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»Soll ich mir die andere auch abtrennen? Oder mir den Arm bis zur Schulter abhacken?«
»Das wird wahrscheinlich nicht nötig sein.«
»Du behauptest also, dass der Zauberspruch irgendwo da draußen ist und jemand da draußen ihn besitzt?«
»Ja. Ich habe dieselbe Information Danelle gegeben, damit sie sie dir geben kann, aber ich nehme an, du genießt meine Gegenwart mehr?«
»Ja, genau. Ich nehme an, du weißt nicht, wer ihn hat?«
»Ich weiß, wer es weiß. Du kennst ihn auch.«
Ich hustete ein Lachen hervor. »Tarakona?«
»Ja. Vielleicht ist er bereit, es dir zu sagen.«
»Ich dachte, ihr arbeitet zusammen?«
»Wir sprechen momentan nicht miteinander.«
Er klang darüber nicht unglücklich.
»Kirin?«, fragte ich.
»Er will sie. Und ich gebe sie nicht her. Ich habe gesehen, wie gefährlich sie ist.«
»Ich habe ein verängstigtes Mädchen gesehen, das nichts über die Außenwelt weiß. Was hast du eigentlich mit ihr gemacht?«
»Sie in ein Kloster nach Tibet gebracht.«
»Ernsthaft? Mönche? Lass mich raten: ein uralter Orden der Erfahrung im Umgang mit Gorgonen hat?«
»Es gibt sie erst seit der Umkehrung, aber sie haben Erfahrung mit Artefakten. Sie erschaffen eines, das ihr helfen soll, ihre Macht zu kontrollieren.«
»Du hast absolut nichts lernen können von Samedis Maske und den Würfeln, oder? Wie dem auch sei, ihr unsterblichen Arschlöcher versteht, dass hier auf der Erde etwas wirklich Ernstes vorgeht, etwas, das die Rettung von Kirin fast wertlos macht.«
»Es gibt nichts, das wir direkt gegen Samedi unternehmen können. Geh zu Tarakona und frag ihn, wo der Zauberspruch zu finden ist.«
»Okay. Ich nehme nicht an, dass du mich irgendwie nach Australien zappen kannst?«
»Bedeutet das, dass du den Job annimmst?«
Ich erstarrte. Tat ich das? Ich drehte meinen Kopf und sah auf die Überreste des Wendigo. Ich hustete erneut. Ich sah zu meiner Hand. Ich sah zu dem Tod.
Er hat mir etwas gegeben. Einen Hinweis zu einem möglichen Ausweg. Wusste er es?
»Ja«, sagte ich nicht sonderlich enthusiastisch. »Ich übernehme den Job.«
VIER
Conor stirbt am Ende

Ich sagte dem Tod, dass er mit dem Zappen noch etwas warten solle, und ging zurück, stieg die Treppen zu meinem Apartment wie ein durchschnittlicher, sterbender Mensch hinauf. Als ich die Haustür erreichte, war ich außer Atem und hielt davor inne, hörte das Gelächter dahinter.
»Und ich dann so, was zur Hölle, Conor?«, erzählte Dannie.
Amos und Frank bogen sich vor Lachen. Franks Lachen war lauter als das von Amos. So leicht und frei. Ich wünschte, ich wüsste, wie der das noch konnte. Das Leben hatte ihn in einen Trog mit Scheiße geworfen und er hatte Limonade daraus gemacht.
Ich öffnete die Tür. Die drei verstummten augenblicklich.
»Hey, die nasse Decke ist zurück«, sagte Amos und sah in meine Richtung.
»Fick dich, Amos«, erwiderte ich. Meine Augen fielen auf Dannie. »Welche Geschichte hast du ihnen erzählt?«
»Wie viel hast du gehört?«
»Was zur Hölle, Conor«, imitierte ich sie schlecht. »Obwohl ich denke, dass neunzig Prozent unserer Unterhaltungen so geendet hatten.« Sie lächelte.
