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Sogar München, dachte Franzke, alle Achtung.
Nun wurde all das, was auf dem Schreibtisch herumlag, Stück für Stück unter die Lupe genommen.
»Im Portemonnaie kein Geld«, sagte Litzenberg. »Natürlich, der Freier hat ja auch nicht bezahlt. Dafür zwei Ausweise: einer für die Leihbibliothek, der andere für das Amtsgericht Neukölln.«
»Da soll sie angeblich mal gearbeitet haben«, fügte Albrecht hinzu. »So die Wirtsleute.«
Litzenberg zeigte auf eine Butterstulle, die auf der Schreibtischplatte lag. »Franzke, was sagt uns das?«
»Da sie nicht angebissen ist, muss der Besuch überraschend gekommen sein.«
Der Kriminalkommissar war nicht ganz zufrieden. »Ja, aber was kann es noch bedeuten?«
»Dass sie die Stulle für ihren Besuch geschmiert hat, der aber nicht mehr zum Essen gekommen ist.«
»Sehr schön, Franzke!« Litzenberg roch an der Stulle. »Die teure Butter und keine Margarine, hm!« Er wusste selber nicht so genau, wie das einzuordnen war. »Vielleicht hat sie ihn verwöhnen wollen. Also doch kein Freier, sondern ein Liebhaber. Einer von denen hier vielleicht.« Er zeigte auf die Photographien eines Reichswehrsoldaten und eines anderen jungen Mannes, die neben einer Hindenburg-Büste auf dem Schreibtisch standen.
»Kann es nicht auch sein, dass beide gleichzeitig hier waren?«, fragte Franzke.
Albrecht schüttelte den Kopf. »Dann hätte sie zwei Butterbrote geschmiert.«
Litzenberg lachte. »Der eine hatte keinen Hunger.« Er sah Franzke an. »Wie kommen Sie denn darauf, dass beide hier gewesen sein könnten?«
»Na, weil hier Skatkarten liegen, und das geht nur richtig zu dritt.«
»Sie könnte ja auch mit den Wirtsleuten gespielt haben«, wandte Albrecht ein.
Litzenberg winkte ab. »Die sind doch gleich, nachdem die Rolland einzogen ist, verreist. Sehen wir mal weiter!«
Das taten sie. Sie fanden Notenblätter, die mit handschriftlichen Anmerkungen der Rolland versehen waren und darauf schließen ließen, dass sie selber Klavier gespielt hatte, und einen Stapel Briefe.
»Was haben wir denn da?«, rief Litzenberg, als er einen Aschenbecher aus durchsichtigem Glas entdeckt hatte. »Einen herrlichen Fingerabdruck! Von der Größe her ganz bestimmt der eines Mannes. Na bitte!«
Man machte sich daran, mit den Eheleuten Zeitz zu sprechen und die Nachbarn zu befragen. Zwei von ihnen hatten einen fremden Mann am 21. Februar die Treppe heraufkommen sehen und konnten ihn recht gut beschreiben. Als man ihnen die Photos der beiden Männer zeigte, die bei der Rolland auf dem Schreibtisch standen, schlossen sie aus, dass es einer von denen gewesen war.
Als sie wieder an den Tatort zurückkehrten, sagte ihnen Erich Zeitz, dass ihm inzwischen noch etwas eingefallen sei. »Beim Umzug, da haben dem Fräulein zwei Männer und eine Frau geholfen, und da kann ich mich erinnern, dass die Frau zu einem gesagt hat, als sie das Klavier hochgetragen haben: ›Mehr nach rechts!‹ Daraufhin hat der Mann geantwortet: ›Jeht nich, ick heiße Lincke, ick kann nur nach links.‹«
Das war ein Ansatzpunkt, und als sie die Einwohnerkarteien durchsahen, hatten sie schnell den Mann gefunden, der es sein konnte: Heinz Lincke, ein junger Schlächter aus der Elbestraße. Er kam auch deshalb in Frage, weil Mathilde Rolland vorher ganz in der Nähe, in der Kaiser-Friedrich-Straße, gewohnt hatte.
Litzenberg und Franzke machten sich auf den Weg in die Elbestraße. Genau in der Mitte zwischen dem Neuköllner Schifffahrtskanal und der Sonnenallee fanden sie Lincke in einem Mietshaus. Er wohnte noch bei seinen Eltern und war arbeitslos.
