Alles Liebe - zum Fest der Hiebe

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Ihr war heiß, überall heiß und in ihrem Schoß war es verdächtig feucht. Es war überaus verwirrend, sich einzugestehen, dass sie diese erniedrigende Lage tatsächlich genoss. Sie versuchte sich umzudrehen, aber seine Hand hielt sie fest.
»Schon genug?«
Darüber war sie sich noch nicht im Klaren. Aber er war immer noch halb bekleidet, trug seine Hose und sie wollte ihn nackt. »Zieh dich aus, lass mich …«
Sein Lachen ließ sie innehalten. »Nicht so schnell, mein Engel. Das war erst die Ouvertüre.«
»Was?«
Ehe sie begriff, was geschah, hatte er seine Position verlagert, ihre Schenkel fest zwischen seinen Beinen eingeklemmt. Dann streckte er sich zur Seite, griff unter das Sofakissen und holte ein Paar rot gepolsterte Handschellen hervor.
»Nein!« Sabrina versuchte sich erneut, seiner Kontrolle zu entziehen, wand sich, aber er war stark. Er packte ihre Hände und ehe sie sich versah, war sie mit den Handschellen gefesselt. Wut stieg in ihr auf, aber auch Angst. Nun war alles klar. Er hatte sie in Sicherheit gewiegt, alles vorbereitet und sie in eine Falle gelockt. Ganz schön raffiniert und hinterhältig. Sie sollte für sein Vergnügen herhalten, aber damit war sie alles andere als einverstanden.
»Mach mich sofort wieder los!” Wie lautete doch gleich wieder sein verdammtes Safeword? »Ich will das nicht. Hör sofort auf damit.«
Seine Hände streichelten sie verführerisch sanft. »Beruhige dich. Ich habe doch gesagt, es ist alles nur ein sinnliches Spiel mit der Lust und du wirst doch nicht behaupten wollen, dass es dir bisher nicht gefallen hat? Du musst keine Angst haben, vertrau mir.«
Seine Finger schoben sich ihre Poritze entlang, drangen langsam in die Enge zwischen ihren Schenkeln ein, wo es verräterisch warm und feucht war. Wie war es nur möglich, dass ihr Körper gegen ihren Verstand, gegen ihre Vernunft arbeitete?
»Nein«, wimmerte Sabrina mit letzter Kraft, aber ohne eigene Überzeugung.
Sein Finger kam ihrem Eingang immer näher, drang behutsam zwischen ihre Schamlippen und ihre Vagina reagierte prompt. Ein intensives lüsternes Ziehen verflüchtigte alle nüchternen Überlegungen. Sabrina stöhnte laut auf.
Jo lachte leise, aber es klang gar nicht so, als ob er sie auslachte. Eher zufrieden, als wolle er ausdrücken: ich hab’s doch gewusst, dass du auch noch auf den Geschmack kommst. Darüber hinaus lag Begierde in seinem Lachen, nicht beängstigend oder fordernd, sondern sinnlich und erwartungsvoll.
Als er seine Hand zurückzog, stöhnte Sabrina erneut, aber diesmal vor Enttäuschung. Sie wollte ihn in sich spüren, am liebsten jetzt sofort, tief und ihre Vagina ganz und gar ausfüllend.
Er schien ihr Verlangen zu erraten, oder war es in ihre Haut eingebrannt?
»Noch nicht«, flüsterte er rau. »Du sollst dich noch morgen daran erinnern, dass du mit mir zusammen warst.«
Sabrinas Herz drohte auszusetzen. Ein herber Klaps auf ihren Po entfachte die abklingende Hitze aufs Neue.
»Hast du schon jemals darum gebettelt, befriedigt zu werden?«
»Nein«, winselte sie. Was für eine Idee! Wenn sie überhaupt mit einem Mann zusammen gewesen war, hatte es dieser meistens eilig gehabt, mit ihr zu schlafen, manchmal allerdings so schnell, dass es für ihre Befriedigung nicht gereicht hatte. Aber dann war es sowieso schon zu spät gewesen.
