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Imitation ist eine andere Reaktion des visuellen Kommunikationskreises, wodurch ein Kind viele Fähigkeiten, darunter auch die Sprache, erlernt. Sehen Kinder die Betätigung der Lippen, Zähne und dem Gesicht nicht, lernen sie nur langsam sprechen. Darüber hinaus ist Sprache nur ein weiterer Bestandteil des visuellen Schaltkreises. Das Kind sieht etwas, kann es nicht erreichen und ruft oder fragt danach.
Es sieht etwas Aufregendes und muss darüber sprechen.
Sprechen ist eine kompliziert koordinierte, harmonisch abgestimmte neuromuskuläre Aktivität, die dem Laufen folgt, und diese kann gleichermaßen verzögert oder beeinträchtigt sein, falls die Entwicklung in der Vergangenheit unvollständig oder gestört gewesen ist.
Der visuelle Schaltkreis kann eine emotionale Reaktion wie Weinen oder Lachen, Aggression oder Rückzug hervorrufen. Er kann eine intellektuelle Neugier erwecken, die sich im Auseinandernehmen und später im Zusammensetzen manifestiert. Jedoch erfordern solche Fähigkeiten eine Wahrnehmung für räumliche Zusammenhänge, Richtungen wie oben, unten, links, rechts, vorwärts und rückwärts. Bauen erfordert das Erkennen von Konturen, Formen bzw. Größe sowie der Zuordnung von bestimmten Objekten zu dazugehörigen Aussparungen. Dies ist eine Erweiterung des visuellen Schaltkreises. Das Kind, das keine Formen und Räume erkennen kann, wird keine Puzzlespiele in Angriff nehmen. Erkennt es keine Richtungen im Raum, wird es Projekte, die mit dem Bauen zu tun haben, meiden. Des Weiteren wird es Schwierigkeiten haben einen Ball zu fangen, ihn in die richtige Richtung zu werfen oder Seil zu springen.
Ist es fünf Jahr alt, wird von ihm erwartet, dass es kleinere, kompliziertere Formen wie etwa Buchstaben und Zahlen unterscheiden kann. Für die Kunstfertigkeit des Schreibens ist es nötig, diese zu reproduzieren. Um hier angemessene Leistungen zu erbringen, müssen zwei gesunde Augen so koordiniert sein, dass sie die Übertragung eines einzelnen Bildes in den visuellen Kortex gewährleisten können.
Die Anpassung der Pupillen an Licht und Entfernung und die feine Koordination der extraokulären Muskeln, um beide Augen auf das Objekt zu richten und eine exakte Wahrnehmung über Tiefe bereitzustellen, sind einige der essenziellen okulären Funktionen, die von der interaktiven Funktion zahlreicher Komponenten abhängen, u. a.: den neuronalen Segmenten des oberen Thorax, dem Stammhirn, den Nuclei und Tractus des II., III., IV. und VI. sowie dem ophtalmischen Anteil des V. Hirnnerven, dem Tractus opticus, den Verbindungsbahnen und dem okzipitalen Kortex. Des Weiteren müssen diese Bahnen harmonisch mit dem zervikalen und pektoralen Mechanismus, den oberen Extremitäten und tatsächlich auch mit der Haltung des ganzen Körpers interagieren.
Das Lesen schließt Erkennen, Auswerten, Erinnerung sowie das Verstehen einer Abfolge komplexer Vorgänge ein. Dies wird durch eine leichte Bewegung der Augen von links nach rechts entlang einer Druckzeile und die Übertragung der Impulse durch die Bahnen, die den auswertenden Bereichen des Großhirns zugeordnet sind, möglich. Dort werden die Informationen mit anderen Eindrücken aus dem Gedächtnis kombiniert und sie als initiierende Information an das Bewusstsein weiterleitet. Die ausgeführte Reaktion kann intellektueller (Interesse), emotionaler (Freude, Sorgen, Ärger oder Inspiration) oder physischer Natur sein (Sprechen, Schreiben oder Bewegung).
