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Abbildung 13c ist eine Aufzeichnung derselben Person an einem späteren Tag, mit dem Plethysmografen am linken Mittelfinger. Bei gehaltener Einatmung sowie bei leichter Atmung korreliert der Höhepunkt Schädelexpansion nahezu vollständig mit dem Tiefpunkt des Fingerumfangs.
Abbildung 14 wurde mit dem Plethysmografen am Unterarm aufgenommen und zeigt wiederum, dass der Höhepunkt der Schädelexpansion mit dem Tiefpunkt des Unterarmumfangs zusammenfällt.
Viele weitere Aufzeichnungen zeigten das beschriebene Verhaltensmuster während der Atmung sowie auch bei deren Unterbrechung. Ich wage anzunehmen, dass die rhythmischen Schwankungen des Extremitätenumfangs unabhängig von der Atmung eng mit den Rhythmusschwankungen im Kopf verbunden sind. Diese Beobachtung ruft viele Fragen hervor, die weitere Studien und Analysen verdienen.
Die wenigen hier präsentierten und viele andere dokumentierte Beispiele erlauben die Behauptung, dass es eine Motilität des Schädels gibt, die langsamer als die Motilität des vaskulären Pulses und der thorakalen Atmung ist und sich von ihnen unterscheidet. Es wurde zudem gezeigt, dass die besagte Bewegung mechanisch aufgezeichnet werden kann. Abbildung 9 zeigt, dass die mechanische Aufzeichnung und die durch Palpation gewonnenen Befunde bezogen auf das Bewegungsausmaß übereinstimmen.
Zusammenhang der Schädelbewegung mit anderen physiologischen Phänomenen
Die Zielsetzung des Projekts bestand in einer Studie der inhärenten Bewegung des Organismus. Die Motilität des Herzmuskels und des Gefäßsystems erzeugen die bekannte arterielle Pulsierung. Die Motilität des Zwerchfells, der Interkostalmuskulatur und der Lunge erzeugen die rhythmische Bewegung der Atmung. Die dem Verdauungssystem inhärente Motilität, als Peristaltik bekannt, stellt einen wesentlichen Faktor für Verdauung, Assimilation und Ausscheidung dar. Eine Bewegung peristaltischer Art treibt Urin im Harnleiter und Galle die Gallenwege entlang. Die Motilität der Spermazellen ist wesentlich für die Befruchtung. Laborit4 äußerte die Meinung, „dass jede erregbare Einheit mit einem Automatismus ausgestattet ist”. Er zitierte die Winterberg-Experimente über den Automatismus embryonaler Muskulatur und stellte fest: „Der Autor bemerkte rhythmische Bewegungen in den Muskeln des Embryos, als er die Entwicklung von Knorpelfischen erforschte.” Laborit schrieb weiter:
Die Differenzierung von Strukturen und Funktionen macht diese rhythmische Periodizität in erwachsenen Organismen weniger wahrnehmbar, da dieser Aspekt nur auf der Ebene einiger privilegierter Gewebe, wie etwa dem Lymphgewebe, oder einigen Nervenzentren, wie den Atemzentren, erhalten bleibt.

Abbildung 13b. Aufzeichnung während angehaltener Atmung derselben Versuchsperson wie in Abbildung 13a. Während der drei Schädelzyklen rechts gibt es, verglichen mit jenen während der Atmung, eine Verschiebung der Abnahme des Extremitätenumfangs.

Abbildung 13c. Simultane kraniale und plethysmografische Aufzeichnungen der Versuchsperson in Abbildung 13a und 13b zu einem späteren Zeitpunkt. Die linke Hand wurde neben den Körper gelegt und der Plethysmograf befand sich am linken Mittelfinger: Während angehaltener Atmung (links) und leichter Atmung (rechts) erscheint der Höhepunkt der Schädelexpansion fast zum gleichen Zeitpunkt wie der Tiefpunkt des Fingerumfangs. Zwischen den auf der plethysmografischen Aufzeichnung erscheinenden langen, langsamen Zyklen von 50 bis 60 Sekunden und den Veränderungen im Schädel besteht anscheinend kein Zusammenhang.
Best und Taylor5 konstatierten:
Die vasomotorischen Zentren weisen einen inhärenten Automatismus auf, da ihre kontinuierliche Entladung sogar nach der Beseitigung aller neurologischen Einflüsse persistiert.
