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»Das klingt noch schlimmer, wenn du es so offen aussprichst«, stellte Frank fest.
Yellow schüttelte seinen Kopf. »Die Häuser haben nicht genug Macht, um diese Gefahr einzudämmen. Nicht ohne Mister Black.«
»Dann ist es ja gut, dass Conor da ist«, stellte Frank fest.
»Du?«, fragte Yellow erneut.
»Man braucht einen Nekromanten, um einen Lich zu töten«, erklärte Ashiira.
»Und woher willst du das wissen?«
»Mr. Yellow«, sagte ich. »Darf ich den neuen Mister Red vorstellen?«
»Den neuen Mister Red?«, wiederholte Yellow. »Was ist mit dem alten passiert?«
»Ebenfalls tot«, sagte Dannie. »Wieder Samedi. Und wenn du nicht denkst, dass er die Köpfe der Häuser im Visier hat, dann bist du dümmer als Conor. Ihr seid eine Bedrohung für seine Pläne die Welt zu zerstören.«
»Fuck!«, entfuhr es Yellow, in einer Art und Weise, die deutlich machte, dass er das nicht oft sagte und sich auch nicht komplett wohl dabei fühlte. Er hielt einen Moment inne, bevor er mich wieder ansah.
»Nun, du bist hier. Ich schließe daraus, dass du etwas willst.«
»Zugang zur Maschine«, sagte Cecil.
Mr. Yellow lachte auf. »Das ist alles? Zugang zur Maschine? Und wie genau soll das den Lich aufhalten?«
»Osmose«, sagte Frank lachend.
»Ich suche nach einem Zauberspruch. Ein Portal zum Jenseits.«
»Es gibt kein Jenseits.«
»Das habe ich auch immer gedacht«, sagte ich. »Bevor ich mich auf die Todesmagie eingelassen habe. Und übrigens, es gibt eines.«
»Nun, ich bin nicht gerade der mächtigste Zauberer unter den Häusern. Ich glaube, das müsste Purple sein, jetzt, wo Black nicht mehr ist. Ich bin sicher, die Schlampe wir bald genug damit angeben.«
»Zumindest, bis Samedi sie tötet«, sagte Amos.
Yellow lächelte bei dieser Bemerkung. Es gab keine Liebe zwischen den beiden Häusern.
»Cecil, bringe unsere Gäste zu der Maschine und hilf Inari dabei, ihnen zu geben, was sie brauchen. Mods, Hacks, Cheats. Alles.«
»Cheats?«, fragte ich und hob eine Augenbraue. Ich schielte zu Danelle. »Du hast mir nie etwas von Cheats erzählt.«
»Ich bitte dich«, antwortete sie. »Als ob wir uns die jemals hätten leisten können.«
»Ich erwarte, über eure nächsten Schritte informiert zu werden, wenn ihr fertig seid«, sagte Yellow.
»Bedeutet das, dass ihr uns helft?«, wollte Amos wissen.
»Ich habe ein persönliches Interesse daran, zu verhindern, dass die Welt von Leichen überrannt wird.«
»Niemand hat mir jemals erzählt, dass du so ein Bandit bist, Mister Y.«, sagte Amos. »Ich wäre gekommen und hätte für dich gearbeitet, wenn ich das gewusst hätte.«
»Amos«, sagte ich.
»Wenn ihr mir folgen würdet«, sagte Cecil und winkte uns zu.
