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Beim Wiederholen eines Göttlichen Namens soll man sich nicht anstrengen oder versuchen, irgendetwas Bestimmtes zu erreichen. Man soll versuchen, aufrichtig zu sein, Liebe zu Gott zu empfinden und das Herz für diese Öffnung zur Verfügung zu stellen. Darauf folgt die Kraft unmittelbar – ob man das wahrnimmt oder nicht.
Obwohl die Göttlichen Namen stark und machtvoll sind, spüren wir vielleicht nicht gleich ihre Wirkung, doch es werden sich Ergebnisse einstellen. Durch ihre Rezitation, durch ihr Singen oder inneres Wiederholen kann man Dinge verändern. Es gibt keine festgelegte und begrenzte Zeit, man kann sich den ganzen Tag von ihnen begleiten lassen, sie den ganzen Tag ins Herz fließen lassen. Dann beginnt das Herz zu schwingen und du spürst, wie allmählich dein Herz das Singen deiner Zunge übernimmt und dann deine Seele den lang ersehnten Klang wiederholt. Pflege das Besinnen auf das Göttliche, wann immer es dir möglich ist. Du kannst dies während jeder Tätigkeit machen. Es geht aber leichter bei einer körperlichen Tätigkeit ohne geistige Arbeit. Es ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass regelmäßige Meditation effektiv und nachweislich die mentale, emotionale und physische Gesundheit auf vielerlei Weise unterstützen kann und dass sie tiefgreifende und inspirierende Vorzüge im Alltag hervorruft.
Die in diesem Buch angegebenen Vorschläge für die Wiederholung der Göttlichen Namen in spezieller Anzahl und zu gewissen Zeiten beruhen auf Wissen, das von mehreren Lehrern weitergegeben wurde: Šayh Sidi Muhammad Al–Ğamal Al–Rifā‘ī, Šayh ‘Abd Al–Maqṣud Muḥammad Sālim, Šayh Tosun Bayrak Al–Jerrahi Al–Halveti.
Diese Angaben, alle Erklärungen und Unterstützungen, die hier erwähnt werden, dienen als Hilfe bei der Entdeckung des Juwels, des wahren Seins, jenes ewigen Seins, das in uns allen ruht und an das sich alle Propheten gewandt haben. Der Weg dorthin, Schicht für Schicht die Schleier der Isolation ablegend auf der Suche nach dem Absoluten, dem Urgrund aller Existenzen, nach Allāh. Seine Nähe suchend, Seine Hilfe erbittend, Seine Liebe spürend. Eine Suche mit dem Auge des Herzens und dem Licht des Verstandes, Würde und Freude verbindend, Diesseits und Jenseits paarend, Sichtbar und Unsichtbar vereinend.
DIE 28 BUCHSTABEN DES ARABISCHEN ALPHABETS UND DEREN TRANSLITERARISCHE ENTSPRECHUNG, NUMEROLOGIE UND ELEMENTE


DIE FORMEN DER ARABISCHEN SPRÄCHE, IHRE BEDEUTUNG UND WIRKUNG
Eines Tages war ein Sufimeister bei einem Freund zu Besuch. Zur gleichen Zeit war auch ein befreundeter Kaufmann anwesend. Die Tochter des Gastgebers war eine junge schwächliche Frau. Als man gemeinsam beim Abendmahl saß, stürzte plötzlich das Kindermädchen ganz aufgelöst herein: „Der jungen Frau geht es gar nicht gut, sie ist in Ohnmacht gefallen und liegt jetzt fiebernd im Bett!“ Der Sufimeister begann sofort Heilungsgebete zu rezitieren. Der Kaufmann aber schüttelte verächtlich den Kopf. „Welch volkstümlicher Aberglaube, zu glauben, dass man mit Worten Einfluss nehmen kann auf den Gesundheitszustand eines Menschen!“ Der Sufimeister sprang wütend auf und sprach: „Wie kann ein so einfältiger, aufgeblähter, ignoranter Dummkopf wie Sie über etwas urteilen, von dem er keine Ahnung hat! Ein Esel bleibt ein Esel, auch wenn er Ladungen von Büchern auf seinem Rücken trägt!“ Bei diesen Worten sprang der Kaufmann auf, sein Gesicht verfärbte sich tiefrot, sein ganzer Körper zitterte und er schnappte mit offenem Mund nach Luft. Er rang nach Worten, doch er konnte sich einfach nicht beherrschen. Ganz mild wurde der Blick des Meisters und mit sanfter ruhiger Stimme sprach er: „Bitte verzeih, hochgeschätzter Bruder, meine Worte sollten in keinster Weise Ihre Ehre oder Ihr Ansehen kränken. Ich wollte nur aufzeigen, welche Macht in gewöhnlichen Worten liegt, wie sie uns beeinflussen und unsere Zustände verändern können. Wenn diese Kraft in gewöhnlichen Worten ruht, welche Kraft besteht erst in heiligen Worten und Formeln!
