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»Wenn du so was, wie das hier, direkt vor dir hast, wäre es eine Schande, es nicht zu genießen.«
»Frank, kannst du mir einen Gefallen tun?«
»Was ist los, Boss?«
»Kannst du ein paar Klamotten suchen, die Ashiira passen?«
»Klar.«
»So schnell wie möglich.«
»Schon dabei.«
Frank stürmte aus dem Zimmer. Ich stellte mich zwischen Ashiira und Danelle. Er schien sich keine Gedanken wegen seiner Nacktheit zu machen, wahrscheinlich, weil Drachen sonst auch immer nackt sind. Das war eine Ablenkung, die ich nicht brauchte.
»Warum kam Samedi her?«, wollte ich wissen. »Wieso hat er deinen Vater getötet?«
»Vergangenheit«, sagte Ashiira. »Vater hatte geholfen, ihn einzusperren. Warum hast du uns nicht gesagt, dass er frei ist?«
»Ich kam so schnell, wie ich konnte«, erwiderte ich. Ich hielt meinen Stumpf nach oben. »Es war nicht wirklich ein Picknick gewesen.«
»Meine Entschuldigung, Bruder. Ich wusste nicht, dass du verletzt bist.«
»Ich hatte eigentlich gehofft, dass Tarakona für mich einen Ersatz fertigen kann«, fuhr ich fort. »So, wie er es für Frank getan hatte.«
»Ich bin sicher, dass er das getan hätte. Aber wie du gesehen hast, ist jeder in dieser Höhle tot. Der Lich lief durch, und wohin er trat, folgte ihm der Tod.«
»Wenn er sich Mr. T. so leicht entledigen konnte, wie zur Hölle bist du dann noch am Leben?«, wollte Amos wissen.
»Ich habe mich versteckt. Wie ein Kind.« Er trat zurück in den Schatten und verschwand in dem Moment, in dem er es tat. Er schloss seine Augen und war komplett verschwunden. Er öffnete sie einen Augenblick später. »Aber, ich bin auch ein Kind. Noch nicht einmal ein Jahr alt.«
»Du hast den Körper eines Fünfundzwanzigjährigen«, stellte Dannie fest.
»Und die Erinnerungen eines Uralten«, sagte Ashiira. »Vater hat vieles an mich weitergegeben, seit du mich zu ihm zurückgebracht hast, Bruder. Aber ich bin kein Gegner für Samedi. Du auch nicht. Du hattest Glück, dass er dich nicht auch getötet hat.«
»Lustig, dass du das erwähnst«, sagte ich. »Ich bin hier, weil ich versuche, Samedi zurück in die Box zu befördern. Ich war es immerhin gewesen, der ihn rausgelassen hat.«
»Du?«, sagte Ashiira. Seine gelben Augen flackerten rot.
»Nicht absichtlich«, erklärte ich. »Ich wusste nicht, was die Würfel und die Maske waren. Vielleicht hätten wir das alles verhindern können, wenn dein Paps so gütig gewesen wäre, mir das zu erzählen, bevor ich alles vermasselt habe.«
»Ich bin sicher, er hatte seine Gründe.«
»Nun, seine Gründe haben ihn getötet. Und jetzt ist der letzte Drache der Welt dazu verdammt, ein Mensch zu sein.«
»Ich bin nicht dazu verdammt. Ich kann mich zurückverwandeln, aber das wäre eine lausige Art und Weise versteckt zu bleiben.«
»Da hast du recht«, stimmte Amos ihm zu.
»Ich mag dich, so wie du bist«, sagte Dannie.
Wirklich unmöglich.
»Hey, ich habe die hier gefunden«, sagte Frank, als er in den Raum zurückkehrte.
»Hier, Kid.« Er hielt Unterwäsche, Jeans und ein schwarzes T-Shirt hoch, auf dem das Wort Kuschelmonster stand. Zudem hielt er in seiner anderen fleischigen Hand ein Paar Sneakers.
»Wo zur Hölle hast du das gefunden?«, fragte ich,
»In einem der Zimmer am Ende des Flurs. Ich habe auch eine Gitarre gefunden. Ich wollte so schrecklich gern spielen.«
»Du spielst Gitarre?«, wollte Amos wissen.
