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Die Begriffe „Balancierte Spannung“ und „Balance“ implizieren nicht notwendigerweise Normalität oder die Vervollständigung des Korrekturprozesses. Sie weisen jedoch auf eine Vervollständigung dieser speziellen Phase des Prozesses hin. In der darauf folgenden Phase wird das Gesamtmuster des Körpers die stattgefundene Veränderung reflektieren. „Ausbalancierte Membranspannung” kann als „der präzise Punkt im Bewegungsspektrum der kranialen Gelenkmechanismen, an dem die einwirkende Spannung in alle Richtungen ausbalanciert wird“ beschrieben. Die Definition kann erweitert werden, um alle Anhänge der Dura mater und die Strukturen der Faszien im gesamten Körper einzuschließen. Dieses Funktionskontinuum der membranösen und faszialen Schichten ermöglicht dem Osteopath die Untersuchung einer Körperregion, um sich Gewissheit darüber zu verschaffen, in welchem dynamischen Zustand sich der gesamte Mechanismus befindet. Darüber hinaus kann der Osteopath durch Aktivierung der inneren Kräfte dem Mechanismus ermöglichen, einen Zustand von Harmonie, Rhythmus und Balance herzustellen.
C. Inhärente Kräfte und deren Release
Der Kraniale Rhythmische Impuls repräsentiert einen sehr feinen Indikator der Vitalität bzw. die Fähigkeit des Patienten zur Regeneration. Der Begriff „Vitalität“ wird bewusst gewählt.
Zwar fehlt eine physiologische Definition für ihn, dennoch ist es ein spezifischer Begriff bezogen auf die Lebensfähigkeit innerhalb eines bestimmten Organismus. Er sollte nicht mit der Messung einer organischen Erkrankung oder Schädigung verwechselt werden. In der Tat kann die Vitalität stark sein, wenn eine organische Erkrankung komplex ist, oder sie kann sich auf dem Tiefpunkt befinden, wenn eine geringe oder gar keine organische Erkrankung festgestellt wird. Dies könnte es erklären, warum es diejenigen gibt, die einerseits unter kleineren Verletzungen leiden, wohingegen andere ein schweres Trauma überleben. Ein Beispiel dafür liefert ein 17-jähriges Mädchen, das durch Zerebralparese teilweise verkrüppelt ist und sich dennoch hoch intelligent, sensitiv, bewusst und fleißig zeigt. Die Situation zu Hause ist etwas unglücklich, der Vater ist tyrannisch, gleichzeitig unaufmerksam, überfürsorglich und dennoch ohne Verständnis für die ehrgeizigen Bestrebungen und den inneren Antrieb seiner Tochter. Eine lebenslange Prädisposition zu Atemwegs-Infektionen führt bei ihr häufig zu Verschlimmerungen, insbesondere unter emotionalem oder mentalem Stress. Geht emotionaler Stress einem solchen physischen Zusammenbruch voraus, liegt meist ein schwacher schwer feststellbarer rhythmischer Impuls vor. Der Wert ändert sich nicht signifikant, aber der Untersucher fühlt diese Bewegung in erster Linie als eine nach außen gehende Bewegung anstatt der normalen schwankenden Bewegung. Bei dieser speziellen Patientin kann der schwache rhythmische Impuls mehrere Tage festgestellt werden, bevor sich körperliche Symptome manifestieren. Andererseits wurde während einiger ernsthafter Lungeninfektionen ein starker selbsterhaltender, rhythmischer Impuls festgestellt und der Erholungsprozess schritt rasch voran.
Dabei handelt es sich um keinen Einzelfall. Die Erfahrung hat gezeigt, dass bei einem energetisch schwachen Befund ein nach außen gehender rhythmischer Impuls als Warnung betrachtet werden kann. Sobald die Bewegung umgedreht wird und das Energiedepot „wieder aufgeladen” ist, kann sehr bald eine drastische Verbesserung festgestellt werden.
