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Jan war völlig überrascht von der gepflegten Erscheinung, die er jetzt erstmalig aus der Nähe betrachten konnte. Voller Erregung folgte ihr Kopf den rhythmischen Bewegungen ihres füllig proportionierten Körpers, der aber von seinem Alten noch größtenteils bedeckt wurde. Sie hatte schöne, weiße, lange Beine, die den feisten Hintern des Alten fest umklammerten. Ihre mächtigen weißen Schenkel zuckten und vibrierten, als er ihre verzückt laut jauchzende Stimme vernahm. Es vermischte sich mit dem dunklen Stöhnen seines Alten. Langsam beruhigte sich das Treiben der beiden und sie lockerte ihre Beine, worauf sich Jak de Miesrè behäbig aus ihrer Umklammerung befreite. Erschlafft ließ er von ihr ab und raffte sich auf. Jan erkannte im Gesicht des Alten, dass er völlig außer Puste war. Schwer atmend drehte der Alte sich um, schlich zum Fenster und öffnete es einen Spalt breit. Dann hakte er es ein und langte nach seinem Glas welches auf dem Fensterbrett stand.
Schockiert wich Jan zurück und drückte sich noch tiefer in den Busch hinein. Doch ein heftiges Stöhnen veranlasste ihn, nochmals mit aller Vorsicht, durch das Fenster zu lugen und er traute seinen Augen nicht. Sein Alter zog sich an und machte die Hose zu. Jans gierige Blicke schweiften zum Sofa hinüber, auf dem die spärlich bekleidete Dame des Hauses sich ungeniert und nur genussvoll rekelte. Plötzlich schnellte ihre Hand in den Hosenschlitz des Alten, griff sich seine Männlichkeit und bewegte sie hin und her. Unwillig ließ sein Alter sich diese Aktion kopfschüttend gefallen. Ihre andere Hand glitt sanft zu ihrem weichen Moosflies und machte sich in schnellen Bewegungen daran zu schaffen. Eifrig fingerte sie daran herum, bis ihre Atemstöße sich in ein lautes und heftiges Stöhnen verwandelten und sich hinaus durchs Fenster flüchteten. Ihre lechzenden Töne, die sich in Jans Ohren bohrten, klangen für ihn wie eine Musik, die von Meisterhand komponiert wurde. Sie schien ein großes Talent für diese Art von Vergnügen zu haben. Da beide so sehr mit sich beschäftigt waren, konnte Jan den Anblick ihres Körpers geniessen, der in weichen, hügeligen Konturen sanft dahin floss.
Jans Herz raste. In seiner Hose pochte es und klopfte es. Dort machte sich sein ungelenker und unerfahrener Zauberlehrling bemerkbar, als er den wilden, nach Liebe rufenden und erotisch klingenden Lauten aus ihrem Munde lauschte.
»Verdammt, dieser blöde Trottel« , dachte er sich. »Er hat es nicht fertig gebracht, ihre lechzende Wollust so galant zu vollenden, dass sie jetzt selbst noch Hand anlegen musste, um sich zu befriedigen«.
»Du geiler, fauler Bock!« schrie sie ihn an. »Gib mir dein Ding her! Komm, komm, ahhh!, rief sie. Ohhh, Jak, vernasch’ mich. Oh, lala, er ist ja so müde schlaffe Geiling. Macht er doch sonst nicht mit dir«, rief sie völlig erregt und war außer sich von der Macht ihres unbefriedigten Zustands. Weinerlich und den Tränen nahe schluchzte sie: »Was hast du mit dem Weichling gemacht, der ist ja heute lustloser, als der schlaffe Kostverächter meines Mannes. Komm’ her, ich werde ihn schön aufmuntern und in Form bringen.« Erregt zog sie die sanfte Hügellandschaft ihrer weißen Schenkel vom Kanapee und drehte sich schwungvoll zu seinem Alten. Jan war begeistert, denn er erhielt einen direkten Blick auf das weit geöffnete Tal der Könige. Zwischen ihren weit gespreizten Beinen stach ihre rosige Liebesgrotte aus dem schneeweißen, wohlgeformten Körper hervor. Er betrachtete gierig das ekstatische Fingerspiel ihrer carraraweißen Hand, die von leicht bläulichen Adern durchzogen war. Ihr Körper hatte den sanften Glanz und die Anmut einer polierten Marmorfigur, der nur durch das dunkle blutrot ihrer Fingernägel und die rosige Farbe ihres erregten Vulkans durchbrochen wurde, an dessen weichen Lippen ein seidiger, pechschwarzer Flaum wuchs.
