Die Arbeit am Langen Zügel

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PRE Hengst Toledano beim sogenannten Abbrechen, das heißt dem seitlichen Mobilisieren der oberen Halswirbelsäule durch Dehnen der äußeren Halsmuskulatur. (Fotos: Evertz)
DAS DEHNEN
Bevor man mit der Arbeit an der Hand anfängt, sollten Dehnungsübungen an der Hand vorausgeschickt werden, die früher als Abbiegen und Abbrechen (siehe Fotos) bezeichnet wurden, um Muskelblockaden in Ganasche und Genick aufzuspüren und wenn nötig zu beseitigen. Der Grund hierfür liegt darin, dass Steifheiten im Genick und Hals den Rücken und die Hinterhand blockieren. Die Pferde kommen dadurch leicht hinter die treibenden Hilfen und gehen nicht durchs Genick. Es empfiehlt sich daher, auch im Laufe der späteren Dressurarbeit immer wieder auf diese Übungen zurückzugreifen und die Beweglichkeit des Genicks wiederherzustellen beziehungsweise zu verbessern. In der preußischen und österreichischen Kavallerie wurde früher jeden Tag vor dem Aufsitzen einige Minuten lang abgebrochen und die Arbeit wurde immer wieder durch solche Dehnungsübungen sowohl im Sattel als auch vom Boden aus unterbrochen.
Die Ausrüstung des Pferdes
DIE TRENSEDer traditionelle Zaum für die Langzügelarbeit ist die Knebeltrense mit dem Hannoveranischen Reithalfter. Man kann aber auch Wasser- oder Olivenkopftrensen verwenden. Das Mundstück kann ein einfach oder doppelt gebrochenes Gebiss sein. Kandarengebisse finden keine Verwendung, da die Kandarenkonstruktion einerseits das seitliche Biegen sehr erschwert und sie andererseits den Vorwärtsdrang des Pferdes zu sehr hemmen kann.
DER KAPPZAUM
In der Regel wird das Pferd am Langen Zügel mit der Trense geführt. Es gibt jedoch auch Situationen, in denen es sich anbietet, den Langen Zügel in einen Kappzaum einzuschnallen. Ich verwende diese Variante insbesondere, wenn ich einen Reiter vom Boden aus durch den Langen Zügel unterstütze. Das bietet den Vorteil, dass der Reiter die Verbindung zum Pferd über das Mundstück herstellt, während ich auf die Nase einwirken kann. Auch bei Pferden mit Genickschwierigkeiten kann es unter Umständen helfen, wenn der Lange Zügel eine Zeit lang in den Kappzaum statt in der Trense eingeschnallt wird.
Der Kappzaum soll folgendermaßen beschaffen sein: Das Nasenstück besteht aus einem ungebrochenen Stück Metall, an dem drei Ringe beweglich befestigt sind. Dieses Nasenstück darf nicht zu dick gepolstert sein, da eine feine Einwirkung nicht mehr möglich ist, wenn die Polsterung nur sehr grobe Hilfen durchlässt. Portugiesische Kappzäume und der Kappzaum, den die Spanische Reitschule verkauft, sind am besten geeignet.
DER LANGE ZÜGEL
Es sei gleich vorab gesagt: Es gibt im Fachhandel derzeit keine geeigneten Langen Zügel zu kaufen. Sie sind meist viel zu lang und erinnern eher an eine Doppellonge. Manche Reiter funktionieren handelsübliche Schlaufzügel zu Langen Zügeln um. Auch diese Variante eignet sich oft nicht, da die Schlaufzügel für die meisten Pferde zu kurz sind. Man muss sich die Langen Zügel also entweder selbst nähen oder von einem Sattler anfertigen lassen. Man sollte sich dafür ein Material aussuchen, das weich genug ist, damit man das Pferd gut fühlen kann. Es darf außerdem nicht zu glatt sein, damit dem Ausbilder nicht die Zügel aus den Händen gleiten, wenn er Handschuhe trägt.

