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»Volltreffer!« rief er vergnügt. Schnell hielt sie eins der Gläser unter die Schampusfontäne und lachte übermütig. Kopfschüttelnd meinte sie: »Das ist ja gerade noch mal gut gegangen, mein wundervoller Scharfschütze.«
»Siehst du, wir sind eben schon ein gut eingespieltes Team«, antwortete er und strahlte, wobei sein Glas überschäumte und der teuere Saft auf den Teppich tropfte.
»Na, ja«, flüsterte sie: »Ein bisschen müssen wir das wohl noch üben, es klappt doch noch nicht alles so richtig.«
»Kein Wunder, bei der aufregenden Vorstellung heute Abend, davon bin ich fast noch besoffen, obwohl ich bei dir nur ein Bier herunter bekommen habe.« Zärtlich schmiegte sie sich bei ihm an. »Bitte, lass’ uns das alles vergessen. Es ist so wunderschön bei dir. Ich bin froh, dass diese teuflische Schweinerei vorüber ist und dass es dich gibt.«
»Wo hat dieses Ekelpaket dich bloß aufgegabelt?«, rätselte er. Und überhaupt: »Wie kann eine so süße Maus an solch einen gehässigen und geisteskranken Schurken geraten?«
»Er hat mich gekauft!«
»Gekauft? Wo gibt’s so was?« Ungläubig starrte er sie an und betrachtet ihre unsichere Mine. Dann fragte er zögerlich: »Etwa aus einem Puff?«
»Nein, aus einem Club!«, antwortete sie verschämten Blickes dabei kullerten einige Tränen aus ihren dunklen Augen. »Welcher Club verkauft so hübsche Frauen?«, wunderte er sich.
»Meine Mutter war Tänzerin. Sie wollte, dass ich mit ihr als blutjunge Partnerin auf der Bühne des Clubs arbeite! Alles war ganz harmlos. Sie hatte sich eine neue skurrile Nummer ausgedacht und mit mir einstudiert. Die Show erhielt das Motto: Immer wenn der Lachs ruft. Der Auftritt einer schwarzen Katze«, verriet sie ihm nachdenklich.
»Das lief eine Zeit lang unheimlich gut, bis Harro kam, mich entdeckte und dem Barbesitzer abschwatzte. Nach dem Tod meiner Mutter hatte ich 100.000.Mark Schulden von ihr geerbt und der Besitzer der Nachtclubs verlangte, dass ich sie zurückzahle. Meine Mutter arbeitete bei ihm als Tänzerin im Club. Auf der sündigsten Meile der Welt. Es war der heißeste Club auf St. Pauli. Sie war die Attraktion und der Skandal der Großen Freiheit. »Venus der Nacht«, hieß ihr gesamtes Programm. Sie war äußerst fantasievoll veranlagt, choreografierte ihre Auftritte selbst und studierte alle acht Wochen eine neue Nummer ein. Sie machte die Männer mit ihren ausgefallenen Auftritten verrückt. Sie war der Höhepunkt der Erotik, ein Luder der Selbstinszenierung. Sie spritzte Kokain, trank zu viel Alkohol, rauchte die stärksten Zigarillos und feierte Sexorgien, die lange Zeit Stadtgespräch waren. Für die einen war sie Symbol der Freiheit, für die anderen die größte Provokation. Die lebendige Sünde aus Fleisch und Blut. Der Inbegriff der Verworfenheit. Sie liebte Männer wie Frauen gleichermaßen und genoss alles im Übermaß.«
Tessa nahm ihr Glas, tank eine Schluck und sprach: »Ich werde es nie vergessen, bei unserem ersten gemeinsamen Auftritt, ein Tag nach meinem 16. Geburtstag, sackte sie in sich zusammen. Es war ein Ende, welches nicht einstudiert worden war und ich wunderte mich darüber. Mitten auf der Bühne lag sie zu meinen Füßen, als schwarzer Hund in glänzenden Lederklamotten mit einem kleinen Stummelschwanz. Der rauschende Applaus unseres ersten Auftritts und die Lustschreie des Publikums nahmen ihr den Atem und hauchten ihr Lebenslicht aus. Die schwarze Katze lag auf dem roten Ledersofa, sie sprang erschrocken herab und streichelte ihre Wangen, doch meine Mutter starrte nur leblos ins Publikum. Die kleine Katze schaute ungläubig in die lüsternen Gesichter der Zuschauer mit ihren verlebten Fratzen. Erbost fauchte sie das lasterhafte Volk an.
