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BOOTLEGS UND SCHWARZMARKT-CYBERWARE
Wem Original-Implantate zu teuer sind, der kann immer noch zu den billigen Kopien kleinerer Hersteller greifen. Diese Fälschungen bieten meist weniger Optionen und schlechtere Software, und sie neigen zu Ausfällen. Das ist eben das Risiko, wenn man »Militiatech« oder »Ara-Sake« kauft. Der Schwarzmarkt ist eine weitere Möglichkeit, aber die Preise sind oft recht hoch. Sicher, wenn noch Fetzen des Vorbesitzers an einem Cyberarm hängen, zahlt man weniger als für einen neuen, aber für gesuchte Ware wie den Prototyp eines brandneuen Gen-4-Großhirn-Enhancers muss man trotzdem seine Nieren auf die Theke klatschen – alle beide … oder die von jemand anderem. Hauptsache, sie sind gesund.

EIN GEN-4-ARM, ÜBERZOGEN MIT REALSKIN VON KLEIN-KIND-HAUTTEXTUR.
REALSKIN
RealSkin ist eine Technologie zur Herstellung synthetischer Haut, die praktisch nicht von echter zu unterscheiden ist. Entwickelt wurde RealSkin ursprünglich für den medizinischen Markt, damit Veteranen sich besser an ihre Cyberprothesen gewöhnen können. Während der nächsten 30 Jahre wurde RealSkin aber immer beliebter und erschwinglicher. Heute ist es der Standardüberzug für die meisten Implantate. Nur Fans des Retro-Stils und Besitzer teurer Sonderanfertigungen bevorzugen ihre Cybergliedmaßen »nackt« – sie tragen Implantate ohne RealSkin-Überzug.
BIOWARE
Bio- und Nanotechnologie sind noch immer recht neue Marktstandards. Sie entstanden als Nebenprodukt von Anti-Abstoß-Behandlungen, und ihr ursprünglicher Zweck war es, Implantate besser in einen Körper zu integrieren. Was mit künstlich gezüchteten Organen und »sanfter« Nanotech begann, könnte schon in ein paar Jahren die führende Technologie im Bereich Körpermodifikation sein. Bioware entwickelt sich rasend schnell weiter, vor allem in Europa, der Wiege erstklassiger biotechnischer Modifikationen. Als beste Bioware-Lieferanten des Marktes gelten skandinavische Labore und Kliniken, die zu relativ kleinen, von der Regierung kontrollierten Unternehmen wie Freya und Yggdrasill gehören. Alles, was ihre amerikanischen oder asiatischen Konkurrenten anbieten, ist im Vergleich dazu zweitklassig.

Der Aufstieg der Megakonzerne hatte auch Einfluss auf die technologische Entwicklung von Cyberware. So war die Erfindung von Gen-3-Cyberware ein Resultat des »kalten« Wettrüstens zwischen den Konglomeraten. Jeder Konzern wollte besser ausgestattete Soldaten und Agenten, um die Konkurrenz in Schach zu halten und das eigene Geschäft zu schützen. Leichtere und belastbarere Kohlenfaser- und Keramikpolymere ersetzten schwere Metalle. Für verdeckte Einsätze und Attentate entwickelte man verborgene, subdermale Panzerung und einziehbare Waffen. Und die kugel–, klingen- und feuerfesten Versionen von RealSkin, die zu jener Zeit entstanden, werden heute noch von den Sicherheitskräften der Konzerne benutzt.
Parallel dazu entstanden Bioware-Technologien, die nicht auf Kybernetik, sondern auf biologische Augmentationen setzten. Skinweave-Panzerung, Heil-Nanobots, Giftfilter und synaptische Upgrades wurden immer beliebter. Obwohl biomodifizierte Muskeln und Organe noch nicht so leistungsfähig sind wie ihre Cyberware-Gegenstücke, sind sie immun gegen EMP-Angriffe und für normale Scanner unsichtbar, außerdem sind die Träger weniger anfällig für Cyberpsychosen. Viele der gefährlichsten Agenten von Konzernen und Regierungen nutzen eine Mischung aus Cyberware und Bioware. Ich würde aber davon abraten, Cyberware von einer ungeprüften Quelle zu kaufen – es sei denn, du willst eine Infektion durch verrückte, an Häftlingen getestete Nanobots riskieren, die dir irgendwann das Nervensystem zerfressen.
Während der letzten 30 Jahre hat Bioware in allen Lebensbereichen und sozialen Schichten Einzug gehalten – vom Militär, medizinischen Anwendungen und Produktionstechniken bis hin zum Familien- und Sexleben und der Unterhaltungsindustrie. Sie hat legale und illegale Geschäftszweige erschaffen, von Braindance und Cyberfashion bis hin zum Schwarzmarkt für Cybergliedmaßen und biotechnische Organe. Die Menschheit wurde für alle Zeiten verändert.