Die Göttlichen Namen sind in ihrem Klang und ihrer Bedeutung in der arabisch grammatikalischen Struktur eingebettet. Es gibt im Arabischen verschiedene Formen, in die jeweils die Grundwurzel, die zumeist aus drei Komponenten (Konsonanten) besteht, hineinfließt. Jede dieser Formen trägt eine Grundqualität und eine Resonanz in sich, die durch ihren Klanglaut sowohl auf der körperlichen, geistig–psychologischen wie spirituellen Ebene ihren Einfluss verströmt. Alle Worte einer bestimmten Form haben also eine gemeinsame spezifische Grundbedeutung, einen gemeinsamen Klangschlüssel.
Worte der arabischen Sprache, also auch die Göttlichen Namen, wachsen aus einer Wurzel, die meist aus drei, selten aus vier „Wassertropfen“ (Konsonanten) bestehen. Diese „Tropfen“ werden in verschiedene Formen gegossen, aus denen dann die vielfältigsten Worte, Begriffe und Bedeutungen entstehen. Die vorgegebenen Formen tragen aktive oder passive, manche sowohl passive als auch aktive Qualitäten in sich, andere Namen tragen Steigerungsqualitäten in sich, und jene Namen mit dem Präfix „mu“ zeigen die Instrumentalisierung auf. Der Klang eines Göttlichen Namens trägt nicht seine Bedeutung, doch die Form, die ein Göttlicher Name annimmt, gibt uns Einblick in den Wirkungsbereich.
Alle Göttlichen Namen tragen somit eine aktive Qualität in sich. Wenn die Göttlichen Namen wiederholt werden, so ist es wichtig, ihre Bedeutung zu wissen. Zu sagen, ich verlasse mich auf die Schwingungen oder die Form eines Göttlichen Namens und schließe aus dem akustischen Klang eines Namens auf seine Bedeutung, ist nicht möglich. Denn dieselben Formen werden in der gesamten Arabischen Sprache verwendet und wenn die Form bzw. der Klanglaut allein ausschlaggebend wäre, dann könnte man ja beliebige Worte wählen, in der Hoffnung, durch sie etwas Positives bzw. Negatives zu bewirken.
In der nachstehenden Liste (siehe Seite 44 ff) werden die Göttlichen Namen nach ihren gemeinsamen Formen aufgelistet, um die Grundbedeutung einer Form, auch Stamm genannt, näherzubringen. Jeder Stamm des Arabischen Verbes, und es gibt deren fünfzehn im Arabischen, von denen aber nur zehn mehr oder weniger verwendet werden, wird durch lange Vokale, Konsonantenverdoppelungen, Präfixe, Einfügungen oder aus Kombinationen der oben erwähnten Aspekte geformt. Jede Erweiterung der Grundform bringt bedeutungsmäßige Veränderungen mit sich. So hat jede Form, jeder Stamm einen anderen Bereich, in dem sich seine Wirkung ausbreitet. Der Klangkodex beinhaltet in sich eine spezielle Wirkung. Es ist, als ob sich das Licht eines Göttlichen Namens durch seine besondere Form und seinen ausgewählten Klang gebündelter auf einen Bereich des Daseins konzentriert.
Die Aufreihung der verschiedenen Formen und der Klangschlüssel soll die Verwendung der Göttlichen Namen erleichtern. Ein tieferes Verständnis für das innewohnende Potenzial der Göttlichen Namen zu bekommen, hilft uns, ihre Heilkraft zu erfassen und durch ihre Rezitation Ausgewogenheit, Weisheit, Heilung und Ganz–Werdung in alle Bereiche unseres Lebens zu bringen. Die Göttlichen Namen dienen dazu, unser psychologisches und spirituelles Potenzial zu erkennen, und unterstützen uns, zu dem zu werden, was wir wahrlich sind. Sie sind Orte der Transformation und ihr Ziel ist, die Verbindung zwischen dem Menschen und Gott herzustellen. Ihr Ziel ist Glückseligkeit, denn Glück ist Allāh.
