neuigkeiten von jenseits des Ozeans auf der ganzen Welt  in Alaska, in der Region des Klondike, war der Goldrausch ausgebrochen. Tadewos begriff: Das war ihre Chance. Es gelang ihm, seine Gef?hrten mit seinem Traum zu entflammen. Ein junges, starkes und zielstrebiges Team begann mit den Vorbereitungen f?r die Reise. In jenen Jahren legten die Schiffe bis zum Bersten ?berf?llt in Richtung Norden ab  Kabinen und Lader?ume waren vollgestopft mit Passagieren, und die Zelte der Gl?ckssucher standen direkt auf den Decks. An Bord eines Schiffes zu gelangen, schien unm?glich, denn der Fahrpreis betrug bis zu f?nfhundert Pfund. F?r diese vage Chance verkauften Handwerker ihre Werkst?tten, gaben Farmer ihre L?ndereien f?r ein Spottgeld ab und verlie?en Arbeiter die Fabriken. Engl?nder, Iren, Deutsche, Franzosen und Russen kauften Vorr?te und Ausr?stung und nahm Unterricht bei erfahrenen Goldsuchern, w?hrend sie wie von Sinnen nur von einem sprachen  vom Gold.

Mit Tadewos meinte es das Schicksal gut. Ausgestattet mit einem nat?rlichen Gesch?ftssinn, gelang es ihm, eine Vereinbarung mit dem Bootsmann zu treffen: Er und drei seiner Gef?hrten wurden als Heizer auf dem Schiff angeheuert. Dies ersparte ihnen die unbezahlbaren ?berfahrtskosten und sicherte ihnen freie Verpflegung. Damals glaubten sie, die schlimmsten Entbehrungen l?gen hinter ihnen, doch sie ahnten noch nicht, welche Pr?fung ihnen bevorstand.

Der Weg erwies sich als lang und unerbittlich. Durch den st?rmischen Nordatlantik und anschlie?end ?ber die raue Edmonton-Route  den alten Pfad der Pelzh?ndler , durch kanadische L?ndereien, ?ber die Fl?sse Peace und Mackenzie nach Norden, zum Yukon. Von Hunderttausenden Menschen, die vom Gold verzaubert waren, hielten nur wenige diesen h?llischen Transit durch. Tadewos war zu diesem Zeitpunkt zwanzig Jahre alt. Stark, eigensinnig und durch die Kindheit auf der Stra?e abgeh?rtet, schritt er voran  ungeachtet des Hungers, der eisigen K?lte und der blutig gelaufenen F??e. Doch der Norden verzieh keine Schw?che. Zwei seiner Gef?hrten gaben auf und kehrten auf halbem Weg um. Der dritte erkrankte schwer und starb auf der Reise. In den Grenzlagern w?teten t?dliche Krankheiten, die Menschen starben wie die Fliegen, und die Luft an den Rastpl?tzen war vom schweren Geruch verwesender K?rper vergiftet.

Tadewos hatte kaum noch Geld ?brig, und um sich auf den letzten Vorsto? ?ber die Bergketten vorzubereiten, nahm er jede noch so h?llische Arbeit an. Bei der British Procurement Company fand er Besch?ftigung im Holzschlag und verdiente zwanzig Dollar pro Kubikmeter Holz. Der Schwei? lief ihm in Str?men herunter, und die Preise in den ?rtlichen Tavernen f?r Logis und sp?rliches Essen waren r?uberisch. Dennoch schaffte er es, jeden Cent beiseitelegen. Abends suchte Teddy die lauten Kneipen auf, in denen sich die altgedienten Goldsucher dr?ngten. Echte Karten der felsigen Territorien Kanadas und Alaskas existierten damals nicht, und der junge Mann filterte aus den betrunkenen Gespr?chen St?ck f?r St?ck unsch?tzbare Informationen ?ber geheime Pfade und ergiebige Claims heraus. Schritt f?r Schritt bewegte er sich auf sein Ziel zu. Und schlie?lich erreichte er den Yukon.

