Linguistische Stil- und Textanalyse

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Als spezifische Gruppen von Verben können darüber hinaus Hilfsverben, Modalverben und Kopulaverben unterschieden werden.
Als Hilfsverben werden die Verwendungsweisen von haben, sein und werden als Exponenten morphologischer Kategorien, d.h. etwa als analytische Tempus- und Diathesenformen (z.B. Perfekt, Passiv), bezeichnet:
1 Er ist heute früher aus der Schule gekommen.
Zu den Modalverben gehören können, müssen, dürfen, wollen, sollen und mögen. Sie treten zusammen mit infiniten Vollverben (6a) oder Kopulaverben (6b) auf. Semantisch bezeichnen Modalverben eine Notwendigkeit, Erlaubnis, Möglichkeit oder Fähigkeit.
1 a) Ich kann morgen laufen.b) Er durfte in der Kabine der Stars sein.
Kopulaverben (v.a. sein, bleiben, werden) verfügen ebenso wie die Hilfsverben nur über eine sehr abgeschwächte lexikalische Bedeutung. Sie haben die Funktion, die Beziehung zwischen Subjekt und Prädikativ herzustellen, indem sie einen Zustand oder das Eintreten eines Zustandes bezeichnen.
1 a) Er ist Architekt.b) Sie war sehr talentiert.
Die nichtflektierbaren Wortarten bilden eine sehr heterogene Klasse, die in der Forschungsliteratur ganz unterschiedlich subklassifiziert wird.2 Da die Nichtflektierbaren keine morphologische Kennzeichnung i.e.S. enthalten, werden als Unterscheidungskriterien u.a. verschiedene syntaktische Funktionen und Vorkommensorte herangezogen (vgl. Boettcher 2009a, S. 130):
Adverbien= Vorfeld besetzend möglichPräpositionen= Kasus regierendKonjunktionen= Teilsatz oder Satzteil verbindendRest als Sammelgruppe der PartikelnGegenüber den anderen Nichtflektierbaren zeichnen sich die Adverbien durch ihre topologischen Eigenschaften aus, denn sie können alleine im Vorfeld von Sätzen stehen (sie sind also vorfeldfähig). Daraus folgt u.a., dass sie satzgliedfähig sind. Hinsichtlich ihrer Struktur ist zwischen einfachen (z.B. oft, gern) und komplexen Adverbien zu unterscheiden, wobei komplexe häufig eine Präposition enthalten (sog. ‚Präpositionaladverbien‘ z.B. davor, hiernach). Adverbien liefern entweder eigene lexikalische Informationen (z.B. montags, immer oder vielleicht) oder nehmen Elemente aus dem vorhergehenden Satz wieder auf (z.B. An der Wand stand ein Stuhl. Darauf setzte sie sich).
Präpositionen sind Wörter wie in, wegen, um … willen, die meistens zusammen mit einem Nomen, aber auch mit einem Adjektiv (z.B. Sie kommt für gewöhnlich um fünf.) oder einem Adverb (z.B. von dort) vorkommen können. Sie betten verschiedene Phrasen wie die Nominalphrase ein. Nomen geben sie einen spezifischen Kasus vor (z.B. durch den Wald (laufen)).
Sätze oder Satzteile werden durch Konjunktionen3 (z.B. und, weil, obwohl) neben- und unterordnend verbunden. Sie bestimmen diese Verbindung semantisch-logisch (z.B. ‚kausal‘: Weil er krank war, kam er nicht).
Partikeln weisen jeweils Besonderheiten im Stellungsverhalten auf und sind wiederum vielfältig subklassifizierbar. Ihre Formative begegnen mitunter auch in anderen syntaktischen Funktionen. Partikeln spezifizieren Aussagen, kommentieren sie, moderieren sie und dienen der Steuerung von Gesprächsverläufen. Nach unterschiedlichen semantischen Funktionen ist folgende Differenzierung möglich (vgl. Boettcher 2009a, S. 155ff.):
Gradpartikeln, z.B.: sehr, fast, höchst, kaumFokuspartikeln, z.B.: nur, auch, sogarKommentarpartikeln, z.B.: sozusagen, gleichsamNegationspartikel, z.B.: nichtEinstellungspartikeln, z.B.: ja, doch, wohl, nur, bloßGesprächsgebundene Partikeln, z.B.: Begrüßungs-/Verabschiedungspartikeln wie hallo, tschüss, aufmerksamkeitssteuernde Partikeln wie he, ey, Antwortpartikeln wie ja, nein, doch oder Kontaktpartikeln wie ne, oderPhrasen
Phrasen sind Wortgruppen, die syntaktisch eine Einheit bilden. Sie werden jeweils durch einen Kopf dominiert, nach dem sie auch benannt werden. So ist der Kopf der Nominalphrase (NP) der neue Ball beispielsweise das Nomen Ball. Zu diesem können ein bestimmter oder ein unbestimmter Artikel hinzutreten. Zudem sind Nominalphrasen durch (8a) Adjektiv-Attribute, (8b) Genitiv-Attribute, (8c) Präpositional-Attribute und (8d) sogar ganze Sätze erweiterbar.
