Alles Liebe - zum Fest der Hiebe

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Die Empfindungen der Personen übertrugen sich auf ihren Körper. Sie sehnte, fühlte und litt mit ihnen. Dann folgte die erste Sexszene und Sabrina dachte, nur diese eine würde sie lesen, auch wenn es sie vielleicht anwidern würde, und dann hätte sie sich ausreichend genug informiert, um das Buch aus der Hand zu legen und mitreden zu können.
Aber es kam ganz anders. Sabrina empfand ein sinnliches Kribbeln, ein heißes ungestilltes Verlangen, je mehr sie den Text auf sich wirken ließ, sich zum einen wünschte und andererseits gleichzeitig fürchtete, das selbst auszuprobieren, was die Hauptdarstellerin erlebte. Dies war nicht einfach nur eine Liebesgeschichte. Dies war nicht einfach nur irgendein blöder Erotikroman. Es ging nicht nur um Sex und Leidenschaft. Das Thema war ein erregendes und sinnliches Spiel aus Dominanz und Unterwerfung, aus unterschiedlichen Neigungen, die mit dem passenden Partner ausgelebt werden durften, so dass Sabrina völlig vergaß, dass sie eigentlich nur ein paar Seiten hatte lesen wollen.
Die Handlung sprach ihr Innerstes an, und noch viel mehr, es regte ihre Sehnsucht nach einem Leben zu zweit, nach Liebe und nach Zärtlichkeit. Von Zeit zu Zeit begann es in ihrem Unterleib zu kribbeln. Nein, konnte es sein, dass diese Geschichte sie ein wenig erregte?
Als Sabrina es nach ihrem langen anstrengenden Arbeitstag trotz der spannenden Geschichte schließlich nicht mehr schaffte, sich zu konzentrieren und ihre Augen offenzuhalten, war es schon weit nach Mitternacht. Sehr viel später, als sie sonst zu Bett ging. Sie blieb einfach auf dem Sofa liegen, knipste das Licht der Leselampe aus und zog die Decke, in die sie sich gekuschelt hatte, bis über die Schultern.

»Nun, wie geht es Ihnen? Gibt es etwas Neues?«
Sabrina fuhr herum. »Sie schon wieder! Müssen Sie mich immer so erschrecken, Herr …?«
»Oh, tut mir leid, das wollte ich wirklich nicht.« Ihr Gegenüber machte eine zerknirschte Miene. »Und ich habe mich wohl letztes Mal nicht vorgestellt. Wie unhöflich von mir. Joachim Krummer. Aber nennen Sie mich doch bitte einfach Jo.«
Sein Lächeln strahlte, als ginge darum, mit einer Zahnpastawerbung zu überzeugen, und sein unschuldiger Dackelblick war nicht weniger umwerfend. Damit bekam er bestimmt jede rum.
Jede andere, korrigierte Sabrina in Gedanken, sie aber würde sich davon nicht einnehmen lassen. Außerdem, wenn er solche Bücher las, dann stand er bestimmt auch nur auf Frauen, die dem Schönheitsideal dieser Protagonistinnen entsprachen. Zwar haderte Sabrina nicht mit ihrer etwas fülligeren Figur und dem prallen Busen, dafür naschte und aß sie einfach viel zu gern. Andererseits war ihr bewusst, dass Frauen mit Kleidergröße 42 sich noch so gut kleiden mochten – Männer standen einfach mehr auf Modellmaße.
»Sabrina Tanner«, erwiderte sie der Höflichkeit halber.
»Nun Sabrina – haben Sie auf meine Empfehlung gehört und das Buch inzwischen gelesen?«
Zu gerne hätte sie verneint, es lag ihr auf der Zunge, ihm entgegen zu schmettern, dass ihn das überhaupt nichts anginge. Aber dieser Kerl hatte etwas an sich, etwas Magisches, das sie völlig aus dem Konzept brachte. Ehe sie dazu kam, ihm zu antworten, sprach er bereits weiter, leise, mit einem eigenartigen Unterton, der hier nicht hingehörte. »Sie haben es gelesen, ich sehe es. Es steht in Ihren wunderschönen Augen geschrieben.«
Das fehlte ihr noch, dass er versuchte sie mit Schmeicheleien zu umgarnen. Zwar gab es nicht viele Frauen, die außergewöhnlich grüne Augen hatten wie sie. Das war ihr sehr wohl bewusst, und diese Farbe passte sowohl zu ihrem Teint mit den Sommersprossen als auch zu ihrer naturroten Haarfarbe. Nixe hatte sie deswegen einer ihrer früheren Liebhaber genannt. Dennoch. Er sollte sie in Ruhe lassen!