»Ja. Nun, ich tat es, bevor ich diese Wurstfinger bekam. Ich weiß nicht, wie es jetzt klingen würde.«
»Soren«, sagte Ashiira. »Er war unser Müllentsorger.«
»Müllentsorger?«, fragte Amos. »Du meinst, er hat hinter euch aufgeräumt?«
»Ja.«
»Okay, ich weiß, das ist jetzt nicht die sensibelste Frage unter den gegebenen Umständen, aber ich muss es wissen: Wie groß ist so ein Drachen-Scheißehaufen überhaupt?«
»Amos!«, sagte ich und sah ihn wütend an.
Er zuckte mit den Schultern. »Was?«
Und wieder, wirklich unmöglich.
»Ashiira, mir ist gesagt worden, dass dein Vater etwas besitzt, das mir im Kampf gegen Samedi helfen könnte. Ein Zauberspruch, um ein Portal heraufzubeschwören. Weißt du etwas darüber?«
Ashiira zog die Unterwäsche an, was Dannie zum Seufzen brachte. Dann schlüpfte er in die Jeans und in das Shirt. Danach zog er die Schuhe an und augenblicklich wieder aus. »Wie könnt ihr so was tragen?«
»Es ist ein erworbener Geschmack«, sagte Dannie. »Für mich ist es okay, wenn du ihn nicht erwerben solltest.«
»Der Zauberspruch?«, wiederholte ich.
»Es tut mir leid, Bruder. Ich weiß nichts darüber. Wenn es ein Zauberspruch ist, den du benötigst, dann ist er wahrscheinlich unter den Schätzen meines Vaters zu finden.«
»Ah, Mann, das klingt gut«, sagte Amos.
»Hat Samedi diese Schätze untersucht?«, wollte ich wissen und fragte mich, ob er bereits von dem Zauberspruch wusste.
»Nein. Wie sollte er?«
»Was meinst du damit? Sind die Schätze nicht ein großer Haufen aus Gold und Edelsteinen und so einem Scheiß?«, wollte Amos wissen.
»Vielleicht vor tausend Jahren«, erwiderte Ashiira. »Alles von finanziellem Wert wurde in elektronischen Besitz, Immobilien, Aktien und so was umgewandelt. Wertvolle Dokumente wurden alle digitalisiert, die physischen Kopien zerstört. Wenn Vater einen Zauberspruch hatte, der dir hilft, kannst du ihn gerne haben.«
»Ich spüre, da kommt noch ein großes Aber«, sagte Frank.
»Aber die digitalen Dokumente sind in der Maschine und du hast die Passwörter nicht«, sagte ich.
Ashiira nickte. »Woher wusstest du das?«
»Hey, wir reden hier von mir. Du weißt schon: das erbärmlichste Arschloch der Welt mit dem schlimmsten Pech.«
»Geh nicht so hart mit dir ins Gericht, Glatzkopf«, sagte Amos.
»Ich bin sicher, es gibt jemanden da draußen, der noch mehr Pech hat als du.«
»Den möchte ich gerne kennenlernen«, erwiderte ich. »Vielleicht können wir uns für einige Stunden zusammen schlecht fühlen.«
»Wir müssen Zugang zur Maschine bekommen«, sagte Dannie.
»Damit hattest du das letzte Mal schon nicht so viel Glück gehabt«, sagte Amos.
»Wir bleiben unter dem Radar«, erwiderte ich. »Black ist tot, Red ist tot und ein Lich ist auf freiem Fuß. Ich erwarte wenigstens etwas verfickte Kooperationsbereitschaft von den restlichen Häusern, um damit fertig zu werden.«
»Dir ist bewusst, dass die Häuser sich da nicht einmischen wollen?«, warf Dannie ein.
»Wer hat was davon gesagt, dass wir sie danach fragen, was sie wollen?«, gab ich ihr zur Antwort.