»Det se umjebracht worn is, hab ick schon jehört. Traurig, wa? Woher ick die Hilde kenne? Na, aus de Partei. Erst war ick inne KPD, aba bei die Nappsülzen, da war ja nischt zu holen, dann bin ick in die NSDAP und inne SA. Jetroffen ham wa uns alle in unsam Sturmlokal, Kaiser-Friedrich-Straße 25. Und letzten Sonnabend, da hab ick die Hilde beim Ziehen jeholfen.«
Franzke verstand das nicht. »Beim Ziehen?«
»Beim Umziehn! Da isse ja von hier weg inne Friedelstraße. Die Marianne Intek, det war ihre Freundin, der Bruda von der und icke, wir drei, wir ham ihre Sachen inne Friedelstraße jebracht.«
Litzenberg nickte. »Und Sie waren dem Fräulein Rolland auch sonst sehr verbunden?«
Lincke grinste. »Und wie! Aba ick hab et umsonst bei ihr bekommen. Und inne Friedelstraße ham wa jleich det neue Bett einjeweiht.«
»Und dann sind Sie gegangen?«
»Ja, um viere bin ick weg, ick hatte noch ’n Einsatz. Fragen Se bei uns int Sturmlokal. Außerdem war se um fünf noch mit eenem andern verabredet. Eena, der ma, als wa die Klamotten nach ohm jetragen ham, schon anjequatscht hatte, uff da Treppe.«
Franzke glaubte Lincke. Es gab nicht den geringsten Grund für ihn, die Rolland umzubringen. »Niemand schlachtet das Huhn, das ihm die schönsten Eier legt«, sagte er zu Litzenberg.
»Ganz meine Meinung!«
Sie ließen sich von Lincke eine Beschreibung des Unbekannten geben: zwischen 25 und 30 Jahre alt, etwa 1,75 Meter groß, schlank, sportliche Figur, mittelblondes langes und glatt nach hinten gekämmtes Haar, längliches Gesicht mit hervorstehenden Wangenknochen, helle Stimme, ein bisschen weiblich. Bekleidet mit einer Joppe und langen dunklen Hosen. In der Hand eine Aktentasche.
Als sich dann herausstellte, dass die Fingerabdrücke auf dem Aschenbecher von Lincke stammten, waren die Ermittler enttäuscht.
Blieb der Hinweis auf die NSDAP. Franzke und Litzenberg behagte es gar nicht, dass der Mörder der Rolland womöglich in ihrem eigenen Milieu zu suchen war, aber Dienst war Dienst, und so kamen sie nicht umhin, im Sturmlokal Kaiser-Friedrich-Straße 25 Nachforschungen anzustellen.
Dort trafen sie auf einen früheren Nachbarn der Rolland, einen gewissen Franz Pitarski, der ihnen erzählte, dass die Ermordete viel für die Partei geschrieben hatte und eine fanatische Anhängerin gewesen war. »Wie ich die Mathilde kennengelernt habe? Durch die Partei, ich bin auch Nationalsozialist und sogar Zellenführer. Da muss ich regelmäßig Parteigenossen aufsuchen und ihnen Nachrichten bringen. Und die Beiträge kassieren. Die Hilde, das war eine intelligente Frau, aus der hätte noch was werden können. Erst war sie beim Amtsgericht Neukölln beschäftigt als Justizangestellte, glaube ich, dann im Wohlfahrtsministerium in der Leipziger Straße.«
»Und warum hat sie da aufgehört?«, wollte Franzke wissen.
»Aufgehört?« Pitarski schüttelte den Kopf. »Sie hat nicht freiwillig aufgehört. Man hat ihr gekündigt!«
»Und warum?«
»Keine Ahnung! Es hieß damals, dass sie in eine Spionagegeschichte verwickelt gewesen sein soll. Als sie in Schöneberg wohnte, hatte sie Polen als Freunde gehabt, und die sollen der Grund dafür gewesen sein, dass sie gefeuert worden ist.«
Litzenberg hakte bei den Behörden nach, konnte aber nichts in Erfahrung bringen, was für sie interessant gewesen wäre. Ganz abwegig schien aber der Gedanke an einen politischen Mord nicht zu sein, denn Lincke und die Geschwister Intek, die der Rolland beim Umzug geholfen hatten, berichteten, dass am Vormittag angeblich ein Onkel bei ihr aufgetaucht sei und sich nachmittags ein jüngerer Mann nach ihr erkundigt habe. Näheres konnten sie aber auch nicht sagen.
Das Gespräch mit Marianne Intek brachte aber in anderer Hinsicht wertvolle Erkenntnisse. Man hatte die Büroangestellte nicht in ihrer Wohnung oder an ihrem Arbeitsplatz aufgesucht, sondern ins Präsidium vorgeladen.
