Akrons Crowley Tarot Führer

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Liber 77716 und weitere Korrespondenzen
Schönheit, entfalte Dein Reich! Wahrheit, siehe, die das Denken übersteigt: das Ganze dieser Welt ist Liebe.
Titel: Die Tochter der Mächtigen
Bild: Sternengekrönt steht eine geflügelte Göttin auf dem Mond
Zahl: 4, 434 (ausgeschrieben)

Buchstabe: Daleth = D/DLTh (Tür, Tor des Himmels). Die Mutter ist die Tür, durch die die Schöpfernatur ins Leben fließt.
Pfad: 14 von Chokmah nach Binah. Daleth ist die Achse, die den Vater mit der Mutter verbindet, und einer der drei Pfade, die sich oberhalb des Abyssos befinden.
Göttername: AHA
Götter: Nephthys, Gemahlin des Seth und Schwester des Osiris, durch den sie zur Mutter des Anubis wird; Hathor, Aphrodite, Freya, Venus oder die hinduistische Muttergöttin Devi, die alle Göttinnen in sich vereinigt, denn diese erscheinen sinngemäß nur als Ausprägungen von Devis unterschiedlichen Naturen
Pflanzen: Myrthe, Rose, Klee (Apfel, Feige, Pfirsich)
Krafttiere: Sperling, Taube, Schwan
Edelstein: Türkisfarbener Smaragd
Wesen: Succubi
Dämonen (Qlipoth): A’Arab Zarag, der Rabe der Zerstreuung (dämonische Vögel, die in einem Vulkan hausen)
Magische Kräfte: Liebestränke
Magische Waffe: Gürtel
Parfüm: Sandelholz, Myrthe, alle weichen, sinnlichen Gerüche
Droge: Aphrodisiaka
Geomantie: Heptagramm
Gematrische Korrespondenzen
4: Tor
434: Krieger (Herr des Krieges), Tür, Deckel, Pforte, Tor, junger Stier
Gottheiten: Astarte, Ceres, Demeter oder Gaia im Licht der Sonne; Hydra, Kali und Medusa in der Schwärze der Nacht.
Mythos: Demeter, die über die Wachstumszyklen der Erde herrscht
Symbole: Die sanfte Berührung der Haut, die feuchte Quelle der Ernährung und Wärme (Gebärmutter); oder der brausende Sturmwind, das erschütternde Erdbeben und der alles Leben zerstörende Vulkanausbruch
Kultstätte: Demeters Kultstätte in Eleusis
Rituale: Eleusinische Mysterien (dienten der Einweihung in das Mysterium des Weiblichen); für moderne EsoterikerInnen Göttinnen-Frühlingsfest
Sabbat: Walpurgisfeier (oder ersatzweise Vollmond im Mai)
Kraftsteine: Jaspis (Gartenkies = Mutter aller Steine), Heliodor (Jaspis mit roten Punkten, die die Blutstropfen von Jesus am Kreuz darstellen), Carneol, Milchopal
Räucherwerk: Geranium, Rosenholz, Ylang Ylang
Malerei: Das Venusfest von Peter Paul Rubens
Musik: Le sacre du printemps (Frühlingsopfer) von Igor Strawinsky
Schrift: Lobgesänge zu Ehren der Göttin (während der Männerherrschaft verlorengegangene Schriften – stellvertretend Homerische Hymnen oder Dithyramben von Pinar, Bakchylides und Timotheos)
IV – Der Kaiser

Ich schaffe Ordnung, Sicherheit und Stabilität.
Der allmächtige Vater in seinen autoritären Erscheinungen: Befehlshaber, Staatsmann, Herrscher, Städtebauer
Astrologie: Sonne in Steinbock im Sinne von Verantwortung, Ordnung, Sicherheit, Struktur, Kontinuität und Beharrlichkeit
I Ging: 7 Schã – Das Heer
Runen: Thurisaz (Der Starke) und Ansuz (Göttliche Kraft). Thorn oder Thurisaz, die dritte Rune, drückt mehr die schnelle, schöpferische Energie im Sinne Crowleys aus (der Herrscher von Widder ist Mars), während As oder Ansuz, die vierte Rune, die patriarchalische Kraft der Asen anzeigt.
