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Außerdem hatten sie den Kampf unter Kontrolle. Knochen bedeckten den Boden um uns herum, während sie die Kreaturen erledigten, wobei Frank die Ehre hatte, die letzte zu zerstören, indem er das Ding in den Boden stampfte. Sobald es in Stücken vor ihm lag, drehte er sich um und sah mich mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht an.
»Das hat Spaß gemacht«, sagte er. »Schade, dass keine mehr übrig sind.«
»Pass auf, was du dir wünschst«, sagte Dannie. »Wir haben den Vulkan noch nicht erreicht.«
»Verflucht noch mal«, sagte Amos.
»Was ist los?«, wollte ich wissen.
Er hielt seinen Arm nach oben. Sein Mantel hatte dort ein Loch.
»Das ist mein Lieblingsmantel. Du schuldest mir einen neuen, Glatzkopf.«
»Du kannst ihn dir im Leben nach dem Tod abholen«, sagte ich.
»Lasst uns weitergehen.«
Ich überließ Frank die Führung, während ich das Buch mit den Zaubersprüchen herausholte und anfing, darin zu blättern. Ich fand eine Inkarnation, die mich stutzen ließ.
»Frank, bleib stehen«, sagte ich.
Er blieb stehen und sah zu mir zurück. »Was ist los, Boss?«
»Gib mir eine Minute.«
Ich kehrte zu den Nachwehen des Angriffs zurück, zu den Knochenhaufen, die statt unter der Erde auf der Erde lagen. Ich nahm die magische Energie, die ich gesammelt hatte und flüsterte, verteilte sie so entlang des Feldes und bedeckte den Boden mit einem sanften, schwarzen Schatten.
»Ich hasse Nekros«, sagte Amos und beobachtete mich.
»Zumindest reanimiert er keine Kinder«, warf Frank ein.
Ich ignorierte beide. Ich konnte Tausende Ranken aus der Magie wachsen sehen, die die Knochen berührten. Ich konnte die Seele eines jeden spüren, wenn sie es taten. Die meisten Knochen gehörten zu Schafen, was nicht überraschend war in Anbetracht der Umgebung, in der wir uns befanden, und ich dachte zunächst, dass ich nicht finden würde, wonach ich suchte.
Doch dann tat ich es. Knochen, die zu einem Menschen gehörten. Zu demselben Menschen gehörten. Ich griff nach ihnen, fühlte, wie die Ranken anfingen sich zu bewegen und die Teile zusammenbrachten.
Ich ging zu dem Skelett hinüber und legte ihm meine Hand auf. Normalerweise benutzte ich den Namen des Individuums, um es zurück in diese Welt zu holen. Das gab mir mehr Kontrolle. Ich kannte den Namen des armen Typen nicht, aber die wachsende Kraft gab mir genug Macht, ihn zu beruhigen.
Sein Kopf drehte sich, um mich ansehen zu können. »He aha i roto i te ingoa o nga atua«, sagte er. »E e koe. Te wahi e ahau i …«
»Gute Arbeit, Glatzkopf«, sagte Amos. »Ich glaube, du hast einen Einheimischen gefunden.«
Ich hielt das Skelett mit meiner Magie, benutzte sie, um ihn zu beruhigen.
»Ich muss keine Unterhaltung mit ihm führen«, entgegnete ich.
»Was willst du dann mit ihm?«, wollte Frank wissen.
»Wir sind auf dem Weg zu dem Versteck eines unsterblichen Drachen, verseucht mit Dunkler Magie. Was denkst du, wofür wir ihn brauchen?«
»Ich weiß es nicht.«
»Er wird ihn als Späher benutzen«, erklärte Dannie. »Conor kann durch die Augen jener sehen, die er kontrolliert.«
»Das Ding hat keine Augen.«
Ich schloss meine, benutzte die Magie und transferierte mich in das Maori-Skelett. Frank hatte recht, die weniger soliden Teile des Körpers waren bereits vor mindestens hundert Jahren gegessen worden. Das war der Punkt gewesen in dem Spruch, den ich gefunden hatte. Er beschrieb, wie man die magische Energie verwenden konnte, um die eigene Sehkraft auf das Skelett zu übertragen.
