Akrons Crowley Tarot Führer

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sie die Wüste bewässert haben, bis sie erblüht.
Siehe! Fünf Fußstapfen eines Kamels! V.V.V.V.V.3
Buch der Lügen, S. 68
Dieser Weg ist es, den der Adept geht, wenn er sich seinem heiligen Schutzengel nähert, sich mit ihm verbindet und den Abyssos durchschreitet, ist er doch selbst der Quell, aus dem die Erkenntnis strömt, und gleichzeitig das Gefäß, mit dem er das Meer der Weisheit ausschöpft. Wie hat es doch der Advocatus Diaboli beim Magus so schön formuliert: Die Hohepriesterin ist die Quelle, die die (zukünftigen) Erkenntnisse des Magiers durch ihre Ahnungen ergänzt. Sie selbst steht für den Akt der inneren Offenbarung, denn sie ist die Endlosschleife der menschlichen Erkenntnis, die sich nicht nur kreisend um sich selbst, sondern gleichzeitig wie eine Spirale auch in immer höhere Sphären dreht und trotzdem mit den zentrifugalen Verstandeskräften korrespondiert, damit der Empfänger, wie in diesem Falle Crowley, seine Visionen letztlich entschlüsseln konnte.4
Weiterführende Bemerkungen

1 Die Hohepriesterin ist eine der interessantesten Karten im ganzen Deck. Sie ist das wunderbare Ergebnis der Frieda Harris von Olive Whicher vermittelten projektiven Geometrie, die sie 1937 in London erfuhr.5 Es handelt sich um den Versuch, die starre euklidische Geometrie durch den so genannten mathematischen Mystizismus »aufzubrechen«. Das erinnert auch an die von M. C. Escher in den dreißiger und vierziger Jahren entwickelte geometrisch-künstlerische Methode zur Flächenfüllung und zur Darstellung des Unendlichen, die ebenso auf raffinierte Verbiegungen und außergewöhnliche Blickwinkel setzt: Die perspektivische Verkürzung des Raums, der auf der Karte der Hohepriesterin beispielsweise wie eine »Laufmasche« herunterfällt, liegt exakt auf ihrem Solarplexus. Es ist das »weiße Loch«, das den Kosmos aus sich hervorbringt. Dieser feierliche Akt wird durch die Bewegung ihrer Arme dirigiert, die den Einstieg öffnen, durch den der Reisende eintreten kann. Sie verkörpert die Weise, welche die Sterne regiert, die ihr folgen, und in dieser Haltung repräsentiert sie Nuit, die Herrin der Sterne.

2 Somit ist die Hohepriesterin der unbewusste Impuls zum schöpferischen Willen des Magus: die Idee zur Handlung, bevor sich die Tat in den Raum ergießt, die namenlose Unendlichkeit, die sich zu einem Schöpfungsakt zusammenballt. Es ist die unbewusste Absicht, die ihm die Fähigkeit, durch den Willen Dinge aus dem scheinbaren Nichts heraus zu erschaffen, einhaucht. Für alles, was er kraft seiner Vorstellung beschwört, wird sie zur verwandelten Quelle seiner Schöpfung und bildet als deren abgetrennter Rückstand den Gegenpol, der stumm und geduldig auf die Wiedervereinigung der getrennten Pole wartet. Auch der Begriff Intuition wird in einer oft zu materiellen und irdischen Bedeutung mit dieser Karte in Verbindung gebracht. Der oft mit wahrer Intuition verwechselte Geistesblitz Heureka! – Ich hab’s! ist selten mehr als ein erster Gedanke aus der Schmiede des Magus, ein Prototyp. Erkenntnisse des Männlichen entspringen der Konzentration auf einen Punkt, die alles andere aus seinem Bewusstsein verbannen. Die Hohepriesterin jedoch blendet jede Fokussierung auf diesen einen Punkt aus und schafft damit Platz für die wahrhaft intuitiven Eingebungen. Zur Unterscheidung dieser beiden Prinzipien ist es hilfreich, von aktiver, männlicher Kraft zu sprechen (solarer Merkurzeichen), die sich selbst zu erschaffen in der Lage ist, und von weiblicher Energie (lunarer Merkurzeichen), die dem Wirken des Magus unbewusst zugrunde liegt.