Traumatische Erfahrungen, die unter dem Sammelbegriff „Schleudertrauma“ zusammengefasst werden, bringen ebenso tiefe Änderungen der inneren Energiemuster mit sich. R. E. Becker20 beschreibt in seiner Darstellung des Schleudertraumas die Wirkungen plötzlicher Änderungen des Momentums, dem der Körper unterliegt, wenn bei einem Verkehrsunfall ein Auto von hinten, vorne oder seitlich beschädigt wird. Die Geschwindigkeit des sich bewegenden Fahrzeugs während des Aufpralls liefert jene Energiemenge, die dem Körper plötzlich zugeführt wurde. Darüber hinaus „wirkte bei diesen Menschen ein Kraftbogen auf deren Gesamtmechanismus, Faszienschichten, spinale und kraniale Mechanismen, Sakrum und Viszera ein. Jeder dieser Faktoren trägt zu den Einschränkungen des Patienten bei, aber gleichzeitig müssen sie in ihrer Gesamtheit zusammen mit dem hinzugefügten Kraftbogen betrachtet werden. Es ist als wäre das komplette Muster ein eingeprägtes oder verfestigtes Bild einer Schleudertraumaverletzung”.
Untersucht man bei diesen Patienten den Kranialen Rhythmischen Impuls, ist es in vielen Fällen möglich, die Kraftrichtung der verantwortlichen Verletzung zu unterscheiden. Hier sei ein Beispiel angeführt. Eine Frau mittleren Alters stellte sich mit einer langen allgemeinmedizinischen Vorgeschichte einschließlich Verdauungsproblemen, chronischer Müdigkeit, Kopfschmerzen, Colitis, Bursitis, Sinusitis und Allergien vor. Kurz gesagt, es handelte sich um die Anamnese einer über dreißig Jahre lang chronisch Erkrankten. Bei der Befragung nach Traumata zeigte sich, dass sie als junges Mädchen zwei Treppenabsätze hinuntergefallen war, mit der Folge einer leichten Gehirnerschütterung. Bei der Untersuchung des Kranialen Rhythmischen Impulses hatte der Untersucher das Gefühl, als ob der Impuls stark zum rechten Pektoralgürtel und nach außen in die Schulter zog. Die Richtung konnte modifiziert werden, aber es stellte sich immer wieder das gleiche Muster ein. Die Patientin wurde gefragt, ob sie sich an einen Unfall erinnert, bei dem eine Kraft auf ihre rechte Seite einwirkte. Einige Wochen später erinnerte sie sich an den Unfall. Im Alter von 8 Jahren fiel ein viel schwereres Mädchen auf sie, als sich versehentlich ein Wagen in Bewegung gesetzt hatte. Sie landete mit ihrem rechten Arm und der Schulter unter dem Mädchen. Das Energiemuster wurde beim ersten Besuch verändert und als sie wiederkam, sagte sie, dass sie sich „besser als die Jahre zuvor fühle”, obwohl immer noch etliche Beschwerden weiter bestünden. Sie erschien energiegeladener und war viel fröhlicher und philosophischer. Als die Behandlung weiterging und die strukturellen Muster korrigiert wurden, stellte sich ein Gesundheitszustand ein, den sie nie zuvor erlebt hatte. Was dies ermöglichte, war jedoch der Release des Energiemusters.
In diesem Kapitel wurde der innere inhärente Rhythmus untersucht, diejenige spontane Bewegung, welche die Balancierte Membranspannung und die Wahrnehmung der Kräftemuster bewirkt, die sich infolge von Traumata in den Körper prägen. Demjenigen, der den Unterschied zwischen den Farben Gelb, Rot und Orange noch nicht einschätzen kann, ist schwer mit Worten zu vermitteln, was mit diesen drei Farben gemeint ist. Ähnlich verhält es sich bei den beschriebenen Bewegungen und Kräften innerhalb des menschlichen Körpers. Zwar stehen sie in vergleichbar enger Beziehung zueinander, dennoch handelt es sich um genauso verschiedene Modulationen der palpatorischen Empfindung wie gelb, rot und orange verschiedene Modulationen der visuellen Empfindung sind. Verfolgen wir diesen Vergleich noch etwas weiter. Farbe ist die Manifestation von Lichtwellen einer bestimmten Wellenlänge. Alle Farben sind Teile des Lichts. Sobald Licht beim Durchtritt durch ein Prisma aufgesplittet wird, manifestieren sich die Farben, aus denen es besteht. Wird das Prisma entfernt, verschwinden die Farben und es bleibt reines Licht als Manifestation einer bestimmten Energieform übrig. Die drei Bewegungsarten, die in diesem Kapitel beschrieben wurden, könnten auch als drei Phasen einer Energieform beschrieben werden.