ZWÖLF
High-School-Klassentreffen

Nun, schaut uns an«, sagte Amos, als wir in den Aufzug stiegen. »Die Original-Crew wieder zusammen. Ich wette, das wäre mal ein nettes Selfie.«
»Ich bin sicher, das wäre es«, stimmte ich zu. »Ich befürchte nur, das einzige, was drauf passen würde, wäre dein dicker Kopf.«
Amos lachte. »Nicht schlecht, Glatzkopf. Ich glaube, du wirst besser mit solchen Witzen.«
Ich ignorierte ihn und wandte mich Dannie zu. »Also, erzähl mir mehr über diese Cheats.«
»Sie sind nicht so cool, wie du jetzt vielleicht denkst«, erwiderte sie. »Sie sind nicht so verschieden von Mods. Es gibt eine Nuance, es fehlt aber jetzt die Zeit, es dir zu erklären.«
»Und ich bin nicht klug genug, es zu kapieren, richtig? Weil ich nicht so einen Tech-Köpfchen habe.«
»Deine Worte, nicht meine, aber genau. In etwa richtig. Die einfache Erklärung wäre, dass Cheats kleine Päckchen sind, die gegen den Strom der Programmierung arbeiten. Was sie besser als Mods macht, ist, dass sie nicht aktiviert werden müssen. Sie sind zweckgebunden.«
»Das ist die einfache Erklärung? Kannst du mir ein Beispiel geben?«
»Lass uns annehmen, du willst durch eine Mauer gehen. Du könntest den Geist-Mod haben, der dich ungreifbar macht. Oder du könntest einen Cheat haben, der dir erlaubt, durchzuschlüpfen. Der eine ist aktiv; der andere ist bewusst für einen bestimmten Zweck konzipiert; der eine muss benutzt werden; der andere läuft automatisch ab. Und hier ist die größte Nuance: Während der Mod deinen Avatar verändert und es dir somit ermöglicht, durch die Mauer zu gehen, verändert der Cheat die Mauer selbst.«
»Also haben Mods einen Effekt auf dich selbst und Cheats auf die Welt um dich herum?«
»So könnte man es sagen«, gab Dannie zu.
»Wie du es gerade erklärt hast, macht es eindeutig mehr Sinn«, sagte Amos.
Der Fahrstuhl blieb stehen. Die Türen gingen langsam auf. Ich sah nach unten, als das Wasser eindrang.
»Was zur Hölle« sagte ich. »Schließt die Türen wieder.«
Amos fing an zu lachen. Cecil grinste dumm. Das Wasser verschwand. Ich streckte meine Hand aus, um den Trickster zu fassen zu bekommen, aber er duckte sich unter meiner Hand weg und ging in den Flur.
»Das ist dafür, dass du mich zu Tode erschreckt hast«, sagte er und stellte sicher, dass genug Abstand zwischen uns war.
»Warte nur bis zum nächsten Mal«, erwiderte ich.
»Komm schon«, sagte Dannie und legte ihre Hand auf meine Schulter.
Wir folgten Cecil den Flur hinunter und in einen schummrig beleuchteten Raum. Ich war schon in einigen solcher Räume gewesen und sie ähneln sich alle ziemlich. Reihen an Stühlen, Helme, die auf leistungsstarken Computern lagen, alle an den zentralen Server angeschlossen, der sich irgendwo in dem Raum befand. Ein Operator, der wahrscheinlich jung, weiblich, frech und angemessen desinteressiert war, wenn sie die Benutzer überwacht. Ein verweilender Geruch nach Schweiß und anderen Körperflüssigkeiten, der die Orte stinken lässt, wie die schlimmste Kombination aus einer Latrine und einem Fitnessstudio.
»Inari«, sagte Cecil. »Wir haben Frischfleisch.«
Ich war mir sicher, dass ich mit einem Namen wie Inari genau das zu sehen bekommen würde, was ich erwartete.
Und ich tat es.
In gewisser Weise.
Inari kam ums Eck, wahrscheinlich von dort, wo der Hauptserver stand. Nur kannte ich sie unter einem anderen Namen.
»Oh, fuck«, sagte sie als sie mich sah. Ihre Augen wanderten zu Dannie. »Oh. Fuck!«
Tränen füllten ihre Augen und sie rannte auf Dannie zu wie ein geiler Stier. Dannie trat einen Schritt zurück, unsicher, was sie von dieser Reaktion halten sollte.
Sie hatte Prithi noch nie in der realen Welt getroffen.