»Wir haben nur darüber gelacht, weil wir Freunde sind.«
Ich schielte zu Amos. »Du und Frank seid jetzt Freunde?«
»Wir haben einen gemeinsamen Feind. Das ist für den Moment gut genug.«
»Was, wenn ich mich entscheide, dass Angebot vom Tod nicht anzunehmen?«, wollte ich wissen.
»Was dann?«
»Ich würde wahrscheinlich zurück nach Vegas gegen, mir ein paar Mädchen schnappen und das wäre es dann. Ich möchte weder nüchtern sein noch angezogen.«
»Danke, dass du mir dieses Bild in meinen Kopf gepflanzt hast.«
»Das würdest du Dannie antun?«, fragte Frank.
»Ich weiß nicht, woher du die Meinung hast, dass ich ein guter Kerl wäre«, erwiderte ich,
»Du benimmst dich so, als ob du keiner bist. Aber ich würde nicht sagen, dass Kirin rauszuholen leicht war, und du hast nicht aufgegeben. Du hast sie vor Samedi gerettet, indem du ihn auf Black gehetzt hast.«
»Und habe ihm so mehr Macht verschafft als er sonst bekommen hätte. Super von mir.«
»Der Punkt ist, dass du die unschuldigste Person in dem Raum gerettet hast. Das macht dich für mich zu einem guten Kerl.«
»Wo bist du überhaupt gewesen?«, wollte Dannie wissen. »Du siehst mehr zerzaust als sonst aus.«
»Ich bin vom Dach gesprungen«
»Was?«
Ich lächelte. »Ein Test. Der Tod hat mich gefangen. Wir haben gequatscht«
»Und?«
»Anscheinend gibt es eine Nekromanten-Inkarnation, mit der man ein Portal heraufbeschwören kann, das unsere Welt mit einer Art Fegefeuer zwischen Leben und Tod verbindet. Angeblich kann ich dieses Portal öffnen, und wenn ich Samedi zu fassen bekomme, kann ich ihn dort hineinzerren. Er würde im Jenseits gefangen sein und alles was wichtig ist, wäre sicher, außer mir. Ich werde tot sein.«
»Hat er dir den Spruch gegeben?«, wollte Frank wissen.
»Er wusste ihn nicht«, gab ich ihm zur Antwort. »Aber Tarakona kennt ihn.«
»Oh. Das ist dann kein Problem, oder? Mr. T. liebt uns.«
»Lieben ist nicht ganz das richtige Wort«, entgegnete ich. »Aber er schuldet mir was. Samedi ist für ihn genauso eine Gefahr wie für den Rest der Welt.«
»Das bedeutet, du wirst es tun?«, fragte Dannie.
Ich sah zu ihr und nickte. »Es ist meine Schuld, dass du getötet wurdest. Ich habe den Job von Red angenommen und habe dich als Unterstützung angefordert. Du hättest niemals involviert sein sollen. Nur einmal in meinem Leben möchte ich das Richtige tun. Die richtige Entscheidung treffen. Wenn es dich zurückbringt und Samedi daran hindert die Welt zu essen, dann tue ich es.«
»Lieber spät als nie«, sagte Frank.
»Ja, irgendwie so«, stimmte ich zu.
»Und, was machen wir jetzt?«, wollte Amos wissen.
»Tod wird mich an Tarakonas Türschwelle absetzen. Ich …«
»Dich?«, fragte Frank. »Meinst du nicht uns?«
»Das ist mein Kampf, Frank. Mein Job. Meine Verantwortung. Warum gehst du nicht zurück nach Japan und triffst dich mit Kitsune? Ihr wärt ein süßes Paar.«
Er lachte. »Ja, genau. Hast du mich in letzter Zeit angesehen? Wir sind Freunde und Freunde verlassen einander in einer Krise nicht.«
»Selbst wenn es bedeutet, dass du vielleicht stirbst?«
»Besonders wenn es bedeutet, dass ich vielleicht sterbe. Das ist der größte Spaß, den ich in meinem gesamten Leben bisher gehabt habe.«
Ich nickte, denn ich wusste, dass ich es Frank nicht ausreden konnte. Und um ehrlich zu sein, hatte ich gehofft, dass er mich nicht allein gehen lassen würde.
