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Abbildung 2A. (Fall 2). Das 7 ½-jährige Mädchen am 6. Mai 1973 vor der Behandlung. Beachten Sie die parallelogrammförmige Deformität des Kopfes; das linke Auge und das linke Ohr stehen höher als auf der rechten Seite und der Kopf ist auf die rechte Seite geneigt.
Abbildung 2B. Nach der Behandlung am 3. August 1973.

Abbildung 3A. (Fall 2). Ansicht von hinten vor der Behandlung, die Skoliose zeigend (linke thorakale Konkavität, rechtes Ilium höher stehend, rechte Skapula tiefer stehend)
Abbildung 3B. Nach der Behandlung, die Haltung hat sich verbessert.
Abbildung 4 veranschaulicht die orbitale Achse und die Achse der Ossa petrosa auf der Ebene der Schädelbasis in einem hypothetischen symmetrischen Kranium.
Abbildung 5 zeigt die symmetrische orbitale Achse eines freien Kranialen Mechanismus, so wie er zu palpieren ist, wenn eine Hand über dem Orbit platziert ist und die andere den kontralateralen Teiles des Hinterhaupts in der Handfläche hält.
Abbildung 6 veranschaulicht die Distorsion der orbitalen Achse mit einem sphenobasilaren Lateral-Strain. Die Achse der linken Orbita ragt in Richtung des kontralateralen Teil des Os occipitale hinaus, jene der rechten Orbita wird hingegen auf eine eher mediale Position projiziert. Manchmal liegt sie auch auf dem ipsilateralen Teil des Os occipitale.
Abbildung 7 zeigt die symmetrischen Achsen der Ossa petrosa zwischen dem äußeren Gehörgang auf einer Seite und dem Körper des Os zygomaticum auf der gegenüberliegenden Wange.
Abbildung 8 stellt die Distorsion der Achsen der Ossa petrosa bei einem sphenobasilaren Lateral-Strain rechts dar. Die Achse des linken Os petrosum wird mit einem Finger auf dem äußeren Gehörgang und der anderen Hand auf dem Körper des Os zygomaticum getastet. Die Achse des rechten Os petrosum wird zwischen dem äußeren Gehörgang auf der rechten Seite und einem Punkt auf dem Processus zygomaticus des rechten Os temporale getastet. In vielen Fällen liegt dieser Punkt knapp hinter dem gegenüberliegenden äußeren Gehörgang.

Abbildung 4. Diagramm des Schädels, orbitale Achse sowie Achse der Ossa petrosa auf der Ebene der Schädelbasis zeigend.
Abbildung 9 zeigt einen Schädel, bei dem eine solche Distorsion sichtbar und tastbar ist.
Die auf diesen klinischen und anatomischen Beobachtungen gründende Hypothese besteht darin, dass diese geometrischen Formen die sich entwickelnden Nervenbahnen bestimmen. Sind diese Formen vor Abschluss der Entwicklung besagter Nervenbahnen verzerrt, müssen sie sich folglich mit der Distorsion entwickeln und bewirken eine Irritation bezogen auf den sensorischen Input bzw. verursachen eine schlechte Bewegungskoordination. Daher bekommt die Untersuchung und Behandlung des Kraniosakralen Mechanismus beim Neugeborenen und die weitergeführte Überwachung während der ersten zwei Jahre des Lebens eine vollkommen neue Bedeutung, wesentlich größer als es bisher der Fall war.
Kann man wirklich annehmen, dass man bei einem Schulkind, welches schon mit allen Problemen der Lernschwäche konfrontiert ist, den Lauf der Dinge nicht mehr signifikant zu verändern vermag, da es dann zu spät sein kann? Die Ergebnisse in den Fällen 1 und 2 legen dagegen nahe, dass sogar bei Kindern im Alter von zwölf Jahren noch nicht alles verloren ist, insofern der Osteopath die Aufmerksamkeit auf die zugänglichen muskuloskeletalen kraniosakralen Muster legt. Dies im sicheren Wissen, dass Strukturen und Funktionen sich wechselseitig beeinflussen und dass die Verbesserung sowohl der Struktur als auch der Funktion innerhalb des Primären Respiratorischen Mechanismus die neurologische Funktion und damit auch die intellektuelle Leistung verbessert. Die nachfolgenden Fälle sollen einige Möglichkeiten veranschaulichen:

Abbildung 5. Diagramm mit den symmetrischen orbitalen Achsen, so wie sie palpiert werden.