1 a) der neue Ballb) der Ball der WMc) der Ball vom Mitspielerd) der Ball, der nicht ordentlich aufgepumpt war
Den Kopf einer Nominalphrase kann auch ein Pronomen bilden. Beispielsweise können die Wortgruppen (8a–d) mithilfe des Pronomens er ersetzt werden und sind in diesem Sinne gegeneinander austauschbar. Sie teilen grammatische Eigenschaften, sind deshalb Phrasen derselben Kategorie und können somit zu einem Paradigma gerechnet werden. In syntagmatischer Hinsicht ist wiederum relevant, dass die Anordnung der Elemente innerhalb der NP nicht beliebig erfolgen kann. Die Elemente einer NP müssen in den grammatischen Merkmalen Genus, Kasus und Numerus übereinstimmen. Diese Übereinstimmung in grammatischen Merkmalen wird als Kongruenz bezeichnet.
In einer Präpositionalphrase (PP) bestimmt die Präposition den Kasus der zugehörigen NP. Es handelt sich damit um Rektion, was bedeutet, dass ein Element die grammatischen Eigenschaften eines von ihm abhängigen Elements im Syntagma determiniert. Präpositionalphrasen lassen sich in vielen Fällen durch Präpositionaladverbien wie darauf oder damit substituieren.
Eine Verbalphrase (VP) besteht aus einem Voll- oder Kopulaverb und den dazugehörigen Leerstellen, die durch verschiedene Ergänzungen (z.B. Akkusativobjekt oder Dativobjekt) gefüllt werden können. In diesem Zusammenhang ist etwa umstritten, ob die Subjektergänzung (oder auch Nominativergänzung) zur Verbalphrase zählt oder nicht. Dagegen spricht z.B., dass das Subjekt das Verb in Numerus und Person bestimmt.
Die Adjektivphrase (AP) verfügt über einen adjektivischen Kopf und kann durch verschiedene Elemente – wie weitere Adjektivphrasen – attribuiert werden (9). Attribuierbar sind auch Adverbphrasen (AdvP) (10), die ein Adverb als Kopf besitzen.
1 wahnsinnig spannend
2 weit oben
Konstituententests
Mithilfe von Konstituententests können die in einem Satz zusammengehörenden Elemente, seine Konstituenten, ermittelt werden. Da zwar alle Satzglieder Konstituenten, aber nicht alle Konstituenten gleichzeitig auch Satzglieder sind, werden durch Konstituententests nicht zwingend Einheiten isoliert, die auch einen Satzgliedstatus haben. Konstituententests helfen, die hierarchische Struktur eines Satzes aufzuschlüsseln bzw. seine Einheiten zu klassifizieren. Im Folgenden sollen die wichtigsten Konstituententests kurz vorgestellt werden. Dazu gehören der Permutationstest (Verschiebeprobe), der Substitutionstest (Ersatzprobe inklusive ihrer Varianten ‚Pronominalisierungstest‘ und ‚Fragetest‘), der Eliminierungstest (Weglassprobe) und der Koordinationstest (vgl. Dürscheid 2012, S. 46ff.).1
Konstituenten sind Wörter bzw. Wortgruppen, die sich gemeinsam umstellen lassen, ohne dass der Satz ungrammatisch wird oder sich der propositionale Gehalt ändert. Dies kann durch den Permutationstest nachgewiesen werden, der es erlaubt, Umstellungsmöglichkeiten von Konstituenten systematisch zu testen und Wortstellungsregeln zu beschreiben.