»Ich brauche jemanden, der mich trägt«, sagte ich. Ich konnte nicht gleichzeitig mit meinen Augen und mit denen des Skeletts sehen.
»Sieh nicht mich an«, sagte Amos. »Ich trage bereits genug Gewicht mit mir rum.«
»Wessen Schuld ist das?«, fragte Dannie.
»Was? Ich esse nun mal gerne.«
»Und schlafen. Und f…«
»Das müssen wir nicht wissen«, unterbrach ich sie.
»Ich wollte furzen sagen«, sagte Dannie.
»Das wolltest du nicht.«
»Was in Vegas passiert, Skeletor«, sagte Amos lachend. »Lassen wir auch alles dort.«
»Ich trage dich«, sagte Frank.
Ich konnte durch den Sinn des Skeletts sehen, wie er mich hochhob und über die Schulter warf. Ich sah winzig aus.
»Okay, Skeletor«, sagte Amos. »Zeig uns den Weg.«
SIEBEN
Fahrstuhlmusik

Ich hatte keine Probleme damit, das Skelett in Bewegung zu halten, nicht mit der Kraft der magischen Felder um mich herum und der körperlichen Nähe zu mir. Wir trotteten ziemlich glücklich dahin und verhielten uns relativ ruhig, um einen erneuten Ansturm an Knochenkreaturen in unsere Richtung zu vermeiden. Der Weg der ersten Welle war leicht zur Quelle zurückzuverfolgen. Diese stellte sich bald als eine Art magische Falle heraus, die so ausgerichtet war, dass die Höllenhunde losgelassen wurden, sobald ein lautes Geräusch, zum Beispiel das eines Gewehrschusses, erklang. Es war leicht sich vorzustellen, was hätte passieren können, wenn wir in den Bereich geraten wären, wo sie versammelt waren. Mein Leichtsinn von vorher war vergessen mit dem Wissen, dass es besser gewesen war, die Kreaturen auf uns zurasen zu lassen, als mitten in ihre Reihen hineinzumarschieren.
Ich schickte mein Alter-Ego voraus, als wir die Kilometermarkierung zum Vulkan erreichten und auf die leicht abgenutzte, kaum sichtbare Straße traten, die ich zusammen mit Tarakonas zweiter Hälfte, Peter, vor nicht allzu langer Zeit bereist hatte. Ich wusste, dass die Straße uns zum Eingang der geheimen Höhle führen würde, rein in den Berg und dann zum Aufzug, der uns nach unten zu Tarakonas Versteck bringen würde. Ich war nervös bei dem Gedanken, was wir vorfinden würden. Wenn Dunkle Magie den Vulkan so stark umgab, dass sogar der Tod nicht eintreten konnte, bedeutete dies dann im Umkehrschluss, dass Tarakona nicht heraus konnte? Entweder das, oder der Drache selbst war für den Schleier verantwortlich. Ansonsten hätte ich erwartet, dass er über der Gegend herumfliegen würde, als ob sie Erebor wäre. Könnte die Dunkle Magie das Werk von Tarakona selbst sein? Ich konnte es nicht ganz ausschließen, obwohl es nicht sein Stil war. Es sei denn, es war sein Ziel, den Tod draußen zu halten und damit auch mich. Die Knochenkreaturen schienen mehr eine Samedi-Sache zu sein, aber vielleicht war er auch wütend auf mich, weil ich ihm Kirin nicht überlassen hatte. Es gab keinen Weg, diese Möglichkeit auszuschließen. Wenn ich die Wahl hatte, einen Lich oder einen Drachen zum Feind zu haben, musste ich sagen, dass beides beschissen war.