Jans Herz tobte in seiner Brust, als er erstmalig in seiner vollkommenen Unschuld einen solch erquickenden Anblick genoss. Am liebsten hätte er das Fenster aufgerissen und wäre hindurch gestiegen, um ihr das geile Ding, was unentwegt im Takt seines Verlangens pochte, dort hinein zu stoßen, wo sie es verlangte. Er würde ihr schon geben, wonach Sie sich so wild sehnte, und zwar so, dass ihr hören und sehen verging. Voller Verlangen befreite Jan seinen steifen Liebesdiener aus seiner Zelle, um den feurigen, hämmernden Pochmeister abzukühlen. Doch die eisige Kälte schien ihm nichts auszumachen. Zur Befriedigung seiner Triebkraft machte er sich daran, ihm das nötige zu besorgen. In seinem maßlos erregten Zustand erblickte Jan, wie sie das schlaffe Ding seines Alten aus seinem Versteck hervorzauberte und einen letzten Versuch unternahm, ihn mit ihren fülligen Lippen aufzumuntern.
»Hat keinen Zweck heute«, vernahm er aus der brummigen Stimme seines Alten. »Ich habe zu viel Stress mit meinem neuen Laden in Hamburg, das läuft alles nicht so, wie ich mir das vorstelle. Tut mir leid Süße, ein anderes mal wird’s um so schöner.« Enttäuscht schob sie den matten, abgeschlafften Hängelino zurück in den Hosenbund.
Völlig unbefriedigt und mit einem verachtenden Blick zog sie ihre malerischen Schenkel zusammen und verschloss den Anblick auf das Tal der Könige. Mit traurigen Augen ließ sie sich zurück in die weichen Kissen des Kanapees fallen.
Durch den offenen Fensterspalt genoss Jan den Anblick ihrer großen, weißen Marmorbrüste, aus deren Zentrum die zartrosa Wölbungen der voller Erregung geschwollenen Blütenknospen sprossen. Mit schluchzender Geste zog sie ihre Beine nochmals auseinander und eröffnete erneut die Aussicht auf ihre betörende Zauberhöhle, über die sie mit melancholischen Bewegungen ihrer Hand hinwegstrich. Mit enttäuschter Miene rief sie dem Alten zu: »Muschi, sag’ dem Jak auf Wiedersehen!«, dabei spreizte sie mehrfach gekonnt, mit zwei Fingern die weichen fülligen Lippen des roten Vulkanrandes und sagte überlaut: »Mach winke, winke!«
Jans mächtiger Explosivling, dieser rotköpfige Teufel, spie in dem Moment wie ein explodierender Vulkan die erquickenden Säfte seines jungen Lebens hervor, sie schossen gegen die Scheibe und froren an ihr fest. In seinem ekstatischen Anfall vernahm Jan nur noch die dumpfen, schwerfälligen Schritte seines Alten, der ihr lachend zu rief: »Tschüs! – Du alte geile Nuss!« Dabei schaute Jak de Miesrè zur Uhr und sagte ganz förmlich: »Ich muss jetzt los, bevor mein Jüngling hier auftaucht. Der hat auch schon so einen heißen Stachel, wie ich ihn früher hatte. Hoffentlich hat er sich bei seiner Angebeteten gut benommen. Bis bald! Nächste Woche benötige ich mal wieder ’ne ganze Ladung geräucherte Aale, sag’ deinem Ollen, er soll sie rechtzeitig bereithalten. Ich schicke dir meinen Sohn vorbei, der hat sich so ein schnelles Rennrad angeschafft, der kann sich dann seine wollüstigen Anfälle, die er manchmal hat, auf dem Weg hierher abstrampeln.« Jan war verwirrt, hastig zog er seinen Hosenschlitz zu und raste wie vom Teufel angespornt in Richtung Straße. Mit nachdenklicher Miene setzte er sich auf den Fahrersitz und tat so, als wäre er gerade angekommen. Der dumpfe Klang der Haustür verriet ihm, dass der Alte gleich hier auftauchen würde. Gespielt ahnungslos ging Jan auf ihn zu.
