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»Hab ich selbst erlebt, Frau Berger!«, versicherte Jan und verzog keine Miene.
Eine unheimliche Stille füllte den Raum. Ihr wurde heiß und kalt. Nachdem er ihre Unsicherheit bemerkte, tat sie ihm leid und er flüsterte: »Kaum zu glauben, sie fand genau hier statt. In diesem Zimmer.« Jan erhob seine Hand und zeigte auf das von Eisblumen fast bedeckte Fenster zum Hof.
»Ungewollt sah ich dabei zu, als ich auf dem Hof nach meinem Vater suchte, den ich mit Ihnen im Schauer des Hofes vermutete. Der Pharao, dieser Scheißkerl, heißt Jak de Miesrè und ist mein Alter.«
Fassungslos starrte sie ihn an. Nach einer Weile der Stille räusperte sie sich: »Wer weiß davon?«
»Niemand, meine Teure! Und niemand wird es je aus meinem Munde erfahren.« Jan schnappte erregt sein leeres Glas ging in die Küche und schenkte es halb voll Rum. Nach kurzer Bedenkzeit kam er zurück und setzte sich auf seinen Platz. Frau Berger hatte dicke Tränen in ihren Augen und sie wusste nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollte. Behutsam ging er auf sie zu, beugte sich zu ihr in den Sessel herab, strich ihr übers Haar und küsste zärtlich die dicken Kullertränen von ihren samtweichen Wangen. Schluchzend und fassungslos saß sie da und brachte keine einzige Silbe hervor. Jan küsste zärtlich ihre Stirn und seine Hände umarmten sie.
»Ich kann mir schon denken, wenn man so einsam und verlassen ist, sehnt man sich nach etwas Liebe und Zärtlichkeit. Seit dem Tag, liebe ich Sie«, flüsterte er leidenschaftlich.
Nach einer Weile der Stille, sagte sie mit stockender Stimme: »Dein Vater hat mich mit einem schweren Wein verführt. So bin in das Verhältnis mit ihm hinein geraten. Alles begann zwei Jahre nach dem entsetzlichen Unfall meines Mannes«, erklärte sie kopfschüttelnd.
»Vor einigen Jahren, nach einem strengen Winter mit Eisgang, wurde eine größere Reparatur an unserem Kutter notwendig. Mit einer Seilwinde zogen sie das schwere Boot aus dem Wasser, um den Rumpf für die kommende Saison mit einem neuen Anstrich aufzufrischen und kleine notwendige Arbeiten durchzuführen. Durch die gewaltige Zuglast riss das alte Seil und schlug meinem Mann heftig in den Unterleib, seit dem ist dort fast alles lahm gelegt. Er lag über ein Jahr im Krankenhaus und musste diverse Operationen über sich ergehen lassen. Aber es hat nichts geholfen. Danach hat er sich völlig verkrochen und traut sich nur noch mal nach Hause, wenn er dringende Arbeiten im Büro zu erledigen hat. Dann ruft er mich vorher an und nennt die Uhrzeit, wann er hier sein wird. Seither habe ich keinen Mann mehr, nur ab und zu den einen Liebhaber, der dir ja jetzt bekannt ist.«
»Liebst du ihn?«, fragte Jan unbeholfen aber bemerkte überhaupt nicht, dass er »du«, zu ihr sagte. Ihr fiel es aber sofort auf.
»Du darfst mich ruhig mit meinem Vornamen ansprechen, er ist Laura. Hier auf dem flachen Land, duzen sich eh alle untereinander und ich finde ihn auch schöner als Frau Berger«, flüsterte sie mit verzeihlicher Geste.
Beruhigend erwiderte Jan: »Laura, ein wundervoller Name, kein anderer würde so gut zu dir passen.«
Als er ihren Namen aussprach, klang der Ton so sanft in ihren Ohren, mit einer melancholischen Dunkelheit in seiner Stimme, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlte, um ganz dicht bei ihm zu sein und sein wild klopfendes Herz zu spüren.
»Du bist so gefühlvoll, so romantisch, so leidenschaftlich, so liebevoll in deiner ganzen Art, dass ich vor lauter Scham in meinem Sessel versinken möchte«, hauchte sie ihm ins Ohr.
