10 Galaktische Abenteuer Box 4

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Innerhalb einer Woche war er wie verwandelt, und er schaffte es tatsächlich, alle Anforderungen zu erfüllen. Schon nach kurzer Zeit musste Damien anerkennen, dass G.D. von Grund auf ein anderer geworden war. Kate verfolgte von ihrem Heimatplaneten aus die Fortschritte ihres Sohnes und war zufrieden, dass sich jetzt scheinbar alles zum Guten wandte. Sie hatte G.D. nicht mehr unter Kontrolle halten können, aber nun schien er mit neuer Verantwortung für sich selbst auch ein volles neues Leben zu beginnen.
Zielstrebig und mit eiserner Entschlossenheit hatte G.D. durchgehalten. Schon längst war Damien mehr als nur ein bisschen stolz auf seinen Sohn, mittlerweile bedauerte er es sogar, dass er ihn nicht früher kennen gelernt hatte.
Als G.D. sein Abschlusszeugnis und seine Pilotenlizenz in den Händen hielt, war Damien sehr stolz. Amber half mit ihren Beziehungen, dass der junge Mann auch schnell seine Zulassung als Jäger bekam. Damien kaufte ihm ein gebrauchtes kleines, aber wendiges Schiff, für die Erstausstattung der Bewaffnung zeichnete Connor verantwortlich, doch G.D. besaß seinen eigenen Stolz. Er versprach, die Kosten allesamt zurückzuzahlen, sobald er genug verdiente.
Er hatte zu diesem Zeitpunkt seine ersten zwei Aufträge bereits hinter sich, einfache Aufträge, die Damien ihm vermittelt hatte, damit sein Sohn überhaupt erst einmal einen Erfolg verzeichnen konnte. Doch G.D. war ehrgeizig und wollte unabhängig sein. So war er nach Erledigung seines letzten Auftrages nicht nach Hause zurückgekehrt, sondern legte sich auf die Lauer. Damien behielt seine weiteren Bedenken für sich, als Amber ihn wegen seiner Besorgnis auslachte.
Aber bei der Frage von Drep Doye war Damien der Stolz deutlich anzumerken. »Er hat sich vor zwei Tagen gemeldet, angeblich ist er auf einer heißen Spur, aber Einzelheiten wollte er nicht sagen«, berichtete er.
»Der Junge wird seinen Weg machen, er hat die Zielstrebigkeit von dir, und seine Mutter musste eine Menge Energie und Willenskraft besitzen, um ihr Leben so zu meistern. G.D. besitzt gute Erbanlagen, du kannst zu Recht stolz auf ihn sein. Aber da wäre noch etwas, worüber ich mit dir reden möchte.«
Damien wurde hellhörig, er ahnte, dass jetzt etwas auf ihn persönlich zukam.
»Damien Cavelorn, du weißt, wie sehr ich dich schätze, und ich achte deine Arbeit hier auf Glenn Finnan hoch. Aber ich denke – und nicht nur ich – dass du damit nicht ausgelastet bist.« Ein flüchtiges Lächeln flog über das Gesicht des ehemaligen Botschafters. »Es geht auch darum, dich mehr zu würdigen.«
Damien verzog das Gesicht, was der andere allerdings nicht sehen konnte. »Was soll das heißen? Du drückst dich doch sonst nicht so umständlich aus. Also, heraus mit der Sprache, was soll ich tun?«
»Ich möchte, dass du das Amt des Bürgermeisters übernimmst. Glenn Finnan muss auch nach außen hin würdig und kompetent vertreten werden, man braucht einen direkten Ansprechpartner, jemanden, der hier vom Rat und draußen von den Vertretern der Vereinten Kolonien akzeptiert und respektiert wird. Eine Persönlichkeit mit Ausstrahlung und Autorität. Dich!«
Eine Weile herrschte Schweigen.
»Bist du jetzt fertig?«, fragte Cavelorn dann langsam.