03: EIN UNTERARMERSATZ MIT EINGEBAUTEM PROJEKTILWERFER.


FASHION MODEL


Die neueste und beste Cyberware kommt in zweierlei Gestalt. Das sind die Implantate, die von hochrangigen Konzernfunktionären und -agenten benutzt werden, z. B. Neuralprozessoren, Netrunning-Hackware, Cyberaugen der Stufe IV und Stress-Analyzer, also alles, was einem einen Vorsprung gegenüber Rivalen und Kollegen verschafft. Überzogen mit hochwertiger RealSkin, sind diese Gen-4-Augmentationen der Inbegriff des Management-Lifestyles und ein Statussymbol innerhalb der Konzerne.
Die zweite Art moderner Cyberware ist nicht weniger fortschrittlich, aber schon von Weitem erkennbar. Dieser Stil wird bei der sozialen Elite immer beliebter – den Industrieerben, den Braindance-Stars, den Sängern und anderen Prominenten. Fließende Linien; Gold und Platin, verwoben mit neuester RealSkin; anatomische Cybergliedmaßen aus purem Kristall, auf Orbitalstationen künstlich herangezüchtet; Echtholzplattierung, die Zehntausende Eurodollar kostet. Diese Art Cyberware ist rein dekorativer Natur und soll Status und Wohlstand ausdrücken.

DESIGNER-IMPLANTATE
Wer eine Sonderanfertigung kommerzieller Implantate haben will, sollte die richtigen Leute kennen und genug Geld angespart haben. Diese Cyberware ist extrem selten und teuer, wobei die Hälfte des Preises ein »Einzigartigkeitsaufschlag« ist. Trotzdem, maßgeschneiderte Implantate bedeuten Respekt und wirken Wunder für dein Ansehen auf der Straße.

04: EINE MEDIEN-INFLUENCERIN STREAMT DIE INSTALLATION IHRES MAXILLAKIEFERIMPLANTATS.
WAFFEN
ANMERKUNG
Um dieses kontroverse Thema genauer zu durchleuchten, haben wir einen Experten konsultiert. Wilson mag ein wenig exzentrisch wirken, aber er ist ein beinharter Befürworter des Second Amendment und ein Kenner von Waffen aller Größen, Formen und Couleur. Sein Wissen ist ebenso groß wie das Angebot in seinem Laden. Seine Tipps können dir helfen, Geld zu sparen – und dein Leben zu verteidigen.

Wir leben in gefährlichen Zeiten, mein Freund, und Night City ist eine der gefährlichsten Städte in Amerika. Die Verbrechensrate ist sehr hoch, Gangs sind allgegenwärtig, und jeder muss seinen eigenen Weg finden, mit der Situation fertigzuwerden. Zum Glück haben Regierung und Konzerne das ideale Mittel gefunden, um jeden gesetzestreuen Bürger zu schützen: den freien Verkauf von Waffen. Nimm doch gleich zwei – je mehr, desto besser.
Eine Waffe zu besitzen (ob nun legal oder illegal), bedeutet Sicherheit und Unabhängigkeit. Oder Macht und Prestige, wenn man Mitglied einer Gang oder ein Cyberpunk ist. Für diese Gruppen sind Waffen oft eine Visitenkarte und ein Statussymbol. Wie lautete doch gleich der alte Militech-Slogan aus der Werbung? »Sei kein Beta, nimm die Sache in die eigene Cyberhand.« Wahre Worte. Und genau das ist der Grund, warum das Geschäft boomt.
- WILSON, 2077
WAFFENKULTUR UND -GESETZE IN NIGHT CITY
WER BESITZT IN NIGHT CITY eine Waffe? Jeder, der es sich leisten kann. Wer trägt seine Waffen offen? In der Regel nur Leute, die sie täglich benutzen – also Gesetzeshüter, Konzern-Sicherheitsleute, Söldner und Gangster – aber oft auch Leute wie Ladenverkäufer oder Taxifahrer, die ihre Existenzgrundlage schützen müssen. Niemand will ein leichtes Opfer sein, schon gar nicht in einer armen Gegend. Sicher, es gibt Warn-Apps, die Leute auf Schießereien und erhöhte Gefahrenstufen in ihrem Teil der Stadt hinweisen, aber eine Waffe zu tragen, gilt gemeinhin als die bessere Sicherheitsvorkehrung.
Doch obwohl wir im Großstadtdschungel leben und die Behörden ziemlich gleichgültig sind, was den Besitz von Waffen angeht, tragen die meisten Leute ihre Schießeisen nicht offen, wenn sie einkaufen oder zur Arbeit gehen. Sicher, es gibt ein paar schießwütige Cowboys, die nur auf eine Gelegenheit warten, um zu »präventiver Selbstverteidigung« zu greifen, aber ein überraschend großer Teil der Bevölkerung hasst Waffen und betrachtet sie lediglich als notwendiges Übel.

