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Doch was treibt uns vorwärts? Was sucht sich durch uns zu erreichen, damit sich unser Schicksal erfüllen kann?
Auf den ersten Blick sind es die äußeren Ziele, die uns antreiben – aber dahinter wirkt eine unsichtbare Kraft, die immer bestrebt ist, das innere Ungleichgewicht auszubalancieren, das uns beseelt. Es hat seinen Ursprung in unseren sozialen Modellen und familiären Prägungen2. Wir sind innerlich nicht frei – alle unsere äußeren Ziele sind der ständige Versuch, das innere Manko durch einen entsprechenden äußeren Akt wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Wir können uns aber entwickeln, wenn wir mutig vorwärts gehen, die Zusammenhänge erkennen, Verantwortung übernehmen und wissen, dass das, was wir tun, wenn auch nicht immer gut, so immer das Beste ist, zumindest aus unserer Sicht.
Was ist mit unseren gesellschaftlichen Zielen? Sind sie falsch?
Sie sind nur falsch, wenn wir glauben, dass sie richtig sind. Die gesellschaftlichen Werte spiegeln das Spiel der Menschen wider, die sich gewisse Spielregeln aufstellen, damit sie etwas haben, mit dem sie sich im Leben auseinandersetzen können. Die gesellschaftlichen Werte sind nichts anderes als ein kollektives „Selbstbeschäftigungsprogramm“, damit die Menschen ihre anarchistischen Grundlagen auf einer kontrollierten Bühne ausleben können.
Wozu dann der Stress, der Krieg und die ewige Unruhe in der Welt?
Wegen unserer engen, dualen Sicht. Niemand führt Krieg um des Krieges willen, nein, Krieg führt man nur deswegen, weil der andere stets im Unrecht ist und man ihn von den eigenen, berechtigten Forderungen überzeugen will. Will man die eigenen Forderungen erzwingen, muss man sich des Krieges bedienen, was natürlich nie im eigenen Unrecht, sondern immer in der Uneinsicht der anderen liegt. Die universale Energie ist eine unpersönliche Kraft, weder gut noch böse. Sie wird erst durch die Muster unseres Bewusstseins „weiß“ oder „schwarz“. Die Unterscheidungen passieren folglich im Gehirn, im Denken. Die einseitig negativen Schilderungen der negativen Kräfte spiegeln nichts anderes als die Angst der Menschen vor ihren unbewussten, eigenen Dämonen. Die Welt ist ein Spiegel, in dem wir in allen anderen unsere eigenen Dämonen erkennen, für die wir bei uns selbst blind sind.

Blind? Das Böse existiert doch in der Welt – oder?
Ja, aber nur, weil wir die Zusammenhänge des Bösen gar nicht kennen. Das „Böse“ setzt sich meistens aus einer Vielzahl von negativen Erfahrungen zusammen, die sich wiederum aus persönlichen Enttäuschungen nähren. Die Enttäuschungen wurzeln, wie gesagt, auf negativen Erfahrungen, bei denen man nur die Fehler der anderen, nicht aber die eigenen Erwartungen sieht.
Du meinst, wir sehen unsere Fehler meistens beim anderen?
In der Regel ist das so!
Das klingt nicht gut! Wo findet sich ein Lösungsansatz?
Wir dürfen die Lösung nicht von außen erwarten, sondern müssen sie in uns selbst finden. Es geht immer darum, unabhängig vom eigenen Standpunkt einen Bezugspunkt in uns selbst zu schaffen, der uns die Möglichkeit gibt, unser eigenes Verhalten von außen zu beobachten. Dann erkennen wir schnell, dass es im Grunde gar keiner Lösung bedarf.
Wieso braucht es keine Lösung?
Weil wir stets Teil der Lösung sind! Das Problem ist immer nur der Schatten der Erkenntnis: Wir sehen stets unsere eigene Perspektive, den Punkt, von dem aus wir unsere Probleme kreieren, denn aus der Sicht des Ganzen existiert unser Problem gar nicht …
Wo existiert das Problem dann?