Es dauerte eine Ewigkeit bis endlich der schwere Samtvorhang fiel. In dem Katzenkostüm steckte heulend ihre Tochter, ihre kleine süße Tessa. Seit dem Tag spielte ich die Nummer, mit einer anderen Partnerin – noch lange Zeit in diesem Club. Danach nur noch als private Vorstellung, bis zum heutigen Abend. Dem Tag meiner Befreiung. Als die Nummer nicht mehr zog, war Harro zufälligerweise im Club. Er kannte meinen Boss und verhandelte mit ihm. Wie ein Stück Vieh hatte der mich verscherbelt. Rund 75.000 Mark hatte er angeblich bezahlt, es waren die restlichen Kokainschulden meiner Mutter. Hinzu kam die Miete für die feudale Wohnung, in der ich zwangsläufig nach ihrem Tode noch lebte. Und die Kosten meines Lebensunterhaltes plus Zinsen. Harro versprach mir das Blaue vom Himmel, mich zu heiraten und mich auf roten Rosen zu betten. Doch erwartet hat mich nur ein Sofa, aus kaltem, roten Leder.« Erni war fassungslos und schüttelte sich.
»Ich glaube, ich brauche einen Schnaps!« Wie ein begossener Pudel saß sie neben ihm. Dicke Tränen strömten aus ihren bezaubernden Augen. »Ich hasse sie alle! Die Venus der Nacht und ganz besonders Harro!“«, rief sie erbost. »Lass’ uns anstoßen auf dein neues Leben! Oh Tessa, meine Kleine, meine Süße, ich beschütze dich, solange ich kann«, flüsterte er ihr ins Ohr und küsste sie zärtlich. Mit unschuldigem Blick erwiderte sie: »Ich möchte gerne duschen oder ein Bad nehmen, damit der Dreck von meinem Körper und meiner Seele verschwindet.«
Wie neu geboren wirkte Tessa, als sie aus dem Bad kam. Völlig gelöst und erholt strahlte sie ihn an. »Es ist schön, dich so glücklich zu sehen!«, rief er gut gelaunt.
»Wo soll ich denn überhaupt schlafen?«, fragte sie unsicher.
»Ich bin zwar noch nicht müde, aber etwas auszuspannen, das wäre jetzt wunderbar.«
»In meinem Bett natürlich, ich hab es schon neu bezogen. Extra für dich! Ich schlafe derweil auf dem Sofa. Wie du siehst, ist es breit genug für mich.« Enttäuscht sah sie Erni an und flüsterte, »Ich möchte ganz nah bei dir sein. Ich kann jetzt auch nicht alleine sein, das war ich lange genug. Komm’ doch bitte zu mir und schenk’ mir deine Liebe«, zaghaft fügte sie hinzu: »Ich musste auch niemals mit ihm schlafen, er hatte sein eigenes Zimmer, es war ständig verschlossen, dicht wie ein Tresor.«
»Ihr habt nie ...?«, fragte er stutzend ohne den Satz zu beenden. »Nein, niemals! Es hätte ja auch keinen Sinn gemacht.« »Ach ja, Verzeihung, ich dachte ...« »Nein! Ich hatte noch nie einen Mann, auch vorher im Club nicht.
Der Club-Besitzer war schwul und hat auf mich aufgepasst. Schlimmer als ein scharfer Wachhund. Er hatte Angst davor, dass ich schwanger werden könnte und dass damit sein Programm ins Wasser fallen würde.« Sie setzte sich auf seinen Schoß und liebkoste ihn.
»Komm zu mir und zeige mir die Wege der Liebe. Lass’ uns zusammen sein und träumen. Ich liebe dich!« Ihr betörendes Parfüm stieg ihm in die Nase. Der frische Duft beflügelte Erni, sich ebenfalls zu erfrischen.
»Ich fühl’ mich so schmutzig, so durchschwitzt. Ruh’ dich aus, ich geh schnell duschen, damit der Angstschweiß von mir weicht, der sich heute Abend angesammelt hat.«
»Bis gleich, Liebster!«, flüsterte sie erwartungsvoll.