Manche der Arabischen Buchstaben sind für viele nicht einfach auszusprechen. Doch es ist bei der Verwendung der Göttlichen Namen wesentlicher, ihre Bedeutung zu kennen und sich an ihren Klangkodex bzw. ihre Form zu halten, als die einzelnen Buchstaben ganz korrekt auszusprechen. Ist es also schwierig, den stimmlosen gutturalen Verschlusslaut „q“, der im Göttlichen Namen Quddūs enthalten ist, auszusprechen, so kann man sich mit dem „g“ wie in Gaumen zufrieden geben.
I. FĀ ‘IL: „Der Aktive, ausschließlich Tuende“
Die Form bzw. der Klang „fā ‘il“ ist DIE aktive Form und trägt in sich die Bedeutung „des aktiven, ausschließlich Tuenden“. Sie prägt sich in das Herz mit der Klarheit einer vertikalen Lichtsäule, die sich durch das lange „ā“, also durch das Alif „ أ “ zeigt. Der jeweilige Göttliche Name dringt mit dieser Form ein und aktiviert die Sammlung auf der geistigen, emotionalen und auf der Wahrnehmungsebene.
19 der Göttlichen Namen gestalten sich aus dieser Form, drei weitere Göttliche Namen können hier hinzugefügt werden, obwohl der letzte Vokal lang gesprochen wird, da sie auf grammatikalischer Ebene Sonderformen bilden.
Der zusammengesetzte Göttliche Name Māliku–l–Mulk entspricht in seinem ersten Teil „Mālik“ form– und klangweise dieser Kategorie von Namen. Durch die Hinzufügung des zweiten Namen „Mulk“ wird die Absolutheit und allumfassende Qualität dieses Göttlichen Namens unterstrichen.
Al–HāliqAl–HāfiḍAl–Bāri´Ar–Rāfi‘Al–QābiḍAl–Wāsi‘Al–BāsiṭAl–Bā‘it Al–WāğidAl–Māni‘Al–MāğidAn–Nāfi‘Al–WāḥidAl–Wārit Al–QādirAl–WālīAl–´ĀhirAl–HādīAdh–DhāhirAl–BāqīAl–BāṭinAl–Ğāmi‘Māliku–l–MulkII. FA‘ĪL: „Durchdringung allen Seins ohne Unterschied“
Wenn ein Göttlicher Name in dieser Form bzw. mit diesem Klang erscheint, so trägt er vor allem bzw. vordergründig die Qualität der Durchdringung in sich. Die Durchdringung allen Seins, sowohl auf der individuellen, wie auch auf der kollektiven Ebene ohne Unterscheidung. Er dringt mit der in ihm schwingenden Qualität in alle Wesen ein. Das Herz wird hin und her bewegt, bis es seine Ausgewogenheit zwischen der sichtbaren und der verborgenen Welt findet und somit seinen tiefen Frieden. 27 der Göttlichen Namen gestalten sich aus dieser Form.
Ar–RaḥīmAl–‘AlīyAl–‘AzīzAl–‘AlīmAl–KabīrAs–Samī‘Al–BaṣīrAl–ḤafīdhAl–LaṭīfAl–ḤasībAl–HabīrAl–ĞalīlAl–ḤalīmAl–KarīmAl–‘AdhīmAr–Raqīb Al–ḤakīmAl–WalīyAl–MağīdAl–ḤamīdAš–ŠahīdAl–ĠanīyAl–WakīlAl–Badī‘Al–QawīyAr–RašīdAl–MatīnIII. FA‘ŪL: „Berührung der tiefsten Tiefen”
Die Göttlichen Namen, die in dieser Form bzw. diesem Klang „fa‘ūl“ erscheinen, tragen vor allem die Qualität des tiefen Eindringens in eine Sache in sich. Jeder Schmerz, jedes Leid – und wenn sie noch so tief im Herzen liegen – können hiermit erreicht werden. Es ist der liebevolle, heilige, tiefeindringende Finger, der Heilung in sich trägt. Die tiefsten Wunden, sogar jene, die wir selbst in unseren entblößten Momenten kaum ansehen können, werden mit diesem Klangschlüssel und der Bedeutung des jeweiligen Namens umspült und gereinigt. Dies ist die intensive Form von fā‘il. Fünf der Göttlichen Namen gestalten sich aus dieser Form.
