Die fitten Jahre sind vorbei

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Wie die Österreichische Post vor einigen Jahren ihr Tarifsystem dahingehend geändert hat, dass das Porto jetzt nicht mehr rein nach Gewicht berechnet wird, sondern zusätzlich auch noch nach den äußeren Maßen, der Kubatur und der atomaren Ladung, war die Briefwaage dann gar nicht mehr in Betrieb, weil seither ist Frankieren ja eine Wissenschaft auf Bachelor-Niveau – ach was, weit über den Bachelor hinaus, das ist fast ein richtiges Studium! –, sodass ich meine Sachen nicht mehr einfach in den Briefkasten schmeißen kann, sondern wegen jedem Schas extrig zum Schalter dodeln muss.
Auf jeden Fall bin ich dann einmal bei einem Staging Rehearsal mit dem Mikrostangl blöd an der Briefwaage angekommen, sie fällt herunter, tausend Teile – und genau in dem Moment habe ich angefangen zu flennen. Meine Choreografin hat gar nicht gewusst, wie ihr geschieht, aber ich habe einfach nicht aufhören können. Ich weiß bis heute selber nicht, wieso mir da wegen so einem im Endeffekt nutzlosen Trumm so das Häferl übergegangen ist. Zum Postversand habe ich sie ja wirklich nicht mehr gebraucht und als Küchenwaage auch nicht, weil von den vier Gerichten, die ich persönlich regelmäßig koche (Frankfurter, Eierspeis, Wiener Schnitzel, Coupe Dänemark), ist nur beim Schnitzel ein Mehl dabei, das man abwiegen könnte, und da weiß ich instinktiv, wie viel ich brauche. Einen Kuchen zum Beispiel koche ich nie.
Wahrscheinlich habe ich einfach einen Lebensabschnitt beweint, der durch die Briefwaage quasi symbolisiert war, und wo mir in dem Moment bewusst geworden ist, dass der unweigerlich vorbei war. Ja, der Mensch ist wie eine Dusche: Wenn du es geschafft hast, dass du alle Löcher am Duschkopf zuhältst, dann spritzt dir das Wasser aus irgendeiner undichten Stelle am Schlauch heraus.
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Hin und wieder haut auch etwas nicht hin
Justus aus Ingolstadt fragt: „Herr Austrofred, Sie sind bekanntermaßsen in vielen Bereichen talentiert und zu Recht mit Erfolg verwöhnt. Gelingt Ihnen denn hin und wieder auch einmal etwas nicht?“
Lieber Justus,
freilich haut auch bei einem Austrofred manchmal etwas nicht hin. Das Publikum hat ja den Vorteil, dass es nur meine fertigen Hits kennenlernt, die perfekten Shows, die Highlights, aber die Lieder oder Texte, an denen ich scheitere, die kriegt es gottseidank nicht mit.
Ein Beispiel: Vor einigen Jahren habe ich auf der Bühne im Großen Saal des Linzer Posthofs einen spontanen Witz gebracht, wo sich die Leute teilweise angespieben haben vor Lachen, aber wie ich ihn dann in einem Buch verewigen wollte, hat er auf einmal nicht mehr hingehauen. Dazu muss man wissen, dass in Linz das ehemalige Gugl-Stadion, in dem immer wieder auch die größten Popstars auftreten, seit einigen Jahren Tips Arena heißt, nach einem gleichnamigen regionalen Gratis-Programmheftl, das zweifelsohne gut gemacht ist und sehr praktisch sein kann, wenn man eine Kino-Beginnzeit sucht, das aber im Prinzip kein normaler Mensch liest oder benutzt, außer vielleicht am Häusl. Ausgehend davon habe ich den Weltschmäh gebracht, dass ich bei mir daheim meine eigene Tips Arena habe – „die hat zwar nur einen Sitzplatz, aber der Austrofred hat dort schon oft eine exzellente Show abgeliefert.“ Ich schwöre dir, in Linz damals hat der Witz eingeschlagen wie eine Bombe, aber die Verschriftlichung will und will mir einfach nicht gelingen.