Ruch und Fulton6 beschrieben auch die tonische Aktivität der Neuronen im vasomotorischen Zentrum. Sie berichteten zudem:
Der Rhythmus der Impulsgruppen wird oft mit dem Atemrhythmus assoziiert; an anderen Stellen wird er mit dem Herzschlag in Verbindung gebracht, obwohl er häufig keinerlei Beziehung zu irgendeinem beobachtbaren zyklisch verlaufenden Phänomen im Körper aufweist.
Sie beobachteten, dass die Wellen der rhythmischen Funktion zu bestimmten Zeiten viel länger sind als die mit der Atmung verbundenen Wellen. Rhythmische Schwankungen der Aktivität des vasomotorischen Zentrums sind so sicher wie die periodische Zu- und Abnahme des allgemeinen arteriellen Drucks. Diese wechselnden Druckwellen werden üblicherweise als Traube-Hering-Wellen bezeichnet, obwohl dieser Begriff, streng genommen, nur auf jene Wellen, „die Traube in Tieren mit geöffnetem Thorax und paralysiertem Zwerchfell beobachtete”, angewandt werden sollte. Diese Wellen gehen auch aus den rhythmischen Schwankungen der Aktivität des vasokonstriktorischen Zentrums hervor. Zudem treten im Schlaf gleichermaßen viel längere wellenartige Schwankungen auf.
Die Arbeit von Sears7 an noch spontan atmenden narkotisierten Katzen deutete an, dass das Atemzentrum der Medulla möglicherweise über eine vergleichbare rhythmische Aktivität verfügt, welche die Atmung durch entsprechende Motoneuronen im Rückenmark beeinflusst. Beim Studium und der Dokumentation intrazellulärer Vorgänge in den besagten Motoneuronen machte er folgende Beobachtungen:
Die Membranpotenziale unterschiedlicher Motoneuronen unterliegen langsamen, rhythmischen Fluktuationen, welche der Periodizität der Atmung entsprechen. In Motoneuronen der Inhalation trat die depolarisierende Phase seiner langsamen Membranpotenziale während der Inhalation auf.

Abbildung 14. Simultane kraniale und plethysmografische Aufzeichnung einer Versuchsperson, die zeigt, dass Höhepunkt der Schädelexpansion und Tiefpunkt des Unterarmumfangs zusammenfallen.
Auf der anderen Seite sagte er:
Die Motoneuronen der Exhalation traten am Umkehrpunkt der Atmung nach Exhalation auf … Da die periodische Aktivierung der respiratorischen Motoneuronen kausal von diesen rhythmischen langsamen Potenzialen abhängt, wurde angenommen, dass sie Zentrale Respiratorische Antriebspotenziale genannt werden können, abgekürzt ZRAPs.
Eine seiner Aufzeichnungen zeigte einen interessanten Übergang von einer mit der Aktivität der Motoneuronen synchronen Potenzialfluktuation zu einer Phasenänderung zwischen den beiden „und schließlich einer Phase mit ZRAPs, resultierend aus einem stetigen Anstieg des durchschnittlichen Membranpotenzials und einer Abnahme der Amplitude der darauf folgenden Zyklen der ZRAPs.“ Die Ähnlichkeit dieser Aufzeichnung mit einigen der kranialen sowie der pneumografischen Aufzeichnungen in der vorliegenden Studie, in denen eine Phasenänderung stattfindet, ist beeindruckend. (Abbildung 10).
Sears fasste zusammen:
Die phasenweise Hemmung ist von beträchtlicher funktioneller Signifikanz, da sie ein Instrument bereithält, mit dem der zentralnervöse Mechanismus der Atmung die segmentalen propriozeptiven Reflexe der Atemmuskulatur kontrollieren kann.
Dieser Effekt konnte bei Wirbeltieren nicht ausgelöst werden.
Eine weitere relevante Frage ist, ob eine Verbindung zwischen der rhythmischen zellulären Funktion, die von Traube, Ruch, Sears und anderen beschrieben wurde, und der aufgezeichneten rhythmischen Bewegung des Schädels existiert.
Laborit4 stellte fest:
Fessard zeigte, dass ein Nerv auf elektrische Stimulation häufig mit Initiierung einer rhythmischen Aktivität antwortet. Monnier und seine Schule führten eine ausgedehnte Untersuchung der rhythmischen Aktivität der Nerven und über die sie dämpfenden Faktoren durch. Laget zeigte, dass die besagte Dämpfung mit den Membranpotenzialen zusammenhing und dass ein Abfall dieses Potenzials die Dämpfung reduzieren und zur Entwicklung einer rhythmischen Aktivität führen kann.
