Akrons Crowley Tarot Führer

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Liebe ist das Gesetz, Liebe unter Willen!
0 – Der Narr

Ich bin in allem – alles ist in mir!
Die Verschmelzung mit dem Dharmaleib des Buddha
Unschuld, Torheit, Chaos, Urknall, Urzustand; Kreis oder die Zahl 0 als Symbol unberührter Ganzheit
Astrologie: Fische im Übergang zu Widder. Auf einer anderen Ebene Uranus/Merkur im Sinne von Spontaneität und Verrücktheiten. In Verbindung mit Neptun auch als Ausdruck des Geführtwerdens.
I Ging: 25 Wu Wang – Die Unschuld (Das Unerwartete)
Rune: Yr (Kosmische Achse) – 25ste Rune oder Drehscheibe im kosmischen Schöpfungsplan, zu der alle anderen Dinge in Beziehung gesetzt werden müssen
Licht: Die Sehnsucht nach dem Ende an der Schwelle des Anfangs, eine neue Seite im Buch des Lebens, Vorurteilslosigkeit, Transparenz
Schatten: Selbstbetäubung, Auflösung, Rückzug aus der Welt, Zielverschwommenheit
Farben: Blasses Gelb, Himmelblau, blaues Smaragdgrün und Smaragdgrün goldgefleckt (Liber 777)
Element: Luft (Buch Thoth)
Kurzbeschreibung: Dieser Karte liegt der ursprüngliche Impuls der schöpferischen Absicht verborgen, sich zu einer weiteren Reise in ein neues Universum auszudehnen. Der Narr verkörpert den Aufbruch, den freimütigen und von seinem Schicksal unberührten Tor, der sich mutig anschickt, eine neue Spirale auf der Schöpferschleife zu durchlaufen. In unschuldiger Freude umarmt er die Welt. Er ist offen, neugierig und naiv, aber auch träumerisch ungestüm und im gesellschaftlichen Sinn verantwortungslos, kurz: ein noch roher Diamant, der durch die Reibungen des Lebens in seine Fasson geschliffen werden will. Seine Leichtigkeit lässt ihn viele Gefahren meistern, denen er sich immer wieder wie durch eine höhere Führung entzieht, und wenn er einmal fällt, dann fällt er leicht und holt sich dabei nur selten eine blutige Nase. Seine kindliche Naivität lässt ihn immer irgendwie auf die Beine kommen. Mit einem Wort: In dieser Karte verbirgt sich das komprimierte Deck, alle zukünftigen Entwicklungsschritte, die der Narr noch vor sich hat, wenn auch tief im Unbewussten verborgen. Denn wüsste der Verstand, was ihn erwartet, er hätte wohl kaum den Schneid, so vorbehaltlos und unbelastet in die Welt hinauszutreten.
Analyse
Der Zustand, in dem sich der Narr befindet, ist das, was man als Übergang zum Naturzustand definiert. Das ist die Situation, bevor sich der Mensch als individuell verschieden von seiner Umwelt wahrnehmen konnte. Diesen Evolutionssprung umschreiben wir mit dem Begriff Bewusstheit. Der grüne Narr – grün ist die Farbe des Frühlings, weshalb er als Pan oder April-Narr auch das Frühlingsfest symbolisiert – entspricht dem noch unformatierten und deshalb egolosen Willen, der weder von persönlichen Absichten noch von individuellen Zielrichtungen angetrieben wird. Das zeigt auch der Regenbogen, der sein Haupt umstrahlt. Er steht für das Vertrauen des kindlichen Bewusstseins zur Großen Mutter, zum allmächtigen Geist oder zur ewigen Schöpfernatur. Einerseits liegt der Vergleich zu einem Traumtänzer nahe, der unbelastet von Zielen und Zweifeln in einer Sphäre schwebt, deren Leichtigkeit wohl am besten mit einem kindlichen Tanz verglichen werden kann. Andererseits macht ihn gerade die innere Leere seines Geistes für die Inspiration aus dem Göttlichen offen.