Der Göttliche Namen As–Salām mit der Form „fa‘āl“ bildet eine Variante der oben erwähnten Form. Mit dem „ā“ an Stelle des „ū“, also mit dem zusätzlich öffnenden Klangschlüssel, dringt dieser Name tief in das Herz und hat zusätzlich einen erhebenden, allverbindenden Effekt.
Al–ĠafūrAl–‘AfūwAš–ŠakūrAl–WadūdAs–SalāmAr–Ra`ūfAṣ–ṢabūrVI. FA‘‘ĀL und FA‘‘ŪL: „Die ewig sich wiederholende Kontinuität“
Die Formen bzw. Klänge „fa‘‘āl“ und „fa‘‘ūl“ tragen die Bedeutung von „ewig“ und „immer“ in sich. Hier schwingt das stetige Immerwährende, das fließende, ewig Wiederholende, ohne Unterbrechung, ohne Pause, wie der Schlag des Herzens mit. Diese Formen tragen in sich den Klang der Kontinuität, ohne Anfang und ohne Ende.
Die Verdoppelung des mittleren Konsonanten zeigt eine Intensität auf, die wie ein Stempel auf das Herz wirkt, bis das Herz in diesem Aufdruck verschmilzt. Sieben der Göttlichen Namen gestalten sich aus dieser Form.
Die Verdoppelung, auch mit den Varianten von „fa‘‘ūl“ und „fu‘‘ūl“ schwingen in derselben Beschaffenheit, wobei hier zusätzlich der Aspekt der allumfassenden Tiefe und Ewigkeit hinzukommt. Die tiefsten Schichten des Herzens werden erfasst.
Der Göttliche Name Al–´Awwal wird auch hier erwähnt, kann aber in der Bedeutung seines Klangschlüssels nur in Verbindung mit seinem Gegenpol Al–´Āhir ganz erfasst werden. Beide gemeinsam formen den Kreis der unendlichen Kontinuität.
Al–ĞabbārAl–QayyūmAl–ĠaffārAl–QuddūsAl–QahhārAl–WahhābAl–´AwwalAr–RazzāqAl–FattāḥAt–TawwābV. FA‘L: „Die innewohnende allanwesende essentielle Qualität des Daseins“
In der Form bzw. dem Klang „fa‘l“ schwingt die Bedeutung und die Wirkung eines permanent existierenden Merkmals. Eine Qualität, ob sichtbar oder unsichtbar, die frei von der jeweiligen Manifestation existiert. Es ist eine innewohnende essentielle Qualität des Daseins, die mit diesem Klang Ausdruck bekommt, ein permanentes Sein. Obwohl nicht offensichtlich, sind Göttliche Namen mit dieser Form allanwesend und gehören zu den Grundeigenschaften hinter aller Existenz. Dieser Klangkodex lässt eine ekstatische Nüchternheit im Herzen aufkommen, die auch in den schwersten Stürmen des Lebens Standhaftigkeit vermittelt. Vier der Göttlichen Namen gestalten sich aus dieser Form.
Zwei weitere Göttliche Namen, die aus grammatikalischen Gründen eine andere äußere Form bilden, gehören auch zu dieser Kategorie, nämlich Aḍ–Ḍār und An–Nūr. Al–Malik bildet durch das „i“ eine weitere Variante, trägt aber dieselbe Grundbedeutung.
Al–‘AdlAḍ–ḌārAl–ḤaqqAn–NūrAl–ḤayyAl–BarrAl–MalikVI. FA‘AL: „Der permanente bleibende Lauf des Absoluten“
Die Form bzw. der Klangkodex „fa‘al“ nimmt Bezug auf die ursprüngliche Natur einer Sache, auf die innewohnende Grundnatur des Urstoffes, des Absoluten. Wenn ein Göttlicher Name in dieser Form erscheint, trägt er in sich den Ausdruck des permanent anwesenden Laufes, wie die vorher erwähnte Form, aber auch den des Werdegangs, der Entwicklung und des Auslösens eines Prozesses. Drei der Göttlichen Namen gestalten sich aus dieser Form.
