Die fitten Jahre sind vorbei

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Über den Oscar habe ich mich dann natürlich extrem gefreut. Ich kriege jetzt schon wieder feuchte Augen, wenn ich daran denke. Weil du kannst dir ja gar nicht vorstellen, wie man als Fach-Impersonator teilweise vonseiten der Medien, aber immer wieder auch von Künstler-„Kollegen“ behandelt wird, nämlich wie ein Mensch zweiter Klasse. Aha, dieser Dodl, heißt es da geringschätzig, der singt ja nur den Freddie Mercury nach, oder den Elvis oder den Elton John, das ist ja kein Original-Genie. Ich kenne viele, denen diese ständigen Benachteiligungen wirklich zu schaffen machen, an denen nagt das. Einige von euch können sich sicher an den Thilo von der Chemnitzer Queen-Tribute-Band German Magic Miracles erinnern, ein ganz großer Mercury-Interpret mit einer makellosen Mikrostangl-Technik. Der hat genau wegen dieser Geringschätzung zum Saufen angefangen und in weiterer Folge letztes Jahr einen Schlaganfall gehabt, da hängt er immer noch dran. Mittlerweile singt er aber wieder, gottseidank, in einer U2-Coverband halt.
Auf jeden Fall: Was der Rami geschafft hat, das ist ein Präzedenzfall, weil er hat ja den Oscar nicht für irgendeinen geschissenen Hamlet-Monolog gekriegt oder für eine Ganslhaut-Liebesszene, sondern dezidiert für sein naturgetreues Nachbauen der Live-Aid-Moves vom Freddie – im Prinzip das kleine Einmaleins für einen jeden FM-Interpreten, aber das ist wurscht. Wichtig ist, dass er den Oscar geholt hat, stellvertretend für die vielen, vielen Impersonatoren und Doubles da draußen, die sich Abend für Abend den Arsch aufreißen bei ihrer Arbeit, also auch für mich. Ich möchte mich hiermit herzlich bei der Oscar-Academy bedanken!
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Fleisch essen die Leute ja gern
Gisela aus Vorarlberg schreibt: „Herr Austrofred, ich verfolge Ihr literarisches Werk schon seit langem und schätze es sehr. Allerdings muss ich sagen, dass mir Ihr hoher Fleischkonsum, wie er immer wieder thematisiert wird, große Sorgen bereitet. Haben Sie Ihre Cholesterinwerte auch sicher im Auge?“
Liebe Gisela,
ich gebe zu, ich bin ein bisschen ein Fleischtiger – was sich ja auch in kulinarischen Buchtiteln in meinem Œuvre wie Pferdeleberkäse oder Ich rechne noch in Schnitzel widerspiegelt –, aber zu sagen, ich esse nur Fleisch, das ist schon eine arge Verkürzung! Weil klar, alle österreichischen und mitteleuropäischen Traditionsgerichte sind Fleischspeisen – aber es gibt meiner Meinung nach genügend Beilagen und Desserts, dass auch der Vegetarier nicht verhungert. Mein Credo ist: Der Mix machts aus! Weil heutzutage glaubt ja der Laie, dass ein Salat nur gesund ist und ein Fleisch nur giftig. Klar, ein Salat hat wahrscheinlich mehr Vitamine als ein Fleisch, aber auf der anderen Seite kannst du, wenn du in ein Lokal gehst, nie wirklich wissen, wie lange so ein Salat schon herumsteht und ob der nicht verdorben ist und schon Keime gebildet hat. Ich meine, ein Fleisch kann natürlich theoretisch auch verderben, aber normalerweise bleibt ein Fleisch bei uns nicht so lange stehen wie ein Salat, weil ein Fleisch essen die Leute ja gern.