»Wer hat nach Black den besten Zugang zur Maschine?«
»Wahrscheinlich Yellow«, erwiderte Dannie. »Sie kontrollieren viele der beliebten Rec-Zonen. Mezzo-Urth ist meine liebste.«
»Ashiira, du hast gesagt, du hast Zugang zu den Erinnerungen deines Vaters?«
»Zu vielen.«
»Weißt du, wo Mr. Yellow lebt?«
Ashiira legte seine Stirn in Falten und dachte nach. »Ja. Das tue ich.«
»Weißt du, wie man teleportiert?«
Er tat dasselbe wieder mit seiner Stirn und suchte etwas länger in seinem Gehirn. »Ich denke es.«
»Gut. Zappe uns dort hin und lasst uns die Show starten.«
»Conor, bist du sicher, dass das eine gute Idee ist?«, wollte Dannie wissen.
Ich schüttelte den Kopf. »Nein, aber ich werde es trotzdem tun. Wir können nicht riskieren, dass Samedi ein Tötungskommando auf uns hetzt, solange wir so verwundbar sind. Das bedeutet, dass wir eine bessere Verteidigungslinie finden müssen. Haus Yellow ist diese Verteidigungslinie, ob es uns gefällt oder nicht. Ich denke, einer von uns fünf kann sie überzeugen, das Richtige zu tun.«
»Oder ihr Leben so lange bedrohen, bis sie es tun«, lachte Amos. Ich drehte mich zu Ashiira. »Das mit deinem Vater tut mir leid. Er war ein guter Drache. Wir werden ihn rächen.«
»Danke, Bruder. Ich weiß, das werden wir.«
Ashiira schloss seine Augen und breitete seine Hände aus. Es folgte kein großes Getue. In diesem Moment waren wir in der Höhle von Tarakona und im nächsten irgendwo, wo es wirklich, wirklich beschissen kalt war.
ZEHN
Törichter Hase

Ich glaube, meine Eier fallen ab«, sagte Amos und zitterte in der Kälte.
»Deine und meine, Kumpel«, entgegnete Frank.
Dannie musste es ebenfalls kalt sein. Sie trug kurze Ärmel. Doch sie zeigte es nicht, verzog keine Miene und nahm es wie eine Kämpferin. Ashiira trug auch kurze Ärmel, aber er war ein verfickter Drache. Ich konnte beinahe die Hitze spüren, die von ihm ausging, ein Zeichen, das ihn auffliegen lassen würde, wenn wir zu lange offen rumstehen würden.
»Wo sind wir?«, fragte ich und zitterte so stark, dass mein Rücken zu schmerzen anfing und ich husten musste.
»Mr. Yellow«, antwortete Ashiira, als Dannie sich an ihn herankuschelte und sich gegen ihn drückte, um etwas von seiner Wärme abzubekommen. Würde sie nie aufhören?
»Das ist, wo er lebt.«
»Das habe ich verstanden«, erwiderte ich. »Wo ist hier?«
»Sibirien«, antwortete Ashiira. »Du weißt, dass Hauszauberer es nicht mögen, unter den Rängen und Akten zu leben. Es ist unangenehm für beide Seiten.«
»Das hindert sie aber nicht daran, uns unser Leben zu versauen«, warf Amos ein.
»Sie halten den Frieden aufrecht, ansonsten wäre die Welt am Ende. Sie haben ihren Nutzen.«
»Nun gut, okay, jetzt könnte ich Mr. Yellow nutzen, damit er mir einen netten Brandy ausgibt. Wo ist die Haustür?«
»Dort drüben«, sagte Ashiira und zeigte auf eine kleine Hütte, ungefähr eine halbe Meile entfernt.
»Du konntest uns nicht etwas näher heranbringen?«, fragte Amos.
»Lass mich raten, magische Barrieren.«
»Alle Häuser haben sie.«
»Das macht Teleportieren etwas weniger nützlich. Vielleicht könnten wir für einige Minuten nach Vegas springen, uns aufwärmen und dann zurückkommen?«
»Es ist warm genug, wo ich stehe«, warf Dannie ein.
Ashiira schielte zu mir und ich spürte, wie sich plötzlich Wärme um den Abdruck auf meinem Rücken ausbreitete. Sie breitete sich aus, kam über mich von Kopf bis Fuß.
»Danke, Ash«, sagte ich.