Das kindliche Auge hat Schwierigkeiten nah verwandte Farben auseinander zu halten. Durch kontinuierliche Beobachtung reift es und lernt den Unterschied zwischen gelb und orange sowie orange und rot zu erkennen. Mit weiterer Übung wächst es heran, um feinste Variationen von Schattierungen der speziellen Farben auseinander zu halten. Der Osteopathie-Student muss am Anfang seiner Ausbildung praktisch lernen, wie er Knochen, Muskeln oder Viszera palpiert, nach und nach lernt er zwischen einem gesundem, einem verspannten oder einem schlaffen Muskel zu unterscheiden; graduell lernt er, dass sich ein harter maligner Tumor und ein fester, gutartiger Tumor unterschiedlich anfühlen. Er lernt auch, die Bewegung der Brustwand zu palpieren, Ungleichmäßigkeiten in der Bewegung des Thorax zu erfühlen und das feine Schwirren oder Vibrieren eines Bronchial- oder Vokalfremitus wahrzunehmen. Im Laufe seines weitergehenden Studiums des menschlichen Körpers wird er die inhärente rhythmische Bewegung und ihre Abweichungen wahrnehmen, er wird die dynamische Mechanik der Homöostase erkennen und er wird in die Bewegung bis hin zu den Energiefaktoren eindringen, die möglicherweise von außen auferlegt wurden.
Palpation kann nicht über Lesen oder Zuhören erlernt werden, sie kann nur durch Palpation erlernt werden. Dazu werden wir jetzt eine wahrnehmende, erforschende Palpation entwickeln. Lassen Sie uns schauen, was wir unter unseren Händen finden, anstatt das zu suchen, was dem Lehrbuch nach dort sein sollte. Jeder einzelne Patient ist bei jedem einzelnen Besuch ein neues Territorium, das es zu erforschen gilt. Selbst die beste Anamnese ist unvollständig. Häufig vergessen Patienten traumatische Erlebnisse oder sie beschließen, sich nicht daran zu erinnern. Aber der menschliche Körper führt ein Notizbuch über signifikante Verletzungen, das der Osteopath lesen kann – insofern er die Sprache der Gewebe versteht. Solange die Erkrankung unterdrückt anstatt geheilt wird, gilt es behindernde Narben zu entstören. Man muss sie erkennen und verstehen. Ebenso hinterlassen tiefer emotionaler Schock, Sorge oder Ärger ihre innere Prägung. Sensitive wahrnehmende Hände können deren Auswirkungen mit fortwährendem Nutzen für den Patienten finden und beeinflussen.
Darin besteht die Kunst und Wissenschaft der Osteopathie. Obwohl schon über 63 Jahre vergangen sind, kann ich immer noch mit Dr. Stills Worten sagen, ”die Osteopathie steckt noch in ihren Kinderschuhen, es ist ein großes neu entdecktes Meer und bis jetzt sind wir nur mit den Gezeiten an der Küste vertraut.”21
Lassen Sie keinen Tag vergehen, ohne einen Schritt weiter zu forschen.
Bibliografie
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Vergleiche Anm. 7
9.
Vergleiche Anm. 7
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11.
Vergleiche Anm. 7
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13.
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7. FASZIALE RELEASE-TECHNIKEN
Viola M. Frymann, DO, FAAO
Unveröffentlichtes Manuskript eines Kurses in Paris, Frankreich, 5. - 9. September 1983.
Release-Techniken können mit dem Ziel angewandt werden, Muskelspannungen zu lindern, größere Mobilität in einem Organ, einer Faszie oder einem Gelenk zu erreichen sowie eine Korrektur innerhalb des Gelenkmechanismus zu bewirken. Das Prinzip des Release ist sehr einfach und kann universell eingesetzt werden.