»Die Hilde, die Mathilde habe ich bei Ziemann kennengelernt, bei Oskar Ziemann in Charlottenburg, da sind wir Kolleginnen gewesen.«
»Und was haben Sie da gemacht?«, fragte Litzenberg, der schon etwas zu ahnen schien.
»Ich war Helferin für Bestrahlung und Höhensonne«, antwortete die Intek.
»Keine Massagen?«, wollte Litzenberg wissen.
Marianne Intek senkte den Kopf. »Doch …«
»Also ganz gewisse Massagen?«
»Ja, aber ich hatte nie Geschlechtsverkehr mit einem Patienten.«
»Und die Rolland?«, fragte Litzenberg.
»Kann sein …«
Franzke hakte nach. »Und kann es auch sein, dass sie Männer, die bei Ziemann waren, zu sich nach Hause bestellt hat?«
»Gott, junger Mann, wir wollen alle überleben!«
Franzke nickte. Ja, es musste eine andere Zeit kommen, ein Drittes Reich, in dem die Menschen wieder Arbeit und eine sichere Zukunft hatten!
Litzenberg zückte seinen Notizblock. »Können Sie denn den jüngeren Mann beschreiben, Fräulein Intek, der sich mit der Rolland treffen wollte?«
»Ja, klar!«
Die Beschreibung, die ihnen Marianne Intek lieferte, deckte sich weithin mit der von Heinz Lincke, so dass sie ein »Mordplakat« drucken und überall in Neukölln und nebenan in SW 29 aushängen konnten. Für Hinweise zur Ergreifung des Mörders wurden eintausend Reichsmark Belohnung ausgesetzt.
Litzenberg und Franzke konnten erst einmal Atem holen und die Ruhepause im Fall Rolland nutzen, um zum Sportpalast zu gehen, wo Joseph Goebbels eine Rede halten sollte. Es hieß, er würde bei dieser Gelegenheit die Kandidatur Adolf Hitlers für das Amt des Reichspräsidenten verkünden.
Noch war es nicht so weit, dass alle Deutschen wussten, was es mit der Vorsehung auf sich hatte, aber wenn Heinz Franzke später auf das zu sprechen kam, was er im Mai 1932 erlebt hatte, kam er ohne sie nicht aus.
In der Kantine des Polizeipräsidiums hatte es eine kleine Feier gegeben, den Tanz in den Mai bei einer gehaltvollen Bowle.
Franzke war ein annehmbarer Tänzer, und bei der Damenwahl stand Fräulein Grützmacher vor ihm, Gisela Grützmacher, und fragte ihn: »Darf ich bitten?«
Das Licht war zum Glück so schummrig, dass niemand sehen konnte, wie sehr er errötete, denn die Stenotypistin, die ein wenig älter war als er, stand in dem Ruf, gerne Männer zu vernaschen, und seine Erfahrungen auf erotischem Gebiet beschränkten sich auf Doktorspiele, harmlose Knutschereien und das, was man umgangssprachlich Handbetrieb nannte. Vor käuflicher Liebe war er stets zurückgeschreckt, denn die stand bei ihm für undeutsche Dekadenz. Außerdem fürchtete er zweierlei: zum einen, sich anzustecken – mit der Gonorrhö oder gar der Syphilis –, und zum anderen, bei einer Razzia im Bordell erwischt und wegen sittlicher Verfehlungen aus dem Dienst entfernt zu werden. Freundinnen hatte er mehrere gehabt, aber nie war es zum Intimverkehr gekommen, höchstens hatte sich sein Samen, nachdem er sich lange an einem Frauenkörper gerieben hatte, in die Unterhose ergossen.
Die Aussicht, von Fräulein Grützmacher noch an diesem Abend verführt zu werden, ließ seinen Blutdruck hochschnellen, erfüllte ihn aber auch mit gehöriger Angst. Wenn er nun versagte und sie das überall herumerzählte, wäre er erledigt gewesen. Es musste also die berühmte Güterabwägung getroffen werden, und da entschied er sich nach längerem innerem Ringen für das erste Mal. Schließlich war er 24 Jahre alt. Allerdings … Vater werden wollte er auf keinen Fall. Aber so erfahren, wie Fräulein Grützmacher war, hatte sie ganz sicher eine Packung Fromms zu Hause.
»Sie sind doch sicherlich Kavalier und bringen mich nach Hause?«, fragte sie, als die Feier gegen zehn Uhr abends zu Ende ging.