»Natürlich, Bruder.«
»Was hat er gemacht?«, wollte Amos wissen.
Wir fingen an zu laufen und ließen ihn, seine Hände aneinander reibend, stehen.
»Warte eine Sekunde«, sagte er. »Was hat er gemacht?«
»Du bist resistent gegen Magie, wenn du dich erinnerst«, antwortete ich. »Es würde daher bei dir sowieso nicht funktionieren.«
Wir hielten weiter auf die Hütte zu. Ein Rauchfähnchen stieg von dem Schornstein auf und ich konnte Essensgeruch riechen.
»Oh, Mann«, sagte Frank. »Sind das Burger?«
»Riecht so für mich«, erwiderte Amos. »Und ich irre mich nicht bei Essen.« Mir wurde von dem Geruch schlecht. Ein Übelkeitsgefühl überkam mich und ich musste stehen bleiben und mich nach vorne beugen, bereit, das loszuwerden, was sich in meinem Magen angesammelt hatte.
»Conor?«, fragte Dannie, kam zu mir herüber und legte ihre Arme um mich.
»Der Geruch ist furchtbar«, sagte ich und versuchte meine Nase mit meinem Mantel zu verdecken.
»Nee, er ist wunderbar«, widersprach Frank. »Ich werde ihn für dich beseitigen.«
Er fing an, auf die Hütte zuzugehen, er rannte schon beinahe.
»Frank, warte eine Sekunde«, rief Amos ihm nach. Er drehte sich um, sah mich an und schüttelte den Kopf. »Scheiße. Das ist nicht echt.«
»Was?«, fragte ich im selben Moment, als Ashiira sich von uns löste, in die andere Richtung ging und auf etwas starrte, das gar nicht da war.
»Das ist nicht real, Glatzkopf. Yellow spielt mit uns. Ich irre mich bei Essen nicht und ich kann sagen, wenn ich verzaubert werde. Das liegt an meiner Veranlagung.«
Ich schloss meine Augen und kämpfte gegen das Verlangen, mich zu übergeben. Ich wollte den Burgergeruch neutralisieren, aber ich konnte mich nicht lange genug dafür zusammennehmen.
»Könnte auch nicht Yellow sein«, sagte Amos. »Könnte eine Verteidigung des Hauses sein. Bleibt hier.«
Ich nickte, als Amos hinter Frank herrannte, so schnell, wie er konnte.
»Conor«, sagte Dannie, die noch immer neben mir stand. Sie lehnte sich nach vorne und legte ihren Mund auf mein Ohr. »Ich will dich.«
Ich drehte ihr mein Gesicht zu. »Was?«
»Ich will dich«, wiederholte sie, lehnte sich noch näher heran und versuchte mich zu küssen.
Ich drehte meinen Kopf zur Seite. »Nein, willst du nicht. Du stehst unter einem Bann. Das tun wir alle.«
»Der einzige Bann, unter dem ich stehe, ist deiner«, erwiderte sie.
»Was ist mit Ashiira?«
»Denkst du, ich würde mit einem Drachen schlafen? Wie sehe ich aus? Nur weil er diese Muskeln und das Lächeln hat? Ich brauche das nicht. Ich brauche dich.«
Sie strich mit ihrer Hand über meine Brust. Ich bezweifelte, dass sie irgendwas auch nur ansatzweise Aufreizendes an sich hatte. Ich musste ihr Handgelenk packen, bevor sie zu meiner Hose greifen konnte.
»Dannie, du stehst unter einem Bann«, sagte ich. »Yellow spielt mit uns.«
Ich stieß sie weg, die Galle stieg in meinen Mund. Ich musste das hier aufhalten. Ich hob meine Hand, versuchte mich an den Spruch zu erinnern und zog Todesmagie aus den umliegenden Feldern. Ich hustete, bevor ich die Galle auf den Schnee spucken konnte.
»Das ist so heiß«, sagte Dannie neben mir.