Sofern es keine groben Defizite in diesem visuellen Mechanismus gibt, wird die Wahrnehmungs-Dysfunktion selten vor den Aktivitäten im Vorschulalter erkannt. Frühere Schwächen werden normalerweise nicht als ein Teil dieses Lernmusters erkannt. Im Kindergarten tut sich das Kind schwer mit dem Alphabet oder es verwechselt d und b bzw. p und q. Es ist nicht in der Lage richtig zu zählen oder Zahlen zu erkennen. Es hat wenig Erfolg mit Puzzlespielen und fängt damit gar nicht erst an. Sobald es bemerkt, dass es nicht erfolgreich am geplanten Programm teilnehmen kann, sucht es nach etwas, das es tun, und nach einem Kameraden, mit dem es etwas unternehmen kann.
Auf dem Spielplatz ist das Leben nur wenig besser, da es keinen Ball fangen kann, ihn in die falsche Richtung wirft und nicht Seil springen oder sogar noch nicht einmal „Himmel und Hölle” spielen kann. Man bekommt ein offizielles Schreiben, dass es „unreif ” oder „hyperaktiv” ist bzw. stört und daher noch nicht reif genug für die erste Klasse sei. Entweder muss es sich der Demütigung eines weiteren noch frustierenderen Jahres im Kindergarten abfinden oder nach der Versetzung in eine andere Klasse herausfinden, dass sich seine Schwierigkeiten verschlimmern, da es das Alphabet nicht lesen, keine Wörter erkennen, nicht auf einer Linie malen kann und zudem keine Vorstellung von Zahlen hat. Es scheint, über Nacht zum Versager, zum Außenseiter, kurzum ein Problem für seine Lehrer und eine Enttäuschung für seine Eltern geworden zu sein.

Es vergehen vielleicht mehrere Jahre seines Lebens, bevor das wirkliche Problem erkannt und sogar noch mehr Zeit bis eine angemessene Betreuung organisiert wird. In der Zwischenzeit kann die Gewohnheit des Scheiterns so tief verankert sein, dass es auch dann schwierig wird sie zu überwinden, wenn aufgeklärte Helfer gefunden werden.
Gordon2 verwies auf die Ergebnisse einer Studie an britischen Schulen von Brenner und seinen Mitarbeitern12 und behauptete:
Da über 6 % der Kinder in Grundschulen eine bedeutende Störung des motorischen und des Wahrnehmungsapparates haben, liegt es auf der Hand, dass wir Osteopathen große Bemühungen dahingehend anstellen und versuchen müssen, die Gründe dafür zu finden.
Die Mehrzahl der Grundschulen in den Vereinigten Staaten hat mindestens ein Kind mit solchen Schwierigkeiten in jeder Klasse. Es ist ein häufiges Problem. Es verlangt Aufmerksamkeit.
In meiner Studiengruppe wurde der Geburtsverlauf studiert, um zu bestimmen, ob es einen signifikanten Unterschied beim Auftreten von traumatischen oder biochemischen Beeinträchtigungen in den Gruppen 1 und 2 verglichen mit Gruppe 3 gab. Solche Beeinträchtigungen werden in Tabelle 1 abgebildet.
Die Entdeckung, dass 72,8 % der Kinder, die später Lernprobleme entwickelten, verglichen mit 28,3 % ohne Lernprobleme, ein beträchtliches Trauma vor oder während der Geburt erlitten haben, war verblüffend. Außerdem war der Grad an Problemen und Traumata von weitaus höherer Intensität bei den Kindern in Gruppe 3. Beispielsweise erfolgte die Geburt bei 20 Kindern in Gruppe 3 (19,4 %) erst nach Wehen von 24 Stunden und länger, während nur drei (2,9 %) in Gruppe 1 und 2 eine solche Anamnese aufwiesen. Lange Spannen vorzeitiger oder unproduktiver Wehen, die in einem Kaiserschnitt gipfelten, wurden für 23 (22,3 %) der Kinder in Gruppe 3 verzeichnet und nur bei dreien (2,8 %) in Gruppe 1 und 2. Missbildungen des Neugeborenenschädels wurden für 25 (24,2 %) der Kinder in Gruppe 3 und nur bei vier Kindern (3,8 %) in den Gruppen 1 und 2 festgestellt. Dabei ist noch zu berücksichtigen, wie schwierig es für die Mutter ist, sich daran zu erinnern.


