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1. Ich liebe meine Arbeit.
2. Durch meine Arbeit finde ich inneren Frieden.
3. Meine Arbeit inspiriert mich.
4. Ich bin glücklich und lebe meine Träume.
5. Ich arbeite, um zu leben; ich lebe nicht, um zu arbeiten.
Wenn alle diese Glaubenssätze für Sie der Wahrheit entsprechen, bringen Sie bitte das Buch ins Geschäft zurück und verlangen Sie Ihr Geld zurück. Oder blättern Sie weiter nach hinten zum Kapitel „Die Transformation“ und lesen Sie dort, wie Sie Ihren Mitmenschen helfen können. Sie scheinen dann nämlich ein wirklich erfülltes Leben zu führen.
Wenn aber nur einer der oben genannten Sätze noch nicht auf Ihr Leben zutrifft, gilt es, Dinge an sich zu ändern. Ja, es gibt einen perfekten Zustand, in dem man all dies erlebt. Doch diese Veränderung zum Positiven liegt an Ihnen bzw. genauer gesagt in Ihnen, da die Realität eben ein Spiegel Ihres Selbst ist. Wenn Sie sich dieser Aufgabe, der inneren Weiterentwicklung, nicht stellen, läuft Ihr Leben an Ihnen vorbei und wird dadurch sinnlos. Es gehört nämlich zum Wesen des Lebens an sich, glücklich zu werden, Zufriedenheit und innere Ruhe zu finden.
Kein Geld der Welt wird Ihnen Zufriedenheit, innere Ruhe und Glück kaufen können. Innere Bindungen, z. B. auch an Geld, erschweren Ihren Weg durch das Leben, Sie sollten mit leichtem Gepäck durch Ihr Leben reisen. Verstehen Sie mich jetzt nicht falsch – Geld an sich und ein Leben in Fülle sind weder „schlecht“ noch „gut“. Solange ich einen emotionalen Abstand zum Geld habe, es keine Ängste, Zweifel, Neid, Missgunst oder sonstige problematische Emotionen auslöst, kann ich damit auch gut in Fülle leben. Die Lösung für inneren Frieden liegt also nicht im Außen, sondern im Inneren und bei meinen Emotionen. Finanzieller Reichtum allein ist emotional gesehen keine Lösung.
Ein finanziell mehr als unabhängiger Mann kam zu einer Sitzung. Er war unglücklich mit seinem Leben, denn er hatte mit Existenzängsten zu kämpfen. Der Grund für seine Angst war, dass das viele Geld, das er besaß, „weniger werden“ könnte. Er versuchte daher ständig, es zu vermehren. Doch die Angst blieb. Es war ihm unmöglich geworden, das Geld positiv für sich zu verwenden, denn dies hätte seinen Reichtum geschmälert. Je mehr er aber versuchte, das gewünschte Sicherheitsgefühl zu erreichen, desto mehr wuchs seine Angst.
Ich erlebte Menschen, die finanziell mehr als ausgesorgt haben, aber mit Existenzängsten kämpfen. Im Grunde war es manchmal ihre Existenzangst, die sie in der Vergangenheit zu Höchstleistungen angetrieben und ihnen finanziellen Reichtum beschert hat. Doch die Angst bleibt, auch wenn das Ziel erreicht und Geld in Fülle verfügbar ist. Geld kann zugrunde liegende Emotionen, wie zum Beispiel Angst, nicht ändern. Die wichtigen Fragen im Leben lauten: Warum erlebe ich verschiedene Emotionen? Welche Handlungen resultieren daraus in meinem Leben? Schon jetzt sei Ihnen dieser schöne Lehrsatz gegeben, der der Wahrheit entspricht:
Lektion Nummer 2:
Ich habe ein Recht auf seelischen Frieden, auf Glück und Zufriedenheit – das Leben ist leicht.
