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„Dann haben Sie ja schon Erfahrung mit solchen Leuten. Sollte es irgendwelche Schwierigkeiten geben, dann kommen Sie zu mir. Ich werde sehen, was ich tun kann.“
Er nickte seinen Kommissaren freundlich zu und verschwand wieder in seinem Büro.
Jutta und Jan sahen sich an.
„Das wird ein hartes Stück Arbeit“, meinte Jan.
In diesem Moment klopfte es und ein Mann Ende zwanzig betrat den Raum. Er war etwa ein Meter fünfundachtzig groß, schlank und trug legere Freizeitkleidung.
„Mein Name ist Moritz Sonntag, Sie wollten mich sprechen?“
Jutta erhob sich und reichte ihm die Hand.
„Hansen“, sagte sie, „mein Kollege, Herr Römer. Setzen Sie sich doch, Herr Sonntag, dann können wir beginnen.“
Kapitel 7
„Was können Sie uns über den Toten erzählen, Herr Sonntag?“, fragte Jutta.
„Er war mein Freund, genauso wie die anderen auch. Wir kennen uns seit der Grundschule, stammen alle hier aus dem Ort und haben zusammen Abitur gemacht. Studiert hat dann zwar jeder etwas anderes und auch nicht alle an derselben Uni, aber wir haben uns nie aus den Augen verloren oder den Kontakt abgebrochen. Nach dem Ende unserer Studienzeiten haben wir uns alle fünf eine Auszeit genommen und sind zusammen etwas um die Häuser gezogen, einfach um uns klarzuwerden, wie es weitergehen sollte.“
„Sind denn Ihre Lebenswege nicht schon vorgezeichnet?“, wollte Jan wissen.
Moritz Sonntag lächelte leicht.
„Mehr oder weniger schon. Markus, zum Beispiel, sollte die Firma seines Vaters übernehmen, zu gegebener Zeit natürlich und er hat sich auch darauf gefreut. Er hat Physik studiert, das passt doch gut zu einer Firma, die physikalische Geräte herstellt. Was mich selbst betrifft, so habe ich Architektur studiert und will irgendwann mal ein eigenes Architekturbüro haben.“
„Und die anderen? War es bei denen auch so einfach?“
„Veit weiß noch nicht, was er einmal machen will, er ist der Globetrotter in unserer Clique, der Sonnyboy, der immer gut gelaunt ist und alles leichtnimmt, alles auf sich zukommen lässt. Jonas soll mal das Autohaus seines Vaters übernehmen, damit war er auch einverstanden, nur mit der Art und Weise, wie sein Vater es führte, war er nicht ganz d’accord.“
„Wie meinen Sie das?“
„Na ja, er will alles etwas modernisieren und auch expandieren, was seinem alten Herrn aber nicht gefällt. Der will immer, dass alles so bleibt, wie es ist. Jonas hat schon ein paar Ideen, wie er alles umgestalten könnte.“
„Bleibt noch Volker Grundmann. Was können Sie uns zu ihm sagen?“
„Hm … Volker. Der soll mal die Grundmann-Werke übernehmen. Sein Vater hat das zwar nie so explizit gesagt, aber unterschwellig erwartet er es natürlich. Deshalb hat Volker auch Maschinenbau studiert, aber glücklich war er damit nicht.“
„Er will also nicht Firmenchef werden?“, hakte Jan nach.
„Nein, Volker ist mehr künstlerisch begabt. Er liebt die Fotografie und wollte schon als kleiner Junge Fotograf werden. Er macht richtig tolle Aufnahmen und wir sind alle davon überzeugt, dass er es damit auch weit bringen kann.“
„Und sein Vater ist dagegen?“
„Volker hatte bisher noch nicht den Mut, mit seinem Vater darüber zu sprechen und das macht ihn fertig. Er hat sich in der letzten Zeit sehr verändert, ist aggressiver geworden, trinkt viel und schimpft nur auf die Firma seines Vaters. Wir machen uns da schon Sorgen. Markus hat vermutet, dass Volker vielleicht Drogen nimmt und wollte sich deshalb mal darüber informieren. Welche Auswirkungen das haben kann und so, im Verhalten zum Beispiel.“
„Hat er dazu im Internet recherchiert?“
„Ja, auch, aber er fand, dass da auch ziemlich viel Mist steht. Deshalb ist er in die Buchhandlung und wollte in einem Buch darüber nachlesen.“
Jutta und Jan sahen sich an.
„Haben Sie mit Volker über Ihre Vermutungen gesprochen?“, fragte Jutta.