Die Anamnese eines Schädeltraumas während der ersten beiden Lebensjahren ist oft unzuverlässig, da die meisten Unfälle vergessen sind, es sei denn, das Kind musste genäht, mit einem Gips versorgt oder wegen einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht werden. Möglicherweise wird einem bedeutsamem Trauma jedoch nicht die oben angesprochene spezifische Art von Aufmerksamkeit entgegengebracht. Die physiologischen Funktionen des Kraniosakralen Mechanismus können durch eine Verletzung, deren Symptome sich allmählich entwickeln, deformiert oder gestört werden, und der Bezug zur Verletzung ist für die Eltern oftmals nicht offensichtlich.
In Tabelle 2 werden Unfälle, an die sich erinnert werden konnte, gezeigt. Auf den ersten Blick könnte man schließen, dass es keinen signifikanten Unterschied zwischen dem Vorliegen eines Traumas bei den Kindern in Gruppe 1 und 2 ohne Lernprobleme (27,4 %) und bei denjenigen in Gruppe 3 mit Lernproblemen (30,1 %) gibt. Jedoch verletzen sich die Kleinkinder in Gruppe 2 mit Sehschwäche fast doppelt so oft wie jene in Gruppe 1 ohne eine solche Schwäche. Einige der Unfälle konnten ohne Zweifel der Sehschwäche zugeschrieben werden, aber manche Unfälle könnten auch selbst zum Sehproblem beigetragen haben. Das höhere Vorkommen von Unfällen in Gruppe 3 kann die Folge von Wahrnehmungs-Dysfunktionen sein und ebenso dazu beigetragen haben.
In einigen Fällen erinnerten sich die Eltern daran, dass sowohl Leistungen als auch Verhalten des Kindes nach einem Unfall deutlich schlechter wurden.
Zum Zeitpunkt der Kopfverletzungen, die ausreichten um einen Schock oder eine Bewusstlosigkeit auszulösen, waren zwei der Kinder fünf Jahre und zwei von ihnen 9 Jahre alt. Bei zwei Kindern im Alter von einem bzw. zwei Jahren entwickelten sich ab dem Zeitpunkt der Verletzung verhältnismäßig schnell Hyperaktivität und Verhaltensprobleme, denen später Lernprobleme in der Schule folgten.
Das Vorkommen von Unfällen ab einem Alter von drei Jahren (Tabelle 2) bei Kindern mit Lernproblemen (Gruppe 3) zeigte sich fast dreimal so groß wie in den anderen Gruppen. Des Weiteren war der Schweregrad und die Häufigkeit solcher Unfälle höher. Dies kann als Folge von Koordinationsstörungen und Wahrnehmungs-Dysfunktionen, welche mit der Lernschwäche assoziiert sind, interpretiert werden.
Die zweite zu untersuchende Fragestellung lautete: Kann ein Strain-Muster, welches naturgemäß einzigartig bzw. individuell ausgeprägt ist, durch Palpation des Kraniosakralen Mechanismus des Kindes mit Lernproblemen diagnostiziert werden? Ein Blick auf Tabelle 3 verdeutlicht unmissverständlich, dass sämtliche Strain-Muster in allen Kindergruppen festgestellt werden konnten. Mit Ausnahme der rechts und linksseitigen Side-bending-Rotation kamen alle Strain-Muster bei den Kindern mit Lern- und Sehproblemen signifikant häufiger vor als bei Kindern ohne diese Probleme. Die Bedeutung dieses Strains für das visuelle Problem wird in einem anderen Artikel diskutiert. Eine detaillierte Beschreibung der verschiedenen Strain-Muster wurde ebenfalls an anderer Stelle veröffentlicht.13
An diesem Punkt der Forschung wurde klar, dass ein perinatales Trauma eindeutig häufiger vorkam, obwohl kein signifikanter Unterschied in der Art der Strain-Muster bei 4 - 14-jährigen Kindern mit bzw. ohne Lernprobleme zu verzeichnen war. Die dritte Frage, die es zu beantworten galt, besteht daher in der Bedeutung des Zeitpunktes der Entstehung eines Strain-Musters: Unterscheiden sich die während der perinatalen Phase stattgefundenen traumatischen Auswirkungen bzw. jene während schwerer Wehen von den Auswirkungen ähnlicher Strains im späteren Leben?
