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Zum Beispiel könnte sich die erste zu untersuchende Geweberegion unter unserer Hand freier nach superior und lateral bewegen. Finden Sie diese Stelle und halten Sie das Gewebe dort, während Sie mit der rechten Monitor-Hand beobachten, wo sich die Gewebe spontan zu bewegen beginnen. Folgen sie den Geweben, welche Richtung sie auch wählen, bis sich eine freie, sanfte longitudinale Bewegung einstellt. Führen Sie eine Voruntersuchung des faszialen Bewegungsspektrums durch. Vermutlich hat sich das superiore und inferiore Spektrum ausbalanciert und die rechte und linke Bewegung wird ebenfalls ausbalanciert sein.
Als nächstes wandern Sie eine Handbreit nach oben zum mittleren Abschnitt des Colon descendens. Wiederholen sie den Vorgang. Wandern Sie zur Flexura splenica. Erneut wiederholen Sie den Vorgang. Stellen Sie sich anschließend auf die linke Seite der Liege und führen Sie die Technik im Bereich der Flexura hepatica, in der Mitte des Colon ascendens und abschließend im Bereich des Caecum aus.
Lumbalregion
Zur Untersuchung der Lendenwirbelsäule sitzt der Patient auf einer Seite der Liege, der Behandler steht hinter dem Patienten, greift mit seiner rechten Hand vor den Patienten und legt sie auf dessen linker Schulter ab. Der Patient wird gebeten, mit seinen Händen den Arm des Behandlers zu umfassen und die Arme hängen zu lassen. Eine Hand wird zur Beobachtung auf die Lendenwirbelsäule gelegt. Anschließend werden die Bewegungen von Extension oder Rückwärtsbeugung, Flexion oder Vorwärtsbeugung, Side-bending rechts bzw. links und Rechts- bzw. Linksrotation untersucht. Welche Bewegung geschieht freier? Achten Sie darauf, dass Sie bei dem Bewegungstest die Lendenwirbelsäule bewegen und nicht die Brustwirbelsäule darüber oder die Hüftgelenke darunter. Haben Sie die Richtung der größeren Bewegungsfreiheit festgestellt, führen Sie den Mechanismus in die freiere Beweglichkeit der Flexions- oder Extensionsrichtung. Addieren Sie dann die freie Beweglichkeit in die Richtung des rechten oder linken Side-bending, anschließend in die Richtung der rechten oder linken Rotation. Halten Sie den Mechanismus in dieser Position. Bitten Sie den Patienten tief einzuatmen und halten Sie die Position aufrecht. Folgen Sie dem Mechanismus während er den Unwinding-Prozess solange durchläuft, bis er sich beruhigt und sich eine sanfte, freie und leichte Flexions-Extensionsbewegung einstellt. Untersuchen sie Ihre Bewegungsspektren erneut. Vermutlich werden Sie dabei eine Verbesserung feststellen.
Falls der Behandler klein und der Patient groß ist, erscheint es praktikabler, den Patienten eher im Liegen als im Sitzen zu untersuchen. Und falls Sie mehr Informationen benötigen als Ihnen in der Sitzposition zugänglich waren – drehen Sie den Patienten auf die Seite, und in diesem Fall etwa auf die rechte Seite. Beugen Sie die Knie und die Hüfte rechtwinklig. Lassen Sie die Knie etwas über die Liege hinausragen und auf dem Oberschenkel des Behandlers ruhen. Der Behandler unterstützt daraufhin die Fußgelenke mit seiner rechten Hand und nutzt seine linke Hand zur Beobachtung der Bewegungen in der Lendenregion. Bewegt der Behandler die Fußgelenke vertikal nach oben, wird in der Wirbelsäule eine Lateralflexion nach links mit einer Konvexität nach rechts und einer Konkavität nach links hervorgerufen. Werden die Füße nach unten Richtung Boden bewegt, folgt eine Konvexität nach links und eine Konkavität nach rechts. Auf diese Art und Weise kann sowohl ein Segment als auch die komplette Lendenwirbelsäule untersucht werden. Bei Anhebung der Knie in Richtung Decke entsteht eine Lendenrotation, bei der die Wirbelkörper nach links zeigen. Werden die Knie gesenkt, entsteht eine Rotation mit nach rechts zeigenden Wirbelkörpern. Eine erhöhte Flexion oder Vorwärtsbeugung entsteht, wenn die Knie weiter zum Behandler gezogen werden und wenn die Knie unmittelbar nach posterior gedrückt werden, eine größere Rückwärtsbeugung oder Extension.