Bei alledem, möchte ich ergänzen, ist es mir eklatant wichtig, dass man immer auch schaut, wie geht es den Tieren, haben die ein glückliches Leben gehabt, werden die auch fair behandelt. Erst wenn ich sagen kann, „Bruder Kalb, ich danke dir für diesen Tafelspitz“, ist ein Verzehr auf Augenhöhe möglich. Weil speziell, wenn man sich anschaut, was zum Beispiel in der Pelzindustrie passiert, wo das ja teilweise in Richtung Tierquälerei geht, das finde ich nicht gut. Ich selber, muss ich zugeben, habe zwar auch einen Pelzmantel, aber der ist gebraucht, den trage ich im Prinzip nur auf. Der hat früher einmal einem Fuchs gehört.
PS: Jetzt habe ich mich doch glatt bei meinen eigenen Buchtiteln verdappelt: Ich rechne noch in Schilling hat mein frühes Meisterwerk natürlich geheißen, nicht Ich rechne noch in Schnitzel! Daran sieht man wieder einmal: Ein leerer Bauch studiert nicht gern. Weil vor lauter Schreiben habe ich ganz aufs Essen vergessen. Also, ich hau mich jetzt zum Wirten! Mahlzeit!
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Ja, bitte, mit wem denn?
Mario Fischer aus München schreibt: „Entschuldigung, dass ich gleich mit einer Provokation eröffne, aber was haben Ihnen, sehr geehrter Herr Austrofred, ein Stevie Wonder, ein David Bowie oder eine Jennifer Lopez voraus? Richtig: Sie alle haben berühmte Duette mit anderen Prominenten gesungen […] Warum war der Champion also bisher immer ,nur‘ solo zu erleben? Haben wir Fans nicht das Recht bzw. ein Austrofred sogar die Pflicht, auch mal mit einer Taylor Swift oder einer Stefanie Werger zu performen?“
Lieber Mario,
ich verstehe die Motivation hinter deiner Anregung, möchte aber mit einer Gegenfrage antworten: Ich weiß jetzt nicht, was für einen Beruf du ausübst, Mario, aber gehen wir einmal davon aus, du bist, Hausnummer, ein Gerichtssachverständiger, und zwar ein sehr guter, vielleicht der beste, und du bist dir auch deiner herausragenden Kompetenzen bewusst. Du hast das ja studiert und alles, Zusatzausbildungen gemacht, ein Diplom in San Francisco etc. Gehen wir weiter davon aus, du kriegst, Hypothese, für ein Gutachten zehntausend Euros als Honorar. Jetzt meine Frage: Wieso solltest du diese zehntausend Euros mit einem anderen, höchstwahrscheinlich weniger kompetenten Kollegen teilen, der dir in Wirklichkeit nur Rechtschreibfehler in dein gut durchdachtes und formal perfektes Gutachten hineinschreibt? Weißt, wie ich meine?
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Fairer Umgang mit Tieren
Heli aus Linz fragt: „Sehr geehrter Herr Austrofred, ich wohne in einer WG mit einer sehr lieben Mitbewohnerin und ihrer leider vollkommen gestörten Katze, die mir schon mehrfach ins Zimmer geschissen hat, letzthin sogar ins Bücherregal. Wie soll ich mich verhalten? Kann ich der Katze Gift ins Futter mischen und trotzdem weiterhin ein gutes Verhältnis zu meiner Mitbewohnerin haben?“
Lieber Heli,
zuallererst musst du einmal das Gespräch mit deiner Mitbewohnerin suchen und offen mit ihr die Problematik diskutieren. Das bringt zwar in diesem Fall überhaupt nix, aber es gehört sich halt heutzutage. Leider fällt durch das Gespräch dann auch die Gift-Variante weg, weil da wärst du dann natürlich der Tatverdächtige Nummer eins.
Wobei ich diese Gift-Idee, ehrlich gesagt, schon von Haus aus nicht sehr gut finde, weil ich bin ein großer Freund von Katzen beziehungsweise überhaupt allgemein von Lebewesen. Und nachdem du mir auch schon davon geschrieben hast, müsste ich dich eigentlich dann auch anzeigen.
Vielleicht solltest du die ganze Geschichte einfach nicht zu persönlich nehmen. Du schreibst ja, die Katze hat dir auf die Bücher geschissen – hat sie zufällig öfter mit dem Literaturbetrieb zu tun? Ich nämlich schon, und wenn das bei besagter Katze auch so ist, dann tät ich sagen, ist ihre Aktion in einem gewissen Ausmaß durchaus verständlich.