Nein, es war verdammt noch mal ekelhaft. Ich schaute zur Hütte. Frank war bereits reingegangen und Amos war fast dort. Ich versuchte Ashiira zu finden. Er hatte angefangen zu rennen und war beinahe hinter dem schneebedeckten Hügel verschwunden. Ich hatte geglaubt, dass ein Drache gegen so eine Magie geschützt sein müsste, aber vielleicht spielte sein Alter in Bezug auf solche Zauberei eine nachteilige Rolle. So oder so wurden wir getrennt, bevor wir überhaupt angefangen hatten. Besiegt von einem Hauszauberer, bevor wir überhaupt einen Hauch von Samedi gespürt haben.
Ganz ehrlich, das war peinlich.
Dennoch, vielleicht könnte ich einen Vorteil daraus ziehen.
»Dannie, sag mir etwas«, sagte ich und sah sie an. Ihr Kopf schoss in meine Richtung und diesmal ließ ich sie mich küssen. Es schien ihr nichts auszumachen, dass mein Mund wahrscheinlich wie ein Abwasserkanal schmecken musste. Bei diesem Gedanken überkam mich die Übelkeit von Neuem.
»Was denn?«, fragte sie mich atemlos.
»Erinnerst du dich daran, was mit dir nach deinem Tod passiert ist? Die Nacht auf dem Friedhof?« Ich war mir ziemlich sicher, dass sie sich an nichts erinnern würde, wenn wir es schaffen sollten, den Bann zu brechen.
Ziemlich sicher.
»Wir hatten Sex auf dem Friedhof?«, fragte sie. »Pervers.«
Ich schüttelte meinen Kopf. Ich hätte es wissen müssen.
Ein lautes Echo war zu hören. Ein Schuss. Es folgten zwei weitere. Ich sah zur Hütte. Die Tür stand offen. Einen Moment später landete ein schlaksiges Arschloch in einem warmen Anzug im Schnee, direkt gefolgt von Amos. Er kämpfte sich auf die Beine, als Amos auf uns zeigte. Das Arschloch schielte in unsere Richtung, schnitt eine Grimasse und schnipste mit den Fingern.
Augenblicklich war der Bann aufgehoben. Der Geruch verschwand. Die Übelkeit verschwand. Dannie trat zurück und rieb sich verwirrt den Kopf. Frank kam aus der Hütte und kaute auf einem Stuhlbein herum. Er ließ es in dem Moment fallen, als er merkte, dass es nicht das war, wofür er es gehalten hatte.
»Ashiira?«
»Ich komme, Bruder«, erwiderte er, jetzt, wo er wieder für sich selbst denken konnte.
Ich richtete mich auf und schielte zu Dannie. Sie sah mich an, aber abgesehen von dem Gesicht, das sie aufgrund des Geschmacks auf ihren Lippen verzog, schien sie sich an nichts von dem zu erinnern, was sie getan hatte. Anderseits wäre sie wohl zumindest etwas beschämt gewesen.
»Wie ich diese Trickster hasse«, sagte ich und stapfte auf die Hütte zu. Todesmagie war chaotisch. Die Magie von Trickstern war einfach nur nervig. Schlimmer als Illusionen. Schlimmer als irgendwas, zumindest sah ich das so. Wir erreichten die Bohnenstange im Anzug, die damit beschäftigt war, den Schnee von dem Samt zu klopfen. Ich streckte ihm meine Hand entgegen, bereit, sein Handgelenk zu fassen und ihm mal richtige Magie zu zeigen. Amos schüttelte mich ab.
»Warte eine Sekunde, Glatzkopf«, sagte er. »Lass ihn in Ruhe.«
»Warum? Er hat uns beinahe getötet.«
»Ich mache nur meine Arbeit«, entgegnete der Trickster. »Yellow wird mir sagen, dass ich bis zum Tod hätte kämpfen sollen, aber vergessen wir das. Ich weiß, wenn ich jemandem gegenüberstehe, der es mit mir aufnehmen kann.« Er zeigte mit seinem Daumen auf Amos. »Der große Kerl da hat nur zwei Schüsse gebraucht, um herauszufinden, welches Mädchen ich war.«
»Es waren aber alle hübsch«, erwiderte Amos. »Sie hatten sogar Pferdeschwänze.«
Ashiira kam rasend schnell auf uns, seine Augen glühten rot vor Wut. Ich trat vor ihn, bevor er den Trickster in Stücke reißen konnte.