»Du erinnerst mich so sehr an meine Jugendzeit. Durch deine Nähe zu mir wird alles in mir wachgeküsst. Es ist wie der schöne Traum einer älter werdenden Frau, die sich nach Liebe sehnt, die ihr aber seit Jahren verwehrt wurde. Alles kommt mir vor wie ein Fluch, der auf mich niederging; wie die Strafe Gottes«, fügte sie traurig hinzu.
»Du bist eine sehr schöne Frau!«, unterbrach er sie mit fasziniertem Blick. »Wunderschön! Deine zarte Haut, sie glänzt wie Porzellan. Aus deinen dunklen Augen möchte ich trinken. Deine dunkelroten Lippen möchte ich küssen. Dein prächtiges schwarzes Haar, mit dem silbrig schimmernden Glanz eines edlen Metalls, möchte ich unentwegt streicheln. Deinen wundervollen weißen Körper, auf dem die Täler deiner Haut dahinfließen, empfinde ich wie ein Gemälde, das von Meisterhand gemalt wurde und das von allen Seiten in dem Tal der Könige endet. Ich möchte dir meine Liebe schenken, Laura. Du bist die Auserwählte, die mich in das Tal der Könige führen und mir alle seine Schätze zeigen soll. Meine königliche Statur wird sich von dir verzaubern lassen, dich begleiten und dir die Träume erfüllen, nach denen Du dich sehnst.«
»Du bist ein Charmeur«, flüsterte sie verlegen.
»Ich bin jetzt doppelt so alt wie du und könnte deine Mutter sein, aber ich genieße deine wunderbaren Komplimente. Ja, ich verzehre sie geradezu, so etwas habe ich niemals zuvor aus dem Munde eines Mannes gehört. Mein kleiner königlicher Verzauberer.« Laura war vollends verwirrt von seinen Worten, von denen sie nicht genug hören konnte. Innerlich glühte sie mehr als der Ofen in ihrer Nähe.
Voller Bewunderung fuhr er mit zärtlichen Worten fort: »In meinen Träumen, gab ich dir einen anderen Namen. Ich nannte dich Venus. Meine Göttin der Liebe! Die göttliche Pracht, deines weiblichen Körpers, mit den wundervollen Rundungen die dich umgeben, beflügelten mich geradezu diesen wahrhaft göttlichen Vergleich zu ziehen. Meine Venus, geliebte Venus, die ich so sehr begehrte und der ich jetzt so unendlich nah sein darf. Deine wundervolle gepflegte Erscheinung ließ mich des Nachts durch die Kissen fahren. Wie auf leichten Wolken getragen, hielt ich dich in meinen Armen und wir schwebten darauf hin, durch die Weiten der Unendlichkeit, hinein in den Strom des Glücks.«
»Hör’ auf, du machst mich ganz verrückt, unser Altersunterschied ist viel zu groß und ich weiß überhaupt nicht, welche Gefühle ich für dich empfinde. Sind es die einer liebenden Frau oder die einer liebenden Mutter? Ich weiß es nicht. Ich begehre dich. Du bist so wunderbar jung, so einmalig. Aber darf ich die Säfte deiner Jugend genießen? Welche Folgen wird das haben? Ich bin verrückt nach dir. Ja, das ist wahr. Aber wer bist du? Ein Traum, den ich mich niemals zu träumen getraut hätte. Du bist so erfrischend, so liebevoll und doch so unheimlich.«
Jan zog ihren heißen Körper an sich heran, umschloss sie mit seinen Armen und küsste sie. Eng umschlugen verharrten sie atemlos von dem Glück, welches so unerwartet über sie kam. Laura spürte das lodernde Feuer in seiner Brust, das unerbittliche Klopfen seines Herzens. Seine verzehrenden Blicke, die sie inmitten ihres Herzens trafen. Sie ließ ihn gewähren, sie zu berühren. Mit sanfter Geste zog er sie aus dem Sessel und führte sie hinüber zu dem antiken Kanapee.