»Was ist mit dir, Amos?«, wollte ich wissen.
»Ich habe mein Leben schon aufs Spiel gesetzt, indem ich dich hierhergebracht habe“, antwortete er. »Wenn ich zwischen einer Welt, gefüllt mit New-hoos, und einer Welt mit untoten Zombie-Fuckers wählen müsste, nehme ich die New-hoos.« Er lächelte und streichelte seine Schrotflinte. »Ich bin dabei.«
Ich richtete meine Aufmerksamkeit auf Dannie. Unsere Blicke trafen sich.
»Ich denke, du solltest hierbleiben«, sagte ich. »Du bekommst eine zweite Chance und ich will nicht, dass du erneut stirbst.«
»Fick dich, Conor«, erwiderte Danelle. »Ich werde tun, was ich will. Ich komme mit. Ich bin keine Invalidin mehr.«
Ich war klug genug, es ihr nicht ausreden zu wollen.
»In dem Fall wartet der Tod unten auf uns.«
»Warte eine Minute«, sagte Frank. »Ich bin gleich zurück. Ich muss wirklich dringend pissen.«
Er stampfte fort, ins Badezimmer.
»Jesus, kannst du es fassen?«, sagte Amos.
Ich ging zu Dannie hinüber. »Es ist wirklich schön, dich wieder zu haben«, sagte ich sanft.
»Es tut gut, wieder zurück zu sein«, antwortete sie. Sie trat einen Schritt nach vorne und umarmte mich. »Ich vergebe dir, dass du mich getötet hast«
»Danke.«
Sie vergab mir, dass ich der Grund für ihren Tod war. Was aber war mit der anderen Sache? Ich wusste nicht, ob ich es jemals wissen würde, und dieser Gedanke nagte an mir. Ich hatte das Gefühl, dass sie den Haken etwas drehte, bevor sie mich von ihm ließ. Falls sie es jemals vorhatte.
»Ich hatte gedacht, dass du Tage brauchen würdest, bist du dich entscheidest«, sagte Dannie. »Ich bin überrascht, dass du nur eine Stunde gebraucht hast.«
»Vielleicht bin ich in der Zeit, wo du fort warst, etwas erwachsen geworden«, entgegnete ich.
Sie lächelte mir halb grinsend zu, so, wie ich es von ihr kannte. »Vielleicht«, gab sie mir zur Antwort.
Wir starrten uns an, unsere Augen trafen sich, jeder versuchte zu lesen, was sich hinter ihnen verbarg.
»Okay, ich bin bereit«, sagte Frank und kam aus dem Badezimmer gestürmt. »Gehen wir?«
Ich unterbrach den Blickkontakt-Wettbewerb, um Frank ansehen zu können.
»Ja, wir gehen.«
FÜNF
Bekomm ein Stück von dem Fels

In der einen Sekunde standen wir zusammengekauert wie eine Gruppe Obdachloser an einer Straßenecke, die beobachtete, wie die Kontrolle in einem Mix aus Neugier und Langweile den toten Wendigo entfernte.
In der nächsten befanden wir irgendwo in der Mitte von Neuseeland, vor einem untätigen Vulkan, wo der Drache namens Tarakona sein Versteck errichtet hatte.
»Was zur Hölle ist das?«, fragte Amos, als wir uns nach unserer Reise wieder materialisierten. Für einen Moment hatte ich geglaubt, seine Resistenz gegen Magie hätte dazu geführt, dass sein Hintern vorne war oder so was. Das wäre die Reise schon wert gewesen.
»Warum sind wir hier, nicht dort?« Er zeigte auf den Vulkan. Da hatte er recht. Wir waren rund zehn Meilen entfernt.
Warum?
Ich drehte mich zum Tod. »Nun?«
»Irgendwas stimmt nicht«, sagte er. Ich verstand nicht, wie ein Beinahe-Gott besorgt sein konnte, aber er war es. »Wir sollten drin sein. Irgendwas blockiert meine Magie.«
»Etwas oder jemand?«, fragte ich. »Samedi?«
»Ich bin nicht sicher«, entgegnete er. »Selbst meine Versuche, ins Innere des Berges zu schauen, werden blockiert.«
»Ich bin ziemlich sicher, dass das nicht gut ist«, stellte Frank fest.