Nirgends. Jeder Fehler ist nur eine Art Rückseite der Erkenntnis, und der Sinn liegt darin, nicht auf der Position des Fehlers zu verharren. Oder anders ausgedrückt: Fehler sind nur die Unschärfen materieller Systeme, die ohne Bezugspunkte gar nicht existieren. Aus geistiger Sicht sind sie nichts anderes als Wegweiser zu Erkenntnissen, die den Menschen helfen, das Wirken der evolutionären Entwicklung zu erkennen, die dem materiellen Denken normalerweise nicht zugänglich ist.
Du meinst, das Unrecht bleibt solange in der Welt, solange wir es immer nur beim anderen und niemals bei uns selbst erkennen?
Ja. Nur, wer seinen Schatten erkennt, weiß, wer er wirklich ist. Und nur wer weiß, wer er ist, kann ermessen, was es heißt, sich selber zu entwickeln. Denn wir sind nicht nur die Seiltänzer über dem Abgrund, wir sind auch die Krokodile im trüben Gewässer, welche die Unglücklichen beim Absturz auffressen. Wenigstens solange, bis wir merken, dass die Sünder der eine Teil und die Krokodile die andere Hälfte unseres Wesens sind.
Aber was ist mit dem Frieden in der Welt?
Die Suche nach dem Paradies muss eine Wunschvorstellung bleiben, damit sich die menschliche Spezies entwickeln kann.
Wie … was? Wieso kann sich der Mensch nicht in Frieden und Harmonie entwickeln?
Das statische Paradies böte dem menschlichen Ego keine Grundlage zur Entfaltung. So will es die Evolution. Der Mensch braucht immer wieder Kriege mit der Aussicht auf Frieden oder ständige Krisen mit der Hoffnung aufs Paradies, eine Hoffnung, die sich aber niemals erfüllen darf, damit sie als Entwicklungsgrundlage weiter funktionieren kann.
Ich weiß nicht … das tönt ziemlich brutal. Irgendwie fehlt mir der Begriff „Freiheit“? Was ist mit dem freien Willen?
Wir haben die Freiheit, das zu tun, was im kollektiven morphischen Zeitfeld schwingt, sozusagen ein gesellschaftlich verankertes Bild von Freiheit in einem beschränkten persönlichen Rahmen umzusetzen. Es geht immer darum, „das zu tun, was getan werden muss“, wie schon Goethe wusste. Wenn wir diesen Anspruch erfüllen, erhalten wir das, was zu einem „gefühlten“ Bild von Freiheit führt.
Und wo liegt das Ziel über das gesellschaftliche oder materielle Wirken der Menschen hinaus …?
Unsere Wurzeln liegen im Geist des Universums, im Unbekannten, und wir sind hierher gekommen, um uns zu verändern – um die Gesetze der Veränderung der Materie kennen zu lernen. Es geht hier darum, zu lernen, wie wir selbst auf unsere Welt einwirken – die Bedingungen zu gestalten, durch die wir die Welt verändern können, damit wir das Wirken unseres eigenen Geistes erfahren. Erst dann können wir merken, dass wir es selbst sind, die unsere Welt gestalten, und dass wir uns selbst verändern müssten, wenn wir unsere Welt verbessern wollten.
b) Spezielle Fragen zu den „höheren“ Erkenntnissen hinter den menschlichen Modellen
Wie hältst du es selbst mit dem christlichen Gottesbild?
Solange wir diesen Gott weder in uns selbst noch in unserer Erinnerung, sondern nur in den religiösen Schriften suchen, sollten wir uns diesem Gott nur aus dem historischen Blickwinkel eines Anthropologen nähern. Jeder Mensch hält in seinem Bewusstsein die Erinnerung an die schöpferische Quelle verborgen, den Geistfunken, zu dem er zurückkehren will. Es ist die Sehnsucht nach dem Paradies, die wir im Leben verdrängen, der Wille, ins gelobte Land zurückkehren zu wollen, in die Brunnenstuben, aus denen die Menschen ihre Götter schöpfen. Dahinter versteckt sich aber nicht die Rückkehr und die Verschmelzung mit der göttlichen Quelle, sondern der egoistische Anspruch, sich schöpferisch zu entfalten und im Grunde selbst wie Gott zu sein. Der Schluss liegt auf der Hand: Diese Bilder lenken von der Wirklichkeit ab – der kollektive Gott hilft uns nicht weiter, ganz im Gegenteil, er stärkt und behütet uns in unserer Illusion …
… sozusagen ein göttliches Gespenst, das sich in den eigenen Hintern beißt?