»Dann wirst du es heute tun«, fuhr Jo mit blitzenden Augen fort. »Du wirst mich anflehen, dich zu nehmen, und du wirst bereit sein, dich mir so darzubieten, wie ich es verlange.«
Nein, dachte Sabrina, das kann ich nicht, das ist zu erniedrigend. Er würde sich bestimmt irgendeine Gemeinheit ausdenken, irgendetwas Unannehmbares, sonst würde er nicht derart betonen, dass sie sich unterwürfig verhalten sollte. Aber tief in ihrem Inneren wusste sie, er würde sie dazu bringen und eigentlich wollte sie es sogar. Noch nie hatte sie ähnlich widersprüchlich empfunden, aber es war gar nicht so unangenehm, wie sie befürchtet hatte. Sie wollte fühlen, dass er unbarmherzig war, streng, fordernd, befehlend, und damit ihre Lüsternheit ins Unerträgliche steigerte. Jetzt und hier. Auf diese Weise. Mit einem Flächenbrand, der sich von ihrer Haut in ihre Vagina ausbreitete.
Jo spielte mit Sabrinas wachsender Geilheit. In einer gekonnten Mischung aus Liebkosungen, unter denen sie sich seufzend räkelte, soweit ihre Position dies zuließ, und Züchtigungen durch seine Hand, die mit jedem Mal schneller und intensiver brannten. Sabrina quiekte und schrie, schluchzte und stöhnte, aber sie unterdrückte das Bedürfnis, ihn anzuflehen, mit ihr zu schlafen. Das Feuer in ihrem Inneren jedoch war noch viel schlimmer als das auf ihrer Haut. Zwar schmerzte es nicht, aber es verbrannte sie. Ihr Mund war trocken vom Stöhnen und Seufzen, ihr Kopf ausgeschaltet. Sie bestand nur noch aus Schmerz und Lust, aus dem Wunsch, dass er aufhörte und dem ambivalenten Verlangen, dass er weitermachte. Immer wenn sie glaubte, es nicht mehr zu ertragen, wurden seine Klapse sanfter und gingen in ein sinnliches Streicheln über. Und sobald sie sich ein wenig erholt hatte und weniger laut keuchte, legte er von neuem los.
Die ganze Zeit über sprach er kein Wort. Die leise Musik aus den Lautsprechern, sein melodisches Summen und die lüsternen Töne, die er ihr entlockte, waren stimmungsvolle Atmosphäre genug.
Das Spiel erschöpfte sie. Längst war ihr Kopf nach unten gesunken, lag schwer auf dem Polster. Es dauerte, bis sie begriff, dass er aufgehört hatte. Aufgehört mit allem. Seine Hand ruhte heiß und schwer auf ihrem erhitzten Po und rührte sich nicht mehr von der Stelle. Bestimmt glich ihr Hinterteil einer riesigen knallroten Tomate. »Nun, mein Unschuldslämmchen – hast du genug?«
Ihr Mund klebte und sie mühte sich ab zu schlucken, um ihm zu antworten, aber dann nickte sie doch nur.
Er klang amüsiert. »Ah, hat es dir deine süße Stimme verschlagen? Ich dachte, wir fahren noch ein wenig fort. Oder habe ich dich schon um Nachsicht betteln gehört?«
»Jo, bitte«, flüsterte Sabrina mühsam. »Bitte, du machst mich völlig fertig.«
Er lachte. »Das glaube ich kaum. Außerdem würde ich gerne etwas anderes von dir hören.« Er kitzelte sie mit seinen Fingerspitzen auf dem Po und Sabrina begann zu kichern.
»Nein, nein, bitte nicht. Hör auf damit!«
Er gab ihr einen festen Klaps und ihr Kopf schnellte nach oben. »Dann doch lieber so?«
Sabrina wimmerte zur Antwort.
»Sag mir, was du willst!«, knurrte er in einem tiefen Ton, der in seinem Bauch vibrierte und sich über seine Schenkel auf ihren Körper übertrug.
Verdammt, sie wusste schon gar nicht mehr, was sie am meisten wollte. Am liebsten alles. Mach einfach weiter, funkte es durch ihren Kopf. Worte formulierten sich, die sie normalerweise nur dachte, aber nicht in den Mund nahm. Aber er würde sie sogar dazu bringen, diese auszusprechen, wenn es sein musste.