Der korrekt verschnallte Kappzaum bietet die Möglichkeit, den Langen Zügel einzuschnallen oder den Zügel des Assistenten, der so bei den ersten Schritten am Langen Zügel unterstützen kann. (Foto: Mader)
Ich persönlich arbeite gern mit Baumwolle, da sie nicht so leicht in die Hand einschneiden kann, wenn das Pferd doch mal einen Satz nach vorn machen sollte, und weil sie ein gutes Gefühl für den Pferdekörper vermittelt. Harte Kunstfasern sind ungeeignet.
Die Breite des Zügels sollte der Größe der Reiterhand entsprechen, was bedeutet, dass Reiter mit großen Händen wahrscheinlich einen etwas breiteren Zügel bevorzugen, während kleinere Reiter mit zierlichen Händen einen etwas schmaleren Zügel brauchen. Passt die Breite des Zügels nicht zur Länge der Finger, dann ist der Zügel unbequem, und das stört die Konzentration auf das Pferd. Es ist wichtig für den Erfolg der Arbeit, dass der Zügel dem Reiter angenehm in der Hand liegt.
Die Enden des Langen Zügels münden entweder in ein Stück Leder mit einer Schnalle aus Metall oder in einen Clip aus Metall, der in den Trensenring eingehängt wird. Was die Farbe anbelangt, verwende ich in der Ausbildung meist Schwarz. Für Schaunummern kann man den Langen Zügel farblich auf die Schabracke abstimmen, falls man eine solche verwenden sollte. Es bietet sich dann auch an, den Langen Zügel an die Farbe des Pferdes anzugleichen, damit man ihn so wenig wie möglich sieht. Das erzeugt die Illusion, das Pferd ginge von ganz allein und der Reiter ginge nur einfach nebenher.
DIE LÄNGE DES ZÜGELS
Der Lange Zügel sollte nicht zu lang sein. Es gibt viele sogenannte „Langzügel”, die eigentlich eher Doppellongen sind. Sie sind so lang, dass man dicke unhandliche Schlaufen in der Hand halten muss, wenn man direkt an der Hinterhand des Pferdes geht. Darüber hinaus haben sie vorn an der Schnalle einen dünnen, gerollten Teil, der mindestens bis zur Hinterhand reicht. Dieser Teil ist zu dünn, um dem Reiter ein gutes Gefühl zu erlauben. Daher eignen sich diese Zügel nur zur Doppellongen-, aber nicht zur Langzügelarbeit.
Die optimale Länge des Zügels hängt ein wenig von der Größe und dem Ausbildungsstand des Pferdes ab. Ist der Zügel zu kurz, schränkt er die Bewegungsfreiheit des Reiters zu sehr ein. Ist er zu lang, wird er unhandlich. Ich selbst bevorzuge eine Länge, die bequem um das Pferd herumreicht und bei der ich noch eine Schlaufe in der Hand halte, wenn ich direkt neben der Kruppe gehe. Ein solcher Zügel hat eine Länge von etwa fünf bis fünfeinhalb Metern.

Für den Erfolg der Arbeit am Langen Zügel ist es wichtig, dass der Zügel dem Reiter angenehm in der Hand liegt. (Foto: Thomas Ritter)
ZU BEGINN EINE LONGE VERWENDEN
Wenn ich mit einem neuen Pferd im Anfangsstadium einen etwas größeren Abstand zur Hinterhand halten will, dann verwende ich eine Longe als Langen Zügel. Hierfür eignen sich nur Longen, die eine Schlaufe am Ende haben, durch die man die Schnalle hindurchfädeln kann. Man steckt dazu die Schlaufe durch einen Trensenring, fädelt dann die Schnalle durch die Schlaufe und zieht die ganze Longe hindurch, bis sie fest am Trensenring sitzt. Die Schnalle wird dann in den anderen Trensenring eingehängt. Longe ausdrehen nicht vergessen! Am besten sind Longen ohne Drehgelenk geeignet, da sie sich nicht mehr von selbst verdrehen können. Das Drehgelenk macht diese Seite des „Langen Zügels” auch schwerer als die andere und verfälscht das Gefühl etwas.