»Na, alles klar?« fragte er Jan mit abgespanntem Blick. »Ja, ja, die alte Stern hat mich nur total fertig gemacht, weil die Rechnung nicht stimmte«, antwortete Jan.
»So, wie doll hab’ ich sie denn heute beschissen«, fragte er breit grinsend.
»Wie beschissen? Du hast dich um 5 Mark zu ihren Gunsten verrechnet!«
»Ach was, Papier ist geduldig, das habe ich doch vorher schon draufgehauen. Ich wollte nur, dass du die mal in Hochform erlebst. Was die für ein gemeiner Drachen sein kann! Ich meine, so als zukünftige Schwiegermutter, hahaaa!« Lachend stiegen sie in den alten Kastenwagen, mit aufheulendem Motor und dicken Abgaswolken rasten sie davon.
Jak de Misserè lag laut schnarchend auf dem ausgeleierten Sofa und hielt genüsslich seinen Mittagsschlaf. Leise legte Jan das Schuldenbuch zurück auf den Tisch und verschloss die Tür. Für sein Vorhaben hatte er sich aus dem Büchlein seines Alten einige Zahlenkolonnen abgeschrieben, von denen er glaubte, dass er sie heute benötigte.
Angesichts seiner Gedanken, die ihm seit einiger Zeit durch den Kopf gingen, klopfte er sich beruhigt auf die Brusttasche, hinter der sein Duplikat steckte. Vor Tagen hatte er es exakt in gleicher Ausführung besorgt. Mühevoll ahmte er die krakelige Schrift des Alten nach. Ganz besonders penibel auf dem Etikett der Titelseite. Wer wußte, wozu es noch nützlich sein würde. Er packte einige Plastiktüten zusammen und sprang mit vollem Schwung auf sein Sportrad.
Das scharfe Rad staubte er von einem Kumpel des Gymnasiums ab. Jan tauschte es gegen ein paar Flaschen Schnaps ein, die er aus dem Laden seines Alten klaute. Sein Tauschhandelspartner hatte von seinen wohlhabenden Eltern zu Weihnachten ein neues, noch schnelleres Rad bekommen. Von diesem Handel hatte Jan seinen Eltern natürlich nichts erzählt, sie dachten, er hätte sich im Stadtgeschäft eines Freundes ein paar Mark dazu verdient. Unternehmungslustig drückte er sich in den Sattel und trat in die Pedale. Mit hoher Geschwindigkeit strampelte er auf dem Rennrad durch die Weiten der eiskalten, von Rauhreif überzogenen Elbmarsch. Immer geradeaus in Richtung Westen, wo die Aale, die er abholen sollte, auf ihn warteten.
Nach einer guten Stunde hatte er die Ortschaft erreicht. Jan überlegte sich, wo er sein auffälliges Rad abstellen könnte. Er erinnerte sich an den großen Taxusbusch hinter dem Haus und beschloss, es dort später zu verstecken. Zielsicher eilte er zu Frau Bergers Haustür und klingelte stürmisch. Sein Rennrad hatte er für den Moment, mitten auf dem schmalen Weg des Vorgartens abgestellt. Lautlos öffnete sich die Tür.
»Hallo! Du bist also der Jan«, begrüßte sie ihn in freundlichem Ton. »Der ganze Stolz des Vaters!« Interessiert musterte sie ihn von Kopf bis Fuß und fügte mit sanfter, lieblicher Stimme charmant hinzu: »Ich habe schon 20 Pfund geräucherten Aal im Kühlschrank liegen. So muss ich nicht mehr hinaus in den eiskalten Hofschauer.«
»Hallo! Liebe Frau Berger!«, antwortete er freundlich und meinte verlegen: »Ich bin von der langen Fahrt durchgefroren, darf ich mich an Ihrem Ofen ein wenig aufwärmen?« Hoffnungsvollen Blickes reichte er ihr die Tüte und sagte: »Schönen Gruß vom Alten, ehh, alten Herrn«, verbesserte er sich schnell.
»Die Flasche Rum in der Tüte ist für einen heißen Grog gedacht.« Verblüfft betrachtete sie ihn und stellte fest, dass er ausgesprochen gut aussah, verdammt männlich für seine 16 Jahre, kräftig gebaut mit breiten Schultern, starken Lenden und einem strammen Hintern. Sein kräftiges kantiges Gesicht rief alte Erinnerungen an ihren Mann wach und sie lächelte ihm einladend zu.
