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Berühre mich, Baby, die ganze Nacht lang.)
*
„Wir brauchen mehr Material“, sagte Jim während einer Session im Dezember ’65. „Heute abend soll jeder zu Hause einen Song schreiben. Nehmt allgemeine Metaphern anstelle von spezifischen. Erde, Luft, Feuer, Wasser.“
Nichts Großartiges passierte bei der Probe am nächsten Tag. Doch gleich nach dem Neujahrstag geschah etwas in Robbys Elternhaus in Pacific Palisades. Wir trafen nachmittags ein, weil wir an jenem Tag nicht Hanks Raum für die Probe benutzen konnten.
Robby begrüßte uns an der Tür mit einem für ihn ungewöhnlichen Enthusiasmus. „Ich hab’ einen neuen Song, meinen ersten Song und ich bin sicher, er wird ein Hit!“ sprudelte er, während er uns ins Wohnzimmer führte, wo wir proben sollten.
Jim sagte: „Ich habe auch einen.“ Ray und ich schwiegen.
Robby schnappte sich seine Gitarre, entlockte ihr einige ins Ohr gehende Akkorde und sang dazu die Anfangszeilen, die tatsächlich wie eine Hitsingle klangen. Der Song klebte in der Erinnerung, sobald man ihn einmal gehört hatte.
Alle nickten. „Yeah, yeah, toll, toll, Robby!“
Dann sang Jim seinen neuen Song a cappella.
This is the end, beautiful friend
This is the end, my only friend, the end
Of our elaborate plans, the end
Of everything that stands, the end
No safety or surprise, the end
I’ll never look into your eyes again.
(Dies ist das Ende, wunderschöne Freundin
Dies ist das Ende, meine einzige Freundin, das Ende
Von all unseren wohldurchdachten Plänen, das Ende
Von allem, was Bestand hat, das Ende
Keine Sicherheit und kein Staunen mehr, das Ende
Ich werde dir nie wieder in die Augen schauen.)
Ein Frösteln kroch mir das Rückgrad hoch. Das war nicht nur ein Text, das war ein Epitaph. Er mag ein Dichter sein, aber er klammerte sich an den Tod. Wundervolle Lyrik … aber sie macht mich traurig.
Robby hatte versucht, im Hintergrund einige Griffe dazu zu finden, schüttelte aber den Kopf. „Für den Song muss ich meine Gitarre anders stimmen“, meinte er. „Ich würde gerne dafür eine sitarähnliche Gitarrenstimmung finden.“
Lasst uns zuerst an deinem Song arbeiten“, schlug Ray vor und nickte Robby zu. „Du kannst danach deine Gitarre umstimmen.“
Sofort war die alte Energie wieder da. lch spielte einen Latinbeat auf meinen Drnms. „Wie wäre es mit einem Schuss Jazz?“ schlug ich vor.
Ray und Robby nickten einander zu. Ray beugte sich über seine Orgel und versuchte, ein Intro zustande zu kriegen.
„Da-dada-da-da – Scheiße. Da-dada-da-da-da – Scheiße. Da-dada-dada-da-da. Verdammt.“
Die nächsten zehn Minuten lang brütete Ray über dem Intro nach, während wir anderen eine Pause machten. Ich ging in die Küche, vergewisserte mich, dass niemand in der Nähe war und klaute eine Handvoll Pepperidge Farm’s Bordeaux-Kekse aus dem Schrank. Robbys Mutter wusste, dass ich danach süchtig war und zeigte deswegen immer große Nachsicht, wenn wieder Kekse fehlten.
„Mein Dad meint, dass ‚The Doors‘ der schlechteste Bandname sei, den er jemals gehört hätte“, posaunte ich, als ich mich wieder auf meinen Schemel setzte. „Ich sagte ihm daraufhin, dass mir seine Reaktion nur bedeute, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“
Ich hatte noch die Krümel im Mund, während wir wieder an dem neuen Song bastelten. Der Refrain schien einen härteren Rock zu verlangen, während es bei dem jazzigen Feeling für die Strophen blieb. Verdammt, dachte ich, der Refrain ist so eingängig, dass ich ihn den ganzen Tag spielen könnte.
