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Der Ort ist bis heute besonders. Der Blick reicht weit, an klaren Tagen von der Ostalb bis zum Schwarzwald. Die Luft scheint einige Quäntchen reiner als im Tal, die Gedanken finden auf irgendeine Weise mehr Raum. Ist es Spiritualität? Buoch war schon in vorchristlicher Zeit eine heilige Stätte. Die Buocher Dorfkirche, eine der ersten Kirchen weit und breit, hat man an der Stelle des alten Kultplatzes gebaut. Wirtschaften wie den »Hirsch« (in seinen Räumen ist heute das vom rührigen Heimatverein betriebene ortsgeschichtliche Museum untergebracht), die »Krone« oder das »Café Daheim«, wo Sommerfrischler Unterkunft und Gesellschaft fanden, gibt es heute nicht mehr. Hungrig und durstig muss man dennoch nicht bleiben, wenn man Buoch besucht: Etwas außerhalb des Orts lädt die gemütliche Wirtschaft »Zom Fässle« ein, und gleich nebenan liegt der Wasser- und Aussichtsturm mit seinem geradezu atemberaubenden Ausblick. Er ist öffentlich zugänglich, den Schlüssel gibt es beim Heimatverein. Telefonnummer und Adresse stehen auf einem Schild an der Eingangstür.
»www.remshalden.de/museum
Burgen: wie sie den Wald bewachten

Die schier unendlichen Weiten der Wälder hatten schon viele Herren. Kelten, Alemannen und Franken haben hier gesiedelt, doch keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Anders die Römer, die quer durch den Wald ihren Grenzwall, den Limes, gefräst haben. Seine Überreste haben erst Historiker im 19. Jahrhundert wissenschaftlich bearbeitet. Davor hatte der Volksglaube die spärlichen Limes-Relikte dem Teufel zugeschrieben oder als heidnische Kultstätten gedeutet.
Unübersehbar dagegen waren immer die Spuren des Hochmittelalters. Die politische Karriere der Staufer hat um das Jahr 1100 mit dem Bau der Burg Hohenstaufen auf der Ostalb und der Stiftung des Klosters Lorch begonnen. Die salischen Kaiser setzten sie als Herzöge von Schwaben ein, und mit dem Bau von Burgen steckten die Staufer ihren Machtbereich ab. Der kaum besiedelte Schwäbische Wald war eine Art Zonenrandgebiet. Zur Grenzsicherung entstanden auch hier Burgen: Maienfels, Lichtenberg bei Oberstenfeld, Reichenberg bei Oppenweiler, Ebersberg und Waldenstein – sie alle stehen seit bald 1000 Jahren an ihrem Ort.
Maienfels liegt am Nordrand des Waldes über dem Tal der Brettach und überwachte den Weg aus dem Kochertal. Von Lichtenberg hatte man das Bottwar- und Neckartal im Blick. Burg Reichenberg sicherte das Murrtal; von Burg Ebersberg, die heute zur Gemeinde Auenwald gehört, hat man weite Sicht über die Backnanger Bucht in Richtung Neckar. Burg Waldenstein bei Rudersberg überblickte das Tal der Wieslauf. In Fragmenten ist außerdem die Burg Wart bei Spiegelberg erhalten, die das Lautertal beherrschte.
Einige der Burgen sind für die Öffentlichkeit zugänglich: In Maienfels ist der Innenhof zur Besichtigung offen, Führungen gibt es auf Vereinbarung. Lichtenberg vermietet den Burghof und den Rittersaal für Veranstaltungen. Burg Reichenberg wird von der Paulinenpflege Winnenden genutzt, Führungen für Gruppen werden angeboten. Burg Ebersberg ist im 18. Jahrhundert zu einem barocken Schloss umgebaut worden, das heute einer katholischen Pfadfinderorganisation gehört. Das Schloss und der Bergfried sind nicht zu besichtigen, der Zwinger links von der Schlosszufahrt ist zugänglich. Burg Waldenstein war lange Jahre ein beliebtes Ausflugslokal. Heute bietet das Haus Übernachtungen mit Frühstück an; gekocht und serviert wird bei buchbaren Veranstaltungen sowie für Gesellschaften ab 20 Personen auf Voranmeldung.