»Einen Augenblick, Ash« sagte ich. »Er hat nur seine Arbeit verrichtet.«
»Ich nehme nicht an, dass du wirklich irgendwelche echten Flügel hast?«, fragte Frank.
»Eines nach dem anderen«, erwiderte der Trickster. »Wer seid ihr und was zur Hölle wollt ihr hier?«
»Night«, sagte ich und streckte ihm meine Hand entgegen. »Conor Night.«
Er streckte seine aus und ergriff meine.
»Nekromant«, beendete ich meinen Satz.
Er versuchte seine Hand zurückzuziehen. Ich hielt fest.
»Conor«, sagte Amos.
»Wie ist dein Name?«, fragte ich.
»Cecil«, gab er mir zur Antwort und zitterte leicht, als ich seine Hand fester griff.
»Conor«, sagte Dannie. »Lass ihn in Ruhe.«
»Vielleicht«, erwiderte ich. »Ist Yellow zu Hause?«
Cecil schüttelte seinen Kopf.
»Wo ist er?«
Der Trickster sah weg, als ob sich etwas hinter mir anschlich.
»Darauf falle ich nicht rein«, sagte ich und drückte ein kleines bisschen Todesmagie in seine Richtung. Er zitterte noch mehr und versuchte sich loszureißen.
»Conor«, sagte Amos erneut.
»Es wird einige Scheiße in dieser Welt passieren«, sagte ich. »Ich brauche Yellow, um es aufhalten zu können.«
»Mr. Yellow ist bei einer Zauberer-Versammlung«, erklärte Cecil.
»Bitte. Lass mich los!«
Ich tat es. Er zog seine Hand zurück und rieb sich an seinem Handgelenk. Ein blauer Fleck hatte sich an der Stelle gebildet, wo die Magie ihn berührt hatte.
»Eine Zauberer-Versammlung?«, fragte Ashiira. »Warum war das Haus Red nicht eingeladen?«
»Das weiß ich nicht. Mr. Y. ist übereilt abgereist. Er hat etwas davon gesagt, dass Mr. Black abgetaucht ist, und etwas über ein verficktes, uraltes, böses Wesen. Und dann sagte er mir, ich solle ein Auge auf alles hier haben und verschwand.«
»Wenn die Häuser sich über Samedi unterhalten sollten, könnten wir vielleicht Glück haben«, sagte ich.
»Versteif dich darauf lieber nicht«, erwiderte Dannie. »Sie werden wahrscheinlich versuchen herauszufinden, wie sie den Sturm umsegeln und nicht wie sie ihn aufhalten können.«
»Hast du Zugang zu der Maschine da drin?«, fragte Amos.
»Ich kann euch da nicht reinlassen«, sagte Cecil. »Mister Y. wird mich töten.«
»Nur zur Erinnerung, wir waren schon drin«, sagte Frank. »Ich habe einen halben Stuhl gegessen.«
»Hättest du nicht ein anderes Wort nehmen können?«, wollte Amos lachend wissen.
»Du bist ein kranker Mann, Amos«, erwiderte Frank.
»Das habe ich schon öfter gehört. Wie dem auch sei, Bürschchen. Wenn du uns nicht einlässt, werde ich dich töten.«
Er hielt inne und dann lächelte er leicht. Es war ein äußerst teuflisches Lächeln. »Oder noch besser, ich lasse Conor dich töten.«
Cecil wich einen Schritt zurück. »Du bleibst mir vom Leib!«, sagte er. »Du behauptest, du wüsstest etwas von dem, was sich da draußen abspielt?«
»Wahrscheinlich mehr als einer der Köpfe der Häuser«, erwiderte ich. Ich wusste, worauf er hinaus wollte. »Ich bin bereit, mein Wissen mit Yellow zu teilen, wenn er zurückkommt.«
Er lächelte. »Nun, es wäre nicht gerade sehr gastfreundlich von mir, euch draußen in der Kälte stehen zu lassen, oder?«
»Nein, das wäre es nicht«, sagte Amos.
»Du wirst keinen Trickster-Mist abziehen?«, wollte Dannie wissen.