Die russischen Forscher Moskalenko und Naumenko8 führten Experimente durch, um die Frage nach der Existenz eines zerebralen Pulsierens in der geschlossenen Schädelhöhle zu klären. Ihre Definition dieses Pulsierens lautete „periodische Fluktuationen des intrakranialen Drucks”. Mit Elektroplethysmografie wiesen sie nach, dass eine anhaltende Bewegung der Flüssigkeiten zwischen den subarachnoidalen Räumen des Gehirns und dem Rückenmark vorhanden ist. In ihren Langzeitexperimenten mit Katzen wurde die Bewegung der Zerebrospinalen Flüssigkeit in Form von Verschiebungen, die mit der Herztätigkeit, der Atmung und Wellen dritter Ordnung synchron waren, dargestellt. Diese Autoren definierten die Wellen dritter Ordnung als Traube-Hering-Wellen. In der Aufzeichnung erschienen sie dem Atemzyklus ähnlich, nur langsamer.
Kommentar
Durch Deduktion oder direkte Beobachtung kann geschlossen werden, dass das vasomotorische Zentrum und das Atemzentrum auf der Höhe des vierten Ventrikel eine funktionelle Aktivität besitzen, die eine rhythmische Periodizität ähnlich der Atmung, nur langsamer, aufweist. Weiterführende Experimente haben zudem gezeigt, dass die Bewegung der Zerebrospinalen Flüssigkeit nicht synchron mit der Herz- und Atembewegung verläuft, sondern mit einer rhythmischen Periodizität, die der Atmung ähnelt, jedoch langsamer als diese ist. Beobachtung und Aufzeichnung geringster rhythmischer Bewegungen des lebenden Schädels haben veranschaulicht, dass eine expansiv-kontraktile Bewegung synchron mit dem Herzschlag und der Atmung und ebenso mit einer der Atmung ähnlichen, nur langsameren, rhythmischen Periodizität vorliegt. Es wurde auf den Zusammenhang zwischen dem sich ändernden Potenzial und der rhythmischen Aktivität einer Zelle hingewiesen. Das fortwährende Aussenden von Impulsen aus dem Gehirn, um Körperhaltung, Chemiehaushalt, Homöostase usw. aufrechtzuerhalten, kann die Aktivität der individuellen Zellen in ein rhythmisches Muster des gesamten Gehirns aufmultiplizieren, welches klein genug ist, um für das bloße Auge unsichtbar zu sein, aber groß genug um die Zerebrospinale Flüssigkeit zu bewegen, die ihrerseits den empfindlich ausbalancierten Mechanismus des Schädels bewegt.
Weitere Forschung ist nötig, um die verschiedenen beschriebenen physiologischen Phänomene in Beziehung zu setzen. Die rhythmische Bewegung des Schädels, die ihrem ersten Entdecker zur Ehre Sutherland-Rhythmus genannt wird, ist jedoch nicht nur von didaktischem Interesse, sie ist auch von unerlässlicher klinischer Relevanz, wie die Arbeiten von Magoun9, Woods und Woods10 und vielen anderen Forschern gezeigt haben.
Dies ist ein weiterer Beweis für die Behauptung von Dr. A. T. Still, wie Truhlar11 ihn zitierte: „Da Bewegung der erste und einzige Beweis für Leben ist, sind wir durch diesen Gedanken von der Maschinerie, durch die das Leben funktioniert, geleitet, um die Ergebnisse, die in ihrer Bewegung selbst bezeugt werden, zu vervollständigen.“
Zusammenfassung
Im lebenden Schädel existiert tatsächlich eine inhärente Bewegung. Sie kann mit Instrumenten aufgezeichnet werden und ihr Zusammenhang mit anderen bekannten physiologischen Funktionen kann von ihrer auf sie bezogenen Ähnlichkeit abgeleitet werden. Dieser Punkt erfordert jedoch weitere Forschung und seine klinische Relevanz bedarf zudem einer ausgedehnten Dokumentation.
Dank geht an F. G. Steele aus LaJolla, Kalifornien, der die Entwicklung der Apparatur vorantrieb und wichtige Hinweise in die richtige Richtung gab; an die Cranial Academy, die das Material zur Verfügung stellte; und an den physiologischen Berater Dr. I. M. Korr, Kirksville College of Osteopathy and Surgery.