Mein Körper blieb bei den anderen zurück, während das Skelett weiterging. Ich fühlte, wie mein Verbindungsfaden sich ausbreitete, und war über die Fähigkeit überrascht, selbst über eine längere Distanz mit ihm in Verbindung bleiben zu können. Das bedeutete nicht, dass ich die Verbindung bis ins Unendliche aufrechthalten konnte, aber ich sollte zumindest in der Lage sein, Maury bis zum Ende der Höhle zu bringen, während wir noch oben waren.
»Das ist ein blöder Name«, sagte Amos, als ich zu mir selbst zurückgekehrt war und ihnen ein Update zu dem Status des Skeletts gab.
»Er war der erste, der mir in den Sinn kam«, erwiderte ich. »Was spielt es für eine Rolle?«
»Es gibt mindestens zehntausend Namen, aus denen du hättest wählen können, die nicht dumm sind. Aber das hast du nicht. Ich hätte es wahrscheinlich erwarten sollen.«
»Ich nenne den anderen Amos, um den Trend fortzuführen.«
Das entlockte zumindest Frank ein Lachen.
Ich kehrte zu Maury zurück. Es fühlte sich noch immer etwas seltsam an. Und der Eingang zu Tarakonas Tunneln war noch seltsamer. Er war so groß, dass die Energie die Seitenwände nicht erreichen konnte, was mich dazu zwang, durch den Raum zu navigieren, ohne ein Gefühl dafür zu haben, wo die Wände waren. Ich kämpfte damit, Maury in die richtige Richtung zu bewegen. Ich lenkte ihn einige Male in die falsche Richtung, verschwendete wertvolle Minuten, in denen ich auf der Suche nach einer Wand herumstolperte, um ihn dann endlich zum Fahrstuhl zu führen.
Ich war unangenehm überrascht, dass nichts auf der Oberfläche zu finden war. Insbesondere keine Zeichen von Tarakonas Wachen oder Dienern, weder tot noch lebendig. Entweder hat er sich zurückgezogen, um für jeden Idioten, inklusive mir, den Eindruck zu erwecken, dass er freien Eintritt hatte, oder sie waren tiefer in das Versteck befohlen worden, um ihren Herrn dort zu verteidigen. Beide Alternativen waren beschissen aus offensichtlichen Gründen und ich wusste nicht, welche ich bevorzugte.
Wir hatten keine andere Wahl, als uns nach unten zu begeben. Unser Glück war, dass wir einen Lockvogel hatten, den wir zuerst schicken konnten.
Wir gruppierten uns vor den Fahrstühlen neu. Die Dunkle Magie war hier sehr dicht und wurde immer dichter, die Geräusche ließen meinen Kopf beinahe pulsieren. Als zweiten Effekt überdeckte sie auch meine Fähigkeit, die Felder der Todesmagie zu hören, was wiederum die Verbindung zu Maury schwächte.
Ich bewegte ihn zu dem Fahrstuhl und wollte ihn nach unten schicken, aber ich war mir nicht sicher, ob ich noch immer Kontrolle über ihn haben würde, sobald er unten angekommen war.
»So«, sagte Danelle und fing eine Unterhaltung an, obwohl ich ihr nicht antworten konnte. »Was hat sich zwischen dir und Miss Red überhaupt abgespielt?«
Ich verlor beinahe die Kontrolle über Maury, als sie diese Frage stellte. Fragte sie mich wirklich genau jetzt danach?
»Ach, genau«, antwortete Amos an meiner Stelle. Das war nicht gut. »Du hast nichts davon gehört, da Conor ja dafür gesorgt hatte, dass du getötet wurdest. Miss Red verendete während einer Geburt.«
»Was? Ich war nicht so lange tot, und wir beide wissen, dass du nicht …«
»Kein menschlicher Wadenbeißer. Ein Drache. Tarakonas Kind. Hey Conor, das Kind sollte auch dort unten sein, oder?«
Ich zuckte bei dieser Bemerkung zusammen. Ich hatte nicht an Ashiira gedacht. Falls Tarakona in Gefahr war, dann war sein Sohn in noch größerer. Sie sagen, wenn jemand über dich redet, werden deine Ohren anfangen zu brennen. Ich dachte an Ashiira und im selben Moment fing das Drachenbild auf meiner Schulter an zu brennen.