Am besten fände ich ja, nachdem wir uns in einem Rechtsstaat befinden, ein geordnetes gerichtliches Vorgehen gegen die Katze. Leider gibt es so etwas aber nicht beziehungsweise nicht mehr. Vor kurzem habe ich beim Zahnarzt in einer Zeitschrift einen super Artikel gelesen, laut dem zum Beispiel im 15. Jahrhundert in Frankreich eine Sau wegen Mordes an einem Kind am Galgen aufgehängt worden ist. Sie ist, während die Eltern auf dem Feld waren, ins Haus gerannt und – ich kann wörtlich zitieren, ich habe mir die Zeitschrift nämlich gefladert, weil bei meinem Zahnarzt trifft es eh keinen Armen – „aß das Gesicht und den Nacken“ des Säuglings aus der Wiege. So ist das in den Gerichtsakten gestanden.
Die angeklagte Sau war aber kein Einzelfall, sondern solche Verfahren hat es zu Hunderten gegeben. Ebenfalls in Frankreich ist zum Beispiel ein Rudel Ratten vor Gericht geladen geworden, weil sie die Gerstenernte in ihrem Dorf vernichtet haben. Sie sind dann allerdings nicht zur Verhandlung erschienen, weil, wie ihr Pflichtverteidiger überzeugend dargelegt hat, die Anreise wegen der wachsamen Katzen zu riskant gewesen wäre. Auch ein Hahn, der wider die Natur ein Ei gelegt hat, ist verurteilt worden, sowie eine Sau, die eine geweihte Hostie gefressen hat, was sich auch nicht gehört.
Jetzt darf man nicht glauben, dass die Leute damals so dumm waren im Vergleich zu uns weltklassemäßigen 21.-Jahrhundert-Menschen. Im Gegenteil, vielleicht war dieser Umgang sogar gescheiter als unser heutiger, wo ein jeder Hund, der einmal einen Nordic Walker in den Hintern zwickt, sofort eingeschläfert wird. Damals hat er zumindest einen ordentlichen Prozess gekriegt. Außerdem kann ich mir vorstellen, dass das zum Beispiel für die Eltern, wo die Sau das Kind zerbissen hat, psychologisch leichter zu verarbeiten ist, wenn das einen gerichtlichen Gang geht und die Sau gescheit bestraft wird. Sicher ist sie da auch ein bisschen ein, sag ich einmal: Sündenbock, aber wahrscheinlich brauchen die Eltern genau so einen.
Im Fernsehen war einmal ein Bericht über einen Prozess gegen einen Lkw-Fahrer, der im Sekundenschlaf einen Unfall mit mehreren Toten verursacht hat. Da hat man gesehen, wie die Mutter von einem Opfer zu dem Mann hingegangen ist und ihm ins Gesicht gespuckt hat. Zuerst hat mir der Mann leidgetan. Ich meine, der arme Hund wird eh sein Leben lang mit dieser Riesenschuld zu kämpfen haben, nur weil er getan hat, was Millionen Lastwagenfahrer jeden Tag tun, nämlich viel zu lange am Stück hinter dem Lenkradl sitzen. Gleichzeitig hat mir auch die Frau leidgetan, klarerweise, weil wie soll die mit dem Verlust von ihrem Sohn denn auch umgehen? Dass der einfach ein Pech gehabt hat, das kann einen in so einer Situation nicht befriedigen. Für sie muss der Lkw-Fahrer von Grund auf böse sein, und er muss bestraft werden, damit sie das verarbeiten kann.
Der Mensch ist, wenn man es sich genau überlegt, wirklich ein armseliges und bedürftiges Wesen. Wir sollten ihm gegenüber gnädig sein, wann immer wir mit einem Exemplar dieser Gattung zu tun haben.