Bibliografie
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Truhlar, RS: Dr. AT Still in the Living. His concepts and principles of health and disease, RE Truhlar, Cleveland, 1950.
3. LERNSCHWIERIGKEITEN VON KINDERN AUS DEM BLICKWINKEL DER OSTEOPATHIE
Viola M. Frymann, DO, FAAO
Genehmigter Nachdruck aus JAOA Vol. 76,
Sep 1976
Eine Skoliose der Wirbelsäule aufgrund eines Geburtstraumas oder eines Traumas im Kleinkindesalter spielt möglicherweise eine Rolle bei Lernproblemen von Kindern. Neuere Studien über die Entwicklung des Gehirns weisen darauf hin, dass es während der ersten beiden Lebensjahre am verletzlichsten ist und dass das Wachstum des Zentralen Nervensystems während dieser Zeit durch die Integrität des umliegenden fibrösen bzw. ossären Gehäuses beeinflusst wird. Eine traumatische Verwringung dieses Gehäuses, dem kranial-vertebral-sakralen Mechanismus, wird vielleicht erst sehr lange nach dessen Entstehung entdeckt, etwa wenn Lernprobleme den Osteopathen dazu veranlassen, dem Ganzen nachzugehen. Ihre Korrektur im Kleinkindesalter gibt Anlass zur Hoffnung, prophylaktisch wirksam zu sein. Osteopathische Behandlung als therapeutische Maßnahme hat die beste Prognose in der frühen Kindheit, aber auch älteren Kindern kann geholfen werden, ihr maximales Potenzial zu erreichen.
Von Zeit zu Zeit wurden unterschiedliche Faktoren für Lernprobleme bei Kindern verantwortlich gemacht. Einige davon sind Vererbung1, Trauma2, Unterernährung3, Hypoglykämie4, Allergien5, Störungen der Wahrnehmung6, psychischer Stress zuhause und vorausgegangenes Scheitern in der Schule7. Folgender Fall umfasst fast alle davon:
Fall 1. Ein zwölfjähriges Mädchen (Abbildung 1A) mochte nicht zur Schule gehen, da sie nicht mit der Situation im Klassenzimmer umgehen konnte. Sie hatte Schwierigkeiten in Rechtschreibung und ihr Begriffsvermögen war beeinträchtigt. In Mathematik war sie auf dem Niveau der dritten Klasse. Sie hatte Schwierigkeiten beim Lesen und konnte sich das Gelesene nicht allzu gut merken.
Ihre Kindergärtnerin hat ihr Angst eingejagt. In der ersten Klasse wurde sie fast gar nicht wahrgenommen und die zweite Klasse musste sie wiederholen. Als sie die sechste Klasse erreichte, drohte das Verlassen der Schule. Sie war das erste und einzige Kind einer hochgradig nervösen, neurotischen 35-jährigen Mutter. Eine „miserable” 9 ½-monatige Schwangerschaft, fünf Nächte mit vorzeitigen Wehen und fünfzehn Stunden voll schwerer unproduktiver Wehen endeten mit einem Kaiserschnitt.
Der Kopf des Säuglings wurde stark komprimiert. Die Atmung war verlangsamt. Während der neonatalen Phase und dem ersten Lebensjahr musste sie sich als Baby oft übergeben. Mit 18 Monaten hatte sie zeitweise starke Bauchschmerzen. Als sie sechs Jahre alt war wurde der Blinddarm entfernt, aber sie hatte immer noch häufig mit Bauchschmerzen zu kämpfen.
Mit vier Jahren wurde Kurzsichtigkeit festgestellt. Im Alter von zehn entwickelten sich Kopfschmerzen.
Asthma und Ekzeme stellen jüngere Entwicklungen dar. Ihr Appetit konnte als ‘heikel’ bezeichnet werden und ihre Ernährung bestand aus raffiniertem Getreide, übermäßig viel weißem Zucker, Süßigkeiten, stark verarbeiteten Lebensmitteln, Fleisch und Kartoffelbrei, Hamburgern und Burritos, selten einem Salat und niemals frischen Früchte.
Im Alter von zwei Jahren fiel sie aus dem Kinderwagen auf ihren Kopf. Ihr Vater hatte Schwierigkeiten Lesen zu lernen. Allergisches Asthma trat in der Familie stark gehäuft auf.