Das Leben ist alles andere als ein Arbeitslager oder eine Strafkolonie. Es ist eine Schule, deren Schüler in der Mehrzahl vergessen haben, dass sie Schüler sind. Außerdem sind die Schüler so damit beschäftigt, sich Pausenbrote zu kaufen und mit ihrer Kleidung und anderen Dingen anzugeben, dass sie den eigentlichen Sinn aus den Augen verloren haben. Andere Mitschüler werden herumgeschubst, es zählt das Recht des Stärkeren. Irgendwann hat der Mensch auf seinem Weg den liebevollen Lehrplan der weisen Kraft im Hintergrund in der Schule des Lebens vergessen, der da lautet:
1. Klasse: Auflösen meiner Ego-Themen und der damit verbundenen Emotionen
2. Klasse: Selbsterkenntnis
3. Klasse: Nächstenliebe
4. Klasse: Einswerden mit Gott
Die meisten Menschen befinden sich in der ersten Klasse und sind sich dessen nicht einmal bewusst. Dies betrifft auch die Fast-Food-Esoteriker, wie ich einmal einer war. Auch die Spiritualität wird dann im Außen repräsentativ gelebt. Viele beeindruckende Dinge sind notwendig, um dieser Art von Glauben Ausdruck zu verleihen. Sie sehen also, dieser Weg hat nichts damit zu tun, wie spirituell jemand zu sein scheint. Wahre Weisheit kommt von innen und führt zu Ruhe, Gelassenheit, Freude und bedingungsloser Liebe. Doch wieso sollten Sie diesen Weg gehen und sich auf dieses Wunderland überhaupt einlassen?
Die Lügen und der Schein
Was also hindert Sie, lieber Leser, daran, Ihren Weg einfach so weiterzugehen wie bisher? Wieso sollten Sie nicht so weitermachen und einfach in Ihrer persönlichen Scheinwelt weiterhin werken?
Natürlich hat das Universum ein Korrektiv geschaffen, sodass wir über unser Leben reflektieren und dadurch Kursänderungen vornehmen können. Dieses Korrektiv ist der Schmerz, Ihr ganz persönliches Leid in Ihrem Leben. Wenn Sie also leiden, hat dies immer irgendetwas mit Ihnen selbst zu tun.
Hierfür gibt es einige wichtige Gesetze, die im Folgenden genauer erklärt werden, hier aber zumindest erwähnt werden müssen:
1. Alles, was mich an anderen stört, hat mit mir selbst zu tun – das Spiegelgesetz.
2. Alles, was ich aussende, kommt zu mir zurück – das Gesetz der Anziehung1.
3. Gedanken können gesund oder krank machen – das Gesetz der Wirkung.
4. Emotionen können gesund oder krank machen.
5. Mein Glaube bestimmt meine Realität.
6. Die Gesetze gelten über den Tod hinaus.
Wenn ich diese Gesetze erfahren und dadurch in mein Leben integriert habe, verändert sich alles. Menschen auf diesem Weg durchlaufen einen Prozess der Heilung, schreiten zur Selbsterkenntnis und zum inneren Frieden. Nichts anderes wird von uns verlangt, als dass wir uns selbst erkennen und die schöpferische Kraft in uns finden. Wir sehen schon anhand dieser einfachen Gesetze, dass wir selbst es sind, die die absolute Kontrolle über unser eigenes Leben haben – nichts und niemand anderes ist dafür zuständig.
Was hindert uns daran, Dinge zu verändern?
• Unsere eigene Trägheit: Viele Menschen neigen dazu, zahlreiche Ausflüchte zu finden, warum sie an sich selbst nicht arbeiten. Manche Hilfesuchende werden lieber umfangreiche, auch alternative Heilmethoden anwenden, bevor sie sich selbst kritisch hinterfragen.
• Angst: Sehr oft neigen Menschen dazu, lieber im altbekannten Schmerz verhaftet zu bleiben, als ihr Schiff des Lebens in unbekannte Gewässer zu steuern. Dies spiegelt sich in Sätzen wider wie „Mir geht es gut, so wie es ist, wieso soll ich alte Wunden aufreißen?“
• Mangel an Willen, welcher aber die formgebende Kraft bei der Realitätsbildung ist. Dies äußert sich, wenn der Mensch vor dem Leben kapituliert, den Sinn seines Seins noch nicht erkannt hat.