PS: Ah ja, wegen der Katze noch: Ich würde die offene Konfrontation vermeiden, weil ihr werdets ja noch länger zusammenwohnen und euch über Raumsauberkeit und Fernsehprogramm verständigen müssen. Am besten, du spendierst ihr mal eine Schachtel Kitekat, dann weiß sie: Aha, der Heli ist mein Haberer, der kauft mir Qualitätsfutter, dem scheiß ich nicht mehr auf die Literatur.
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Bettenfrage
Martin Schraml fragt auf charmant knappe Art: „Bettdecke immer mit der zu öffnenden Seite zu den Füßen?“
Lieber Martin,
diese Frage lässt sich mit einem klaren Ja beantworten, weil wenn man halbwegs ein sensitiver Mensch ist, dann geht einem das einfach auf den Sack, wenn man die ganze Nacht einen Knopf oder einen Reißverschluss im Gesicht hat. Aus dem professionellen Trankler- und Alkoholikerbereich, mit dem ich passiv immer wieder einmal in Berührung komme, ist mir zwar bekannt, dass es auch Leute gibt, die die offene Seite gerne beim Kopf haben, damit sie im Bedarfsfall in den Innenbereich der Tuchent hineinspeiben können, aber für den Normalbürger, sage ich einmal, ist das weniger relevant, zumal man sich selber ja relativ einfach abduschen kann, ein gutes Schafwollprodukt kann nach dem Angespiebenwerden aber schon einmal zum Wegschmeißen sein, weil der Geruchs-Mix aus Bio-Wolle und Erbrochenem, der ist nicht schön. Ein bisschen, wie wenn dir ein ausgewachsener Schafbock direkt ins Gesicht rülpst, worauf du sagen wirst, ja Fred, ist dir das gar schon passiert, worauf ich sage, was mir schon alles passiert ist, das willst du gar nicht wissen.

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Schuhberatung
Lex aus Wien fragt: „S. g. Herr Austrofred, eine persönliche Frage. Habe Jogging High gekauft. Welche Staberl tu ich am besten rein? Rot, blau, weiß, und in welcher Kombination? Gibts quasi eine Sommer-/Winterreifen-Guideline bzw. Stage- vs. Reallife-Empfehlung? Bitte um Experteneinschätzung.“
Lieber Lex,
meiner bescheidenen Erfahrung nach macht es überhaupt keinen spürbaren Unterschied, welche Dämpfungsstäbchen du dir in die Sohle von deinen Jogging High hineinschiebst. Ich halte das eher für einen Schmäh der Firma Adidas und täte dir von dem her empfehlen, die Staberl nach deinen eigenen Kriterien zu stecken, z. B. an Nationalflaggen angelehnt. Mit Blau, Rot und Weiß kannst du schön die Länderfarben von Frankreich, Kroatien oder den USA stecken, auch die von Polen und Österreich natürlich. Oder du lässt dich einfach von deinem ästhetischen Empfinden leiten, wie ja schon beim Kauf dieses zeitlos-formschönen Sportschuhs.
Bei der vor einigen Jahren kurzzeitig erhältlichen Wiederauflage des Schuhs waren die Staberl übrigens nicht herausnehmbar, wobei ich das persönlich aber jetzt gar nicht hundertprozentig bestätigen kann, weil ich wollte mich zwar eindecken damit, habe dann aber ein Angebot von einer Sportartikelfirma gekriegt, dass sie ein Foto von mir machen wollen, für Werbezwecke, und dafür kriege ich dann zwanzig Paar Jogging High für mich und meine Fans gratis zur Verfügung gestellt. Ich braves Oberösterreicherlein habe meinen Teil dieser Abmachung natürlich prompt und brav eingehalten, was sich aber leidergottes von besagter Sportartikelfirma nicht behaupten lässt. Der Mitter Klaus, meine linke Hand, hat oftmalig nachgefragt, bitte, was ist mit unseren Schuhen, aber nichts, die haben uns anrennen lassen. Wie ich dann endlich gecheckt habe, dass die mich nach Strich und Faden verarscht haben, war der Schuh schon wieder ausverkauft.
Es ist wirklich mit das Oascheste, was es gibt, wenn man grundsätzlich die höchsten Ideale hat, und dann wäre man ein einziges Mal im Leben ein kleines bisschen käuflich, und dann kriegt man aber die Kohle nicht.