»Fuck«, sagte ich und tastete danach. Ich legte meine Hand darauf und zog sie schnell wieder weg. Das Bild schälte sich ab.
»Was ist los?«, fragte Danelle.
»Ashiira ist in Gefahr«, sagte ich.
Natürlich holte mich diese Ablenkung zurück in meinen Körper und ich verlor die Kontrolle über Maury. Ich fluchte erneut, als die Verbindung kappte und das Gummiband der Magie hart gegen meinen Magen schlug.
»Conor?«, fragte Frank leicht besorgt.
»Wir müssen da runter«, sagte ich.
»Wir wissen nicht einmal, in was wir da hineinlaufen«, entgegnete Amos.
»In irgendwas Beschissenes«, antwortete ich. »Du bist immun gegen Magie. Du gehst zuerst.«
»Ich bin nicht immun, Skeleton. Ich bin resistent. Da ist ein ziemlich großer, verfickter Unterschied.«
»Das ist um einiges immuner als beim Rest von uns.«
Amos grunzte. »In Ordnung, reiht euch hinter mir auf. Jesus!«
Wir gingen zum zweiten Fahrstuhl, stiegen ein und überließen es Amos, die Türen zu decken. Er hielt die Schrotflinte in der einen Hand, während er mit der anderen eine Pistole hervorholte.
»Du kannst das Ding nicht mit einer Hand bedienen«, sagte Frank.
»Hast du schon mal den Film gesehen, wo der Typ voll in Action ist und dann nur mit einer Hand nachlädt?«, fragte Amos.
»Nein.«
»Ich schon. Danach war ich besessen davon, dass auch zu können. Das schwerste daran ist, mehr Munition zu fassen zu bekommen.« Er drehte die Schrotflinte auf die Seite und offenbarte eine Art magnetischer Halterung, die ein Dutzend Magazine hielt.
»Nicht so schwer, wenn man das hier hat.«
»Umwerfend«, sagte Frank.
Ja, es war alle total verfickt umwerfend. Ich blätterte schnell durch das Buch mit dem Zaubersprüchen. Ich konnte Maury reanimieren, sobald wir unten angekommen sind, aber ich wusste nicht, ob ich das wollte. Meine Magie würde noch stärker werden, je weiter wir nach unten kamen, was mir die Option eröffnete, Sprüche zu nutzen, die ich noch nie zuvor hatte verwenden können. Selbst in Zeiten wie diesen, in denen Ashiira nach meiner Hilfe rief, war ich egoistisch. Würde ich es schaffen, lange genug kein Arschloch zu sein, bis der Job erledigt war?
Der Fahrstuhl wackelte, als der Berg wackelte, wir wurden leicht hin und her geworfen und der Fahrstuhl neigte sich einige Fuß, als ob er sich von dem Kabel trennen wollte. Frank hielt sich an den Seitenwänden fest, sein bereits grünes Gesicht wurde noch grüner. Amos lachte. Dannie stand einfach da, wie immer komplett professionell.
Ich griff nach den frischen Ranken aus magischer Energie, die sich von unten nach oben schlängelten und holte tief Luft. Ja, es war Todesmagie, aber sie machte mich lebendiger. Oder so was.
»Get ready to rumble«, sagte Amos und strich sich mit der Pistolenhand über seinen Afro, als ob er sich für ein Date bereit machte. Ich konnte spüren, wie nahe die Überreste von Maury waren. Wir waren fast unten angekommen. Ich hielt meine Hand nach oben und starrte für einen Augenblick auf die Dunklen Wirbel, die sie umgaben.
»Das meiste, was du tust, lässt mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen«, sagte Frank. »Aber das ist ganz schön cool.«
Ich musste ihm zustimmen.
Das war es.