3 Am Fuße der Statue der Isis in Sais steht geschrieben: Ich bin alles, was war, was ist und was jemals sein wird. Kein Sterblicher wird je entdecken können, was unter meinem Schleier liegt.6 So scheint sie nur in Träumen oder Phasen überirdischer Eingebungen erreichbar zu sein; kein Weg führt zu ihr hin und keiner von ihr weg, denn sie ist im wahrsten Sinne des Wortes überall und nirgends. Crowleys Göttin der Nacht, Nuit, repräsentiert die gleiche Kraft, durch die wir uns selbst als Teil eines Größeren erkennen, und dieses Größere ist der Impuls des Lebens selbst. Deshalb kann sie in ihrem Geheimnis intuitiv erahnt, aber weder emotional erfahren noch mental erfasst werden, ist sie doch selbst die Quelle, aus der die Urmuster unserer Gefühle und Gedanken strömen. Da sie all dies selbst gebiert, ist sie – ohne selbst Bild zu sein – die hinter den Bildern wirkende Bilde-Kraft, die unsere Vorstellung nährt. Erst in der Karte Ausgleichung kann ihr Potential, das hier (noch) als Idee existiert, zur Quelle eines Neuen Æons verdichtet werden, zur befriedigten Frau, mit der sich der Mensch verschmelzen kann: Liebe ist das Gesetz – Liebe unter Willen!7
Ich bin Sie, erwidert Coph Nia8, die Tochter der Schleier und Priesterin der Nacht, und alles, was ihr wahrnehmt, ist Sie in der Form, in der ihr Sie erfahrt. Sie ist es, die in euch und durch euch den heiligen Wein trinkt, und Sie ist der Wein. Es ist die ewig-alte Frage nach dem Lebenssinn: Wo liegt der Sinn des Werdens, das aus seinem eigenen Ende immer wieder neu hervorgehen muss? Die Hohe Sphinx kann das Rätsel lösen: Er liegt in der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst!
Andere Verbindungen
– Tiefenpsychologische Zusammenhänge –