Jetzt lächelte er wieder, aber anders als zuvor. Wissend, selbstbewusst. Dabei sinnlich, geradezu verführerisch. Ehe Sabrina begriff, was er vorhatte, beugte er sich auf einmal zu ihr herunter, legte seine Hand in ihren Nacken, zog sie sanft an sich und küsste sie. Sein Kuss war köstlich und zugleich fordernd, die Frische von Pfefferminz drang in ihren Mund ein und seine Zunge suchte die ihre, klopfte zärtlich an und kostete sie.
Schwindel ergriff Sabrina und sie hatte Angst, dass ihre Beine wegsackten.
»Wann hast du Feierabend? Ich hole dich ab«, fragte er, kaum dass er sie losgelassen hatte. Dem bestimmenden Tonfall nach zu urteilen war dies jedoch nur eine rhetorische Frage. Ihm ging es wohl zu gut?
Sabrina stieß ihn abrupt von sich weg. »Was fällt Ihnen ein! Ich werde mich nicht mit Ihnen treffen.«
Er gab ein tiefes und ein wenig spöttisches Kichern von sich. Als er seine Hand ausstreckte, um ihr Kinn zu heben, wich sie einen Schritt zurück. Ein weiterer Kuss war überflüssig. Sie würde sich nicht einlullen lassen, und auch weder einem Treffen noch einer Diskussion über Romane nachgeben. Bleib mir von der Pelle!
»Hast du etwa Angst vor mir, Sabrina?«
»Blödsinn!«, fauchte sie.
»Also, wann hast du Feierabend? Ich möchte nur mit dir etwas essen gehen, dich zu einem Gläschen Wein einladen, zu einer kleinen Plauderstunde. Mehr nicht.«
Wie kam er dazu, sie auf einmal zu duzen? »Kommt überhaupt nicht in Frage. Ich versteh gar nicht, warum …«
Mit einer herrischen Geste stoppte er ihre Argumentationsversuche. Sein flehendes »Bitte. Bitte sagen Sie nicht Nein.« passte nicht zu seinem dominanten Auftreten, und dennoch lag darin so viel Inbrunst, soviel Gefühl, dass Sabrina beinahe glauben mochte, es wäre ihm wirklich ein Herzensbedürfnis, mit ihr auszugehen.
»Ich kann nicht«, murmelte sie mit einem letzten Funken Widerstand. Sie musste sich umdrehen und ihn stehen lassen, sie musste ihre Augen von ihm abwenden, um ihm widerstehen zu können, sie musste …
»Warum? Niemand wartet auf dich«, hauchte er.
»Woher wollen Sie …«
Sabrina verstummte unter seinem Blick. Wieder dieser unwiderstehliche und durchdringende Dackelblick, als müsste er auf der Stelle, direkt hier vor ihren Augen zusammenbrechen, falls sie es wagte, noch einmal Nein zu sagen.
»Also gut«, seufzte Sabrina. »Fünf nach sechs bin ich fertig, Herr Krummer.«
»Jo«, erwiderte er mit einem strahlenden Lächeln. »Nennen Sie mich bitte einfach Jo.«

Es gelang ihr nicht sich zu konzentrieren. Zerstreut prüfte Sabrina schon zum dritten Mal den Inhalt der Kasse. Und jedesmal erhielt sie ein anderes Ergebnis.
»Was ist denn mit dir los?« Mona musterte ihre Kollegin mit prüfendem Blick von der Seite.
»Nichts«, erwiderte Sabrina ein wenig zu hastig.