LONGIERGURT UND SCHABRACKE
Ein Longiergurt ist eigentlich nur dann sinnvoll, wenn man aus Sicherheitsgründen weit hinter dem Pferd bleiben will. Geht man in großem Abstand hinter dem Pferd her, kann der Lange Zügel durch die seitlichen Ringe des Longiergurts hindurchgeführt werden, um zu verhindern, dass er zu tief absackt oder über den Rücken rutscht, sollte das Pferd versuchen, sich umzudrehen. Das verleiht der Anlehnung in diesem Fall eine bessere Stabilität. Sobald man jedoch in dem Ausbildungsstadium angelangt ist, in dem man direkt neben oder hinter der Kruppe auf Tuchfühlung mit dem Pferd gehen kann, ist Flexibilität unbedingt notwendig. Der Zügel muss höher oder tiefer oder auch bewusst über den Rücken des Pferdes geführt werden können. Ringe und Umlenkrollen schränken diese Freiheit ein und erschweren die Aufgabe eher als dass sie sie erleichtern.
Schabracken verwendet man eigentlich nur zu Vorführzwecken, nicht während der Ausbildung. Sie haben keinen praktischen Nutzen und sind rein dekorativer Natur. Sie sind kleiner als die gewöhnlichen Sattelunterlagen und dürfen auch keine Schlaufen oder Ähnliches aufweisen. Stattdessen wird nur ein Gurt benötigt, der die Schabracke fixiert.
DIE AUSBINDER
Manche Ausbilder verwenden anfangs Ausbinder bei unerfahrenen Reitern und bei Pferden, die nicht so leicht durchs Genick gehen. Ich selbst habe damit aber aus zweierlei Gründen keine guten Erfahrungen gemacht.
Zum einen hemmen die Ausbinder den Vorwärtsdrang des Pferdes. Das ist am Langen Zügel besonders gravierend, da Pferde sich bei der Langzügelarbeit ohnehin leichter verhalten als unter dem Sattel. Zum anderen erlauben sie nicht genügend Seitenbiegung. Sie schränken die Bewegungsfreiheit des Halses ein und verhindern damit ein Geschmeidigmachen des Pferdes durch Biegen in der Bewegung oder auch im Halten.
Ausbinder erschweren also die Arbeit zusätzlich. Schwierigkeiten mit der Beizäumung kann man besser durch korrekte Gymnastizierung korrigieren.
Die Ausrüstung des Reiters
STIEFEL UND HANDSCHUHEDa die Langzügelarbeit ein gewichtsloses Reiten ist, gilt für den Reiter traditionsgemäß auch die gleiche Kleiderordnung wie beim Reiten: entweder Reithosen und Schaftstiefel oder Jodhpurhosen und Stiefeletten. Ich muss allerdings einräumen, dass Lederreitstiefel nicht zum Marschieren gemacht sind und sehr unter der Belastung der Langzügelarbeit leiden, vor allem wenn man in Sandboden gehen muss. Daher ist es verständlich, seine guten Reitstiefel zu schonen und stattdessen anderes Schuhwerk zu tragen. Dabei gibt es jedoch aus Sicherheitsgünden einige allgemeine Regeln zu beachten: Man sollte nur feste Schuhe tragen, die über den Knöchel reichen. Beim Gehen kann man sich sonst leicht selbst an den Knöcheln streifen und wund reiben. Außerdem kann es vorkommen, dass ein Hinterfuß des Pferdes aus Versehen den Knöchel des Reiters streift, was Verletzungen verursachen kann. Ein fester Stiefel schützt auch besser vor dem Umknicken. Stahlkappen im Zehenbereich sind ebenfalls keine schlechte Idee, da es hin und wieder passieren kann, dass man mit seinem Fuß unter dem Hinterhuf des Pferdes landet, wenn es eng zugeht. Offene Schuhe oder Laufschuhe sind aus diesen Gründen völlig ungeeignet. Feste,hohe Wanderschuhe, Fallschirmspringerstiefel oder Bauschuhe erfüllen dagegen die Sicherheitsanforderungen.