Untersuchen Sie das Bewegungsspektrum der zu untersuchenden Region. Untersuchen Sie deren verschiedene Bewegungsspektren, etwa Flexion und Extension, Side-bending rechts und links, Rotation rechts und links. Untersuchen Sie auch, in welche Richtung sich die Region im Seitenvergleich am leichtesten bewegt. Führen Sie sie anschließend in diese Richtung, halten Sie sie dort und erlauben Sie, dass die körpereigenen Kräfte ihre Arbeit erledigen. Falls es sich statt spezifischer Gelenke um Weichteile handelt, untersuchen Sie die Bewegung nach kranial und kaudal, rechts und links. Um die Richtung herauszufinden, die sich bei allen untersuchten Bewegungen ergibt; testen Sie etwa zuerst die Bewegung nach kranial und kaudal. Vielleicht bewegen sie sich freier in kranialer Richtung, daher führen Sie sie dann nach kranial und halten sie dort. Von diesem Punkt aus untersuchen Sie jetzt, ob die Weichteile sich leichter nach rechts oder links bewegen. Führen Sie sie in die Richtung, in die sie sich leichter bewegen. So befindet sich das Gewebe jetzt in der Position mit dem höchsten Freiheitsgrad und einer guten Bewegungsfreiheit. Halten Sie das Gewebe in dieser Position, beobachten Sie mit den Fingerspitzen, wie die Gewebe sich unter der Hand bewegen und folgen sie ihnen, bis Sie an den Punkt gelangen, an dem eine sanfte, freie und longitudinale Bewegung erfolgt. Der Körper hat nun nicht mehr die Tendenz, in eine bestimmte Richtung zu ziehen. Die Bewegung ist sanft, rhythmisch und verläuft longitudinal. Diese Technik kann bei Strain in jeder Körperregion angewandt werden.
Halswirbelsäule
Für die Untersuchung der physiologischen Bewegungen der Halswirbelsäule empfehle ich das Studium der ersten drei Kapitel von Halladays Applied Anatomy of the Cervical Spine.
Bewegungstest. Legen Sie beim sitzenden Patienten eine Hand an den Nacken, um Bewegung auf den einzelnen zervikalen Segmenten erfassen zu können. Die andere Hand wird auf den Kopf gelegt und testet sanft das Bewegungsspektrum: Flexion, Extension, Lateralflexion rechts, Sidebending rechts, Lateralflexion links, Side-bending links, Rotation rechts, Rotation links. Ist das Bewegungsspektrum der Flexion größer als das der Extension, nutzen Sie den Kopf und folgen sie der Halswirbelsäule in Flexion. Halten Sie sie dort und beobachten Sie den zervikalen Bereich. Folgen Sie ihrer Bewegung während des Unwindings. Es ist jedoch sehr selten ein reiner Strain in nur einer Bewegungsebene festzustellen. Untersuchen Sie daher im Falle der Halswirbelsäule C3 - C7, testen Sie das Bewegungsspektrum der Beugung nach vorne und nach hinten – führen Sie die HWS in die Region, in die sie sich am leichtesten bewegt. Von diesem Punkt aus testen Sie jetzt die Lateralflexion rechts bzw. links und führen Sie die Halswirbelsäule in die Richtung, in die sie sich am leichtesten bewegt. Von diesem Punkt aus testen Sie die Rotation rechts bzw. links und halten Sie die HWS in der Position, in die sie sich am leichtesten bewegt. Spüren Sie dem allem mit der linken Hand nach. Folgen Sie der Bewegung mit der rechten Hand auf dem Scheitel. Erlauben Sie das Unwinding, in welche Richtung die HWS auch gehen mag, bis sich eine sanfte, rhythmische freie vertikale Bewegung einstellt. Überprüfen Sie anschließend erneut das Bewegungsspektrum in alle Richtungen und vergleichen Sie es mit den zuvor festgestellten Resultaten.
Dekompression der Kondylen. Diese Läsion tritt beim Neugeborenen häufig auf. Der Patient liegt auf dem Rücken, der Behandler sitzt am Kopfende. Häufig ist es wünschenswert, das Baby beim Stillen zu behandeln. Der Behandler nutzt Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand und gleitet mit ihnen so nah an den Kondylen wie möglich am Okziput entlang. Der Kopf wird stabil gehalten und die Falx wird unter Spannung gesetzt, indem mit dem Mittelfinger der linken Hand Kontakt mit der Sutura metopica aufgenommen wird. Die Finger der posterioren Hand werden sanft nach hinten um die Biegung des Okziput gelegt, um die bilaterale Kondylenkompression zu dekomprimieren.