Neuere Studien über die Entwicklung des Gehirns, die in erster Linie durchgeführt wurden, um herauszufinden, „ob Unterernährung während bestimmter Phasen der Gehirnentwicklung zu anhaltenden Veränderungen im Verhalten führen kann”, haben einige bedeutende und relevante Antworten in Bezug auf Lernprobleme geliefert. Dobbing und Smart14 definierten die zu beantwortende Frage wie folgt: ob … die Wachstumsretardierung, unter einer Vielzahl anderer wichtiger früher Umweltfaktoren als beitragender Faktor zur Summe der Einflüsse, die das „Erreichen” des Erwachsenseins bestimmen, identifiziert werden kann.
Ich würde einen Schritt weitergehen und fragen, ob nicht auch eine Skoliose der Skelettstruktur möglicherweise einen Faktor darstellt, dem eine Wachstumsverzögerung zugrunde liegt. Dies sind tiefgreifende und provozierende Fragestellungen, aber sie sind fundamental, um die Dimensionen der Ursache für die Probleme der Kinder umfassend zu verstehen.
Dobbing und Smart14 untersuchten zuerst:
… die Annahme, dass es Phasen gibt, in der die Verletzlichkeit der physischen Entwicklung des Gehirns, in denen Wachstumsverzögerungen zu andauernden Distorsionen und Defiziten der Gehirnstruktur des Erwachsenen führen können, größer ist.
Hierbei handelt es sich um quantifizierbare Störungen, die das Wachstum des Gehirns betreffen. Sie erkannten, dass „möglicherweise einige Fälle von bis jetzt nicht klassifizierter mentaler Retardierung solch eine messbare … Pathologie aufweisen.” In der Studie über die Wissenschaft der entwicklungsbezogenen Ernährung, mit der sich Dobbing und Smart beschäftigten, wurden drei in Wechselbeziehung stehende Parameter erkannt, namentlich der Schweregrad, die Dauer und der Zeitpunkt der Unterernährung. Sie bemerkten die Bedeutung des dritten Faktors, des Alters, bei Unterernährung. Er wies darauf hin, dass es Übergangsphasen erhöhter Empfindsamkeit gibt, die mit den empfindlichen Phasen während der Verhaltensentwicklung identisch sind. Der Begriff „verletzlich” wird nach Dobbing und Smart benutzt, um solche Phasen zu umschreiben, „die beides, eine andauernde Distorsion und ein andauerndes Defizit, nach sich ziehen”.
Es wurde eine Differenzierung zwischen der Phase mitotischer Zellmultiplikation und dem späteren Stadium des Zellwachstums erarbeitet. Die Autoren deuteten die Möglichkeit an, dass ein quantitatives neuronales Zelldefizit weniger Bedeutung für die sich entwickelnde Gehirnfunktion besitzt, wie Defizite bezogen auf die dentritische Verzweigung und beim Aufbau synaptischer Verbindungen. Diese bilden ein Äquivalent für das Verhältnis von Gehirn- bzw. Zellgröße dar und das kann auch auf andere Organe im Körper übertragen werden. Man wählte den Begriff „Wachstumsspurt”, um die Übergangsphasen mit hoher Wachstumsgeschwindigkeit zu bezeichnen.