»Ich auch«, stimmte ich zu. »Könnte Samedi wissen, hinter was wir her sind?«
»Schon möglich, aber er würde nicht wissen, wo es zu finden ist. Nicht so schnell. Aber Tarakona hatte mir damals dabei geholfen ihn einzufangen.«
»Was bedeutet, dass er nicht allzu glücklich mit ihm ist«, stellte Amos fest.
»Wir müssen da hinein«, sagte ich. »Tarakona könnte in Gefahr sein«
»Nicht könnte, Conor«, erwiderte der Tod. »Ist. Es tut mir leid, ich kann euch nicht näherbringen, und ich wage es nicht, weiter heranzugehen. Hier ist Dunkle Magie am Werk. Starke Dunkle Magie.«
»Und du hast davor Angst?«, fragte ich. »Du bist der Tod.«
»Der Tod ist nicht dunkel«, erwiderte er. »Das ist eine Sache, die du lernen musst.«
»Es gibt nicht einen lebendigen Zauberer, der Todesmagie mag, daher sage ich, du hast mit dieser Aussage unrecht«, erwiderte ich.
»Wie auch immer. Tarakona hat den Zauberspruch. Tarakona ist da drin. Das bedeutet, wir müssen da rein.«
»Ich bin dabei, Boss«, sagte Frank.
»Ich auch«, sagte Dannie.
Sie hatte nicht mal wirklich eine Waffe, aber sie hatte keine Angst davor, direkt in den Sturm zu laufen. Das brachte mich nur dazu, mich noch schlechter zu fühlen.
»Amos?«, fragte Frank.
Amos sah zu dem Vulkan und dann wieder zurück zu uns. »Vielleicht sitze ich das hier aus. Ihr könnt mich dann wieder aufsammeln auf eurem Weg wohin auch immer, solange es nicht dorthin ist.«
»Das tut mir leid«, sagte Dannie und ging zu ihm hinüber. »Hat dir jemand das Gefühl gegeben, du hättest eine Wahl? Komm jetzt.«
»Das ist ein langer Marsch«, jammerte er.
»Fünf Meilen oder so«, sagte Frank. »Das ist ein gutes Training.«
»Und das kannst du gebrauchen«, sagte ich.
»Och. Okay.« Er fing an, auf den Vulkan zuzulaufen. »Dunkle Magie? Samedis Geist war in deinem Würfel, und ich habe gesehen, was du mit dem Würfel anstellen konntest. Wir sind so am Arsch. Das weißt du, oder?«
»Auf diese Weise kommst du aus der Sache nicht raus«, sagte Dannie. »Lauf einfach weiter.«
Ich sah zu dem Tod. »Was ist der Unterschied zwischen Dunkler Magie und Magie des Todes?«
»Der Tod ist ein natürlicher Teil des Lebens«, gab er mir zur Antwort. »Es gibt nichts Natürliches an Dunkler Magie. Erinnerst du dich daran, was ich dir über die magischen Felder und wo sie herkommen gesagt habe?«
»Das war vor gerade mal dreißig Minuten.«
»Die Energie bewegt sich in natürlichen Bahnen, erschaffen durch die Ebbe und Flut im Kern des Planeten. Dunkle Magie ist ein Anzapfen der Quelle.«
»Der Kern der Erde?«
»Das ist der Grund, warum die Felder stärker werden, je tiefer du gehst. Das ist der Grund, warum die Unsterblichen dort geschlafen haben.«
»Die Unsterblichen. Tarakona. Du. Wer noch?«
»Das spielt keine Rolle. Sie schlafen noch immer.«
»Dann lasst sie uns nicht aufwecken.«
»Genau.«
»Also, Samedi ist Kohle und wir sind Solar, richtig?«
»Ich weiß nicht, was das bedeutet.«
»Ich werde diese Analogie verwenden, falls jemand fragt.« Ich drehte mich zu den anderen um. Sie gingen ohne mich los. »Was wirst du tun, während wir direkt in einen verfluchten Albtraum laufen?«
»Samedi suchen.«
»Du bist dir also sicher, dass er nicht hier ist?«
»Er war vielleicht hier gewesen. Jetzt ist er es nicht mehr.«
»Woher weißt du das?«
»Er hat eine Präsenz, Conor. Du bist durch eure gemeinsame Geschichte mit ihm verbunden. Du wirst es auch spüren.«
Die Antwort gefiel mir nicht. Ich wollte es nicht wissen, wenn Samedi in der Nähe war. Es war besser, überrascht zu werden.