„Markus und ich haben ihn darauf angesprochen und gefragt, ob er irgendetwas einnimmt, weil er sich verändert hat und ihm auch unsere Hilfe angeboten.“
„Und?“
„Er hat äußerst gereizt darauf reagiert, ist uns fast an den Hals gesprungen und hat uns wüst beschimpft.“
„Wann war das?“
„Am Abend vorher, da haben wir uns alle zum Essen getroffen und bei dieser Gelegenheit haben ihn Markus und ich darauf angesprochen.“
„Und was haben die anderen gesagt?“
„Denen war das auch schon aufgefallen, haben es aber auf den Prüfungsstress geschoben und sich nicht weiter Gedanken darüber gemacht.“
„Dann waren Sie und Markus also so quasi die Bösen, die ihm etwas anhängen wollten?“, fragte Jan.
„Wenn Sie es so ausdrücken wollen, ja.“
„Wussten Sie, dass Markus Rieder zuckerkrank war?“
„Ja, natürlich. Wir alle haben das gewusst. Markus musste sich schon als Kind spritzen, kam aber gut mit seiner Krankheit zurecht und hat sich von ihr nicht beeinträchtigen lassen.“
„Wo hat er seine Spritzen denn aufbewahrt?“, bohrte Jan nach.
„Im Schränkchen im Bad über dem Waschbecken“, antwortete Moritz prompt.
„Und sein Notfallmäppchen, wo bewahrte er das auf?“
„Normalerweise im Handschuhfach seines Autos, wenn er mit dem unterwegs war. Ansonsten trug er es bei sich.“
„Es wussten also alle von seinem Notfallset, wo er es aufbewahrte und alle hatten also die Gelegenheit, daran zu manipulieren?“, präzisierte Jutta.
„Ja, … aber warum fragen Sie?“, stotterte Moritz.
„Das Insulin in den Spritzen wurde durch ein dreimal stärkeres ersetzt. Wissen Sie, was das bedeutet?“, fragte ihn Jutta.
Moritz schüttelte den Kopf.
„Ein zuckerkranker Mensch, der zu viel Insulin bekommt, also eine Überdosis, fällt ins Koma und stirbt. Je nach Dosierung kann er auch gleich tot umfallen. So wie im Fall Ihres Freundes. Wir sprechen also von Mord.“
Moritz war leichenblass geworden.
„Mord? Sie meinen, jemand hat vorsätzlich den Inhalt der Spritzen ausgetauscht?“
„Genau. Was haben Sie genau am Vorabend von Markus Rieders Tod gemacht?“, wollte Jan wissen.
„Das sagte ich schon, wir haben uns zum Essen getroffen, bei dem wir dann Volker auf seine Veränderung angesprochen haben.“
„Um wie viel Uhr haben Sie sich getroffen und wie lange waren Sie zusammen?“
„Wir haben uns so gegen 20 Uhr getroffen. Markus und ich sind dann so gegen 22.30 Uhr gegangen, weil wir das Ganze nicht eskalieren lassen wollten. Die anderen sind noch geblieben. Wie lange, kann ich nicht sagen.“
„Sind Sie dann sofort nach Hause?“
„Nein, Markus und ich sind zusammen noch etwas durch die Gegend gelaufen. Dabei hat er mir gesagt, dass er am nächsten Morgen zur Buchhandlung fahren und sich über Drogen und solche Sachen informieren wollte.“
„Wie spät war es, als Sie sich dann endgültig trennten?“
„Das weiß ich nicht genau. Ich schätze, das muss so gegen 23.15 Uhr gewesen sein. Ich bin in mein Auto gestiegen und Markus in seins und wir sind beide davongefahren.“
„Direkt nach Hause?“
„Ich schon. Leider kann das aber niemand bezeugen.“
„Gut, Herr Sonntag, vielen Dank für Ihre Zeit und dass Sie so ausführlich mit uns gesprochen haben. Sie können jetzt gehen.“
Moritz Sonntag erhob sich. An der Tür drehte er sich noch einmal um.
„Finden Sie den Kerl, der das getan hat, unbedingt“, sagte er noch, dann war er verschwunden.
Jutta und Jan blieben nachdenklich zurück.
„Was hältst du von ihm?“, fragte Jutta.
„Er war ehrlich erschüttert über den Tod seines Freundes und ich denke, er hat die Wahrheit gesagt. Was meinst du?“
„Ja, das denke ich auch. Mal sehen, was die anderen sagen. Wir haben noch zwei Stunden Zeit bis dahin. Wer kommt als nächstes?“
Jan blätterte in seinen Notizen.
„Jonas Gabelberg“, meinte er dann.