Die Verwendung von Handschuhen ist im Grunde eine Sache der persönlichen Präferenz. Ein Pferd, das den Reiter davon zieht, ist noch nicht reif für die Langzügelarbeit. Ich selbst trage Handschuhe deshalb eigentlich nur bei kühlem Wetter. Wenn es sehr warm ist, sind sie mir eher unangenehm. Ich bevorzuge Handschuhe aus Leder, die strapazierfähig sind und ein gutes Gefühl zulassen.
DIE GERTE
Die Länge der Gerte richtet sich nach der Position des Reiters. Je weiter man vom Pferd entfernt ist, desto länger muss die Gerte oder Peitsche sein. Wenn man beispielsweise so weit hinter dem Pferd geht, dass man sich außer Reichtweite der Hinterbeine befindet, muss man unter Umständen eine Longierpeitsche verwenden, um das Pferd mit dem Peitschenschlag noch erreichen zu können. Verkürzt man die Distanz bis auf zwei Meter, reicht eine Fahrpeitsche aus. Wenn man bei der Hinterhand angekommen ist, tauscht man die Fahrpeitsche gegen eine Dressurgerte ein. Manchmal ist es von Vorteil, eine relativ kurze Reitgerte zu verwenden, damit man sie leicht von einer Seite auf die andere wechseln kann, ohne damit am Pferd hängen zu bleiben.
HALTUNG UND POSITION

PRE Hengst Kabul mit Shana Ritter. Eine aufrechte Haltung mit angespanntem Kreuz ist auch am langen Zügel notwendig. (Foto: Thomas Ritter)
Immer in Balance bleiben
Es ist wichtig, dass der Reiter sich immer im Gleichgewicht befindet. Der Oberkörper sollte deshalb so aufrecht sein, dass die Schultern senkrecht über den Hüften stehen. Nur so sind Arme und Beine unabhängig voneinander einsetzbar. Verliert der Reiter sein Gleichgewicht, indem er sich zum Beispiel zu weit nach vorn neigt, kann er das Pferd weder unterstützen noch klare Anweisungen geben. Die Verbindung der Hand zu Kreuz und Gewicht und die solide Verankerung des Reitergewichts im Boden gehen dann verloren. Das Gleichgewicht wird hauptsächlich durch die Bauch- und Rückenmuskulatur, also durch das Kreuz, kontrolliert. Fällt der Reiter vornüber, vielleicht weil er außer Atem gekommen ist, sollte er durchparieren und erst nach einer kleinen Verschnaufpause weitermachen. Es ist besser, kurze Reprisen in hoher Qualität zu üben als lange Reprisen in mangelhafter.
DER EINSATZ DES KREUZES
Wie beim Reiten, so muss auch beim Longieren, in der Handarbeit und am Langen Zügel das Kreuz eingesetzt werden. Das klingt vielleicht auf Anhieb paradox, da man dabei nicht auf dem Pferd sitzt. Doch die Hilfen können nur dann durchkommen, wenn sie aus dem Kreuz kommen und im Kreuz verankert sind. Das funktioniert nur, wenn der Ellbogen mit der Hüfte verbunden ist und die Bauch- und Rückenmuskulatur des Reiters angespannt. Sonst fehlt den Hilfen der nötige Zusammenhalt, sie machen für das Pferd keinen Sinn und bleiben irgendwo im Pferdekörper stecken. Wie beim Reiten auf dem Pferd auch, sollte man die Ellbogen nicht zu weit vom Körper entfernen, da sonst die Verbindung vom Kreuz zur Hand abgeschwächt wird. Das belastet die Reiterschultern unnötig, die Handgelenke werden hart und das Pferd wehrt sich gegen die Zügeleinwirkung.