»Conor, komm schon«, rief Dannie und sah zu mir zurück.
»Weiß sie es?«, fragte ich erneut.
Der Tod verschwand. Arschloch.
Ich joggte zu den anderen, holte sie schnell ein, musste aber dann hustend pausieren. Ich wusste, dass ich mich daran gewöhnen musste. Der Verlust meiner Hand hatte mich stärker gemacht. Noch kränker zu werden, machte mich ebenfalls stärker. Ich wusste, dass ich alle magische Kraft benötigen würde, die ich bekommen konnte. Ich musste nur einen Weg finden, nicht schlapp zu machen, am Leben zu bleiben, bis ich die Chance hatte, mich selbst zu töten, indem ich Samedi übermannte.
Würde das besser klingen, wenn ich es laut aussprach? Ich bezweifelte es.
Wir vier liefen weiter, das offene Feld ging in einige Baumreihen und andere Vegetation über, je näher wir kamen. Wir waren noch einige Meilen entfernt, als ich anfing, die Dunkle Magie zu spüren. Sie war wie eine Spinne, die in mein Ohr gekrochen und dort gestorben war. Ich steckte meinen Finger in ein Ohr, kratzte daran, als ob ich sie herausholen könnte.
»Was machst du da, Glatzkopf?«, sagte Amos, der als Erstes meine Reaktion bemerkte.
»Fühlst du es nicht?«, wollte ich wissen.
»Was fühlen?«, wollte Dannie wissen.
»Ein Jucken in deinem Kopf. Als ob ein Käfer oder so was dort wäre.«
»Nö«, sagte Amos.
»Ich auch nicht«, stimmte Frank zu.
»Vielleicht ist da ein Käfer in deinem Ohr«, fügte Amos hinzu.
»Einfaches Problem, einfach Erklärung.«
»Da ist nichts in meinem Ohr«, schnauzte ich.
Ich fing an, mich kalt zu fühlen. Ich zitterte unter meinem Mantel, hob meine andere Hand, um damit das andere Ohr zu kratzen, bis ich realisierte, dass ich das nicht konnte. Es überraschte mich, wie schnell ich fast vergessen hatte, dass meine Hand abgehackt worden war. Ich schielte zu Dannie, als ob sie mir irgendwie helfen könnte.
»Ich fühle keinen Juckreiz«, sagte Amos. »Aber ich mag das Gefühl hier draußen nicht. Es ist verdammt gruselig.«
»Das ist die Dunkle Magie«, erwiderte ich.
Ich konnte jetzt ein leises Ächzen hören, wie ein Holzschiff in einem Sturm. Es erfüllte meine Sinne. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich die Dunkle Magie hören konnte. Ich atmete ein, versuchte sie an mich zu ziehen. Es gelang. Ich konnte spüren, wie mein Körper noch kälter wurde, als ich ein wenig mehr von der magischen Energie einsog. Der Tod hatte gesagt, dass die zwei Arten der Magie nicht verwandt waren, warum konnte ich sie dann aber hören? Warum konnte ich sie verwenden? Benutzen, wie? Ich wusste nicht, was ich mit ihr tun sollte. Ich drückte sie nach außen und richtete sie auf einen Busch. Er welkte und starb nicht, wie ich es vielleicht erwartet hatte. Er verwandelte sich, wurde schwarz, Dornen wuchsen auf seinen Zweigen. Eine große Knolle erschien auf seiner Krone, öffnete sich und zeigte in dem Moment, wo er nach Dannie schnappte, Reihen aus scharfen Zähnen.