• Mangel an Selbstdisziplin: Auch wenn der Mensch die Lösung sieht und als richtig empfindet, fehlt es an Disziplin auf mehreren Ebenen, sei es körperlich, geistig oder seelisch.
Was geschieht nun, wenn ich nichts ändere? Zwangsläufig führt der Weg irgendwann zu Unzufriedenheit, Unausgeglichenheit und Abhängigkeiten. Wenn diese Emotionen, die ich als Wegweiser und Korrektiv verstehen sollte, nicht anerkannt werden und ich nichts verändere, folgt zwangsläufig körperliche Krankheit. Leben in meiner ganz persönlichen Scheinwelt kann mich also körperlich krank machen.
Wiederum ist die Krankheit als Sprache der Seele zu verstehen, somit ein notwendiges Korrektiv und die Chance, mein Leben zu überdenken und zu ändern. Niemand hat es bisher geschafft, seine Seele zu besiegen. Für Menschen, die auch bei den schlimmsten Krankheiten nicht bereit sind, über ihre Emotionen und ihre Themen nachzudenken, kann sogar der frühzeitige Tod folgen. Ich werde dies im Kapitel „Krankheit des Menschen“ mehr ausführen.
Wie lange will ich also noch in meiner Scheinwelt leben und Emotionen in das Unbewusste verdrängen, während ich diesen Lebensstil mithilfe des Verstandes – kombiniert mit Sturheit – verteidige? Wann fange ich an, ehrlich zu mir zu sein, zu hinterfragen, ob ich glücklich bin, was momentan in falschen Bahnen läuft? Ich sollte akzeptieren, dass es nur an meiner Trägheit und Angst vor Konsequenzen liegt, nichts zu ändern. Niemals kann ich mich auf etwas anderes oder jemand anderen berufen. Ich bin verantwortlich für meine Situation, so wie sie ist.
Lektion Nummer 3:
Ich ernte, was ich säe.
Die Wahrheit
• Was passiert beim Prozess der Heilung?
• Was habe ich zu erwarten?
• Und wie soll dies mein Leben verändern?
• Wie lange dauert solch ein Prozess?
Sie erhalten in diesem Buch konkrete Übungen und Anleitungen, die Ihnen helfen werden, sehr schnell an Ihr Ziel zu kommen. Wenn Sie diesen Weg gehen, werden Sie zu einem aktiven Mitarbeiter an der Heilwerdung Ihrer Familie, Ihrer Firma, Ihres Landes, ja der ganzen Welt. Der Zenit des nicht infrage gestellten Kapitalismus ist bereits überschritten; täglich werden es mehr und mehr Menschen, die sich der Veränderung hingeben und ihr eigenes Glück finden.
Es ist der Weg der Verwandlung, das Prinzip der Befreiung, das sich schon in sehr vielen Menschen verwirklicht hat. Wichtig auf diesem Weg ist, im Inneren zu suchen und an sich selbst zu arbeiten, ohne sich Sekten oder anderen Abhängigkeiten schaffenden Vereinigungen auszuliefern. Es geht also um die Verwirklichung von Gott, Allah, Buddha oder wie Gott sonst von Ihnen genannt wird, in Ihrem Leben. Wer glaubt, dass die geistigen Gesetze oder die schöpferische Kraft vor Unternehmen und finanziellen Belangen haltmachen, der ist wahrlich kleingläubig. Gerade dort erlebt man die Gesetzmäßigkeit Tag für Tag, man versteht oder erkennt sie nur nicht. Wenn Sie aber lernen, Gott in Ihrem eigenen Leben zu finden und zu verwirklichen und die geistigen Gesetze für sich anzuwenden, anstelle „Opfer“ derselben zu sein, verändert sich alles und Ihre Befreiung geschieht.
Auf dem Weg dorthin kommen einige Veränderungen auf Sie zu, die sich in heilenden Glaubenssätzen widerspiegeln:
• Ich werde gesund (von jeglicher körperlichen Krankheit).
