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aa) Annahme der Sonderregelungen durch die Marktteilnehmer und Zielerreichung
89
Die Sonderregelungen sind in der Literatur angenommen worden; es wurde bereits bei deren Einführung – soweit ersichtlich – kaum Kritik geäußert, vielmehr war man mit dem Schutz des Franchise-Nehmers bei Einführung der Sonderregelungen weitgehend einverstanden und stellt bis heute die Zielerreichung nicht in Frage.
90
Ähnlich wie in Deutschland werden die Urteile der obersten französischen Gerichte von der Literatur kommentiert, wobei das Meinungsbild ebenfalls wenig kritisch zu sein scheint. Dies liegt wohl daran, dass die Gerichte den Schutz und die Unabhängigkeit des Franchise-Nehmers in den Vordergrund rücken.
bb) Umgehung der vorvertraglichen Sonderregelungen?
91
In der Literatur existiert die Meinung, dass die vorvertraglichen Informations- und Aufklärungspflichten in ihrer Art und ihrem Umfang den zweckmäßigen Schutz des Franchise-Nehmers erfüllen. Eine gegenteilige Meinung ist nicht zu finden. Insofern finden auch keine Umgehungsversuche statt.
cc) Gerichtlicher Umgang mit den vorvertraglichen Sonderregelungen
92
Der gerichtliche Umgang mit den Sonderregelungen wird – soweit ersichtlich – seitens der Literatur nicht explizit kritisiert.
dd) Forderung nach einem eigenständigen Franchisegesetz
93
Es gibt derzeit keine Forderung nach einem eigenständigen Franchisegesetz. Die Verortung der Informations- und Aufklärungspflichten im Code de Commerce wird allgemein aufgrund der Sachnähe zu Vertriebssystemen begrüßt – selbst die „Neujustierung“ des Code de Commerce im Frühjahr 2015 hat keine wesentlichen Änderungen herbeigeführt.108
1 Iking, Frankreich – Europas Franchiseriese, in: Franchise-Erfolge 2/2012. Im Jahre 2010 waren in Frankreich laut Statistik der Federation Française de la Franchise 1.477 Franchise-Geber mit ca. 58.400 angeschlossenen Partnern bekannt, die einen weltweiten Umsatz von ca. 47,9 Milliarden EUR erzielten. Im Jahr 2016 sind 1796 Franchisenetze bekannt, mit 68.171 angeschlossenen Partnern und einem Umsatz von ca. 51,5 Milliarden EUR. 2 Allgemeine Regelungen zum Vertragsschluss. 3 Allgemeine verbraucherschützende Hinweispflichten. 4 Der Name „Loi Doubin“ wurde vom Namen des damaligen Handelsministers François Doubin abgeleitet, der das Gesetz dem französischen Parlament vorgelegt hat. 5 Loi nº89-1008 du 31 décembre 1989 relative au développement des entreprises commerciales et artisanales et à l’amélioration de leur environnement économique, juridique et social, in: Journal Officiel, 2 January 1990. 6 Decret nº91-337 du 4 avril 1991 portant application de l’article 1 er de la loi nº89-1008 du 31 décembre 1989; version abrogée le 27 mars 2007: Décret nº2007-431 du 25 mars 2007. Nunmehr in Art. R 330-1 Code de Commerce zu finden. 7 Da das Ausführungsdekret erst 16 Monate nach dem Loi Doubin in Kraft trat, gab es zunächst streitige Auseinandersetzungen hinsichtlich seiner zeitlichen Anwendung. Die Rechtsprechung geht heute davon aus, dass die Offenlegungsverpflichtung für Verträge gilt, die ab dem 31.12.1989 geschlossen wurden. 8 Sinngemäße Übersetzung. 