Auf einer symbolischen Ebene können wir in der Karte auch Alpha und Omega erkennen, den Anfang, der schon das Ende in sich trägt – eine Haltung, die auch unseren Narren ehrt: vgl. VIII – Ausgleichung1. Zwar hält er sich noch etwas unentschlossen an den Elementen Feuer und Wasser in den Ecken der Karte fest, denn irgendwie hängt er in der Luft1 – seine goldenen Stiefelsohlen zeigen nach außen. Damit deutet er die vier großen Prüfungen des Liber Legis (III/64 - 67) an und unterstreicht sein Vertrauen in die überpersönliche Energie, die ihn führt, seine innere Sicherheit, an welcher Stelle er als nächstes seinen Fuß hinsetzen wird.2 Deshalb verkörpert er auch kein festes Ziel, sondern erschafft sich seine geistigen Räume durch kindliche oder magische Assoziationsfelder, innerhalb derer er sein Bewusstsein kreisen lässt. Er versucht, auf intuitive Weise in das Geschehen rund um sich einzutauchen, und ist somit ständig damit beschäftigt, sein Inneres träumend zu ergründen. So handelt die Karte eigentlich von der Sehnsucht des Menschen nach seinem eigenen Ursprung, was aus rational-logischer Sicht nicht möglich ist. Genauso zeigen die dionysischen Hörner, dass er bereits über einen sexuellen Willen verfügt, obwohl er sich darüber (noch) keine Gedanken macht. Auch Bacchus‘ pralle Weintrauben stehen für Träumereien, Räusche und unkontrollierbare Ekstasen und der kristallene Diamantkegel zwischen dem Gehörn für das Tun um des reinen Tuns willen, denn der phallische Kegel aus weißem Licht symbolisiert die Verbindung zu Kether, dem göttlichen Ursprung auf dem Lebensbaum3. Der Narr repräsentiert also sowohl das Nichts an der Schwelle zum Werden wie auch die grenzenlose Leere des Alls, die am Ende jeder Entwicklung jede Lebensschwingung wieder auffrisst. Daher driften auch seine Sehachsen leicht auseinander – er lässt sich nicht in die Augen blicken –, zum Zeichen, dass sein ungebündelter Blick nicht auf materielle Wertschöpfung oder soziale Einbindung ausgerichtet ist, denn er stellt die schöpferische Potenz des in sich selbst ruhenden absoluten Nichts dar.
Die dreischlaufige Spirale4 zeigt als erstes eine eingedrehte Herzform für die Unschuld der Freude und das unbefleckte Vertrauen in die Richtigkeit seines Handelns. Der sich spiralförmig auf ein neues Ende hin bewegende alte Anfang ist die virtuelle Nabelschnur, eine neue Seite im Buch des Lebens, deren Inhalt sich aus den Visionen des Vergangenen zusammensetzt, denn in ihren karmischen Ausschwingungen provoziert die Vergangenheit die Zukunft oder, andersherum gesagt, die entstehende Zukunft trägt als Nährstoff die Muster der Vergangenheit als Erbmasse in sich. Ebenso enthält das Erbgut der Eltern Informationen für das ungeborene Leben, wie es sich zu entwickeln und wonach es sich im Dasein auszurichten hat. Zusammen deuten die ringförmigen Schlaufen eine erste virtuelle Vorstellung der Form des Eies an (Ei des Harpokrates), aus dem der Geist des Menschen hervorgeht und das uns voll ausgereift und auf die Spitze gestellt in XX – Der Æon wieder begegnet. Zwischen den Beinen des Narren ruht Sobek Ra, der Krokodilsgott, der die Ur-Instinkte oder primitiven Schaltkreise reflektiert, die über das Gehirn mit unserem Nervensystem verbunden sind. Das entspricht den Instinktreaktionen eines Kleinkindes, das in triebhaft-emotionaler Gier eine noch undifferenzierte Verbundenheit mit den Urformen des Lebens zeigt. Der Tiger, der den Narren in den Oberschenkel beißt, ist ein Symbol instinktiver Aggression und erinnert an eine etwas monumentale Version des kleinen Hundes in den alten Darstellungen der Karte. Taube, Schmetterling und Caduceus unterstreichen als