Al–ḤakamAl–´AḥadAl–´AḥadMu + Form: „Kontinuierlich verursachend“
Die Form bzw. der Klang, die bzw. der mit der Vorsilbe „Mu“ beginnt, deutet immer auf eine stetig kontinuierlich verursachende, begründend ursächliche Kraft hin. Bei dieser Form kommt klar zum Ausdruck, dass „etwas mit einem getan wird", „es wirkt durch einen“.
VII. MUFA“IL: „Der ewig ausführenden Akt“
Dieser Klangkodex zeigt auf, dass diese Gruppe von Göttlichen Namen einen kontinuierlichen ewig ausführenden Akt repräsentiert, ohne Anfang und ohne Ende. In jedem Moment erschafft Allāh die manifestierte Welt und in jedem Augenblick entsteht sie neu. Drei der Göttlichen Namen gestalten sich in dieser Form.
Al–MuṣawwirAl–MuqaddimAl–Mu´ahhirVIII. MUF‘IL: „Der all–einnehmende Verursacher“
In dieser Form bzw. diesem Klang zeigt sich, dass Allāh der Verursacher und Former aller Dinge, aller Manifestationen, aller Geschehnisse ist und dass es keinen anderen Verursacher außer Ihm gibt. Eine solche Absolutheit wird durch diesen Klang in das Herz eingeprägt. Zwölf der Göttlichen Namen schwingen in dieser Qualität.
Die hier erwähnten Göttlichen Namen enden zum Teil mit einem langen Vokal, da es grammatikalisch ein schwacher langer Vokal ist.
Al–Mu´minAl–MuḥṣīAl–MuqsiṭAl–MuḥyīAl–Mubdi´Al–MuġnīAl–Mu‘izzAl–Mu‘īdAl–MudilAl–MumītAl–MuqītAl–MuğībIX. MUFAY‘IL: „Die zutiefst eindringende Verwandlungskraft“
Diese Form drückt einerseits die Kontinuität aus, andererseits die zutiefst eindringende Kraft, die bis in Grundstrukturen eines Wesens vorbricht. Trotz dieser Kraft beinhaltet sie auch eine Leichtigkeit und Weichheit: „wie Wolle sein in den Händen Gottes“. Es ist ein Name, der in dieser Schwingung der Göttlichen Liebe pulsiert.
Al–Muhaymin
X. MUTAFA“IL: „Der kontinuierlich widerspiegelnde Zustand“
Diese Form bzw. dieser Klangkodex fügt zur Vorsilbe „Mu“, welche stets die Qualität der unerlässlichen Kontinuität beinhaltet, noch zwei weitere Aspekte hinzu. Diese entstehen durch die Verdoppelung und durch die Hinzufügung des „t“. Der ewige zeitlose Aspekt wird durch die Verdoppelung betont, und der reflexive durch das „t“. Gemeinsam bewirken sie einen reflexiven, widerspiegelnden Zustand. Das bedeutet: wenn dieser Zustand aufgenommen werden möchte, ist vom Aufnehmer/von der Aufnehmerin große Bemühung verlangt. Wenn ein Spiegel ein Licht gut widerspiegeln möchte, muss er erst gut poliert werden.
Es gibt nur einen Göttlichen Namen, der diesen Klang verbreitet. Interessanterweise gibt es eine Sure im Koran, in der eine längere Aufreihung der Göttlichen Namen vorkommt (59:23) und sie endet genau bei diesem Namen.
Al–Mutakabbir
XI. MUFTA‘IL: „Die ewig wechselseitig Qualität“
Auch in diesem Klangkodex erscheint der Buchstabe „t“ und drückt eine wechselseitige Qualität damit aus. Allāh gibt eine Qualität, und diese Begabung wird von der Beschenkten genutzt. Wir übernehmen die Verantwortung für unsere Handlungen, wissend, dass alles von Allāh kommt und alle Handlungen Seine sind. Das ist eine der Bedeutungen von „Dein Wille und mein Wille sind eins!“
Al–Muqtadir
Al–Muntaqim
XII. MUTAFĀ‘IL: „Die verbindende reziproke Gegenseitigkeit“
Auch in dieser Form besteht die offensichtliche reziproke Gegenseitigkeit. Der zusätzliche Aspekt von diesem Klangkodex ist die tiefe Qualität der Hingabe, die hier mitschwingt. Diese Form trägt sowohl den aktiven wie den ergebenden Aspekt in sich und verbindet somit Feuer und Wasser, Mut und Vertrauen, Höhen und Tiefen.