Mona schaute kurz verdutzt, dann lachte sie frei heraus. »Den Bären kannst du jemand anderem aufbinden. Lass mal, ich mach das. Geh schon und schau, dass du morgen wieder du selbst bist!«
Sabrina bedankte sich. Ein wenig verlegen zog sie ihre wattierte Jacke und die Fell gesäumten Handschuhe an, hängte sich ihre Handtasche über die Schulter und trat schließlich aus der Buchhandlung hinaus. Festliche Beleuchtung aus allen Geschäften tauchte die Fußgängerzone in ein unwirkliches und doch fast taghelles Licht, in dem es überall funkelte und strahlte.
Mit sich selbst im Unreinen schlenderte Sabrina von einem Schaufenster zum nächsten, ohne die aufwändigen Dekorationen bewusst in sich aufzunehmen und sich davon in eine weihnachtliche Vorfreude versetzen zu lassen. Ihr Innerstes war so aufgewühlt wie schon lange nicht mehr. Wie hatte Mona das bemerkt? Stand auf ihrer Stirn geschrieben: treffe mich heute mit Mister Unbekannt, der leidenschaftlich(e) Romane liest. Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist, dem zuzustimmen.
Dieses doofe Buch, das sie vergangene Nacht gelesen hatte, war ihr den ganzen Tag über nicht mehr aus dem Kopf gegangen, ebenso wenig wie ihr Kavalier, denn dieser stand jetzt plötzlich vor ihr. »Du hast schon Feierabend?«, fragte er mit samtiger Stimme und überreichte ihr einen Strauß rosaroter Rosen. Sie sahen nicht nur wunderschön aus, sie dufteten auch verführerisch.
Sofort schlug Sabrinas Herz einige Takte schneller. »Danke«, mehr brachte sie nicht über die Lippen.
Es war schon eine Weile her, dass ihr jemand Blumen geschenkt hatte, noch dazu einen so wundervollen Strauß, und das hatte sie gewiss nicht erwartet. Das war überaus romantisch und es machte sie verlegen.
»Gehen wir, Sabrina?«
Jo wirkte sehr zufrieden, bot ihr ganz Kavalier seinen Arm an und sie hängte sich verwirrt bei ihm ein, im anderen Arm behutsam die Rosen an sich drückend.
Sabrina hatte alles Mögliche und Unmögliche erwartet, dass er den ganzen Abend über sich und seine Erfolge reden würde, mit Errungenschaften wie einem tollen Auto oder seiner Eigentumswohnung prahlend. Irgendwann nutzte jeder Mann die Gelegenheit zur perfekten Selbstinszenierung. So hatte sie es bislang kennenlernt. Die andere Variante war, dass er sie sofort in seine Wohnung locken und zu einem One-Night-Stand verführen wollte.
Aber weder das eine noch das andere geschah.
Jo bestellte das Essen, da Sabrina viel zu aufgeregt war, um sich für ein Gericht zu entscheiden, dazu einen Rotwein und auf ihre Bitte hin auch Mineralwasser. Er fragte sie nach ihren Wünschen, wie sie sich ihr künftiges Leben vorstellte und wie von selbst flossen Sabrinas innerste Sehnsüchte nach einem liebevollen, verständnisvollen Lebensgefährten von ihren Lippen, nach Sicherheit und später, ja, da wollte sie gerne auch ein oder zwei Kinder. Schließlich unterhielten sie sich sogar über die erotische Lektüre, die er ihr empfohlen hatte.
Auch jetzt schaffte Sabrina es nicht, ihre ganz persönlichen Empfindungen für sich zu behalten. Geschickt entlockte Jo ihr das Geständnis, dass sie beim Lesen der Geschichte erregt gewesen war.
Es war ihr ein wenig peinlich und es fiel ihr schwer, seinem Blick standzuhalten. Ihr Begleiter strahlte eine ruhige Dominanz aus, ohne viele Worte, ohne besondere Gesten. Diese Dominanz war einfach da. Was er wissen wollte, kitzelte dieser Mann auf eine überaus geschickte rhetorische Weise aus ihr heraus, so dass sie es erst merkte, als es schon zu spät war. Oder war es die Wirkung des Rotweins, der ihre Sinne und ihr Reaktionsvermögen so sehr benebelt hatte?
Für einen kurzen Augenblick wünschte sie sich, er würde sie in den Arm nehmen, sie leidenschaftlich küssen, unsittlich berühren und sie – verführen.