»Entschuldige Jan! Komm schnell in die warme Stube und wärm’ dich auf.«
»Vielen Dank, Frau Berger!«, antwortete Jan aufgeregt. Er überlegte kurz und sagte ohne ihre Antwort abzuwarten: »Ich stelle noch schnell mein Rad auf den Hof, damit es nicht abhanden kommt, denn es war verdammt teuer, das gute Stück, und ist in einigen Kreisen sehr begehrt.«
»Ja, mach nur!«, rief sie ihm entzückt hinterher.
Als er zurück zur Haustür kam war die Tür einen kleinen Spalt breit geöffnet. Neugierig lauschte er den Geräuschen und vernahm ihre eiligen Schritte, die auf die Tür zu strebten. Mit ihrer warmherzigen Stimme forderte sie ihn auf: »Komm herein!« Schwungvoll öffnete sich die Haustür und mit einer galanten Geste zeigte sie zur Stubentür.
»Dort brennt der Kachelofen und es ist schön mollig warm. Geh schon mal vor, ich mache uns noch einen heißen Tee. Damit du schnell wieder auftaust.« Jan setzte sich an den feurig, böllernden Ofen und hielt seine steifgefrorenen Hände dicht an die wärmenden Kacheln.
»Na, Jan, geht’s dir schon etwas besser?«, fragte sie mütterlich besorgt.
»Brrr, da draußen ist eine kalte Luft, der eisige Wind geht einem durch Mark und Bein«, antwortete er und schüttelte seinen Oberkörper. Der schrille Pfiff der Wasserkessels unterbrach die kurze Unterhaltung. Sie eilte in die Küche und Jan lauschte den Geräuschen des aufgießenden Wassers. In ihren Gedanken versunken kam sie zurück und meinte ganz förmlich: »Ich habe uns den Tee aufgegossen, der muss noch kurz ziehen. Übrigens, wie geht’s deinem Vater? Als er letzte Woche hier war, ging es ihm nicht besonders gut, er sah schlecht aus, so blass und fühlte sich so kraftlos.«
»Ja, ja, dem geht’s schon wieder besser, er hatte viel Ärger am Hals. Aber ich glaube, er hat sich wieder ganz gut davon erholt.«
»Das klingt ja vielversprechend. Schön, das freut mich für ihn«, rief sie Jan zu, als sie zur Küche ging, um den Tee zu holen.
»Dieser alte geile Bock«, dachte er sich, »wenn der nicht die ganzen Weiber der Gegend durchvögeln würde, hätte er wohl auch keine Probleme und würde sich viel besser um seine Geschäfte kümmern; und ich mich um die Schule«.
»Zum Glück muss ich heute nicht noch irgendwo hin«, hörte er ihre Stimme durch die offene Zimmertür. Als sie mit dem Tablett, zwei Tassen und dem heißen Tee erschien, fragte Jan forschend: »Ihr Mann, ist der etwa bei diesem Wetter zum Fischen draußen?«
»Ach, Jan, mein Mann«, antwortete sie leicht verlegen »der ist immer auf dem Kutter, ob es blitzt, donnert oder schneit. Er hält das hier am warmen Ofen nicht lange aus. Ich sehe ihn kaum, er ist fast immer auf dem Wasser. Ich glaube, der ist inzwischen mit seinen Fischen oder Aalen verheiratet.«
Jan fasste sich ein Herz, nahm seinen ganzen Mut zusammen und erwiderte: »So eine wunderschöne Frau, lässt man doch nicht allein zu Hause sitzen.« Verwundert und leicht errötet schaute sie ihm tief in die Augen.
»Danke, Jan! So ein lieb gemeintes Kompliment habe ich schon ewig nicht mehr gehört und schon gar nicht aus den Lippen eines so hübschen jungen Mannes. Es ist wunderschön, wenn man als reife Frau, von einem so blutjungen Mann noch beachtet und bewundert wird.«
Es wurde Jan bei der Unterhaltung, die er sich eher als kleinen Erpressungsversuch vorgestellt hatte, ganz heiß. Ihm lief bei seinen Gedanken ein eiskalter Schauer über den Rücken. Leicht zitternd saß er ihr gegenüber und starrte sie mit unsicherem Lächeln an.