Er lie? sich in einer Goldsuchersiedlung nieder. Eines sp?ten Abends, als er auf dem Weg zu seiner k?rglichen H?tte war, kam Tadewos an einer Kneipe vorbei, aus der laute Musik drang. Aus der T?r trat schwankend ein betrunkener ?lterer Goldsucher, gefolgt von zwei zwielichtigen jungen M?nnern. Teddy schnappte einen Fetzen ihres Gespr?chs auf:

Hast du gesehen? Der Alte hat an der Bar mit einem Goldkorn aus dem Beutel an seinem G?rtel bezahlt. Lass uns dorthin gehen, wo es dunkler ist, und ihn uns vorkn?pfen. Er ist ohnehin sternhagelvoll, morgen erinnert er sich an nichts mehr.

Tadewos, der auf den gef?hrlichen Stra?en aufgewachsen war, begriff sofort, dass der ?ltere Mann in Lebensgefahr schwebte. Er folgte ihnen unbemerkt. Sobald das Licht aus den Fenstern der Kneipe hinter ihnen lag, sprang einer der R?uber an das Opfer heran und versetzte ihm einen schweren Schlag auf den Kopf. Der Goldsucher sackte wie vom Blitz getroffen zusammen. Doch Tadewos war bereits zur Stelle. Mit einem blitzschnellen Schlag streckte er den ersten Angreifer nieder und st?rzte sich sogleich auf den zweiten, in dessen Hand ein Messer bedrohlich aufblitzte. Teddy fing den Sto? ab und schickte den Banditen mit einem wuchtigen Haken zu Boden. Die Angreifer kamen rasch wieder zu sich, doch als sie den auf sie gerichteten Revolver und den entschlossenen Blick des Fremden sahen, zogen sie es vor, ihr Gl?ck nicht herauszufordern, und nahmen Rei?aus. In jenen wilden Zeiten bedeutete es das sichere Todesurteil, ohne Waffe dazustehen.

Das Opfer lag bewusstlos da, der Kopf war blut?berstr?mt. Tadewos lud ihn auf seine Schultern und trug ihn zu seiner H?tte. Zuhause bettete er den Verletzten auf sein einziges Bett, wusch behutsam seine Wunden und schlief selbst direkt am Tisch ein.

Erst gegen Morgen, als die ersten Sonnenstrahlen die Blockw?nde ber?hrten, st?hnte der alte Mann schwer auf und ?ffnete die vom Schmerz getr?bten Augen. Im fahlen Licht der erl?schenden Kerze blickte er lange in das m?de Gesicht des ihm gegen?bersitzenden J?nglings und fragte schlie?lich heiser:

Warum hast du mich gerettet, Junge?

R?uber sind ehrlose Menschen, antwortete Tadewos kurz.

Der Alte sah ihn aufmerksam an und begriff, welch seltene Gro?mut dieser junge Mann bewiesen hatte, der sich in der verschlossenen H?tte nicht am Gold eines Fremden vergangen hatte, und schloss ersch?pft die Augen. Die Verletzung war zu schwer. In den folgenden Tagen pflegte Tadewos ihn aufopferungsvoll: Er gab ihm Wasser vom L?ffel und f?tterte ihn mit hei?er Br?he. Allm?hlich kam der Alte so weit zu Kr?ften, dass er sprechen konnte, doch es war ihm nicht verg?nnt, sich wieder aufzurichten  die Lebensgeister verlie?en ihn unwiderruflich.

Zwischen ihnen entstand ein tiefes, gegenseitiges Vertrauen. Der Goldsucher erz?hlte ausf?hrlich von seinem einsamen Leben und h?rte sich aufmerksam Teddys Geschichte an. Eines Abends rief er den J?ngling n?her an das Bett heran, holte seinen kostbaren Beutel hervor und legte ihn in Tadewos' Hand:

Ich hatte nie Kinder. Aber jetzt nehme ich dich von ganzem Herzen als Sohn an. Du bist tapfer, ehrlich und barmherzig. Nimm das. Hier sind echte Goldklumpen. Du h?ttest sie dir nehmen k?nnen, als ich ohne Bewusstsein lag, aber dein Anstand hat es dir nicht erlaubt, zum Dieb zu werden. Ich werde mich nicht mehr erheben, im Jenseits werde ich kein Gold brauchen.