Frisch geduscht kam er aus dem Bad und betrachtete sie. Ihre Augen waren verschlossen. Tessa lag da, wie die Natur sie schuf. Eine Venus aus milchweißem Fleisch und Blut. Sie war schöner, als er gedacht hatte. Ihre jugendliche, erotische Ausstrahlung betörten seine Sinne. Sein Blickt ruhte auf ihrem sanften Gesichtsausdruck. Sie atmete so tief, als wenn sie schlief. Ihr geschmeidiger Körper floss dahin, wie die seichten Wellen der See. In sanften Hügeln, hinein in die unbekannten Täler. Ihr weicher Flaum stach heraus aus den lieblichen Lendenhügeln, wie eine kleine idyllische Insel. Ernis Herz raste in seiner Brust und pochte wie ein Schmiedehammer, der auf ein heißes Eisen schlug. Sein Blut strömte ihm durch die Adern, wie von einem Tornado angetrieben, landete es in seinen Lenden. So wie eine dicke Bugwelle an der Wand eines Schiffes. Erni verspürte die Wogen der Leidenschaft, die in ihm überschäumte. Zärtlich beugte er sich herab.
»Komm’, Liebster! Komm’ – und mach’ mich glücklich«, hauchte sie und öffnete ihre Augen. Er küsste ihre wundervollen Lippen, die so weich waren, wie türkische Feigen. Sie schmeckten paradiesisch süß. Er war verrückt nach ihr, und er wusste nicht, wie ihm geschah.
»Leg’ dich zu mir und küss’ mich, bis ich in Besinnungslosigkeit erstarre«, flüsterte sie ihm zu. Ihre Stimme erklang so melodiös, wie eine zauberhaft gespielte Violine. Er war endlich angekommen im Fahrwasser der Liebe. Er verspürte die Wellen der Leidenschaft, wie vom Sturm erhoben, schlugen sie ihm entgegen. So wild und mächtig, so unbändig wie mit Windstärke zwölf. Ein Orkan rauschte durch ihn hinweg, hinein in die Spitze des unerfahrenen Neulings, der sich in ihre weichen Schenkel bohrte. Zielgerichtet wie ein Kanonenrohr, das auf seinen ersten Einsatz wartete.
Sie spürte ihn – den aufgeregten Neptun der Leidenschaft – und führte ihn zu dem heißen Äquator, an dem er sich labte, wie ein ertrinkender im Strom der Lust. Überglücklich führte sie den strammen Mastbaum über ihre weichen Klippen. Voller Erregung ließ sie ihn rollen, wie einen schweren Brecher über die Deichkronen. Er spürte ihre Hand. Ihre weiche Haut. Ihre feingliedrigen Finger und er bemerkte, dass sie den Mast erklomm, von der Lafette des Kugellagers bis weit hinauf in die Spitze. Sie umklammerte ihn zärtlich, den Botschafter des Glücks. Sie streichelte den Hals des Ausgucks und befreite den pochenden Kopf von seiner Umhüllung. Automatisch zog sie ihn langsam zu ihren Lippen, die sich zuvor küssend über seinen Lendenhügel hinab bewegt hatten. Eine Flutwelle der Wonne brach über sie herein. Von Ekstase ergriffen saugten sich ihre Lippen über die pulsierenden Adern der zitternden Haut, wo sie der Kopf des Neptuns begierig empfing.
Er liebkoste ihren berauschenden Körper hinab bis zu ihren weichgeformten Rundungen und überschwemmte sie mit seinen Küssen, so stürmisch wie bei einem Frontalangriff auf eine Festung. Sie erhob sich von dem wild schlagenden Neptun und bot seinen suchenden Lippen den weichen Busen. Er schmiegte sich um seine Wangen und seine Lippen eroberten die milchweißen Hügel des Lebens, ihre Knospen erstrahlten wie ein Leuchtturm über dem rosagewölbten Eiland der Versuchung.
»Oh Gott! Zeige mir den Weg zu den Früchten der Liebe. Ich möchte sie pflücken und kosten. Sie sind so wunderbar«, dachte er. Ihr um Liebe flehender Blick erregte ihn, und er küsste sie abgöttisch. Seine durstigen Lippen saugten sich vibrierend hinab über die Hügel ihrer Lenden hinein in das Tal der Hoffnung, bis hin zu dem kleinen verschlossenen Hafen.
Seine Zunge ertastete die Schleuse so zärtlich, dass sie sich vor Wonne wild gebärdend offenbarte. Langsam entfalteten sich die weichen Hügel des Glücks. Zärtlich schoben sich seine heißen Lippen voran und öffneten das Tor der Leidenschaft. Sie liebkosten es und umschlossen die kleine Knospe, die glühend heiß erstrahlte.