• Ich werde heil (seelisch und mental).
• Ich werde glücklich.
• Ich werde befreit.
• Ich werde erfolgreich.
• Ich werde demütig vor der Schöpfung.
• Ich werde zur Freude.
• Ich finde innere Ruhe.
• Ich werde selbstsicher.
• Ich werde liebesfähig.
Diese Veränderungen im Inneren gehen mit Veränderungen im Außen einher:
• Ihr Freundeskreis verändert sich. Neue Menschen treten in Ihr Leben.
• In Ihre Partnerschaft kehrt Ordnung ein.
• Sie werden vom Druck finanzieller Belange befreit.
• Ihr Leben wird leicht.
Gleichzeitig werden Sie massiven Widerstand in Ihrer Umgebung erleben, da Sie als Fackelträger, als lebendiges Licht der Veränderung wie ein Mahnmal auf träge Mitmenschen wirken werden.
• Einige Ihrer Familienmitglieder und Freunde werden Dinge nicht verstehen, die Sie tun.
• Manche Mitmenschen werden ihre eigenen Ängste auf Sie projizieren.
• Nicht gelebte wichtige Konflikte werden an die Oberfläche treten und endlich bereinigt werden.
Wie lange dauert dieser Prozess? Bei unseren Schülern haben wir erlebt, wie schnell dies vor sich gehen kann. Die größten Veränderungen geschehen in den ersten sechs Monaten. Das Leben wird von Grund auf neu strukturiert. Wie ein kleines Kind beobachtet man die Welt mit großem Staunen. Immer wieder holen einen zwar Ängste und Zweifel ein, doch wird man mannigfaltig belohnt.
Mit welcher Kraft geht man also diesen Weg? – Mit Vertrauen auf die Synchronizität und Gottvertrauen.
„Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich. Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt, übervoll ist mein Becher. Ja, Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang und heimkehren werde ich in das Haus des Herrn für lange Zeiten.“
Psalm 23,4 – 6 (Einheitsübers.)
Dieser Psalm spiegelt Wahrheit, Liebe und Fürsorge wider. Leider versuchen Menschen ständig, Gott auf die Probe zu stellen – zuerst soll ein Wunder geschehen und danach glaube ich. Dies funktioniert so aber nicht. Auf dem Weg der persönlichen Verwandlung werde ich zwangsläufig mit der Frage meines Glaubens konfrontiert, da dieser Weg eben in bedingungslosem Vertrauen mündet. Dies ist unabhängig davon, an was ich glaube oder was ich unter dem Wort Gott verstehe.
Oft frage ich Menschen, ob sie an etwas glauben und wie es definiert wird, sei es Gott, die geistige Welt, Allah, die Schöpfung etc. Interessanterweise beantworten neun von zehn Menschen die Frage mit „Ja, natürlich …“ Doch begriffen, was Glaube bzw. wirkliches Vertrauen bedeutet, haben die wenigsten. Glaube in den Lebensplan manifestiert sich in Zeiten des Schmerzes, genau dann, wenn es zu ganz persönlichen Tiefpunkten im Leben eines Menschen kommt. Es sind die Stunden des größten Zweifelns, in welchen es eigentlich jene Kraft im Hintergrund ist, die uns trägt. Wir fragen die Hilfesuchenden oft, wie weit sie für ihren Glauben gehen würden. Die Menschen vergessen den Glauben aber genau dann, wenn es einmal im Leben nicht so harmonisch verläuft und man sein eigenes Schicksal als „ganz persönliche Strafe“ empfindet. Solche Situationen werden dann von vielen mit der Frage „Warum gerade ich?“ einem strafenden Gott oder dem Schicksal zugeschrieben. Dabei hilft die schöpferische Kraft demjenigen, der sich voll und ganz hingibt und den Weg mit Zuversicht geht. Denn genau in diesem Moment wird diese in uns aktiv.