Dieser Bewegungstest kann in eine Behandlung überführt werden, indem die entsprechende Beweglichkeit wie im Sitzen in jeder Richtung untersucht wird, der Balancepunkt gefunden und bis zum Release gehalten wird.
Eine Behandlung in Rückenlage kann unter gewissen Umständen angenehmer sein. Stellen Sie sich auf die rechte Seite des Patienten und flektieren Sie die Oberschenkel von der Hüfte aus um 45°. Legen Sie Ihren rechten Arm über die Knie des Patienten und Ihre linke Hand unter die Lendenregion. Bei Führung der Knie nach links, rotieren die Lendenwirbelkörper nach ebenfalls links. Werden die Füße nach links rotiert, aber die Knie nach rechts, wird eine Lateralflexion nach links induziert. Eine Rotation der Füße nach rechts und der Knie nach links, bewirkt eine Lateralflexion nach rechts. Eine stärkere Flexion der Oberschenkel in Richtung Körper hat eine stärkere Flexion der Lendenwirbelsäule zur Folge. Zieht man die Knie nach unten, wird die Extension verstärkt. Testen Sie anschließend wiederum das Bewegungsspektrum, finden Sie den Balancepunkt und beobachten Sie weiterhin die Lendenregion mit der darunter liegenden Hand. Führen Sie das Becken und die Oberschenkel durch das angegebene Bewegungsspektrum und lassen Sie deren Extension auf der Liege zu. Untersuchen Sie das Bewegungsspektrum erneut.
Für mich ist diese Technik von besonderem Wert bei Kleinkindern, bei denen ich die Knie mit meiner rechten Handinnenfläche kontrolliere und die Lendenregion mit meiner darunter liegenden linken Hand beobachte.
Halladay sagt dazu: „Die Rotation fällt in der Lendenregion minimal aus. Falls sie vorliegt, dann hauptsächlich an der Junctura thoracolumbalis, T12-L1 und der Junctura lumbosacralis, L5-S1”. Das entspricht auch meiner Erfahrung. Lassen Sie mich nochmals betonen, bei der abschließenden Analyse ist es der Bewegungstest, der Ihnen die Diagnose ermöglicht, die Aufschluss über den Behandlungsansatz gibt.
Becken
Untersuchung im Stehen. Zur Messung der Lage und Höhe der Beckenkämme legt der Behandler die Palmarfläche des Zeigefingers auf sie, um mögliche Ungleichheiten festzustellen, etwa ob eine Seite höher liegt als die andere. Gleichzeitig erhält er Informationen über die Beinlängen. Es gibt zwei verschiedene Typen von Beinlängendifferenzen.
Anatomische Verkürzung. Hier handelt es sich um eine echte Beinlängenverkürzung, die auf der ligamentären oder ossären Struktur des Beines selbst beruht. Zum Beispiel: Es können Kontrakturen der Kniekapsel, strukturell verkürzte Ischiokruralmuskulatur bzw. Fascia lata, Plattfüße, Poliomyelitis, Vernarbung aufgrund von Verbrennungen, Osteomyelitis und Brüchen vorliegen. Obwohl es sich hierbei um anatomische Ursachen einer Beinverkürzung handelt, reagieren sie möglicherweise auf eine funktionelle Behandlung der speziellen Region. Bei verkürzter Ischiokruralmuskulatur liegen die Bewegungsbarrieren im Knie, Fußgelenk oder der Hüfte, in manchen Fällen durch Narbengewebe und können häufig durch Plattfüße begründet sein. Da es sich im Moment der Messung um anatomische Faktoren handelt, reagieren Sie möglicherweise auf eine Behandlung und lassen sich verändern. Liegt jedoch eine Paralyse aufgrund von Poliomyelitis vor oder ist eine Knochenschädigung auf eine Osteomyelitis zurückzuführen, oder eine Knochenverkürzung auf einen Bruch des Femur bzw. der Tibia und Fibula, dann handelt es sich in den meisten Fällen um ein irreversibel kurzes Bein.