ACHT
Asche, Asche

Ich wusste nicht, was ich erwarten sollte, wenn sich die Türen des Fahrstuhls öffnen würden.
Ich wusste, was zuvor dagewesen war. Die glatten Korridore, in den Stein gehauen, die unterschiedlichen Räume der vielen Anhänger von Tarakona. Den einen speziellen Raum mit dickem Glas, der eine direkte Interaktion mit dem Drachen erlaubte.
Ich wusste auch, dass etwas vor sich ging. Etwas Schlimmes. Aber das war nichts Neues. Schlimme Scheiße ereignete sich seit dem Tag, an dem ich die zwei Oger getötet und den Job geklaut hatte, um in das Haus von Red einbrechen zu können. Streicht das. Schlimme Scheiße passierte, seitdem Samedis Würfel nach mir gerufen hatten, damals in New Orleans, mich eingelullt hatten mit ihrem Versprechen von Macht und mich die mit Scheiße gepflasterte Straße bis zu dieser Metallbox geführt hatten.
Nein. Die schlimme Scheiße hatte noch früher begonnen. Ich war krank geworden. Von da an war bereits alles bergab gegangen.
Die Metallbox berührte den Boden. Von den ganzen Idioten, die darin versammelt waren, war ich wahrscheinlich der angespannteste. Meine Hände zitterten vor Erwartung, die Dunkle Energie schwebte um mich herum. Amos platzierte einen Fuß vor den anderen, stellte sich wie eine Mauer vor uns und hielt seine Waffen bereit.
Die Türen fingen an aufzugehen.
Ein Blitz durchzuckte den Raum und traf Amos frontal. Ich konnte sehen, wie die Energie an seinem Mantel entlangkroch und dann seitlich auswich und versuchte, uns zu umzingeln und zu kochen, so, als ob wir in einer verfickten Mikrowelle standen. Ohne groß darüber nachzudenken, streckte ich meine Hand aus und berührte die Seite des Fahrstuhls.
Ich konnte die Elektrizität der Magie spüren und auch wie sie sich auflöste, als sie mit mir in Kontakt kam. So schnell, wie sie erschienen war, so schnell war sie wieder weg, verschluckt von der Dunkelheit, die mich umgab.
»Fuck, ja!«, sagte Frank.
Amos grunzte und bewegte sich nach vorne in den Flur hinein. Seine Schrotflinte feuerte und ich sah jemanden unter dem Aufprall zusammenbrechen. Er feuerte die Schrotflinte mit einer Hand, lud sie wieder, während er mit der Pistole feuerte, und uns Platz gab, damit wir aussteigen konnten. Ich suchte wieder nach Maury, fand das Skelett in der Nähe und brachte es zum Leben. Ein schneller Blick durch seine Augen zeigte mir, womit wir es zu tun hatten. Tarakonas Diener waren alle getötet und wiederbelebt worden, zusammen fast dreißig von ihnen.
Und ganz hinten? Peter, Tarakonas Top-Zauberer. Er war derjenige gewesen, der den Blitz auf uns geschleudert hatte, und er war gerade dabei, einen schönen, riesengroßen Feuerball zu erschaffen.
Ich wäre wütend auf ihn gewesen, wenn er noch immer er selbst wäre, aber es schien, dass Samedis Fähigkeit, die Toten zu reanimieren, meine um Meilen schlug. Peters Kehle war schön durchgeschnitten und er hatte offensichtlich einige Zeit als Leiche verbracht, bevor er als böser Peter zurückgeholt worden war, der auch noch die komplette Kontrolle über seine Magie besaß. Tod hatte uns ja schon gesagt, dass es so sein würde. Samedi hatte einen endlosen Vorrat an Soldaten, die er seiner Armee hinzufügen konnte, und jedes Lebewesen, das er tötete, würde ein totes Wesen werden, das er benutzen konnte. Sie hatten die Pole umgekehrt und die gesamte Magie vernichtet, um ihn davon abzuhalten, das Ende der Welt herbeizuführen. Und jetzt sollte ich das tun, was die mächtigsten Kreaturen im Universum nicht konnten? Was der Tod nicht konnte und Tarakona nicht, und wer wusste schon, wer sonst noch alles nicht?