Fürchten Sie also kein Unglück, haben Sie keine Angst. Es gibt keinerlei Grund dazu. Lassen Sie sich von der Weisheit jener Kraft tragen, die Sie momentan vielleicht noch gar nicht kennen. Doch nur weil Sie diese Erfahrung noch nicht gemacht haben, bedeutet es nicht, dass diese Form der Realität nicht existiert. Die neue Realität wartet gerade auf Sie, der Sie diese Zeilen lesen. Jene Kraft liebt Sie, doch können Sie dies überhaupt zulassen? Darf es Ihnen gut gehen, ohne Leistung dafür erbringen zu müssen?
Meine erste persönliche Begegnung mit der schöpferischen Kraft
Zu Beginn meines Weges hatte ich gerade den Gipfel meiner eigenen Eitelkeiten erklommen. Dies manifestierte sich, indem ich mein gedankliches Ziel endlich verwirklicht hatte: Geld und Macht. Die Folge davon: Unglück. Hatte man nicht gesagt: „Geld macht glücklich?“ Doch beginnen wir von vorn.
Als Jugendlicher wollte ich es „allen“ hier in Österreich zeigen. Mein persönliches Ziel war, Karriere zu machen. Nicht irgendeine Karriere, sondern eine, die internationales Medieninteresse hervorrufen würde. Ich wollte den „amerikanischen Traum“ leben und dementsprechend auch finanziellen Erfolg haben. Also machte ich mich ans Werk.
Zu Recht werden Sie sich, lieber Leser, jetzt fragen: „Wieso wollte er das bloß?“
• Weshalb wollte ich dies wirklich?
• Warum war es mir wichtig, es „allen zu zeigen“?
• Wieso wollte ich diejenigen, die mich nicht mochten, beeindrucken?
Zur Beantwortung der Fragen gehen wir noch ein Stückchen weiter zurück: Ich war von Kindheit an immer etwas „anders“, in Gruppen der klassische Außenseiter. Sie können sich mich als den kleinen Buben vorstellen, der bei Spielen immer zuletzt in eine Gruppe gewählt wurde. Derjenige, den man höchstens aus Mitleid in sein Team nahm. Nicht nur, dass ich körperlich anders aussah als meine Spielgefährten, die mich ob meines für unsere Breitengrade dunkleren Äußeren hänselten – ich war auch seelisch gesehen anders. Mich interessierten die wettkampfähnlichen Spiele in der Schule reichlich wenig, ich verbrachte die Zeit lieber mit älteren Menschen und „mochte“ meine Kameraden nur bedingt, was noch recht freundlich ausgedrückt ist. Dies löste natürlich eine Resonanz in den Mitmenschen aus, wodurch ich noch mehr gehänselt wurde. Dadurch zog ich mich zunehmend ganz in mein Schneckenhaus zurück und kapselte mich ab.
Die Folge? Mein Unverständnis über die Welt, meine Frustration wuchsen und ich fühlte mich vollkommen deplatziert. Wie geht man nun mit solchen Gefühlen um? Die Frage, ob es an mir läge, so wie es alle sagten, stellte sich für mich nicht. Mein Selbstwert war nicht nur am Boden, sondern eher am Meeresgrund angelangt. Durch dieses Minderwertigkeitsgefühl stürzte ich mich umso mehr in die Emotion „Ich werde es euch allen zeigen“. Damit war ich natürlich der perfekte Kandidat, meine gesamte Kraft in eine Karriere zu investieren. Durch Fleiß, Ehrgeiz und den unbändigen Willen, es ganz nach oben zu schaffen, gelang mir der Aufstieg in der IT-Branche, wo ich es bis zum Vizepräsidenten einer 500 Mitarbeiter zählenden Firma brachte. Ich durchlebte alles: Medieninteresse, Vorträge, maßgeschneiderte Anzüge, Designer-Kugelschreiber, Gourmet-Abendessen, exklusive Clubbings, teure Autos etc. Der Gipfel meiner Selbstgefälligkeit spiegelte sich im „Konsum“ von Frauen wider, denn in Wahrheit war ich schon längst beziehungsunfähig geworden, auch wenn ich dies damals nicht so sehen wollte. Geld war da, Macht war da; ich hatte es allen gezeigt.
