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Die Wartefrist nutzte Huxley zur lockeren Kontaktpflege mit seinen Bekannten aus der Finanzbranche. Ihn interessierte dabei vor allem, was sie ihm über die Wachovia Bank in den USA erzählen konnten. Cyrill Fletcher, eine quirlige, sehr schlanke Frau Mitte dreißig, gab ihm den entscheidenden Hinweis, wie sich bald herausstellen sollte.
»Du solltest dich mit Martin Woods in Verbindung setzen.«
»Martin Woods?«
»Ja, er trat 2005 bei der Wachovia ein, als Senior-Manager gegen mögliche Geldwäscherei-Delikte. Doch nach knapp zwei Jahren hat man ihn rausgeschmissen und er arbeitete danach für Scotland Yard. Man erzählt sich hinter vorgehaltener Hand, dass das oberste Management der Wachovia kein Interesse an den vielen Hinweisen und Beanstandungen von Woods gezeigt habe. Sie scheinen dort die Stabsstellen gegen Geldwäscherei nur geschaffen zu haben, weil sie von der Bankenaufsicht dazu gedrängt wurden. Woods sollte ihnen wohl als Feigenblatt dienen.«
»Und wie kann ich Kontakt zu ihm aufnehmen? Lebt er in England oder den USA?«
»Soweit ich weiß, lebt er immer noch hier in London. Aber lass mich mal ein wenig herumtelefonieren.«
Die beiden saßen in der obersten Etage von Harvey Nichols, genauer gesagt in der Café und Espresso Bar. Sie hatten sich zum Lunch Club-Sandwichs bestellt. Ein 2007er Chardonnay vom Newton Wineyard im Nappa Valley, den Henry zuvor im Weinshop erstanden hatte, adelte die eher schlichte Mahlzeit.
Die Nase des kalifornischen Weißweines duftete verführerisch nach Ananas und Mangos, reifen Pfirsichen und Papaya. Ein einzigartiges Fruchtbouquet, das die Sinne berührte. Dem cremigen Auftakt im Mund folgte ein honigartiger Fluss, der eine enorme Fülle zeigte und von Marillen und Pfirsichen begleitet wurde. Es war ein Wechselspiel von Frische und Fülle, mit edler Vanillenote im Hintergrund und einer überwältigend, fruchtigen Ananas im langanhaltenden Finale.
»Ein Wein, für den man töten könnte«, war der neckische Kommentar von Cyrill nach ihrem ersten, genießerischen Schluck gewesen.
Henry blickte sich im Restaurant um, während seine Bekannte verschiedene Nummern nacheinander anrief und nach Woods ausfragte. Ein Pärchen fiel Henry ganz besonders ins Auge. Die beiden blickten angestrengt und lange in die Menükarte des Cafés und gaben anschließend eine äußerst kurze Bestellung beim Kellner auf. Der brachte ihnen wenig später zwei Mineralwasser. Was Huxley jedoch wirklich misstrauische machte, war ihr gegenseitiger Umgang. Sie wechselten kaum ein Wort miteinander, blickten die meiste Zeit aneinander vorbei. Waren das vielleicht zwei Polizeibeamte in Zivil? Gar Agenten von Scotland Yard oder vom MI6?
Der Mann war Anfang dreißig und wirkte auf ihn wie ein gewöhnlicher Börsenmakler, wie sie zu tausenden in der City unterwegs waren. Dunkles, nicht allzu teures Tuch, eine dezente Krawatte mit Streifen, schwarze Lackschuhe und ein durchschnittlich langweiliges Gesicht.
Die Frau war wesentlich jünger und sah in den Augen von Henry höchst erfreulich aus, auch wenn ihr Gesicht etwas gewöhnlich wirkte. Ein Landei in der großen Stadt, gehüllt in ein Kleid, das einem Luxusstück von Dolce & Cabana nachempfunden war, eine Billigimitation, welche die Frau wohl am Petticoat Lane Market aufgestöbert hatte. An einem ihrer hochhackigen, recht neu wirkenden Pumps war der Gummiabsatz ein wenig verschoben, Indiz für Ramsch-Ware aus Fernost.