Zeigt sich die Kompression unilateral, wird der Finger auf der Seite der Kompression nach posterior gezogen, bis der Release einsetzt. In diesem Fall wird immer eine direkte Technik genutzt. Bewegen Sie sich zur Dekompression exakt gegen die Kondylenkompression.
Atlanto-okzipitale Läsion. Beim Erwachsenen wird folgende Methode genutzt. Der Patient liegt auf dem Rücken, der Behandler sitzt am Kopfende der Liege. Mit beiden Mittelfingern wird Kontakt mit dem Okziput, nahe an den Kondylen, aufgenommen. Bitten Sie den Patienten, das Kinn einzuziehen und den Kopf zu neigen. Die Hände des Behandlers und des distalen Unterarms sollten zur Unterstützung auf dem Tisch liegen. Die Finger sind leicht nach lateral gerollt und die Ellbogen und Handgelenke werden etwas nach medial bewegt, während die Region sanft in postero-laterale Richtung gezogen wird. Ziel dabei ist, den gesamten Rand entlang des Foramen magnum zu erweitern und nach anterior zu dekomprimieren.
Eine Alternative zu dieser Technik ist als Basis-Spread bekannt. Die beiden Mittelfinger werden am Okziput so nah wie möglich an das Foramen magnum gelegt. Die beiden Zeigefinger werden dem Arcus atlantis angelegt und die beiden Daumen liegen auf den Processi mastoidei der Ossa temporalia. Der Patient wird gebeten, das Kinn ein- und den Kopf nach vorne zu ziehen. Zeige- und Mittelfinger werden mit Druck gespreizt, der vom Gewebewiderstand bestimmt wird. Die Processi mastoidei werden in Relation zu diesen Fingern balanciert und diese Dekompression wird aufrechterhalten, bis Entspannung, Wärme und freie Bewegung festzustellen sind.
Ebenfalls in Rückenlage wird des weniger verbreitete Anterior-bending oder Flexions-Strain von Okziput und Atlas behandelt. Der Behandler sitzt am Kopfende der Liege und legt Zeige- und Mittelfinger einer Hand auf den Arcus atlantis an den Massae lateralis atlantis. Die andere Hand wird auf den Scheitel des Schädels gelegt und schwingt das Okziput in die Richtung der freien Bewegung, d. h. in Richtung Flexion bis zur Barriere dieser leichten Bewegung. Der Patient wird daraufhin gebeten einzuatmen und den Atem anzuhalten, während der Release stattfindet. Üblicherweise findet eine Unwinding-Bewegung des Kopfes auf dem Atlas statt, bis er sich plötzlich sanft, frei und rhythmisch bewegt.
Diese Technik kann auch im Sitzen durchgeführt werden. Der Behandler sitzt auf der Liege und blickt in die entgegengesetzte Richtung wie der Patient. Legen Sie Daumen und Mittelfinger einer Hand auf den Arcus atlantis posterior der Massae lateralis atlantis und die andere auf den Scheitel. Testen Sie das Bewegungsspektrum von Extension und Flexion und folgen Sie der Bewegung bis zu den Barrieren der freien Flexion. Bitten Sie den Patienten nach einer tiefen Einatmung den Atem anzuhalten. Folgen Sie dem Mechanismus während des Unwinding-Prozesses solange, bis eine freie, sanfte und rhythmische Bewegung eintritt. In allen Fällen untersuchen Sie das Bewegungsspektrum des Gelenks nach Abschluss der Technik erneut. Sie sollten eine freie, sanfte, rhythmische Bewegung in beide Richtungen vorfinden.
Okziput anterior, unilateral. Wurde das Okziput auf einer Seite nach vorne rotiert, ergeben sich folgende Befunde: Gleitet der linke Condylus auf den Gelenkflächen des Atlas nach antero-medial, so gleitet der rechte Condylus nach postero-lateral, die linke Mastoidspitze nähert sich dem linken Processus transversus, der rechte Angulus mandibulae nähert sich dem rechten Processus transversus, das Kinn befindet sich leicht rechts der Mittellinie, der Scheitel des Schädels weist leicht nach links und die Bewegungsfreiheit geht in Richtung Side-bending links und Rotation rechts.