Burg Reichenberg bei Oppenweiler
»www.gemeinde-wuestenrot.de/de/freizeit-kultur
»www.burg-reichenberg.de
»www.rudersberg.de/de/freizeit-tourismus/sehenswuerdigkeiten
Champagnerluft: wie sie den Dichter inspirierte

Dem Kerner begegnet man im Württembergischen fast auf Schritt und Tritt. Zum Beispiel, wenn man ein Viertele des fruchtigen Weißweins aus dem Neckar- oder Remstal genießt. Ausgeschenkt wird er gewiss auch in Welzheim, das für seine gute Luft berühmt wurde. Ihren Namen trägt die Weißweinsorte nach einem Vielbegabten: Justinus Kerner, Arzt, Okkultist und Poet. Auch diesem Kerner, Justinus, begegnet man im Schwäbischen Wald immer wieder.
Als Medizinstudent war Kerner einer der Köpfe der romantisch gestimmten Schwäbischen Dichterschule, zu der unter anderem auch Gustav Schwab und Ludwig Uhland gehörten. Auf die Romantik des Schwäbischen Walds kam Justinus Kerner durch seine Berufstätigkeit als Arzt. Zwischen 1812 und 1815 war er Amtsarzt in Welzheim, wurde dann Oberamtsarzt in Gaildorf und wechselte 1819 nach Weinsberg, wo er bis zu seiner Pensionierung blieb. Einige Quellen schreiben ihm zu, er habe für das Welzheimer Klima den Begriff »Champagnerluft« geprägt. Das ist allerdings nur eine Sage. Erst 100 Jahre nach Kerners Welzheimer Zeit war in einem Reiseführer zu lesen: »Wie leicht wandert sich’s hier oben, 500 Meter über dem Meer, in der ozonreichen, staubfreien, prickelnden Champagnerluft.« Auf Justinus Kerner hat das prickelnde Klima wohl auch inspirierend gewirkt: Er hat in seiner Welzheimer Zeit gemeinsam mit Schwab und Uhland zwei Gedichtesammlungen veröffentlicht. Einer der Lieblingsplätze des Dichters war die Wieslaufschlucht mit der tief im Tal liegenden Klingenmühle. Sie wurde Inspiration zum Gedicht »Der Wanderer in der Sägmühle«. Die Kulisse ist bis heute vorhanden: Man muss nur vom Parkplatz bei der Laufenmühle einige Hundert Meter talwärts gehen, und die Mühle steht wie eh und je wildromantisch am rauschenden Bach.

Die Klingenmühle in der Wieslaufschlucht
Gut möglich, dass Kerners Schriften damals schon als Tourismuswerbung funktionierten. Noch zu seinen Lebzeiten zog es die ersten Erholungssuchenden nach Welzheim. Die Anreise war nicht einfach: Da Welzheim erst spät, im Jahr 1911, einen Bahnanschluss erhielt, kam man nur mit Pferdewagen oder per pedes in die Oberamtsstadt Welzheim, die auf 520 Meter Höhe liegt. Als die Eisenbahn endlich auch Welzheim erreichte, kurbelte sie den »Fremdenverkehr« enorm an. Wochenends brachten voll besetzte Züge die Ausflügler und Erholungssuchenden umsteigefrei aus Stuttgart in den Luftkurort. Die Geschichte wiederholt sich: Heute kann man an Sonn- und einigen Feiertagen wieder wie die Sommerfrischler von einst anreisen. Die Schwäbische Waldbahn schnauft mit Museumszügen, abwechselnd mit Dampf- oder Diesellok, von Schorndorf durchs Wieslauftal hinauf nach Welzheim. Wer seine Zeitreise in die Sommerfrische zu Fuß fortsetzen möchte, steigt am Haltepunkt Tannwald aus und spaziert auf dem neuen »Feenspuren«-Premiumweg »Römerwald«. Es gibt eine Menge zu sehen auf der 5,6 Kilometer langen Runde: unter anderem Mammutbäume, landschaftstypische Gewässer und die hübsche Hagmühle mit gemütlichem Biergarten, der sonntags geöffnet hat. Welzheims archäologisches Glanzlicht, das rekonstruierte römische Ostkastell am ehemaligen Limes, ist nur einen kleinen Abstecher vom »Römerwald«-Weg entfernt.
»www.feenspuren.de/roemerwald
Ebersberg: wo ein besonderer Wein wächst