„Gehen wir etwas essen?“, fragte Jutta, „wenn du griechisch magst, kenne ich da ein gutes Lokal, gar nicht weit von hier.“
„Ich mag griechisch sehr gern“, antwortete Jan, „wie heißt das Lokal denn?“
„‘Beim Alex‘, in der Breslauer Straße. Komm, wir nehmen mein Auto.“
Kapitel 8
Jonas Gabelberg erwartete sie schon. Er war fast einen Meter neunzig groß und sah durchtrainiert aus. Er hatte schwarze Haare und braune Augen. Als die Kommissare den Raum betraten, stand er auf und gab beiden die Hand.
„Danke, Herr Gabelberg, dass Sie gekommen sind“, sagte Jutta, „nehmen Sie Platz. Sie wissen, worum es geht?“
„Ja, Markus ist tot. Ich kann es nicht glauben, wir waren gestern Abend noch zusammen. Wissen Sie schon näheres?“
„Wir ermitteln wegen Mordes“, klärte ihn Jan auf.
„Mord? Aber wieso …“
Jutta setzte ihn ins Bild, erklärte ihm, dass der Inhalt der Spritzen durch stärkeres Insulin ausgetauscht worden war und was das für einen Diabetiker für Folgen haben kann. Jonas war erschüttert.
„Das ist ja entsetzlich. Wer macht denn so etwas?“
„Schildern Sie uns mal, wann Sie Markus Rieder zuletzt gesehen haben und wo das war“, forderte ihn Jutta auf.
Jonas sagte das gleiche, das sie schon von Moritz Sonntag gehört hatten, dass die fünf sich zum Essen getroffen hatten und wie lange das dauerte.
„Sind Sie alle zusammen gegangen?“
„Nein, Markus und Moritz gingen früher, so gegen halb elf muss das gewesen sein. Wir anderen sind noch länger geblieben.“
„Warum sind die beiden früher gegangen?“, wollte Jutta wissen.
„Es gab einige Differenzen mit Volker, die beiden hatten ihn gefragt, warum er sich so verändert hat, was der Grund dafür ist. Ob er vielleicht sogar Drogen nehmen würde.“
„Und was hat er geantwortet?“
„Volker war sehr erbost darüber und ist ziemlich laut geworden. Er meinte, das sei eine Unverschämtheit von den beiden, ihm so etwas zu unterstellen. Veit und ich konnten ihn dann etwas beruhigen und ihm klarmachen, dass Moritz und Markus ihm das nicht unterstellten, sondern nur gefragt hatten, weil sie sich Sorgen um ihn machten. Das hat ihn dann etwas runtergeholt. Ich denke, Markus und Moritz sind deshalb schon früher aufgebrochen, damit es nicht noch zu mehr Streit kommt.“
„Ist Ihnen und Herrn Gronig nicht aufgefallen, dass es mit Ihrem Freund eine Veränderung gegeben hat?“
„Doch, schon. Wir haben das natürlich bemerkt und auch darüber gesprochen, aber wir waren der Überzeugung, dass es mit dem Prüfungsstress zusammenhängen musste, der Volker schwer belastet hat.“
„Hat Volker denn die Prüfung bestanden?“
„Ja, hat er. Er hat uns sein Zeugnis gezeigt. Aber es war nicht so gut, wie es eigentlich sein sollte. Der ganze Maschinenbau ist nicht Volkers Ding. Er hat das nur studiert, um seinen Vater zufriedenzustellen.“
„Warum hat er denn nicht mit seinem Vater gesprochen und ihm gesagt, dass er das nicht will? Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter. Ist sein Vater so ein Monster?“, wollte Jan wissen.
„Herr Grundmann ist ein sehr netter älterer Herr, der weiß, was er will, aber durchaus auch Verständnis für andere hat. Wir alle sind auch der Meinung, dass Volker mit seinem Vater reden sollte. Der wäre vielleicht nicht begeistert aber verstehen würde er es schon.“
„Was würde Volker denn gerne machen?“
„Fotografieren. Er macht sehr schöne Landschaftsaufnahmen und auch Tierbilder. Die sind sehr gut. Damit hätte er bestimmt großen Erfolg.“
„Hatte Markus Rieder Feinde oder Leute, die ihm etwas nachtrugen?“, hakte nun Jutta nach.
„Nicht, dass ich wüsste. Mir ist das auch ein Rätsel, glauben Sie mir.“
„Wann waren Sie denn zu Hause?“
„Kurz vor Mitternacht. Ich bin dann direkt ins Bett gegangen, weil ich müde war.“
„Kann das jemand bezeugen?“
„Nein, leider nicht.“
„Gut, Herr Gabelberg, das war es vorerst. Wenn wir noch Fragen haben sollten, dann kommen wir noch einmal auf Sie zu.“
Jutta und Jan erhoben sich und hielten Jonas Gabelberg die Tür auf. Der verabschiedete sich und ging.