Henry war beruhigt. Es mochte sich um ein verbotenes Liebespaar handeln, das in seinen letzten, gemeinsamen Tagen lag und sich darum nichts mehr zu sagen hatte.
Cyrill Fletcher beendete eben ihr viertes Gespräch und nickte Henry aufmunternd zu.
»Also. Martin Woods wohnt immer noch in einem Apartment in der City. Ich schick dir seine private Telefonnummer.«
Sie drückte ein paar Knöpfe und in Henrys Sakkotasche piepste es zweimal leise.
»Danke Cyrill, du bist die Beste.«
»Und warum willst du mehr über die Wachovia erfahren? Da ist doch etwas im Busch? Woran arbeitest du derzeit, Henry?«
Der Brite schmunzelte.
»Darüber darf ich dir leider nichts erzählen, Cyrill. Sonst müsste ich dich anschließend töten.«
Sein scherzhafter Tonfall nahm den Worten ihre Brutalität, zog sie im Grunde ins Lächerliche. Doch die Frau schmunzelte keineswegs, sondern blickte ihrem guten Bekannten mit forschenden Augen ins Gesicht.
»Ich kann mir nicht helfen, Henry, aber ich glaub dir das sogar.«
*
Toni musste in Las Vegas volle drei Wochen ausharren, bis ihm die Detektei endlich ihren nächsten Bericht über Caspar Jakes schickte, dem General Manager von Hecksmith & Born.
»Monday, February 22 2010: CJ flog mit AA527 nach Los Angeles, traf um 12:30 PM ein und fuhr mit dem Taxi direkt zur Gage Avenue Nummer 2100, besuchte dort Tracy Egloff, eine Prostituiert, die unter dem Künstlernamen Jamie S. ihre Kunden empfängt. Eine Stunde später kehrte er auf den Flughafen zurück und flog mit AA741 nach Vegas zurück, fuhr in sein Büro, wo er bis 8:00 PM blieb und dann direkt nach Hause fuhr. Keine Aktivitäten in der Nacht.«
»Tuesday, February 23 2010: CJ arbeitet von 9:00 AM bis 5:00 PM im Büro. Lunch zwischen 1:00 PM und 3:00 PM mit einem Ernesto Herero, einem hiesigen Anlageberater. Redeten über Startup Unternehmen, in die sich Investitionen lohnen könnten. Keine Aktivitäten in der Nacht.«
»Wednesday, February 24 2010: CJ arbeitet von 8:00 AM bis 3:00 PM im Büro ohne Pause. Kehrte nach Hause zurück, wo eine Party zum Geburtstag seines vierjährigen Sohnes stattfand. Keine Aktivitäten in der Nacht.«
»Thursday, February 25 2010: CJ flog mit UA 567 nach San Francisco, traf um 9:30 AM ein und nahm sich bei Hertz einen Mietwagen. CJ fuhr nach Downtown in die California Street Nummer 50. Unser Agent vor Ort hat ihn in diesem Bürogebäude verloren. CJ kehrte nach rund fünf Stunden zu seinem Wagen zurück, fuhr direkt zum Flughafen und gelangte mit US Airlines 2973 um 7:00 PM nach Vegas zurück. Direkte Fahrt nach Hause. Um 8:30 PM fuhren er und seine Frau zum Abendessen ins Aureole, besuchten später die Late Show im Caesers Palace, kehrten gegen Mitternacht in ihr Haus zurück.«
»Friday, February 26 2010: CJ arbeitete von 9:00 am bis 5:00 pm im Büro. Kurzer Lunch-Break mit einem seiner Mitarbeiter im Diego. Redeten bloß allgemein über das Geschäft und über Sportresultate.«
So oder ähnlich ging es weiter im Bericht. Die Wochenenden gehörten ausschließlich der Familie, einmal die Woche besuchte er ein wechselndes Callgirl in Los Angeles. Wie die meisten Fremdgeher bevorzugte auch Caspar Jakes eine gewisse Distanz zu seinem Wohnort, obwohl doch gerade dies besonders auffiel, sobald jemand zufällig an einem ungewohnten Ort auf einen alten Bekannten stieß. Aber in dieser Beziehung schienen die meisten Männergehirne gleich geschaltet zu sein.