Sinnbilder der Liebe und des Friedens, der Metamorphose und der in der Vereinigung der Tag- und Nachtschlange verschlungenen Lebenskräfte das von Mond und Sonne verkörperte menschliche Geschlecht. Zwischen den beiden Ur-Symbolen von Mann und Frau – der horizontale Mond kommt fast unsichtbar über dem Kopf des Krokodils zu liegen – sehen wir zwei in Liebe verschlungene Gestalten. Es sind die sich umarmenden Zwillingskinder, die uns nach einem Zwischenhalt als Brautjungfern der Liebenden am Ende im Freudentanz der Karte Sonne wieder begegnen werden. Darüber ist die mystische Rose in drei Entwicklungsschritten symbolisiert. Crowley spricht von der Segnung der drei Blumen in Einem, die wie ein luftiges Gebilde über den Köpfen der Kinder schweben. Im Beutel (rechts unter den Trauben) schließlich steckt sein zukünftiger Reichtum, den er sich im Verlauf seiner langen Reise gemäß dem Motto Der Weg ist das Ziel erwirbt.5
Weiterführende Bemerkungen

1 Die Karte Ausgleichung führt uns in die tiefen Geheimnisse neuäonischer Magick und Kabbala ein. In ihr liegt, gepaart mit dem Narren, ein Schlüssel zum Verständnis des Liber Legis. Dieser Trumpf prägt das Priesterbild des neuen Æons: Die ausgeglichene, befriedigte Frau, welche das Alpha und das Omega in der Waage hält.2

2 III/64 Lass ihn durch die erste Prüfung kommen + es wird Silber sein = Rose = Mond = JSVD (= Jesod)
III/65 Durch die zweite Gold = Sonne = TPhRTh (= Tiphareth)
III/66 Durch die dritte Steine reinsten Wassers = Kelch = BINH (= Binah)
III/67 Durch die vierte Funken des inneren Feuers = Feuer = ChKMH (= Chokmah)
Es handelt sich um die Prüfungen der Hingabe (Mond), der Zeugung (Sonne), der Fruchtbarkeit (Kelch) und um das Feuer der Intuition, an dem er sich nur dank seiner reinen Absichtslosigkeit nicht die Hände verbrennt.

3 Der Narr, der Magus und die Kaiserin sind die einzigen drei Karten im Tarot, die sich auf dem kabbalistischen Lebensbaum oberhalb des »Abyss« befinden. In der Kabbala bezeichnet der Abyssos, griechisch für Abgrund, die Grenze zwischen der Welt des Geistes (die oberen drei Sephiroth Kether, Chokmah, Binah) und der materiellen Sphäre, also den sieben restlichen Stu-fen des Schöpfungsplans (Chesed, Geburah, Tiphareth, Netzach, Hod, Jesod, Malkuth). Oberhalb des Abyss regiert das Göttliche oder die Ideenwelt, und unterhalb dieser Linie wurzelt das menschliche Vorstellungsvermögen als fundamentales Konzept der Dualität.

4 Die drei spiralenförmigen Ringe, die mit Ain, Ain Soph und Ain Soph Aur korrespondieren, bezeichnen in der Kabbala die drei Vor-Zustände des erwachenden Seins (auch Schleier der negativen Existenz genannt): Das grenzenlose Licht (000), das grenzenlose oder sich verdichtende Nichts (00) und das vollständige Nichts (0), das selbst die Vorstellung des Nichts ausschließt. Wie ein Quantennetz umfangen sie Alles-das-was-ist und repräsentieren den Urzustand, der nicht ist, der aber alles, was sich zu Werden anschickt, als Wille zur Emanation ins Leben entlässt. Es ist der Schöpferimpuls, das Leben aus sich selbst heraus entstehen zu lassen, nur damit es sich dort draußen zur Urquelle zurücksehnen kann, denn das Verlangen nach sich selbst setzt die Bedingung des eigenen Seins voraus, also die Bestimmung, aus Nichts entstanden zu sein.

5 Wir sehen, dass das Bündel mit den Münzen, die der Narr bei sich trägt, mit den Goldstücken der Scheiben-Zehn korrespondiert. Das zeigt, dass der geistige Schöpfer der Karten nicht nur die Verbindung zwischen Narr und Universum, dem Schnittpunkt der Spirale der Großen Arkana, sondern auch zwischen Narr und Zehn der Scheiben, der letzten Karte der kleinen Trümpfe, im Auge hatte.