Licht: Aktivität, Stärke, Disziplin, Stabilität, Recht und Ordnung, Verantwortung, soziale Entwicklung, Mut und Führungskraft
Schatten: Enge, Erstarrung, Selbstgerechtigkeit und Unterdrückung (Rationalität als Gefängnis, Ordnung als Selbstzweck)
Farben: Scharlachrot, Rot, Flammendrot, Glutrot (Liber 777)
Tierkreis: Widder. Im Widder regiert der Mars und die Sonne ist erhöht. Somit ist dieses Zeichen eine Vereinigung der Energie in ihrer materiellsten Form, verbunden mit der Idee der Autorität. (Buch Thoth)
Kurzbeschreibung: Der Kaiser präsentiert sich als eine reife, massige Gestalt, in einen majestätischen Mantel gehüllt und von zwei Widderköpfen geschützt, die die Säulen eines kristallenen Thrones krönen und seine Autorität unterstreichen. Sein karmesinroter Mantel ist mit goldenen Emblemen bestickt, auf seinem Haupt ruht eine mächtige Krone und in der Hand trägt er eine Weltkugel, mit der er sich als eine Quasi-Gottheit darstellt. Er zeigt sich gerne als Vater, der sich vorbehaltlos für die Belange seiner Kinder einsetzt, was ihn wiederum beflügelt und seine Entschlossenheit stärkt. Ein Umstand auch, der sich nicht zuletzt wiederum positiv für ihn auswirkt, weil er sich für die Sicherheit und die Errungenschaften, die er ihnen bietet, ihre Achtung und ihren Respekt erzwingt. Er ist nicht nur der Planer von Schlössern und Kathedralen, sondern auch der von Städten und Agglomerationen, in denen sich die Menschen wohl fühlen können. Als Verfechter des altrömischen Prinzips Divide et impera ist er der mächtige Pflug, der sich willkürlich durch das geduldige Brachland wühlt, um es seinem Willen untertan zu machen. Er ist der Erbauer von eingrenzenden Zäunen und Mauern, mit deren Hilfe er die Seinen beschützt, sowie der Architekt »gerechter« Kriege, sofern sie der Sicherung seiner Herrschaft und dem Schutz und Wohl seiner Untertanen dienen.
Analyse
Der rotbärtige Barbarossa vergegenwärtigt mit seiner gewichtigen Erscheinung wuchtige Präsenz, Ausdehnung und physische Machtentfaltung. In dieser Eigenschaft als Vertreter der obersten weltlichen Instanz ist er ein Symbol dessen, was man das göttliche Ich-Bewusstsein nennen könnte, denn schließlich ist er der festen Überzeugung, seine Macht von Gott persönlich bekommen zu haben. Die beiden Sonnenscheiben mit Stern repräsentieren Herrschaft, Mut und Führungskraft und erinnern an den Ausspruch von Ludwig XIV, dem Sonnenkönig: Der Staat bin ich. Die Krone mit Diamanten ist ein Symbol der weltlichen Macht, deren Glanz bis zum Olymp hinauf zu strahlen vermag. Sie verleiht ihm die Fähigkeit, einen tiefen und unerschütterlichen Glauben an den Sinn von pyramidenförmigen Hierarchien nach göttlicher Ordnung zu entwickeln, die ihn mit dem Höchsten in Verbindung bringen: Ich und der Vater, wir sind eins! Ebenso wie der Priester, dessen persönliches Ego nicht an sein Gottesbild heranreicht, ohne aber seine priesterlichen Funktionen zu schmälern, lastet auf dem Befehlshaber als oberstem Regenten die Projektion des gesellschaftlichen Bildes elterlicher Autorität. Auch Reichsapfel, Weltkugel mit Malteserkreuz und Zepter mit Widderkopf sind Zeichen für Sicherheit, Stärke und die Kristallisation von Wille und Macht und unterstreichen seinen Herrscheranspruch.1 Die beiden gehörnten Bodyguards in seinem Rücken geben eine gute Vorlage dafür ab, was man mit dem heute etwas angestaubten Klischee des Kriegers – zeitgemäß: Leibwächter – in Verbindung bringt: Kurzsichtigkeit und Kampfkraft, Treue und Leidenschaft.