Der Alte holte tief Luft und sprach leiser weiter, wobei er das gr??te Geheimnis offenbarte:

Ich habe einen Ort gefunden... Eine echte Goldader. Dort unter der Erde liegen Bl?cke, und an den sandigen Ufern des Baches warten reiche Goldvorkommen auf ihren Besitzer. Doch um dieses Land offiziell f?r sich eintragen zu lassen, braucht man betr?chtliches Geld. Du wirst diese Goldklumpen verkaufen, den Claim auf deinen Namen anmelden, und das, was du dort ausgr?bst, wird dich zum K?nig machen. Bleibe immer ein ebenso ehrlicher Mensch, und das Gl?ck wird dich nie verlassen.

Ersch?pft von der langen Rede schloss der Alte die Augen. Tadewos war ersch?ttert von dem, was er geh?rt hatte, doch er wollte den Kranken nicht st?ren. Am Morgen wachte der alte Mann nicht mehr auf. Tadewos begrub ihn mit tiefem Respekt und W?rde, wie einen eigenen Vater. Nach dem Begr?bnis machte er sich auf den Weg zu den angegebenen Koordinaten  und blieb wie angewurzelt stehen, ?berw?ltigt von dem, was er sah...

Vor Tadewos' Augen bot sich tats?chlich ein unglaublicher Anblick. An den steilen Windungen des Baches, direkt im Ufersand, funkelten unz?hlige Goldvorkommen. Zusammen mit Goldklumpen unterschiedlicher Gr??e ruhten auf der Untiefe seltene, wundervolle Mineralien und Edelsteine, deren Reinheit es mit den besten Juwelen der Welt aufnehmen konnte. Teddy, der genau wusste, welchen Neid, welche Gefahr und welches Elend ein solch pl?tzlicher Reichtum ?ber einen Menschen bringen kann, lie? ?u?erste Vorsicht walten. Er prahlte nicht mit seinem Fund.

Besonnen und im Geheimen, unter Verwendung des Goldes, das der verstorbene Greis hinterlassen hatte, kaufte Tadewos dieses riesige, goldf?hrende Grundst?ck offiziell auf. Bis ans Ende seiner Tage blieb er sowohl dem namenlosen Wohlt?ter als auch dem Schicksal selbst unendlich dankbar f?r dieses Geschenk. Das Leben bewies einmal mehr eine einfache Wahrheit: F?r jede edle Tat erh?lt der Mensch fr?her oder sp?ter eine Antwort von oben  wenn nicht durch irdischen Wohlstand, so doch durch Seelenfrieden.

In der ersten Zeit waren seine einzigen Waffen im Kampf um ein sorgenfreies Leben lediglich eine Spitzhacke, eine Schaufel und eine Waschpfanne. Teddy arbeitete unerm?dlich. Nachdem er alles erreicht hatte, wovon er einst auf den schmutzigen Stra?en Londons dreamte, zog der gereifte und reich gewordene Tadewos in eine Gro?stadt. Dort begegnete er einem wundervollen M?dchen und heiratete sie, ohne das Gl?ck auf sp?ter zu verschieben. Schon bald schenkte ihm seine Gattin Zwillinge  einen Jungen und ein M?dchen. Als h?tte das Schicksal selbst beschlossen, aus ihrer Geburt ein besonderes, gesegnetes Muster zu weben, das absolutes Gl?ck in Tadewos' Haus brachte. Obwohl Teddy diese lang ersehnte F?lle des Lebens gefunden hatte, planten sie nicht, f?r immer im Norden zu bleiben. Ihn lockte das junge, st?rmisch aufstrebende Amerika.

Als bereits sehr verm?gender und angesehener Mann besuchte Tadewos einst den sonnigen S?den  Kalifornien  und verliebte sich in diese Gegend. Er erwarb dort ausgedehnte L?ndereien und legte den Grundstein f?r das Familienanwesen. Das Gold schien diesem starken Geschlecht wie von selbst zuzuflie?en. Seitdem wurde der Goldbergbau, von Generation zu Generation weitergegeben, zu ihrer Hauptlebensaufgabe. Nachkommen bewahrten das Familienverm?gen nicht nur, sondern mehrten es, indem sie Verstand, Glauben und harte Arbeit hineinsteckten.