Gott ist ein Bild, das uns zwingt, uns mit den Wirkungen unserer eigenen Errungenschaften auseinandersetzen zu müssen. Irgendwie geht es darum, uns selbst die Aufgabe zu stellen, die uns hilft, Gott oder den Sinn des Lebens in den Zielen und den Auswirkungen unserer Taten zu erkennen. Deshalb zeigt dieses Bild von Gott immer wieder auf seinen Schöpfer, den Menschen, zurück …
Du glaubst, die Menschen haben sich ihren Gott nach ihrem eigenen Ebenbild geschaffen?
Klar, denn wir sehen immer nur das, was wir sehen wollen, und wir erkennen in der Welt die Dinge genauso, wie unsere kollektiven Prägungen uns einladen, das Gesehene zu interpretieren, damit es nicht aus dem Rahmen unserer gemeinsamen Vorstellung fällt. Schlimmer noch: Wir sehen in allem nur die Vorstellung unserer dualen Denkmuster bestätigt, die wir an der Wiege des Bewusstseins gerufen und seitdem differenziert und verfeinert haben. Im Grunde ist alles, was wir sehen, nichts anderes als ein Gebräu von elektronischen Impulsen im Hirn, die den Menschen zwingen, sich auf etwas zu beziehen, damit er wenigstens zwei Punkte hat, mit deren Hilfe er sich in seinem eigenen Konstrukt bewegen kann. Stell dir vor, unsere Ausrichtung, die Welt wahrzunehmen, würde sich verschieben, dann fiele die ganze Aufmerksamkeit im Wahrnehmen unserer Wirklichkeit zusammen und dann würde unsere ganze Zivilisation im Nu verschwinden.
Wo aber sitzt der Impuls, sich ein solches Ebenbild überhaupt schaffen zu wollen?
In der kollektiven Absicht selbst! Wir kreieren uns durch die Kraft unseres Geistes aus der kollektiven Vorstellung Realitäten, innerhalb derer wir uns bewegen, und deshalb braucht es in unserer dualen Vorstellung eine Ursache, auf die wir uns beziehen, damit wir nicht merken, dass alle unsere Bilder aus uns selbst strömen, und diese Ursache nennen wir „Gott“. Das ist der mephistophelische Trick …
… der Gottestrick?
Die kollektive Absicht ist der Impuls, aus der unfassbaren, numinosen Schöpfung ein fassbares Bild zu zimmern und dieses selbst geschaffene Bild wie eine Art Spiegel so vor uns hinzuhängen, dass wir daran glauben können.
So wäre der Mensch sein eigener Schöpfergott?
Das trifft den Nagel auf den Kopf! Die ersten Menschen mussten ihre Gesellschaft sozusagen noch erfinden, indem ihnen erst die Frage, wie die Welt sein könnte, zur Antwort verhalf, so, wie sie sie wahrnehmen. Die eigene Einschätzung dieser Welt da draußen färbte wiederum das Bild, das sie sich von sich selbst machten, denn die Menschen können sich nur über das innere Empfinden wahrnehmen, das die Außenwelt in ihnen auslöst. Und aus dieser beständigen Interaktion zwischen Außenwelt und Ich-Bild bauten sie sich dann ihre persönliche Geschichte zusammen.
Wir erblicken im Spiegel ein Bild von uns selbst, das uns hilft, dem Gott im Spiegel zu vertrauen?