Interessanter fand Toni, dass Jakes in der dritten Woche wiederum nach San Francisco geflogen war und zum selben Bürogebäude fuhr, diesmal jedoch bloß knapp eine Stunde dort verbracht hatte und ohne Verzögerung nach Las Vegas zurückkehrte. Der Detektiv konnte auch diesmal nicht sagen, welche Firma Caspar Jakes im Gebäude besucht hatte. Doch der Beschattete hatte den Fahrstuhl im 23. Stockwerk verlassen. Dort tummelten sich ein gutes Dutzend kleinerer Unternehmen.
Ohne Gefahr einer Entdeckung konnte die Detektei den genauen Besuchsort von Jakes nicht herausfinden, wie sie im Bericht versicherte. Der Lift endete im 23. Stockwerk in einem langen, schmalen Flur ohne Empfang, von dem die Türen zu den einzelnen Firmen abgingen. Falls ihr Privatdetektiv mit Jakes zusammen den Fahrstuhl verlassen würde oder ihn bereits auf dem Stockwerk erwarten wollte, dann könnte der CEO von Hecksmith & Born Verdacht schöpfen.
Toni flog darum selbst nach San Francisco und schaute sich das Gebäude gründlich an. Im Erdgeschoss, neben der Lifttür, war eine riesige Tafel mit allen Firmennamen und den jeweiligen Stockwerken angebracht. Der Mann am Empfang war gerade mit einem Telefonat beschäftigt und so zog Toni seine kleine Pentax hervor und fotografierte unbemerkt die Tafel.
Zurück im Hotelzimmer wertete er die Namensliste aus und verglich die Unternehmen mit den Eintragungen im elektronischen Telefonbuch. Die Firmen auf dem dreiundzwanzigsten Stock schienen ihm allesamt unverdächtig. Also widmete er sich den benachbarten Etagen. Dort wurde er rasch fündig. Denn die G. H. Import & Export Company auf dem 22. war in keinem Verzeichnis zu finden. Sie schien nicht einmal über einen Telefonanschluss zu verfügen. Das war mehr als seltsam.
Womöglich fuhr Jakes jeweils zum dreiundzwanzigsten Stock hoch und stieg dann das Treppenhaus eine Etage nach unten? So wurden mögliche Verfolger zuverlässig abgehängt oder sie wären gezwungen, ihm zu Folgen und sich so zu erkennen zu geben. Einfachste Routine in Geheimdienstkreisen.
Caspar Jakes und seine Besuche in San Francisco wurden für Toni immer interessanter.
*
»Und wie kommst du in Delaware voran?«
Toni hatte sich mit Jules auf halbem Weg zwischen Las Vegas und Genf in Manhattan getroffen. Sie saßen in einer Ecke im Palm Too, hatten sich als Vorspeise die vorzügliche Lobster Bisque gegönnt und saßen nun vor ihren Porterhouse Steaks, die ihnen der Kellner wärmstens empfohlen hatte.
Es war noch recht früh am Abend, kurz vor halb sieben und erst wenige Tische waren besetzt. Doch das Restaurant würde sich in der nächsten halben Stunde sicher füllen.
»Als Erstes die schlechte Nachricht«, begann sein Freund, »das Einschleusen von Michael Langtry bei Sun, Heuscher & Bush hat nicht funktioniert. Ich hab doch versucht, dort ein paar der Mitarbeiter abzuwerben, um Platz für Langtry zu schaffen. Ohne jeglichen Erfolg.«
Jules stutzte: »Was meinst du damit?«
»Na, egal wie verführerisch die Konditionen und wie hoch die neue Bezahlung auch ausfiel, die Leute gaben meinem beauftragten Head Hunter stets einen Korb. Sie haben sich freundlich bedankt und abgelehnt.«
Jules schüttelte verständnislos den Kopf.
»Das ist wirklich seltsam. Glaubst du, dass Sun, Heuscher & Bush eine direkte Zweigstelle der CIA ist? Das würde zumindest deine Misserfolge beim Abwerben der Mitarbeitenden erklären. Doch was willst du nun weiter unternehmen?«
»Ich habe zwei von meinen eigenen Männern angesetzt. Es sind vertrauenswürdige Kerle, die für mich auch als Türsteher in meinem Club in Miami arbeiten.«
»Ich hoffe doch, sie gehen mit der notwendigen Vorsicht und Diskretion vor?«
Jules Stimme verriet ein gewisses Unbehagen bei der Vorstellung, wie zwei unbeholfene Elefanten im Porzellanladen herum stampften.