Seitdem waren Jahrzehnte vergangen. Die rauen Winde des Yukon geh?rten der fernen Vergangenheit an, der Nachname Towmasjan klang in moderner Weise wie Thomas, und das alte Geschlecht hatte sich endg?ltig amerikanisiert und war Teil der High Society der Neuen Welt geworden. Doch die Erinnerung daran, womit ihr dorniger Weg zum Gl?ck begann, blieb f?r immer im Herzen der Familie verankert.




 3. Die Scherben des kristallernen Gl?cks




Ein Vertreter der n?chsten Generation der Familie Thomas, David-Daniel, fand sein Familiengl?ck erst im Alter von vierzig Jahren. Seine Auserw?hlte wurde die blau?ugige Sch?nheit Angela  die einzige Tochter und Erbin eines einflussreichen kalifornischen Bankiers. Das Leben der Eheleute verlief wolkenlos, doch ein Umstand ?berschattete ihren Bund: Lange Jahre bekamen sie keine Kinder. Die ?rzte machten ihnen Hoffnung und riefen dazu auf, sich in Geduld zu ?ben. Am Vorabend seines Lebensabends, nach unz?hliven Versuchen, brachte Angela ein Wunder zur Welt  den lang ersehnten Jungen, den sie Richard nannten. Die Freude der Eltern kannte keine Grenzen. Doch das Gl?ck war nicht von langer Dauer: Die zerbrechliche Gesundheit der Mutter schwand von Tag zu Tag. Weder unermesslicher Reichtum noch die Koryph?en der Medizin vermochten sie auf dieser Welt zu halten. Nach ihrem Tod schloss David-Daniel sein Herz f?r jede andere Frau. All seine unverbrauchte Liebe schenkte er fortan restlos seinem Sohn.

Der Verlust seiner Gattin hinterlie? in der Seele des Vaters eine nie verheilende Wunde. Einige Jahre sp?ter, niedergestreckt vom Gram und unf?hig, die Last der Einsamkeit zu tragen, schied er vorzeitig aus dem Leben und folgte seiner Geliebten in die andere Welt.

Der junge Richard, der als Vollwaise zur?ckblieb, litt schwer unter dem Verlust seiner Eltern. Allein in einer leeren, riesigen Welt, war er anfangs verloren und verzweifelte. Doch die Standhaftigkeit der Familie und der ?berlebensinstinkt, die ihr Geschlecht ?ber Jahrhunderte hinweg gerettet hatten, halfen dem J?ngling, nicht vom rechten Weg abzukommen. Indem er die F?hrung der familieneigenen Goldminen ?bernahm und das m?rchenhafte Verm?gen der Familie Thomas erbte, bewies Richard einen brillanten Verstand und seltenen Flei?. Mit drei?ig Jahren hatte er das Gesch?ft nicht nur gehalten, sondern die Gr??e des Familienunternehmens noch gemehrt.

Die erfolgreiche T?tigkeit erforderte feste Verbindungen, und mit der Zeit baute sich Richard einen Kreis einflussreicher Gesch?ftspartner auf. Unter ihnen nahm der talentierte Finanzier Fred Stevenson einen besonderen Platz ein. Ihre gemeinsamen Projekte erwiesen sich stets als beiderseitig vorteilhaft und brachten Millionengewinne ein. In der Gesellschaft galt Stevenson als Mann von tadelloser Ehre und eiserner Rechtschaffenheit, wodurch er sich das uneingeschr?nkte Vertrauen der High Society erwarb. Doch sein Privatleben war von einer Trag?die zerst?rt worden. In seiner Jugend hatte sich Fred unsterblich in ein ber?hmtes Topmodel verliebt, das einwilligte, seine Frau zu werden. Doch kurz nach der Geburt ihrer Tochter floh die flatterhafte Sch?nheit mit einem namenlosen Abenteurer nach England und lie? das neugeborene Kind und den liebenden Ehemann zur?ck. Seitdem hatte niemand mehr etwas von ihr geh?rt. Dieser grausame Verrat f?gte Fred ein tiefes psychisches Trauma zu, dessen Narbe sein ganzes Leben lang in seinem Herzen blieb. Er heiratete nie wieder.