Al–Muta‘ālī

Sure Al–Fātiha
سورة الفاتحة
„Die Öffnende“
(1) Im Namen Allāhs, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen
(2) Alles lobt den Schöpfer der Welten
(3) Der unendlich Gütige, Der immer Barmherzige;
(4) Der König des Letzten Gerichtes
(5) Du bist es, Den wir anbeten, und bei Dir suchen wir Zuflucht;
(6) Leite uns auf den rechten Weg,
(7) den Weg derer, über denen Deine Gnade waltet;
nicht derer, über denen Dein Zorn waltet,
noch derer, welche in die Irre gehen.
Die Fātiḥa
Die Eröffnungssure „Al–Fātiḥa“ steht zu Beginn des Korans. Sie umfasst in ihrer tiefen Schönheit die Lehre des ganzen Korans. Die Fātiḥa wird zu Beginn jedes Gebetszyklus rak‘a gesprochen, sowie beim Abschließen von Verträgen, Abkommen etc. Sie öffnet die Herzen der Menschen. Sie setzt durch ihre eindrücklichen Worte das Licht der Klarheit und Aufrichtigkeit in den Geist und die Herzen der Menschen und öffnet in uns den Willen, den Weg der Göttlichen Hingabe zu beschreiten. Ihre Wiederholung öffnet in uns die Tore der Dunkelheit und hilft, uns am Göttlichen Licht zu orientieren.
Eine kurze Erläuterung der Eröffnungssure:
(1) Im Namen Allāhs, des Allerbarmers, des Allbarmherzigen
Im Namen der Ewigen Unendlichen Realität – transzendent und immanent –, die aus Liebe Schenkende, die aus Gnade Erhaltende. „Der Allgnade Erweisende, der Allgnädige“ Ar–Raḥmān, Ar–Raḥīm, sind zwei Namen, die darauf hinweisen, dass Gottes Gnade grenzenlos ist, dass sie alles einnimmt und umhüllt.
(2) Alles lobt den Schöpfer der Welten
Das Loben der Schöpfung ist Ausdruck unseres Zustandes der Freude am Dasein. Denn Dasein heißt, die Schönheit der Welt zu sehen. Es heißt die Wunder, die Schönheit zu sehen und sie auf ihren Ursprung zurückzuführen. In dieser Vielfalt der Existenzen wird das Herz erinnert, dass jede Vollkommenheit, jede äußere oder innere Eigenschaft einen einzigen Ursprung hat, aus dem alle Welten hervorkommen.
(3) Der unendlich Gütige, Der immer Barmherzige
Aus dieser Güte kommt unser Dasein, all die Bedingungen und Voraussetzungen, die dieses ermöglichen. Vergesse nicht all die Gaben, mit denen du beschenkt bist, noch schreibe sie dir selber zu, denn weder hast du den Baum noch das Wasser erfunden.
Eine mündliche Überlieferung des Propheten Muhammad – Allāh segne ihn und schenke ihm Heil – sagte: Als Gott die Schöpfung beendete schrieb Er über Seinen Thron: „Meine Barmherzigkeit übersteigt Meinen Zorn.“ Und Allāh teilte die Barmherzigkeit in hundert Teile, dann behielt Er 99 Teile bei Sich und sandte einen Teil auf die Erde. Und aus diesem einen Teil kommt die Barmherzigkeit der Schöpfung für einander.
Lasst Barmherzigkeit unter euch weilen, denn wer anderen gegenüber Barmherzigkeit zeigt und sie mit Güte und Mitgefühl behandelt, wird selbst von Barmherzigkeit eingenommen. Er nimmt teil an der Einheit und folglich an dem, was unsere wahre Natur ist.