Sabrina fand erst wieder richtig zu sich selbst, als sie später, von ihm fürsorglich nach Hause begleitet, alleine in ihrem Bett lag. Doch obwohl sie müde war und herzhaft gähnen musste, war sie innerlich viel zu aufgewühlt und ihr Körper von einem alles verzehrenden Feuer erfüllt, so dass an Schlafen nicht zu denken war. Da half nur noch eines: eine kalte Dusche, um wieder die Kontrolle über sich selbst zu übernehmen.
Tag um Tag überlegte Sabrina, was Jo wirklich von ihr wollte. Er war ihrer Meinung nach einfach nicht der Typ Mann, der sich mit einer kleinen Buchhändlerin, wie sie es war, zu einem Smalltalk traf. Abend um Abend nahm sie sich vor, ihn zu fragen, was er beabsichtige, aber wenn sie ihm gegenüber stand, traute sie sich nicht mehr. Der Blick aus seinen Augen paralysierte sie und jede Berührung durch seine Hand war wie ein sensorischer Stromstoß. Die zurecht gelegte Frage blieb ihr in der Kehle stecken, als wäre diese zu eng.
War es ihr zuvor schon wichtig gewesen, für sich selbst gut gekleidet zu sein, in dem Bewusstsein täglich Kunden gegenüber zu treten, so legte sie nun noch mehr Wert darauf. Akribisch achtete sie auf Abwechslung, auf die richtige Kombination von Kleid, Schuhen und Handtasche. Um von ihren etwas fülligeren Hüften abzulenken trug sie Blusen und Kleider, die ihr schönes Dekollete und ihren festen Busen betonten. Ob ihm gefiel, was er sah? Mochte er ihre Sommersprossen, die vorwitzige Stupsnase und ihre freche rostrote Mähne?
Es gab einige Gemeinsamkeiten zwischen ihnen, aber auch viele Unterschiede, soviel hatte sich inzwischen heraus kristallisiert. Es war interessant, mit ihm zu diskutieren und seine Meinung kennenzulernen. Er hatte ihr erzählt, dass er eine Firma besäße, die Sonnenkollektoren herstelle – Sabrina hatte nicht alles verstanden, was er ihr zu ihrem Verständnis erklärt hatte. Er war gebildet und belesen. Zwei bis drei der großen Tageszeitungen gehörten zu seinem täglichen Programm. Nur diese Art spezieller Romane passten für Sabrina nicht ins Gesamtbild, auch wenn Jo behauptete, diese wären ein sinnlicher Ausgleich zum Alltag und würden ihn entspannen.
Eines war hingegen sonnenklar. Die Stunden mit Jo vergingen wie im Flug und sie freute sich inzwischen darauf. Allmählich gewann sie zudem den Eindruck, dass vielleicht doch sie diejenige war, die sich in eine falsche Meinung verrannt hatte. Tagsüber beobachtete sie ein wenig genauer, welche Käufer vor dem Regal mit den erotischen Romanen standen und diese kauften, und das waren am wenigsten gelangweilte Hausfrauen, wie sie bislang vermutet hatte. Die meisten waren selbstbewusste, moderne Frauen verschiedenen Alters. Ein Drittel der Käufer waren Männer, und Sabrina glaubte inzwischen nicht mehr, dass diese die Bücher zum Verschenken kauften.
Sie achtete darauf, welche Bücher bevorzugt gekauft wurden und nahm heimlich einige davon mit nach Hause. Das Geld legte sie in die Kasse, wenn gerade keine ihrer Kolleginnen in der Nähe war. Niemand brauchte zu wissen, für welche Lektüre sie sich neuerdings interessierte.
Es wurden lange Nächte mit wenig Schlaf, denn nach jedem Treffen mit Jo war Sabrina viel zu aufgewühlt, um gleich ins Bett zu gehen. Stattdessen fing sie an zu lesen – um sich abzulenken. Ob es ihm wohl genauso ging wie ihr? Ruhelos, entsetzt und zugleich fasziniert jagten ihren Augen über die Zeilen, fraßen sich durch die Geschichten und versetzten ihren Körper in einen nie gekannten Strudel aus Sehnsucht und Lust. Es gelang ihr nicht länger, sich dagegen zu sträuben. Die Bücher zogen sie in ihren Bann und sie fühlte sich hoffnungslos darin verloren.