Ich befahl Maury nach vorne, er rannte auf Peter zu, bevor dieser seinen Spruch beenden konnte. Der untote Zauberer sah ihn in letzter Sekunde kommen, leitete die Flammen auf das Skelett um und ließ sie frei. Ich konnte den orangefarbenen Lichtschein durch meine eigenen Augen sehen und spürte, wie der Faden meiner Magie sich auflöste, als die Knochen zu Asche wurden.
»Peter ist dort hinten«, sagte ich und warnte Amos. »Er hat gerade Maury getoastet.«
»Aww, fuck«, entgegnete Amos.
Er trat zur Seite und gab so Frank Platz. Der Troger rannte nach vorne, griff sich Zombies und warf sie gegen die Wände oder trennte ihre Köpfe ab. Tarakonas andere Anhänger waren keine Zauberer. Sie waren nicht einmal Magier. Die meisten waren Hauspersonal – die Männer und Frauen, die den Drachen versorgten und sein Nest sauber und funktional hielten. Sie hatten keine anderen Waffen als ihre Körper, und ihre Anzahl würde nur kurze Zeit gegen übermächtige Feuerkraft standhalten.
Peter war die wahre Bedrohung, und es war offensichtlich für mich, dass die anderen uns ablenken sollten, während er seine Magie betrieb.
»Dannie, wir müssen zu Peter gelangen«, sagte ich und schielte zurück in ihre Richtung.
»Wir?«, entgegnete sie.
»Ich kann alles, was er uns entgegenschleudert, neutralisieren. Du erstichst ihn.«
»Bist du dir da sicher?«
»Nein, aber hast du eine andere Idee?«
»Nein.«
»Amos, Frank, haltet uns die Zombies vom Hals«, sagte ich.
»Verstanden, Boss«, entgegnete Frank.
Er hatte ein breites Grinsen im Gesicht, als er sich einen der Untoten schnappte und ihn gegen einen anderen Zombie schleuderte. Ich wusste nicht, wie er das so genießen konnte, wie er es tat, aber irgendwie schien er an allem Freude zu finden.
Ich duckte mich zwischen Franks Beinen hindurch, um an ihm vorbeizukommen, Danelle war direkt hinter mir. Amos Schrotflinte hallte durch den kleinen Raum, die Zombies direkt vor uns explodierten und wir hatten mehr Platz. Wir schafften die halbe Strecke, bis Peters erste Attacke kam, noch ein dichter Feuerball, der die Luft aufsaugte, als er über die Meute fegte. Ich streckte meine magiegeladenen Hände in seine Richtung und beobachtete, wie die schwarze Energie auf die Flammen traf. Der Feuerball fing an zu schrumpfen, als die Dunkle Magie ihn erreichte, und erlosch schließlich zu nichts mehr als einer schwelenden Rauchwolke. Ich hatte sie in Schach gehalten. Aber nur gerade so.
»Conor!«, rief Danelle.
Ich drehte mich um und sah, wie ein Zombie sie an der Schulter packte und mit unmenschlicher Kraft zudrückte. Ich griff seine Hand, zwang meine Magie in ihn hinein und war überrascht, dass er sich unter meiner Berührung wieder in eine Leiche verwandelte.
Idiot. Natürlich, wenn ich heranfliegende Feuerbälle auflösen konnte, dann konnte ich auch die Magie entnehmen, die die Zombies antrieb.
»Bist du in Ordnung?«, fragte ich.
Danelle nickte.
»Ich habe eine Idee«, sagte ich.
»Welche?«
»Erstich mich.«
»Was? Machst du Witze?«
»Nein. Stich nicht irgendwo auf mich ein, wo ich sterben könnte. Nimm mein Bein oder so. Aber stich zu!«
Sie hatte das Messer tief in meinem Oberschenkel gerammt, bevor ich mit meinen Anweisungen fertig war.