Auf einer anderen Ebene erinnert die Verbindung auch ein bisschen an Grimms Märchen Hans im Glück. Die Goldklumpen oder die goldenen Scheiben, die Hans von seinem Herrn für sieben Jahre treue Dienste erhielt, tauschte er, weil sie ihm auf dem langen Heimweg viel zu schwer waren, erst gegen ein Pferd, dann das Pferd gegen eine Kuh, die Kuh gegen ein Schwein, das Schwein gegen eine Gans und die Gans schließlich gegen zwei Wetzsteine zum Scherenschleifen ein. Am Ende der Geschichte kam er mit seiner Last an einen Brunnen. Da wollte er sich ausruhen und sich an einem frischen Trunk erfrischen. Die Steine legte er sorgfältig neben sich auf die Zisterne, aber beim Versuch, sich über den Rand zu beugen, schubste er sie ein klein wenig an, und ehe er es bemerkte, plumpsten sie in die Tiefe. Da sprang er freudig auf und dankte dem Schöpfer von ganzem Herzen, dass er ihn von dieser Bürde befreit hatte. Ich bin der freiste und glücklichste Mensch unter der Sonne, jubelte er und sprang, frei von jeder Last, glücklich von dannen, bis er daheim bei seiner Mutter war.
Andere Verbindungen

Der Anfang als Ende
Der Geist des Narren drückt im Grunde das ganze unbewusste Wissen der Seele aus, deren Assoziationsgeflechte wie ein Spinnennetz in der Psyche aufgespannt sind, aus deren Strickmustern der Mensch seine individuellen Erinnerungsfäden herauszieht. Durch eine höhere, spirituellere Sicht stellt sich jeder Punkt auf der Lebenslandkarte, der sich gegenwärtig immer auf der Schwelle zur Zukunft befindet, gleichzeitig auch als »zukünftige Erinnerung« dar, d. h. entweder als vergessenes Ereignis, das im Dunkeln wirkt, bis es sich wieder in die Gegenwart drängt, oder als psychisch mögliche, aber noch unerlebte Wirklichkeit, die der Mensch als unbewusste Option in den Tiefen der Seele eingelagert hat und die er bruchstückweise in den Träumen oder in visionären Zuständen erfahren kann. Trotzdem ist es nicht so, dass der Narr ein nicht zu entschlüsselndes Geheimnis darstellt, nur weil er sich aus seiner eigenen Sicht nicht definieren kann. Er kann sich dem Walten seines Wirkens ahnend zumindest annähern und sich kontemplativ in die Dimension menschlichen Strebens hineinfallen lassen, um in den Absichten und Wünschen der kollektiven Seele zu baden, die ihn zu einem weiteren Umlauf auf der nie enden wollenden Lebensspirale einlädt. Umgekehrt formuliert könnte man auch sagen, dass es der Narr ist, der unsere Zukunft bestimmt, indem er uns die Wünsche »vorträumt«, die wir später unter Zuhilfenahme der anderen Karten in der Realität zu verwirklichen suchen. Er streut pränatale Assoziationen oder kollektive Symbole in unsere Träume, die uns wie Anker zu den betreffenden Stellen im Unbewussten führen und deren Erkenntnisse wir wie Blitzlichter visualisiert bekommen, und bildet in unserem Bewusstsein die ersten rudimentären Gefäße aus, in denen wir später unsere kulturellen Errungenschaften sammeln. Fassen wir Sinn und Absicht der kommenden Reise aus Sicht des Endes zusammen, dann kommen wir zum Schluss: Alles, was wir gestalten können ist das, was in unseren bewusstseinsformatierten Hirnkassetten Gestalt annehmen kann (die Träume des Narren können nur durch die Absicht des Magus, die Visionen der Hohepriesterin, die Aufmerksamkeit der Kaiserin und die Tatkraft des Kaisers als konkrete Wünsche und Ziele in der Realität sichtbar werden), und deshalb ist alles, was wir irgendwann erreichen, im Grunde schon lange vor seiner Materialisation in der Energie des Narren vorhanden. Deshalb ist Tarot, wie Crowley schreibt, eine einzige Karte – und wir wissen jetzt auch welche!