9 Corvol, Le Livre blanc de la Franchise, Paris, 1989. 10 Der Kodex der „Fédération Francaise de la Franchise“ aus dem Jahre 1972, überarbeitet 1977 (Verpflichtungen der Franchise-Nehmer) sowie 1984 (Verpflichtungen des Franchise-Gebers). Dazu: Bessis, Le contract de franchisage, S. 113. 11 Die AFNOR-Norm 20-000 v. 16.7.1987 bezieht sich auf jede Art des Franchising, unabhängig, ob es sich um Vertriebs-, Produkt-, oder Dienstleistungsfranchising handelt. 12 Décret nº1998-550 du 2 juillet 1998. 13 Décret nº2007-431 du 25 mars 2007. 14 Klarstellend sei nochmals erwähnt, dass der Loi Doubin – Loi nº89-1008 vom 31.12.1989 – bis zum 21.9.2000 in Art. 1 den ab diesem Tage nunmehr in Art. L 330-3 Code de Commerce enthaltenen Art. zur (allgemeinen) vorvertraglichen Aufklärungspflicht enthielt. Das aufgrund von Art. 1 Loi Doubin – später aufgrund von Art. L 330-3 Code de Commerce – erlassene Ausführungsdekret vom 4.4.1991 (Décret nº91-337, https://www.legifrance.gouv.fr/affichTexte.do?cidTexte=JORFTEXT000000537032, zuletzt abgerufen am 5.11.2018) wurde mit dem Dekret Nr. 2007-431 vom 25.3.2007 aufgehoben. Die Detailbestimmungen aus dem Ausführungsdekret wurden leicht abgeändert ebenfalls aufgrund des Dekrets Nr. 2007-431 in Art. R 330-1/2 Code de Commerce übernommen. Art. R 330-1 Code de Commerce wurde dann am 22.5.2009 nochmals geändert. 15 Gesetz Nr. 2015-990 vom 6.8.2015 zur Förderung des Wachstums, der Aktivität und der wirtschaftlichen Chancengleichheit, JORF nº0181 du 7 août 2015 page 13537; https://www.legifrance.gouv.fr/affichTexte.do?cidTexte=JORFTEXT000030978561& dateTexte=&categorieLien=id. 16 Bottiau, Die vertriebsrechtliche Bedeutung des neuen französischen Macron-Gesetzes, ZVertriebsR 2015, 354 (355). 17 Sinngemäße Übersetzung. 18 Verordnung (EWG) Nr. 4087/88 der Kommission v. 30.11.1988 über die Anwendung von Art. 85 Abs. 3 des Vertrags auf Gruppen von Franchisevereinbarungen, in: Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft, Nr. L 359/46. 19 Delforge/Menguy, France, in: Loewinger/Lindsey (Hrsg.), International Franchise Sales Law, S. 169. 20 Ethikkodex 2004 der European Franchise Federation (EFF). 21 Dies kommt insbesondere dadurch zum Ausdruck, dass das Fehlen des Know-how-Transfers zur Nichtigkeit des Vertrags führen kann oder eine Umdeutung des Vertrages stattfindet: Berufungsgericht Colmar 19.7.2011, Juris-Data nº2011-016256. 22 Ethikkodex 2004 der European Franchise Federation (EFF). 23 So auch klarstellend u.a. Cour de Cassation v. 14.1.2003 nº00-11781 (Hygiene Diffusion); Cour de Cassation v. 9.10.2007 nº05-14118. 24 Gemeint ist damit, dass der Franchise-Geber dem Franchise-Nehmer einen gemeinsamen Firmen-/Handelsnamen oder eine gemeinsame Marke zur Verfügung stellt und sich der Franchise-Nehmer sozusagen als Gegenleistung zur (Quasi-)Exklusivität gegenüber dem Franchise-Geber verpflichtet, um das Franchiseunternehmen auszuführen, vgl. Art. L 330-3 Code de Commerce. 25 Cour d’ appel Paris v. 25.10.2011 nº10-24023. 26 Cour de Cassation v. 14.1.2003 nº00-11781; Cour de Cassation v. 9.10.2007 nº05-14118. 