Ich biss die Zähne zusammen und hoffte, dass mein Manöver funktionieren würde.
Das tat es. Als das Blut aus meiner Wunde floss, konnte ich spüren, wie meine Kapazität für Todesmagie anstieg. Es dauerte nur einige Sekunden, mein Körper verstand, dass das Ende näherkam. Ich fiel auf ein Knie, legte meine Hände auf den Boden und zog die Magie aus den dicken, magischen Fäden, die durch den Vulkan liefen. Ich sog so viel ein, wie ich konnte, schirmte mich gegen das Chaos um mich herum ab. Dann stöhnte ich laut auf. Eine dunkle Wolke breitete sich um mich herum aus, flog nach draußen und erfüllte den Flur. Die Zombies verloren ihre Magie und fielen erneut tot zu Boden, während die destruktive Magie sich ausbreitete und Peter auf die Schulter klopfte.
Der Zauberer stand am Ende des Flurs, sein Körper wurde noch blasser, während die Magie ihre Arbeit verrichtete. Dann lachte er, ein Lachen, das ich schon zu gut kannte. Die Macht einer Seele, für die Macht einer Seele.
»Du bist zu spät, Conor«, sagte er mit der Stimme von Samedi.
»Bis zum nächsten Mal.«
Dann verlor Peter sein Mojo und starb. Wieder.
NEUN
Drachenscheiße

Zu spät?«, sagte Frank und sah mich an. »Was meint er damit, zu spät?«
Ich glaubte die Antwort zu kennen. Und ich mochte sie verdammt noch mal nicht. Ich reagierte nicht auf Franks Frage, sondern rannte stattdessen zu dem Zimmer mit der Glaswand. Die Tür war bereits offen, aus den Angeln gehoben mithilfe von mächtiger Magie. Ich ging hinein und spannte mich an, als ich sah, wie das dicke Glas zwischen Tarakonas Lebensraum und diesem hier zersplittert war. Ich ging zum Rand und lehnte mich hinüber, meine Augen brannten, als ich den Berg an Schuppen am Boden erblickte.
»Ist er …?«, fragte Frank und beugte sich über mich.
»Tot? Ja.«
Die Stimme war von keinem von uns gekommen. Ich drehte mich herum, konnte aber zunächst nichts erkennen. Mein Blick traf die Zimmerecke und blieb an ein paar gelben Augen hängen.
»Conor?« Die Stimme kam von derselben Stelle wie die Augen.
»Der Lich hat ihn getötet. Einhunderttausend Jahre. All seine Magie. Sie war nutzlos.«
Die Augen bewegten sich nach vorne, die Schatten lösten sich um den Sprecher auf. Er war groß, dunkel und attraktiv. Wie aus Stein gemeißelt. Ohne Haare. Perfekt. Und perfekt nackt.
»Oje«, sagte Dannie neben mir. »Ich glaube, ich bin verliebt.«
»Ich auch«, sagte Frank. »Und ich bin nicht einmal schwul.«
»Kenne ich dich?«, fragte ich. Er schien mich zu kennen.
»Erkennst du mich nicht, Bruder? Nicht einmal meine Augen?«
Ich sah etwas genauer hin, die Wahrheit traf mich wie die Faustschläge von Frank. »Ashiira?«
Er nickte.
»Solltest du nicht, du weißt schon, ein Drache sein?«
Er nickte erneut.
»Warum bist du es dann nicht?«, wollte Amos wissen.
»Vater hat mich transformiert. Er hat mich in einen Menschen verwandelt, um mich vor dem Lich zu schützen. Er suchte nach Ashiira, dem Drachen. Nicht nach Ashiira, dem Mann.«
»Einem sehr gut aussehenden Mann«, warf Dannie ein.
»Dannie«, sagte ich. »Echt jetzt?«
»Eifersüchtig?«, fragte sie.
»Ort und Zeit«, antwortete ich.