1 a) Ein Kollege sprach vor dem Kurs mit mir.b) Vor dem Kurs sprach ein Kollege mit mir.c) Mit mir sprach ein Kollege vor dem Kurs.
Mit dem Substitutionstest kann gezeigt werden, welche Einheiten von Sätzen ausgetauscht werden können, ohne dass der Satz ungrammatisch wird. So handelt es sich etwa um eine Konstituente, wenn eine Wortgruppe durch ein Pronomen oder eine andere Proform ausgetauscht werden kann (Pronominalisierungstest).
1 a) Ein Kollege sprach vor dem Kurs mit mir.b) Er sprach davor mit mir.
Pronominalisierungstests eignen sich natürlich nicht dafür, komplexe Verbalphrasen zu ersetzen. Dies ist jedoch durch einfache Verben möglich.
1 a) Das Mädchen träumt von rosa Elefanten.b) Das Mädchen schläft.
Nicht-verbale Einheiten können durch W-Wörter erfragt werden (Fragetest). Solche Fragewörter können Konstituenten von Sätzen substituieren.
1 a) Das Mädchen träumt von rosa Elefanten?b) Wer träumt von rosa Elefanten?
Mit dem Eliminierungstest werden Sätze auf ihr Minimum reduziert. Dadurch kann zum einen geprüft werden, ob eine Konstituente vorliegt, zum anderen, welche Konstituenten vom Verb syntaktisch gefordert werden. Was zusammen weggelassen werden kann, ohne dass der Satz ungrammatisch wird, ist zunächst eine Konstituente.2
Wird der Satz jedoch ungrammatisch, ist mithilfe eines anderen Tests zu überprüfen, ob die weggelassene Wortgruppe eine Konstituente darstellt oder nicht. Handelt es sich um eine Konstituente, wird diese in der Regel von der Valenz des Verbes gefordert (sog. obligatorische Ergänzungen).3 So belegen im folgenden Fall der Permutationstest (15b) und der Pronominalisierungstest (15c), dass es sich bei zum Einkaufen um eine Konstituente handelt. Der Eliminierungstest (15d) macht deutlich, dass die Konstituente nicht weggelassen werden kann, ohne dass der Satz ungrammatisch wird. Daraus kann geschlussfolgert werden, dass diese Konstituente von der Valenz des Verbes gehen gefordert wird.4
1 a) Die Familie geht am Sonntag zum Spielplatz.b) Zum Spielplatz geht die Familie am Sonntag.c) Die Familie geht am Sonntag dorthin.d) *Die Familie geht am Sonntag.
Der Koordinationstest hebt darauf ab, dass Konstituenten durch Konjunktionen oder durch Interpunktion koordinierbar sind. Der erste Fall wird syndetische Reihung genannt (z.B. durch und, oder), eine Verknüpfung ohne Bindeglied ist asyndetisch. So wird in (16) die Konstituente alte Bücher koordiniert, indem sie durch und eine weitere Konstituente (handbemalte Vasen) ergänzt wird.
1 Anna verkauft alte Bücher und handbemalte Vasen.
Die Hierarchie von Konstituenten kann mithilfe eines Konstituentenstrukturbaumes dargestellt werden (vgl. Abb. 9).

Beispiel Konstituentenstrukturbaum
Satzbautypen
Zunächst kann zwischen einfachen und komplexen Sätzen unterschieden werden. Ein einfacher Satz verfügt über ein Prädikat und lässt sich nicht in Teilsätze gliedern. Komplexe oder zusammengesetzte Sätze bestehen aus mehreren Teilsätzen, wobei jeder von ihnen ein Prädikat aufweist. Komplexe Sätze lassen sich in parataktische und hypotaktische unterscheiden. Parataktisch werden (Teil-)Sätze angeordnet, wenn sie in einer logisch nebengeordneten Relation stehen. Das bedeutet, die Parataxe (auch: Satzverbindung oder Satzreihe) ist die koordinierende Verbindung zweier gleichrangiger Sätze, z.B. von zwei Hauptsätzen oder zwei Nebensätzen. Der Ausdruck Hypotaxe (Satzgefüge) bezeichnet die Zusammenfügung von mindestens einem Hauptsatz und beliebig vielen untergeordneten Nebensätzen. Zwischen den verschiedenen (Teil-)Sätzen besteht ein Über- bzw. Unterordnungsverhältnis, wobei der untergeordnete Satz gegenüber dem übergeordneten Satz eine syntaktische Funktion erfüllt.