27 Díaz, Franchising in European Contract Law, 2008, S. 36, 48 ff. 28 Siehe unten Rn. 38 ff. 29 Siehe unten Rn. 38 ff. 30 Cour de Cassation v. 17.10.1995 nº94-10106: Die Selbstständigkeit des Franchise-Nehmers hatte sich nicht aus den Vertragsunterlagen herauslesen lassen; Cour de Cassation v. 3.5.1995 nº93-12981: Der Franchise-Nehmer wurde aufgrund des zugrunde liegenden Vertrages als Arbeitnehmer eingestuft. 31 Anders, wenn der Franchise-Geber lediglich unverbindliche Richtpreise/Preisempfehlungen vorgibt. 32 Anstett, in: Martinek/Semler/Flohr, Handbuch des Vertriebsrechts, § 62 Rn. 87. 33 Art. 4 EG-Vertikal-VO. 34 Cour de Cassation v. 16.3.2006 nº03-14639; Cour de Cassation v. 10.9.2013 nº12-11701; Hertz/Mermet, in: Champbell (Hrsg.), International Franchising, France, FRA/7. 35 Delforge/Menguy, in: Loewinger/Lindsey, International Franchise Sales Law, France, S. 178. 36 Anstett, in: Martinek/Semler/Flohr, Handbuch des Vertriebsrechts, § 62 Rn. 88. 37 Cour d’appel Paris v. 18.1.2012, nº2012-001131; Cour de Cassation v. 9.3.2010 nº08-21055. Die Angemessenheit richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und kann von mehreren Wochen bis zu zwei Jahren reichen. 38 Cour d’appel Montpellier v. 21.9.2001 nº04-267461. 39 Cour de Cassation v. 29.1.2008 nº06-13462. 40 Cour de Cassation v. 31.1.2012 nº10-27603. 41 Vgl. zu den Rechtsfolgen bei Vertragsbeendigung Anstett, in Martinek/Semler/Flohr, Handbuch des Vertriebsrechts, § 62 Rn. 98. 42 Cour de Cassation v. 29.11.2011 nº10-26280. 43 Thum, Der Ausgleichsanspruch des Franchise-Nehmers in Europa – ein Phänomen des deutschsprachigen Raums, 2011, S. 162 ff. 44 Cour de Cassation v. 9.10.2007 nº05-14118. 45 Giesler/Nauschütt, Franchiserecht, 3. Aufl. 2016, Köln, Kap. 19 Rn. 90. 46 Ausführlich Thum, Der Ausgleichsanspruch des Franchise-Nehmers in Europa – Ein Phänomen des deutschsprachigen Raums, 2011, S. 183 ff. 47 Beltz, Der brutale Abbruch einer bestehenden Handelsbeziehung im französischen Recht, in: RIW 2010, 209. 48 Vgl. aber auch Anstett, in Martinek/Semler/Flohr, Handbuch des Vertriebsrechts, § 62 Rn. 94, die darauf hinweist, dass solche Entschädigungsvereinbarungen nur selten getroffen werden, die Regelungen zu Vertragshändlerverträgen aber entsprechende Anwendung finden. 49 Cour de Cassation v. 25.2.1986 nº88-20995. 50 Schulz, Die Schadensersatzansprüche des Franchise-Nehmers wegen der Verletzung vorvertraglicher Aufklärungspflichten, 2004, S. 72 f. 51 Gast/Erdmann, Offenlegungspflicht bei Franchise im deutsch-französischen Vergleich, RIW 1997, 822 (823). 52 Gast/Erdmann, Offenlegungspflicht bei Franchise im deutsch-französischen Vergleich, RIW 1997, 822 (823). 53 Vgl. Kapitel USA, unten: Franchiseregelungen außerhalb Europas, Teil B I. 54 Vgl. http://www.franchise-fff.com/base-documentaire/finish/206/320.html. 55 Vogel, Neue Verpflichtungen für deutsche Vertriebsfirmen in Frankreich, RIW 1991, 801 ff. 56 Vertragsbegleitende Pflichten können sich jedoch aus dem allgemeinen Grundsatz von Treu und Glauben ergeben. 57 Cour de Cassation, Commercial Section v. 27.1.2009 nº07-21616. 58 Vgl. hierzu auch Art. L 121-1 bis 121-5 Consumer Code (Code de la consommation) und Art. L 132-2 Verordnung nº2016-301 vom 14.3.2016 (Ordonnance nº2016-301 du 14 mars 2016 relative à la partie législative du code de la consommation). 