Lipizzanerhengst Maestoso II Shama II im Galopp. Die Kreuzeinwirkung erlaubt es dem Reiter, auch am langen Zügel eine elastische, positive Spannung in der Wirbelsäule des Pferdes aufzubauen und seine Energie nach oben in einen Bergaufgalopp zu kanalisieren. (Foto: Mader)
Zum besseren Verständnis hilft es auch, sich von der fernöstlichen Kultur inspirieren zu lassen: Der Begriff des „Kreuzes“ ist sehr eng verwandt mit dem der „Hara” in den asiatischen Kampfsportarten. Es handelt sich um ein Anspannen der Bauch- und Rückenmuskulatur, die den Schwerpunkt absenkt und dadurch die Balance des Menschen bedeutend erhöht. Die auf diese Weise gewonnene Stabilität ermöglicht es, die Arm- und Beinmuskeln locker und unverkrampft zu belassen. Schwache Bauch- und Rückenmuskeln führen dagegen zu einem schlechten Gleichgewicht. Dieser hier nur ganz kurz angedeutete Sachverhalt gilt für den Reiter im Sattel ebenso wie beim Longieren, bei der Handarbeit und am Langen Zügel.
Auch am Langen Zügel braucht der Reiter sein Kreuz, damit die Hilfen durchkommen.
DIE VERBINDUNG ZUM BODENDarüber hinaus nutzt der Reiter die Unterstützung des Bodens aus, um den Paraden Nachdruck zu verleihen. Das funktioniert, indem er im Moment der Parade einen Absatz fest in den Boden drückt. Auf diese Weise wird eine Verbindung vom Gebiss durch den Zügel und den Reiterkörper in den Boden hergestellt, was der Zügelhilfe mehr Effektivität verleiht. Sollte das Pferd mit der Kruppe oder mit dem Hals gegen die parierende Hand drücken, dann trifft es praktisch auf den Widerstand des Bodens. Die Reiterhand ist dann nur noch ein Bindeglied und das Pferd pariert sich sozusagen selbst. Auf diese Weise kann man auch große und starke Pferde anhalten, wenn einmal etwas schiefgehen sollte und das Pferd davonstürmen will. Verliert der Reiter jedoch seine Verbindung zum Boden, dann kann ihn auch ein kleines Pferd ohne Weiteres „abschleppen” und aus dem Gleichgewicht bringen.
Der Reiter kann also die Energie der Schubkraft der Hinterhand im Zügel spüren und durch sein eigenes Bein wie durch einen Blitzableiter in den Boden abfließen lassen. Mithilfe dieser Verankerung kann er Schub- in Tragkraft umwandeln.
Die Position des Reiters
Was die Position des Reiters zum Pferd angeht, gibt es verschiedene Traditionen. An der Spanischen Reitschule ist es üblich, dass der Reiter im Schritt und Trab auf einfachem Hufschlag und im Schulterherein neben beziehungsweise seitlich hinter dem inneren Hinterfuß geht. Im Galopp, im Travers, Renvers und in der Traversale geht er neben dem äußeren Hinterbein, und in der Piaffe und Passage bleibt er in der Mitte hinter dem Pferd. Im Reitinstitut von Egon von Neindorff in Karlsruhe war es üblich, eher in der Mitte hinter dem Pferd zu bleiben und nur wenig seitlich abzuweichen.

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PRE Hengst Amigo mit Andreas Evertz. In der Tradition der Spanischen Reitschule zu Wien wird auf einfachem Hufschlag und im Schulterherein von innen geführt. (Foto: Shana Ritter)

Hengst Amigo mit Andreas Evertz. Bei Egon von Neindorff war es eher üblich, in der Mitte hinter dem Pferd zu gehen.

Hengst Amigo mit Andreas Evertz. Geht der Reiter neben dem äußeren Hinterbein, kann er mit dem inneren Zügel das innere Hinterbein zu sich herholen und leicht übertreten lassen. (Fotos: Shana Ritter)
VOR- UND NACHTEILE DER POSITIONEN
Ich persönlich suche diejenige Position, von der aus ich am effektivsten auf das jeweilige Pferd einwirken kann.
