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Die Kleingruppen halten sich, soweit dies möglich ist, im gleichen Raum, nur durch die Stellwände abgegrenzt, auf. Dadurch ist einerseits die Möglichkeit gegeben, dass kurzfristig Kontakt mit anderen Gruppen aufgenommen werden kann, andererseits bildet sich auf diese Weise ein gemeinsames Arbeitstempo heraus. Die zur Verfügung stehende Zeit beträgt etwa 20 bis 60 Minuten, je nach Erfahrung der Teilnehmer und Problemstellung.
Die Kleingruppe stellt als Ergebnis ein Interaktionsszenario, eine Präsentation oder eine Mischung aus beiden her.
Interaktionsszenario
Ein Interaktionsszenario ist eine eigene kleine Moderation, die die Kleingruppe mit dem Ziel entwirft, das Plenum zu einer bestimmten Problemlösung zu befähigen. Es könnte etwa aus einer Einpunktfrage, einer Mind-Map mit nachfolgendem Gewichten und dem Erstellen eines Tätigkeitskataloges bestehen. Natürlich setzt ein Interaktionsszenario bei der Gruppe Fähigkeiten in der Moderation voraus.
Präsentation
Eine Präsentation stellt die Kleingruppenergebnisse für das Plenum dar. Das Ziel ist dabei nicht eine vollständige Abhandlung des Themas, sondern das Schaffen einer Grundlage, die vom Plenum weiterbearbeitet werden kann; evtl. diskutiert nach der Rücksprache mit dem Plenum die Kleingruppe noch weiter.
Die Erstellung einer Präsentation hat zwei Funktionen:
• Didaktisch gesehen wird ein Teilaspekt so aufbereitet, dass er der Gesamtgruppe unter einem bestimmten Gesichtspunkt vorgestellt werden kann. Es werden also z. B. Ursachen oder Folgen eines Problems im Zusammenhang gezeigt.
• Heuristisch gesehen ermöglicht der Versuch, etwas optisch darzustellen, den Ausbruch aus festgefahrenen Denkstrukturen und erschließt neue Erkenntnisse für die Mitglieder der Kleingruppe und dadurch auch für das Plenum.
Ergebnisvorstellung
Die Ergebnisse werden jeweils von zwei Mitgliedern der Gruppe vorgestellt. Diese können sich vor dem Plenum gegenseitig unterstützen; es entsteht nicht der Eindruck, die Präsentation stelle die Ansicht eines einzigen Gruppenmitglieds dar. Unterdessen können die Plenumsteilnehmer ihre Gedanken auf Kärtchen (Ovale) schreiben, die nach dem Vortrag auf die Freifläche gepinnt werden, sodass sich Kleingruppe und Plenum gegenseitig anregen.
Moderatoren
Während der Gruppenarbeit halten sich die Moderatoren so weit wie möglich heraus. Sie helfen lediglich methodisch, wenn eine Gruppe in eine Sackgasse gerät.
Ihre Rolle bei der Vorbereitung der Gruppenarbeit richtet sich nach der Erfahrung der Teilnehmer.
Bei ungeübten Teilnehmern, hierarchisch gegliederten oder relativ großen Gruppen geben sie präzise, visualisierte Arbeitsanweisungen. Diese beziehen sich auf die Art der Ergebnisse und auf die Vorgehensweise, selbstverständlich nicht auf den Inhalt. Vorgegeben werden können Spielregeln, die Form, in der die Gruppe dem Plenum ihre Arbeit vorstellt (z. B. Netz oder Mehr-Felder-Tafel), oder die Perspektive, aus der sie das Problem betrachten soll, z. B. die „Kirchturmperspektive“ (ein Gesamtüberblick), die „Wandererperspektive“ (wichtige Gesichtspunkte im Zusammenhang) oder die „Lupenperspektive“ (detaillierte Darstellung, Vorschläge nach Schnelle-Cölln 1983, S. 55).
Die Vorgaben engen zwar die Gruppe ein, geben ihr aber in gewisser Weise erst die Möglichkeit, das Thema umfassend zu behandeln. Diese Paradoxie wird verständlich, wenn man berücksichtigt, dass die Gruppenteilnehmer ja normalerweise an ein Diskussionsschema gewöhnt sind, das es Vielrednern erlaubt, den Gesprächsgegenstand zu bestimmen. Durch die Vorgabe von Regeln wird verhindert, dass sich die Diskussion an einzelnen Punkten festfährt.
Je besser die Teilnehmer sich in der Moderationsmethode auskennen, desto weniger müssen die Moderatoren vorgeben. Vorschläge oder Anregungen können durchaus genügen.