Funktionelle Verkürzung wird als scheinbare Verkürzung definiert und beruht auf einem Ungleichgewicht zwischen Becken- und Lumbalmuskulatur. Nutzen wir dazu folgende Analogie – Stellen Sie sich vor, Sie haben zwei Socken, die an einem Kleiderbügel hängen. Der Kleiderbügel ist jedoch hinter einer Gardine versteckt. Sie können nur die Socken sehen. Hängt der Kleiderbügel schräg, wird eine Socke länger als die andere erscheinen. So verhält es sich in diesem Fall auch mit dem Bein.
Ein scheinbar kurzes Bein könnte auf eine posteriore Rotation des Ilium zurückzuführen sein, eventuell in Kombination mit einer superioren Subluxation des Os pubis, einer anterioren Torsion des Sakrum oder einer superioren Subluxation des Ilium (gleichbedeutend mit einem superioren Os coxae). Ist die Lumbalbewegung frei, so könnte es auch mit der Lumbalkonvexität zur gegenüberliegenden Seite zusammenhängen. Das lange Bein kann auf einer Umkehrung dieser speziellen Befunde beruhen.
Sowie Sie sich vergewissert haben, ob eine anatomische Beinverkürzung vorliegt, worauf die Höhe der Beckenkämme hinweist, untersuchen Sie als nächstes die Position der Spina iliaca posterior superior (SIPS) im Stehen. Dabei gibt es drei mögliche pathologische Befunde:
1 Eine superiore versus inferiore Verlagerung;
2 Eine anteriore versus posteriore Verlagerung;
3 Eine laterale versus mediale Verlagerung.
Liegt die SIPS inferior, beruht das häufig auf Verspannungen der ipsilateralen ischiokruralen Muskulatur oder seltener auf iliakaler Rotation und Subluxationen des Os pubis. Liegt eine SIPS anterior, liegt möglicherweise eine Verspannung der ipsilateralen Außenrotatoren oder der kontralateralen Innenrotatoren vor.
Als verspannter Außenrotator erscheint häufig der ipsilaterale Musculus iliopsoas. Kontralateral verspannte Innenrotatoren finden sich häufig in der verspannten ischiokruralen Muskulatur bzw. in einem verspannten Musculus glutaeus medius. Wird die Hüfte in Rückenlage 90° flektiert, sind die Haupt-Außenrotatoren der Musculus piriformis, die Haupt-Innenrotatoren der Musculus adductor magnus und die ischiokrurale Muskulatur.
Der Flexionstest im Stand testet die iliosakrale Beweglichkeit. Beim Flexionstest im Stand wird das Becken nicht so wie im Sitzen stabilisiert, da die unteren Extremitäten ihren Einfluss über die Bewegung der Ossa ilia auf das Sakrum ausüben. Der Patient steht aufrecht und ist barfuß. Wurde beim vorhergehenden Test ein anatomisch kurzes Bein festgestellt, sorgen sie für eine temporäre Unterlage auf der kurzen Seite, um die Höhen der Beckenkämme auszugleichen. Die Füße des Patienten sollten ungefähr zehn Zentimeter auseinander stehen, die Fersen sollten sich unmittelbar unter dem Acetabulum befinden. Stehen oder sitzen Sie nahe hinter dem Patienten, palpieren Sie die inferioren Begrenzungen der SIPS mit Ihren Daumen. Bitten Sie den Patienten, die Knie zu strecken und sich langsam nach vorne zu beugen, so als ob er versuchen würde, seine Zehen zu berühren. Achten Sie auf die Bewegung der SIPS. Physiologisch gesehen sollten sich beide gleichmäßig nach superior bewegen. Ist dies nicht der Fall, liegt möglicherweise eine Verkürzung der ischiokruralen Muskulatur vor. Ein Test im Sitzen kann das ausschließen.