05: EIN MÖCHTEGERNRÄUBER GERÄT AN EINE GUT VORBEREITETE LADENBESITZERIN.
Natürlich gibt es auch Orte, wo man es mit Waffen oder Offensivimplantaten etwas genauer nimmt, zum Beispiel Gerichte, Polizeireviere oder Bürgerämter. Diese Einrichtungen werden von der Polizei oder von privaten Wachdiensten und Sicherheitssystemen geschützt. Genauso verhält es sich auch in »Corporate Zones« (oder »Öffentlichen Räumen in Unternehmensbesitz«, wie sie auch heißen), die nicht offiziell zum Stadtgebiet gehören. Um verborgene Waffen und Cyberware aus landläufigen Verbundmaterialien zu erkennen, setzen Sicherheitsdienste auf Ganzkörper-Scanner am Eingang solcher Zonen und Einrichtungen. Zugang erhält nur, wer seine Waffen in einem Schließfach verwahrt und seine Offensivimplantate deaktiviert oder blockiert.

WAFFENGESETZE
Die Waffengesetze im Amerika des Jahres 2077 sind im Prinzip dieselben wie zu Beginn des Jahrhunderts. Das Recht auf Waffenbesitz ist heilig, vor allem jetzt, wo so viel Gewalt auf den Straßen herrscht. Die Gesetze werden von der US-Regierung vorgegeben, aber jeder Bundesstaat hat seine kleinen Eigenheiten. Waffen verborgen zu tragen, ist überall erlaubt, sie offen zu tragen überall außerhalb der Stadtgrenzen und in den meisten Vororten.
DER WAFFENMARKT
CORPO SOLDIER
»PRÄVENTIVE SELBSTVERTEIDIGUNG«
Da heute jeder tödliche Offensivimplantate tragen könnte, haben viele Bundesstaaten ihre Interpretation von Selbstverteidigung ausgeweitet. Laut dem Prinzip der »präventiven Selbstverteidigung« darf jeder, der »provoziert« wird, tödliche Gewalt anwenden, »um schweren oder tödlichen Schaden an der eigenen Person zu verhindern«. Die Definition von Provokation variiert zwar von Gericht zu Gericht, ist in der Regel aber nicht allzu strikt, so lange der Provokateur sichtbare Implantate hat, die verdächtig oder bedrohlich wirken. Leider gibt es ziemlich viele Implantate, die man als »verdächtig« oder »bedrohlich« beschreiben könnte.
WIE IN DEN MEISTEN AMERIKANISCHEN STÄDTEN kann man auch in Night City so ziemlich jede Handfeuerwaffe legal erstehen. Wenn dir billiger Schrott reicht, geh zu einem Verkaufsautomaten, da bekommst du für ein paar Eurodollar eine dieser »Ein-Schuss-Polymerwaffen« von BudgetArms. Super- und Minimärkte führen ein simples Angebot, das weniger anspruchsvollen Bürgern genügen dürfte. Wer hingegen ein Connaisseur ist, der suche lieber eine Waffenboutique auf.
Schwere Waffen sind ein anderes Thema. Der Besitz und Verkauf sogenannter »Kriegswaffen« ist innerhalb von Night City strikt verboten, aber die großen Konzerne sind von diesem Gesetz ausgenommen. Ihre Sicherheitstruppen dürfen schwere Waffen einsetzen, wenn »die öffentliche Sicherheit gefährdet« ist – das gilt auch in »Corporate Zones«. Mit anderen Worten, Konzern-Soldaten können legal Miniguns einsetzen, wenn Firmeneigentum oder -personal gefährdet ist. Und Eliteeinheiten der Polizei wie MaxTac dürfen natürlich auch schwere Waffen einsetzen. Eine militarisierte Polizei ist schließlich eine effektive Polizei, richtig?
Das heißt aber nicht, dass man bei unabhängigen Verkäufern nicht auch schwere Waffen bekommt. Wenn du weißt, wo du sie findest, können Fixer dir praktisch alles besorgen – einschließlich der neuesten Waffenprototypen der Konzerne. Du musst nur genügend Geld mitbringen.