»Keine Sorge. Es sind zwar kräftige Jungs, ehemalige Navy Seals aus Virginia. Doch sie haben nicht nur Muskeln, sondern auch einiges auf dem Kasten und im Kopf. Einer ist von der Ausbildung her Sprengstoffspezialist, der andere Scharfschütze. Und sie wissen genau, auf was sie sich in Delaware einlassen.«
»Stammen sie aus Team Four?«
Toni sah seinen Freund überrascht an.
»Du meinst Team Four bei den Navy Seals? Das weiß ich leider nicht auswendig. Warum fragst du?«
»Ach nur so. Das Seal Team Four aus Little Creek wird speziell für Mittel- und Südamerika ausgebildet, du weißt schon, fließendes Spanisch, vertieftes Kulturwissen und so weiter.«
»Ach, von daher weht der Wind. Du meinst, vielleicht könnten sie dir und Henry auch in Mexiko ein wenig unter die Arme greifen? Okay, ich frag sie bei Gelegenheit und geb dir dann Bescheid.«
Jules nickte dankbar: »Und auf welche Weise gehen die beiden in Delaware vor?«
»Sie besuchen zurzeit alle kleineren Anwaltskanzleien, die sich auf die Gründung und Betreuung von Briefkastenfirmen spezialisiert haben. Sie holen dort Angebote ein, schauen sich dabei aber vor allem das Management und die Mitarbeitenden an. Vielleicht sind darunter besonders beachtliche Männer und Frauen.«
»Und was soll das bringen?«
»Ich denke mir, dass die amerikanischen Regierungsbehörden nur mit Spitzen-Kanzleien zusammenarbeiten. Vielleicht betreiben sie aber auch eigene Anwaltsbüros. Auf jeden Fall dürften die obersten Verantwortlichen dort herausragende Leute sein und die Mitarbeiter über Durchschnitt.«
»Keine schlechte Idee, Toni. Kleine, unscheinbare Firma mit Spitzenleuten. Das kann hinkommen. Und wie geht’s bei dir in Vegas voran?«
Toni Scapia nahm einen langen Zug aus seinem Bierglas, rülpste dann unterdrückt, aber zufrieden.
»Ich hab eine verdächtige Import/Export-Firma in San Francisco ausfindig gemacht. Ich vermute, dass dieser Caspar Jakes aus Vegas sie jede Woche persönlich aufsucht. Dort dürften seine wirklichen Bosse sitzen und ihre Fäden über Hecksmith & Born ziehen.«
Jules Lederer entgegnete nichts darauf, blickte seinen Freund aber aufmunternd an, ihm mehr darüber zu erzählen.
»Die Firma ist mir aufgefallen, weil sie zwar Büroräume angemietet hat, jedoch über keinen öffentlich bekannten Telefonanschluss verfügt. Es ist das einzige Unternehmen im gesamten Haus, deren Telefonnummer man in keinem Verzeichnis findet. Auch besitzt die Firma keinen Internet-Auftritt. Dieser Jakes fährt jedenfalls immer in den 23. Stock und nimmt dann das Treppenhaus, um auf das Stockwerk darunter zu gelangen. Und nach seinem Besuch kehrt er auf demselben Weg zurück. Doch sicher bin ich mir nicht, ob er tatsächlich diese Import/Export Firma aufsucht oder eine andere.«
»Und wieso weißt du so genau, dass er die Treppe nach unten benutzt? Hast du ihn etwa so dicht beschatten lassen? Das muss er doch bemerkt haben?«
Jules Stimme drückte echte Besorgnis aus.
»Keine Sorge. Bis jetzt kam ihm niemand näher als fünfzig Meter. Doch ich habe im Treppenhaus auf Höhe des zweiundzwanzigsten Stockwerks eine Minikamera unter eine der Stufen geklebt. Auf den Aufnahmen ist Jakes zu sehen, wie er die Treppe zu dieser Etage benutzt.«
»Hast du auch die übrigen Unternehmen auf demselben Stockwerk genauer durchleuchtet?«
Tonis Gesicht verriet Unsicherheit.