Prithi legte ihre Arme um Dannie und versuchte ihr die Luft abzudrücken während sie schrie. »Du bist am Leben! Ich kann nicht glauben, dass du lebst.«
»Pissy?«, fragte Amos. »Was zur Hölle machst du hier? Und was hat es mit der Namensänderung auf sich?«
Prithi trat einen Schritt zurück und sah Dannie von oben bis unten an. Dann drehte sie sich zu mir und ohrfeigte mich ohne Vorwarnung.
»Du Hurensohn«, sagte sie zur selben Zeit, als mein Kopf zur Seite schlug und sich ein brennendes Gefühl auf meiner Wange breit machte. Bevor ich mich erholen konnte, hatte sie auch um mich ihre Arme geschlungen. »Oh, Conor, es tut mir leid. Ich bin auch glücklich dich zu sehen.«
»Du hättest mich beinahe zum Narren gehalten«, erwiderte ich. Sie zog sich aus der Umarmung zurück und zeigte auf Dannie.
»Ist sie das? Ist sie das wirklich?«
»Ja. Und ja.«
»Was zur Hölle geht hier vor?«, wollte Dannie wissen. »Wer bist du?«
»Oh, das wird was«, sagte Amos. »Wo ist meine Kamera?«
Er fing an, in seinem Trenchcoat rumzuwühlen.
»Dannie, das ist Prithi Sharma. Du kennst sie aus der Maschine.«
»Azeban«, sagte Prithi und streckte ihre Hand aus.
Dannies Gesicht wurde augenblicklich knallrot.
»Da ist es«, sagte Amos lachend. »Oh Glatzkopf, das ist den Eintrittspreis so was von wert.«
»Du bist Azeban?«, fragte Dannie. »Ich. Oh …« Sie hielt inne.
»Okay. Scheiß drauf. Warum nicht? Was in der Maschine passiert, bleibt in der Maschine, richtig?«
»Das muss es nicht«, entgegnete Prithi.
»Also«, sagte ich und versuchte schnell das Thema zu wechseln.
»Ich schließe mich Amos Frage an. Was machst du hier? Das letzte, was ich gehört hatte, war, das du mit dem Tod abhängst.«
»Was der Grund dafür war, warum ich dich geohrfeigt habe. Der Kerl hat mich zu Tode erschreckt. Wie auch immer, er wollte mich wieder in Vegas absetzen, aber ich hatte ihm gesagt, dass ich da nicht wieder hin will oder sonst an einen Ort, an dem mich jeder Fiesling aufgabeln kann. Also hat er mich stattdessen hierher gebracht.«
»Wo ein Fiesling kommt und dich aufgabelt«, erwiderte ich.
»Du bist kein Fiesling«, sagte Prithi. »Gruslig? Ja. Fiesling? Nein. Was zur Hölle machst du hier? Du hast ja eine ganze Entourage.« Sie bemerkte meine Hand und dass sie fehlte. »Oh, Scheiße. Was ist passiert?«
»Wo hat der Tod dich denn gehalten, Nordkorea?«, wollte Amos wissen. »Eilmeldung, da ist ein uralter Lich los und er hat Pläne, nun ja, so ziemlich alles zu beenden.«
»Und ich bin der Einzige der ihn aufhalten kann«, fügte ich hinzu. »Ich Glückspilz. Er war es, der das hier getan hat.« Ich hielt meinen Stumpf nach oben.
»Ich bin sicher, Mr. Yellow kann das heilen oder dir zumindest einen Ersatz besorgen.«
»Keine Zeit«, erwiderte ich. »Außerdem stärken fehlende Körperteile mein Mojo.«
»Du solltest deine Eier abschneiden, Glatzkopf«, sagte Amos. »Es ist ja nicht so, dass du sie brauchst.«
Ich ignorierte ihn. »Was wir jetzt tun müssen, ist, in die Maschine zu gelangen. Tarakona hat seine Schätze dort drin, und darunter befindet sich ein Zauberspruch, der es mir erlauben wird, ein Portal zur Unterwelt zu öffnen.«
»Ernsthaft?«, fragte Prithi.