59 Schulz, Die Schadensersatzansprüche des Franchise-Nehmers wegen Verletzung vorvertraglicher Aufklärungspflichten, S. 73. 60 Allein auf dem Server „legifrance“ werden 113 Entscheidungen des Cour d’appel und des Cour de Cassation vorgehalten, die zu Art. L 330-3 Code de Commerce ergangen sind, sowie 30 Entscheidungen zu Art. R 330-1 Code de Commerce. 61 U.a. Cour de Cassation v. 19.5.1992, Liquidator Sté Marketing Alimentaire vs. Sté Disco, nº90-16.872, JPC 1993, éd. E II, 387; Cour d’appel Douai, 5.12.1991, RJDA 1992, nº11 Rdnr. 1003; Cour d’appel Paris, 4.10.1991, D. 1991, I.R., S. 293. 62 Soweit die Urteile nicht öffentlich zugänglich waren (www.legifrance.gouv.fr), wurden sie entnommen aus: Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence (1973–1993), Paris 1994; Baschet, La Franchise: Guide juridique, 2007; Grimaldi/Méresse/Zakharova-Renaud, Droit de la franchise, 2011. 63 Diese Vorgehensweise sollte nicht sonderlich verwundern, da die Detailbestimmungen zu den vorvertraglichen Informations- und Aufklärungspflichten des Franchise-Gebers nur in Art. R 330-1 Code de Commerce zu finden sind und daneben Art. L 330-3 Code de Commerce nur die allgemeine Verpflichtung regelt. 64 Cour d’appel Paris v. 20.5.1988 – Mahler vs. BECQ (entnommen aus Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence, S. 92); Cour de Cassation v. 12.10.1993, nº91-16.312; Cour de Cassation, Urt. v. 8.7.2003 nº02-11691. 65 Cour d’appel Angers v. 10.11.1991 – Logis Haut Anjou vs. Logis 53 (entnommen aus Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence, S. 208). 66 Cour de Cassation, Urt. v. 5.1.2016, nº14-15700. 67 Siehe oben, Rn. 52 f. 68 Clément, Loi Doubin où en est la jurisprudence? in: L’officiel de la Franchise, 3/1998 nº12, S. 102. 69 Cour d’appel Riom v. 6.3.1996. 70 Cour d’appel Paris v. 18.6.1997 – Briand vs. Alain Manoukian; Cour de cassation v. 5.1.2016, nº14-15703. 71 Cour d’appel Paris v. 25.6.1990 – Van der Linden vs. GB. 72 Cour d’appel Paris v. 6.10.1989 – Laboratoires de Prothése oculaires vs. Skibinski. 73 Cour d’appel Nancy, Urt. v. 12.9.1988 – Dame Pacco Hug vs. Loraparc (entnommen aus Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence, S. 84); Cour d’appel Paris, Urt. v. 28.4.1978 – Morvan vs. Intercontinent, BT 1978, S. 277. 74 Tribunale de Commerce Bordeaux, Urt. v. 15.5.195, RD propr. Ind. 1985, nº1, S. 142. 75 Cour d’appel Montpellier, Urt. v. 20.2.1992 – Mme. Migayrou-Bakulz vs. Mme. Molinie Calmels (entnommen aus Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence, S. 222). 76 Cour d’appel Limoges, Urt. v. 16.1.1989 – Claude Lachaise vs. Serap (entnommen aus Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence, S. 88). 77 Cour d’appel Reims, Urt. v. 21.12.1988 – Cabinet Robillard vs. M. Briand (entnommen aus Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence, S. 92). 78 Cour d’appel Montpellier, Urt. v. 7.2.1991 – M. Lamarque vs. Invest Center (entnommen aus Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence, S. 174). 79 Cour d’appel Paris, Urt. v. 3.10.1989 – Locarauto (Rent a car) vs. Blanc et Sogest. 