»Wenn du mich so fragst, nein. Warum sollte ich?«
»Na, ich denke mir, dass sich eine Regierungsbehörde, und darauf hoffen wir ja, doppelt und dreifach absichert. Darum kann ich mir gut vorstellen, dass alle übrigen Mieter auf derselben Etage entweder Briefkastenfirmen sind oder etwas mit Regierungsbehörden zu tun haben.«
Scapia wiegte nachdenklich seinen Kopf.
»Guter Punkt. Ich werde das gleich morgen überprüfen lassen. Und wie kommt ihr in Mexiko voran?«
»In Juárez tobt ein brutaler Krieg zwischen den verschiedenen Drogenkartellen. Letztes Jahr wurden dort mindestens dreitausend Menschen umgebracht. Auf einer Liste der gefährlichsten Städte der Welt rangiert Juárez derzeit auf Platz eins. Bagdad mit seinen vielen Selbstmordattentaten liegt im Vergleich dazu abgeschlagen auf Platz zehn. So sieht die Lage in Juárez derzeit aus.«
Toni pfiff leise durch die Zähne.
»Scheint ein äußerst gefährliches Pflaster zu sein, das ihr euch für eure Ermittlungen ausgesucht habt?«
Jules nickte dazu nur kurz.
»Henry und ich sind in die Zentrale des derzeit wichtigsten Kartells von Juárez vorgedrungen und haben dort ein paar Unterlagen und einige Harddisks sichergestellt. Derzeit werden die Daten in London von Henry ausgewertet. Danach sehen wir weiter.«
»Und du versprichst dir viel davon, ein mexikanisches Drogenkartell auszuforschen?«
Jules zuckte leicht mit den Schultern.
»Die Geheimdienste der USA müssen sich für ihre inoffiziellen Aktivitäten von irgendwoher Geld beschaffen. Was liegt da näher als sich in den lukrativen, internationalen Drogenhandel einzuklinken und dort abzusahnen?«
»Du meinst, problemlose Einfuhr von Drogen gegen entsprechende Umsatzbeteiligung?«
»Sicher, Toni. Oder warum glaubst du, hat sich der Kokaintransport aus Mittel- und Südamerika so rasch über die Routen in Mexiko etablieren können? Es ist doch stets einfacher, Hand-in-Hand zu arbeiten, wenn Kunden und Dienstleister möglichst nahe beieinander leben.«
*
Jules kehrte nach seinem Abstecher nach New York wieder in sein Haus am Genfersee und zu Alabima und Alina zurück. Seine Frau schimpfte ihn bei seiner Ankunft einmal mehr einen elenden Herumtreiber, denn seit Jules den Auftrag der Banker aus der Schweiz übernommen hatte, war er kaum mehr eine Woche am Stück zu Hause gewesen.
Am späteren Nachmittag, es begann draußen bereits zu dämmern, suchte sich Jules zwei Dutzend Kerzen im Haus zusammen, ging mit ihnen in das große Bad nach oben, das zu ihrem Schlafzimmer gehörte, verteilte die Kerzen dekorativ auf Ablagen und Schränkchen und zündete sie allesamt an, ließ danach Wasser in die große, ovale Wanne fließen, schüttete nach Rosen duftendes Bade-Öl hinzu, dimmte das Licht.
Ihre Tochter Alina war zum Kindergeburtstag bei einer befreundeten Familie eingeladen. Seine Frau werkelte in der Küche, bereitete das Abendessen vor.
»Kommst du mal zu mir hoch, Alabima?«, rief er mit verhaltener Stimme ins Erdgeschoss hinunter.
»Was ist?«, kam ihre Antwort postwendend, »brauchst du Hilfe?«
»Ja, ich brauch zwei flinke Hände.«
Alabima kam die Treppe hoch, wischte sich ihre Finger an der Schürze trocken. Sie hatte wahrscheinlich Gemüse gerüstet oder Kartoffeln geschält. Ihr Gesichtsausdruck verriet eine gewisse Unsicherheit, aber auch eine kräftige Portion Schalk.