Ja. Solange wir nicht erkennen, dass wir es selbst sind, welche die Inhalte ihrer Bilder kreieren, können wir auch nicht erfahren, dass wir gewissermaßen zum Inventar unserer eigenen Vorstellung geworden sind. Wir glauben, in unserem Hirn am Fenster zu stehen und durch die Augen auf die Welt zu sehen, dabei ist das, was wir draußen beobachten, immer nur eine Art Spiegel unserer selbst.
Habe ich dich richtig verstanden: Der Rahmen, an dem das Ding hängt, ist der Glaube, der uns die Welt zusammenhält?
So ist‘s. Damit dieses Bild aber gefasst werden kann, benötigt es einen Rahmen, und dieser Rahmen ist der menschliche Wille, mit dem wir uns gegenseitig zwingen, dieses selbst geschaffene Bild ständig zusammenzuhalten.
Und warum muss man dieses Bild zusammenhalten? Würde die Welt auseinander brechen, wenn wir es nicht täten?
Es ist nicht die Welt, die ohne den Rahmen auseinander brechen würde, denn eine solche Welt hat es ja niemals gegeben. Es ist das Konstrukt unseres Egos, eine kontrollierte Wirklichkeit zu bauen, die auseinander fallen würde, wenn die Menschen plötzlich auf die Idee kämen, nicht mehr an ihre selbst gezimmerte Welt glauben zu wollen.
Dann wären unsere Modelle eine Farce …?
Sozusagen. Es geht darum, etwas zu erschaffen, das wir kontrollieren können, damit wir uns im Glauben wiegen können, dass da draußen wirklich etwas existiert ...
… und jede Form von Gottessuche ein Witz?
Zumindest ein sehr ernstzunehmender, denn dieser Gott ist ja das selbst kreierte Bewusstseinsziel des Menschen selbst! Blättern wir zurück: An der Wiege des Menschen stand kein Gott – nur ein paar Bewusstseinswerkzeuge, die ihn von den Tieren unterschieden und mit denen er sich ein Weltbild aus dem Ewigen herausmeißeln konnte. Diese Vorstellungen oder Bilder sind die Grundlage, auf die er sich bezieht und die er inzwischen zu riesigen Wissenskathedralen aufeinandergetürmt hat, in denen Myriaden von Priestern und Wissenschaftlern beschäftigt sind, die Monumente laufend zu stützen und zu erklären. Unser ganzer Fortschritt ist nichts anderes als eine Weiterentwicklung selbst kreierter Bilder, die sich innerhalb der menschlichen Bewusstseinskapazitäten erfüllen.
Wie ist das aber mit Erkenntnis? Und worin läge die Lösung?
Vielleicht ginge es darum, einfach zu akzeptieren, dass der Preis, das Leben zu kontrollieren, das Leiden ist, das die Menschen im Kampf untereinander ständig zu entrichten haben. Es gibt keinen Weg zurück aus dem Hamsterrad. Deshalb ist auch jede Frage müßig, was wäre jetzt, wenn es anders wäre. Vielleicht sollten wir uns folgende Frage stellen: „Wie sollen wir die Probleme in der Welt begreifen können, solange wir nicht merken, dass es die Probleme in unserem eigenen Wesen sind?“
Also gibt es auch kein Paradies?
Wozu auch? Das Paradies wäre für den Menschen nichts Erstrebenswertes, da es dort für sein Ego nichts mehr zu erreichen gäbe. Die Evolution des Menschen beruht auf der sozialen und gesellschaftlichen Kontrolle, um dem instinktiven Wirken der Natur ein sozialisiertes Pendant an die Seite zu stellen, und diese Kontrolle ist das Gerüst, um das sich jede Gesellschaft herum windet und das von Zeit zu Zeit immer wieder zusammenbricht. Für den magischen Menschen geht es deswegen nicht darum, die Kontrolle zu verdrängen oder zu überwinden, sondern sich die gesellschaftlichen Muster genau anzusehen und nach dem Preis zu fragen, der für diese Kontrolle zu zahlen ist. Wie schon eingangs gesagt: Es gibt aus diesen dualen Fallen kein Entrinnen. Diese Fallen führen immer wieder zur Zerstörung und zum Zusammenbruch, woraus sich neue Ordnungen bilden. Darauf beruht die menschliche Entwicklung.