»Ja. Wie lautet deine Antwort?«
»Ein klares eindeutiges Nein. Ich bin doch nicht verrückt. Drep, ich bin hierher gekommen, weil ich so den Zwängen der Zivilisation entfliehen konnte. Hier habe ich ein Leben gefunden, das nicht von außen gesteuert wird und mich einengt. Ich lasse doch nicht meine gerade gefundene Freiheit gleich wieder beschneiden, indem ich mich freiwillig in die Politik stürze. Außerdem fehlt es mir an diplomatischem Feingefühl, wie dir besonders Amber gern bestätigen wird. Nein, das ist keine Aufgabe für mich, und du brauchst dir keine Hoffnungen zu machen, ich könnte meine Meinung noch ändern.«
»Ich habe nicht damit gerechnet, dass du sofort zustimmen würdest, Damien. Aber es ist tatsächlich so, dass wir dich brauchen. Jemand muss die Planung und Organisation in die Hand nehmen, um unsere neue Stadt nicht ausufern zu lassen. Und jemand muss unsere Interessen nach außen hin vertreten. Dir bleibt noch immer genug Zeit, dich selbst zu verwirklichen, wenn es das ist, was du willst. Deine Weigerung lasse ich erst einmal im Raum stehen, aber ich möchte dich bitten, zumindest provisorisch die Leitung …«
Amber legte ihrem Mann zärtlich eine Hand auf den Arm, bevor er zornig werden konnte. »Reizt dich die Herausforderung wirklich nicht? Du hast die Möglichkeit, nach den Wünschen und Bedürfnissen der hier lebenden Völker etwas aufzubauen. Wer bekommt schon eine solche Gelegenheit? In der ganzen Galaxis sind das weniger als eine Hand voll Lebewesen. Willst du dich tatsächlich davor drücken? Das ist nicht der Damien Cavelorn, den ich kenne. Außerdem wäre es nicht so sehr verschieden von dem, was du ohnehin schon tust.«
»Du stellst dich auf seine Seite?«
»Ich stehe auf gar keiner Seite, Liebster. Ich denke nur praktisch. Du solltest deine Talente nicht brachliegen lassen.«
»Das ist eine Verschwörung, habe ich recht?« Damien wusste nicht, ob er ärgerlich oder amüsiert sein sollte.
»Wir Jasnoraner haben uns dagegen verschworen, Fähigkeiten ungenutzt zu lassen, insofern hast du wohl recht«, stimmte Doye friedfertig zu. »Im Übrigen stellen wir dir jemanden an die Seite, der in Fragen der Planung und Verwaltung ein wirklicher Spezialist ist. Du brauchst also gar nicht viel selbst zu tun.«
»Und warum bietest du ihm nicht auch das Amt des Bürgermeisters an?«, fragte Damien misstrauisch.
»Er ist ein Bürokrat, ein wirklicher Fachmann in punkto Verwaltung und Organisation, aber er besitzt keine Autorität. Bitte, Damien, versuche es wenigstens. Wenn du gar nicht damit zurechtkommen solltest, kannst du immer noch nein sagen.«
Unruhig sprang der ehemalige Jäger auf und lief im Zimmer auf und ab. Seine Frau beachtete ihn gar nicht weiter, sie ging in die Küche und holte Tee für alle. Die Tür zum Garten sprang auf, Marian kam herein und ging zielstrebig auf ihren Vater zu.
»Papa spielen«, forderte sie.
Damien nahm sie auf die Arme.
»Du musst auch an die Zukunft dieses und anderer Kinder denken«, sagte Drep Doye. »Wenn du wirklich eine lebenswerte Welt erschaffen kannst – willst du dich dann weigern?«
Cavelorn wälzte längst das Für und Wider im Kopf hin und her, dann blickte er in das liebliche Gesicht seiner Tochter. Marian war jede Anstrengung wert, und nicht nur Marian. Resigniert zuckte er die Schultern. »Ich werde es versuchen, aber macht mir keine Vorwürfe, wenn das Ganze in ein riesengroßes Chaos ausartet. Das ist nur eine provisorische Zusage, nicht mehr«, schränkte er ein, als ein zufriedener Ausdruck in das Gesicht des Aldebaraners zog.
»Ich habe verstanden, Damien, danke. Du solltest so schnell wie möglich anfangen, also gleich morgen. Komm bitte zuerst in das Ratsgebäude, ich werde dir dann Gordon Hagen vorstellen. Ich bin sicher, ihr werdet gut zusammenarbeiten.«
»Ist das dieser Verwaltungsfachmann, von dem du gesprochen hast?«
»Ja, er ist etwa in deinem Alter und außerordentlich tüchtig, besitzt allerdings nicht die Gabe, seine Ideen nach außen hin zu vertreten. Er ist seit knapp zwei Monaten hier und hat sich bereits gut eingelebt, aber er braucht eine richtige Aufgabe.«
»Nun, wir werden sehen«, murmelte Damien. »Du hast uns da praktisch vor vollendete Tatsachen gestellt, das geht alles ein bisschen schnell. Wir müssen dafür sorgen, dass Marian …«
»Sie kann in den ersten Tagen zu uns kommen, ich weiß, dass Kwankiji ganz begeistert darüber sein wird. Im Übrigen denke ich, dass Amber die Kleine in der Anfangszeit oft bei sich haben kann. Und Kindergärten wie auch Schulen gehören zu den Dingen, die unter deiner Regie schnellstmöglich aufgebaut werden müssen.«
Cavelorn war nicht wirklich glücklich mit diesem Arrangement, doch er hatte nicht vor, jetzt einen Rückzieher zu machen.