Dieser Befund wird in Rückenlage behandelt. Der Behandler sitzt am Kopfende des Tisches und ergreift den Arcus atlantis in der Nähe der Massae lateralis atlantis mit Daumen und Zeigefinger, wobei seine Hand und sein Unterarm auf der Liege ruhen. Die gegenüberliegende Hand ruht zur Kontrolle der Bewegung auf dem Schädeldach. Bei diesem Beispiel wird die größte Bewegungsfreiheit in Side-bending links und Rotation rechts festzustellen sein. Das Okziput wird über den Scheitel zu besagtem Punkt der freien Bewegung geführt. Der Mechanismus wird dort gehalten, wenn nötig, mit Hilfe der Atmung. Folgen Sie dem stattfindenden Unwinding-Prozess und warten Sie, bis sich die Bewegungsfreiheit einstellt. Untersuchen Sie das Bewegungsspektrum nochmals, um sicher zu gehen, dass die Korrektur vollständig ist.
Eine alternative Technik: Der Patient liegt auf dem Rücken. Nehmen wir nochmals an, dass das linke Okziput wieder nach anterior rotiert ist. Lassen Sie die linke Hand wieder unter den Kopf gleiten, um den Arcus atlantis mit Zeige- und Mittelfinger zu berühren. Die rechte Hand berührt das interparietale Okziput, führt die obere Region desselben nach rechts und rotiert zugleich das posteriore Okziput nach links. Es handelt sich um direkte Release-Techniken. Mit unterstützender Kooperation der Atmung wird die Position aufrechterhalten, bis das Okziput sich frei bewegt.
Eine dritte Technik erfolgt im Sitzen. Wiederum sitzt der Behandler dem Patienten gegenüber und legt einen Hand auf den Arcus atlantis, untersucht das Bewegungsspektrum und führt das Okziput über den Kopf in die Richtung, in die es sich am leichtesten bewegt – d. h. Rotation rechts und Side-bending links. Untersuchen Sie, in welche Richtung es sich leichter in Flexion oder Extension bewegt und ergänzen Sie diese Komponente, während Sie den Kopf in dieser Richtung halten. Lassen Sie den Patienten einen tiefen Atemzug machen, erlauben Sie ein Unwinding des Faszienmechanismus und folgen Sie ihm, bis sich eine freie Bewegung in alle Richtungen einstellt.
Bewegung zwischen Atlas und Axis stellt in erster Linie eine Rotationsbewegung dar. Eine atlanto-okzipitale Läsion auf einer Seite hat häufig eine entgegengesetzte Rotation zwischen Atlas und Axis auf der Gegenseite zur Folge. In vielen Fällen wird die Behandlung, die bereits für die atlanto-okzipitale Region eingesetzt wurde, ein gleichzeitiger Release der atlanto-axialen Region bewirken. Sind jedoch nach dem Release der atlanto-okzipitalen Region noch Reste des Rotations-Strain am atlanto-axialen vorhanden, kümmern wir uns unmittelbar darum.
Der Patient liegt auf dem Rücken, der Behandler sitzt am Kopfende der Liege. Legen Sie Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand auf den Arcus posterior atlantis und die Massae lateralis atlantis; Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand liegen auf dem Arcus axis unmittelbar darunter. Ein sehr leichter Rotationstest wird durchgeführt, indem eine Hand in Richtung Uhrzeigersinn bewegt wird und die andere entgegengesetzt. Bewegen Sie Atlas und Axis zu den Barrieren der freien Bewegung, halten Sie sie mit einem leicht separierenden Zug in der Position zwischen beiden Händen und bitten Sie den Patienten einzuatmen und den Atem anzuhalten, bis ein Release stattfindet.
Alternativ, legen Sie beim sitzenden Patienten zwei Finger auf den Axis unmittelbar unter den Arcus atlantis. Testen Sie die Rotation des Kopfes auf dem Axis in der Neutralposition. Halten Sie den Kopf in die Richtung, in die er sich am leichtesten bewegt und lassen Sie den Patienten tief einatmen und halten Sie die Position bis der Release eintritt.