Was ist mit den höheren Zielen, die der Mensch anstrebt? Bräuchte er für sein Streben nicht ein klares Ziel … eine höhere Wahrheit?
Solange wir uns ständig darum bemühen, Klarheit zu erzwingen, liefern wir uns nur der Gewalt des menschlichen Denkens aus. Denn solange unser Verstand das Leben nur in den Dimensionen begreift, die er nachvollziehen kann, ist das Streben nach Klarheit oder höherer Wahrheit objektiv eine Illusion, nämlich dem Ewigen unsere „eigene Beschreibung“ gegenüberzustellen und daran auch noch zu glauben. Deshalb ist jede Form von Klarheit lebensfeindlich, da sie immer nur irgendwelche Ausschnitte aus der Sicht des Ganzen herauszieht und diese isoliert vom Ganzen betrachtet. Unsere „kontrollierten“ Modelle sind ein Trick, der nur deshalb funktioniert, weil wir ihn nicht hinterschauen.
Wieso braucht der Mensch dann überhaupt Modelle?
Da wir die Welt nur so sehen, wie wir sie über das Denken erleben, müssen wir uns zuerst ein Bild über unser Denken machen – und dazu brauchen wir Modelle. Im Grunde sind Modelle dazu da, unsere fokussierten Gedanken um einen Mittelpunkt herum zu bündeln, sodass wir im Austausch mit anderen eine gemeinsame Grundlage haben, sozusagen eine Beschreibung unserer Welt, um darüber philosophieren zu können …
… ich verstehe: Modelle, welche die Realität stützen, lenken in Wahrheit von der Wirklichkeit ab?
Wenn wir schlau wären, müssten wir eigentlich erkennen, dass Wahrheit mit denkerischen Mitteln gar nicht zu erzwingen ist, denn im Denken erkennt sich immer nur das Denken, also das, was wir als Maßstab dazu erkoren haben, sich selbst auszumessen. Wenn wir unser Denken überzeugen wollen, müssen wir erst Modelle schaffen, die das Denken überzeugen, und dann vergessen, dass wir diese selbst geschaffen haben. Deshalb dürfen wir von den Modellen keine Wahrheit verlangen, da Wahrheit außerhalb der Dualität des Bewusstseins ist. Es geht nicht darum, ein „Wahrheitsmodell“ zu erzwingen, sondern um zu akzeptieren, dass wir die Wahrheit mit denkerischen Mitteln gar nicht erkennen können.
Nach deinen Worten wäre jedes Modell eine lebensnotwendige Illusion?
In der Tat: Ohne diese Modelle hätte der Mensch ja nichts, an dem er sich festhalten kann, denn im Denken erkennt sich immer nur das Denken. Diese Erkenntnisse aber vermitteln uns wiederum die Modelle. Möchtest du mehr wissen?
Ich möchte alles erfahren!
Jedes Modell verfügt über seinen eigenen inneren Dämon, eine durch die geistigen Gesetze innerhalb des Modells geschaffene Wesenheit3, die auf Andersdenkende negativ abstrahlt und uns in der Gewalt des jeweiligen Energiefelds festhält. Wir kennen das aus Wissenschaft, Politik, Religion oder Esoterik. Kaum hat ein Mensch sein Modell richtig verstanden, versucht er es sofort bei anderen anzuwenden. Modelle erzeugen eine kollektive Energie, die man steuern und durch äußere Anreize immer weiter verfestigen kann. Dahinter versteckt sich der egoistische Wunsch, das Leben zu einem verbindlichen Modell für alle zu machen.
Mir kommt dieses System sehr bekannt vor … gibt es keine Alternative?
Es gibt nichts außerhalb der Modelle, denn die verschiedenen Modelle, die sich die Menschen innerhalb der Jahrtausende geschaffen haben, sind die einzige Strasse, auf der sich die Evolution bewegt.