Dobbing und Smart14 konstatierten:
Der Wachstumsspurt des Gehirns beginnt etwa zu der Zeit, in der die neuroblastische Multiplikation aufhört und die Anzahl an Neuronen des Erwachsenenalters schon fast erreicht ist, gegen Ende des zweiten fötalen Trimesters des Menschen … Er endet mit dem Ende der rapiden Hauptmyelinisierungsphase, während eines postnatalen Alters von etwa zwei Jahren.
Dobbing und Sands15 zeigten, dass der Wachstumsspurt des Gehirns auch dann zu einem vorbestimmten chronologischen Alter stattfinden muss, wenn die Bedingungen ungünstig sind. Dieser Effekt einer schlechten Ernährung verlangsamt somit den Prozess des Gehirnwachstums. Es erfolgt keine Verschiebung desselben.
Die vulnerable Phase für das menschliche Kleinkind schließt das dritte Trimester des fötalen Lebens und die ersten 18 - 24 Monate des postnatalen Lebens ein.14 Daher findet nur ein Achtel der vulnerablen Phase im Uterus statt.
Dobbing und Smart14 konstatieren:
Somit hängt viel von der Wachstumsrate während der verbleibenden sieben Achtel des Wachstumsspurts des menschlichen Gehirns ab. Folglich stellen die ersten anderthalb Jahre des postnatalen Lebens nicht nur eine Phase der Vulnerabilität dar, sondern auch eine der Chancen.
Welche Chancen? Wie kann diese Chance am besten genutzt werden, um Lernschwäche bei Kindern zu vermeiden oder zumindest einzudämmen? Der Aufbau eines ruhigen, harmonischen, sicheren und lebensbejahenden emotionalen und geistigen Umfelds, in welches das Kind hineingeboren wird und in dem es aufgezogen wird, ist überaus wichtig. Eine saubere Luft ohne Verschmutzung durch Smog, toxischen Insektiziden und Düngern, Tabakrauch und anderen Nebenprodukten dieses industriellen Zeitalters ist somit ebenfalls von essenzieller Bedeutung. Des Weiteren ist zur Schaffung optimaler Bedingungen in dieser Phase der Chancen ein biochemisch ganzheitliches inneres Milieu entscheidend, welches durch unverfälschte, unbehandelte, nicht verseuchte natürliche Nahrungsmittel in ausgewogenen Portionen geschaffen wird.
So essenziell diese Aspekte auch sein mögen, sie werden in dieser Arbeit nicht diskutiert. Mir geht es hier nicht um die das Kind umgebende Atmosphäre oder die Ernährung, auf deren Grundlage es seinen Organismus ausbilden muss, sondern um das Muster und die Leistung des neuromuskuloskeletalen Systems, innerhalb dessen es leben und mit dem es sich ausdrücken muss. In den ersten zwei Jahren seines Lebens stellt das Wachstum des Nervensystems eines der wichtigsten Funktionen dar. Dieses Wachstum wird bestimmt durch die Integrität des ihn ummantelnden fibrös-ossären Gehäuses – dem Kranial-vertebral-sakralen Mechanismus.
Anatomie
Einige anatomischen Eigenschaften des neugeborenen Schädels dienen entsprechend der Sache. Gray16 zufolge besteht das Os sphenoidale bei der Geburt aus drei sich entwickelnden Teilen; einem zentralen, bestehend aus dem Körper mit seinen Alae minores und zwei seitlichen, den Alae majores mit den Processi pterygoidei. Diese drei Teile sind vor dem Verschluss der Knochenfugen im Alter von etwa einem Jahr in der Lage sich gegeneinander zu verschieben. Die Fissura orbitalis superior bildet jenen Raum zwischen Ala major und Ala minor, durch den sämtliche Nerven der extraokulären Muskulatur sowie der III., IV. und der VI. Hirnnerv verlaufen. Auch die autonome Versorgung und die venöse Drainage erfolgen auf diesem Weg. Der sehnige Ursprungsring von vier Augenmuskeln befindet sich an der Wurzel der Ala minor bzw. dem Rand der Ala major. Daher wird die intaorbitale neuromuskuläre Funktion durch die funktionell-strukturelle Verbindung des sich entwickelnden Os sphenoidale beeinflusst.