»Ist es dir noch kalt?«, fragte sie besorgt. Erschrocken fügte sie hinzu: »Soll ich noch einige Stücke Holz nachlegen?«
»Nein, nein, nicht nötig«, beruhigte er sie.
»So ein heißer, steifer Old Grog wäre eigentlich das richtige Getränk bei diesem Wetter. Damit sich auch schnell wieder neue Kräfte für meinen Rückweg sammeln.« Entzückt sprang sie aus ihrem Sessel und antwortete: »Das ist eine sehr gute Idee! Einen heißen Old Grog? Den habe ich schon ewig nicht mehr getrunken. Daran kann ich mich nur noch schwach erinnern und in so junger Gesellschaft wird er besonders gut schmecken«, schwärmte sie und seufzte. »Es ist alles schon so lange her.«
Mit einem sehnsüchtigen Blick verschlang sie seine jugendliche, frische Ausstrahlung, als sie an ihre Jugendzeit dachte.
»Kann ich Ihnen etwas helfen?«, fragte Jan hilfsbereit.
»Ja, komm doch mit, in die Küche, ich weiß überhaupt nicht so genau, wie ein echter steifer Old Grog zubereitet wird.«
»Kein Problem! Ich kenne mich gut damit aus, in der letzten Woche haben wir 500 Gläser auf dem zugefrorenen See an der Elbe verkauft. Dort war ein kleiner Wettbewerb. Eislaufen, Eisangeln! Aber auf dem Eis saufen war wohl am meisten gefragt«, sagte er ironisch, worauf sie schallend lachte.
»Mein Gott, noch so jung. Wie ich dich beneide«, bewunderte sie ihn kopfschüttelnd und strahlte ihn mit glänzenden Augen an. Ihre Wangen erglühten in einem zartrosa Farbton, der ihre samtweichen und edlen Gesichtszüge betonte. Zweifelnd fragte sie: »Ich spreche dich schon die ganze Zeit mit deinem Vornamen an, darf ich das überhaupt noch?«
»Oh ja, mit dem größten Vergnügen«, erwiderte Jan generös und blickte in das Tiefdunkle ihrer funkelnden Augen, in denen sich ihre langen Wimpern spiegelten.
Träumerisch starrten sie sich eine ganze Weile lang an und er fragte: »Wo steht der Zuckertopf?«
Erschrocken über die Gedankenflut, die über sie hereinstürzte, zuckte sie zusammen, automatisch nahm sie die Packung aus dem Schrank und reichte sie ihm. Mit sicherem Griff öffnete er die Rumflasche des echten Old Jamaika Rums mit 55% Vol.. Er schnupperte kurz daran und schenkte die Gläser zu einem Drittel voll. Schwungvoll, wie ein Profi, goss er das kochend heiße Teewasser darüber und fragte charmant: »Süß, süßer, ganz süß oder ohne?«
»Natürlich leicht gesüßt. Zwei Löffel Zucker reichen, sonst ist er viel zu hart.« Sachte rührte er das heiße Getränk um und gab ihr eines in die Hand. »Oh, oh, das ist aber sehr heiß!«, rief sie spontan, stellte es sogleich wieder ab und meinte mit mahnendem Blick: »Den kann man doch so kochend heiß noch nicht trinken.«
»Wie schmeckt er denn am besten?« fragte sie gespannt zurück.
»Doch, doch«, er nahm einen kleinen Schluck des dampfenden Getränks und sagte: »Nur dran nippen, dann geht’s.« Voller Bewunderung betrachtete er Frau Bergers elegante Erscheinung.
»Ergo bibamus!, sprach Jan mit sonorer Stimme und prostete ihr zu: »Zum Wohl! Liebe Frau Berger, auf die edle Spenderin. Die Götter mögen Ihnen stets Wohl gesonnen sein und sie vor allen bösen Geistern und Unholden beschützen. Schöne Dame, aus Fleisch und Blut die in der Blütenpracht ihres Lebens steht. Ihr Beschützer liegt Ihnen zu Füßen. Auf Ihre Gesundheit, Madame!«
Erstaunt und geschmeichelt nippte sie an ihrem Glas herum und lächelte verlegen. »Zum Wohl, Jan! Mein edler Beschützer, mögen sie auch dich beschützen und dir deinen jugendlichen Charme erhalten; ein Leben lang.« Schallend lachend rief sie: »Ich glaub’s nicht, so ein Schelm, wo hast du denn diese ganzen Sprüche her? Noch dazu auf lateinisch!«
»Aus der Schule!«, platzte es aus ihm heraus. »Was machst du nach der Schule, wenn du dein Abitur geschafft hast. Ein Studium oder eine Ausbildung?«
»Mal sehen, wenn alles klappt, studiere ich Philosophie oder Betriebswirtschaft oder beides. Oder ich mache einfach nur eine schlichte Banklehre«, rätselte er unsicher.