Wohin führt die Straße?
Die Wirklichkeit ist ein Sammelsurium von Modellen – je nach den kulturellen Quellen, aus denen der Mensch seine Wirklichkeit empfängt. Das bedeutet in der Summe: Modelle sind das einzige Mittel, unserer subjektiven Verlogenheit eine objektive Lüge entgegenzusetzen, und das ist auf dem Weg des Wissens nicht nur der erste, sondern auch der wichtigste Schritt.
So landen wir wieder bei der Religion?
Alle spirituellen, religiösen, magischen und esoterischen Modelle sind so etwas wie eine Auswirkung unserer materiellen Realität. Sie verkörpern die Manifestation der in der materiellen Welt unterdrückten Sehnsucht, die Welt nicht nur von außen, sondern auch von innen her zu erklären, also so, wie sich der menschliche Verstand die höheren Ziele „vorstellt“. Wenn wir das begriffen haben, sind wir für den ersten Schritt in die magische Welt bereit …
… erster Schritt wohin? Was können wir tun?
Nichts. Es tut sich ganz von selbst. Doch innerhalb dieses Nichtstuns könnten wir gewisse Dinge begreifen …
… die da wären?
Würden wir den Teufel beispielsweise nicht länger im außen suchen, könnten wir uns viel Leid ersparen – denn er ist in uns! Der schlimmste eigene Feind sind wir selbst: Es ist unser Schatten, und er will uns „killen“!
Er will uns zerstören? Das versteh ich nicht!
Der Teufel ist die abgespaltene Seite im Menschen – und er existiert in jedem von uns! Wenn wir das wissen, können wir gut schlafen …
Gut schlafen …?
Das, was wir erreichen wollen, ist determiniert von dem, was sich durch uns zu erreichen sucht, damit sich das Schicksal erfüllen kann. Das ist die letzte Erkenntnis innerhalb unseres Weges. Wüssten wir, dass es nichts zu erkennen gäbe, was wir nicht schon in uns trügen, könnten wir uns nicht mehr weiterentwickeln ...

Aber wenn der Teufel in uns sitzt?
Keine Angst – die Götter tun das ebenso! Sieh doch mal: Wir sind Kinder von Eltern, die Kinder von Eltern sind, die ebenfalls Kinder von Eltern sind usw. Das bedeutet, dass jeder von uns direkt auf den ersten Menschen zurückgeht, auf den ersten Affen, das erste Urviech usw., bis wir ganz am Schöpfungsanfang angelangt sind. Mit anderen Worten: Das ganze Universum ist in uns enthalten und deshalb ist die Kraft der Schöpfung auch ein Teil von uns. Leider ist es so, dass wir den Zugang zu unserer inneren Kraft verloren haben, die uns an der universalen Schöpfung teilhaben lässt. Deshalb können wir gar nicht mehr anders, als uns diesem selbst erschaffenen Gott anzuvertrauen, der uns in allen religiösen Machtsystemen, wuchernden Finanzmodellen, ausufernden Wachstumssystemen, wissenschaftsgläubigen Geistesvorstellungen und anderen technologischen Errungenschaften gütig entgegenblickt …
Wir können nicht anders …? Was meinst du damit?
Ohne die Systeme, die uns von unserer Spiritualität wegbringen und uns dafür den materiellen Konsum aufzwingen, wären wir gar nicht mehr lebensfähig. Diese Ambivalenz ist es, die uns Angst einflösst, denn sie hält uns den Spiegel unserer eigenen Lebenswelt vor Augen. Die finanziellen Märkte sind der Schatten der modernen Entwicklung schlechthin, wobei der Mensch zunehmend zum hilflosen Opfer seiner eigenen Schöpfung wird. Andererseits dürfen wir uns auch nicht bemitleiden: Wir haben uns diesen Dämon selbst ins Boot geholt. Letztendlich ist es der Weg des Menschen, der ihm in seinem Wesen durch die Evolution vorgezeichnet erscheint, und deshalb wird er auch niemals Frieden finden. Damit er sich mit dieser Wahrheit nicht auseinanderzusetzen braucht, schuf er sich seine Religion, die ihn von der Wirklichkeit ablenkt. Was lässt sich daraus schließen: Es ist alles in Ordnung, es gibt keinen Grund zur Sorge, zumindest nicht bevor wir uns mit unserer Vergänglichkeit auseinandersetzen oder auf dem Totenbett liegen!