Geht man in der Mitte hinter dem Pferd, kann man es mit den Zügeln besser beidseitig einrahmen. An dieser Stelle können auch die vortreibenden Hilfen besser eingesetzt werden. Diese Position empfiehlt sich, wenn etwa ohne Anlehnung an eine Bande gearbeitet wird, da das Pferd dann leichter gerade gehalten werden kann. Bei Pferden, von denen man größeren Abstand halten will, ist es aus demselben Grund ratsam, in der Mitte hinter dem Pferd zu bleiben. Bei größerem Abstand ist eine genaue Führung von der Seite nicht mehr möglich.
Kann man bereits sehr dicht hinter dem Pferd gehen, kommt es gelegentlich vor, dass der Reiter dem Pferd in der mittigen Position in die Hacken tritt. Der Grund dafür liegt darin, dass das Pferd noch nicht geschlossen ist und die Hinterbeine nicht weit genug unter dem Körper bleiben. Sobald die Hinterbeine besser untertreten und sich unter der Last auch beugen, gibt sich das Problem.
Weicht das Pferd vom Hufschlag beziehungsweise von der Zirkellinie nach innen ab, kann es besser in der Spur gehalten werden, wenn der Ausbilder außen neben der Kruppe geht.
Der innere Zügel, tief geführt, rahmt den inneren Hinterfuß und den Brustkorb ein und schiebt das Pferd nach außen. Ganz allgemein kann man die Faustregel aufstellen, dass man in dieser Situation die Masse des Pferdes besser zu sich „hinheben” kann als sie von sich wegzuschieben. Ein Beispiel: Auf der steifen Seite drängelt das unerfahrene Pferd oft von der Bande weg nach innen; es fällt dabei auf die innere Schulter. Es wird viel leichter zurück auf den Hufschlag gehen, wenn man außen zwischen Pferd und Wand geht, als wenn man versucht, es von der Innenseite nach außen zu schieben.
In der nächsten Ausbildungsstufe ist es möglich, in der Mitte hinter dem Pferd zu gehen. Dabei wird der innere Zügel zwischen dem inneren Pferdeknie und dem inneren Hüfthöcker geführt und die innere Schulter eingerahmt. Der äußere Zügel läuft über die Mitte der Kruppe.
Weicht dagegen die Kruppe von der gerittenen Linie ab, kann dies oft sehr geschickt dadurch verhindert werden, dass der Ausbilder neben dem Hinterbein der hohlen Seite geht, um ihm das Ausweichen zu verwehren. Kommt die Kruppe nach innen, geht man besser nach innen. Weicht die Kruppe dagegen nach außen aus, geht man besser zwischen dem äußeren Hinterbein und der Wand. Auf diese Weise kontrolliert der Reiter die Hüfte, die zu ihm hindrängt, und die diagonale Schulter, die von ihm wegdrängt.
Während der Ausbildung sollte man in der Position gehen, von der aus man situationsbedingt am besten auf das Pferd einwirken kann.
DIE HILFEN

Lipizzanerhengst Conversano Sorria mit Shana Ritter in der Trabtraversale. (Foto: Thomas Ritter)
Unterschiede zur Arbeit unterm Sattel
Die Prinzipien der Hilfengebung sind bei allen Formen der Arbeit mit dem Pferd gleich. Der Reiter kann am Langen Zügel aber hauptsächlich nur Zügel, Stimme und Gerte einsetzen. Daneben ist es sinnvoll, in bestimmten Momenten den Handrücken, den Unterarm, die Schulter oder sogar die eigene Hüfte einzusetzen, um dem Pferd einen Impuls zu geben. Alles in allem ist die Hilfengebung also flexibler als im Sattel.
Gewisse Dinge bleiben jedoch immer gleich. Die treibenden Hilfen bringen beispielsweise auch bei der Langzügelarbeit das Pferd zum Zügel. Dieser empfängt die Energie und schickt sie an die Hinterhand zurück – ein Energiekreislauf entsteht. Die inneren Hilfen unterstützen die Biegung, die äußeren die Wendung.