Fazit:
In diesem Trumpf verbergen sich alle potentiellen Wünsche und Hoffnungen in Form psychischer Energie, und im Grunde sind alle folgenden Karten nichts anderes als die Moderatoren, die die Visionen aus der Tiefe der Seele in die zukünftigen Behälter der Wirklichkeit leiten.

Das Ende als Anfang3
Das Universum führt am Ende einer Reise stets zur Geburt eines neuen Narren. Im traditionellen Tarot wird dieser Zustand durch eine tanzende Miss Universum oder bei Crowley durch unsere Herrin BABALON symbolisiert, die sich im Tanz mit der Sündenschlange versöhnt (im Gegensatz zur Heiligen Jungfrau, die der Schlange in der Bibel den Kopf zertritt). Frage: Was war zuerst – das Ei oder die Henne? Bei der Karte 0 – Der Narr ist es das Ei, bei der Karte XXI – Das Universum die eierlegende Henne. Fazit: Das Ende ist immer wieder ein neuer Anfang eines weiteren Endes, das auf einer anderen Ebene ein immer weiteres Ende eines neuen Anfangs voraussetzt.
Deutungen
Im persönlichen Erleben unterstützt der Narr das Bemühen, uns für Umbrüche und Veränderungen zu öffnen, die uns durch unsere ausgelassene Heiterkeit und unbekümmerte Fröhlichkeit versperrte Türen aufschließen. Die damit ausgelösten Bewusstseinsprozesse können manchmal positiv und manchmal auch negativ sein, aber sie konfrontieren uns immer mit neuen Erfahrungsmodellen, wenn auch oft leider in einem Sammelsurium von unzusammenhängenden Ideen. Trotzdem führt das nur selten zu größeren Krisen oder gröberen Zerwürfnissen, selbst wenn wir uns an den eigenen Spiegelbildern »die Nase anschlagen«, denn das Vertrauen der kindlichen Seele in die göttlichen Schöpfungsabläufe ist groß. Ob der Narr ein Mystiker oder Weichei ist, ist Ansichtssache; zu seinen besten Eigenschaften zählen jedenfalls Offenheit, Sensibilität und Menschenliebe. Andererseits können wir unter dem Einfluss dieser Karte harten Entscheidungen nichts abgewinnen und suchen uns lieber eine Nische, in der wir in unseren kontemplativen Bildern als Teil unserer Sehnsüchte Probleme unauffällig aussitzen können.
In der Partnerschaft lebt der Narr vom Verlangen der Seele nach ihrem inneren Licht. Daher ist er in den Archetyp seiner inneren Sehnsucht verliebt, die sich in der äußeren Erscheinung manifestiert. Zwar will er wie jeder andere auch geliebt werden und Liebe geben, aber es mangelt ihm oft an der nötigen Konzentration, seine guten Absichten zu kommunizieren. Als Närrin entspricht dieser Trumpf dem Bild einer Seejungfrau, die unheimlich in den unergründlichen Tiefen des Meeres leuchtet und durch ihr Licht die unerlösten Seelen an- und hinunterzieht. Deshalb kann die Karte auch für Leichtsinnigkeit, Unzuverlässigkeit und eine zur Verantwortungslosigkeit tendierende Unbekümmertheit stehen, wenn wir mit den Gefühlen der anderen spielen und dabei immer wieder seelische Nischen entdecken, in denen verdorbene Früchte zu finden sind. Normalerweise aber zeigt sie eine fantasiereiche, kreative Phase, in der wir den Träumen und Luftschlössern unserer nächsten Umgebung liebevoll begegnen. Das Problem ist nur, wohin mit den Gefühlen, wenn das Märchen zu Ende geht. Konkret: Die Prinzessin hat den Frosch wachgeküsst, aber nun stellt sich die Frage: Wohin mit dem Prinzen?