Der Narr zwischen Eltern und Über-Eltern
Machen wir ein kleines Spiel und versuchen wir Crowleys exzessive Botschaft in eine schlüssige Fiktion zu übertragen. Und die geht so: Seit C. G. Jung sind wir nicht nur mit unseren Eltern konfrontiert, sondern auch mit unserem inneren Bild der Über-Eltern, also einer Darbietung von Göttern und Erziehern, die mehr mit Wunsch- und Paradiesvorstellungen als mit lebendigen Menschen zu tun haben. In diesem Sinn verfügen wir über zwei Elternpaare. Auf der einen Seite das eine Art höhere Individualität ausströmende Elternbild, das Zugang zu dem Teil des kosmischen Bewusstseins hat, das uns innerlich stärkt und durch die Karten Magus und Hohepriesterin repräsentiert wird. Zum anderen die leiblichen Eltern, Kaiserin und Kaiser genannt, die in ihrer Verantwortung für das Kind aus dessen Sicht oft versagen. Sie wurden uns vom Leben aufgezwungen oder mitgegeben, und das in einem sehr autoritären Sinn – denn sie verkörpern zumindest in der Kindheit unser soziales Umfeld und unsere körperlichmaterielle Realität.
Jedes Unvermögen der Eltern schaukelt das Über-Eltern-Bild auf und umgekehrt. Manchmal erschaffen wir aus unserem Bewusstsein heraus die Sehnsuchtsbilder, die uns in einer kniffligen Lage die Kraft geben, mit der Situation umzugehen, wenn die eigenen Eltern versagen. Ähnlich wie Heilsbringer oder andere Götzenbilder rufen wir solche Energiepersönlichkeiten aus unserer psychischen Datenbank ab, aus dem Fundus individualisierter Bewusstheiten, die uns zur Verfügung stehen. Manchmal kann eine (un-)heimliche Verwandlung stattfinden, wenn wir die Aufmerksamkeit von den leiblichen Eltern auf unsere fiktiven Personen, die wir selbst geschaffen haben, übertragen, denn damit übernehmen wir eine Art innerer Kontrolle in einer Außenwelt, der wir sonst schutzlos ausgeliefert wären. Aber auch das Fehlen der natürlichen Eltern kann zu grotesken Überhöhungen und Verzerrungen der Über-Eltern-Bilder des Narren führen, was wir am reichhaltigsten aller Inzestmythen, Ödipus, sehen. Er tötet seinen irdischen Vater und heiratet seine biologische Mutter, doch nur, weil er keinen Kontakt zu seinen irdischen Eltern hatte. Die ganze Tragödie geschieht unwissentlich, was auf die Ebene unbewusster Phantasievorstellungen hindeutet; andererseits konnte er in der späteren Erkenntnis und Aufarbeitung sein unerlöstes Elternbild befreien.
Der Advocatus Diaboli erklärt das so: Die mögliche Zukunft, die sich im vergangenen Orakel manifestiert9, transportiert die innere aggressive Energie des Vaters auf das Kind, um ihr später unbewusst folgerichtig zu erliegen, damit sich das Schicksal vollziehen kann. Deshalb können wir erkennen, dass manchmal auch die (ängstliche) Projektion der Eltern auf das Kind die Über-Eltern-Bilder im Kind auslösen und sich zerstörend im Außen auswirken kann. Die unbearbeitete Gefühlsfracht liefert Form und Antrieb (Fahrzeug und Benzin) für solche Schöpfungen. Dieses legt wiederum den Gedanken nahe, dass der Inzest nicht einfach degenerativ ist, sondern auch regenerative Möglichkeiten in sich enthält. Es ist in der Tat ein wesentliches Stadium der Entwicklung des individuellen Charakters bei beiden Geschlechtern, seinen mehr oder weniger wirksamen Ödipus- bzw. Elektrakomplex zu überwinden. Auf diesem Teil des Mythos baute Freud auch einen seiner wertvollsten und unwiderlegbaren Beiträge zu unserem tiefenpsychologischen Wissen auf.