»Ich erlaube mir keinen Spaß mit dir«, entgegnete ich. »Übrigens, du erinnerst dich an Ashiira, oder?«
Ich zeigte auf ihn. Prithi schaute ihn einmal von oben bis unten an. »Solltest du nicht ein Drache sein?«
»Es ist ein Zauberspruch«, erwiderte er.
»Drache?«, sagte Cecil. »Ich glaube, ich habe etwas nicht mitbekommen.«
»Willkommen im Club«, sagte Frank. »Passiert mir andauernd. Ich habe gelernt, einfach weiterzumachen.«
»Klingt nach einem Plan.«
»Wenn ich nicht lesbisch wäre …«, sagte Prithi. »Wie auch immer, ich kann euch Anschluss verschaffen. Wörtlich.«
Sie lachte wie ein Computerfreak und ging auf die Anlagen zu.
»Was ist mit Myra?«, wollte ich wissen.
»Was ist mit ihr?«
»Sie denkt, du seist tot.«
Prithi zuckte mit den Achseln. »Es hat sowieso nicht funktioniert. Sie hat vor allem Angst.«
»Sagt das Mädchen, das sich in die Hose gemacht hat, bevor sie das erste Mal mit mir in einem Auto gefahren ist«, warf Amos ein.
»Halt‘s Maul«, sagte Prithi.
»Wow. Heftige Wörter. Ich glaub, ich mach‘ mir in die Hose.«
»Amos«, sagte ich und sah ihn wütend an. Er lachte. »Ich habe gehört, du kannst uns mit Cheats versorgen.«
»Machst du Witze?«, wollte Prithi wissen. Sie sah zurück zu Danelle. »Weiß er überhaupt, was Cheats sind?«
»Vor zwei Minuten noch nicht.«
»Das dachte ich mir schon. Er hat Angst vor der Maschine seit … nun … ähm …«
»Jetzt bin ich hier«, sagte Dannie. »Alles hat ein gutes Ende gefunden, oder?«
»Weiß nicht, wird es noch?«
Prithi zwinkerte ihr zu und die zwei starrten sich für einen Moment an.
»Mann, du kannst mit diesen Augen Stahl schmelzen«, sagte Amos.
»Ich wusste nicht, dass du darauf stehst, Dan-o.«
»Ich war tot«, erwiderte Dannie. »Danach ist man für ziemlich alles offen.«
»Ooookay«, erwiderte Amos. »Ich dachte nie, dass ich derjenige sein würde, der das sagt, aber bitte Themawechsel.«
»Genau«, sagte Prithi und sah mich wieder an. »Cheats. Ich kann einige für dich laden. Ich hoffe, dass du sie nicht brauchen wirst. Wenn Aldred merken sollte, dass du betrügst, kannst du verbannt werden, oder er wird wenigstens etwas Spaß mit dir haben …«
»Solange ich verbannt werde, nachdem ich gefunden habe, was ich brauche, ist es für mich in Ordnung«, erwiderte ich. »Jedes Mal, wenn ich die Maschine betrete, hoffe ich, dass es das letzte Mal sein wird.«
»So fühle ich mich bei Olive Garden«, sagte Frank.
»Wenn du sagst, Spaß haben, meinst du damit, ihn leiden lassen, während er in der Maschine ist?«, wollte Dannie wissen.