»Aber selbstverständlich! Wo wohnen Sie denn?«
Fräulein Grützmacher lachte. »Na, gleich um die Ecke, draußen in Lichterfelde.«
Franzke deutete eine kleine Verbeugung an. »Sie würde ich bis ans Ende der Welt bringen.«
Sie fuhren mit der Straßenbahn bis zum Potsdamer Bahnhof und erwischten dort den letzten Zug nach Wannsee. Im Zug kuschelte sie sich an ihn und ließ sich nach dem Aussteigen in einer dunklen Ecke des Bahnhofs Lichterfelde-West auch küssen, doch als die beiden vor ihrem Wohnhaus am Weddingenweg angekommen waren, kam die kalte Dusche für ihn.
»Nett, dass Sie mich gebracht haben«, sagte Fräulein Grützmacher beim Aufschließen der Haustür.
Er spielte den Mann von Welt und gab sich so wie die Männer in den UFA-Filmen. »Den Dank, edle Dame, begehr ich wohl, und wenn es nur eine Tasse Kaffee bei Ihnen oben ist. Ich brühe ihn auch gern selber.«
Sie warf ihm eine Kusshand zu. »Tut mir leid, aber mein Verlobter wartet oben auf mich. Und es ist seine Wohnung.«
Damit war er also abgeblitzt. Er konnte es nicht begreifen. In der ersten Aufwallung wollte er einen Stein nehmen und ihn in die Scheibe des Zimmers werfen, in dem gerade das Licht anging, aber er konnte sich gerade noch beherrschen. Dann stand er da wie gelähmt. Wie ein begossener Pudel, wie der Ritter von der traurigen Gestalt.
Was blieb ihm also anderes übrig, als nach Hause zu trotten. Die Kommandanten- bis zur Ringstraße und dann den Gardeschützenweg hinauf in Richtung Bahnhof Steglitz. Drei Kilometer mochten es sein, also keine Entfernung, die ihn hätte jammern lassen.
Er blickte in jede Wohnung hinauf, in der noch Licht brannte, in jedes Schlafzimmer, und stellte sich vor, was sich dort gerade anbahnte oder bereits geschah. Alle genossen das, was ihm verwehrt worden war, und er glaubte, Lustschreie zu hören.
Nein … Er blieb stehen. Das eben hatte eher nach einem Hilfeschrei geklungen.
Er war aus der Villa rechts vor ihm gekommen. Eben wurde dort ein Vorhang vorgezogen. Mit einem kräftigen Ruck.
Der Kriminalist in ihm erwachte. Kein Wohnungsinhaber riss derart an einem Vorhang, musste man doch damit rechnen, dass einem die Gardinenstange auf den Kopf fiel oder der Stoff Schaden nahm. So konnte nur ein Fremder handeln, ein Einbrecher. Und wenn das, was er eben gehört hatte, wirklichein Hilfeschrei gewesen war, dann hieß das, dass der Einbrecher vom Wohnungsinhaber überrascht worden war. Jetzt stand er vielleicht mit gezogener Pistole vor ihm, um ihn zu fesseln und zu knebeln. Oder zu erschießen, wenn es zur Gegenwehr kam. Das war das übliche Szenario.
Franzke überlegte. Ehe er die nächste Telefonzelle fände und die Kollegen von der Schutzpolizei alarmieren könnte, verging zu viel Zeit, also musste er selber handeln. Tat er es nicht und geschah in der Zwischenzeit ein Mord, konnte das disziplinarrechtliche Folgen für ihn haben. In jedem Fall aber würde ihm dies die herbe Kritik und den Spott seiner Vorgesetzten und Kollegen einbringen, und das war nicht gut für seine Karriere. Also schlich er sich durch den Vorgarten. Die Eingangstür war nur angelehnt, was ihn in seiner Vermutung bestätigte. Er kam in einen Windfang und dann in die Diele. Im ersten Stock hörte er Stimmen.
Zwei Männer sprachen mit einer jungen Frau.
»Wo ist der Schüssel zum Tresor?«
»Das weiß ich nicht, den hat mein Vater.«
»Raus mit der Sprache, sonst knallt’s!«
Das sagte alles. Franzke überlegte. Wenn er doch nur seine Dienstwaffe bei sich gehabt hätte! Aber so? Allein hätte er gegen zwei Männer, von denen zumindest einer eine Schusswaffe bei sich führte, keine Chance gehabt.
Was tun? Jedes Zögern konnte der jungen Frau das Leben kosten, aber wenn er jetzt nach oben stürzte, starrte er auch nur in den Lauf einer Pistole und hatte die Hände hochzunehmen.
Es blieb ihm nur ein Überraschungscoup.