Übrigens, dass ich extrig geschrieben habe, dass ich im Großen Saal vom Posthof gespielt habe, das war nur wegen der Verwechslungsgefahr, weil es gibt ja im Posthof auch einen Mittleren Saal, in dem hat aber an diesem Tag der Kabarettist Thomas Maurer gespielt. Das schreibe ich aber wirklich nur der Vollständigkeit halber her, nicht vielleicht wegen irgendeinem kindischen Größenvergleich im Sinne von: Öha, der Austrofred spielt im Großen Saal und der Thomas Maurer nur im Mittleren. Weil das wäre nicht mein Stil. Wobei man dazusagen muss, dass der Große Posthofsaal schon wesentlich größer ist als der Mittlere Posthofsaal. Ich glaube, es passen fast dreimal so viele Leute hinein.
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Bezüglich Weltuntergang
Vanessa Wieser aus Wien fragt: „Herr Austrofred, wie lange gibt es die Menschheit noch?“
Liebe Vanessa,
das ist eine hochprofunde Frage und ich bin froh, dass ich dir darauf auch eine profunde Antwort geben kann: Es wird auf unserer Erde noch circa 500 bis 600 Jahre lang menschliches Leben geben, plus minus ein paar Zerquetschte. Ich kann dir das zwar jetzt nicht exakt auf Punkt und Komma vorrechnen, wie ich da drauf komme, aber ich habe grundsätzlich ein ziemlich gutes Gefühl für solche Sachen und bin auch sehr gut im Schätzen.
Dass ich so gut schätzen kann, macht mich übrigens bei den Konzertveranstaltern nicht nur beliebt, weil irgendeinem 08/15-Kabarettdodl können sie schnell erzählen, dass sie 280 Sitzplätze haben, jaja, aber ich als Profi habe in Sekundenschnelle abgecheckt, dass es in Wirklichkeit 295 sind und dass mich der anschwanern will. Und fünfzehn Zahlende Unterschied, das ist nicht nichts, das macht bei einem Ticketpreis von, sagen wir, 20 Euros, 300 Euros aus, und wenn wir einen üblichen 70/30er-Deal machen (70 Prozent kriegt der Künstler, 30 Prozent plus das, was die Leute an der Bar saufen, kriegt der Veranstalter), reden wir von einer Betrugssumme von immerhin 210 Euros. Es haben schon Leute wegen weniger eine in die Goschn gekriegt.
Eine Meisterschätzung ist mir übrigens gelungen, wie ich mein Hörbuch Du kannst dir deine Zauberflöte in den Arsch schieben – Mein Briefwechsel mit Wolfgang Amadeus Mozart produziert habe. Ich kann mich noch erinnern, wie wenn es gestern gewesen wäre, wie mein Sound Engineer Lipp David und ich am Parkplatz eine geheizt und auf den Kammerschauspieler Heinz Zuber gewartet haben, der mir die Mozart-Briefe gelesen hat. „Ich bin neugierig“, hat der Lipp David gesagt, „was ein solcher wie der Kammerschauspieler Zuber für ein Auto hat. Sicher ein nobles.“ „Ich sage dir, was der für ein Auto hat“, habe ich gesagt, „einen Skoda Oktavia hat der. Weil ich schätze den Kammerschauspieler Zuber als einen feinen Menschen ein, der zwar einen gewissen Komfort auf jeden Fall schätzt, der aber deswegen nicht 5000 Euros Deppen-Aufpreis fürs VW-Logo zahlt.“ Und was soll ich sagen? Im selben Moment biegt ein silberner Skoda Oktavia herein und dem Lipp David steht das Ladl offen.
So viel zum Weltuntergang.