Der Narr in der Kabbala
– Tiefergehende Erkenntnisse –

Und wer ist dieser reine Narr? Siehe, in den Sagen der alten Zeit, der Legende der Skalden, Barden und Druiden, kommt er da nicht wie der Frühling in Grün? O Du Großer Narr, Du Wasser, der Du Luft bist, in dem jede Verwirklichung aufgelöst ist! Ja, Du in zerlumpten Kleidern mit dem Stab des Priapus und dem Weinschlauch! Du stehst auf dem Krokodil wie Hoor-pa-Kraat und die Große Katze springt Dich an! Ja, und mehr noch, ich habe Dich gekannt, der Du Bacchus Diphues bist, Keins und Zwei, in Deinem Namen IAO!
Liber Aleph, Liber 111 – DE ORACULO SUMMO
Somit ist der göttliche Gaukler der wahre und ursprüngliche Schöpfungsimpuls, der die ganze Reise und damit alle Stationen aus sich heraus evoziert. Man könnte auch sagen:
Der Thoth Tarot ist der Weg des Narren!
111 – Der Name Gottes
Der Zahlwert des dem Narren zugeordneten Buchstabens aus dem hebräischen Alphabet Aleph ist 1, als A-L-Ph ausgeschrieben 111 (A + L + PH = 1 + 30 + 80 = 111):
111 = AChD HVA ALHIM
Ein Name Gottes: Einheit ist ER, der Gott!
Tue, was du willst, sei das ganze Gesetz!
Genauso wie: 111 = HVA AIB ALHIM Titel des Leviathan = als Drache, Schlange oder Urmeer Sinnbild des Chaos und der widergöttlichen Weltmächte. In der hebräischen Überlieferung ist Leviathan ein Notarikon von 7 Namen, die die 7 Köpfe des apokalyptischen Drachens benennen und im menschlichen Bewusstsein die 7 Todsünden regieren, die den Menschen hindern, sich selbst zu verwirklichen und zu seiner vollen Größe heranzuwachsen. Bei Hobbes4 auch Symbol des allmächtigen Staates:
Die Armatur einer staatlichen Organisation erfordert einen einheitlichen Geist und einen einheitlichen Willen: Denkt, was ihr wollt, nur gehorcht!
Das alttestamentarische Bild des Leviathan, des roten Drachens, ist eine Synthese aller negativen Kräfte der unsichtbaren Sphäre hinter dem Lebensbaum. Mit seinen zehn Hörnern ist er eine Synthese aller Kellipoth der Sephiroth.5 Auch wenn er heute nur noch wenige praktizierende »schwarze Brüder« in Angst und Schrecken versetzen kann, assoziiert er sich immer noch mit Grausamkeit und Machtgier, was sowohl das mythologische Tier als auch den von ihm symbolisierten Staat als Energiebild betrifft.
Erinnern wir uns, dass auch die Kräfte, die uns herausfordern und in Versuchung führen, genauso ein Teil des Ganzen sind wie die Teile, die uns unterstützen. Man könnte sogar behaupten, dass sie sich direkt aufeinander beziehen. Energien können uns nur an der Stelle herausfordern, an der wir nicht in harmonischem Gleichgewicht sind, und die Ohrfeige, die uns von außen trifft, ist unsere eigene Aggression, die wir nach innen gerichtet haben. Also Energie, die in die falsche Richtung fließt.
Solchen Zusammenhängen begegnen wir überall in der kabbalistischen Tradition. Die Begriffe Messiah, der Gesalbte, und Nechasch, die Schlange, haben nicht ohne tieferen Hintergrund den gleichen Zahlenwert (358). Das bedeutet: Die Kräfte, die uns von außen angreifen, sind exakt das Heilmittel, das uns – wenn wir die richtigen Lehren daraus ziehen – auch aus unserer Schwäche erlösen kann.
Fazit:
Gut und Böse sind in der gleichen Zahl identisch, sozusagen die beiden verschiedenen Seiten einer gleichen Medaille. Das zeigt uns: In der hebräischen Zuordnung ist der Schatten die andere Seite des Lichts. Wenn wir diese Korrespondenzen noch ein bisschen erweitern, dann wird aus der Kapitel und Vers übers Kreuz gestrickten Zahl 111 beispielsweise die Ziffer I/11. Crowley schreibt im Liber Legis I/11:
Jene sind Narren, die Menschen anbeten;