„Was hältst du von ihm?“, fragte Jutta ihren jungen Kollegen.
„Sagt das gleiche wie Moritz Sonntag, mehr oder weniger. Auf diesen Volker Grundmann bin ich mal gespannt. Aber erst reden wir noch mit Veit Gronig.“
Bis zur nächsten Befragung hatten sie noch eine knappe halbe Stunde und so vertieften sie sich in die Aussagen der beiden anderen und versuchten herauszufinden, wer Markus Rieder getötet hatte.
Kapitel 9
Pünktlich um 15 Uhr betrat ein hochaufgeschossener junger Mann mit rotblonden Haaren und einigen Sommersprossen das Kommissariat. Er hatte blaue Augen und ein paar Lachfältchen um Augen und Mund.
„Mein Name ist Veit Gronig. Sie wollten mich sprechen?“, sagte er.
Jutta stellte sich und Jan vor.
„Hansen, mein Kollege, Herr Römer. Nehmen Sie doch Platz, Herr Gronig. Sie wissen, worum es geht?“
„Ja, Markus ist tot. Er wurde ermordet, sagte mir Jonas. Er hat mich vorhin angerufen. Stimmt das wirklich, dass Markus ermordet wurde?“
Jutta Hansen bestätigte es und erläuterte auch ihm, dass sie in einem Mordfall ermittelten. Auch Veit wurde aufgefordert, den Verlauf des Abends zu schildern. Er erzählte in etwa das Gleiche wie die beiden anderen, dass sie sich zum Essen getroffen hatten und dass Markus dann Volker darauf angesprochen hatte, warum er sich so verändert hatte.
„Volker hat sich ziemlich darüber aufgeregt, aber Jonas und ich konnten ihn dann doch wieder beruhigen, so dass er etwas runterfahren konnte.“
„Haben Sie sich denn nicht gefragt, woher diese Veränderung kam?“
„Doch, natürlich. Aber wir haben es dem Prüfungsstress zugeschrieben. Wenn ich allerdings jetzt darüber nachdenke, dann kommt es mir auch merkwürdig vor und kann nicht nur mit den Prüfungen zusammenhängen.“
„Sie trauen Ihrem Freund also zu, dass er Drogen nimmt?“, hakte Jan nach.
„Nicht unbedingt Drogen aber vielleicht ein Aufputschmittel, das kann allerdings eine ähnliche Wirkung hervorrufen.“
„Sie kennen sich auf dem Gebiet aus?“, fragte Jutta.
„Nein, auskennen ist nicht das richtige Wort. Ein Cousin von mir hat vor Jahren während einer Prüfung, vor der er sehr viel Angst hatte, ein Aufputschmittel genommen, jedenfalls wurde es ihm als solches deklariert. Es hat auch gewirkt aber als dann die Wirkung nachgelassen hat, hat er sich in etwa so aufgeführt wie Volker jetzt. Das heißt aber trotzdem nicht, dass Volker etwas nimmt oder genommen hat.“
„Wann haben Sie, Jonas und Volker sich gestern Abend getrennt?“
„Das war so gegen Mitternacht. Wir haben uns auf dem Parkplatz verabschiedet.“
„Und Sie sind direkt nach Hause gefahren?“
„Ja, ich war müde.“
„Kann das jemand bezeugen?“
„Nein, ich wohne allein. Allerdings bin ich dem Hausmeister begegnet als ich nach Hause kam. Der hat gerade seinen Müll runtergebracht. Fragen Sie ihn.“
Jutta notierte sich Name und Anschrift des Mannes.
„Und was ist mit Ihrem Freund Jonas? Ist der auch gleich nach Hause?“
„Ich denke schon. Gesagt hat er es jedenfalls.“
„Gut, dann sind wir fertig. Danke, dass Sie gekommen sind. Wenn wir noch Fragen haben, melden wir uns bei Ihnen.“
Veit Gronig verabschiedete sich und verließ das Kommissariat.
„Okay, jetzt noch Volker Grundmann, dann sind wir durch. Jan, versuche mal den Hausmeister zu erreichen und frage ihn, ob er mitbekommen hat, wann Gronig nach Hause kam.“
Jan hängte sich sofort ans Telefon. Kurz darauf sprach er mit dem Hausmeister.
„Gronigs Alibi stimmt. Der Hausmeister ist ihm begegnet als er den Müll runtergebracht hat. Da war es kurz vor Mitternacht.“
„Dann wollen wir mal hören, was uns Volker Grundmann zu sagen hat.“
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