»Nun, wenn du es mir nicht sagst, Lämmchen …« Jo lehnte gelangweilt seinen Kopf zurück. Seine Beine gaben entspannt nach und nur seine Hände verhinderten, dass Sabrina von seinen Schenkeln rutschte.
Verwirrt blickte sie ihn über die Schulter an. Er konnte doch nicht einfach seine prächtige Erektion ignorieren. »Ich –«
Jo öffnete ein Auge und hob die Braue an. »Ja?«
»Fick mich«, flüsterte sie.
Dieses Unwort, das ihrer Meinung nach nur zu einem harten, unsinnlichen Akt passte, nach Gewalt und männlichem Egoismus klang, gehörte eigentlich nicht in ihren Wortschatz. Aber sie vermutete, genau dies wollte er von ihr hören. Oder doch etwas anderes, was in den Romanen vorgekommen war? Im Moment erinnerte sie sich an gar nichts mehr. Es gab keine Texte, es gab keine Realität, es gab auch keinen Raum – nur Jo und sie und dieses verflixt unterlegene Gefühl.
»Ich glaube, ich habe dich nicht verstanden«, erwiderte er und gähnte herzhaft. »Vielleicht sollte ich dich fest in eine Decke einwickeln, damit du mir nicht abhaust, und eine Runde schlafen gehen, bis du weißt, was du willst. Danach sehen wir weiter. Vielleicht kurbelt das deine Fantasie an?«
Ein Aufschrei stieg in Sabrinas Kehle empor. Das würde er doch wohl nicht ernst meinen? »Nein! Das – das kannst du doch nicht machen! Du – du …«
»Du – was?« Seine Beine spannten sich an und er öffnete nun auch das zweite Auge. Hellwach und aufmerksam. Es war beeindruckend, wie gebieterisch er zu schauen verstand.
»Du Scheusal! Erst machst du mich heiß und dann willst du mich schmoren lassen!« Sabrina versuchte sich der Umklammerung seiner Beine zu entwinden, doch umsonst. »Ah, ich bin also ein Scheusal«, brummte er und klatschte ihr auf den Po. »Nun, dann werde ich also noch ein wenig weitermachen und dir zeigen, was es bedeutet, frech zu sein, vom Lustschmerz heiß zu werden und sich dann willig zu unterwerfen!«
Es war völlig verrückt, aber seine Worte versetzten sie in tiefstes Entzücken, obwohl ihr gleichzeitig ein wenig bange vor dem war, was er offenbar noch vorhatte. »Du brauchst eine intensivere Abreibung. Lass uns rübergehen.«
Er packte sie mit beiden Händen, stellte sie auf die Füße und schob sie vor sich her, über den Flur in ein anderes, kleineres Zimmer.
Sabrina stockte der Atem. Diesen Raum hatte er ihr bei der Wohnungsführung vorenthalten. Wie war es nur möglich, dass sie diese Tür übersehen hatte?
Abgesehen von einem Strafbock in der Mitte war der Raum fast leer. Ein schmaler Schrank, ein paar Haken an den Wänden, das war alles. Decke und Wände waren dunkelrot gestrichen, der Boden bestand aus schwarzem Laminat, vor dem Fenster hing ein schwerer schwarzer Vorhang. An den Haken warteten Teppichklopfer, Rohrstöcke und anderes Gerät auf ihre Verwendung.
Sabrinas Knie drohten einzuknicken. »Nein«, hauchte sie. Ihr Herz blieb fast stehen vor Schreck. Zwischen Lesen und Erleben klaffte nicht nur eine Lücke, sondern ein ganzer Krater. Sie war absolut nicht der Typ für solche SM-Spiele.
Als Jo sie voranschob, leistete sie keinen Widerstand. In ihrem Kopf war ein großes Loch, als schnitte seine Berührung sie vom Zugang zu ihrem Gehirn ab. Verzweifelt suchte sie nach einem Ausweg aus der Situation. Vielleicht sollte sie das Safeword gebrauchen und darauf bauen, dass es nicht nur eine leere Hülle zu ihrer Beruhigung gewesen war, sondern tatsächlich dem Abbruch seines Spiels diente. Und wenn nicht?