Flexionstest im Sitzen. Der Patient sitzt auf einem Stuhl, die Oberschenkel befinden sich im rechten Winkel zum Torso, die Unterschenkel sind ebenfalls um 90° vom Oberschenkel abgewinkelt. Die Füße stehen so weit auseinander, dass der Kopf zwischen die Knie sinken kann. Ist der momentane Zustand auf ein Problem in der ischiokruralen Muskulatur oder irgendwo in den Beinen zurückzuführen, wird die ungleiche Bewegung der zwei SIPS, die beim Vorwärtsbeugen im Stehen zu beobachten war, verschwunden sein. Besteht andererseits immer noch eine Ungleichheit, können Sie sicher sein, dass die Ursache nicht im Bein zu finden ist, sondern irgendwo oberhalb der unteren Extremitäten.
Kommen wir noch einmal zum Test im Stehen. Er bestätigt Rotationen der Ossa ilia sowie Subluxationen der Ossa ilia und des Os pubis.
Um Läsionen des Os pubis zu diagnostizieren, untersuchen Sie den Patienten in Rückenlage. Legen Sie ihre Hände auf das Abdomen des Patienten in Richtung Mittellinie der unteren Quadranten, in Nähe der Symphysis pubis, um die exakte Lokalisierung der Symphysis pubis zu erlernen. Wandern Sie nach unten zum oberen Rand der Symphyse und legen Sie Ihre zwei Zeigefinger parallel zueinander, halten Sie Ihre Fingerspitzen ungefähr einen Zentimeter auseinander. Nun bewegen Sie die Fingerspitzen seitlich vor und zurück, um den höchsten Punkt des Tuberculum pubicum zu palpieren und Ihre Fingerspitzen dort ruhen zu lassen. Vergleichen Sie die Höhen der Tuberculi. Steht ein Tuberculum anterior oder posterior?
Test des Ilium über die Spina iliaca anterior superior (SIAS) am Patienten in Rückenlage. Der Patient sollte gerade liegen. Um sicher zu sein, dass der Patient im Rahmen seines Haltungsmusters gerade liegt, lassen Sie ihn die Knie flektieren, die Füße auf die Liege aufsetzen und das Gesäß so hoch wie ihm möglich anheben. Anschließend soll er das Gesäß fallen lassen: Er soll es nicht langsam nach unten nehmen, sondern es auf die Liege fallen lassen. Dann bitten Sie ihn, die Beine zu strecken. Stellen Sie sich auf eine Seite des Patienten. Das dominante Auge des Behandlers sollte sich auf derselben Seite befinden wie seine dominante Hand. Palpieren sie die inferioren Begrenzungen beider Spinae iliacae anterior superior (SIAS) vom weichen Gewebe angefangen in Richtung ossäre Spina. Vergleichen Sie die superior-inferiore Position der SIAS auf beiden Seiten, anschließend die antero-posteriore Position der SIAS, ebenfalls auf beiden Seiten. Während Ihr Daumen auf der SIAS ruht, legen Sie Ihren Mittelfinger als Lot auf die Oberfläche der Liege. Das ist ein nützliches Maß zur anterioren Messung der Distanz zwischen beiden SIAS.
Integritätstest des Iliosakralgelenks, Wilsons Test: Der Patient liegt auf dem Rücken, das Becken wird wie oben beschrieben ausbalanciert, das rechte Bein ist in Knie und Hüfte 90° angewinkelt und der Femur steht 90° in Adduktion und Außenrotation. Die Spannung wird in diesen Richtungen aufrechterhalten, während man das Bein passiv auf die Liege ausgestreckt. Die Beinlängen werden verglichen und jede Veränderung notiert. Anschließend werden die rechte Hüfte und das Knie wieder flektiert, wobei der Femur adduziert und nach innen rotiert. Der Druck wird nun in diesen Richtungen aufrechterhalten, während man das Bein auf der Liege ausstreckt. Vergleichen Sie wiederum die Beinlängen. Die positive Seite, d. h. die Seite mit eingeschränkter Beweglichkeit weist eine geringere Beinlänge auf.