Ein Lateral-Strain der Sphenoidbasis im Verhältnis zur Okzipitalbasis, welcher durch einen Strain im Uterus bzw. während der Geburt oder durch ein frühes postnatales Trauma verursacht wurde, erzeugt nicht nur einen Abscher-Strain bezogen auf die Artikulation zwischen dem Körper des Os sphenoidale und der Okzipitalbasis, sondern auch eine intraossäre Läsion an den sich entwickelnden intraossären Knorpelverbindungsstücken zwischen der Ala major, dem Processus pterygoideus und dem Körper auf der Seite, gegen die sich die Sphenoidbasis bewegt.
Eine Verschiebungen der Orbitaachse erfolgt aufgrund der Rotation des Os sphenoidale relativ zum Os occipitale; eine Verschiebung der Orbitaform hingegen entsteht bei medialem Strain der Ala major des Os sphenoidale und der Distorsion der Fissurra orbitalis superior, resultierend aus einer veränderten Position der Ala major und minor. Pathophysiologische Einflüsse auf jene Strukturen, die durch diese Fissura treten, sind wahrscheinlich.
Das Os temporale besteht bei der Geburt aus zwei sich entwickelnden Teilen, dem Petromastoid und der Squama. Die membranösen Ansätze des Tentorium cerebelli bewirken eine Bewegung der Pars petromastoidale gegenüber dem Okziput in postero-medialer Richtung und in antero-medialer Richtung gegenüber dem Körper des Os sphenoidale, wohingegen die Squama auf die Ala major des Os sphenoidale sowie das Os parietale reagiert.
Ein seitlicher Strain führt zu einer Distorsion der Verbindung der Okzipitalbasis zwischen den Partes petrosae. Die Squama des Os temporale bewegt sich mit der Ala major des Os sphenoidale. Dies führt zu einer intraossären Läsion des Os temporale, bei welchem die Squama antero-medial befördert wird, die zu einer Winkelöffnung der Achse des Os petrosum innerhalb der Basis führt. Entwickelt sich die Schädelbasis ohne Strains, bildet die Achse des Os petrosum auf einer Seite einen 90°-Winkel mit der gegenüberliegenden Seite. Die intraossären Läsionen des Os parietale bzw. Os sphenoidale sind verantwortlich für die Störung sowohl des III., IV. und VI. Hirnnerven und den ophtalmischen Anteil des V. Hirnnerven als auch für die Störung des Sinus cavernosus bzw. des Sinus petrosus, die eine venöse Drainage aus der Orbita ermöglichen.
Das Os occipitale besteht bei der Geburt aus vier Teilen und vereinigt sich erst im Alter von sechs Jahren zu einem Knochen. Demnach wird das Hinterhaupt in dieser vulnerablen Phase durch vier Knochen gebildet, welche das Foramen magnum umschließen. Fast alle wichtigen Nervenbahnen zwischen Gehirn und Körper durchqueren die von jenen vier Teilen des Hinterhauptes umbauten Aussparungen. Zudem verläuft der XII. Hirnnerv, der motorische Nerv der Zunge, zwischen den Partes condylares und der Pars basilaris. Neunter, zehnter und XI. Hirnnerv verlassen den Schädel in enger Verbindung zu derselben intraossären Artikulation. Bei der Präsentation des Hinterhauptes zeigt sich die okzipitale Squama, welche den Geburtskanal öffnen muss. Ein Missverhältnis oder die Rigidität der Zervix oder jede andere Obstruktion, die den symmetrischen Abstieg des Kopfes in den Geburtskanal beeinflusst, kann mittels der Squama oder den Partes condylares eine anteriore Kompression der Pars basilaris verursachen und es im Verhältnis zum Körper des Os sphenoidale verzerren. Symmetrische Kompression kann einen Vertikal-Strain erzeugen; asymmetrische Kräfte bewirken einen Lateral-Strain. Zudem besetzen die Hemisphären des Kleinhirns die inferioren Quadranten der okzipitalen Squama und die Okzipitallappen die superioren Quadranten. Eine Distorsion der okzipitalen Squama, die dazu führt, dass sich das Supraokziput flach und fest zeigt und der interparietale Teil verengt und zugespitzt ist, kann die Leistung der betreffenden Bereiche des Gehirns, die an der Koordination, dem Gleichgewicht und dem Sehvermögen beteiligt sind, beeinflussen.