Zusammen mit Magus/Hohepriesterin und Kaiserin symbolisiert der Kaiser die Trinität


Der doppelte Feueradler verkörpert die schöpferische Energie der Sonne, die Suche nach dem Ziel oder die Reise des Helden zu sich selbst, denn er ist ein Symbol für den Willen, die Ziele aus sich selbst hervorzubringen und die anderen als Weg oder simple Erfüllungsgehilfen zu benutzen – im Gegensatz zum weißen Doppeladler der Kaiserin, der sich zurücknimmt und in der Verschmelzung mit dem Ganzen als das erkennt, was er ist:
eine vitale Größe mit begrenzter Existenzdauer, der sich aus unbewussten Verhaltensmechanismen und kollektiven Urmustern zusammensetzt. Aus alchemistischer Sicht stellt der rote Adler die rote Tinktur der Alchemisten dar, die der Natur der Sonne entspricht, während das Wappentier der Regentin mit dem Mond korrespondiert.2 In die gleiche Richtung deutet auch das von oben einströmende Licht:3 Nur solange die Motive und Handlungen sich im Einklang mit dem schöpferischen Willen befinden, sind die angepeilten Ziele erstrebenswert. Deshalb wäre es aus heutiger Sicht sinnvoller zu sagen: Nicht Ich und der Vater, sondern Vorstellung und Wille oder Sehnsucht und Ziel sind eins! Das Lamm mit Siegesfahne schließlich versinnbildlicht das absolute Vertrauen in den Großen Vater oder Big Brother, dessen Regeln zu überwachen er sich zusammen mit seinem Kumpanen, dem geistigeren, aber nicht weniger autoritären Hierophanten, berufen fühlt.4 Das reflektiert den Persönlichkeitsteil eines strengen, aber gerechten Herrschers, der seine Kinder auf das harte Leben vorbereitet und auch die Bürde ohne Murren für den Umstand trägt, dass sie ihn später dafür hassen werden. Sein Herz kann letzten Endes nur erringen, wer alle Hinweisschilder genau beachtet, keines der Verbote missachtet und alle Regeln respektvoll akzeptiert. Diese Sicherheit ist für den Kaiser die Voraussetzung, um seine Seele wenigstens einen Spalt breit zu öffnen.
Weiterführende Bemerkungen

1 Damit nimmt der Kaiser eine Haltung ein, die allegorisch das alchemistische Zeichen darstellt. Das † steht für Stabilität und Fixierung bis hin zum Starrsinn und das △ für Zuverlässigkeit, Verantwortung, zähe Ausdauer und stetige Disziplin. Zusammen bilden sie das alchemistische Symbol des

Was finden wir als weitere elegante Umschreibungen in dieser Karte versteckt? Die Krone hat 6 Strahlen, was mit der Sephira Nr. 6 korrespondiert.5 Sie ist mit 6 Steinen besetzt, die ein Kreuz in einem Kreis zeigen, was der Kontrolle (+) des Unfassbaren (0) entspricht. Auf den Thronlehnen sehen wir die beiden großen 16-zackigen Sterne (16 = 4 x 4), Zeichen der strukturierenden und alles kontrollierenden Kraft. Auch der harte, wuchtige Gesichtsausdruck des Kaisers zeigt eine starre innere Haltung, allen Anforderungen des Lebens zu trotzen, was Crowley aber als künstlerisches Manko auffasste. In einer übelgelaunten Note hält er Harris bei der Gestaltung menschlicher Gesichter fehlendes Selbstvertrauen vor: Ihr Problem bei Gesichtsformen ist symptomatisch für die moderne Seelenkrankheit. Es ist ein Fehlen von Selbstvertrauen in die kreativen Kräfte. Ich muss betonen, dass diese Angst vor »Gesichtern« ein entsetzliches Symptom der Feigheit ist. (Crowley im Dezember 1939 in einem Brief an Harris)
Andere Verbindungen
– Tiefenpsychologische Zusammenhänge –
Die Eltern