Nachdenklich meinte sie: »Ich müsste jetzt noch ein wenig Holz nachlegen, bevor hier gleich das Feuer ausgeht.«
»Lassen Sie nur, ich mache das schon.« Flugs eilte er aus der Küche und setzte sein Vorhaben in die Tat um. Verräumten Blickes folgte sie ihm.
»Wann fährst du zurück, Jan? Ich meine, wann wirst du zu Hause erwartet?«, fragte sie zögerlich und mit fragenden Gesichtsausdruck. Enttäuscht schaute er zu ihr und antwortete verschüchtert.
»Nach dem Old Grog kann ich losfahren, wenn Sie möchten. Aber ich fühle mich so wohl bei Ihnen, so geborgen und wenn ich nicht all zu sehr störe, unterhalte ich Sie noch etwas und leiste Ihnen ein wenig Gesellschaft.«
»Gute Idee, Jan!«, rief sie aufmunternd und registrierte seinen sehnsüchtigen Blick. »Diesen Wunsch kann ich dir leicht erfüllen«, hörte sie sich sprechen und taxierte ihn. »Kann sie nicht anders, oder will sie nicht anders?«, fragte sie sich nachdenklich. Voller Enthusiasmus setzte Jan das Gespräch fort.
»Ich kann Ihnen eine schöne Geschichte erzählen, wenn Sie möchten. Oder, erzählen Sie etwas aus der Blütezeit ihrer Jugend. Wo sind sie geboren? Was haben Sie erlebt? So etwas finde ich unheimlich spannend und interessant.«, forschte er mit neugierigen Blicken. Angeheitert nahm sie ihr Glas und trank einen ordentlichen Schluck. Leicht irritiert bemerkte sie, dass ein wundersames Gefühl in ihr aufstieg.
Von dem schweren Rum schon leicht beschwipst, lauschte sie seiner Erzählung, die er – mit einer für sein Alter ungewohnten Wortwahl – spannungsgeladen vortrug und malerisch ausschmückte. Sie genoss seine Nähe, dieses frische jugendliche seiner Gesichtszüge und die unermüdliche Lebendigkeit, mit der er sie wortgewaltig immer mehr in seinen Bann zog. Sie ertappte sich dabei, dass sie unentwegt auf seine Lippen starrte und seine Worte begierig in sich aufsog, die aus diesem süßen Mund hervorquollen. Zwischen seinen Erzählungen legte er immer eine kleine Pause ein. Versonnen schaute sie auf sein fast leeres Glas. Ohne ihn zu fragen, ging sie angeheitert zur Küche, um noch einmal frisches Wasser aufzukochen.
»Ich habe noch Lust auf einen Old Grog. Darfst du auch noch einen?«, rief sie verführerisch.
»Nur, wenn Sie mich dazu ausdrücklich einladen.«
»Dann komm’ zu mir und zaubere uns noch einen von deiner köstlichen Rezeptur.«
Schnell wie ein Windhund sprang Jan aus dem Sessel und huschte zu ihr an den Küchentresen. Sie betrachtete seine schöne starke Hand und seine Fingerfertigkeit, mit der er alle Dinge schnell zu erledigen wusste. Sie beneidete ihn, diesen jungen Draufgänger und war fasziniert von seinem unschuldigen Lächeln. Es erregte sie und sie empfand ein brennendes Gefühl in ihrer Brust, welches sich in Windeseile, hinunter in die Gefilde ihrer Weiblichkeit verteilte und ein ungekanntes Lustgefühl in ihr auslöste. Sie würde ihn am liebsten in den Arm nehmen und küssen, ihn liebkosen, um ganz nah bei ihm zu sein, stellte sie erschrocken fest.