Und dann war die Vorweihnachtszeit zu Ende und ein turbulenter vierundzwanzigster Dezember erwachte. Panikkäufer gaben sich den ganzen Vormittag über die Klinke der Buchhandlungstür in die Hand und wollten trotz der allgemeinen Hektik persönlich beraten werden. Sabrina und ihre Kolleginnen hetzten zwischen Bücherregalen, weihnachtlichem Geschenkpapier und der Kasse hin und her. Das »Ho, Ho, Ho« des amerikanischen Weihnachtsmannes ging an diesem Tag völlig im Stimmengewirr unter. Eine Girlande mit kleinen Weihnachtskugeln löste sich von der Decke und verteilte auf dem Fußboden bunte Splitter. Ein von der Vorfreude auf Geschenke überdrehtes Kind riss einen Bücherstapel um … Dann fiel endlich die Ladentür hinter dem letzten Käufer ins Schloss und auch für Sabrina begann der gemütlichere Teil des Tages.
Ein nervöses Kribbeln nahm sie in Besitz, als Sabrina vor dem Haus ankam. Jo hatte sie wie immer abholen wollen. Aber da Sabrina nicht wusste, ob sie den Laden an diesem besonderen Tag pünktlich schließen würden, hatte sie ihn überredet, zuhause auf sie zu warten. In seinem Zuhause. Denn – Jo hatte sie zum ersten Mal zu sich, in seine Wohnung eingeladen.
Er begrüßte sie mit einem sanften Kuss auf die Lippen, dann nahm er ihr den Mantel ab und bat sie herein. Seine Drei-Zimmer-Neubau-Wohnung war geschmackvoll eingerichtet. Alles war modern und praktisch, aber mit Stil ausgewählt. Die Wände waren weiß oder in pastelligen Farben gestrichen, das Wohnzimmer von einer roten Ledercouch und einem langen schwarzen Bücherregal dominiert. Alles in allem eine Wohnung zum Wohlfühlen.
Ein paar Accessoires würden allerdings nicht schaden, überlegte Sabrina. So ein bisschen Schnickschnack, der da oder dort herumsteht. Dinge, die man nicht braucht, die einfach nett fürs Auge und die Seele sind. Wahrscheinlicher waren Männer in diesem Punkt nüchterner veranlagt als Frauen, oder dachten einfach nur an lästiges Staubwischen. Aber wenigstens zu Weihnachten wäre ein wenig Deko angebracht. Hätte sie das gewusst …
Kaum hatten sie ihre Besichtigung beendet zog Jo Sabrina in seine Arme und küsste sie diesmal länger und intensiver. Eine Hand fuhr langsam ihren Rücken hinab und blieb auf ihrem Po liegen. Sabrina seufzte leise in seinen Mund. Von einer Sekunde zur anderen wurde ihr heiß. Seine Hand knetete sanft ihre Pobacke und sie verspannte sich. Mit Kleidung ließ sich so manches kaschieren, was zu üppig geraten war. Würde er sie auch noch wollen, wenn sie nackt vor ihm stand?
Da hob er mit einer Hand ihr Kinn und schaute sie prüfend an. »Bist du mutig genug für ein kleines erotisches Abenteuer?«
Sabrinas Zuversicht sank. Bis zu diesem Augenblick hatte sie gehofft, er könne an einer langfristigen Beziehung interessiert sein, sonst hätte er sie doch bestimmt schon vor Tagen in sein Bett gelockt und wäre nicht nur mit ihr ausgegangen. Und nun war er doch nur an einem Abenteuer interessiert? Es fiel ihr schwer, ihm zu widerstehen, aber was diesen Punkt betraf, hatte sie ihre Prinzipien und es war bestimmt besser, sie beizubehalten, sonst würde sie es später bereuen.