Abbildung 6. Diagramm mit einer Distorsion der orbitalen Achse und einem sphenobasilaren Lateral-Strain auf der rechten Seite.

Abbildung 7. Diagramm mit den symmetrischen Achsen der Ossa petrosa.
Abbildung 8. Diagramm mit einer Distorsion der Achsen der Ossa petrosa und einem sphenobasilaren Lateral-Strain auf der rechten Seite.
Fall 3. Ein siebenjähriges Mädchen (Abbildung 10A) war die Ältere von zwei Geschwistern. Ihre Geburt verlief unauffällig, aber im Alter von sechs Monaten fiel sie von einer Schaukel auf ihren Hinterkopf. Der Vater hatte Probleme das Lesen zu erlernen. Sie war ein passives Kind, aber sie setzte sich, krabbelte, lief und sprach in akzeptablem Zeitraum. Sie konnte kein Puzzle zusammensetzen, weder hüpfen noch springen und hatte große Schwierigkeiten das Fahrradfahren zu erlernen. Sie erlitt viele Stürze beim Rollschuhfahren. Im Kindergarten weinte sie, weil sie nicht zurechtkam. Zur Zeit der Untersuchung war sie immer noch sehr emotional und weinte beim geringsten Anlass. Sie erschien entweder überschwänglich oder depressiv. Es war für sie schwer, Anweisungen zu folgen und sie hatte Tagträume in der Schule. Sie war zappelig und angespannt und litt an einem Aufmerksamkeitsdefizit.

Abbildung 9. Foto des Schädels, bei dem die Distorsion sichtbar und tastbar ist.
Sie wurde von einem Augenoptikeri an mich verwiesen, der mit ihr bereits zwei Einheiten Sehtraining absolviert hatte, wodurch sich ihre Fähigkeit Formen und Umrisse einschätzen zu können verbesserte.
Zum Zeitpunkt meiner ersten Untersuchung am 19. April 1972 erwies sich ihre Arm-Bein-Koordination während des Laufens als ausreichend. Ihre Haltung im Stand zeigte ein Rotationsskoliose, welches beim Einbeinstand deutlicher wurde (Abbildung 11A). Das Ilium rotierte auf der Seite des angehobenen Beines nach hinten. Es lag eine Lordosierung der Lendenwirbelsäule vor. In Rückenlage war die Sakrumbasis auf der rechten Seite angehoben. Die Symphysis sphenobasilaris zeigte eine Linkstorsion bei rechtseitiger Side-bending-Rotation. Das rechte Os temporale stand in Außenrotation. Das Os occipitale schwankte leicht um eine Sagittal-Achse und stand auf der rechten Seite höher als auf der linken. Der harte Gaumen stand hoch und auf der rechten Seite nach außen sowie auf der linken Seite nach innen gedreht. Diese Zeichen legten mehrere traumatische Einwirkungen auf den Schädel nahe.

Abbildung 10A. (Fall 3). siebenjähriges Mädchen am 19. April 1972 vor der Behandlung.
Abbildung 10B. Am 14. Juni 1972 nach der Behandlung. Beachten Sie die verbesserte Zentrierung des Kopfes auf dem Körper und die anterograde Stellung der Augen.

Abbildung 11A. (Fall 3). Rückansicht vor der Behandlung.
Abbildung 11B. Nach der Behandlung. Die tiefer stehende rechte Schulter befindet sich nun auf Höhe der linken. Die Skoliose hat sich verbessert.