So ein Trauma verformt nicht nur die Gehirnschale. Es kann auch durch die Dura mater übertragen werden, der Kernverbindung zwischen Kranium und Sakrum. Eine okzipitale Distorsion spiegelt sich in einer sakralen Fehlstellung. Des Weiteren stehen verschiedene Anteile des Gesichtsschädels mit der Schädelbasis in Verbindung. Die Distorsion des Schädels tritt häufig mit einer Skoliose der Wirbelsäule auf; sie ist maßgeblich dafür verantwortlich und untrennbar mit ihr verbunden. Der folgende Fall zeigt dies anschaulich:
Fall 2. Ein 7 ½-jähriges Mädchen (Abbildung 2A) wurde mit einem „krummen Kopf ” und einem Schiefhals geboren. Sie zeigte sich verlangsamt und lag in der Schule in den meisten ihrer Fächer unter dem Durchschnitt. Zudem zeigte sie ein explosives Temperament, sobald sie nicht das bekam, was sie wollte. Eine Untersuchung ergab eine schwere parallelogrammförmige Distorsion des Kopfes aufgrund eines Lateral-Strains der Symphysis sphenobasilaris rechts mit superiorem Vertikal-Strain und Kompression auf der rechten Seite. Eine kompensatorische Skoliose (Abbildung 3) wurde festgestellt. Man erstellte angesichts eines so schweren angeborenen Musters bei einem 7 ½-jährigen Kind eine vorsichtige Prognose und erst nach zwei Monaten wöchentlich erfolgender struktureller Behandlung wurde eine erfreuliche Verbesserung des Erscheinungsbildes und der Leistung bemerkt (Abbildungen 2B, 3B).
Es ist wichtig, nochmals die rhythmischen Bewegungen des Kraniosakralen Mechanismus zu betonen.17 Distorsionen der anatomischen Form können die physiologischen Funktionen des Primären Respiratorischen Mechanismus beeinträchtigen, verhindern oder verzerren, was die inhärente Motilität des Zentralen Nervensystems und die fluktuierende Bewegung der Zerebrospinalen Flüssigkeit einschließt.
Wieder stellt sich die zwingende Frage: Was passiert während dieser „kritischen Phase“, durch welche die Distorsion des Kraniosakralen Mechanismus mit den Lernproblemen verknüpft wird, welche sich erst Jahre später manifestieren?
Mitten in der Nacht wachte ich auf und machte mich daran die Antwort aufzuzeichnen. Mit der Wahrnehmung beauftragte Nervenbahnen sind komplex und enthalten viele Verbindungen mit in Wechselbeziehung stehenden Funktionen. Nur wenige davon sind bereits zum Zeitpunkt der Geburt vorhanden. Die Struktur beeinflusst nicht nur die Funktion, funktionelle Muster formen gleichermaßen sich entwickelnde Strukturen. Im gesunden Kranialen Mechanismus können präzise geometrische Muster gefunden werden. Die Achsen der Orbitae überschneiden sich über der posterioren Grenze der Sella turcica und können auf die kontralaterale posteriore kraniale Fossa über dem Tentorium cerebelli projiziert werden. Die Achsen der Partes petrosae des Os temporale überschneiden sich innerhalb der Sella turcica hinter der Überschneidung der orbitalen Achsen und erstrecken sich in den Körper des Os zygomaticum auf der gegenüberliegenden Seite. Diese Achsen können als Kraftlinien palpiert werden, die sich von einer zur anderen Hand übertragen. Die anormale Anordnung in einem lateralen Strain-Muster ist daher auch durch Palpation verifizierbar.