»Also gut, vorerst eine Woche, Drep, nicht länger.«
Der ehemalige Botschafter nickte.
»War das jetzt alles, oder hast du noch weitere Überraschungen auf Lager?«, erkundigte sich Damien lakonisch.
»Nein, das waren alle meine Anliegen.«
»Dann können wir zum gemütlichen Teil übergehen, du bleibst doch zum Essen?« Amber wollte keine Widerrede gelten lassen. Ein paar Stunden später verabschiedete sich Doye, und im Hause Cavelorn brach eine erregte Diskussion aus.
Guy Duncan Cavelorn schlenderte ein wenig gelangweilt durch das Vergnügungsviertel des Planeten Neuve Avignon. Obwohl die Atmosphäre und die Gravitation fast der ursprünglich irdischen entsprachen und damit beste Lebensbedingungen boten, war aus der ehemals französischen Kolonie kein großes Handelszentrum geworden. Vielleicht lag das System einfach zu weit ab von den viel beflogenen Handelsrouten. Als die Administration das erkannt hatte, war man dazu übergegangen, aus dem dünn besiedelten Planeten eine Urlaubswelt zu machen. Eine gute Idee, wie sich zeigte. Innerhalb weniger Jahre fanden sich Sponsoren, die mit dem Nachbau berühmter Sehenswürdigkeiten und der Anlage abenteuerlicher Freizeitparks für Touristenattraktionen sorgten. Was vorher als Handelszentrum nicht geklappt hatte, entpuppte sich jetzt als Magnet. Neuve Avignon war zu einem begehrten Ziel geworden, Hotels waren aus dem Boden geschossen, wilde Siedlungen waren entstanden, Lebewesen aller Rassen strömten auf den Planeten und sorgten für ein buntes Gewimmel verschiedenster Kulturen. Und mit den ehrlichen Geschäftsleuten, windigen Geschäftemachern und obskuren Halsabschneidern waren auch die richtigen Verbrecher gekommen.
Einer von ihnen war Jean-Baptiste Charles, ein charismatischer Betrüger und Heiratsschwindler, der steckbrieflich gesucht wurde, weil er nach der Eheschließung oft nicht abwarten konnte, bis seine Angetrauten von allein das Zeitliche segneten. In mindestens zwei Fällen hatte er nachgeholfen, das glaubten die Behörden beweisen zu können.
Auch hier auf Neuve Avignon hatte er seine übliche Masche abgezogen und seine Frau kurz nach der Hochzeit durch einen ›schrecklichen Unfall‹ verloren. Aber dieses Mal waren ihm die Behörden rasch auf die Schliche gekommen, und man hatte ihn als Mörder zur Fahndung ausgeschrieben.
Wie es der Zufall wollte, befand sich G.D. gerade in der Nähe des Planeten, er konnte die Verfolgung des Flüchtigen sofort aufnehmen und war weit vor den übrigen Jägern, die ebenfalls auf das Kopfgeld aus waren. Charles war gut darin, reiche Frauen zu umgarnen und ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen, außerdem beherrschte er das Hakenschlagen im Weltraum bravourös. Doch G.D. besaß gute logische Fähigkeiten, er konnte weit voraus denken und sah die Möglichkeiten und Schlupfwinkel des Flüchtigen. Charles war auch kein Kämpfer. Als G.D. ihn nach relativ kurzer Zeit gestellt hatte, verlor er jeden Gedanken an Widerstand. Allerdings versuchte er den jungen Cavelorn zu bestechen und bot ihm die gleiche Summe, die auf seinen Kopf ausgesetzt war, wenn er ihn laufen ließ. Höflich aber bestimmt hatte G.D. abgelehnt. Er wollte seine Lizenz behalten, und er würde sich selbst nicht mehr ins Gesicht sehen können, wollte er gleich zu Anfang seiner Karriere damit beginnen, faule Geschäfte zu machen.