Der Einfluss der Umgebung auf die Psyche war angespannt, verunsichernd, abweisend und bedrückend. Ein fünfstündiger Glukosetoleranztest brachte eine reaktive Hypoglykämie ans Licht.
Ein Behandlungsprogramm wurde entwickelt um die muskuloskeletalen Auswirkungen des Traumas zu eliminieren, die Ernährung zu verbessern, die Hypoglykämie und die Allergien zu überwinden, die Wahrnehmungsfunktion umzuerziehen und die Situation zu Hause mit mehr Geborgenheit und Harmonie zu gestalten und somit auch ein produktiveres und angenehmeres Lernklima zu gestalten.
Innerhalb von zehn Monaten berichtete die Schule von einer ‘unermesslichen Verbesserung’ (Abbildung 1B).
Viele der zuvor angeführten ätiologischen Faktoren wurden in Fach- sowie Populärliteratur diskutiert, wobei die spezifischen Auswirkungen des perinatalen Traumas jedoch nur vermutet wurden. Rosenberg und Weller8 gaben einen Überblick über die Literatur und äußerten die Ansicht, dass bei vielen Kindern die Lernschwierigkeiten in der Schule von nicht diagnostizierten pränatalen oder perinatalen Schäden herrühren. Des Weiteren entsteht der klinische Eindruck9,10, dass eine osteopathische strukturelle Diagnose und die Behandlung einer Dysfunktion innerhalb des Kraniosakralen Mechanismus einen bedeutenden Beitrag zur Vermeidung und Verbesserung von Lernschwäche bei Kindern leistet.

Abbildung 1A. (Fall 1). Zwölfjähriges Mädchen am 1. November 1971 vor der Behandlung.
Abbildung 1B. Nach der Behandlung am 25. Januar 1972. Beachten Sie die Verbesserung des Gesichtsausdrucks, der Position des Kopfes auf dem Hals und die Erweiterung des Gesichtes relativ zur Länge, die sich in Folge der Behandlung eingestellt hat.
Gegenwärtige Studie
In der Hoffnung, das Problem beleuchten und einen Beitrag zu seiner Milderung leisten zu können, wurde eine Studie in Auftrag gegeben, um Antworten auf die folgenden Fragen zu erhalten:
1 Besteht ein signifikanter Unterschied zwischen Kindern mit und ohne Lernproblemen bei der Geburt und der Entwicklung in der frühen Kindheit?
2 Besteht ein charakteristisches traumatisches Muster im Kraniosakralen Mechanismus bei Kindern mit Lernproblemen?
3 Besteht eine Signifikanz bezüglich des Traumazeitpunkts?
Das klinische Material stammte aus meinem privaten Gebrauch; dieser besteht aus Anamnesen einer Reihe unspezifisch ausgewählter Patienten zwischen 4 - 14 Jahren folgender Kategorien:
Gruppe 1 bestand aus 74 durchschnittlichen oder überdurchschnittlichen Schülern ohne Seh- und Lernschwäche, die allgemeinmedizinische Betreuung für eine Auswahl an gewöhnlichen Erkrankungen suchten.
Gruppe 2 umfasste 32 durchschnittliche oder überdurchschnittliche Schüler mit Sehschwäche, Kurz- bzw. Weitsichtigkeit oder Schielen, ohne Lernprobleme, die allgemeinmedizinische Betreuung für ein ähnliches Spektrum an gewöhnlichen Erkrankungen suchten.
Gruppe 3 setzte sich aus 103 Kindern zusammen, die Probleme in der Schule hatten, weil sie nicht in der üblichen von den etablierten Bildungssystemen geforderten Weise lernen konnten.
Definition des Problems
Der Begriff „Lernschwierigkeit” ist weder eingegrenzt noch präzise, aber er umschließt eine Vielzahl an Bedingungen, die einer Lernschwäche zugrunde liegen. Bowley11 behauptete, dass die Anzahl der Kinder mit Schwierigkeiten beim Lesen, mit Ungeschicklichkeit und Wahrnehmungsschwierigkeiten die Anzahl der Kinder mit unkomplizierter spezifischer entwicklungsbedingter Legasthenie bei Weitem übersteigt.