Ganz ehrlich: Footwear verkaufen ohne Handschlagqualität – das geht für mich nicht zusammen.
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Senile Bettflucht
Thomas Huber aus Waidhofen (an der Ybbs, nicht Thaya) fragt: „Mich würde interessieren, wie Sie sich Ihr Leben in der Pension vorstellen. Weil wenn ich mir so einen Bob Dylan oder Mick Jagger anschaue, die mit ihren gefühlten 80 Jahren noch immer auf den Konzertbühnen der Welt herumkrebsen, denke ich mir schon, dass die besser ihre verdiente Ruhe genießen sollten und lieber den Tag mit den Enkerln im Garten verbringen sollten.“
Lieber Thomas,
wenn du mir dieselbe Frage vor dreißig Jahren gestellt hättest, hätte ich dir sofort recht gegeben. Ich kann mich erinnern, dass es mich aus meiner damaligen Perspektive heraus (fünfzehn Jahre, Bezirk Steyr-Land) teilweise richtiggehend gegraust hat vor diesen alten faltigen, über vierzigjährigen Personen – Mick Jagger, Tina Turner, Rod Stewart etc. –, die sich da auf der Bühne produziert haben und nicht zum Beispiel im Kirchenchor, wie es ihnen altersgemäß angestanden wäre. Hat jeder gefunden. Und wieso haben die keine Seniorenkleidung an? Heute dagegen, wo ich selber 45 (bzw. knapp drüber) bin, graust es mich vor fünfzehnjährigen Popstars. So hat ein jeder Ekel seine Zeit, und das ist ja auch gut und richtig so.
Hier noch vier Argumente, warum du meiner Meinung nach falsch liegst:
Erstens: Ein Bühnenmensch geht nicht in Pension, kann er gar nicht, weil die Bühne ist ja eine Sucht. Und wieso sollte er auch? Ich kenne Leute, die haben aus meiner Sicht vollkommen sinnlose Berufe (Schas lassen im mittleren Management), aber die machen das gern und wollen gar nicht aufhören damit. Wieso soll dann wer in Pension gehen, der so einen lässigen Beruf wie Rockstar hat?! Ist Gartenarbeit wirklich so viel schöner?
Zweitens: Die Tourneen von denen dauern ja nicht das ganze Jahr. Wenn der Bob Dylan drei Monate auf Tour ist, dann hat er immer noch neun Monate Zeit, dass er daheim seine Gartenzwergerl schnäuzt.
Drittens: Eine Tour muss nicht automatisch Trennung von der Familie bedeuten. Wenn der Mick Jagger will, dann kann er sich easy alle seine Enkerl zum Tourstopp in Rio einfliegen lassen, sofern die nicht überhaupt Teil vom Team sind, weil das ist ja gang und gäbe mittlerweile. Bei vielen Stars spielen die Kinder sogar in der Band. Der Phil Collins und der Art Garfunkel fallen mir ein, und natürlich der Roger Taylor, dem sein Sohn Rufus seit ein paar Jahren bei den Restl-Queen mittrommelt.
Und was ich viertens but not least auch noch zu bedenken geben möchte: Warum soll es beim Mick Jagger anders sein als bei meinem Nachbarn, dessen Frau auf die Frage, ob sie das nicht ärgert, dass er so viel im Wirtshaus sitzt, immer sagt: „Daheim ist er eh nur lästig.“
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Geografie I
Peter Zeitlhofer aus Urfahr fragt: „Sehr geehrter Herr Austrofred, lieber Champion, seit wir in Linz-Urfahr leben, quält meine Frau und mich eine bestimmte Frage. Sind wir jetzt Mühlviertler? Oder gehört Urfahr doch noch zum Linzer Becken? Du als geografisches Urviech kannst uns da sicher helfen.“
Lieber Peter,
grundsätzlich finde ich: Was der Herrgott mithilfe der Donau getrennt hat, soll der Mensch nicht sinnlos zusammenfügen. Von dem her halte ich Urfahr als im Mühlviertel befindlichen Stadtteil der an sich Traunviertler Landeshauptstadt per se für eine Perversion.