06: DIE M-179 ACHILLES VON MILITECH IST WEGEN IHRER PRÄZISION UND ZUVERLÄSSIGKEIT BEI SOLDATEN UND SÖLDNERN BELIEBT.

WAFFENHERSTELLER

07: MALORIAN ARMS IST BEKANNT FÜR SEINE KLEINWAFFEN FÜR WETTBEWERBE UND ZUM SELBSTSCHUTZ.
BORG-WAFFEN
»Borg« ist der Spitzname für eine Unterkategorie von Power- und Techwaffen, die nur von stark augmentierten Schützen gehandhabt werden können. Sie setzen spezielle Cybergliedmaßen, Ganzkörper-Konversionen oder zumindest erweiterte Kampfrüstungen voraus. Besonders beliebt sind sie bei Söldnern mit exzessiven Cybermods und bei den berüchtigten Psychoeinheiten der Polizei.
DIE SPITZENPLÄTZE in der modernen Waffenherstellung gehen an asiatische Firmen. Arasaka und Tsunami Defence Systems, beide aus Japan, bieten Hightech-Waffen der höchsten Qualität, aber sie müssen sich die Krone mit einem neuen Konkurrenten aus China teilen, mit Kang Tao, dem aufstrebenden Marktführer im Bereich »smarter« Techwaffen.
In der Mittelklasse wird das Feld breiter, und wir sehen amerikanische Unternehmen an der Spitze dieser Kategorie. Militech, der berühmte Militärdienstleister, konzentriert sich auf die Massenproduktion von Feuerwaffen nach militärischem Vorbild. Midnight Arms besticht durch seine schweren Waffen, hauptsächlich Borg-Modelle. Malorian Arms hingegen hat Mühe, mit der Konkurrenz mitzuhalten; einst eine berühmte Marke, hat der Hersteller seit 2043 kein neues Modell mehr veröffentlicht. Trotzdem profitiert er noch immer von seinem ikonischen Ruf als Lieferant verlässlicher Handfeuerwaffen. Techtronica – eine Marke, die wohl am besten für Hightech-Zivilwaffen bekannt ist – hat ihr Angebot vor Kurzem um Militärroboter erweitert, was dem Unternehmen den Spottnamen »das russische Militech« einbrachte. Wer nicht auf moderne Technologie besteht und eher etwas Einfaches, Solides in der Mittelklasse sucht, dem seien hingegen Constitutional Arms und seine exzellenten Schrotflinten und Maschinengewehre ans Herz gelegt.
Wenn man aufs Geld achten muss, muss man natürlich auch seine Ansprüche herunterschrauben, aber selbst im Tiefpreisbereich gibt es Optionen. Nokota etwa bietet billige Waffen an, die trotzdem verlässlich und durchschlagskräftig sind. Wem Stil wichtiger ist als Qualität, der dürfte bei Darra Polytechnic aus Indien fündig werden. Die Waffen des serbischen Herstellers Rostovic sind billig, schlicht und leicht modifizierbar. Und risikofreudige Zeitgenossen können auch auf Budget Arms‘ Do-It-Yourself-Kits aus dem 3D-Drucker zurückgreifen – jetzt sogar in klassischem Retro-Pink erhältlich.


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