Voller Lust ergriff sie den hämmernden Neptun und führte ihn über ihre erregten Schenkel hinauf zu den weichen Gefilden ihrer zitternden Schleuse. Der saugende Strudel verschlang seinen gewaltigen Kopf – wie das rauschende Meer ein untergehendes Schiff. Er durchstach die Enge, der in ihrem Inneren noch verschlossenen Passage, wie ein voran strebender Bug in der sich auftuenden See. Eine glutheiße Welle strömte ihm entgegen und ergoss sich aus den Tiefen ihres Schlundes. Sie schrie auf und zuckte. Sanft umklammerte sie seine starken Lenden und flüsterte: »Langsam – ganz langsam. Liebster!«
Er stoppte die wilde Maschine, die sich kaum zurückhalten konnte und drosselte die rasende Fahrt. Dann zog sie ihn sachte hinein und führte ihn durch die enge Passage des kleinen noch unentdeckten und unberührten Hafens bis ans Ende seiner Glückseligkeit. Eng umschlungen hielt sie ihn fest, wie eine Ertrinkende ihren Retter, dem sie vertraut und den sie nie mehr loslassen will. Ihre Lippen suchten die seinen und sie küssten sich.
Mit sanfter Kraft sprang die wild pochende Maschine erneut an und der erregte Kolben schlug im Takt der Lust. In voller Fahrt rauschte er durch die wilden Strömungen der Wonne und sie erfuhren beide die Leidenschaft der ersten Liebe, die nach langen Stunden des Glücks endete. Berauscht von der Lust, die sie zum ersten Mal erlebten, fanden sie keinen Schlaf.
Nach den schönen Stunden einer fiebrig heißen Nacht schienen die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne herein. Seine Augen wanderten über ihren wundervollen Körper, dabei er entdeckte er auf dem weißen Laken den länglich roten Fleck ihrer ersten Liebe. In den hellen Strahlen des Morgens leuchtete er so rot wie die fleischige Farbe eines marinierten Lachses. Erschrocken zuckte er zusammen, zog sie behutsam an seine Brust und flüsterte erregt: »Wir werden verfolgt!« Entgeistert sah sie ihn an. Er zeigte ihr die markanten Spuren der Leidenschaft. Angeschmiegt lag sie in seinen starken Armen und küsste seine strammen Muskelhügel. Übermütig vor Glück lachte sie und beruhigte ihn.
»Es ist nur ein harmloser Fleck, mein Schatz.«
»Aber schau doch mal genau hin, er hat die Form eines knallroten Lachses«, stellte er verblüfft fest.
»So endet es immer, das allererste Mal, wenn so schwere Geschütze aufgefahren werden und so gewaltige Treffer einschlagen, die mit aller Kraft die dicht verschlossenen Schleusentore der Liebe auseinander sprengen«, flüsterte sie mit sanfter Stimme. Zärtlich schaute sie ihm in die Augen.
»Dann strömen sie hinein in den Fluss der Leidenschaft, gesteuert von dem unbändigen Trieb des Lebens rauschen sie dahin durch die Fluten des Glücks und man hört in der Strömung der Lust, das Lied der wilden Lachse. Wenn ihre Flossen gegen die rauschenden Wellen schlagen, beginnt das Spiel neuen Lebens und es kommt eine glückliche Zeit – immer wenn der Lachs ruft!«
Die Pose ist weg!
Betretenes Schweigen lag in der lauen Sommerluft. Nachdenklich sahen sie sich an. Völlig erbost rief Leo: »Ich hoffe, du hast diesen verdammten Drecksack zur Mücke gemacht.« Erni stand auf, ging zum Ufer und starrte auf das tiefschwarze Wasser. Ihm standen Tränen in den Augen, aber die anderen brauchten sie ja nicht zu sehen. Er zog ein buntes Taschentuch aus seiner khakifarbenen Hose und schnäuzte hinein. Ratlos starrten sie auf seinen leeren Platz.
»Hey Langer, was ist los?«, rief Jan bestürzt und flüsterte in die Runde: »Ich glaube, Bananie hat seinen moralischen, der kommt gleich zurück.«
»Wieso? Was hat er denn?« fragte Mano leise.