Jo gab Sabrina nicht die Zeit, ihre Gedanken zu ordnen. Er schob sie bäuchlings über den Bock, spreizte mit geübten Händen ihre Schenkel und band sie an den Beinen des Strafbocks fest. Sie wollte sich wehren, sie wollte ihm widerstehen – aber sie schaffte es nicht. Selbst ohne Worte strahlte er nur durch die Art, wie er sie anschaute und seine Hand auf ihren Rücken legte, soviel Autorität aus, dass ihr Widerstand in sich zusammensackte. »Verspann dich nicht«, sagte er zärtlich und streichelte ihr über den Rücken. Dann fühlte sie, wie seine Finger sanft auf der Innenseite ihrer Schenkel entlangfuhren, sich ihrem Zentrum näherten – und seine Zunge sinnlich ihre intimsten Zonen erkundete.
In dieser Position, ihm noch mehr als zuvor ausgeliefert, floss Sabrina geradezu über. Sein Mund saugte sich fest, seine Zungenspitze liebkoste ihre Perle und sie war außer sich vor Lust, stöhnte, wimmerte, quiekte. Ihr Höhepunkt nahte – doch Sekundenbruchteile bevor es dazu kam, hörte er auf. Nein, protestierte alles in ihr, aber sie brachte auch jetzt kein Wort über die Lippen. »Untersteh dich zu kommen!«, drohte er leise. »Du kommst erst, wenn ich es dir erlaube.«
Sabrina hätte am liebsten laut aufgelacht. Wie sollte das denn gehen? Sie hatte noch niemals versucht, ihren Orgasmus zurückzuhalten. Sie war froh, wenn sie überhaupt einen hatte.
Es war berauschend, wie Jo Besitz von ihr ergriff und ihre Lust zu höchstem Entzücken erweckte. Was das betraf, war sie alles andere als verwöhnt. Er wartete ihre Antwort überhaupt nicht ab, sondern fuhr fort, sie zu streicheln, zu lecken und in ihre Spalte zu züngeln.
Seine Forderung war völlig unannehmbar. Den Orgasmus zurückhalten? Das begierige Ziehen in ihrer Vagina hob zu einem tosenden Vulkanausbruch an und dann war es auch schon geschehen. Sabrina ließ ihrer Lust mit einem befreienden Schrei ungehemmten Raum. Doch kaum war dieses wunderbare Gefühl im Abklingen, ihr Körper in matter Kraftlosigkeit entspannt, riss ein brennender Schmerz ihren Kopf empor. »So so, du bist also ungezogen, hemmungslos, ungehorsam. Ich hatte dir doch verboten zu kommen!«
Sabrina gab einen spitzen Schrei von sich. Der Schmerz schien ihr unerträglich, er war kurz, dafür aber intensiv. Das Feuer, das sie gelöscht glaubte, loderte nun erneut umso heftiger in ihrem Unterleib auf.
In dem kurzen Moment, in dem sie sich der Erschöpfung hingegeben hatte, die der Befriedigung folgte, hatte Jo sich ausgezogen. Der lederne Gürtel, der seine Hose gehalten hatte, schwang durch die Luft und brannte sich in Sabrinas sensible Haut. Es war zu viel. Dies war nun entschieden zu viel. »Aua!« Ob der Gürtel Striemen hinterlassen würde, wusste sie nicht. Aber es fühlte sich so an.
»Hatte ich dir erlaubt, zu kommen?«
»Nein, aber du verla…« Der erneute Schmerz, dem ein intensives Verlangen folgte, unterbrach ihre Antwort.
Auf einmal spürte sie seine Erektion, die sich gegen ihre heiße Haut presste. Bereit zu allem. Sich zwischen ihre Schenkel drängte, mit der Spitze an ihrem Eingang schnupperte. Er würde sie jetzt einfach nehmen, wehrlos wie sie war und sie bebte vor Erwartung.