5.7 Frageformulierung
Bedeutung
Fragen stellen ist eine der wesentlichen Tätigkeiten der Moderatoren. Visualisierte Fragen spiegeln den Weg der Meinungsbildung, die Struktur der Moderation wider, verbale sorgen für Ergänzungen, Präzisierungen usw.
Die Art der Fragestellung kann den Unterschied zwischen Manipulation und Hilfe zur Selbststeuerung für die Gruppe bedeuten. Fragen können die Problemlösung ermöglichen, sie können aber ebenso gut (und viel leichter) dazu verwendet werden, Menschen in bestimmte Richtungen zu führen oder drängen, in die sie selbst nicht gehen möchten.
Genaue Zieldefinition
Bevor eine Frage gestellt wird, muss das Ziel, das mit dieser Frage erreicht werden soll, genau geklärt sein. Das betrifft den Zweck der Frage sowohl in diesem konkreten Moderationsschritt als auch in der gesamten Veranstaltung. Es können ebenso alle Punkte zu einem Thema gesammelt werden, wie ein Aspekt vertieft werden kann. Es kann darum gehen, Beziehungen zu klären, Interessenlagen, Bedürfnisse und Vorwissen transparent zu machen, Ziele gemeinsam zu definieren oder neue Ideen zu einer Problemlösung zu entwickeln.
Eine einmal visualisierte Frage kann kaum mehr mündlich berichtigt werden. Erklärungen werden leicht überhört oder vergessen, während die missverständliche oder falsch gestellte Frage nach wie vor sichtbar ist.
Angemessener Schwierigkeitsgrad
Fragen sind Schritte auf dem Weg zu einem Ziel.
Eine Moderation beginnt z. B. mit dem Wissen aller Beteiligten, dass der Ausschuss in der Produktion zu hoch liegt. Wenn man jetzt einfach fragt: „Was sollten wir tun?“, dann könnte man sich die Moderation im Grunde sparen – ein einziger Schritt und die Lösung ist da.
Die Lösung ist aber normalerweise nicht in einem Schritt zu erreichen, sondern über einen Prozess. Zuerst muss festgestellt werden, wo eigentlich genau die Probleme liegen, dann Möglichkeiten zum Beheben gesucht, schließlich Maßnahmen entwickelt, abgewogen und beschlossen werden.
Jeder dieser Teilschritte ist wieder untergliedert in Fragen und bei jedem Schritt ist zu bedenken, wie groß er sinnvoll gestaltet werden kann.
Zur Analyse der Ausgangssituation:
• „Woran liegt der hohe Ausschuss genau?“ umfasst mit einer Frage die gesamte Problembeschreibung. Können das diese Teilnehmer mit ihrem Vorwissen leisten?
• „Wann tritt der hohe Ausschuss auf?“ wäre ein Teil des Abgrenzens des Problems und eine Vorbereitung auf die Ursachensuche. Ist das für diese Teilnehmer mit diesem Vorwissen in der gegebenen Situation nötig?
Der Schwierigkeitsgrad von Fragen orientiert sich an zwei Kriterien:
• dem Prozess der sachlichen Bearbeitung. Im einen Fall macht es Sinn, intensiv und phantasievoll nach Lösungen zu suchen, im anderen Fall müssen nur vorhandene Ideen abgerufen werden.
• dem Schwierigkeitsgrad bzw. der „Größe“ des zu gehenden Schrittes. Fragen dürfen weder unter- noch überfordern. Sie müssen die Teilnehmer fordern.
Niemals Handlungsspielräume vortäuschen
Als weiterer Grundsatz für die Fragestellung gilt, dass niemals Handlungsspielräume oder Möglichkeiten vorgetäuscht werden dürfen, die nicht bestehen. Das ergibt sich einerseits aus dem Menschenbild des selbstständigen, verantwortungsfähigen Menschen, dem offen gegenübergetreten werden kann und muss, andererseits daraus, dass die Moderationsmethode auf der Aktivität der Teilnehmer aufbaut, diese also nicht getäuscht und damit gelähmt werden dürfen (wenn sie es merken).
Als Beispiel: Wenn ein Seminarleiter mit einem weit gehend festgelegten Konzept in einer Gruppe arbeiten will, muss er dieser, bevor er Moderationselemente einsetzt, genau erklären, in welchem Bereich sie Wahlfreiheit besitzt. Er darf also nicht die Gruppe mithilfe einer Kartenabfrage entscheiden lassen, was sie gerne in diesem Seminar lernen möchte, und dann den Teilnehmern erklären, dass sich das Ergebnis nicht mit seinem Konzept decke, an das er sich halten werde. Dieses Verhalten würde zu Frustration, Rückzug oder Auflehnung und in jedem Fall Vertrauensverlust führen.
Schlechte Fragen
Schlechte Fragen können in vier Kategorien eingeteilt werden, die sich teilweise überschneiden.