Im Klartext: Der »Reisende« steht in der Hohepriesterin vor der Aufgabe, seine überhöhte, unerreichbare Mutter auf seinen Wellenbereich »herunterzuholen«. Das geschieht dadurch, dass er alle moralischen Empfindungen und kulturellen Überlieferungen der Heiligen Jungfrau und Mutter Gottes zerstört. Nach dem, was uns Crowley sagen will, hat er die Pflicht, die Göttin zu »vögeln«, oder, wenn er schon nicht den Mut hat, seine Mutter zu ficken, wenigstens seinen Vater zu erschlagen10, kurz: den Kaiser zu kastrieren und seinen Platz auf dem Thron einzunehmen! 11Denn: Nur wenn er seine inneren Eltern überwindet, hat er die Chance, selbst erwachsen zu werden und an deren Stelle zu treten.
Das Durchlaufen dieses mörderischen Zyklus löst gewaltige Emanationen in uns aus, und die Schmerzen, die durch die (vorübergehende) Erweckung und die Auseinandersetzung mit den Urängsten in uns wachgerufen werden, sind nichts anderes als die in zahllosen Sagen und Mythen überlieferten Höllenqualen, bevor der Proband durch sie geläutert wird. Erst, wenn es uns gelingt, die Felder der Autoritäten (I – V) zu durchschreiten und uns in den nächsten vier Karten VI – IX von unseren unbewussten Eltern- und Lehrerbildern zu lösen, sind wir frei. Doch bis es soweit ist, geht es darum, die Göttin von den Mystifikationen unserer Übertragungen zu erlösen. Sie wird durch ihre Lust entheiligt, befreit und bloßgestellt, und das tun wir, indem wir sie zu unserer Scharlachhure küren.
Deutungen
Auf der äußeren Ebene ist die Hohepriesterin eine innere Person, die fasziniert, Herzenswärme zeigt und für alles Geheimnisvolle zugänglich ist. Um sich herum verströmt sie einen mysteriösen Schleier: einen Mantel intuitiver Erkenntnis, spiritueller Weisheit und Einswerden mit dem Urgrund. Deshalb ist uns überall die Aufmerksamkeit unserer Umgebung sicher. Ab und an können wir zwar auch ein übersteigertes spirituelles Parfüm verströmen oder einen geheimnisvollen Menschen darstellen, der etwas unglaubwürdig erscheint. Unsere Stärken liegen im intuitiven Erfassen der Lage und in der visionären Nase, Chancen aus dem Wust an Möglichkeiten herauszuspüren. Allerdings lässt uns diese Karte auch tiefer in die Dinge eindringen und mehr erkennen, als dies für den Austausch und die Kommunikation mit unserer Umwelt immer förderlich ist. Deshalb braucht es eine große innere Sicherheit und seelische Stärke, auf die üblichen Masken, die die Gesellschaft anbietet, zu verzichten, und die anderen mit unseren Geheimnissen, unserer Eigenart, unserer gebündelten geistigen Stärke und unserer seelischen Kraft zu konfrontieren.
Im emotionalen Erleben lässt uns die geheimnisvolle Zauberin viel über die Geheimnisse der Leidenschaft und sexuellen Sphäre erahnen, auch wenn wir daraus nicht immer die definitiven spirituellen Erkenntnisse ziehen. Es kommt halt sehr darauf an, wie stark unsere eigene Magie in der die Frage betreffenden Situation ausgebildet ist, denn davon hängt die Tiefe unserer Lösung ab. In Beziehungen vertritt sie Empfängnis, Verschmelzung und kontemplative Versenkung (zu den Quellen der Mütter), und für Singles ist sie ein innerer Wegweiser zu intuitiver Erkenntnis, Nähe und Energie-Austausch. Wir streben aber nicht nur danach, uns in den Fata Morganen glitzernder Sirenengesängen zu verlieren, sondern sind auch gewillt, zu den Urquellen zurückzukehren. Wir möchten die tiefe innere Erfüllung in uns und durch die anderen spüren, weil die Karte nicht nur das Symbol einer seelischen Verschmelzung darstellt, sondern auch für die Ziele des Unbewussten steht, die unsere Seele in ihren Träumen visualisiert. Denn wir sind tief in Geheimnisse der Seele involviert und haben intuitiven Zugang zu allen Funktionen des Lebens.