(4) Der König des Letzten Gerichtes
Gott ist der Erhalter der Welten und Er ist auch der Herr ihres Endes. Das zu wissen heißt, zu verstehen, dass das Bedingte vom Unbedingten kommt und von ihm abhängt. Der Tag des Gerichts ist die Hoffnung der Geduldigen, die ihrer Menschlichkeit zum Sieg verhalfen, die ihr niedriges Selbst bekämpft haben und die ihren selbstgefälligen Trieben nicht unterlagen. Der yawm ad–din, „der Tag des Gerichts“, ist der Tag, an dem die Unterdrücker und die Unterdrückten zusammen kommen und die Gegensätze vereint werden. Denn bei Gott vereinen sich die Gegensätze. Am Tage des Gerichts kommen wir zusammen und alle Ungerechtigkeiten werden gesehen. An diesem Tag sind alle gleich, die Könige und die Untertanen, die Reichen und die Armen. An diesem Tag werden die Menschen gemäß ihren guten und schlechten Taten beurteilt werden.
(5) Du bist es, Den wir anbeten, und bei Dir suchen wir Zuflucht
Die Anbetung ist das Erkennen Gottes außerhalb von uns, und die Zuflucht ist Rückkehr zum Gott in uns, in der Tiefe unseres Herzens; es ist das Vertrauen zu einem unendlich nahen Gott. Der Gott „außen“ gleicht der Unendlichkeit des Himmels; der Gott „innen“ der Vertrautheit des Herzens. Dies sind die Worte, die zwischen Gott und dem Menschen aufgeteilt sind. Die eine Hälfte, iyyaka na‘budu, „Dir alleine dienen wir“, ist für Gott, und wa iyyaka nasta‘īn, „und Dich allein bitten wir um Hilfe“, ist für den Anbetenden.
Zwischen Gottvertrauen und Ergebung bewegt sich der Mensch zu seinem wahren Selbst und rettet sich vor der Ungläubigkeit an die Einheit aller Existenz. Liebe ohne Ergebung bringt dich nicht weiter, genauso wie Ergebung ohne Liebe nicht weiterführt. Wer die Süße des Glaubens kosten möchte, muss Liebe und Ergebung vereinen. Er hat dich erschaffen, damit du das Göttliche in dir erweckst, so sei nicht niedrig. Er hat dich erschaffen, damit du frei bist, so sei nicht Gefangener deiner Triebe. Befreie dein Ich von allem Niedrigen, und bringe es zurück, wo sein Heimweh gestillt wird. Gib ihm zurück den Duft und lass es eingehen ins Meer des Lichts.
(6) Leite uns auf den rechten Weg
Es ist der aufstrebende Weg, der Weg, der zur Einheit führt; es ist das Zusammenführen von Willen, Liebe und Erkenntnis. „Leite uns auf den rechten Weg“, wenn wir in schwierige Situationen kommen, denn die Welt lenkt einen ab, von Dingen, die wirklich wichtig sind. Denn oft verengt sich vor lauter Sorgen und Kummer die Brust und die Selbstgespräche beginnen.
(7) Den Weg derer, über denen Deine Gnade waltet
Der rechte Weg ist der Weg, auf dem die Gnade uns nach oben zieht; durch die Gnade können wir diesem Weg folgen; doch müssen wir unsere Herzen für diese Gnade öffnen und uns ihren Gesetzlichkeiten fügen. Allāh, Du Verwandler der Herzen, lass mein Herz immerwährend bleiben in Deiner Einheit.
nicht derer, über denen Dein Zorn waltet
Nicht derer, die sich der Gnade widersetzen und die das verbindende Band zerreißen. Indem sie unabhängig sein wollen von der Göttlichen Urquelle oder selbst Quelle sein wollen, verschließt sich allmählich die Empfänglichkeit des Herzens und das Göttliche lässt sie los.
noch derer, welche in die Irre gehen.
Das sind diejenigen, die zwar das Eine nicht verneinen, sich aber aus Schwäche in der Welt verlieren. Sie folgen ihrem Gemüt und liefern sich somit den irdischen Mächten aus, doch sind sie nicht verloren, wenn sie es nur wollen.
Ich sah meinen Herrn mit den Augen meines Herzens.
Ich sprach: Wer bist du? Er sagte: Du!
Bei Dir hat das Wo kein Wo.
Wo Du bist ist kein Wo.
Die Vorstellungskraft hat keine Vorstellungskraft von Dir,