Bereitwillig verzehrte sie seine unerfahrenen Küsse, die unentwegt ihre zarte Haut liebkosten. Er entfachte in ihr ein ungekanntes Feuer, welches in ihrem Leib lichterloh brannte; wie trockenes Stroh. Die pulsierenden Schläge, die durch seinen Körper rasten, spürte sie mit großer Genugtuung. Laura genoss die Ströme, die seinen Lebenssaft in Wallung brachten und küsste ihn sehnsüchtig. Seine samtweichen, feuchten Lippen zu spüren und zu genießen, löste in ihr einen Reiz aus, den sie nicht kannte. Das Blut, welches durch ihren Körper strömte, ließ ihre Haut zu neuer straffer Schönheit erstrahlen. Seine Hände zu spüren, die ihre schwarzen, leicht gelockten Haare durchfuhren, empfand sie, wie den weichen Hauch eines warmen Windes, der kraulend und fühlend seine zärtliche Wildheit und Leidenschaft zum Ausdruck brachte. Dieses Glücksgefühl, getragen von so junger Schönheit, ließ ihre Hände gefühlvoll über seinen Körper wandern und sie ertappte sich dabei, wie sie unbewusst sein Hemd aus der Hose zog, um seinen nackten, muskulösen Rücken zu streicheln. Wie eine Dürstende ertastete sie sich über jeden einzelnen Muskel hinweg, den sie erreichen konnte. Sie fühlte sich bei dieser wilden jungen Männlichkeit so geborgen, wie ein Säugling im Schoß einer liebenden Mutter. Die unsicheren Bewegungen seiner Hände, die suchend jeden Knopf ihrer Bluse öffneten, genoss sie mit großer Wonne. Sie konnte ihm nicht dabei helfen. Denn sie war vor Freude wie gelähmt, um seinem Wunsch nachzukommen und seine Hand zu begleiten.
Sie kostete aus, was seine dunklen Augen voller Hingebung ausstrahlten. Seine Hände durchsuchten die Festung, die ihren Busen umschloss und die er ganz zärtlich öffnete, bis er sie eingenommen hatte. Seine nach Liebe dürstenden Küsse wanderten über die weißen Hügel ihrer Brust, hinein in die Täler, die sie umgaben. Laura fühlte die sehnsuchtsvollen Atemstöße, die auf sie niederprasselten. Sie spürte das Sprießen ihrer Knospen, die sich zwischen seinen Lippen zu ihrer vollen Größe entfalteten. Dabei strich sie ihm sanft durchs Haar und erlag den zärtlichen Liebkosungen ihres Busens, der sich ihm entgegen hob und der, seine Lippen noch mehr beflügelte, sie so unnachahmlich glücklich zu machen.
Jan war verrückt nach Laura und er verzehrte ihre sehnsüchtigen Blicke. Die schwarzen Dessous, die sie trug, machten ihn rasend. Von Ekstase ergriffen, biss er hinein. Er zog den hauchdünnen Stoff mit der ganzen Kraft seiner makellosen Zähne von ihrem Oberkörper herab. Achtlos ließ er ihn zu Boden fallen. Ihr heißer Atem lockte ihn erneut an ihren Busen und er versank mit seinem Kopf in dem weiten Tal, welches ihre zur Seite liegenden Brüste eröffneten. Auf den geschwungenen Hügeln bewunderte er ihre erregten Blütenknospen, die sich ihm in voller Pracht darboten. Mit seinen Fingern umkreisend streichelte er sie und betrachtete diese Wunder der Natur.
Dieser Jüngling, unschuldig wie er behauptete. Laura konnte es nicht glauben, welchen Zauber er über sie brachte, wie er mit ihr spielte, sie umgarnte, sie so heiß und verrückt machte, dass sie zu verglühen drohte. In ihrem Kopf begann sich alles zu drehen und sie versank mit geschlossenen Augen in den Traum, den sie glaubte zu träumen.
Jan aber schwamm auf einer glückseligen Welle dahin, getrieben und getragen von der Flut der Leidenschaft die sie in ihm entfachte. Er öffnete ihren Rock und befreite sie von der Enge, die ihre Taille umschloss und liebkoste sie auf den freigelegten weißen Hügeln, die sanft von ihrem Busen zum Becken herabflossen.