»Was um alles in der Welt...?«, begann sie, als Jules sie ins Badezimmer führte, verstummte aber beim Anblick des Lichtermeers der Kerzen und der dampfenden Wanne. Spöttisch lächelnd drehte sie sich Jules zu
»Und was hat das zu bedeuten?«
Statt einer Antwort umarmte Jules seine Frau, küsste sie zärtlich, begann gleichzeitig, ihr die Schürze hinter dem Rücken aufzubinden und dann den Reißverschluss ihres Kleides herunterzuziehen.
Alabima ging auf dieses Spiel ein und zog ihrerseits Jules das Hemd aus dem Hosenbund, knöpfte es mit flinken Fingern auf und zog es über seine Schultern.
Die Leidenschaft überkam die beiden. Sie rissen sich den Rest der Kleidung förmlich vom Leib. Jules umfasste Alabima mit den Armen, hob sie hoch und stieg mit ihr zusammen in das warme Wasser der großen Wanne.
Die schweren Brüste seiner Frau hoben und senkten sich im Takt ihrer Atmung. Ihre Warzen ragten steif hervor und auch Jules spürte, wie sich sein Penis zu regen begann. Alabima sah ihn lüstern an, packte recht grob nach seinem Glied, zog ihn näher zu sich heran. Dabei setzte sie sich auf den Wannenrand, schob seinen Stängel zwischen ihre Brüste, wippte mit ihrem Oberkörper vor und zurück, stimulierte auf diese Weise seine Männlichkeit, bis selbst der Hodensack steif und fest war. Dann ließ sie sich in der Wanne auf ihre Knie sinken und schob seine Eichel zwischen ihre Lippen, begann sie erst sanft, dann heftiger zu saugen. Jules stand mit leicht gespreizten Beinen über ihr, streckte sein Becken vor, hatte sein Gesicht zur Decke gerichtet und genoss mit geschlossenen Augenlidern die Zärtlichkeiten seiner Frau. Nach nur einer Minute hielt er es nicht mehr aus und spritzte ihr seine Samenladung leise aufstöhnend in den Mund. Alabima ließ noch nicht locker, hielt seinen Hodensack weiterhin mit einer Hand fest gepackt, saugte noch stärker an seinem Glied. Weitere Eruptionen erschütterten Jules, sein Becken und sein Bauch zuckten in Ekstase und er stieß ein langgezogenes Aaaaahhhh aus.
Alabima erhob sich, presste ihren wogenden Busen gegen seine Brust, umklammerte seinen Körper und drückte ihre Lippen auf die seinen. Als Jules mit seiner Zunge in ihren Mund vordrang, spürte und schmeckte er seinen Samen. Alabima hatte ihn nicht geschluckt. Der unerwartete Spermakuss erregte Jules sogleich von Neuem und der zuerst leicht aufgeflackerte Ekel vor dem eigenen Sekret vermengte sich mit neuer, ungeheurer Lust, wurde von ihr rasch verdrängt.
Gemeinsam sanken sie in die Wanne hinunter, ließen ihre Körper vom warmen Wasser umschmeicheln.
Alabima machte ihre Beine breit, öffnete sich Jules neu erregtem Glied. Er hob ihr Becken mit seinen Armen etwas an und glitt dann sanft zwischen ihre Schamlippen, begann sie sanft zu Stoßen. Nach zwei Minuten regte sich Alabima und machte Anstalten, sich in der Wanne umzudrehen. Jules zirkelte ihre Beine an seinem Oberkörper vorbei, ohne dass er sie mit seinem Penis verließ, was ihm einiges an Verrenkungen abverlangte. Auf Händen und Knien streckte ihm seine Frau endlich ihr Hinterteil entgegen, das seit der Geburt ihrer Tochter ein wenig fleischiger geworden war, jedoch immer noch fest und mit glatter Haut, sogar weicher und weiblicher als früher.