»In etwa«, erwiderte Prithi. »Welche Cheats willst du?«
»Du bist diejenige, die den Mist hat«, erwiderte ich. »Du suchst sie aus.«
»Okay. Warum nehmt ihr nicht alle Platz?«
»Ich denke, ich warte hier«, erwiderte Amos. »Klaustrophobie und all so was.«
»Ich auch«, sagte Frank. »Das letzte Mal, als ich in der Maschine war, hatte ich mir versprochen, dass es das letzte Mal war. Zu künstlich für mich. Gib mir stattdessen einfach ein nettes, kühles Bier hier in der realen Welt.«
»Amen«, sagte Amos. »Hey, Pissy, hast du ein Gebräu hier in dem Laden?«
»Kannst du ihr zuerst Zeit lassen, damit sie uns auf den Weg schicken kann?«
»Oh. Klar, sicher Glatzkopf.«
»Conor, warum setzt du dich nicht hierher?« Sie zeigte auf eine Anlange, ein schickes Teil, das wie ein Upgrade vom letzten schicken Teil aussah. Was soll`s, für mich waren sie alle gleich. »Dannie, du kannst hier sitzen. Das ist meine persönliche Anlage.«
»Danke«, sagte Dannie und ging darauf zu.
»Deine persönliche Anlage?«, fragte ich. »Du bist erst seit ein paar Tagen hier.«
»… und hat es sich gleich gemütlich gemacht«, warf Cecil ein.
»Mir gefällt die Wahl deiner Polsterung. Ist das echtes Leder?«
Prithi streichelte den Sitz der Vorrichtung. »Sie nennen es veganes Leder.«
»Was zur Hölle?«, sagte Amos. »Es ist entweder Leder oder nicht.« Dannie lehnte sich zurück und ließ sich von Prithi anschnallen. Sie sahen sich gegenseitig an. Prithi kam aufreizend auf mich zu. Dannie sprudelte über von einem Mix aus Neugier und generalisierter Sinnlichkeit. Ich stellte sicher, dass ich seufzte, als Prithi zu mir kam und mich in der Anlage stabilisierte.
»Du warst einmal schüchtern gewesen«, sagte ich.
»Und dann habe ich dich getroffen«, erwiderte Prithi. »Siehst du, was passieren kann, wenn du gezwungen wirst zu sterben und dies dich dazu bringt zu reflektieren, wie du leben willst?«
»Und du kamst zu dem Entschluss, mehr Sex haben zu wollen.«
»Halt‘s Maul.«
Ich verdrehte die Augen, sagte aber nichts mehr. Prithi zog sich zum vorderen Bereich des Raums zurück, während Frank und Amos im hinteren Teil herumlungerten. Ich schielte zu Dannie, die mir einen schnellen, trotzigen Blick zuwarf, bevor sie nach ihrem Helm griff und ihn aufzog. Ich tat es ihr einen Moment später gleich und überließ mich der unmittelbaren Dunkelheit der Maschine.
»Los geht‘s«, sagte Prithi und fing mit der Programmsequenz an, die unseren Geist in das VR-Konstrukt transferieren würde. »Wenn ihr drin seid, wird es einige Minuten dauern, bevor die Cheats geladen sind. Versucht solange wie möglich keinen Ärger zu bekommen, okay?«
»Du kennst uns«, erwiderte ich.
»Darum habe ich euch gewarnt.«
»Lasst es uns einfach hinter uns bringen.«
Ein Kribbeln lief meine Wirbelsäule hinab, das von der Magie in den Helmen ausging, die man benutzte, um die Maschine zu betreten. Ich spürte nicht den plötzlichen Anstieg an Angst, den ich normalerweise spürte, wenn ich in die Maschine ging, und ich fragte mich, ob es daran lag, dass Dannie mich begleitete. Ich hatte eine Chance, es wieder mit ihr zu tun, und ich würde aufpassen, es nicht erneut zu vermasseln.
»Der Transfer beginnt« sagte Prithi. »In fünf … vier … drei … zwei … eins …«
DREIZEHN
Geister in der Maschine

Interessant«, sagte Ashiira.
Ich sah ihn an. Ich hatte mich gefragt, was die Maschine mit ihm tun würde. Ich war mir nicht einmal sicher, ob ein Drache in der Maschine spielen konnte.
Anscheinend ging es, wenn sie es wollen.