80 Cour d’appel Paris, Urt. v. 10.3.1989 – Lybopar vs. La Crossanterie. 81 „Obligation de moyens“. 82 „Obligation de resultat“. 83 Cour de Cassation, Urt. v. 19.5.1992 – Marketing Alimentaire vs. Disco, nº90-16.872, JCP 1993, ed. E II, 387. 84 Cour d’appel Paris, Urt. v. 4.10.1991, D. 1991, I.R., S. 293. 85 Cour d’appel Lyon, Urt. v. 19.1.1989 – AMC vs. Catena France (entnommen aus Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence, S. 93); Cour de Cassation, Urt. v. 4.12.1990, JPC ed. G 1991, II, nº21725; Tribunal Commerce Paris, Urt. v. 30.9.1993, JCP ed. E 1993, IV, nº1289, bestätigt vom Cour d’appel Paris, Urt. v. 3.2.1994 – But International vs. Nova Meubles, nº93.022211, Gaz. Pal. 2.–3. III. 1994, S. 8. 86 Hier kommt arglistiger Betrug in Betracht. 87 Cour d’appel Bordeaux, Urt. v. 18.2.1988 Delhomme Ragueneau Matin vs. Gestion des Bijouteries du Medoc. 88 Cour d’appel Pau, Urt. v. 29.6.1989 – Uni Inter vs. Eloren. 89 Bessis, Le contract de franchisage, S. 82. Dies gelte jedenfalls, wenn sie vertraglich vereinbart sind. In diesen Fällen ist die vertraglich geschuldete Unterstützung zu leisten. 90 Cour d’appel Paris, Urt. v. 31.1.1991 – Mme Migot vs. DF Video (Video Point). 91 Cour d’appel Paris, Urt. v. 25.1.1990 – Sima vs. Global France (Foto Quick) (entnommen aus Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence, S. 144). 92 Cour d’appel Paris, Urt. v. 22.10.1992 – Unicis vs. Dame Trigo. 93 Cour d’appel Paris, Urt. v. 25.1.1990 – Sima vs. Global France (Foto Quick) (entnommen aus Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence, S. 144). 94 Cour d’appel Paris, Urt. v. 31.1.1991 – Mme Migot vs. IDF Video (Video Point). 95 Cour d’appel Paris, Urt. v. 10.3.1989 – Lypobar vs. La Croissanterie. 96 Cour d’appel Paris, Urt. v. 28.4.1978 – Morvan vs. Intercontinent, BT 1978, S. 277. 97 Cour de Cassation, Urt. v. 30.1.1996, JCP 1996, I, S. 3929, obs. Ch. Jamin; Cour d’appel Paris, Urt. v. 16.4.1991, D. 1992. somm., S. 392, obs. D. Ferrier; Cour d’appel Paris, Urt. v. 22.9.1992, D. 1995. somm., S. 78, obs. D. Ferrier. 98 Cour d’appel Bordeaux, Urt. v. 1.6.1988, Petit affiches 12.6.1989, S. 15. 99 Cour d’appel Paris, Urt. v. 4.3.1991 – Le Tallec-Nedelec-Perez vs. Athlete’s Foot et Marshall (entnommen aus Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence, S. 160). 100 Cour d’appel Nancy, Urt. v. 4.1.1989 – Jaeger vs. Aluminium Systeme (Verandalys); Cour d’appel Metz, Urt. v. 31.5.1990 – Aluminium Systemes (Verandalys) vs. Marsal; Cour de Cassation, Urt. v. 9.10.1990 – Aluminium Systemes (Verandalys) vs. Jaeger. 101 Cour d’appel Aix-en-Provence, Urt. v. 30.9.1986, RD propr. Ind. 1987, nº13, S. 145; Cour de Cassation, Urt. v. 7.2.1995, Nr. 92-21.816; Tribunal commerce Bordeaux, Urt. v. 15.5.1985, RD propr. Ind. 1985, nº1, S. 143; Tribunal commerce Paris, Urt. v. 18.9.1986, p.a. v. 8.10.1986, S. 27, D. 1988, som, S. 23. 102 Cour de Cassation, Urt. v. 7.2.1995, nº92-21.816; Le Lamy Droit Économique, S. 1426 Rdnr. 4021. 