– Uninteressant
Die erste Gruppe bilden die uninteressanten Fragen. Diese sind zu leicht, das Ergebnis ist selbstverständlich.
– Sinnlos
Die zweite Frageart führt zu keinem sinnvollen Ergebnis. Dazu zählen Fragen, bei denen die Zielsetzung vorher nicht genau abgeklärt wurde, sowie unverständlich formulierte oder zu schwere Fragen, die zerlegt werden müssten, um die Gruppe nicht zu überfordern. Hierzu gehören oft auch Ja- / Nein-Fragen, die den Spielraum der Antwort unnötig einschränken.
– Stimmung verschlechternd
Die dritte Fragekategorie verschlechtert die Gruppenatmosphäre. Darunter fallen vorgetäuschte Handlungsspielräume (s. o.), „Lehrerfragen“, die ein vorher schon bekanntes richtiges oder falsches Ergebnis haben, rhetorische Fragen, deren Antworten offensichtlich sind und die nur benutzt werden, um jemanden in eine gewünschte Richtung zu drängen oder in Argumentationsschwierigkeiten zu bringen, Fangfragen, mit denen Fallen gestellt werden, Beweisforderungen („Beweisen Sie doch mal Ihre Behauptung!“), inquisitorische („Wer ist schuld?“) und peinliche, bloßstellende Fragen („Glauben Sie nicht, dass sich dahinter persönliche Probleme von Ihnen verbergen?“).
– Manipulativ
Schließlich können Fragen auch so gestellt werden, dass sie die Antwort vorherbestimmen, also z. B. Suggestivfragen („Warum ist Straßenausbau die einzige Möglichkeit?“). Hierher gehören aber auch viele andere Arten, den Gefragten in eine bestimmte Richtung zu drängen, wie etwa Frageformulierung, Betonung, Körperhaltung usw.
Gute Fragen
Gute Fragen entstehen leider nicht schon dadurch, dass sie nicht schlecht sind. Dies ist nur der erste Schritt.
Gute Fragen
• sind verständlich, d. h. kurz, klar und exakt in der Sprache der Teilnehmer formuliert.
„Wie kann das Straßenbild verschönert werden? “ ist in einer Moderation der Anwohner ebendieser Straße angebrachter als: „Welche Möglichkeiten der Verbesserung des Erscheinungsbildes stehen zu unserer Disposition?“
• sind offen, engen den Spielraum möglicher Antworten nicht unnötig ein und zeigen, dass hinter ihnen das echte Interesse an Informationen und Austausch steht. Zugleich muss jedoch immer die Zielorientierung, der Zweck der Frage in der Moderation mitgedacht werden. „Welche Möglichkeiten gibt es bezüglich der Kinder? “ ist zu allgemein und sehr unklar gehalten. Deutlicher formuliert ist: „ Wie können Spielmöglichkeiten geschaffen werden? “ Zu eng dagegen ist: „Können Parkplätze in Spielplätze umgewandelt werden?“ Abgesehen davon, dass sie mit einem schlichten „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden könnte, werden mit dieser Frage sowohl andere Möglichkeiten (z. B. Nutzung der Hinterhöfe) ausgegrenzt als auch anwesende Autofahrer verprellt.
• sind interessant, d. h. sie setzen an den Erfahrungen und dem Wissensstand der Gefragten an und wecken Neugier auf die Antworten. Sie sprechen nicht nur kognitive, sondern auch affektive Seiten an, vermeiden dabei Pessimismus.
„ Wie kann mit der Parkplatznot umgegangen werden? “ beinhaltet schon fast die Unmöglichkeit einer Lösung. Besser ist: „Parkmöglichkeiten: Was kann getan werden? “ „Welche versicherungsrechtlichen Konsequenzen hätte die Öffnung des Siemensparkplatzes? “ ist eine Frage für Spezialisten und hat in einer Moderation mit Anwohnern nichts zu suchen.
• richten sich bei entsprechender Zielsetzung direkt an die Beteiligten.
„ Wie kann das Straßenbild verschönert werden? “fordert persönlich weniger als „ Wie können Sie das Straßenbild verschönern?“ oder „Was können Sie für ein schöneres Straßenbild tun?“
• sind manchmal gar keine Fragen, sondern visualisierte Satzanfänge.
„ Wir sind ein XY-Team, wenn …“ spricht direkter an als „ Wie sieht es aus, wenn Sie ein Team sind? “
• können u. U. von den Moderierten selbst formuliert werden, insbesondere wenn in einer Moderation improvisiert werden muss.
5.8 Übersicht über die Eignung der Frageinstrumente

1) Die Anwendungsbereiche unterscheiden sich (vgl. S. 52f. und S. 57f.).
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