Wem gezeigt?
Allen!
Allen?
Allen, die mich nicht mochten.
Allen, die mich nicht mochten und jetzt noch weniger mochten. Und diejenigen, welche mich mochten, fanden mich abgehoben und arrogant. Eine tolle Bilanz. Ich hatte gerade den Mount Everest der persönlichen Eitelkeiten erklommen, mein eigenes moralisches Empfinden oft genug verkauft, hatte Unternehmensprozessen das Mäntelchen der Corporate Social Responsibility2 umgehängt, die im Grunde nur da waren, um die Gewinne zu maximieren. In Wahrheit kümmert es Firmen reichlich wenig, wie sich der Einzelne fühlt, es interessiert viel mehr, ob jeder im System Integrierte wie ein Rädchen funktioniert.
Weder bei Pressekonferenzen, teuren Essen noch in guten Hotels habe ich gefunden, was ich eigentlich unbewusst gesucht hatte. Was ich aber fand, war mein eigenes Unglück, und zwar recht viel davon. 200.000 Flugmeilen in einem Jahr hatten nicht dazu geführt, irgendeine befriedigende Antwort zu bekommen. Es lief also etwas grundlegend falsch. Was ich im Beruf erlebte, entfernte mich mehr denn je von dem Gefühl der Ruhe, Liebe und inneren Zufriedenheit. Nervlich und beziehungstechnisch am Ende, mit körperlichen Krankheiten, die aus schulmedizinischer Sicht als chronisch und daher lebensbegleitend diagnostiziert wurden (Immunschwäche durch übermäßige Antibiotika-Einnahme in der Kindheit, chronische Gastritis, Nachtschweiß und Angstzustände), entschied ich, mein Leben von Grund auf zu ändern. Es war wahrlich an der Zeit.
Nun, da ich mich entschieden hatte, meine Selbstsucht in Selbstsuche umzuwandeln und endlich meinen persönlichen Fehlschlag anzuerkennen, begann ich langsam, mich mit mir selbst und meinen Emotionen auseinanderzusetzen. Ich hatte einen von Grund auf neuen Weg zu erlernen. In einem Moment größten Trauerns und Zweifelns saß ich eines Tages in meinem Apartment auf dem Boden und weinte. Vor lauter Verzweiflung und Ausweglosigkeit wagte ich es, in mich zu gehen. Ich fragte, was dies alles solle, ich hätte mich selbst und meinen Sinn verloren. Wahrscheinlich tat ich dies, da ich sonst niemanden hätte fragen können. Was sollte schon Großartiges geschehen?
Und siehe da, das Wunder geschah. Ich erhielt Antworten, ich hörte und sah diese. Ich lachte und weinte zur gleichen Zeit. Als Materialist konnte ich nicht erklären, was da gerade vor sich gegangen war, doch konnte ich das Geschehene nicht leugnen. Ich fühlte es in meinem ganzen Körper. Heute weiß ich, es war meine persönliche Einweihung, eine Initiation in die Kraft des Vertrauens, für die der Zeitpunkt gekommen war. Erst durch den Schmerz und die vollständige Hingabe durfte es geschehen.
Die Tage vergingen und ich entdeckte meine eigene Fähigkeit, anderen Menschen zu helfen. Nach und nach erkannte ich, dass es mir Freude bereitete, Menschen Gutes zu tun. Sicher tun wir alle Tag für Tag etwas Gutes, doch stellt sich hier die Frage nach der wahren Motivation dahinter.