Was würde sich ändern, wenn der Mensch das wüsste?
Wenn er das alles wüsste? Die ganze Welt würde mit einem Mal zusammenfallen, weil die Systeme ja nur aufgrund einer gemeinsamen Übereinkunft existieren. Wenn wir weiter wissen, dass es der eigene Glaube ist, der alles stützt, was wiederum der Grund ist, warum wir uns auf Gott verlassen können, dann werden wir erfahren, dass alles, woran wir glauben, der Glaube an unseren Glauben ist.
Könnte man nicht sagen, dass ohne unseren Glauben überhaupt nichts funktioniert …?
Man könnte in einem übertragenen Sinn sogar sagen, dass die Straße unter unseren Füßen nur solange vorhanden ist, solange unser „Glaube an die Straße“ einwandfrei funktioniert ...
… und wir nur Rollen in unserem eigenen Film spielen?
Wir spielen nicht nur die Rollen, wir führen auch Regie. Unser höheres Selbst stellt uns die Bühne zur Verfügung, auf der nicht nur unser bewusstes Ego, sondern auch höhere, unbeschreibbare Persönlichkeitsteile wie der Regisseur agieren – ich werde auf dieses Thema zu einem späteren Zeitpunkt zurückkommen4. Dieser steuert und verändert das Bühnenstück, passt das Ego an die materielle Realität seiner Umgebung an, damit der Mensch in seiner Umwelt funktionieren kann.
Wer ist dieser Regisseur?
C. G. Jung hat ihn seinerzeit das „Selbst“ genannt und als Quelle und Ziel des persönlichen Willens definiert, eine letztlich unerkennbare, transzendente Mitte, die gleichermaßen Zentrum wie Peripherie umschreibt.
Und wer ist das Selbst?
Ich kann es dir nur in einem übertragenen Sinn erklären: Das Selbst ist der Wille des Bogenschützen, in die Mitte zu treffen, und zwar noch bevor er den Pfeil abschießt.
Warum haben wir unseren Glauben dann nicht schon lange durch ein tieferes spirituelles Wissen ersetzt? Warum halten wir dann so lange an unserem alten Glauben fest?
Um uns eine Sinnfindung zu ermöglichen! Wüssten wir, dass es nichts zu erreichen gibt, dass alles genau gleich gut und harmonisch ist, dann gäbe es auch keine Unterschiede, durch die wir uns von den anderen unterscheiden können, und dann hätten Ziele auch keinen Sinn.
Sollten wir den alten patriarchalischen Gott dann nicht endlich begraben?
Der ist doch schon lange tot. Dem moderneren Persönlichkeitsteil dieses Gottes begegnen wir heute in den Tempeln der Wissenschaft. Es ist eine Art Klebstoff, der die kollektiven Assoziationen des Menschen an einen festen Bezugspunkt, ein Grundaxiom, bindet und daraus den „aristotelischen Faden“ knüpft (sozusagen das Strickmuster unseres abendländischen Denkens), ein göttlicher Trick, mittels dem man die ganze Welt nach hinten ausmessen und nach vorne dirigieren kann. Die modernen Gralshüter, die heute in diesen Gemäuern wirken, sind keineswegs weniger schlimm als die alten Priester. Sie sind genauso der religiösen Hybris verfallen und in ihrem Rausch beispielsweise damit beschäftigt, anhand komplizierter menschlicher Hochrechnungen und Tabellen entweder alle offenen Fragen unserer Vergangenheit zu entschlüsseln oder aber in der Gentechnologie durch die Methoden der molekularen Biologie gezielt in das Erbmaterial einzugreifen.