1 Ich bezweifle, dass er irgendwann fertig wird.
Nebensätze können an verschiedenen Positionen des Hauptsatzes eingebettet sein. Unterschieden wird zwischen Vorder- (18a), Zwischen- (18b) und Nachsätzen (18c).
1 a) Wenn sie verlieren, werden sie aus der Champions League ausscheiden.b) Sie werden, wenn sie verlieren, aus der Champions League ausscheiden.c) Sie werden aus der Champions League ausscheiden, wenn sie verlieren.
Die Subordination von Sätzen kann durch Subjunktionen (weil, so dass), Relativpronomen (der, das, welcher, welches) oder Interrogativpronomen (wo, was) markiert werden oder wiederum asyndetisch, also ohne Einleitung, erfolgen. Wird ein Nebensatz in einen weiteren Nebensatz eingebettet, entstehen Nebensätze verschiedener Ordnung. Entsprechend kann der Nebensatz dass sie mir die Aufgabe erklären würde in (19) als Nebensatz erster Ordnung klassifiziert werden, denn er hängt direkt vom Hauptsatz ab. Da der Nebensatz falls ich Probleme damit hätte wiederum vom Nebensatz erster Ordnung abhängt, ist er ein Nebensatz zweiter Ordnung.
1 Sie sagte, dass sie mir die Aufgabe erklären würde, falls ich Probleme damit hätte.
Nebensätze können auch nach ihrer syntaktischen Funktion klassifiziert werden. Nebensätze mit Satzgliedstatus sind entweder Subjektsätze (20a), Objektsätze (20b), Adverbialsätze (20c) oder Prädikativsätze (20d).
1 a) Wer zu Fuß die Straße überquert, muss nach links und nach rechts schauen.b) Sie meinte, dass die Aufgabe sehr einfach wäre.c) Sie schwieg, weil sie die Aufgabe nicht lösen konnte.d) Sie ist dennoch geworden, was sie werden wollte.
Nebensätze, die keinen Satzgliedstatus haben, sind in der Regel Attributsätze. So ist der Nebensatz die Weltmeister wird in (21) ein Attribut zu die Mannschaft.
1 Die Mannschaft, die Weltmeister wird, ist nicht automatisch für die nächste WM qualifiziert.
Ob ein Nebensatz ein Attribut oder ein Satzglied ist,1 lässt sich nicht immer eindeutig bestimmen. Schwierig scheinen insbesondere Nebensätze zu sein, die im übergeordneten Satz kein Bezugswort oder Korrelat (oft auch Resumptivpronomen genannt) – im Sinne eines Platzhalters, der eine syntaktische Leerstelle ausfüllt – haben. So könnte bei (22a) ein Subjektnebensatz vorliegen. Mit Verweis auf das mögliche Korrelat das (22b), könnte Was sie vortrug jedoch auch als ein Attribut interpretiert werden.2
1 a) Was er vortrug, war meines Erachtens unverständlich.b) Was er vortrug, das war meines Erachtens unverständlich.
Satzarten
Sätze können in der Grammatik auch in kommunikativ-pragmatischer Hinsicht subklassifiziert werden. Dabei geht es insbesondere um die Einstellung der Textproduzenten zum Gesagten, die Modalität.1 Die verschiedenen Satzarten werden daher auch als Satzmodi bezeichnet, wobei im Deutschen in der Regel zwischen fünf von diesen differenziert wird:
Aussagesatz (Deklarativsatz)Fragesatz (Interrogativsatz)Aufforderungssatz (Imperativsatz)Wunschsatz (Optativsatz)Ausrufesatz (Exklamativsatz)Bei Aussagesätzen steht das finite Verb an zweiter Stelle, die Intonation fällt im Mündlichen zum Satzende hin ab, im Schriftlichen wird ein Punkt als Satzschlusszeichen gesetzt. Mögliche Modusformen der Verben sind der Indikativ oder der Konjunktiv II.