Eines Tages lud Fred Richard Thomas zu einem freundschaftlichen Abendessen zu sich ein. Genau an diesem Abend sah der junge Tycoon zum ersten Mal die siebzehnj?hrige Victoria, die Tochter des Finanziers. Auf den ersten Blick wirkte sie wie ein halbes Kind  zerbrechlich, zierlich, von graziler M?dchengestalt. Ihr Gesicht, umrahmt von goldenen Locken, bestach durch aristokratische Bl?sse, und ihre riesigen blauen Augen fesselten die Aufmerksamkeit. Sie war keine klassische, kanonische Sch?nheit, besa? jedoch einen seltenen, fl?chtigen Charme.

Als sie Richard gegen?bersa?, blickte Victoria ihn mit einer leichten Scheu und Sch?chternheit an, unf?hig, den Blick abzuwenden. Der junge Mann sp?rte, wie in seinem Inneren die Saite einer ungeahnten Z?rtlichkeit erzitterte. Er versp?rte das unerkl?rliche Bed?rfnis, dieses schutzlose M?dchen zu umarmen, sie vor der ganzen Welt zu besch?tzen und sie mit einem sanften Wort zu w?rmen. Doch als Mann von hoher geistiger Kultur und tadelloser Erziehung hielt er diesen seelischen Impuls behutsam zur?ck.

Vor dem Abschied trat Richard dennoch an Victoria heran, und es entspann sich ein Gespr?ch zwischen ihnen. Zu seinem Erstaunen entdeckte er hinter der Maske der m?dchenhaften Befangenheit einen brillanten, scharfen Verstand und einen makellosen Sinn f?r Humor. Victoria erwies sich als wunderbare Gespr?chspartnerin: Sie verstand sich gl?nzend auf Kunst, Politik und das Weltgeschehen. Als sie die Bewunderung in den Augen des Gastes bemerkte, stieg ihr eine zarte R?te ins Gesicht.

Nach diesem Abend lie? das Bild der goldhaarigen Victoria Richard nicht mehr los. Bei gesellschaftlichen Soireen und feierlichen Empf?ngen such er nach jeder Gelegenheit, in ihrer N?he zu sein. Enge Freunde, die die Ver?nderung des sonst so zur?ckhaltenden Million?rs bemerkten, rieten ihm einhellig, keine Zeit zu verlieren und dem M?dchen einen Antrag zu machen. Victorias Vater war ein Gentleman der alten Schule, und sie selbst galt als die perfekte Partie.

Schon bald lud Richard Victoria zu einem Rendezvous in eines der besten Restaurants der Stadt ein. In romantischer Atmosph?re, untermalt von den sanften Kl?ngen der Musik, sank er vor ihr auf ein Knie, ?ffnete ein samtenes Etui mit einem prachtvollen Diamantring und fragte, w?hrend er ihr direkt in die leuchtenden Augen blickte:

Victoria, willst du meine Frau werden?

Das M?dchen strahlte vor absolutem, ?berirdischem Gl?ck und warf sich ihm ohne Z?gern in die Arme. Nach dem ersehnten Ja-Wort hielt Richard noch am selben Abend bei ihrem Vater um Victorias Hand an. Fred war aufrichtig gl?cklich, da er wusste, dass er seine einzige Tochter in die sichersten H?nde der Welt ?bergab. Indem er den Bund der Jungen segnete, machte er Richard ein gro?z?giges Geschenk  ein bedeutendes Aktienpaket der f?hrenden Finanzkorporation, deren Miteigent?mer er war. Der junge Tycoon war nicht auf Geld angewiesen, konnte es jedoch seinem zuk?nftiven Schwiegervater nicht abschlagen. Er nahm das Geschenk unter der Bedingung an, dass dieses Kapital f?r immer unter der pers?nlichen Verwaltung und im Besitz von Victoria bleiben sollte.