Mit aller Kraft, die sie aufbrachte, schob sie ihn von sich. »Ach so ist das, du willst dich nicht binden. Also für ein Abenteuer hättest du dir nicht so viel Mühe …«
Jo legte einen Finger auf ihre Lippen und lachte leise. »Warte, du hast mich falsch verstanden. Ich habe mich vielleicht zu ungenau ausgedrückt. Ich will keinen One-Night-Stand. Ich meinte – willst du ein erotisches Erlebnis riskieren, wie es in den von dir abgelehnten Romanen steht?« Er zwinkerte belustigt. »Es ist doch nicht bei dem einen geblieben – du hast doch längst mehr davon gelesen, nicht wahr?«
Sabrinas Herz drohte auszusetzen. Das konnte er unmöglich ernst meinen.
Jo streckte seine Hand aus und streichelte ihr über die Wange. »Oder willst du leugnen, dass du beim Lesen feucht geworden bist – und ein wenig neugierig?«
Stumm schüttelte sie den Kopf. Es war, als läge ihr Innerstes offen vor ihm, als gäbe es nichts, was sie vor ihm verbergen könnte. Dennoch – vom Lesen und sich Vorstellen, wie es sein könnte, wenn, war es noch ein großer und mutiger Schritt bis zum Ausprobieren, und sie war sich nicht sicher, ob sie das wirklich wollte.
»Hast du Angst?«, flüsterte Jo.
Sie nickte.
»Angst vor mir?«
Sabrina schüttelte den Kopf.
»Wo vor dann? Dass es dir nicht gefallen könnte?«
»Ja.«
»Das hat jeder beim ersten Mal«, erwiderte er mit einem Vertrauen erweckenden Lächeln. »Aber das brauchst du nicht. Ich werde dich zu nichts zwingen, das verspreche ich dir. Wenn du willst, dass ich aufhöre, verwendest du das Safeword: Game Over.«
Sabrina sog hörbar die Luft ein. Der Gedanke, in eine neue sexuelle Welt einzutauchen, war durchaus reizvoll. Andererseits kannten sie sich erst kurz und ihr schossen mehrere Erinnerungsfetzen durch den Kopf, was die Männer mit den Frauen in diesen Romanen machten – oder eben auch in der Realität. Sie hatte es nicht glauben wollen, aber mit wenigen Stichwörtern und Klicks hatte sie eines Abends im Internet gefunden, was sie suchte. Es war nicht nur eine aufregende Story. Eine ganze Erotikindustrie befriedigte die Bedürfnisse nach dem Spiel mit der Lust und dem Schmerz. Es war beängstigend, was es alles gab.
Als Jo sie erneut küsste, fest an sich presste und seine Hände ihren Rock hochschoben, unter ihren Slip glitten, ihn herabstreiften und ihre Pohälften umfassten, streichelten und kneteten, sank ihr letzter Rest Widerstand. Sie wollte ihn so sehr, dass es schmerzte. Leidenschaftlich erwiderte sie seinen Kuss und knöpfte dabei sein Hemd auf. Er ließ sie gewähren, als sie es aus der Hose zog und ihm über die Arme abstreifte. Langsam öffnete er den Reißverschluss ihres Kleides, küsste ihren Hals und – ließ sie auf einmal los. Sein Blick war durchdringend und das Lächeln, das sie an ihm so liebte, nur noch zu erahnen.
»Zieh dich aus, ganz langsam, wie bei einem Striptease«, forderte er leise, mit einer Strenge in der Stimme, die keinen Widerspruch duldete.
Ein Hauch von Peinlichkeit befiel Sabrina. Er hatte sie ihres Schutzes beraubt, ihr Kleid geöffnet, ihren Po entblößt und das Höschen einfach mitten an ihren Oberschenkeln hängen gelassen. Es war ein wenig entwürdigend. Sie fühlte noch immer die Hitze seiner Hände auf ihrer Haut und schluckte. Hätte er sie weiter ausgezogen, ihr die Kleidung vollkommen abgestreift, wäre es weniger unangenehm gewesen.
Wie erstarrt musterte sie seinen Oberkörper. Durchtrainierte wohl proportionierte Muskeln, eine glatte unbehaarte Brust. Dunkle, sich verlockend abzeichnende, dunkle Brustwarzen. Warum machte er nicht weiter?