Am Ende des Schuljahrs nach sechs Behandlungen des gesamten Mechanismus in wöchentlichem Rhythmus wurde berichtet, dass sie sich stark verbessert hatte; sie war ruhiger, besser gelaunt und musste keine Nachhilfestunden mehr nehmen. Man plante sogar, sie im September in eine spezielle Klasse für begabte Kinder zu schicken (Abbildung 10B, 11B). Der Augenoptiker lieferte folgende Beurteilung18:
„Das Kind hat zwei sehtherapeutische Einheiten abgeschlossen, bevor es zu Dr. Frymann überwiesen wurde. Sie war zu diesem Zeitpunkt immer noch unfähig einige visuell-motorische Aufgaben zu bewältigen und ihre Haltung sprach nicht auf das Training an. Bezogen auf die Fernsicht bestand normale Sehschärfe und Muskelbalancefindung. Bei Nahsicht zeigte sich eine geringe fusionale Rückstellung und es war nicht möglich solide Informationen von weiteren Nahpunkttests zu ermitteln.“
„Nach Beendigung der osteopathischen Behandlung waren alle Zeichen von Sehschärfe, Muskelbalance und fusionaler Rückstellung bezogen auf Fern- und Nahsicht normal. Sie hatte gelernt, einen Stock umherzuwirbeln und Seil zu springen. Ihr Körperbewusstsein und Körperbild hatte sich verbessert und ihr räumliches Vorstellungsvermögen zeigte sich effektiver.“
Fall 4: Ein 8 ½-jähriger Junge war das dritte von sechs Kindern. Sein Geburtsgewicht betrug 3,76 kg, aber man konnte sich an keine Beschwerden erinnern. Er krabbelte nie und konnte im Alter von 8 ½ Monaten laufen. Mit 15 Monaten fiel er aus seiner Wiege. Seine Augen waren dilatiert und er war sehr ruhig. In der ersten Klasse „schnitt er nicht gut ab”. Zum Zeitpunkt der Untersuchung wiederholte er gerade die zweite Klasse und zeigte gar kein Interesse am Lesen. Er ging nicht gerne zur Schule und war sehr befangen.
Die Untersuchung ergab, dass er ein großer und schlanker Junge mit einer ängstlichen bedrückten Miene war. In aufrechter Position stand des rechte Ilium superior, die rechte Schulter superior und posterior und das rechte Ohr posterior und leicht inferior bezogen auf das linke Ohr. In Rückenlage stand das Sakrum auf der linken Seite leicht höher und der sphenobasilare Mechanismus wies einen rechten Lateral-Strain mit linker Torsionskomponente auf. Das rechte Os temporale war nach innen gedreht. Die physiologische Bewegung der Schädelsphäre zeigte sich eingeschränkt. Während der Behandlungen wurde zudem ein unterschwelliger superiorer Vertikal-Strain der Symphysis sphenobasilaris entdeckt.
Nach 7-wöchiger Behandlung bemerkte die Schule eine deutliche Veränderung bezüglich seiner Einstellung und Leistung. Er war nun ein fröhlicherer, kommunikativerer Junge. Am Ende der zweiten Klasse, acht Monate später, wurde berichtet, dass er Fortschritte beim Lesen machte und dass sich seine Lerngewohnheiten verbessert hatten. Er war wesentlich fröhlicher als früher.
Zum Zeitpunkt des Berichts war er in der achten Klasse und hatte überdurchschnittliche Noten.
Fall 5: Ein neunjähriger Junge mit außergewöhnlich hohem IQ verfügte über eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und es wurde empfohlen, dass er die dritte Klasse wiederholen solle.
Die frühe Schwangerschaft war von einer Fehlgeburt bedroht. Er kam sechs Wochen zu früh auf die Welt und hatte Schwierigkeiten sofort zu atmen. Im ersten Lebensjahr zeigte er sich phlegmatisch und mit 7 ½ bekam er Asthma. In der Schule konnte er nicht still sitzen, gab sich beim Arbeiten keine Mühe und konnte nur halb so schnell abschreiben, wie man es für ein Kind in seinem Alter erwarten würde.