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Beer Price Riots
Nicole aus Bad Ischl fragt: „Herr Austrofred, vor kurzem wurde eine Studie zum Bierkonsum in den EU-Ländern veröffentlicht, bei der Österreich nur auf dem dritten Platz (hinter Tschechien und Deutschland) gelandet ist. Das deckt sich nicht mit meiner Wahrnehmung. Was läuft da falsch?“
Liebe Nicole,
du hast recht, selbstverständlich wird in weiten Teilen Österreichs mehr oder zumindest genauso viel Bier getrunken wie in der Tschechei. Leider drückt halt der übertriebene Wein-Konsum in den balkannahen Bundesländern Wien, Niederösterreich, Burgenland und Steiermark den stolzen westösterreichischen Bier-Quotienten. Dass das in der von dir zitierten Statistik nicht bereinigt ist, zeigt nur, wo sich die Herren Statistiker ihre Statistik hinschieben können, nämlich hinten hinein. In einer mit Hausverstand erstellten Tabelle schauerte die Sache ein bisschen anders aus, da müssten sich die Tschechen warm anziehen.
Der erste Platz – noch vor Österreichern und Tschechen – müsste freilich den Bayern gehören, das ist klar. Nirgendwo sonst auf der Welt gilt das tägliche Bier als Menschenrecht, nirgendwo anders identifizieren sich die Eingeborenen so stark mit einer Flüssigkeit. Aber nachdem der Freistaat ebenfalls nicht separat ausgewertet wird, sondern gesamtdeutsch, verzerren die Abstinenzler im protestantischen Norden auch hier massiv die Zahlen.
Ich gebe zu, dass ich mich jedes Jahr richtiggehend auf den öffentlichen Aufschrei freue, wenn in Bayern die Preise für eine Wiesn-Maß bekanntgegeben werden. Na, das gibt immer ein Hallo! Wahrscheinlich könnten an dem Tag die Merkel und der Papst in ihren Privatfliegern zusammenkrachen und es stünde im Münchner Merkur trotzdem nur auf Seite 3.
Freilich ist eine solche Erregung nichts Neues, Bier-Krawalle hat es in Bayern schon oft gegeben, den berühmtesten 1844. Damals ist der Preis für eine Maß von sechs auf sechseinhalb Kreuzer hinaufgesetzt worden. Die logische Folge: zwei Tote, über hundert Verletzte, 33 verwüstete Brauereien. Und das Militär, das ordentlich in den Aufstand hätte dreinfahren sollen, hat sogar den Befehl verweigert – im Endeffekt steckt halt in einer jeden Uniform auch nur ein (durstiger) Mensch.
In Oberösterreich hat es im 19. Jahrhundert ebenfalls einen Bieraufstand wegen einer Preiserhöhung gegeben: Am 1. Mai 1874 hat eine empörte Menge bzw. Gruppe bzw. Grüppchen die Brauerei an der Linzer Donaulände gestürmt und die Einrichtung von zwei Gaststuben durcheinandergebracht. Sicher, im Vergleich zu den Münchnern wirkt das relativ zahm, aber erstens ist dem Bayern das Bier vielleicht halt doch noch ein Eitzerl wichtiger als dem Oberösterreicher, der auch auf den guten heimischen Most ausweichen kann, und zweitens neigt er schon von Haus aus eher zur Rebellion.
Ich bin einmal in einem Zugabteil mit drei bayerischen Grazien im fortgeschrittenen Alter gesessen, und, ich übertreibe nicht, jede Story, die sie sich erzählt haben – und das waren etliche –, haben sie entweder kommentiert mit Da hast recht! oder mit Verboten ghörts! Jede einzelne. Als psychologieinteressierter Mensch erkenne ich darin die permanente Bestätigung der eigenen Gruppe bzw. die tief verwurzelte Skepsis den anderen gegenüber, ob sie jetzt von außen kommen oder oben sitzen. Jedenfalls: Der Bayer/die Bayerin lässt sich nichts gefallen. Von niemandem.