Becken-Lift
Der Osteopath steht am Kopf des auf dem Rücken liegenden Patienten und blickt auf die Füße. Die Knie des Patienten sind angewinkelt, die Füße sind auf der Liege flach aufgesetzt. Der Behandler platziert die Fingerspitzen genau oberhalb der Symphysis pubis. Der Patient atmet ein und anschließend so tief und lange wie möglich aus, während der Behandler die Fascia abdominalis und die Fascia pelvis nach kranial anhebt. Bei jeder Ausatmung hebt der Behandler die Faszien von einem höheren Niveau aus in Richtung Abdomen an.
Sakrum
Nun zur Bewegung des Sakrum und Läsionen, die wir möglicherweise dort antreffen. Lumbosakrale Kompression aufgrund eines Sturzes auf das Gesäß. Ein Kind, das gerade Laufen lernt, wird irgendwann müde und setzt sich einfach hart hin. Es fällt aufs Eis, es fällt die Treppen herunter oder es fällt, wenn es einen Stuhl nach vorne zieht. Das sind weit verbreitete Ursachen von Verletzungen. Es handelt sich um gewöhnliche Probleme, die jedoch nicht sofort offensichtlich sind. Asthma kann bei Kindern mit solch einer stillen lumbosakralen Kompressions-Läsion in Verbindung gebracht werden. Schwere beeinträchtigende Dysmenorrhö bei jungen Frauen kann ebenso auf einen ähnlichen stillen Strain im unteren Rücken bezogen werden.
Diagnose. Der Patient liegt auf der linken Seite. Der Behandler sitzt hinter ihm mit Blick auf dessen Füße. Legen Sie die rechte Hand über dem Sakrum direkt auf die nackte Haut. Es ist nicht möglich, einen Kontakt herzustellen, der ausreichend Sicherheit gibt, wenn sich eine Schicht Kleidung zwischen der Hand und der Haut befindet. Eine normale Atembewegung führt dazu, dass sich das Sakrum hebt und während der Einatmung an der Basis nach posterior bewegt. Während der Ausatmung bewegt es sich nach unten, kaudal und mit der Basis nach anterior. Beurteilen sie das Bewegungsspektrum. Bei einer lumbosakralen Kompression wird die inferiore Bewegung des Sakrum während der Ausatemphase eingeschränkt sein, insofern überhaupt eine Bewegung stattfindet.
Behandlung. Ihre rechte Hand liegt auf dem Sakrum und Ihre linke Hand oben auf dem Kopf des Patienten. Bitten Sie ihn nun tief einzuatmen. Während er ausatmet, üben Sie eine kaudal gerichtete Kraft auf das Sakrum aus. Halten Sie diese während der Sakrumbewegung solange aufrecht – der Patient versucht dabei maximal auszuatmen –, bis ein inhärenter Mechanismus ihn dazu zwingt einzuatmen. Es ist weitaus wichtiger, diesen Punkt der erzwungenen Einatmung zu erreichen, als an jenem Punkt zu verharren, an dem es für den Patienten angenehm ist, zu atmen. Bei der folgenden Einatmung halten Sie das Sakrum in kaudaler Position und unterstützen Sie die kaudale Bewegungsrichtung entsprechend während der Ausatmung. Verharren Sie dort während der gesamten Ausatmung, bis die inhärente Einatmung stattfindet. Halten Sie das Sakrum weiter in kaudaler Richtung. Wiederholen Sie diesen Ablauf drei oder vier Mal, bis der Punkt erreicht ist, an dem sich das Sakrum während der Ausatmung des Patienten von ganz alleine leicht nach unten bewegt.