Auf das kleine Dörfchen Ebersberg, heute ein Teil der Gemeinde Auenwald, stößt man als WaldEntdecker eher zufällig. Seine schmale Hauptstraße schraubt sich, flankiert von historischen Häusern, einen steilen Berg empor. Am höchsten Punkt stehen wie Torwächter zum Schwäbischen Wald die ehemalige Burg und das Schloss Ebersberg.
Ein Teil der Burg ist nach 1550 zu einem Schloss umgebaut worden und steht wie ein Leuchtturm über dem Tal. Behält man es im Blick, kann man Ebersberg eigentlich nicht verfehlen. Der Ort war im protestantischen Württemberg ein so genanntes freies Gut. Die Besitzer konnten ihre Religion und die ihrer Untertanen frei wählen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg entschied die Herrschaft sich für den katholischen Glauben. Für die Ebersberger bedeutete das Steuern und Abgaben an gleich zwei Herrschaften: die württembergischen Herzöge und die katholischen Grundherren. Das machte die Ebersberger zu bitterarmen Leuten. 1786 wurde Ebersberg an das Herzogtum Württemberg verkauft und im Schloss eine Schafzuchtanstalt eingerichtet. Das Fleisch und die Wolle aus der Schafhaltung sollten in Gegenden mit armen Böden und armen Menschen das Überleben sichern.
Am Burgberg fand sich eine weitere Möglichkeit, Erträge zu erwirtschaften: Weinbau. Die Westhänge des Schwäbischen Walds haben nur wenige Lagen mit geeigneten Böden und ausreichend Sonne – eine davon liegt am Ebersberg. Beziehungsweise lag: Um 1900 hat man den Weinbau aufgegeben, obwohl die Gewächse wohl durchaus ihre Qualität hatten. 1867 wurde ein Dessertwein vom Ebersberg auf der Pariser Weltausstellung prämiert. Seit einigen Jahren reifen wieder Trauben am Burgberg. Drei Freizeit-Winzer, die sich »Vinöre vom Ebersberg« nennen, haben den Weinberg gerodet und neu bepflanzt. Heute bewirtschaften sie etwa 75 Ar, bauen pilzresistente Rebsorten an, kommen ohne Herbizide und Pestizide aus. Was sie ernten und keltern, nennt man klassisch »gemischten Satz«: Mehrere Sorten roter und weißer Trauben werden zu je einer weißen und roten Cuvée komponiert – so wie der Weinberg sie hergibt. Verkauft werden die besonderen Tropfen unter Freunden und Bekannten.
Wer Ebersberg und seine Weinparzellen, die Natur und Geschichte des Ortes entdecken möchte, folgt einfach dem Kulturlandschaftsweg Auenwald. Drei schöne Rundwanderwege in Längen zwischen 3,6 und 6,8 Kilometern erzählen die Ebersberger Lokalgeschichte auf informativen Tafeln. Für den Schlussaufstieg über steile Staffeln vom Dorf zum Schloss sollte man sich etwas Kondition aufsparen. Das Schloss, zu dessen Kirche die Treppe einst führte, ist seit etwa 50 Jahren (wieder) im Besitz der katholischen Kirche. Es ist eine Freizeiteinrichtung und nicht öffentlich zugänglich.
»www.auenwald.de/de/kultur-freizeit/kulturlandschaftsweg-auenwald