Er sah eine Steckdose. Nun brauchte er nur noch eine Büroklammer, drei Nägel oder … In der Schale, die auf der Flurgarderobe stand, entdeckte er zwei Haarklammern aus Metall. Mit denen ging es auch. Er verdrillte sie miteinander, bog sie zurecht, fasste das U-förmige Gebilde in der Mitte mit seinem Taschentuch und steckte die beiden Enden in die Dose.
Es gab einen gewaltigen Kurzschluss, und im gesamten Haus erlosch das Licht.
»Hände hoch, Polizei!«, schrie er gleichzeitig. »Die Waffen auf den Boden!«
Der Diplom-Ingenieur Martin Diemitz galt als ein gemachter Mann. Aus der Sicht von Konzernen wie Thyssen, Krupp oder Mannesmann war seine Metallwarenfabrik in der Britzer Gradestraße nur eine kleine Klitsche, aber sie hatte ihm immerhin eine stattliche Villa, ein Wassergrundstück in Wernsdorf, eine Motoryacht und einen kleinen Fuhrpark eingebracht. Daneben aber auch eine wunderbare Frau, seine Isolde, die seinetwegen ihre Karriere als Opernsängerin aufgegeben hatte. Zwei Kinder hatte sie ihm geschenkt, einen Sohn und eine Tochter, ein Pärchen also, was als Idealfall galt. Ingemar hatte Medizin studiert und gab als Chirurg in der Charité zu großen Hoffnungen Anlass, Irmhild ging auf das Konservatorium und wollte in die Fußstapfen ihrer Mutter treten und Opernsängerin werden. Sie war der Augapfel des Vaters, und so hatte dieser nicht gezögert, den Retter seiner Tochter zu einem festlichen Essen einzuladen. Ins Adlon natürlich.
Nach der Suppe hob Diemitz sein Glas, um eine kleine Rede zu halten. »Mein lieber, verehrter junger Freund, lieber Herr Franzke! Wir haben uns heute hier zusammengefunden, um Ihnen von Herzen für die Rettung unserer Tochter und Schwester zu danken. Sie ist unser Ein und Alles. Und wären Sie nicht rechtzeitig erschienen und hätten großen Mut bewiesen, wäre sie womöglich … Ich kann es nicht aussprechen, verzeihen Sie mir. Wie Sie die Verbrecher mit Ihrer List, würdig eines Odysseus, dazu gebracht haben, von Irmhild abzulassen, und einen von ihnen bei der Flucht dann auch noch gepackt und niedergeschlagen haben, verdient unsere höchste Bewunderung. Da nun auch der zweite Einbrecher gefasst ist, können wir wieder in Ruhe das Haus verlassen. Auch unsere Irmhild hat sich von dem Schrecken erholt, heute ist sie nun endlich von ihrer Kur zurück, und wir können nachholen, was lange fällig war: unser Beisammensein hier im Adlon. Ein dreifaches Hoch auf unseren edlen Ritter, auf Herrn Heinz Franzke!«
Das Essen kam, und es entwickelte sich ein sehr anregendes Gespräch.
»Was halten Sie eigentlich von Adolf Hitler?«, fragte Diemitz.
Franzke zögerte mit einer Antwort. »Politische Lieder sind ja immer garstige Lieder, wie der Herr Goethe meint, und der Rehrücken hier ist so wunderbar, dass ich …«
»Wir sind immer deutschnational gewesen«, sagte Diemitz. »Und wenn Hugenberg Hitler unterstützt, dann soll es uns recht sein. Ingemar liebäugelt auch schon mit der NSDAP.«
»Nun gut!« Franzke wollte es wagen, ein Geständnis abzulegen. »So, wie ich aufgewachsen bin, kann es für mich gar keine andere Wahl geben. Ich bin am 1. August in die Partei Adolf Hitlers eingetreten.«
»Gut so, junger Mann!«, rief Diemitz, »denn die Zukunft Deutschlands heißt Adolf Hitler!«
Irmhild Diemitz, die bisher geschwiegen hatte, sah Franzke strahlend an und fragte ihn, ob es ihm denn schon gelungen sei, den Neuköllner Frauenmörder zu fassen.
Er stöhnte. »Nein, leider nicht! Und das Schlimmste ist, die Akte Mathilde Rolland wird bis auf weiteres als ergebnislos geschlossen werden müssen. Das macht mich furchtbar wütend, denn jeder Mann, der einer deutschen Frau so etwas antut, verdient meiner Meinung nach nur eines: die Todesstrafe. Und wenn die Akte zehnmal auf Weisung von oben geschlossen wird, ich werde nicht eher ruhen, bevor ich den Mörder der Mathilde Rolland an den Galgen gebracht habe.«
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