Die Hohepriesterin im Lebensbaum
– Tiefergehende Erkenntnisse –
Ich starrte auf die Mauer, in deren Mitte mir plötzlich eine leuchtende Vagina wie ein halluzinogener Fleck entgegenraste, und dann verdampfte das Bild und hinterließ im Boden ein Loch, durch das ich wie ein Stein hindurch fiel. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, das Wesen des Loches zu erfassen, denn es lud mich ein, mich mit ihm restlos zu verschmelzen. Aber in der Sekunde, in der ich versuchte, die Unterschiedlichkeit unserer Wahrnehmungen miteinander in Einklang zu bringen, verlor ich alle Fähigkeit, meine Anschauungen zu unterscheiden. Ich sah nur, dass ich da mit irgendetwas in mir in Verbindung trat, das mich überall umgab und von dem ich wusste, dass es eine Frau war, obwohl ich auf der anderen Seite gleichzeitig erkannte, dass ihre Silhouette wiederum nur ein Loch in der Mauer war.
Dantes Inferno – Akron, 2000
Die Hohepriesterin als Glyphe des höheren Selbst
– Die geistige Sphäre –

JHVH = Jahwe
Die Hohepriesterin ist die erste Karte der Trümpfe, die eine Verbindung der Göttlichen Trinität (Kether, Chokmah, Binah) mit dem Solarplexus (Tiphareth) unterhalb des Abyssos darstellt. Wenn wir diese vier Punkte miteinander verbinden, entsteht ein Kreuz, das im übertragenen Sinn dem kabbalistischen Namen Gottes entspricht, dem göttlichen Jehova, der in die Herzen der Menschen einfließt (Jahwe = JHVH = Jod Heh Vau Heh). Die Kabbalisten teilen sowohl die Schöpfung als auch die Seele in vier Abschnitte ein, von denen jeder einem Buchstaben des Großen Namens entspricht. Im Tarot stehen die Stäbe für das Feuer = Jod, die Kelche für das erste Heh = Wasser, die Schwerter für das Vau = Luft und die Scheiben für das zweite Heh = Erde (von rechts nach links gelesen):


Der vollkommene Mensch
Man kann Tiphareth auch durch die Achse Chesed-Geburah ersetzen und die fünf Punkte übers Kreuz miteinander verbinden, dann erhalten wir ein Pentagramm. Dieses Zeichen wurde mit seinem goldenen Schnitt sowohl zur Grundlage vieler Kirchenbauten als auch zum Symbol für den vollkommenen Menschen (= Gott).

JHVH + Shin = Jeheshua, der erlöste Gott
Durch die Verbindung von Pentagramm und Kreuz gesellt sich zu den Grundstoffen Feuer, Wasser, Luft und Erde das Element Shin oder Geist hinzu. Shin ist das Feuer des Geistes, das herabsteigt und das Tetragrammaton erleuchtet. Aus JHVH wird das erweiterte Tetragrammaton oder Pentragrammaton JHShVH (Jod Heh Shin Vau Heh), und das steht im hebräischen Alphabet für den Namen Jesus, des Gottessohns. Er ist der göttliche Funken ewiggültiger Vitalität:

– Die materielle Sphäre –
Die Hure Babalon (christlich: Maria Magdalena)

Wenn wir das Pentagramm an den Punkten Chesed und Geburah umklappen und nach unten biegen, dann kommt die Spitze von Kether nach Jesod zu liegen und wir haben einen Drudenfuß. Durch Crowleys Sicht, der darauf stigmatisiert zu sein scheint, in allen traditionell-christlichen Bezügen eine sexuell verdrängte Haltung zu sehen, können wir das Kreuz als Symbol des Phallus verstehen, der in die Vagina der Scharlachhure Babalon als Symbol des Sündenpfuhls Babylon eindringt, um damit die Schöpferquelle an der Wurzel zu berühren. Sexuell gesprochen wäre Tiphareth dann der Scheideneingang, durch denn der Penis (das aufrechte Kreuz) in das Innere der Materie eindringt. Aus christlicher Sicht können wir das Kreuz aber auch als Erlöserinstrument betrachten, das in den Sündenmorast des umgedrehten Pentagramms »sticht«, um den Geist darin zu wecken und zur Spitze nach Kether zurückzuführen (Beispiel: Maria Magdalena). In der Gnosis ist diese die Gefährtin von Jesu, die ihm ein Kind gebiert, und in der Bibel die Prostituierte, die Jesu die Füße wäscht.

Der »onanierende« Eremit mit der Laterne
Oder wir stellen das Kreuz auf den Kopf (Jesod), dann berührt es die Scheide des Göttlichen am umgestülpten, implodierten Punkt Daath. Motto: Die empfangende Materie zieht den männlichen Geist an sich heran. Dann wäre der Phallus die Spitze des Wissens, die an der Schwelle des Unfassbaren anklopft.