Eine weitere Stunde übten wir noch an dem Stück und machten dann eine Pause.
Jim öffnete eine Dose Dos Equis und plumpste auf die dunkelgrüne Ledercouch. „Ich meine, wir sollten das ganze Geld gleichmäßig aufteilen, auch das für’s Songschreiben“, sagte er aus dem Nichts heraus. Wir waren verblüfft. Es war ein großzügiges, aber auch ein klug überlegtes Angebot, um Frieden innerhalb der Band bezüglich der Rangfolge zu halten. Es ergab sich, dass er und Robby die meisten Songs schrieben, aber wir alle wirkten beim Arrangement mit. Ich hatte immer gedacht, ich sei nur der Drummer, aber urplötzlich schien es, dass Jim tatsächlich mein und Rays Talent anerkannte. Von der Sekunde an, als Robby seine eigenen Songs einbrachte, war sein Talent offensichtlich. Ich war mir meines Talents nicht ganz so sicher.
„Yeah, in Ordnung“, stimmte Robby zu. Ray und ich machten es einstimmig. Mit diesem Geldangebot im Rücken fühlten wir uns mehr denn je wie eine Familie.
„Kennst du den Takt bei ‚Dis Here‘ von Cannonball?“ fragte ich Ray.
„Yeah, der ist ziemlich gestrafft, nicht?“
„Ist er nicht! Er ist in drei. Lasst uns mal was in drei spielen, 3/4 Takt. Ray und Robby nahmen ihn auf und wir jammten auf dem ‚All Blues‘ von Miles herum. Ray hatte Robby bei der letzten Probe den Wechsel beigebracht und er beherrschte ihn jetzt. Jim beteiligte sich mit einem einfachen Maracasbeat und ich stellte fest, dass sein Timing Fortschritte machte. Bei solch alten Jazzstücken lernten wir uns musikalisch kennen, was uns besonders zugute kam.
Wir kamen wieder auf den neuen Song zurück. Ich zählte ihn an und schlug einen lauten Crack direkt vor Rays Intro. Jim brummte die erste Strophe fast unhörbar:
You know that it would be untrue
You know that I would be a liar
If I was to say to you
Girl we couldn’t get much higher.
(Du weißt, dass es unwahr sein würde
Du weißt, dass ich ein Lügner wäre
Falls ich dir sagen sollte
Mädchen, wir können nicht mehr höher.)
Robby fand auf der Gitarre zu einem passenden Rhythmus, ich hatte das Tempo unter Kontrolle und Jim sang laut: …
The time to hesitate is through
(Zum Zögern bleibt keine Zeit mehr)
Plötzlich schaute er von dem Papier hoch, von dem er den Text absang. „Hey, Robby, wo ist der Rest?“
„Ich bin bei der zweiten Zeile stecken geblieben.“
Jim rollte mit seinen Augen, grübelte einen Augenblick nach, während Ray und ich weiterspielten, und sang dann:
No time to wallow in the mire …?
(Keine Zeit mehr, um im Sumpf zu schwelgen …?)
Jim schaute zu Robby, der ein „Ja, das geht!“ nickte und Jim fuhr mit dem Rest von Robbys Text fort.
Try now we could only lose
And our love become a funeral pyre …
(Versuch’s jetzt, mehr als verlieren können wir nicht
Und unsere Liebe wird zu einem Scheiterhaufen …)
Und dann kam alles im Refrain zusammen:
C’mon, baby, light my fire
C’mon, baby, light my fire
Try to set the night on –
FIRE!
(Mach schon, Baby, entzünde mein Feuer
Mach schon, Baby, entzünde mein Feuer
Versuch, die Nacht anzufachen mit –
FEUER!)
BILDSTRECKE 1

Ich war wie Ricky in der Ozzie & Harriet-Show.
(John Densmore Sammlung)

Ich und Heidi.
(John Densmore Sammlung)

(John Densmore Sammlung)

Am Karussell, Santa Monica Pier, 1966.
(Bobby Klein)

„Ich hasse folk music,
aber sie ist niedlich.“
(Bobby Klein)

Robby, 1966.
(Joel Brodsky)

Ich, 1966.
(Paul Ferrara)

Ray, 1966.
(Joel Brodsky)

Venice, Kalifornien, 1966.
(Bobby Klein)

Das erste Billboard für eine Rock-LP.
(Bobby Klein)
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