Andererseits ist zwar der Herrgott, sofern existent, für die Erschaffung von Flussläufen zuständig, für die Erfindung und Instandhaltung von Grenzen sind es aber wir Menschen, und dass wir uns über der Donau einen grundsätzlich unterschiedlichen Menschenschlag vorstellen, das basiert zwar teilweise auf der einen oder anderen Beobachtung – und der durchschnittliche IQ eines Mühlviertlers ist sicher auch schon einmal wissenschaftlich gemessen worden, falls messbar –, ist aber im Prinzip ein Vorurteil. Es macht dich also, lieber Peter, nicht zu einem anderen Menschen, ob du jetzt ein Linzer oder ein Mühlviertler bist.
Und Vorurteile sind ja ein Hund: Vor kurzem bin ich hinter einem Auto mit Rohrbacher Taferl hergefahren und aufbauend auf dreißig Jahren unfallfreier Autofahrer-Erfahrung habe ich mir die ganze Zeit gedacht, typisch Rohrbacher, so geschissen fahren sie wirklich sonst nirgends. Du weißt schon, sechzig auf der Landstraße, achtzig im Ortsgebiet. Bis ich gecheckt habe, dass der ein deutsches RO-Taferl gehabt hat und er also gar nicht auf eine typisch Rohrbacher, sondern auf seine ganz eigene urtümlich Rosenheimer Art geschissen gefahren ist! (Was in keinster Weise eine Verteidigung der Rohrbacher sein soll.)
Wobei ich dazusagen muss: Gaudihalber ein bisschen Vorurteile pflegen, das kann schon auch etwas Schönes und Freudiges sein, weil das heißt ja auch, dass man sich mit dem anderen auseinandersetzt. Und ganz ehrlich, in einer Welt ohne Mühlviertlerwitze möchte ich nicht leben! Ich hoffe, ich verletze damit nicht die Gefühle dieser Randgruppe, die es eh schon hart genug hat, weil natürlich will kein Mensch gern ein Mühlviertler sein. Du auch nicht, Peter, das zeigt mir deine Frage deutlich, aber, und jetzt komme ich zu meiner ultimativen Antwort: Du bist einer. Lerne, mit dieser „Besonderheit“ umzugehen.
Im Übrigen, ganz unter uns: „Linzer“ ist eh auch nicht gerade ein Adelsprädikat.
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Geografie II
Martin Leibetseder aus St. Martin im Mühlkreis fragt: „S. g. Herr Austrofred, ich frage mich schon seit geraumer Zeit, warum ein Künstler Ihres Formats, der ständig auf der Überholspur lebt, sich trotz 140km/h-Beschränkung* auf österreichischen Au(s)t(r)obahnen so im Erfolg bremsen lässt? Haben Sie schon mal über einen Ortswechsel nach Deutschland nachgedacht?“
Lieber Martin,
aus den von dir genannten Gründen (potenziert durch den Faktor Oktoberfest) habe ich schon seit Jahren einen kleinen Zweitwohnsitz in München. Das ist zwar karrieretechnisch kein Nachteil, aber ich sage dir ganz ehrlich: Es schießt dich jetzt auch nicht auf den Mond. Ich habe festgestellt, dass die Münchner Rockkünstler nicht glücklicher sind als die in Österreich. Auch sie sind – so wie du – der Meinung, dass woanders das Gras grüner ist. Meiner Erfahrung nach ist es aber meistens nicht grüner, sondern es ist nur anders grün.