Wenn Sie sich selbst kritisch hinterfragen und jede Handlung einer Emotion zuordnen, werden Sie erkennen, dass die sogenannte „Hilfe“ gar nicht so selbstlos ist. Es gibt Menschen, die sich in der Gesellschaft geradezu aufopfern – doch warum? Bei genauem Hinsehen werden Sie erkennen, dass es sehr oft um die Aufwertung des eigenen Selbstwerts geht, eine egoistische Handlung sozusagen. Wenn man sich zum Beispiel als Kind von seinen Eltern nicht bedingungslos geliebt gefühlt hat, kommt es zu einer Verminderung des eigenen Selbstwertgefühls. Man versucht durch bestimmte Handlungsweisen von seinen Eltern jene bedingungslose Liebe zu erhalten. Man ist besonders brav, man lehnt sich auf, man strengt sich an, man weigert sich. Diejenige Taktik, die am erfolgreichsten im Erhaschen der „Liebe“ ist, wird auch weiterhin im Leben angewandt. Auf der Suche nach dieser bedingungslosen Liebe lernt man, Bedingungen zu erfüllen, um gemocht zu werden. In der Folge wird man von seinen Mitmenschen abhängig. Abhängig in der Art, dass man auf das Lob oder das Gemochtwerden angewiesen ist. Aus diesem Grund opfern sich Menschen oft auf, um so ihren Wert wiederzufinden.
Wenn Sie nun wutschnaubend diese Zeilen lesen, wurden Sie gerade ertappt. Willkommen in der Welt des Egos! Doch trösten Sie sich: Es gibt wahrlich nur wenige Menschen, die selbstlos dem anderen dienen. Wahre Hilfe dem Mitmenschen gegenüber geschieht:
• ohne Lob oder Dank zu erwarten,
• im Stillen, ungesehen von allen,
• einzig und allein, um dem anderen zu dienen.
Ich hatte zum damaligen Zeitpunkt erkannt, dass meine eigenen Handlungen dieser Prüfung nicht standhielten.
Nicht allzu lange nach diesem Erlebnis wagte ich es erneut und sprach das Höhere Selbst an. Dies war wahrlich neu für mich, denn ich hatte bisher keinerlei Dialoge, sondern nur reine Monologe geführt. Meine erste Frage war:
„Der neue Weg führt in eine ganz andere Richtung, aber ich habe die ‚Dinge‘ doch so gerne, wohin soll das führen?“
Mit „Dingen“ waren all die Statussymbole gemeint, von denen ich mich noch nicht lösen konnte: Autos, Kleidung, Status an sich etc. Es war ein richtiges Aufbäumen meines eigenen unbewussten Egos. Bitte beachten Sie, dass diese Dinge nicht per se „schlecht“ sind; es geht darum, ob man emotional an diese gebunden ist. Dies war ich ganz eindeutig.
Die schöpferische Kraft antwortete mir in absoluter Klarheit:
„Wenn dir diese Dinge wichtig sind, dann lebe sie, und wir kommen in späteren Inkarnationen wieder.“
Mit allem hatte ich gerechnet, doch nicht mit dieser Antwort. Es war mir freigestellt, den Weg so weiterzugehen wie bisher und mich an Dinge zu klammern. Die geistige Welt mit all ihren Helfern (wahrscheinlich auch deswegen wurde das Wort „wir“ verwendet) hatte Zeit und wartete nur, bis ich bereit war, mich zu verändern und zu erwachen. Mir wurde die Absurdität meiner Frage bewusst:
• Wieso sich weiter an Dinge klammern?
• Wieso sich von Ängsten bestimmen lassen?
• Wieso Wert durch Leistung suchen?
• Wieso es anderen beweisen müssen?
• Wieso noch Zeit in Form von weiteren Inkarnationen (Wiedergeburten) verschwenden, anstatt sich wirklich hinzugeben und die schöpferische Kraft zu suchen?
Daraus ergab sich auch schon meine zweite Frage:
„Ich habe verstanden, ich werde diesen neuen Weg gehen. Aber ich muss doch etwas verdienen, um zu leben?“
Die Antwort hatte es in sich:
„Vertraue einfach – du wirst alles bekommen, was du brauchst.“
Das war es also, worum es ging: Vertrauen. Vertrauen auf ein nicht sichtbares, riechbares, schmeckbares, nicht durch Gewinnmaximierung bestimmbares, abwägbares Etwas.