Er hatte den Mann bei der planetaren Polizei abgeliefert, kaum dass seit der Verbreitung der Suchmeldung zwei Tage vergangen waren. Neben der Belohnung von 15.000 Siekon hatte es auch lobende Worte gegeben und das Angebot, sich im Vergnügungsviertel einen schönen Abend zu machen.
Aber es gefiel G.D. hier nicht besonders. Seine Mutter Kate hatte ihn streng erzogen, und er hatte oft genug dagegen rebelliert. Das war soweit gegangen, dass er die Schule schwänzte, sich in Spielhöllen und zweifelhaften Etablissements herumtrieb und mehr als einmal mit dem Gesetz in Konflikt kam. Bei diesen ›Ausflügen‹ hatte er eine Menge Erfahrungen gesammelt, die seine Mutter lieber von ihm fern gehalten hätte, doch der Jugendliche war höchst begierig gewesen, alles zu erfahren, es gab nicht mehr viel, was ihm jetzt noch unbekannt war.
So empfand er die Amüsierbetriebe und die ganz unverhohlene Ansprache hier auf Neuve Avignon als plump, aufdringlich und lästig.
Nein, hier fühlte er sich nicht wirklich wohl. Er beschloss, auf sein Schiff zurückzukehren. Robin Hood, so hatte er es genannt, nach einem Volkshelden von der Erde, dessen Taten vermutlich hoffnungslos verklärt waren.
»Hey, Süßer, mein Spielplatz hat geöffnet. Wie wäre es mit uns beiden?«, fragte eine junge Frau mit verführerischer Stimme.
G.D. sah in große dunkle Augen, sorgsam geschminkte Lippen und glatte Haut. Um den Mund herum zeigte sich jedoch schon die Andeutung von harten Linien, auf der Stirn bildeten sich erste Falten. Prostituierte führten kein leichtes Leben. G.D. dachte an seine Mutter, die ebenfalls diesen Beruf ausgeübt hatte, es schauderte ihn unwillkürlich.
»Nein, danke«, sagte er. Der junge Jäger hatte genug und beeilte sich, sein Schiff zu erreichen. Noch bevor er startete, rief er die aktuellen Fahndungslisten auf. Er suchte einen neuen Auftrag, und er wollte absolut nicht wieder etwas Leichtes, Harmloses. G.D. wollte einen richtigen großen Brocken, er fühlte sich stark und unbesiegbar.
Eine Eilmeldung erregte seine Aufmerksamkeit, und er musste nicht lange überlegen, ob dieser Fall ihn reizte.
»Connie Thielmann, ehemals Mitglied einer Piratenorganisation, hat zuletzt als bezahlte Mörderin gearbeitet, hoch gefährlich und hoch intelligent. Die Belohnung beträgt 35.000 Siekon, eine stolze Summe, das ist der Gefährlichkeit der Frau allerdings angemessen.« Es folgten weitere Merkmale, sowie eine Personenbeschreibung und die erneute Warnung vor der Gefährlichkeit der Frau, doch diese Warnungen gingen an G.D. irgendwie vorbei.
Die Personenbeschreibung und die Liste ihrer Taten ließen darauf schließen, dass die Frau ihre vorhandenen Reize gut zu nutzen wusste. Damien und Amber hätten ihm sicher abgeraten, Thielmann war wohl noch drei Nummern zu groß für ihn. Aber er hatte nicht vor, seinen Vater oder seine Stiefmutter von seinen Plänen in Kenntnis zu setzen. Er war ein Jäger.
Aufmerksam verfolgte er die Spur der Frau, soweit sie bekannt war, doch nach der Flucht von Sherwood verloren sich die Hinweise. Gab es einfach keine besonderen Vorkommnisse mehr, die mit der Flüchtigen in Verbindung stehen konnten? Doch G.D. dachte weiter, er rief die aktuellen Nachrichten auf und versuchte, sich selbst in die Lage der Mörderin zu versetzen.
Denk nach, forderte er von sich selbst, was würdest du tun? Die Antwort lag klar auf der Hand. Als blinder Passagier an Bord eines startenden Raumschiffes gehen und darauf hoffen, entweder nicht entdeckt zu werden oder sich mit dem Kapitän zu arrangieren, egal wie.