Ebnisee: Perle des Schwäbischen Walds

Der kleine, aber feine Ebnisee mit einer Uferlänge von etwa 1,5 Kilometern war vor über 100 Jahren einer der ersten Ausflugsorte der Region. Bevor Welzheim 1911 seinen Bahnanschluss bekam, machten sich die Auswärtigen meist von Fornsbach bei Murrhardt an den Aufstieg zum hoch gelegenen Stausee. Von Welzheim aus liegt der See näher, was die Touristenströme nach 1911 umleitete. Das hat die Fornsbacher später auf die Idee gebracht, sich ihren eigenen See zu graben, um wieder ein Stückchen vom »Fremdenverkehr« zurückzubekommen.
Der Ebnisee ist nicht zum Vergnügen von Gästen angelegt worden: Er sollte den Waldbesitzern und Waldarbeitern der Umgebung das Leben ein bisschen leichter machen. 1746 hat man einen Damm aufgeschüttet und den See aufgestaut, um Holz aus dem Welzheimer Wald mit Wasserkraft bis nach Stuttgart und Ludwigsburg zu transportieren. Der Ebnisee hat den Oberlauf des Flüsschens Wieslauf zurückgehalten, hat das Wasser der Schneeschmelze und der Regenfälle im Frühjahr gesammelt, damit man hinunter zur Rems flößen konnte. Die Wassermenge nach dem Öffnen der Schleuse reichte, um etwa eine Woche lang Holz auf die Reise zu schicken. Die Bäume wurden im Winter in der Umgebung geschlagen, in Scheite gesägt und am See gestapelt. Den längsten Weg nahm Stammholz aus der Gegend um das heutige Sulzbach-Laufen am Kocher auf einem nur im Winter nutzbaren, 25 Kilometer langen Schlittenweg zum Ebnisee. Der Weg wurde angelegt, weil der württembergische Herzog Carl Eugen nicht wünschte, dass das Holz aus seinen Wäldern via Kocher zu den hohenlohischen Nachbarn gelangte. Auch die Salzsieder im heutigen Schwäbisch Hall hatten einen großen Holzbedarf. War der See leergelaufen, ließ man ihn im Sommer trockenfallen und nutzte ihn als Viehweide.
Am Wasserfall der Wieslauf, unterhalb des Laufenmühle-Viadukts, steht seit einigen Jahren eine Holzplastik, die einen Flößer bei rasanter Fahrt auf zusammengebundenen Stämmen darstellt. So war die Wieslauf-Flößerei nicht. Das Flüsschen ist viel zu schmal und zu steil für die bemannte Floßfahrt. Man übergab dem Wasser Scheitholz von wenig mehr als einem Meter Länge, das vorwiegend als Brennholz verwendet wurde. Schwer und gefahrvoll war die Arbeit für die Holzknechte dennoch: Weil Wassermenge und Zeit knapp waren, ließ man so viel Holz wie möglich zu Wasser. Die Fracht verkeilte sich an Engstellen, Wehren, flachen Gewässerabschnitten oder vor den vielen kleinen Wasserfällen. Wer die Wieslaufschlucht schon einmal durchwandert hat, bekommt eine Vorstellung davon, wie waghalsig das Losstochern der großen Scheite mit langen Stangen gewesen sein muss. An der Mündung der Wieslauf in die Rems wurde das Holz gesammelt und gebündelt. Von dort ging es mit »richtigen« Flößen weiter via Rems und Neckar.
In vielen Schwarzwaldtälern hat der Eisenbahnbau den Flößern ihr Geschäft weggenommen. So war es auch am Ebnisee. Als 1861 die Remsbahn fertig war, wurde er nicht mehr gebraucht. Man transportierte das Holz nun auf Pferdewagen nach Schorndorf zur Bahnverladung. Der Ebnisee blieb fast 25 Jahre lang trocken. 1884 staute man ihn wieder an – zum Hochwasserschutz für das Wieslauftal und um die Wasserkraft für Mühlen und Turbinen zu regulieren. Seither gibt es den ganzjährig wassergefüllten Ebnisee, der zu einem der Markenzeichen der Region geworden ist. Dazu hat auch die Gastronomie mit Hotel und Restaurant beigetragen, die jahrzehntelang weit über die Region hinaus ausgestrahlt hat. Ihren Ursprung hatte sie in einer Wirtsstube am See, wo sich einst Waldarbeiter und Flößer wärmten und stärkten. Heute knüpft das hübsch herausgeputzte Hotel »Reich am Ebnisee« wieder an diese Zeiten an.

»www.hotel-reich-ebnisee.de
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