1 Max hätte schon vor drei Wochen zum Arzt gehen sollen.
Fragesätze lassen sich in Ergänzungsfragesätze (24a), Alternativfragesätze (24b) und Entscheidungsfragesätze (24c) unterscheiden, letztere können mit ja oder nein beantwortet werden. Die Verbstellung kann dabei anzeigen, welche Art von Fragesatz vorliegt. So befindet sich bei Alternativ- und Entscheidungsfragen das finite Verb an der ersten Stelle. Ergänzungsfragen beginnen mit einem Fragewort. Diesem folgt das finite Verb an der zweiten Stelle im Satz.
1 a) Wann spielen wir mal wieder Golf?b) Spielst du lieber Golf oder Tennis?c) Spielen wir heute Abend Golf?
In der Schriftsprache werden Fragesätze mit einem Fragezeichen beendet, im Mündlichen ist die Intonation zum Satzende hin in der Regel ansteigend. Mögliche Verbmodi sind wiederum der Indikativ und der Konjunktiv II.
Charakteristisch für Aufforderungssätze sind eine Verberststellung sowie Verbformen im Imperativ.2 Vielfach fehlt das Subjekt. Das typische Satzschlusszeichen ist das Ausrufezeichen, wenngleich im aktuellen Schriftsprachgebrauch vielfach ein Punkt gesetzt wird (vgl. Kap. 2.1.2).
1 Mach ja keinen Unfug!
Wunschsätze lassen sich in reale (26a) und irreale unterscheiden, wobei letztere Verbformen im Konjunktiv II Plusquamperfekt enthalten, was die Erfüllung des Wunsches als ‚unwahrscheinlich‘/‚unmöglich‘ kennzeichnet (26b). Wunschsätze können ebenfalls mit einem Punkt oder einem Ausrufezeichen beendet werden, im Mündlichen fällt die Intonation zum Satzende ab.
1 a) Wenn doch der Frühling endlich käme.b) Wenn die Bahn nur pünktlich gekommen wäre.
Ausrufesätze betonen die emotionale Haltung des Textproduzenten. Dieser Kategorie können nahezu alle Sätze zugeordnet werden, die mit Nachdruck geäußert werden. Deshalb lassen sich kaum formale Kriterien nennen, die einen Exklamativsatz eindeutig anzeigen.
1 Du bist ja heute wieder lustig!
Klammerstrukturen und Topologie
Innerhalb deutscher Sätze kann die Struktur der Verben einteilig oder zweiteilig sein. Die „konventionelle Standardform“ (Weinrich 1993, S. 40) sind zweiteilige Verben. Sie bilden aufgrund ihrer Zweiteiligkeit im Syntagma eine Klammerstruktur, die sogenannte Satz- oder Verbklammer. Sie gilt als das „wichtigste syntaxtypologische Merkmal des Deutschen“ (Nübling 2010, S. 91). Eine Satzklammer entsteht dadurch, dass ein einteiliges Verb durch ein Hilfs- oder Modalverb, das temporale, passivische oder modale Bedeutung ausdrücken kann, erweitert wird (vgl. 28 a–c). Den zweiten Bestandteil bildet dann jeweils ein zum Partizip oder Infinitiv umgebildetes infinites Verb.
1 a) Ich habe früher Cello gespielt.b) Sie wird von ihm unterstützt.c) Ich muss ihm helfen.
Auch ein weiteres Vollverb kann zur Bildung einer Verbklammer führen (29a). Außerdem können einteilige Verben durch Wortbildung – insbesondere Partikelverbbildung – erweitert und somit zu einem zweiteiligen ausgebaut werden.1 In finiten Verberst- und Verbzweitkonstruktionen steht im Präsens und Präteritum Aktiv eine solche Verbpartikel dann satzklammerbildend hinter dem Verbstamm (29b).
1 a) Ich lerne dich langsam kennen.b) Gertraud prüft die Ergebnisse nach.
Als Spezialform der Satzklammer lässt sich die Kopulaklammer auffassen. Sie besteht aus einem Kopulaverb (z.B. sein, bleiben) und einem Prädikatsnomen (30a) oder einem Prädikatsadjektiv (30b).
1 a) Sie ist bereits seit drei Jahren Vizerektorin.b) Sie war über das Ergebnis der Abstimmung froh.