G.D. rief die Schiffe auf, die in der fraglichen Zeit den Planeten verlassen hatten, es waren nur sechs, und natürlich waren deren Daten alle bekannt. G.D. verfügte über einen analytischen Verstand, er gliederte klar alle Möglichkeiten auf, die zur Verfügung standen. Thielmann hatte sich ihr Ziel bei der letzten Flucht nicht aussuchen können, davon war er überzeugt. Nach der Schießerei auf der Churchill-Plaza war sie wie vom Erdboden verschluckt, und die planetare Sicherheit suchte noch immer noch ihr. G.D. war jedoch davon überzeugt, dass sie sich längst im Weltraum befand, also musste er die Routen der Schiffe verfolgen, auf den jeweiligen Zielplaneten nachforschen, ob es ungewöhnliche Vorfälle gegeben hatte, und diese dann auswerten.
Diese Arbeit erwies sich als äußerst Zeit raubend und langweilig, außerdem erbrachte sie vorerst kein Ergebnis. Stattdessen musste der junge Jäger feststellen, dass er nicht der einzige war, der sich an die Spuren von Thielmann geheftet hatte.
Damit hatte er rechnen müssen, aber es war dennoch eine unangenehme Überraschung, als die Hamburg in das Raster geriet, mit dem er das Informationsnetz um die Gesuchte eingrenzte.
Es gab eine Reihe von guten Jägern, die es sich nicht nehmen ließen, dieser hohen Belohnung nachzujagen.
Peter von Silberschwan mit der Hamburg war einer von ihnen. Er galt als Legende unter den Jägern, denn eigentlich hätte man von einem Mann mit seinem Handicap erwartet, dass er friedlich auf einem Planeten lebte und sein Schicksal tapfer ertrug. Von Silberschwan war ein Krüppel, er war mit einem Buckel zur Welt gekommen und neben einigen weiteren Gebrechen musste ihm ein Bein amputiert werden. Außerdem war er kleinwüchsig. Die körperlichen Gegebenheiten hatte er jedoch klug in Vorteile verwandelt. In seiner Beinprothese befand sich ein ganzes Arsenal an Waffen, zusätzlich besaß dieses Bein bionische Komponenten und ermöglichte es dem Mann, schneller zu laufen. Er gab sich strenggläubig, gehörte der reformierten Rosenkranzbruderschaft an und zitierte gerne aus der Raumfahrerbibel. Das alles machte Peter von Silberschwan zu einem seltsamen Kauz, was jedoch nicht darüber hinwegtäuschen sollte, wie gefährlich er in seinem Beruf sein konnte. Auf sein Konto ging die Ergreifung der Martin-Zwillinge, die als besonders skrupellos gegolten hatten. Wo die körperlichen Gebrechen als Nachteil erschienen, machte er mithilfe der modernen Technik und spezieller modifizierter Apparaturen einen Vorteil daraus.
Und dieser Jäger befand sich also auf der gleichen Spur wie G.D., nur der schnellere und bessere konnte Thielmann fassen. G.D. wollte der bessere sein.
Aufmerksam verfolgte er die Nachrichten von den sechs Planeten, auf denen die Schiffe gelandet waren, kam dann aber schnell zu dem Schluss, dass drei von ihnen absolut unwahrscheinlich erschienen. Nirgendwo gab es eine Meldung über einen blinden Passagier oder andere ungewöhnliche Vorkommnisse.
Doch dann tauchte die Nachricht über einen unbekannten Toten auf, wenig später folgten weitere Einzelheiten. Noah Geoffrey, so hieß der Tote, war Händler für Spezialitäten gewesen. Merkwürdig war in diesem Zusammenhang, dass sein Schiff ohne ihn gestartet war, doch die Formalitäten waren alle korrekt abgewickelt worden. Das war Thielmann, dessen waren G.D. sicher. Es kostete ihn einige Mühe herauszufinden, wohin sich dieses Schiff gewendet hatte. Es war kein Ziel angegeben, doch dann half ihm der Zufall weiter.
Ein Konvoi von mehreren Frachtschiffen hatte Kurs auf ein System genommen, das auf den Sternenkarten den Vermerk ›Anflug verboten‹ trug. Wenig später hatte das Schiff des Geoffrey sich mit der gleichen Energiekonsistenz in Bewegung gesetzt. Die Chancen standen 50 zu 50, dass Connie Thielmann diesen Kurs gesetzt hatte.
Ein offenbar verbotener Planet! Falls es ihr gelang, dort zu landen, wäre sie vermutlich in Sicherheit.
G.D. zögerte nicht lange, für ihn war die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Flüchtige sich genau dorthin gewandt hatte. Blieb nur noch die Frage, ob sie dort auch gelandet war. Falls ja, würde auch er eine Möglichkeit dazu finden müssen.
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