Sonst entwickelte er sich normal und konnte zufriedenstellend Rollschuh- und Fahrradfahren. Als kleiner Junge war er auf den Hinterkopf gefallen.
Bei der Untersuchung war er nicht in der Lage still zu halten und die Ebenen der Hüfte, Schultern und Ohren veränderten sich ständig. Beim Lauftest war er nicht in der Lage, Arme und Beine zu koordinieren. Im Stand konnte er seine Arme nicht in einem ruhigen und sich gleichmäßig verändernden Rhythmus schwingen.
Das Balancieren auf einem Bein war ungenügend. Die Hüfte senkte sich nicht auf die Seite des gehobenen Beines.
In Rückenlage stand das Sakrum auf der linken Seite superior und auf der rechten Seite posterior. Sein Kopf war dolichozephalisch geformt und vom Extensions-Typ. Die Symphysis sphenobasilaris wies einen superioren Vertikal-Strain und einen rechten Lateral-Strain mit Kompression auf. Das linke Os temporale zeigte sich in Innenrotation fixiert und der harte Gaumen stand beidseitig hoch und in Innenrotation.
Nachdem er nicht in die vierte Klasse versetzt wurde, riet man in den Sommermonaten zu einer Kombination aus Wahrnehmungstraining gleichzeitig mit osteopathischer Behandlung. In der Regel werden diese Maßnahmen nacheinander angeordnet um den spezifischen Beitrag von beiden zu evaluieren. Im zweiten Monat der vierten Klasse, nach sieben osteopathischen Behandlungen und einem sechswöchigen Intervall ohne Behandlung wurde berichtet, dass er still sitzen und lesen kann und dass seine Schrift sich „drastisch verbessert hat und nun alle Buchstaben von gleicher Größe sind.” Bis zur sechsten Klasse hatte er das Standardniveau erreicht. Die Sehschärfe ohne Hilfsmittel verbesserte sich von 20/40 auf 20/30 auf jedem einzelnen Auge sowie auf beiden zusammen.
Anmerkungen
Die Diagnose einer Lernschwäche ist leicht zu stellen, wenn die routinemäßige Anamnese Fragen über intellektuelle Leistungen und Schulleistungen einschließt. Es ist schwierig, jene Faktoren zu bestimmen, die das Lernproblem verursachen oder dazu beitragen. Allgemein zeigen Untersuchungsreihen zur Evaluation der Kinder mit Lern- und Verhaltensproblemen von Johnson19 eine Verbindung zwischen psychologischen und physischen Unzulänglichkeiten. Diese stammen offensichtlich aus derselben ätiologischen Quelle und rufen durch Interaktion mit den intellektuellen Problemen jenen unglücklichen Zustand hervor. Gelegentlich kann ein spezifisches Problem wie etwa eine Beeinträchtigung des Seh- oder Hörvermögens oder es können Episoden kleinerer Übel festgestellt werden, wobei die Korrektur der Probleme zu einer sofortigen und glücklichen Lösung führt. Aber solche Fälle sind die Ausnahme.
Die Absicht meines Projektes, in dem ich der Ermahnung Dr. Stills folgte, war die Ursachensuche für solche Störungen.
Ich fange mit der Befragung eines Elternteils an, vorzugsweise der Mutter alleine. Es ist eine gute Regel, die Befragung über das Kind niemals in dessen Gegenwart vorzunehmen. Die Unterhaltung mit dem Elternteil eröffnet die Gelegenheit, viel über die Situation zu Hause zu erfahren, die in Gegenwart des Ehepartners oftmals nicht in dieser Art und Weise dargestellt werden würde. Ein gründliche Erhebung des Verlaufs der Schwangerschaft und der Geburt, der frühen Entwicklung, des kindlichen Verhaltens, der Interessen und Stärken liefern Indizien der Unzulänglichkeiten in der Entwicklung jener visuellen Komplexe, die den schulischen Erfahrungen vorausgehen. Traumata, Episoden hohen Fiebers oder schwere Erkrankungen sollten erfragt werden. Nachfragen zur intellektuellen Leistungsfähigkeit, die Einstellung gegenüber der Schule und die Beziehungen zu Klassenkameraden, können bewirken, dass ein Elternteil über seine Sorgen und Ängste bezüglich eines Erziehungsproblems, für das er oder sie noch keine Lösung finden konnte, berichtet.