Er erreichte sie nicht. Das Echo der Schrotflinte ertönte, der neue Kopf der Pflanze explodierte unter dem Druck des Schrots.
»Hier hast du einen grünen Daumen«, sagte Amos und lachte über das Ergebnis.
»Scheiße«, sagte ich und starrte die Überreste an. »Das wollte ich nicht.«
Der Tod hätte mich warnen sollen, dass ich meiner Magie treu bleiben sollte. »Das tut mir leid, Dannie.«
»Das war gleichzeitig total cool und erschreckend«, sagte Frank.
»Das Mistding sah aus, als ob es deinen Arm mit einem Biss abtrennen könnte.«
»Nicht sehr hilfreich«, sagte ich.
Ich hustete erneut, fühlte mich noch immer wie ein Idiot. Eigentlich sollte ich es besser wissen, anstatt mit Magie rumzuspielen, die ich nicht verstand. Aber die Maske hat mir für eine gewisse Zeit Zugang zu anderen magischen Feldern gegeben, wenn ich eine der gefangenen Seelen aus dem Würfel benutzt hatte. Ich war stets in der Lage gewesen, die Magie zu kontrollieren. Durch die involvierte Seele hatte ich immer ein Verständnis für die Magie gehabt. Das hier war nicht dasselbe. Es war ein direkter, unvermittelter Zugang. Wie ein verlockendes Flüstern.
Höre mich. Benutze mich. Werde unsterblich. Werde wie er oder noch besser, werde zu ihm.
Ich wusste, wer dieser ER in dem Lied war. Ich hatte Angst vor dem Tod, aber noch mehr Angst vor Samedi. Ich hatte genug von Dunkler Magie.
»Amos hat es getötet«, sagte Dannie. »Nichts passiert.«
Von ihren Lippen in andere Ohren. Kaum hatten die Worte ihren Mund verlassen, fing der Boden an zu wackeln.
SECHS
Diese Knochen

Ernsthaft?“, sagte Amos und sein Kopf ging hin und her. „Hat sich dieses Klischee jetzt wirklich so bewahrheitet?“
Auch Frank scannte die Umgebung, sein vergrößertes Auge war wahrscheinlich etwas hilfreicher als Amos Knopfaugen. Der Boden wackelte noch immer und in einiger Entfernung konnte man ein Grollen vernehmen. Ich gesellte mich zu den anderen und wir bildeten einen engen Keil. Wir warteten darauf, welche Gefahr sich auftun würde. Der Busch direkt vor uns fing an zu wackeln, wurde herumgeschleudert oder niedergetrampelt. Frank stützte sich auf seine Hände wie ein Linebacker. Danelle zog ein Messer. Von woher? Ihre Jeans taten ihr Bestes, ihren Hintern gut zur Geltung zu bringen. Sie sollten es nicht ermöglichen, eine Waffe zu verbergen.
Ich war unbewaffnet und einhändig.
Aber ich konnte die Dunklen Felder hören, sie spüren. Und ich konnte auch die chaotische Symphonie der Magie des Todes hören, die nach mir griff von unterhalb der Erde. Ich zog an ihr, sammelte sie und bemerkte, wie sich meine Speicherkapazität aufgrund meines schlechten gesundheitlichen Zustands verändert hatte. Ich wusste nicht, was ich mit der Magie tun sollte. Kurz überlegte ich, das Buch mit den Zaubersprüchen hervorzuholen und darin nach einer Lösung zu blättern.
Dazu fehlte jedoch die Zeit. Die Vegetation vor uns öffnete sich. Die Dinger, die durchkamen, waren nicht von dieser Welt. Oder zumindest waren sie seit langer Zeit nicht mehr Teil dieser Welt gewesen. Es waren Hunderte von ihnen, jedes einzigartig, jedes individuell. Sie bestanden aus Knochen, Tausende und Tausende Knochen, die aus der Erde geholt und mithilfe der Dunklen Magie von Samedi zusammengeflickt worden waren. Einige waren verfault und andere fielen auseinander. Manche sahen frisch und fast sauber aus. Es gab welche, die mit Moos bedeckt waren oder die noch Fleisch auf den Knochen hatten. Einige waren klein, einige groß.