Als treibende Hilfen stehen bei der Langzügelarbeit nur die Gerte und die Stimme zur Verfügung. Daneben spielt indirekt auch die Körperhaltung und die Konzentration des Ausbilders eine entscheidende Rolle. Richtet man sich groß auf und spannt die Bauchund Rückenmuskulatur an, dann wird das Pferd darauf reagieren, indem es vorne größer wird und Anlehnung zu nehmen beginnt. Ist der Reiter zu schlaff, dann wird auch bald das Pferd in sich zusammenfallen.
Die Stimmhilfen
Die Stimme kann sowohl treibend als auch beruhigend wirken. Eine kurze, energische Hilfe mit ansteigender Intonationskontur hat eine eher treibende Wirkung. Eine länger ausgedehnte, tiefere Stimmhilfe mit fallender Intonationskontur wirkt dagegen beruhigend auf das Pferd.
Man kann dem Pferd auch vor Beginn der Arbeit am Langen Zügel bestimmte Stimmkommandos beibringen, die ihm dann als „Eselsbrücke” dienen können. Ähnlich wie beim Longieren könnte man beispielsweise dem Pferd die Übergänge zwischen den Gangarten dadurch erklären, dass man zunächst bekannte verbale Kommandos mit den regulären Hilfen verbindet. Wenn das Pferd die gewöhnlichen Hilfen verstanden hat, können auch die Stimmhilfen wieder weggelassen werden.
Die Gertenhilfen
Die Gerte kann sehr vielfältig eingesetzt werden. Sie kann eine belebende, vortreibende Funktion haben, aber auch seitwärtstreibend wirken, Wendungen unterstützen und verwahrend verwendet werden. Die Intention der Hilfe und die Position des Reiters am Pferd bestimmen, wie man die Gerte hält.
SENKRECHT MIT SPITZE NACH UNTEN
Geht man auf Tuchfühlung neben dem Pferd her, ist es in der Regel am praktischsten, die
Gerte ähnlich wie im Sattel mit der Spitze nach unten zu halten, da man das Pferd dann am besten erreichen kann. Auf diese Weise ist es möglich, den gleichseitigen Hinterfuß entweder von außen, von hinten oder, wenn man sehr geschickt ist, an der Innenseite zu berühren.
SENKRECHT MIT SPITZE NACH OBEN
Geht man direkt hinter dem Pferd her, vielleicht mit etwas mehr Abstand, dann bietet es sich meist an, die Gerte mit der Spitze nach oben zu tragen. Bei dieser Gertenhaltung touchiert man das Pferd entweder oben auf der Mitte der Kruppe oder seitlich an der Hüfte. Ist man jedoch so dicht hinter dem Pferd, dass man die Kruppe mit den Händen berührt, dann ist die abwärtsgehaltene Gerte meist am effektivsten.
DIE HORIZONTAL GEHALTENE GERTE
Mit der horizontal gehaltenen Gerte kann man das Pferd in der Schenkellage antouchieren. Dies empfiehlt sich gerade bei Pferden, die unter Umständen ausschlagen könnten. Das Pferd reagiert auf die Berührung in der Rippengegend mit längeren Tritten oder mit einer Wendung der Schultern, während ein seitliches Touchieren des Hinterfußes mit der senkrecht nach unten gehaltenen Gerte eher zu einem seitlichen Übertreten oder zu einem etwas höheren Aufheben des Hinterfußes führt.
Hilfen müssen immer impulsartig erteilt werden. Sie müssen quasi mit dem Pferd atmen. Ohne das wiederholte rechtzeitige Nachgeben zieht man sich unweigerlich fest.

Friesenhengst Richold in der Handarbeit. Die innere Hand fasst den inneren Zügel dicht hinter dem Trensenring. Die äußere Hand hält den äußeren Zügel und die Gerte. (Foto: Mader)
Der Reiter sollte ausprobieren, an welcher Stelle die Gertenhilfe vom jeweiligen Pferd am besten verstanden und umgesetzt wird. Das ändert sich auch von Situation zu Situation. Auf dem Zirkel wird man das Pferd an einer anderen Stelle berühren müssen als im Schulterherein oder in der Traversale, da die Anforderungen an das Tier und damit die Kommunikationsinhalte verschieden sind. Es herrscht auch hier eine große kreative Freiheit.