Eine Hand strich ihr die Haare aus dem Gesicht und sein Mund war ihrem Ohr ganz nah. »Sag es, meine kleine widerspenstige Buchhändlerin. Bitte mich darum.«
Sabrina wimmerte kläglich. Es war erniedrigend, aber es war auch aufregend. Und ganz offensichtlich war es der einzige Weg zu bekommen, wonach es sie in diesem Augenblick am meisten verlangte. »Bitte«, ächzte Sabrina. »Bitte nimm mich. Fick mich. So fest und hart wie du kannst.«
Jo lachte dröhnend und dann drang er in sie ein. Langsam, immer mehr, tief und füllte sie ganz aus. Sabrina stöhnte laut, als ihre Vagina kontraktierte, sich eng um sein zuckendes Geschlecht zog. Jos Erektion erschien ihr gewaltig, wie ein riesiger Eindringling in ihr Allerheiligstes, oder war das nur ihre eigene Erregung, die so unglaublich war, dass sie ihn genau so und nicht anders fühlen wollte? Sie war in diesem Moment sein Besitz und es spielte keine Rolle, ob dies ein Spiel war. Es war erotisch, aufregend, alles andere in den Schatten verdammend.
Ihr zweiter Orgasmus raubte ihr fast den Verstand. Es war das Elementarste, was sie je erlebt hatte. Ihre von der Züchtigung sensibilisierte Haut jagte ihr kleinste Schmerzschauer über Po und Schenkel, doch zugleich lief sie über. Ihre Scham und ihre Schenkel waren nass vor Lust. Sie kam noch mal und noch mal, schrie sich vor Verlangen heiser, aber Jo hörte nicht auf. Er packte ihre Haare, zog ihren Kopf nach hinten, hielt mit den Fingern der anderen Hand ihren Po und vögelte sie hart, in einem besitzergreifenden Ritt. Bis er endlich selbst kam.
Noch ein wenig benommen fand sich Sabrina wenig später in seinem Arm wieder, in seinem Bett, unter eine weiche Decke gekuschelt. Bis zur absoluten Erschöpfung und Aufgabe ausgelaugt und dabei von einem glückseligen Taumel erfüllt.
»Nun, meine unschuldige kleine Buchhändlerin …«, murmelte Jo sanft in ihr Ohr. »Hat dir meine Einführung in unbekannte Lust gefallen?«
»Ja sehr, du Verführer«, murmelte Sabrina, noch ein wenig benommen.
»Dann werd‘ mal wieder wach. Frohe Weihnachten«, sagte er und reichte ihr ein in goldene Folie eingepacktes Geschenk.
»Danke!« Sabrina richtete sich auf. Auf sein Geschenk, das sich in ihrer Handtasche befand, durfte er noch ein wenig warten. Zuerst wollte sie wissen, was er ihr geschenkt hatte. Ungeduldig zerfetzte sie das Papier. Eine rote Augenbinde und ein paar rot gepolsterte Handschellen ließen keine Zweifel aufkommen, wofür dieses Geschenk gedacht war. »Danke«, wiederholte Sabrina und zwinkerte ihm zu.
Er lachte und gab ihr einen Kuss. »Nun lass uns aufstehen und schnell noch das Wohnzimmer ein wenig weihnachtlich dekorieren, ich habe Kugeln und so Zeug, mit denen du bestimmt besser umgehen kannst als ich. Und dann essen wir etwas Leckeres.«
Als sie erstaunt die Augenbrauen hochzog, lachte er. »Nein, ich werde nicht selbst kochen. Ich kann zwar vieles, aber das gewiss nicht, und ich will dich an Weihnachten auf keinen Fall verhungern lassen. Ich habe etwas bestellt.«
»Und dann kommt der Weihnachtsmann, aber nur zu artigen Männern …«, erwiderte Sabrina und freute sich schon auf sein erstauntes Gesicht, wenn sie sich später in seinem Bad umziehen und ihm die Romane, die sie für ihn ausgesucht hatte, in einem knappen Weihnachtsgirlkostüm überreichen würde …
Boléro
Jona Mondlicht

»Das war ein schöner Abend, oder?« Mit einem einzigen Atemzug löscht er das Licht der letzten Kerze. Ein dünner Rauchfaden entwindet sich dem Docht, der Zweig der Nordmanntanne wippt leicht nach. Er beschaut sich den kleinen Baum noch einmal von allen Seiten. Gesund gewachsen ist er. Und dann so sorgfältig geschmückt. Mit pinkfarbenen Kugeln und Lametta. Gleichmäßig verteilt. Wie viel Mühe muss sich Linda gegeben haben, um die Weihnachtstanne so herauszuputzen. Und wie lange muss sie gesucht haben, um diese Kugeln in der hintersten Ecke des Kellers zu entdecken. So viel Engagement. Obwohl sie weiß, dass er Pink hasst. Eine Farbe, die er naiv und laut zugleich empfindet. »Ja, ein schöner Abend«, antwortet er sich selbst. »Oder etwa nicht?«
Linda seufzt. Sie hat es sich auf dem Sofa bequem gemacht.