Und alle hatten sie Zähne.
»Ich weiß nicht, ob ich lachen soll oder nicht«, sagte Amos.
Sie stürmten auf uns zu, ihre Gestalten klapperten, aber ansonsten waren sie still. Amos drückte ab und sandte eine Ladung Schrot in die vorderste Reihe. Eine der Kreaturen verlor den Zusammenhalt und explodierte in einer Sauerei aus Knochenmark. Einige andere verloren einen Finger oder einen Fuß, taumelten leicht, kamen aber dennoch weiterhin auf uns zu.
Er feuerte erneut mit einem ähnlichen Ergebnis, bevor er den Gewehrlauf öffnete und für zwei weitere Runden nachlud.
»Wünschte, ich hätte ein paar Granaten«, sagte er, schloss die Schrotflinte und nahm sie wieder in Gebrauch.
Frank brüllte und rannte auf die Reihe der Angreifer zu. Er schnappte sich ein paar von ihnen mit seinen Händen, als sie in ihn hineinliefen, zerdrückte und zerlegte sie, warf sie zur Seite und schleuderte zwei weitere in die nächsten Büsche. Einige von ihnen umkreisten ihn, bissen in seine Arme und Beine. Ihre Zähne vergruben sich in seinem Fleisch, aber er griff nach ihnen und warf sie zur Seite, die Pusteln seiner Haut öffneten sich und heilten die Wunden.
Ich stellte mich vor Dannie, meine gute Hand bereit für Magie.
»Ich brauche dich nicht zu meinem Schutz, Conor«, sagte sie.
»Du hast ein Messer. Das ist nicht wirklich eine effektive Waffe, um Skelette zu bekämpfen.«
»Ich glaube, du vergisst etwas.«
Ich drehte meinen Kopf, um sie anzusehen. »Was?«
Sie tanzte um mich herum, fand einen der Angreifer, kickte ihm hart seitlich an den Kopf und stieß ihn fort.
»Ich habe meine Beine zurück«, sagte sie.
Ich beobachtete, wie sie sich zu Frank an die vordere Front begab, ihr Messer wie einen Speer nutzte, die Knochenmonster damit aufspießte und wegstieß. Ich zuckte jedes Mal zusammen, wenn es so aussah, als ob ihr eines zu nahe kommen würde, nur um mich dann enorm erleichtert zu fühlen, wenn sie ihm geschickt auswich und dann seinem Kopf einen mächtigen Tritt verpasste. Sie war immer schon ziemlich badass gewesen, selbst nachdem sie im Rollstuhl gelandet war. Und jetzt? Ich versuchte herauszufinden, worum ich mir Sorgen machen musste.
»Wirst du auch etwas Sinnvolles beisteuern?«, fragte Amos und sah in dem Moment zu mir, als er seine fleischigen Hände nutzte, um eine der Kreaturen zur Seite zu werfen. »Oder spielst du einfach weiter mit dir selbst?«
»Was willst du, das ich tue?«, fragte ich. »Ich bin kein Troger oder verfickter Ninja.«
»Und du sollst die Welt retten?« Er schnaufte verärgert, benutzte den Griff der Schrotflinte wie einen Golfschläger und rammte ihn in eine der Kreaturen.
Die drei zusammen machten einen unglaublichen Job. Die Knochenkreaturen wurden fast so schnell in Stücke gehauen, wie sie angestürmt kamen. Ich war eifersüchtig auf ihre Fähigkeiten, ohne dabei Magie verwenden zu müssen. Dannie hatte mir das Kämpfen beigebracht, daher war ich nicht komplett nutzlos auf diesem Gebiet, aber meine fehlende Gliedmaße gab mir das Gefühl, es dennoch zu sein. Ich wusste, dass es nur egoistischer Mist war, mich in diesem Moment selbst zu bemitleiden. Ich kann mich dafür noch später etwas mehr hassen.