Normale physiologische Bewegung des Sakrum heißt, dass das Sakrum sich inhärent mit der Atmung zwischen den Ossa ilia um seine Transversal-Achse herum in Höhe des zweiten Sakralsegmentes bewegt …, die als respiratorische Achse bekannt ist.
Das Sakrum folgt den Bewegungsmustern des Os occipitale. Eine Distorsion des Sakrum um die Diagonal-, die Sagittal- oder die Vertikal-Achse kann auf einen spiegelbildlichen Strain im Okziput hindeuten. Es ist wichtig, das Sakrum mit dem Bewegungsmuster des Okziput in Beziehung zu setzen.
Um einen sakralen Strain zu behandeln, legen Sie eine Hand unter das Sakrum, wobei die Arme dabei, wie zuvor beschrieben, eine Brücke über die Ossa ilia bilden. Testen Sie sanft die Bewegung des Sakrum: ob es sich leichter in Richtung Flexion oder Extension bewegt, ob es sich leichter in Richtung Uhrzeigersinn oder gegen den Uhrzeigersinn um die Sagittal-Achse herum bewegt – oder ob es sich auf einer Seite entsprechend um eine Vertikal-Achse bewegt. Führen Sie es in jeder dieser Ebenen in seine freieste Bewegungsrichtung und halten Sie es dort, während Sie mit dem anderen Arm die Ossa ilia ausbalancieren. Je nach Grad der Flexion oder Extension, die Sie festgestellt haben, bitten Sie nun den Patienten mittels der Einatmung oder Ausatmung um Unterstützung. Er soll den Atem anhalten, bis der Körper eine Phasenänderung fordert. Überprüfen Sie nochmals die Beziehung zwischen Sakrum und Ossa ilia.
Eine vergleichbare Technik kann beim Patienten in Bauchlage ausgeführt werden. Dabei liegt die Hand auf dem Sakrum, Daumenballen an der Sakrumbasis und Fingerspitzen über dem Steißbein.
Behandlung einer unilateralen iliosakralen Restriktion. Es folgt die Behandlung des rechten Gelenks. Der Patient befindet sich in Rückenlage. Der Behandler legt die rechte Hand unter das Sakrum. Mit der linken Hand ergreift er das rechte Ilium, wobei er die Fingerspitzen posterior in den Sulcus fallen lässt. Der Daumen kontrolliert den anterioren Bereich des Ilium. So ist es möglich, die Rotation des Ilium über das Sakrum zu testen. Halten Sie daraufhin sowohl Sakrum als auch Ilium in ihren nicht eingeschränkten Bewegungsrichtungen und ziehen Sie das Ilium vom Sakrum weg. Warten Sie, bis sich ein Release einstellt.
Beim linken Iliosakralgelenk sitzt der Behandler auf der linken Seite des Patienten und palpiert das Sakrum mit der linken und das Ilium mit der rechten Hand.
Behandlung eines Shear-Strains der Symphyse. Der Patient liegt mit angezogenen Beinen auf dem Rücken, sodass seine Fersen so nah wie möglich vor dem Gesäß aufsetzen. Der Behandler steht am Kopfende der Liege und greift über den Patienten, um die Tuberculi pubis mit den Fingerspitzen zu palpieren. Bitten Sie den Patienten, die Hüften nach außen zu rotieren, wobei die Fußsohlen miteinander in Kontakt bleiben sollten. Lassen Sie ihn daraufhin die geschlossenen Fußsohlen langsam auf der Liege nach unten gleiten, wobei die Außenseiten der Oberschenkel der Liege so nahe wie möglich sein sollten. Während der Patient dies ausführt, halten Sie den Druck auf den Fingerspitzen beider Hände aufrecht und unterstützen das superiore Schambein dabei, sich nach inferior zu bewegen.
Os coxae und Symphyse
Ziele:
1 Zu wissen, wie Sie folgende Bezugspunkte finden: SIAS, Tuberculi pubis, Beckenkämme, SIPS, Hiatus sacralis, Angulus lateralis inferior des Sakrum, Processus transversus L5, Tuberositas ischii und die Ligamenti sacrotuberale.