»Fang an!«
Jo ging rückwärts bis zur Couch, ohne Sabrina dabei aus den Augen zu lassen. Dann setzte er sich, bediente den Knopf einer Fernbedienung. Leise Musik erklang aus den Lautsprechern, die knapp unter der Decke in allen vier Ecken des Zimmers an der Wand angebracht waren.
Unsicher streifte Sabrina das Kleid ab. Sein Blick war erwartungsvoll und sie wollte ihn nicht enttäuschen. Aber sie hatte sich noch nie vor jemandem auf diese Weise ausgezogen. Ihre Bewegungen waren unsicher und steif, sie hatte Mühe sie mit dem Takt der Musik zu koordinieren. Um ihn nicht anschauen zu müssen, was sie noch mehr verunsicherte, schloss sie halb die Augen, was ihr jedoch nur mit großer Mühe gelang. Zuletzt zog sie den Slip aus und ihre Schuhe.
Als sie völlig nackt vor ihm stand, machte er ein Zeichen, dass sie sich vor ihm drehen sollte und sie gehorchte. Er nickte zufrieden und zu ihrer Erleichterung erschien wieder ein Lächeln auf seinen Lippen. Mit gekrümmtem Zeigefinger winkte er sie zu sich und klatschte mit der anderen Hand auf seine Schenkel.
Sabrina hielt den Atem an. Es war eindeutig, was diese Geste bedeutete. Sie hatte es in einem der Romane gelesen. Aber das war nun doch etwas anderes. Sollte sie wirklich? Sich freiwillig über seine Schenkel legen, seinen Begierden preisgegeben, den Schmerz kosten, der als einzigartiges und sehr sinnliches Erlebnis beschrieben wurde?
Jo zog die Augenbrauen hoch, da gehorchte sie. Ein wenig peinlich berührt ließ sie sich über seinen Beinen nieder und er half ihr dabei, schob sie mit seinen Händen zurecht. »Liegst du bequem?«
»Ja«, erwiderte sie. Ihre Stimme zitterte vor Aufregung. Es war ein eigenartiges Gefühl, ihm ihren nackten schutzlosen Po entgegen zu strecken, zu fühlen, wie seine warme Hand darauf lag, ihn sanft knetete und streichelte. Ihr Herz pochte laut und energisch in ihrem Brustkorb und nahm ihr den Atem.
Jo streichelte sie weiter und wartete, bis sie ein wenig ruhiger wurde und sich entspannte. Er summte leise zur Musik vor sich hin. Seine Hand erkundete ihre Schenkel, ihren Rücken und ihr lief ein kalter Schauer herunter, als er ihre Wirbel nachfuhr.
Dann gab er ihr unvermittelt einen Klaps auf den Po. Noch einen, und noch einen. Das Klatschen wurde lauter, das Beben ihrer Pobacken intensiver, und was sanft begonnen hatte, steigerte sich ganz langsam zu einer Wärme, die von ihrem Po über die Schenkel in ihren Unterleib einzog.
Sabrina hielt die Luft an und hob den Kopf ein wenig an. Sie wagte nicht, irgendeinen Ton von sich zu geben. Seine freie Hand lag leicht auf ihrem Nacken, ohne sie herunterzudrücken, aber wie eine stille Drohung: wage es nicht, dich zu rühren, denn ich bin da und warte auf dich.
Seine andere Hand ging wieder und wieder, in einem regelmäßigen, nicht zu schnellen Rhythmus auf ihren Po nieder. Nicht kalkulierbar, mal da, mal dort, auch auf die Schenkel, dann mehrmals auf dieselbe Stelle. Die Wärme ging in ein Brennen über, dann in einen kurzen stechenden Schmerz und ihren Lippen entfuhr zum ersten Mal ein lautes Stöhnen.
Von da an war es mit Sabrinas Beherrschung vorbei. Jeder Klatscher wurde von ihr mit einem Seufzer, einem Aufstöhnen oder einem kurzen Aufschrei begleitet, abhängig von der Intensität und der Position seiner Hiebe. Sie stemmte sich mit dem Oberkörper nach oben, unfähig länger stillzuhalten. Die Bitte, seine Züchtigung zu beenden, lag ihr auf der Zunge, und als ahnte er dies, hielt er inne und streichelte sanft ihre erhitzte Haut. Seufzend sank ihr Kopf ein wenig herab.