Seine nicht endenden Küsse trieben sich vor zu ihrem hauchdünnen, ja fast durchsichtigen, Spitzenhöschen, welches sie trotz der Kälte, die draußen herrschte, anhatte. Vor ihm lagen ihre wundervollen, langen weißen Schenkel, die – von schwarzen Strumpfbändern umgeben – ihre seidigen Strümpfe hielten und zum Teil bedeckten. Mit gierigen Blicken verschlang er die weiche in Marmor schimmernde Haut ihrer fleischigen Schenkel. Das in Porzellan weiß reflektierende Licht, welches auf ihnen glänzte, erstrahlte in seinen Augen. Genussvoll schmiegte er sich an. Ihre Hände liebkosten seinen Kopf. Sie durchstreiften seine Haare, streichelten seine Wangen und kraulten begierig seinen Nacken. Zärtlich zog sie seinen Kopf zu ihren dunkelroten wohlgeformten Lippen und küsste ihn erregt. Der frische Hauch ihres betörenden Parfüms zog Jan durch die Nase und er saugte ihn auf wie die Bienen den süßen Nektar der Frühlingsblüten.
»Führ mich ins Tal der Könige«, brachte er in vollster Erregung aus seinen zitternden Lippen hervor und genoss ihre sehnsuchtsvollen Blicke.
Mit feurigen Augen und bebender Stimme erwiderte sie erregt: »Nein, nein! Entdeck es selbst. Liebster, oh, du süßer Traum, der nie enden darf.« Sie war außer sich von seinem unstillbaren, unerfahrenen Verlangen, das in ihr diese unbezähmbare wonnige Lust entfachte und sie konnte ihre innerlich lodernden Flammen kaum noch bändigen.
Völlig losgelöst vom schweren Rum, den er mitbrachte und der ihr so ausgezeichnet mundete, wie der Liebestrunk himmlischer Götter, lag sie verzaubert da. Sie erquickte sich an seiner wohltuenden Nähe. Laura verspürte die Kraft, die seine starken Muskeln ausstrahlten und sie ließ wortlos, mit hitzigen Atemzügen, geschehen, wonach er verlangte. Zielstrebig schob sich seine Hand unter das, was sie noch bedeckte und befreite sie von dem Verlangen, seine Hand dort zu spüren. Um die zärtliche Liebe zu erfahren, an die sie sich kaum noch erinnern konnte.
Gierig schob er mit leichtem Druck ihre noch verschlossenen Schenkel auseinander und zog mit sanftem Spiel der Finger den hauchdünnen Slip zur Seite, der das Tal der Könige erahnen ließ, aber noch bedeckte. Sie spürte seinen heißen Atem, der auf ihrem lockig bewachsenen Flaum der Venushügelchen niederging, hinter denen voller Erwartung, ihr kochender Vulkan brodelte – wie heiße Magma. Seine Lippen küssten die verschlossene Pforte als wenn sie daran anklopften. Sie hob und senkte ihre Lenden, um mehr von seinen Lippen zu erhaschen und seine Zunge fuhr wie mit einem heißen Messer gezogen über den Eingang hinweg, der sich nur all zu leicht öffnete, um ihre Sehnsucht zu stillen.
Das unerfahrene Spiel, wie sie anfänglich annahm, entpuppte sich zu einer ekstatischen Aufladung ihrer Gefühle. Laura dürstete nach dem königlichen Zepter, welches er in seiner Unerfahrenheit bei sich noch versteckt hielt. Jan offenbarte sich der Blick, hinter die geöffnete Pforte, die er nur aus Büchern kannte und sich in seiner Phantasie ausmalte, wie es sein würde, sie zu öffnen. Doch alles war jenseits seiner Vorstellungskraft. Seine Zunge schleckte den Strom der feuchten Lava, die der Liebesgott bereit hielt, von dem rosigen Rand ihres erregten Vulkans, der sich in ein feuerrotes Inferno verwandelte und Laura an den Rand des irdischen Wahnsinns trieb.