Jules spürte ihre aufregenden Pobacken an seinen Lenden. Sie beflügelten ihn und er stieß seine Frau immer heftiger. Alabima begann ihrerseits zu keuchen, streckte ihm ihr Hinterteil noch stärker entgegen, veränderte so den Winkel seines Eindringens, ließ sich dadurch stärker stimulieren. Nach einer kurzen Weile erzitterte ihr Rücken und sie zog gleichzeitig ihr Becken ein wenig zurück. Doch Jules folgte ihrer Bewegung, drang weiterhin kraftvoll und stark in sie hinein, ließ sie ihren Höhepunkt weitertragen, bis auch er ein zweites Mal abspritzte.
Alabima begann wie eine zufriedene Katze zu schnurren, während sie sich umdrehte und entspannt hinlegte. Jules fühlte sich glücklich.
*
Endlich meldete sich James Hancock bei Henry Huxley mit der guten Nachricht: »Komm bitte so rasch als möglich vorbei. Ich hab’s«, meinte er kurz angebunden am Telefon. Henry spürte aus dem Klang der Stimme seines guten Bekannten eine seltsame Bedrückung, vielleicht sogar eine Spur von Nervosität oder auch Furcht.
Keine halbe Stunde später traf er vor dem Haus an der St. Georges Road in Southwark ein. Er quetschte seinen Smart geschickt in eine enge Parklücke und stieg aus. Big Ben schlug gerade sechs Uhr abends. Es war ein kalter, unfreundlicher Nachmittag. Der Nebel verlieh dem Glockenklang eine besondere Fülle, ließ die Töne etwas dumpf, aber irgendwie auch voller, raumgreifender erschallen. Und so wirkte das Abendgeläut im bereits einsetzenden Zwielicht des späten Nachmittags beinahe unheimlich.
Henry zog den Reißverschluss seiner leichten Sportjacke hoch und blickte hinauf zur dunkelgrauen Himmelswand, aus der einzelne, feine Tropfen kondensierten, niederfielen und das Pflaster um ihn herum benetzten. Es roch nach altem Motorenöl und irgendwie modrig und moosig.
Keine freundliche Gegend, die sich James als Wohnort ausgesucht hat, dachte sich Henry wie bei jedem seiner Besuche. Doch der Professor für Kybernetik war nun einmal in Waterloo aufgewachsen und nach seinen Sturm- und Drang-Tagen in der Fremde wieder hierher in sein Elternhaus zurückgekehrt.
Henry betätigte den Klingelknopf. Ein durchdringendes Rrrrrriiiiinnnng ertönte im Innern des Hauses, schien die Glasfüllung in der Eingangstüre erzittern zu lassen. Im Flur ging das Licht an. Dann erkannte Henry einen Schatten hinter der Milchglasscheibe. Die Haustüre wurde einen Spalt weit aufgezogen, gesichert durch eine Vorlegekette. James spähte vorsichtig hinaus. Er atmete sichtbar auf, als er Henry erkannte. Rasch löste er die Kette und ließ seinen Freund eintreten.
»Du wirkst erschrocken, James«, meinte Henry, nachdem Hancock die Türe in die Falle gedrückt hatte und ihm im Flur voraus ging, um ihn in sein Labor zu führen.
»Das, was ich bisher an Daten von diesen Harddisks entschlüsseln konnte, hat mich tatsächlich etwas nervös gemacht«, gab der Professor unumwunden zu und sah Henry dabei eindringlich und gleichzeitig verunsichert an.
Huxley nickte ihm aufmunternd zu: »Na, so schlimm wird’s kaum sein, oder?«, worauf ihn sein Bekannter vorwurfsvoll anblickte.
»Komm«, sagte er aber nur und stieß die Türe zum Labor auf.
Sie setzten sich hinter einen der beiden großen Schreibtische, auf denen Bildschirme wie Pilze an einer feuchten Höhlenwand wucherten. Hancock rückte ein Keyboard und eine Maus zurecht, tippte ein Passwort ein und öffnete mit ein paar Mausklicks einige Dateien.
»Das hier«, und damit deutete Hancock mit dem kleinen Pfeil auf eines der Dokumente, »ist eine Aufstellung über verschiedene Bargeldablieferungen. Es handelt sich dabei um eine Wechselstube am Flughafen von Mexiko City. Die tauschen dort, wie es scheint, US-Dollars in mexikanische Pesos um.«