»Wart’s ab! Ich arbeite zwar schon jahrelang mit ihm zusammen aber diese Story kannte ich nicht. Da wird etwas vorgefallen sein, was er noch nicht verdaut hat. Ich weiß nichts Genaues, aber etwas Einschneidendes muss passiert sein, dass diesen harten Kern so aufweichen lässt. Er sprach bislang nicht darüber.« Nach 5 Minuten kam er zurück und setzte sich.
»Wo ist die Pulle? Ich brauch’ jetzt ’nen Kurzen!«
Bananie, wie sie ihn manchmal nannten, tat als sei nichts gewesen und meinte: »Im zweiten Teil geht’s noch spannend weiter?«
Mano betrachtete ihn nachdenklich, als er die Gläser einschenkte: »Prost, Langer!«, war ’ne verdammt scharfe Story, ich hoffe der Kerl sitzt noch hinter Gittern.« Jan philosophierte: »Den hätte ich nicht verpfiffen, den hätte ich in seinem Kostüm irgendwo tief einbetoniert.«
»Auf den Schreck brauche ich ein Bier!«, seufzte Huby und meinte: »Ich habe so schöne kleine niedliche Spritzen in meinem Koffer, die hätte ich dem in seinen wunden Hintern gehauen und ihn damit sanft zur Hölle befördert. Ganz sanft – für immer weg!«
»Abgründe tun sich auf! Verflucht! Wenn ich an den Kiez denke, was da so alles praktiziert wird heutzutage, wie zu babylonischen Zeiten.
»Achtung, Jungs! Die Biere sind frisch gezapft! Hat noch jemand Appetit?«, fragte Leo und hielt die für den Grill vorgesehene Fischhälfte hoch. »Nee, später! Ich glaube, im Moment hat keiner so recht Hunger. Eher Durst«, schätzte Huby und nahm sein Glas.
Jan peilte die Lage auf dem Wasser und meinte: »Ist alles ruhig da draußen. Ich musste mal kurz verschwinden!« »Wenn du aus den Büschen zurück bist, lug mal kurz in die Tonne und kontrolliere die Räucherei! Den alten verkohlten Rest kannst du rauskratzen die Tonne muss mit neuem Holz und frischen Spänen bestückt werden.
»Verflixt, eine Pose ist weg«, strahlte Mano. »Ich glaube, das ist meine.« Er schoss wie ein Pfeil zur Angelrute und gab ihr einen kraftvollen Ruck.
»Verdammt, die sitzt fest. Wahrscheinlich hängt die an einem der Äste, die das fliegende Ungeheuer abgerissen hat.«
»Gib her, das Ding! Tatsächlich, die ist irgendwo angehakt!«, befand Leo fachmännisch. Er klemmte sich die Schnur zwischen seine Zähne, ruckte ein, zwei Mal daran, so dass sie singend durchriss.
»Da kommt die Pose hoch! Verflixt die zieht weg!« Wie von unsichtbarer Hand gesteuert schwamm sie von dannen. Ab und zu tauchte sie weg, dann wieder auf.
»So, wie die da sichtbar längsschlängelt, hängt da ein ganz dicker Aal dran«, knurrte Leo ärgerlich.
»Komm’, wir hängen schnell eine neue dran.« Geschickt fummelte er mit seinen Gorillafingern an der dünnen Perlonschnur herum und war im Nu damit fertig.
»Hier, schmeiß sie wieder rein. Aber bloß nicht an die gleiche Stelle.« Mano nahm die Angel und schleuderte den Köder samt Pose hinaus in die Dunkelheit. Nachdenklich schaute er noch kurz, wo sie auftauchte und ging zurück auf seinen Platz.
Der Rest der Gruppe war verschwunden, um ein kurzes Geschäft zu erledigen. Mano öffnete seinen Angelkoffer, nahm sich eine seiner Pfeifen heraus und stopfte sie.
Erni kam zurück und steckte sich eine Zigarette an, dabei starrte er in die schwache Glut des Grills »Mein Gott, was kostet das für eine Knete mit einem Hubschrauber hier her zu fliegen«, dachte sich Mano und begann das Gespräch.
»War ja ein großer Bahnhof, den du hier abgezogen hast.«
»Ich wurde durch einen Kunden am Flughafen aufgehalten. Er wartete dort extra auf mich, um mir noch einige Konnossemente zu übergeben. Sonst bekomme ich die Ware nicht aus dem Zoll!«, entgegnete Erni.