»Nun, ich kann nichts versprechen. Ich meine …«
Ich streckte meine Hand nach ihm aus. Er drehte sich weg und fiel bei dem Versuch, mir zu entkommen, beinahe um.
»Ich meine, natürlich nicht«, sagte er. »Es ist alles gut zwischen uns.« Er trat auf die Seite und zeigte auf die Tür. »Bitte, geht hinein. Mi casa es tu casa.«
»Das ist nicht dein Haus«, stellte Frank fest.
»Reine Formsache«, erwiderte Cecil. »Worauf wartet ihr? Meine Eier fallen ab, wenn wir hier noch länger rumstehen.«
»Hey, das habe ich auch gesagt«, sagte Amos, ging an dem Trickster vorbei und durch die Tür.
Wir folgten ihm.
Natürlich war Mr. Yellows Haus von innen viel größer als von außen.
ELF
Alles war Yellow

So«, sagte Cecil, als wir uns im Foyer von Yellows Haus versammelt hatten, das definitiv keine kleine Hütte mitten in Sibirien war. »Was seid ihr Leute überhaupt?«
»Was meinst du damit?«, wollte Dannie wissen.
»Ein Fettsack, ein Nekro, ein … « Er hielt inne, als er Frank ansah.
»Troger«, klärte Frank ihn auf. »Halb Troll, halb Oger«
»Nett. Ein Troger. Ein Pyromane?«, riet er, als er Ashiira ansah.
»Und eine Stripperin.«
»Ich bin keine verfluchte Stripperin!«
»Hah!«, sagte Amos. »Warum hast du sie für eine Stripperin gehalten?«
»Das weiß ich nicht. Tut mir leid. Sie hat das Aussehen.«
»Was soll das jetzt wieder heißen?«
»Lass gut sein«, sagte Cecil und sein Gesicht glühte. »Was ich damit sagen will, ist, dass ihr die facettenreichste Kollektion von Freaks seid, die ich jemals habe zusammenarbeiten sehen.«
»Soziale Kompetenzen«, sagte ich. »Sieh zu, dass du dir welche aneignest.«
Er biss sich auf die Unterlippe. »Ähm. Entschuldigung.«
»Glaub es oder nicht, aber wir sind die beste Hoffnung, die die Welt hat, um einen Lich davon abzuhalten, die Toten in einen Krieg gegen die Lebenden zu führen«, sagte ich.
»Ich habe Angst davor, das zu glauben«, erwiderte Cecil.
»Du kannst ihn nicht aufhalten«, sagte eine neue Stimme.
Wir drehten alle auf einmal unsere Köpfe, als ein Fossil von einem Mann, gestützt auf einen Zauberstab, in den Raum trat. Er sah mehr wie ein Zauberer aus einer Fantasiewelt aus, als ein wahrhaftiger Zauberer.
»Mister Y.«, sagte Cecil. »Ich. Ähm. Die …«
»Lass es gut sein, Cee«, sagte Mr. Yellow. Er sah mich an. Seine Augen waren müde. »Du kannst ihn nicht aufhalten«, wiederholte er. »Zumindest nicht, bevor es nicht begonnen hat. Die Toten fangen schon an aufzustehen.«
»Wo?«, wollte ich wissen.
»Überall«, erwiderte er, was mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ.
»Was?«, fragte Amos. »Wie kann das sein? Niemand kann Magie überall gleichzeitig ausüben.«
»Ich weiß es nicht«, sagte Yellow. »Seit über vierzigtausend Jahren hat es in dieser Welt keinen Lich gegeben.«
»Ja, das tut mir leid«, sagte ich.
»Du bist dafür verantwortlich?«, wollte Yellow wissen und sein Gesicht verzog sich vor Zorn. »Hast du die geringste Ahnung, was du getan hast?«
»Wow«, sagte Amos und stellte sich vor mich. »Einen Moment, Oberst Senf. Der meiste Mist ist auf Blacks Haufen gewachsen.«
»Black? Er kam nicht zur Zauberer-Versammlung. Wo ist er?«
»Tot«, sagte Dannie. »Oder geholt. Je nachdem, wie du es sehen willst. Samedi hat seine Seele gegessen und seinen Körper eingenommen.«