Natürlich war sein Avatar näher an der humanoiden Version seines echten Selbst dran, als der Rockstar-Schönling, der sich in der echten Welt ausruhte. Es war nicht die Maschine, die ihn so darstellte. Prithi hatte wohl etwas Spaß mit ihm. Oder vielleicht war es auch lesbischer Eifersuchts-Bockmist? Dannie schien in beide Richtungen zu tendieren, seit sie von den Toten zurückgekehrt ist. Ich konnte nur hoffen, dass dies bloß eine Nebenwirkung darstellte, wenn man aus dem Jenseits zurückgeholt wurde, und dass die überaktive Libido sich bald wieder legen würde.
»Es ist ein Avatar«, erklärte Dannie. »Eine digitale Repräsentation.«
»Ich fühle mich befangen«, sagte Ashiira. »Bloßgestellt.«
»Das liegt daran, dass du keine Kleidung trägst«, sagte ich. »Prithi, kannst du mich hören?«
»Ich bin genau hier«, entgegnete sie. Zumindest beinahe. Sie hat die Maschine als ihr Azeban-Avatar betreten.
»Ich dachte, du würdest draußen ein Auge auf alles haben«, sagte ich.
»Das machte Cecil. Ich dachte, du könntest mich hier vielleicht gebrauchen.«
Sie schnipste mit den Fingern und Ashiira trug plötzlich einen Smoking über seinen Reptilienschuppen. Durch Ausschnitte am Rücken breiteten sich seine Flügel aus. Es war der Zylinder, der ihn lächerlich wirken ließ.
»Viel besser«, sagte ich und schüttelte meinen Kopf.
»Es ist nicht die Kleidung«, sagte Ashiira. »Ich trage normalerweise keine. Die Magie, die uns hierher gebracht hat - die mag ich nicht.«
»Ich kann dich rausschmeißen«, schlug Prithi vor. »Du kannst bei Frank und Amos warten.«
Er schien auch darauf nicht besonders scharf zu sein. »Für den Moment komme ich damit klar.«
»Okay. Lass es mich einfach wissen, wenn du gehen willst.«
»So«, sagte ich. »Tarakonas Schatz? Nachdem du dich dazu entschlossen hast, uns zu begleiten, hast du die Ehre unser Führer zu sein.«
»Das ist nur fair«, erwiderte Prithi. »Die Häuser haben alle ihre Schätze an demselben Ort, der Bank genannt wird. Das macht es für alle sicher, denn der Banker hat einen großen Anreiz, darauf zu achten, nichts zu vermasseln.«
»Die Bank?« Das war wie ein erneutes Déjà-vu. »Wie unterscheidet sich die Bank von dem Tresorraum?«
»Wie unterscheidet sich Latte von Cappuccino?«
Das war ihre Antwort? »Erleuchte mich.«
»Der Tresorraum beinhaltet digitalisierte Magie. Die Bank beinhaltet eher irdische Dinge.«
Ich verstand noch immer nicht, was das mit Kaffeegetränken zu tun hatte, aber ich würde diesem Weg nicht weiter folgen. »Wie uralte, superstarke Zaubersprüche?«
»Anscheinend.«
»Ist der Banker mechanisch oder ein Maschinen-User?«
»Ein bisschen von beidem. Aldred hat auch einen Code für die Bank geschrieben.«
»Natürlich hat er das. Wie kommen wir dorthin?«
»Das ist der lustige Teil. Die Bank ist nicht einfach da, sondern irgendwo.«
Sie wedelte mit ihren Händen in die offene Weite, durch die wir eingetreten waren. Ich hatte diese Weite, bevor Prithi angefangen hat zu wedeln, gar nicht bemerkt, und jetzt fühlte ich mich ein bisschen desorientiert. Normalerweise landeten wir in einer Stadt oder einem Gebäude oder irgendwo, wo andere User in der Nähe waren. Diesmal jedoch nicht.
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