»Langweile ich Sie auch nicht?« fragte er gespannt, als er den schmachtenden Blick ihrer glänzenden Augen verzehrte.
»Nein, ganz und gar nicht!«, flüsterte sie leise.
»Es ist schön, so eine nette Gesellschaft zu haben. Die feine Art wie du dich gibst, empfinde ich, wie eine kostenlose Verjüngungskur. Ich bin entzückt über dein Wissen und deine unglaublich phantasievolle Erzählkunst. Diese sprudelnde Quelle deines Geistes – möge sie niemals versiegen!«, wünschte sie und betrachtete ihn mit sinnlichem Blick.
»Komm’ Jan, mir ist etwas kalt hier, am Ofen ist es schön warm und gemütlich.« Jan folgte ihr brav wie ein kleiner Schoßhund, der auf den Arm genommen werden möchte. Allerdings ging sie zielstrebig auf seinen Sessel zu, in dem er zuvor saß und hauchte ihm zu: »Setz dich auf meinen Platz und mach’s dir bequem. Du darfst auch die Beine langmachen, sie werden ja noch stark beansprucht, wenn du wieder zurück radelst.« Unsicher ergriff sie ihr Glas und hauchte: »Zum Wohl! Mein jugendlicher Beschützer. Kennst du auch noch eine andere, schönere Geschichte, diese war sehr romantisch, aber sie hatte doch kein happy end, das finde ich sehr schade.«
»Es gibt keines. Sie ist einfach zu Ende«, sprach er versöhnlich und überlegte, was er ihr noch erzählen könnte. Nach eine kurze Pause meinte er unsicher: »Ich habe da noch eine Geschichte, aber die ist eventuell ein klein wenig zu erotisch und ich trau’ mich kaum, sie zu erzählen.«
»Nur Mut, Jan! Ich bin nicht so prüde«, ermunterte sie ihn in ihrer vom Rum gelösten Art und strahlte ihn voller Erwartung an. Verträumt starrte er auf ihren Busen, der sich mit jedem Atemzug hob und senkte. Wie von Sinnen hörte er sich sagen: »Das Tal der Könige!«
»Oh, das klingt sehr spannend und verheißungsvoll. Vor circa zwanzig Jahren, als mein Vater sein Unternehmen noch hatte und wir uns jährlich schöne Reisen leisten konnten, war ich einmal in Ägypten. Ich kenne es sehr gut, es ist irrsinnig, was dort vor langer Zeit schon alles entstand. Aber das ist ja alles Geschichte.«
Jan war ein wenig verblüfft über ihre spontane Art, ihm plötzlich ins Wort zu fallen. Er nahm sein Glas, prostete ihr zu und trank es in einen Schluck leer. Mutig begann er, zu erzählen. »Sie handelt von einem glatzköpfigen Pharao. Er stellte auf seinen Reisen den schönen, fremden Frauen nach, die eigentlich jemand anderem gehörten und bemächtigte sich ihrer. Sein Sohn, der ihn begleitete, beobachtete ihn ab und zu bei diesen Techtelmechteln und er entdeckte dabei, das Tal der Könige. Es lag in einer wunderschön dahin fließenden Hügellandschaft, in dessen Senke sich ein kleines bemoostes Dreieck befand. Der Anblick faszinierte ihn, und er verspürte die Lust, es selbst einmal zu kosten.« Erstaunt und leicht errötet betrachtete sie ihn skeptisch.
»Ganz schön erotisch, lieber Freund.«, sagte sie ermahnend.
»Und wie geht die Geschichte weiter?« Aufgelöst ergriff sie ihr Glas und nahm einen mächtigen Schluck. Voller Herzklopfen betrachtete er sie und fuhr mit seiner Geschichte fort.
»Doch leider hinterließ er eine der Damen in einem völlig unbefriedigten Zustand. Die nach Liebe lechzende Dame musste tatsächlich, in einem Anfall von Lust, bei sich selbst Hand anlegen.« Ihr sanftes Gesicht wurde knallrot und ein Blutstrom schoss durch ihren Körper, als sie ihn zuerst eingeschüchtert, dann aber mit einem verachtenden Blick anschaute. Eigentlich wusste sie nicht so recht, wie sie auf diese Anspielungen reagieren sollte. Nachdenklich fragte sie: »Wer hat dir denn diese Geschichte erzählt?«