Wie von Sinnen tastete sie nach der Lust, die er bei sich trug und bemerkte die Spitze des kochend heißen Drachenkopfes, der begierig nach ihren Fingern lechzte und sich ihr ganz langsam entgegen schob. Fassungslos erkundete sie das Objekt ihrer Begierde und sie konnte kaum glauben, was sie fühlte. Forschend erregt schoben sich ihre Finger über die blutdurchströmten Adern, fühlend hinab, bis sie endlich sein Ende erreichten und die weichen Löckchen, die er trug, an ihrer Fingerspitze kitzelten. Dieser gewaltige Stachel der Lust, der ihm gewachsen war, sprengte alles, was sie jemals gefühlt hatte. Sie umklammerte diesen göttlichen Zauberstab und war beseelt von seinem Ausmaß, welches nicht sein konnte. Und sie, sie war die Auserwählte, die sich an diesem unschuldigen Pfahl der Lust festhielt und sich als erste daran erquicken durfte.
Mit sanfter Kraft entfernte er ihr Höschen und streifte es über ihre langen Schenkeltäler, bis es sich zu Boden senkte. Sehnsüchtig hielt sie den wild pochenden Frischling fest umschlossen, soweit es ihr möglich war, um ihn sicher an den Rand des vibrierenden Vulkans zu führen. Ihre lustvollen Laute beschallten den Raum und übertönten das laute Knistern des glühenden Holzes, welches in dem Kachelofen lichterloh brannte.
Sein Herz erhöhte den Pulsschlag und es pochte in ihm im Takt der Leidenschaft. Ihr genussvolles Stöhnen irritierte Jan und er wurde noch etwas vorsichtiger in seinen Bemühungen, nichts Falsches zu tun. Doch mit aller Kraft zog sie seinen schweren Satan mehrfach über den glühenden Kraterrand. Sachte kreiste die Eichel über den weit geöffneten Vulkan und er spürte die angeschwollene Knospe, die sich voller Herzenslust nach der Kraft seiner ganzen Männlichkeit sehnte. Ihre lustvollen Laute signalisierten ihm, wie sehr sie ihn jetzt brauchte. Die unerfahrene, geballte Stärke seiner Muskeln trieben den Stachel der Liebe an und er sah die Sternlein am Firmament der Wonne, die seine Sinne in das Reich der Glückseligkeit entführten.
Wer weiß, wie unendlich lange diese genussvolle Reise dauerte, bis der königliche Stab seinen inneren heißen Kanal mit dem Saft der Liebe füllte und sich, in einer Verkettung von wilden Eruptionen, stoßweise entlud. Die Zeit dieses wundervollen Gefühls rauschte durch die Unendlichkeit seiner Liebe, die er für sie empfand und die er ihr schenkte. Befriedigt schmolz sie dahin wie ein in der Sonne liegender Eiswürfel.
Voller Freude, dieses Erlebnis der geballten jungen Dynamik in sich hinein zu saugen, beschlich sie die Angst, dass sich diese königliche Gabe herab beugte und sie vorzeitig verließ. Dieser so fürchterliche Gedanke erregte sie um so mehr. Sie krallte sich zärtlich in seine starken Lendenhügel, die den heißen Stab zu neuen Taten beflügelten. Im Rausch der Ekstase lud er sich auf wie ein Dynamo und war erneut bereit. Im Takt Liebe und ihrem fast ohnmächtigen Zustand lechzte sie vor Glück und Verlangen. Sie war jetzt süchtig nach seinen wilden Stößen und sie hoffte darauf, dass er den Garten der Lust nicht verlassen würde. Was der vom Glück verwöhnte königliche Gärtner auch nicht tat. Ihre glühenden Lippen suchten die seinen, und sie verbanden sich in inniger Liebe. Ängstlich, ja furchtsam zitternd, sterbend vor Begierde nach der Erfüllung ihrer Lust, die sie so intensiv noch nie erlebt hatte, ergossen sich ihre Freudentränen und rannen in dicken Kullern an den Rand seines Mundes. Er saugte die Tropfen des köstlichen Nass auf, wie ein verdurstender aus der erfrischenden Quelle einer Wüstenoase.
Jans Gefühle brachen wie ein heißer Sandsturm über ihn herein und sein erhabener Pharao stand inmitten des verheißungsvollen Palastes. Umgeben vom Lustgarten des Tals der Könige und sonnte sich, umhüllt von ihrer Leidenschaft, in der Wärme, die ihn umschloss und nicht freiließ. Über seinen Rücken zog der kalte Schauer seiner verlorenen Unschuld, hinab in den Stab der Verheißung, den sie nach der letzten Erleichterung tief befriedigt freigab. Sie lagen sich in den Armen und genossen das befreiende Gefühl der Begierde. Das Feuer, welches sie so unverhofft überrascht hatte, verglühte ganz langsam. Unendlich glücklich und beseelt schmiegten sie sich eng an einander, um nie wieder getrennt zu werden.