In den Augenwinkeln sieht er, wie sie die Beine ausstreckt. Sie hat ihr schickes Outfit schon kurz nach der Bescherung gegen eine Jogginghose getauscht. In ihrem tiefroten Bleistiftkleid sah sie sensationell aus, erinnert er sich. Festlich. Edel. Und doch irgendwo zwischen verführerisch und verrucht. Alles zusammen. Und nun? Ein viel zu oft gewaschener, schlappriger Stoff. Farblos. Wenigstens nicht pink, denkt er amüsiert.
»Haben wir noch einen Rest dieser leckeren Plätzchen?«, fragt er. Natürlich haben sie keinen. Die Plätzchen sind längst alle. Er selbst hat die Dose schon gestern bis auf den glänzenden Blechboden geleert. Schokoladenplätzchen. Sie weiß, dass er sie mag. Darum hätte sie die Dose niemals so früh und so offen auf den Tisch stellen dürfen. Aber darum geht es jetzt nicht. »Haben wir?«
Linda fixiert ihn mit einem gespannten Blick. »Weiß ich nicht.«
Aber sicher weiß sie es. Sie selbst hat die leere Dose schimpfend in die Küche gebracht. Gestern. Und sie hat es nicht vergessen. Er lächelt. Und krempelt sich die Ärmel seines weißen Hemdes nach oben. Als hätte er eine schwere Aufgabe vor sich, die es zu erledigen gäbe. Dabei ist es kinderleicht. Er hat schon längst gewonnen. Was er hier tut, ist lediglich das Auslaufen. Die Ehrenrunde. Nur Linda scheint es nicht bemerkt zu haben. Sie ist noch mitten im Rennen.
»Schau doch nach«, sagt sie trocken.
»Nachher. Vielleicht.« Er blickt kurz aus dem Fenster. Dunkel ist es draußen. Der Winter hat die Landschaft sanft eingehüllt. Er sieht ein paar Schneeflocken. Und er sieht das Spiegelbild von Linda. Sie beugt sich langsam über den Rand des Sofas und schaut ihm hinterher. Wie eine Katze verrenkt sie sich dabei. Er ist sicher, sie würde auch so schnurren, wenn sie nur könnte. Er mag sie aber lieber fauchend.
»Ein wenig Musik, bevor wir den Abend beenden?«, fragt er laut und der Hauch seiner Stimme zeichnet einen kleinen Kreis auf das kalte Fensterglas. Er sieht, wie Linda erschrocken den Kopf einzieht und sich schnell wieder auf dem Sofa positioniert.
»Mir egal«, sagt sie gedehnt. Linda wirft den Kopf zurück. Ihre langen Haare fallen ihr über den Rücken. Schön ist sie. »Oder nein«, besinnt sie sich schließlich. »Nicht egal. Irgendetwas Rockiges.«
Er muss sich mühen, ernst zu bleiben. Alles hätte jetzt gepasst, alles hätte sie gemocht. Nur nichts Rockiges. Das sagt sie nur. Langsam geht er zur Schrankwand, streift vorsichtig mit dem Zeigefinger über den Stapel Papphüllen. Auf und ab. Dann entscheidet er sich für die Mitte. Boléro. Maurice Ravel. Das passt, denkt er, und zieht die schwarze Vinylscheibe aus der Papierhülle.
Als er die ersten leisen Takte und das Knacken der Platte hört, dreht er sich um. Auf dem Tisch liegen die Socken von Linda. Mittig. Ausgebreitet. Wie drapiert. Eben lagen sie noch nicht dort. Er schaut aus einem Affekt heraus zu ihr und erwischt einen neugierigen Blick, bevor sie sich schnell wegdreht. »Es war nichts Rockigeres da«, merkt er an.
Linda wackelt mit den Zehen. Gelangweilt.