Bald darauf fand die glanzvolle Hochzeit statt. Im Hause der Frischverm?hlten hielten vollkommene Harmonie, gegenseitiges Einvernehmen und tiefer Respekt Einzug. Ein Jahr sp?ter wurde ihr Bund durch die Geburt ihres erstgeborenen Kindes  der Tochter Christy  gefestigt. Und ein weiteres Jahr sp?ter schenkte das Universum ihnen den Sohn Paul. Beide S?uglinge glichen Engeln: Die schneewei?e Haut und die weichen goldenen Locken hatten sie von der Mutter geerbt. Richard bettete seine Frau auf H?nden und ging in der Liebe zu den Kindern auf. Die Jahre vergingen, die Kleinen wuchsen heran und kamen in die Schule, wobei sie ihre Eltern durch Gehorsam und ein sanftm?tiges Wesen erfreuten. Trotz seiner immensen beruflichen Belastung widmete Richard jede freie Minute der Familie und f?hlte sich unbeschreiblich gl?cklich.

Alles lief wunderbar, bis sich Unruhe in ihren ruhigen Hafen schlich. In letzter Zeit erf?llten Richard die Bl?sse und ein unerkl?rliches, verborgenes Unwohlsein Victorias mit wachsender Sorge. Sie l?chelte nur sanft und beruhigte ihren Mann mit den Worten, es sei blo? eine gew?hnliche Ersch?pfung und es gebe keinen Grund zur Sorge. Doch Richard, getrieben von einer b?sen Vorahnung, bestand auf seinem Willen. Er setzte sich mit dem Hausarzt in Verbindung und verlangte unverz?glich eine umfassende medizinische Untersuchung.

Am n?chsten Tag, nachdem sie Christy und Paul zum Unterricht geschickt hatte, fuhr Victoria in die Klinik. Der Arzt begleitete sie pers?nlich durch alle Behandlungszimmer, w?hrend komplizierte Tests durchgef?hrt wurden. Nach Abschluss der Prozeduren eilte die Frau zur Schule, um die Kinder abzuholen. Sie zog es stets vor, selbst am Steuer des Wagens zu sitzen, und lehnte die Dienste von Privatchauffeurs kategorisch ab.

Die Kinder plapperten laut und fr?hlich auf dem R?cksitz und teilten die Schulneuigkeiten mit. Der Wagen rollte sanft ?ber den Highway, als das schrille Klingeln des Mobiltelefons die Stille des Innenraums zerriss. Victoria dr?ckte die Taste der Freisprechanlage. Aus den Lautsprechern ert?nte die besorgte Stimme des Doktors:

Victoria... Wir m?ssen eine weitere, detailliertere Untersuchung durchf?hren. Bitte kommen Sie morgen fr?h in die Klinik.

Was ist los, Herr Doktor?  in ihr Herz stach augenblicklich die Angst. Hat man bei mir etwas Ernstes gefunden? Muss ich mir Sorgen machen?

Die Stimme der Frau zitterte, und das Herz in ihrer Brust schlug in einem be?ngstigenden, rasenden Rhythmus. Der Arzt antwortete nicht, und in der Leitung ert?nten kurze, unheilvolle Besetztzeichen.

Im selben Augenblick wurde Victoria schlagartig schwindelig. Ein feuriger Blitz des Schmerzes h?llte ihre Augen in Nebel, ihre Gedanken verwirrten sich, und ihre H?nde lie?en f?r einen Moment das Lenkrad los. Das schwere Automobil wurde bei voller Geschwindigkeit nach links geschleudert  direkt auf die Gegenfahrbahn. Ein ohrenbet?ubendes Kreischen von zerrei?endem Metall, ein furchtbarer Aufprall, das Klirren berstender Glassplitter und eine augenblickliche, dumpfe Explosion, die alles verschlang. Bei dieser katastrophalen Kollision ?berlebte niemand. Victoria, Christy und Paul waren sofort tot.

Als Richard von dem Geschehen erfuhr, verlor er fast den Verstand. In einem einzigen, schrecklichen Moment hatte er sowohl die geliebte Frau als auch seine Engelskinder verloren. Nach dieser Trag?die versank seine Welt in absoluter, toter Finsternis. Mehrere Jahre lang sp?rte ihn nichts als verzehrende Bitterkeit und stumpfen Schmerz. Er lebte nicht mehr  er war zu einem blassen Schatten geworden, der ziellos inmitten der Scherben seiner Vergangenheit existierte. Gepeinigt von dumpfer Verzweiflung, starrte er stundenlang ins Leere und schrie lautlos zum Himmel:




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   ,     (https://www.litres.ru/book/magda-van-34124574/der-dornige-weg-zum-gluck-74697179/)  .

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