Jans Augen blickten verträumt zu den kleinen Scheiben des Sprossenfensters. Hinaus in das Meer der tanzenden Flocken. Lautlos rieselte die schneeweiße Pracht herab aus dem Blaugrau des von Wolken bezogenen Himmels. Der Wind spielte mit dem Schnee und trieb ihn gegen das eiskalte Glas des Fensters. Schemenhaft erschien das Gesicht seiner geliebten kleinen Katja vom großen Nachbarhof der Familie Stern. Dicke Tränen rannen ihr über die Wangen und ihr Gesicht verschwand in dem Weiß der tanzenden Flocken. Erschrocken schnellte er hoch, aber er sah nur noch das schneeweiße Treiben. Der pfeifende Wind klebte den flockigen Schnee an die Scheiben und bedeckte: »Das Fenster der Aale!«
Der erste Biss!
Wie auf Befehl bekam Jan einen tosenden Beifall von den Jungs. »So, Leute, wer ist der Nächte? Wer opfert sich freiwillig?« »Von wegen! Ihr kennt ja das Spielchen!« »War aber gerade so spannend«, bemerkte Erni grinsend.
»Also von mir bekommst du schon mal ein dickes Lob, was meint ihr?«
»Ja, doch«, pflichteten sie ihm bei: »ein dickes Lob war die Geschichte schon Wert.«
»Die hat er sich schon verdient«, meinte Leo. Er stand auf und sinnierte schmunzelnd: »Dein Alter war ja ein feines Früchtchen Jan. Kein Wunder, dass du direkt in seine Fußstapfen getreten bist.«
Huby äußerte schallend: »Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, so lautet eine alte Bauernregel. Der Alte hat es ihm ja praktisch leibhaftig vorgeführt, wie man so eine einsame und verlassene Dame schnell rum kriegt.«
Leo philosophierte: »Was so ein Fläschchen Rum alles bewirken kann, kaum zu fassen. Dieser Schlingel hat die Pulle auch noch seinem Alten aus dem Ladenregal geklaut. Mein lieber Freund Jan, wer hätte das von dir erwartet.«
»Glatzköpfiger Pharao! Geile Idee! Jan, ich bin gespannt, was uns als nächstes noch für blühende Phantasiegeschöpfe begegnen?«, bemerkte Mano.
»Was passierte mit der schönen Laura, Jan? Hast du sie noch oft beglückt?«, raunte Erni ihm zu und grinste ihn frech an.
»Okay, Jungs!«, erwiderte Leo. »Ihr kennt ja alle die Spielregeln! Zuerst kommt die Entdeckung: Das aller erste Mal! Dann kommt die Liebe: Das aller erste Mal! Dann kommt: Was euch sonst noch so Merkwürdiges vor die Flinte kam.«
Hubertus von Hochdonn rief aufgeregt: »Eine Pose ist weg! Leo ich glaube, das war deine! Sieh mal nach den Angelruten.« Zwei der vier finsteren Gestalten erhoben sich aus dem feurigroten Schein des Grillofens.
»Ich denke, da hängt einer dran!«, rief Leo mürrisch. »Du stehst gerade so günstig. Schau mal nach!« Leo war in der Gruppe der Spezialist für alles, was Geldsegen und Angelgeschick betraf, er sorgte für die Jungs wie ein Vater für seine Söhne. Geschickt hatte er sie sich geangelt und sie wurden beste Kunden in seiner Bankfiliale. Leo war zehn Jahre älter, als der Rest der Truppe, das Alter der vier anderen unterschied sich lediglich um ein bis zwei Jahre und sie waren untereinander dick befreundet.