Er gähnt. Gespielt.
Die Querflöte findet zum ersten Mal ihre Melodie zur kleinen Rührtrommel. Wiederholt sie.
»Na gut«, meint Linda enttäuscht und richtet sich auf. »Heiligabend ist vorbei.« Sie schaut verächtlich zum Plattenspieler. »Hier rockt heute nichts mehr.«
Doch, denkt er. Mehr, als du glaubst, Süße.
Er setzt sich neben sie. Das Sofa sinkt ein. Er ist ihr so nah, dass er sie riechen kann. Und wie gern er das tut. Vor allem dann, wenn er auf Witterung geht. Ihr Duft ändert sich, wenn sie sich anbietet.
Linda zuckt mit den Schultern. Ahnungslos.
»Pinkfarbene Weihnachtskugeln«, sagt er plötzlich und laut. Mitten in den Raum. Ohne Linda anzusehen. Er weiß, dass sie zusammenzuckt. »Leere Plätzchendose«, ergänzt er.
Neben ihm bleibt es still. Nur ein Fagott gesellt sich in den Raumklang.
»Schlapprige Jogginghose. Strümpfe auf dem Tisch.« Er intoniert es wie ein Stakkato. Passend zur Musik. Und so, wie diese Fahrt aufnimmt, tut es auch er. »Die alte Tischdecke. Deine quer im Flur stehenden Schuhe. Der nur halb geschlossene Reißverschluss im Kleid.«
Oboe und Trompete stimmen ihm zu.
»Die offene Schranktür. Das laute und affektierte Lachen am Telefon. Die fünfte Räucherkerze.« Er schaut zu Linda. Ihre Augen sind riesig. Vielleicht aus Freude, vielleicht aber auch nicht. Das wird sich herausstellen. »Alles Dinge, die ich hasse. Von denen du weißt, dass ich sie hasse. Stimmt’s?«
Die Musik wird lauter. Linda beißt sich auf die Unterlippe.
Er greift ihr in den Nacken, als die Trompete zum Solo ansetzt. Mit einer kräftigen Bewegung zwingt er Linda, sich auf dem Sofa zu drehen, positioniert ihren Kopf auf der Lehne.
Sie schreit überrascht auf. Mit den Händen versucht sie sich abzustützen. Hastig. Rechts und links. Sie findet keinen Halt auf dem glatten Leder des Sofas.
Er ergreift mit der anderen Hand ihren Hosenbund. Zieht ihn mit einem Ruck nach unten, so dass der Stoff knackt. Kein Slip, denkt er. Noch etwas, das er der Liste hätte anfügen können. Wenn er es schon gewusst hätte. Aber er will nicht kleinlich sein.
Linda windet sich, kann sich seinem festen Griff in ihrem Nacken jedoch nicht entziehen. Sie versucht, ihren Kopf schräg zu legen, aber er lässt es nicht zu. Wie ein Schraubstock hält er sie in der Position.
»Ich frage mich, Linda, wieso so viele Dinge ausgerechnet an Heiligabend passieren. Ausgerechnet dir. Und ausgerechnet all das, was ich überhaupt nicht mag.« Er streicht mit der Handfläche über die nackte Haut ihres Hinterns. »Hast du darauf eine Antwort?«
»Zufall«, quetscht sie heraus. Sofort. Eine zurechtgelegte Reaktion.
Das Horn bricht dramatisch in die Melodie ein.
Mit einer kräftigen Bewegung setzt er einen Hieb. Auf das aufgeblätterte, empfindliche und schutzlose Stück Haut zwischen heruntergezogenem Hosenbund und bis auf den Rücken gerutschtem Shirt. Es klatscht. Die Musik kann es nicht übertönen.
Linda quietscht. Ihr Körper ruckt nach vorn. Ganz gleich, ob sie damit gerechnet hat oder nicht – die Härte des Schlages hat sie überrascht. Nicht alles verläuft nach ihrem Plan.
»Hast du auch eine ehrliche Antwort?« Er legt seine Handfläche wieder auf ihren Hintern. Greift noch einmal fester in ihren Nacken und unterbindet konsequent Lindas Versuch, ihren Körper zur Seite zu drehen.
Sie beginnt zu schweigen. Vollständig.