Weil es ist ja so, dass es seit jeher den künstlerischen Menschen dorthin zieht, wo was los ist – von Fürstenfeld nach Wien beispielsweise –, weil dort, wo was los ist, so denkt er sich, da wird mein überragendes Talent erkannt. So einer wie ich, der das seltene Glück gehabt hat, dass sein überragendes Talent in Wien erkannt worden ist, könnte sich jetzt denken, wenn ich jetzt nach Berlin gehe, vielleicht wird mein Talent dort noch mehr erkannt!? (Und im Zweifelsfall ist der Markt größer, Faktor 10, schadet auch nix.) Und so gehen die Besten der Besten nach Berlin, oder überhaupt gleich nach London oder New York, wo dann oft ein Rudel von bis zu fünfzehn genialen Songwritern/Sängern/Malern etc. in einer WG zusammenwohnt. Aber anstatt dass ihr Genie erkannt wird, müssen sie sich anfahren lassen, weil sie die letzte Raviolidose ausgeleckt haben oder weil es immer so nach Spargel fäult, wenn sie am Klo waren.
Und ich meine, da rede ich jetzt von wirklich guten, talentierten Leuten! Top-Künstler! Ich rede nicht von der Angi und der Babsi aus der Steiermark, die Model werden wollen und sich deswegen Brooke Undermoore und Pinka Foyd nennen und nach Paris gehen, was der Kleinen-Zeitung-Regionalseite sogar die Schlagzeile „Vom Lagerhaus zu Lagerfeld“ wert ist, und akrat, wie sie hinkommen, stirbt besagter Lagerfeld und also ihr einziger Plan. Dann setzen sie sich in den Gastgarten von einem romantischen Café, wo sie aber gleich vom Garçon verjagt werden, weil dort, wo sie sitzen, dürfen nur die Schönen und Reichen sitzen. Yes, but where can we sit then, fragen die Angi und die Babsi, aber leider nuschelt der Kellner dann irgendwas Französisches, was in etwa auf das hinausrennt, dass im Endeffekt leider überall nur die Schönen und Reichen sitzen dürfen und sie nicht. Also, von den beiden rede ich nicht, sondern ich rede von richtigen Talenten, die es nicht schaffen in Berlin und in London, in Los Angeles und in New York …
Lieber Martin, du kennst ja sicher das Sprichwort vom Einäugigen, der unter den Blinden der König ist? Ich verrate dir jetzt was: Damit lebt es sich gar nicht so schlecht!
* Der Fragesteller beruft sich hier auf den kurzfristigen Versuch eines kurzfristigen Verkehrsministers, in Österreich kurzfristig höhere Tempolimits einzuführen.
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Ich bin ein emotionaler Mensch
Sandra H. aus Graz schreibt: „Herr Austrofred, weinen Sie eigentlich auch manchmal oder sind Sie wirklich der knallharte Typ, als den man Sie kennt?“
Liebe Sandra,
vielen Dank für diese Frage, die mir die Chance gibt, dass ich das Austrofred-Image in der Öffentlichkeit ein bisschen zurechtrücke, weil es soll auf keinen Fall das Bild entstehen, dass ich so ein harter unemotionaler Typ bin. Gerade das weibliche Publikum schätzt es meiner Erfahrung nach sehr, wenn ein Mann auch weinen kann. Kann. Es sollte halt nicht zu oft sein, weil sonst heißt es schnell, du bist ein Lulu.
Ich selber kann mich in meinem Erwachsenenleben an zwei Situationen erinnern, wo ich geweint habe. Das erste Mal war am Schluss von dem Film Cool Runnings, wo die Jamaikaner ihren Bob ins Ziel tragen, wers gesehen hat, und das zweite Mal, wie mir meine Briefwaage hinuntergefallen ist.
Dazu muss ich sagen, dass mich meine Briefwaage seit dem Anfang meiner Karriere treu begleitet hat. Damals habe ich viele Promo-Packages, Demos, VHS-Mitschnitte etc. an Veranstalter und Medien geschickt und die naturgemäß immer abgewogen, damit ich weiß, wie viel Porto ich draufpicken muss. Später, wie das Geschäft angefangen hat zu rennen, habe ich auch viele Bestellungen aus meinem Onlineshop verschickt. Gemeinsam haben meine Briefwaage und ich über die Jahre sicher an die zehntausend Packerl postfertig gemacht. Irgendwann hat sich das aber aufgehört, weil es unüblich geworden ist, dass man Promo-Packerl verschickt – das rennt jetzt alles übers Internet – und für den Shop-Versand habe ich heute Angestellte, die das erledigen.