Jan de Miesrè saß links von Leo und schaute erschrocken in Leos Gesicht. »Mein Gott! «, stellte er im Schein des Feuers fest. »Bald sehe ich auch so aus. Verdammt!«
Es wirkte wie eine in Stein gemeißelte Statue, aus dem härtesten Granit der Alpen. Seine dicken Falten warfen tiefe Schatten. Sie durchzogen seine Wangen, wie Erosionsrinnen den angefressenen Fels, so wie sie nur der Sturm des Lebens hineinschleifen kann. Die einfallenden Mundwinkel wirkten tief eingegraben. Alles glich im schwachen Schein des Mondlichtes den schroffen Felswänden der weißen Klippen von Rügen.
Jan war, wie Leo, ebenfalls gelernter Banker. Aber er stellte sehr schnell fest, dass dies nicht sein Traumjob war. Er verspürte wenig Lust, den Rest seines Lebens damit zu verbringen, die Aktionäre der Bank reich zu machen. Das war nicht sein Ding. Lieber machte er sich selbst reich. Als junger Mann übernahm er die marode Klitsche seines Vaters, die der Alte so in Grund und Boden gewirtschaftet hatte, dass der Konkursverwalter sie ihm laut lachend für ein Butterbrot und ein Ei aus der Konkursmasse hinterher warf. Somit stieg Jan seiner Zeit in das Nussgeschäft ein und kontrollierte seit Jahren die Nussmafia im Hamburger Freihafen. Sein Geschäft bestand vornehmlich darin, die verplombten Nusscontainer aus dem Terminal des Hafens abzuholen, um die Nüsse mit veralteten Maschinen in kleine 250 bis 500 Grammtütchen abzupacken. Ein unüberschaubares Heer von türkischen Gastarbeitern erledigte diesen stupiden Job. Jan vermarktete die Nüsse dann an den Einzelhandel, meist zu Preisen, die fast den Erstellungskosten glichen, was in der Regel unterm Strich wenig Kapitalrendite abwarf. Die hohen Gewinne, die er trotzdem seit Jahren dabei erzielte, hatte er einem dummen, unangenehmen Zufall zu verdanken. Es begann mit einer der üblichen Reklamationen, um den Preis nochmals kräftig zu drücken. Doch diesmal lag es überhaupt nicht in seiner Verantwortung. Er stieß rein zufällig auf das jetzige Hauptgeschäft, was seinem Fast-schon-Pleite-Unternehmen den unverhofften Aufschwung bescherte. Die ganze Sache war so spielend einfach, dass man nicht drauf gekommen wäre, sie zu erfinden. Sie war es ja auch schon. Man musste nur im richtigen Moment zugreifen und diese Idee, aus Alt mach Neu, umsetzen. Jan wurde glatt mit der Nase darauf gestoßen, als der Handelsmanager ihn anrief und erbost fragte: »Jan de Miesrè! Was hast du uns mieses in die Tüten reingemurkst? In der Charge steckt sämtlicher alter Nussmüll der letzten zehn Jahre. Ich schick’ dir diesen ranzigen Dreck zurück. Die ganze Lieferung ist der letzte Schrott.« Worauf ihn blitzartig, in seinem schon sehr hellen Köpfchen, ein Lichtstrahl traf. Spontan ging es ihm auf, wie daraus ein lukratives Geschäft zu machen war.
Aus seiner Not heraus, berichtete er Leo davon. Leo war so clever, zückte seinen Taschenrechner und rechnete ihm eine um 25% höhere Rendite vor, welche unter dem Strich satte 30% Gewinn ausmachte. In vollster Überzeugung seines Plans, erhöhte Leo ihm die Kreditlinie und drehte ihm zusätzlich noch einen neuen Kredit an, damit die ganze Aktion durchstarten konnte. Bestens mit Kapital ausgestattet konnte Jan sämtliche unverkauften Nussprodukte in ganz Deutschland – nach der Weihnachtssaison – ganz generös für einen Spottpreis zurückkaufen. Der Handel war begeistert, diese so elegant auf einen Schlag wieder los zu werden und dankte es ihm mit neuen Aufträgen. Denn im neuen Jahr noch Nüsse aus der Weihnachtssaison zu handeln, war so unmöglich, wie im Winter den Eskimos noch Gefriertruhen zu verkaufen. Seither florierte sein Geschäft wie von selbst, die alten Nüsse wurden im folgenden Jahr zu 20% unter die neu geernteten Nüsse gemischt und zum Normalpreis verkauft.