Die Mehrheit dieser Kinder wurden von einem Augenoptiker an mich überwiesen, der aufgrund 20-jähriger Zusammenarbeit den Wert der osteopathischen Betreuung von Kindern mit Lernproblemen zu schätzen gelernt hat.
Die Untersuchung des Kindes erfolgt immer in Gegenwart der Eltern. Zuerst werden Fotos gemacht. Einfache Tests werden in die körperliche Untersuchung integriert und tragen so zur Diagnose bei. Zu diesen Tests gehören rhythmisches Armschwingen und Arm-Bein-Koordinationsübungen sowie Marschieren. In einem anderen Test wird das Kind angewiesen in ein Kaleidoskop zu sehen, wobei es das dominante Auge benutzen wird. Gekreuzte Dominanz ist eine wichtige Beobachtung bezogen auf die Bedeutung für weitere Befunde.
In einem anderen Test soll das Kind den sich hin- und herbewegenden Finger des Osteopathen beobachten ohne dabei seinen Kopf zu bewegen. Der Osteopath achtet darauf, ob das Kind mit den Augen zwinkert oder ob die Augen zucken, sobald sie die Mittellinie überqueren. Die Unfähigkeit, die Augen zu kontrollieren, kann mit der Unfähigkeit, eine Linie nachzufahren einhergehen. Es folgten ähnliche Tests in vertikaler und diagonaler Richtung. Zudem wurde das Kind angewiesen, sich auf das Gesicht des Osteopathen und seine Bemerkungen zu konzentrieren, egal ob das Kind ein Auge dafür benutzt oder zwei. Das Kind wurde dann gefragt, ob die Nase des Osteopathen einen Schatten wirft.
Wenn mehrere dieser Tests Anomalien zeigen und die Sozialanamnese Leistungsstörungen in der Schule ergibt, sollte das Kind für eine gründliche Evaluation der Wahrnehmungsfunktion zu einem Augenoptiker des spezialisierten College of Vision Development überwiesen werden.
Beim ersten Besuch wurde die körperliche Untersuchung abgeschlossen, dazu gehört die strukturelle Evaluation des gesamten muskuloskeletalen Systems, des Kraniosakralen Mechanismus und des Zahnstatus. Diese Befunde wurden aufgezeichnet und es folgte eine diagnostische und prognostische Einschätzung.
Es folgt eine Besprechung mit beiden Eltern ohne das Kind. Die Befunde werden dargelegt. Sind weitere Tests indiziert, werden diese ebenfalls erklärt. Dann muss die Prognose beachtet werden. Als allgemeine Regel gilt, je jünger das Kind ist, desto besser die Prognose. Für einen Heranwachsenden werden die Grenzen einer möglichen Verbesserung aufgezeigt. Es wird auch verdeutlicht, dass eine Verbesserung einiger zugänglicher Faktoren, bezogen auf das Problem das gesamte Körperbild verändern kann und dem Kind erlaubt, das Optimum aus seinen Fähigkeiten zu machen. Für die meisten Eltern ist irgendeine Verbesserung besser als gar keine.
Es konnte aus langjähriger Erfahrung gelernt werden, dass signifikante Veränderungen im anatomischen physiologischen Mechanismus wöchentliche Besuche im Zeitraum über etwa sechs bis acht Wochen benötigen, um für die Eltern und das Kind nachweisbare Ergebnisse zu zeigen. Dies sollte den Eltern erklärt werden, bevor die Therapie beginnt. Es erfolgt keine Evaluation des Fortschritts während dieser Phase. Bemerken die Eltern oder das Kind vorzeitige Veränderungen, ist dies ein zusätzlicher Gewinn. Tun sie es nicht, trägt das Zeitintervall zum Schutz des Osteopathen bei. Beim letzten planmäßigen Besuch werden der Fortschritt und die Pläne für die Zukunft mit den Eltern diskutiert und es werden erneut Fotos gemacht.