Die Nähe der Trümpfe III und IV ist nicht zufällig, denn sie sind das durch eine ähnliche, sich ergänzende Körpersprache in ein Netzwerk von gegenseitigen Beziehungen eingebundene Elternpaar. Bei der Mutter sind es die sanften Pastelltöne in weichem Licht, die die fließenden Formen des Lebens zum Ausdruck bringen, während beim Vater die breite Sitzhaltung und der dominante Körperausdruck in brennenden Orange-Rot-Farben dominieren. Die Bienen, die bei der Urmutter noch Fruchtbarkeit symbolisieren, verwandeln sich auf dem Gewand des Regenten eher zu einem Zeichen für die Struktur der Waben im Bienenstock. Umgekehrt sind die kristallisierenden, sechzehnzackigen Sonnensterne des Kaisers der Gegenpart zu den beiden sichelförmigen Monden der Kaiserin. Auch die beiden Widderköpfe, von denen der eine im Schatten steht und der andere in dem von oben einfallenden Licht, korrespondieren mit dem Doppelmotiv der Mondgöttin zwischen ihrer hellen (Luna, Selene) und dunklen Seite (Hekate), das aus ältester Zeit überliefert ist. Die gleiche Idee finden wir bei der Kaiserin, die zwischen der zunehmenden (oben) und der abnehmenden Mondsichel (unten) sitzt. Die weiße Taube in ihrem Blickfeld hält sich im Lichtkreis des Mondes auf, während der Sperling in ihrem Rücken etwas in den Schatten eingetaucht ist. Bleibt noch die ausgeklügelte Symmetrie der beiden Wappentiere. Während der weiße Doppeladler auf der linken Seite mit dem silbernen Mond korrespondiert und damit Ausdruck der inneren Quellen des Weiblichen ist, steht dieser auf der rechten Seite des Kaisers und damit für die bewusste Beherrschung der Materie. Er zeigt unser Streben nach Unabhängigkeit von den Bedingtheiten der Natur, das der Hingabe an die fließenden Abläufe der Schöpfung entgegensteht.6

Das (die Eltern erschaffende) Kind
Die Verbindung dieser beiden Karten krönt sich im Kind. Die beiden Elternteile sind völlig aufeinander abgestimmt und der Narr schiebt sich (spirituell) ergänzend dazwischen. Doch Vorsicht, so einfach kann die Lösung nicht sein – wäre die Reise schon zu Ende, wofür bräuchte man dann noch die anderen Trümpfe und Kartensätze?
Normalerweise geht man davon aus, dass der Narr das Kind des Herrscherpaares Kaiserin – Kaiser ist. Energetisch ist es ein bisschen komplizierter. In Wirklichkeit ist das Unbewusste der Architekt der Realität, denn der Verstand des Menschen holt sich seine Impulse maßgeblich aus den Eingebungen seines Unbewussten. Simpel gesprochen erklärt sich das so: Der duale Verstand ist sich nicht bewusst genug, die Impulse, die er ständig empfängt, auf seine Ursprünge hin abklopfen zu können. Da er aber die Kontrolle nicht abgeben will, schlägt ihm das Unbewusste einen Deal vor: Es gibt ihm das Gefühl, das ihn glauben lässt, seine Realität selbst erschaffen zu können, wenn er dafür die Ermittlungen einstellt, herausfinden zu wollen, warum das so ist. Man könnte auch sagen, das Unbewusste bedient sich im Narren eines Tricks: Es gibt dem Ego des Herrschers in der Inszenierung »Das Ich ist der Erschaffer seines Selbst« das Gefühl, sich als Darsteller in dem von ihm selbst gestalteten Stück zu profilieren und das Ganze als »Realität« wahrzunehmen. Deshalb ist alles, was wir empfinden, eine Schein-Kontrolle. Im Grunde spielen die Eltern in unserem Exempel die Hauptrolle in einem Stück, das ihnen vom Narren (= Unbewussten) kreiert worden ist.