In modernen Gesellschaften ist das Lesen eine unverzichtbare Fähigkeit. Ein zwingender Ausruf vieler Eltern: „Aber er muss lesen lernen; er kommt im Leben nicht voran, wenn er nicht lesen kann.” Viele berühmte Männer in der Geschichte, darunter auch Winston Churchill, Bernard Shaw und Leonardo da Vinci, hatten große Schwierigkeiten lesen zu lernen. Sie wurden in ihrer frühen Kindheit als unglückliche Versager betrachtet und ihre Eltern litten sicher unter Verzweiflung und Ängsten, die wohl allen Eltern bekannt sein dürften, deren Kinder nicht in der Lage sind, lesen zu lernen.
Das Lernen kann man sich als einen Eisberg menschlicher Erfahrung vorstellen. Errungenschaften in allen Sphären der Bemühungen sind das sichtbare Bauwerk aus Eis. An der Wasserlinie befindet sich die Fähigkeit zu lesen, da es nur wenige Beschäftigungen im Leben gibt, bei denen das Lesen keine vorausgesetzte Kunstfertigkeit darstellt. Dennoch verstecken sich hinter dem Meer der „normalen Entwicklung” unzählige komplexe Entwicklungsstufen, die jenen Mechanismus bereithalten, aus dem sich die Fähigkeit zu Lesen entwickelt.
Geburt und frühe Kindheit
Das Neugeborene mit zwei gesunden Augen und einem kompetenten Zentralen Nervensystem empfängt die Schemen des Lichtes, des Schattens und der Farben auf der Retina und überträgt sie in die für optische Vorgänge verantwortlichen Bahnen des Gehirns. Aber es verstreichen Tage oder Wochen bis sich diese paarig angeordnete kommunikative Funktion, das Sehvermögen, herausgebildet hat. Das Datum kann exakt bestimmt werden: Es ist der Tag, an dem das Baby seine Mutter anschaut und plötzlich ein Lächeln über sein Gesicht huscht. Bei dieser ersten einfachen Erfahrung hat eine komplexe Schaltung das optische Abbild von der reizempfindlichen, empfangenden Retina in den auswertenden zerebralen Kortex übertragen; dort wird es mit dem ergänzenden Input der Erinnerung zusammengefügt und bewirkt nun über den motorischen Kortex und deren Bahnen zu den Zellkernen der Gesichtsregion eine Reaktion, die als fröhliche Bewegungen der Gesichtsmuskulatur beobachtet werden kann. Bereits im Alter von 10 - 12 Wochen hat sich ein Kreislauf entwickelt, der eine Reaktion einschließt, welche die oberen Gliedmaßen erreicht und eine Bewegung hin zum Mund und koordinierende Aktivitäten wie Saugen und Schlucken umfasste.
Mit etwa 9 oder 10 Monaten wird der ganze Körper inkl. der unteren Extremitäten in diesen visuellen Kreislauf eingebunden; das Baby sieht, reicht nach etwas, stellt sich auf Hände und Knie und krabbelt mit einer reibungslos verlaufenden integrierten Bewegung von Kopf, Hals, Schultern, oberen Extremitäten, Thorax, Wirbelsäule, Becken und unteren Extremitäten auf das begehrte Objekt zu. Die Komplexität dieser gewöhnlichen Aktivität wird oft solange unterschätzt, bis man sich mit einem Kind konfrontiert sieht, das nicht krabbeln kann oder das Arm- und Beinbewegungen nicht in dieser harmonischen Wechselseitigkeit kombinieren kann. Hierin zeigt sich oft erstmalig der erste Zusammenbruch des visuellen Systems.
Mit fast zwölf Monaten hat das gesunde Kind eine Welt über sich entdeckt. Es zieht sich auf die Beine hoch, steht, läuft, rennt und versucht zu klettern. Ein Kind, das nicht krabbelt, reagiert vielleicht auch auf die visuellen Attraktionen über ihm, aber die komplexen koordinierten Bahnen, die das Krabbeln mit sich bringt, sind noch nicht genügend gefestigt. Es fehlen ihm die feinen, koordinierten, harmonischen Interaktionen der Muskeln und des Skelettes, die erforderlich für das Gleichgewicht sind. Es fällt übermäßig viel hin; es kann seinen Körper nicht gewandt um Gegenstände und durch Türen bewegen. Es beginnt durch seine eigene Ungeschicklichkeit frustriert zu sein. Seine Eltern reagieren gereizt, weil es „ungeschickt” ist.