»Konnossemente was ist das?«, fragte Huby neugierig. »Das sind Frachtbriefe mein lieber, genauer gesagt Seefrachtbriefe«, erklärte Erni. Langsam taute er wieder auf, als er von seiner letzten Weltreise berichtete. Mano hörte ihm mit halbem Ohr zu und überlegte, was er so für ein Typ war. Sein richtiger Name war Ernst Hofmann. Er besaß einen florierenden Fruchthandel in Hamburg, daher sein Spitzname Bananie oder Bananen-Erni. Ernis Geschäfte verliefen völlig anders, denn er war über 200 Tage im Jahr mit dem Flieger unterwegs. Der florierende Markt verlangte ständig nach neuen Waren in bester Qualität. Die er über seinen Import + ExportFruchthandel – auf die Minute pünktlich – besorgte. Die besten Fruchtund Gemüsequalitäten, die weltweit wuchsen, verscherbelte Erni.
Als cleverer Geschäftsmann verstand er es, den Farmern die Produkte möglichst günstig abzuschwatzen. Hierdurch verfügte Erni über lukrative Einnahmen, die teilweise schon Lottogewinnen glichen. Er köderte seine Lieferanten rechtzeitig mit günstigen Krediten, wenn sie finanziell in der Klemme steckten. Was meistens der Fall war. Dann zog er sein Angebot aus der Tasche, welches sie aus ihrer Not heraus blindlings unterschrieben. Damit konnten sie die besten Samenqualitäten einkaufen, die von Jahr zu Jahr großen Preisschwankungen unterlagen. So schloss er alle Verträge mit den Farmern, für ihn günstig, schon am Anfang einer Saatsaison ab, als niemand wusste, wie die Wetterverhältnisse und spätere Qualität der Ware sein würde. Das war zwar ein Risiko, aber auch ein ideales Knebelwerkzeug, mit dem er locker einen Kurs vereinbaren konnte, der oft ganz erheblich von den späteren marktüblichen Preisen abwich. Auch bei diesem Geschäft war Leos Rat gefragt, der alles Erforderliche dann managte. Leo besorgte, was benötigt wurde. Geld, viel Geld, Geld in rauen Mengen.
Diese feine Truppe von Hobbyanglern, die im Sprachjargon der örtlichen Bauern auf den Spitznamen: »Spaßsportgruppe« getauft wurde und in ihren Augen zusammen 500 Jahre Knast verdient hätten, lebte zwischen ihren bäuerlichen Nachbarn und bewohnte prächtig renovierte alte Marschbauernhöfe mit herrlichen Gärten. Mano schaute nachdenklich in die Gesichter der Runde und fragte sich, wer jetzt an der Reihe war.
Erni erhob sich und ging zum Zapfhahn. Fachmännisch befüllte er die angezapften Gläser. Mit stolzer Geste reichte er sie weiter und rief bestimmend: »So muss ein frischgezapftes Bier aussehen, immer mit einer schönen Schaumkrone oben drauf.«
»Sieht Klasse aus!«, lobte Huby und stieß mit ihm an. »Leo, gib der Scheibe die Kugel!«, lallte Jan mit erschwerter Zunge und stellte sein leeres Glas zurück auf den Tisch. Mano sah ihn scharf an und meinte: »Wenn du alles weiter so in dich rein schüttest dann, verpatzt du noch die ganze Party.«
»Jou, jou, war alles nur gespielt«, rülpste Jan, »Komm Leo, gib Gas, hol’ deinen Kullerman raus und lass ihn roulieren.
»Ich bin gespannt, wer der Nächste ist«, meinte Erni augenzwinkernd. Leo brachte mit seinen Riesenpranken die Scheibe auf Touren, knallte die Kugel rauf und vermutete: »Jetzt ist bestimmt Mano dran.«
Alle starrten auf die rasende Kugel, die sich nach endlosen Runden verlangsamte. Im Schein des durch die Blätter einfallenden Mondlichtes blitzte die Kugel mehrfach auf, hopste zwei, drei Mal über die Felder, bis sie exakt vor Hubys Nase stehen blieb.
»Okay... jetzt hat die Tiermedizin ihren Auftritt. Von scharfen Stuten und heißen Hengsten. Aber nicht neidisch werden. Wenn ich euch einweihe, wie ein Doktor mit seinen fein gearbeiteten Instrumenten umgehen kann. Ganz zu Schweigen von dem, der heißen Hengste. Die Geschichte heißt: Die Wunde des Seewolfs!«
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