Der Schwarzmagier (Das Gründeln in der Hölle)
Wir können aber auch beides nach unten klappen. Dann schwingt die abwärtsgerichtete Energie auf der Grundlage von Daath oder Daäth12, der falschen Sephira, Wohnsitz des Erzdämons Choronzons, der die Seele mit unseligen Verlockungen in den Verstrickungen des Ego festhält.
– Die kombinierte Sphäre –

Der persönliche Schutzengel (Holy Guardian Angel)
Fassen wir zusammen: Die an der Achse Chesed-Geburah gespiegelten Symbole Pentagramm und Kreuz verkörpern die Idee dessen, was wir unser ineinander verschränktes geistiges und materielles Weltbild nennen. Es ist die Urprägeform oder der schöpferische Topf, aus dem wir die Welt nach unserer Vorstellung nachbilden. Die obere Hälfte sendet den geheimnisvollen Ruf aus den Wassern des Unbewussten aus, die Sehnsucht nach Gott, die uns zur Schöpfung antreibt, während der untere Teil die Libido verkörpert, der instinktive Wunsch, über die sexuelle Ekstase die materielle Gebundenheit zu sprengen. Wo Crowley die Wasser des Abyssos durch einen sexuellen Akt mit spirituellem Orgasmus zu überwinden sucht (für seinen Orden Argenteum Astrum war Pfad 13 die Startbahn zum Ipsissimus über den Magister Templi), erlöst Parzival den sündigen Amfortas mit der heilenden, die Wunde schließenden Berührung des Schwerts.
Um die spirituelle Tiefe dieser Karte zu verstehen, müssen wir wissen, dass es sich bei der Hohepriesterin um eine Erscheinung auf dem Energielevel von Jesus handelt, eine geistige Gestalt, die im kollektiven Unbewussten als Schutzengel abgespeichert ist. Sollten wir sie durch die Jungsche Brille als höheres Selbst bezeichnen, ist das auch nicht falsch, denn als Teil des kosmischen Bewussteins ist sie sich als ein Element ihrer selbst in uns bewusst und kann durch Gebet oder Meditation für alle unsere Wünsche und Sorgen angerufen werden. Sie mag zwar mehr als die Summe aller unserer Persönlichkeitsteile sein; aber alle unsere Teile sind auch das, was sie ist.
Liber 77713 und weitere Korrespondenzen
Mutter, Mond-Jungfrau, Gespielin, Braut des Pan;
Gottes Engel-Gesandte an jeden Mann.
Titel: Die Priesterin des Silbernen Sterns
Bild: Eine gekrönte Priesterin sitzt vor dem Schleier der Isis zwischen den Pfeilern von Seth
Zahl: 3, 73 (ausgeschrieben)

Buchstabe: Gimel = G/GML (Kamel)
Pfad: 13 von Kether nach Tiphareth. Die Hohepriesterin ist die erste Karte, die eine Verbindung der oberen Dreiheit mit der Sechsheit herstellt.
Göttername: HD ALIM
Götter: Chomse, Gott des Mondes, Artemis, der jungfräuliche Mond, Hekate, der böse Mond, Diana, die Jägerin. Artemis, Isis und Nuit sind Symbole höchster Einweihung und repräsentieren die reine Idee als göttlicher Funke vor der materiellen Verwirklichung.
Pflanzen: Granatapfel, Mandelbaum, Beifuß, Haselnussstrauch, Mondraute, Erle
Krafttiere: Hund (bellt den Mond an und ist der Begleiter der Jägerin Artemis), der weiße Storch, Kamel
Edelsteine: Mondstein, Perle, Kristall
Wesen: Lemuren, Geister
Dämonen (Qlipoth): Gamaliel, der obszöne Esel (Die Obszönen oder die Verderbten, die sich miteinander vereinen)
Magische Kräfte: Die Weiße Tinktur, Hellsehen, Weissagung durch Träume
Magische Waffen: Bogen und Pfeil
Parfüm: Kampfer, Lignum Aloe, alle süßen jungfräulichen Gerüche
Drogen: Wacholder, Polei-Minze (enthält das giftige Pulegon)
Geomantie: Enneagramm
Gematrische Korrespondenzen
3: Vater, Lehrer, Schöpfer, Blüte, Ratgeber, Baumblüte, Kraft der Pflanze, Urahne, Vorfahre
73: Belial, Nachtwesen und Dämonenkönig, Kamel, Geschicklichkeit, die Weisheit Gottes, tiefes Eindringen in die Rätsel der Welt