Das eher lethargische Lebensmotto des Oberösterreichers lautet dagegen, wie der Schriftsteller Franzobel einmal ganz richtig festgestellt hat: Des wenn i gwusst hätt! Sprich: Wenn ich rechtzeitig alle Fakten auf dem Tisch gehabt hätte, dann hätte ich selbstverständlich etwas gegen diesen oder jenen Missstand unternommen, aber nachdem ich leidergottes unwissend war, war ich glücklicherweise nicht zum Handeln gezwungen.
Übrigens ist Bayern das einzige Land in Westeuropa, wo Alkohol auf Baustellen noch erlaubt ist, so sehr gilt das tägliche Bier als Lebensgrundlage. Aus demselben Grund gibt es auch beim Schafkopfen – anders als bei unserem Bauernschnapsen – das Konzept des „Brunzkartlers“, also eines fünften Mannes als Einspringer, der übernimmt, wenn von den regulären Spielern einer aufs Klo muss. Sicher hängt das auch mit den überdimensionierten Biergefäßen zusammen, also der bayerischen Maß im Vergleich zum Wiener Krügel bzw. zu unserer Halben. Zumal ja ein doppelt so großes Glasl nicht automatisch bedeutet, dass der Bayer auch eine doppelt so große Blase hat. Eher sogar im Gegenteil, täte ich meinen.
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Pensionsvorsorge Musical
Georg Duschlbauer aus Linz schreibt: „S. g. Herr Austrofred, es gibt schon Musicals mit den Liedern von ABBA, Queen, Tina Turner oder Udo Jürgens. Gedenken Sie auch Ihre Hits zu einem Musical zu formen? Eine seichte, unwichtige Handlung wie bei den anderen Beispielen sollte ja schnell geschrieben sein. […]“
Lieber Georg,
vor einigen Jahren, wie diese Art von Pop-Greatest-Hits-Musical erstmalig aufgekommen ist, ist mir diese Frage schon ein paarmal in Interviews gestellt worden, und ich habe darauf immer ehrlicherund bescheidenerweise geantwortet, dass so was halt nur mit solchen gigantischen Song-Katalogen wie von den Queen, den ABBA oder auch den Bee Gees hinhaut, wo du wirklich 25 Lieder zusammenkriegst, die ein jeder kennt und die dich zu jeder Sekunde der Show vergessen lassen, was für ein Topfen die Handlung ist. Und das ist gar nicht negativ gemeint, weil das geht ja gar nicht anders, klar, die Lieder haben ja nichts miteinander zu tun, die haben keinen sinnvollen Zusammenhang, sondern das sind halt zufällig die 25 erfolgreichsten Bee-Gees-Nummern, da hat ja kein Top-Broadway-Texter feine Charakterisierungen hineingeschrieben. Genauso gut könntest du sagen, du schneidest wahllos fünfzig Artikel aus der Kronen Zeitung aus und das ist dann ein Roman.
Aber vielleicht muss ich da meine Meinung ein bisschen revidieren, weil natürlich ist so ein Musical ein Bombengeschäft, das bestätigt dir ein jeder Busunternehmer. Und nachdem in den letzten Jahren sogar schon Musicals aus den Liedern vom Rainhard Fendrich und vom Wolfgang Petry zusammengepudert worden sind, sollte ich mir das wirklich noch einmal neu überlegen.
Vom Falco gibt es mittlerweile sogar mindestens drei Musicals, und da ist ja die Songauswahl eigentlich nicht sehr groß, weil neben den bekannten Meisterstücken gibt es ja doch nicht wenige äußerst schwachmatische Falco-Nummern, das muss man auch einmal ganz ehrlich sagen. Weil der Falco hat für jeden Kommissar und jedes Vienna Calling auch drei Mal ganz tief in den Gatsch gegriffen. Ich kann es ja überhaupt nicht verputzen, wenn irgendwelche Würstel, die selbst noch nichts geleistet haben, eine Ikone wie den Falco anbrunzen, weil mit was für einer Berechtigung keifen solche Straßenköter den Mond an – aber von Mond zu Mond darf das auch einmal erlaubt sein.
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