Prinzipiell ist jedes Verb der deutschen Sprache grammatisch, vielfach auch lexikalisch zu einem zweiteiligen Verb erweiterbar. In Hinblick auf die Textanalyse ist bedeutsam, dass zwischen dem klammeröffnenden und dem klammerschließenden Element beliebig viele Satzglieder stehen können. Da aus der Bedeutung des ersten Prädikatteils in der Regel nicht sicher auf den zweiten geschlossen werden kann, bleibt die Bedeutung des Gesamtprädikats bis zum zweiten Teil offen. Somit wird Spannung erzeugt und der Rezipient bleibt aufmerksam:
Mit dem klammeröffnenden Element wird die Spannung erzeugt. Sie verstärkt sich in dem Maße, wie die Klammer mehr und länger (im Grenzfall bis zum Zerreißen) gedehnt ist. Mit dem klammerschließenden Element wird die Spannung abrupt wieder abgebaut. Dieses Zusammenspiel der Klammerelemente macht den Text ‚spannend‘. (Weinrich 1993, S. 30)
Eine besondere Klammerart ist die Adjunktklammer (oder ‚Konjunktionalklammer‘). Sie findet ihre Anwendung vor allem in untergeordneten Sätzen, bei denen das finite Verb in Letztstellung steht. Das klammeröffnende Element bildet dann eine Subjunktion, während das Verb die Klammer schließt (31).
1 Wir untersuchen Twitter-Posts, weil geschriebener Text im thematischen Zentrum der Tagung steht.
Die Satzklammer strukturiert vornehmlich die Topologie des deutschen Satzes, die darüber hinaus vergleichsweise flexibel und komplex ist. Zur Beschreibung der Wortstellung in Sätzen hat sich das sog. (Stellungs-)Feldermodell etabliert, das in seinen Anfängen auf DRACH (1937) zurückgeführt werden kann. Demnach lassen sich deutsche Sätze prototypisch in folgende Felder untergliedern.
Vorfeldlinke Satzklammer1. PrädikatsteilMittelfeldrechte Satzklammer2. PrädikatsteilNachfeldSiehatMartin gestern ein Buchgeschenktnach langem Überlegen.Im Falle einteiliger Verben bleibt in derartigen Konstruktionen der rechte Klammerteil unbesetzt. Da aber jedes einteilige Verb zu einem zweiteiligen erweitert werden kann, scheint es gerechtfertigt, für den rechten Teil der Satzklammer ein Nullelement anzunehmen.
Vorfeldlinke Satzklammer1. PrädikatsteilMittelfeldrechte Satzklammer2. PrädikatsteilNachfeldSieschenkteMartin gestern ein BuchØnach langem Überlegen.Bezogen auf die beiden Plätze der Prädikatsteile lassen sich damit drei Stellungsfelder unterscheiden. Vor dem finiten Verb befindet sich das ‚Vorfeld‘, nach dem infinitem Prädikatsteil das ‚Nachfeld‘ und zwischen den Prädikatsteilen das ‚Mittelfeld‘. Vor dem Vorfeld können Satzteile stehen, die nicht regulär ins Feldermodell integriert sind. Sie bildet dann ein ‚Vorvorfeld‘, z.B.:
1 Seinen Partner, den darf man doch wohl auf die Hochzeit mitbringen.
Im Vorvorfeld wird häufig ein neues Thema eingeführt. Elemente, die sich in dieser Position befinden, sind besonders exponiert. Im Vorfeld selbst darf in der Regel nur genau ein auf das Prädikat bezogener Satzteil stehen, ein Satzglied. Im Mittelfeld können null bis mehrere Satzglieder stehen, ebenso theoretisch im Nachfeld. In Bezug auf die Verteilung der Satzglieder ist grundsätzlich relevant, wo Subjekt und Objekt stehen. Befindet sich eines von beiden im Vorfeld, gilt die Reihenfolge ‚Subjekt vor Objekt‘ (33a) im Deutschen als Grundstellung. Die Objekt-Prädikat-Subjekt-Reihenfolge (33b) gilt dementsprechend als markiert und wird oft als „Ausdrucksstellung“ oder „Kontraststellung“ bezeichnet, auch wenn sie in bestimmten Kontexten neutral (vgl. Kap. 3.2.2) erscheinen kann (33c).
1 a) Er isst gerne Sashimi.b) Sashimi isst er gerne.c) Seine Kollegen haben ihn in ein japanisches Restaurant eingeladen. Sashimi isst er besonders gerne.