Die Lösung vom inneren Vaterbild
Nach dem, was wir gesagt haben, tönt es ein wenig absurd, wenn wir nun zu erklären versuchen, dass sich der Narr auf seiner spirituellen Reise nach der Mutter auch vom Vater emanzipieren muss. Der Held muss nicht nur den Kaiser (in sich) besiegen und töten, um frei zu werden, er muss sich auch von allem trennen, was sie repräsentieren. Um sich an seine spirituelle Quelle herantasten zu können, muss er ein Loch in das ihm von den Eltern anerzogene Weltbild sprengen, damit die Erkenntnisse aus tieferen Ebenen, die er für seinen spirituellen Weg benötigt, auf seine gereinigte und unverstellte Bewusstseinsbühne gelangen können.
Psychologisch betrachtet können wir in den Akt der Zerstörung auch einen Akt der Liebe unter einem verkehrten Stern interpretieren, eine Art Verzweiflung, um die zu bestrafen, die einem die Liebe verweigerten, nach der man sich sehnte. Pointiert formuliert mag es sich dabei um den Schock der Bewusstwerdung, also der schmerzlichen Ablösung von der Natur, handeln. Dieser innere Schmerz wirkt in den Minderwertigkeitsgefühlen des unerlösten Kind-Helden im Vater fort, der das Leben dafür bestrafen will, dass ihn die Mutter von sich stieß.
Der pubertierende Held verkörpert auch die Rebellion gegen patriarchalische Gewalt, den aktiven Animus, der den alten Herrscher stürzt und mit der Mutter schläft, die pubertäre Phase der Suche und der Selbstfindung oder die Vater-Sohn-Beziehung als Konfliktpotenzial der männlich-aggressiven Triebnatur. In einer auf solchen Grundlagen wurzelnden Kultur unterliegt jede Lebenssphäre der strukturellen Gewalt der Selbsterhaltungsmuster des Kaisers, der das Leben, indem er vorgibt, es zu schützen, im Grunde erstickt, und deshalb unbewusst auch seine eigene Zerstörung inszeniert.
Fassen wir zusammen: Nicht der Narr, sondern die Eltern sind das »Kind«, denen die Lernerfahrungen in Form von Reizen und Informationen übermittelt werden, die sie mit ihren körperlichen Sinnen erfahren können. In dem Verstandesfokus, den sie bewusst ausfüllen, können sie natürlich nicht merken, dass die anderen Teile von ihnen unbemerkt ständig mit den Signalen aus dem Unbewussten versorgt werden und ihre Kontrolle nichts anderes als eine närrische Lüge ist. Zynisch gesprochen ist der einzige Wert, den es im Leben gibt, die Bedeutung, die wir uns selbst zuordnen. Es ist die Notwendigkeit, das, was wir erleben, gegenüber dem, was wir auch erleben können, nach den Kriterien unseres gesellschaftlichen Verstandes zu beurteilen und in einen Werteindex einzuordnen, auf dem wir ablesen können, wo und wie das Leben für uns Sinn hat. Deshalb liegt es auf der Hand: Der Held, der seine äußeren Elternbilder überwunden hat, hat sich damit gleichzeitig auch von diesen ihm aufoktroyierten Sinnbildern befreit.