2 Zu wissen, wie Sie die Bewegung des Sakrum palpieren und wie Sie bestimmen können, ob Ossa ilia und Sakrum sich physiologisch bewegen oder blockiert sind.
3 In der Lage zu sein, ein blockiertes Iliosakralgelenk und ein Abscheren der Symphyse zu behandeln.
Behandelte Themen und zur Verfügung stehende Methoden:
1 Flexions-Test stehend;
2 Hip-Drop-Test für iliosakrale Dysfunktion;
3 Wilson-Test für iliosakrale Dysfunktion;
4 Rotation des Os coxae – die häufigste Läsion ist ein rechtes nach anterior rotiertes Os coxae; die zweithäufigste Läsion ist ein linkes nach posterior rotiertes Os coxae;
5 Befunde eines Os coxae in Up-slip;
6 Palpieren der Bewegung zwischen Sakrum und Ossa ilia; Behandlung einer Restriktion;
7 Behandlung einer Abscherung der Symphyse.
Steißbein
Eine Verletzung der Steißbein-Region ist am häufigsten auf einen Sturz auf das Gesäß zurückzuführen, der eine plötzlich auftretende Vorwärtsbeugung des Steißbeins vom Sakrum weg bewirkt. Diese löst im Sitzen und manchmal auch in allen anderen Positionen starke Schmerzen aus. Bekannt ist diese Symptomatik unter dem Begriff Kokzygodynie. Manchmal ist sie korrigierbar, indem ein Finger in die Fossa ischiorectalis gelegt und ein sanfter Druck auf den inferioren Rand des Ligamentum sacrotuberale ausgeübt wird. Die Korrektur sollte immer bilateral ausgeführt werden. Führt dieses Vorgehen nicht zur Wiederherstellung der völligen Bewegungsfreiheit des Steißbeins, ist es notwendig, sich dem Steißbein von der anterioren Oberfläche her mittels eines behandschuhten, ins Rektum eingeführten Fingers zu nähern.
Der Patient liegt auf seiner linken Seite, die rechte oder oben liegende Hüfte ist stärker flektiert bzw. angewinkelt als die untere, der rechte Fuß wird in der rechten Kniekehle blockiert. Führen Sie einen mit Gleitgel befeuchteten Finger in den Analkanal, bis Sie die anteriore Steißbeinoberfläche mit Ihrer Fingerkuppe spüren. Führen sie im Anschluss die Steißbeinspitze sanft, sehr sanft, nach posterior, während Ihr außen liegender Daumen die Bewegung im Bereich des sakrokokzygealen Gelenks beobachtet. Diese Region ist außerordentlich empfindlich und muss sehr sanft behandelt werden. Nutzen Sie die Atmung des Patienten zur Unterstützung des Release zwischen Steißbein und Sakrum. Wiederholen Sie die Behandlung bis sich eine freie, sanfte rhythmische Bewegung einstellt.
Zusammenfassung:
Das Prinzip der Faszialen Release-Technik:
1 Führen Sie die zu untersuchende Struktur bzw. Region in die Richtung, in die sie sich in allen Ebenen frei bewegt;
2 Halten Sie sie dort;
3 Nutzen Sie, wenn möglich, die Atmung als Unterstützung;
4 Folgen Sie dem Unwinding-Prozess des Mechanismus, bis er abgeschlossen ist;
5 Untersuchen Sie die Spektren der entsprechenden Bewegungen erneut; sie sollten in beiden Richtungen frei sein.
Abwandlung von Dr. Sutherlands Behandlungstechnik bei Konstipation
Der Patient liegt auf der linken Seite, der Osteopath steht hinter dem Patienten und blickt auf dessen Kopf. Er umgreift mit seinen Händen die untersten beiden Rippen und hebt den Patienten nach oben (Richtung Zimmerdecke). Gleichzeitig lässt er seine Hände schnell vibrieren.