Ist ein visuelles Training erforderlich, findet dieses gewöhnlich nach Abschluss der intensiven osteopathischen Betreuung statt. Der Wert eines Wahrnehmungstrainings wird äußerst kontrovers diskutiert.20 Möglicherweise kann dasselbe von der osteopathischen Betreuung behauptet werden. Man sollte jedoch das Verhältnis von Osteopath und Augenoptiker bei der Behandlung eines Kindes mit Lernschwäche mit der Beziehung zwischen einem Klavierstimmer und dem Musiklehrer bezogen auf einen jungen Musiker vergleichen.
Ganz gleich wie begabt der Musiklehrer oder das Kind sein mag, das Kind wird niemals harmonische melodische Töne produzieren können, wenn das Klavier nicht gestimmt ist. Nachdem der Stimmer herein geholt wird, um das Instrument zu stimmen, muss der Lehrer eingeladen werden, um das Kind zu trainieren und dabei auf der vorherigen Stimmung aufbauen. Die Kunstfertigkeit des Osteopathen liegt im Stimmen des Instruments. Ist dies vollendet, sollte dem Augenoptiker erlaubt werden, schlechte Angewohnheiten zu korrigieren und dem Kind eine bessere Art beizubringen, wie es seine Fähigkeiten effizient nutzen kann.
Zusammenfassung
Diese Studie, mit all ihren Einschränkungen und Unzulänglichkeiten, veranschaulicht das Bedürfnis nach einem zehnjährigen Forschungsprojekt, um zu bestimmen, ob sich die Diagnose und die Behandlung der aus perinatalen Belastungen resultierenden kraniosakralen Strains das Auftreten von Lernschwierigkeiten günstig auswirken. Gleiches gilt für die periodische Reevaluation des Kindes während seiner Entwicklungsjahre, um jedes aus einem Trauma resultierende Strain-Muster aufzulösen und somit das Auftreten von Lernschwierigkeiten zu reduzieren. Es wurden neue Fragen bezüglich der Beziehungen geometrischer Muster des Körpers und seiner physiologischen Funktionen aufgeworfen.
Es wurde gezeigt, dass bei Kindern mit und auch ohne Lernprobleme das gesamte Ausmaß an traumatischen Mustern gefunden werden kann.
Es wurde gezeigt, dass es eine kritische empfängliche Phase gibt, in welcher Strain-Muster besonders zur Lernschwäche beitragen und dass diese kritische Phase, die etwa bis zum Alter von zwei Jahren besteht, auch eine Phase der Chancen für den optimalen Gewinn durch eine Korrektur solcher Strains darstellt.
Es wurde zudem gezeigt, dass viele Kinder von einer osteopathischen Diagnose und Behandlung des Körpers im ganzheitlichen Sinn, inklusive des Kraniosakralen Mechanismus, auch lange nach dem kritischen Alter von zwei Jahren, profitieren. Dennoch sind die Ergebnisse für Kinder im Grundschulalter, besonders der unteren Klassen, besser, als für Schüler höherer Klassen. Zu dieser Zeit verläuft die Rehabilitation durch die Enttäuschungen in der Schule, dem wiederholtem Versagen bei intellektuellen Leistungen und all dem psychischen Stress, der mit der Wahrnehmungs-Dysfunktion und der Fehlkoordination des Selbst einhergeht, verlangsamt und unvollständig.
Nichtsdestotrotz ist die Entwicklung eines Behandlungsprogramms ihre Zeit und Mühen wert, insofern dem Patienten dadurch ermöglicht wird, das Maximum seiner Fähigkeiten auszuschöpfen, sich zu akzeptieren und alle daraus resultierenden Vorteile zu erkennen, welche zum Auflösen seiner Einschränkungen führen können.
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