Deutungen
Auf der Willensebene versinnbildlicht der Kaiser das kraftvolle, lebensbejahende Prinzip der Macht und der strukturierenden Kontrolle, mit einem Wort: die Herrschaft des Geistes über die Natur. Wünsche und Pläne verdichten und kristallisieren sich in realisierbaren Modellen mit guten Chancen, verwirklicht zu werden. Er verkörpert Disziplin, Entschlossenheit und den unerschütterlichen Willen, Verantwortung zu übernehmen, auch wenn ihm dafür (beinahe) jedes Mittel recht ist. Das verspricht einen ungeheuren Strom potenter Ausdruckskraft. Vor allem in geschäftlichen Dingen zeigt sich seine dirigierende, die kreativen Kräfte bündelnde und alle Fäden in der Hand haltende Natur. Damit gelingt es uns leicht, unsere Vorstellungen in den Köpfen unserer Mitmenschen zu entzünden, und im Grunde sehen wir uns als weise Patriarchen oder edle Königinnen, die, beim Mahl am Kopf einer großen Tafel sitzend, wohlwollend auf die zahlreichen Häupter ihrer Lieben blicken, um sich von ihnen ihre Loyalität immer wieder unter Beweis stellen zu lassen. Im Klartext: Wir erblicken vor uns einen echten Don Vito Corleone oder eine Lady Löwenherz, wie sie im Buche stehen und die mit ihrer rücksichtslosen Selbstverwirklichung manchmal auch ein bisschen an unbeugsame Betonköpfe erinnern, die störende Elemente unnachgiebig aus ihren schöpferischen Feldern hinauskomplimentieren. Bei Frauen ist es das Vaterbild der Mutter, das der schwule Herrscher, der seine Männlichkeit nicht annehmen kann, über die männliche Seite der Frau in sich auslebt (introjizierter Mutteranimus). Denn die Schattenseite ist nicht ohne: Der Kaiser kann genauso auf Übertreibungen in Form von Starrheit, Perfektionismus, Herrschsucht und eiserner Machtentfaltung hindeuten, wenn er sein Ego auf dem Rücken seiner Umwelt rücksichtslos auszuleben versucht und dadurch vieles, was er erstrebt, mit tyrannischer Arroganz schon im Vorfeld zerstört.
Im emotionalen Bereich erscheint uns der Kaiser nach außen manchmal etwas eng und zugeknöpft, denn hier zeigt sich ein Streben nach Sicherheit, das die Gefühle oft »stranguliert«. Im tiefen Inneren versteckt sich zwar bei ihm kein schlechtes Herz, auch wenn er das nach außen nicht gerne zeigt und in den Augen seiner Umwelt lieber distanziert und kühl auftritt. Das heißt, dass wir mit dieser Karte aufgrund unserer Schwäche, uns der Umwelt zu öffnen, die Suche nach Harmonie lieber unter dem Deckmantel der Kontrolle absolvieren. Dabei geht es uns eigentlich nur um den Wunsch, Klarheit zu gewinnen und zu verlässlichen Absprachen zu kommen. Vielleicht ist es aber das Verlangen des Herrschers, sich darüber klar zu werden, was sich hinter seiner rationalen Einstellung zu Herzensdingen in der von uns befragten Situation versteckt: möglicherweise die Angst vor den Gefühlen, die ihn und uns damit zwingt, im Austausch mit anderen unser Empfinden zu strukturieren, als scheinbare Garantie für echte Liebe. Die Unsicherheit möglicherweise, dass uns das Zeigen von Emotionen vor den Augen der anderen verletzlich macht. Oder gar die Angst des Kaisers vor dem natürlichen Leben, dessen Sinn und Ziele nicht zu kontrollieren sind. Irgendwie ist es die Furcht, von den Gefühlen überrannt zu werden, die ihn zwingt, alles, was ihn emotional öffnet, zu katalogisieren, und das kann zu stark verkrusteten Umgangsformen führen. Trotzdem können wir unserer Umgebung das starke Gefühl von Zugehörigkeit und Sicherheit vermitteln, denn die Karte zeigt auch die Möglichkeit, Träume und Wünsche auf den Boden zu bringen und aus den abgespeckten Illusionen schlichtere, aber machbare »Herzensprojekte« zu realisieren.
Der Kaiser im Lebensbaum

– Tiefergehende Erkenntnisse –