103 Tribunal correectionel Paris, Urt. v. 4.3.1974, 13 Ch; Cour d’appel Paris, Urt. v. 28.4.1978 – Morvan vs. Intercontinent, BT 1978, S. 277; Cour d’appel Toulouse, Urt. v. 3.2.1993 – Evasion et Loisiers vs. Jacquet et Larrer (entnommen aus Clément, La Franchise: Vingt ans des Jurisprudence, S. 254); Bessis, Le contract de franchisage, S. 31. 104 Cour d’appel Paris, Urt. v. 10.3.1989 – Lypobar vs. La Croissanterie. 105 U.a. Cour d’appel Colmar, Urt. v. 19.4.1982 – Felicitas vs. Georges; Cour de cassation, Urt. v. 13.12.1994, Nr. 92-19.055; Cour d’appel Lyon, Urt. v. 26.2.1993, Petit affiches 3.8.1994, S. 26; Cour d’appel Versaille, Urt. v. 11.2.1994 – Club Franchise distribution:Lav#Club vs. d’Etudes de Projects et de Transaction; Cour d’appel Paris, Urt. v. 29.10.1992 – Somutex vs. Charcharel; Cour de cassation, Urt. v. 24.11.1992, nº90-18003. 106 Gast, La reconnaissance jurisprudentielle de l’idée commerciale est sa protection, Petit affiches, 18.3.1993, S. 13. 107 Ghestin, Traité de Droit Civil, la formation du contrat, 3 ed, LGDJ, 1993; Guyon, Droit des affaires, T. I, Droit Commercial General et Sociétés, n. 835, Económica, 1996; F. Collart Dutilleul & Ph. Delebecque, Contrats civils et commerciaux, 6 ed, Dalloz, Paris, 2002; Ph. Malaurie & L. Aynès & P-Y Gautier, Droit civil, Les Contrats Spéciaux, Paris, 2005; Le Tourneau, Le contrat de franchisage, Litec, Paris, 2003; J.-M. Leloup, La franchise, droit et pratique, 4 ed, Delmas, Paris, 2004. 108 Zu den geringfügigen Änderungen siehe oben zur Rechtshistorie, Rn. 5 ff.
III. Spanien
1. Franchiseregeln
a) Rechtsgrundlagen
1
Im spanischen Recht existiert kein spezielles Franchisegesetz.1 Daher ist auf Ley 7/1996 (Einzelhandelsgesetz)2 zurückzugreifen, welches in Art. 62 Ley 7/1996 (konsolidierte Fassung von 3/2016) allgemeine Regeln zum Franchise vorhält, die das Real Decreto 201/20103 (Königliches Dekret zum Franchise) hinsichtlich der Aufnahme der Franchisetätigkeit, des Franchiseregisters und der vorvertraglichen Informationspflicht des Franchise-Gebers gegenüber dem Franchise-Nehmer näher ausgestaltet.
2
Da es an einem spanischen Franchisegesetz mangelt und die einschlägigen Vorschriften das Verhältnis der Vertragsparteien nicht vollumfänglich regeln, sind des Weiteren allgemeine Regelungen heranzuziehen. Dies betrifft unter anderem das Ley 12/1992 (Handelsvertretergesetz), welches Vertriebsvereinbarungen regelt, worunter auch Franchiseverträge zu zählen sind.4 Daneben ist ferner das Ley 7/1998 (Gesetz zum allgemeinen Vertragsrecht) zu beachten, das auf Franchisevereinbarungen nach spanischem Recht anwendbar ist.5 Ebenso sind die allgemeinen Vorschriften des Real Decreto vom 24.7.1889 (Königliches Dekret zum Zivilrecht) sowie des Real Decreto vom 22.8.2015 (Königliches Dekret zum Handelsrecht) relevant.
3
An dieser Stelle sei auch kurz auf die Existenz der Spanischen Franchise-Vereinigung (Asociación Española de Franquiciadores, AEF) hingewiesen, deren Verhaltens-Codices in Anlehnung an den European Code of Ethics for Franchising (ECEF) von der Europäischen Franchise-Vereinigung (European Franchise Federation) zwar keine allgemeingültige rechtsbindende Wirkung aufweisen, aber dennoch anerkannt sind.6 Die AEF existiert seit etwa 23 Jahren und besteht aus rund 195 Mitgliedern, von denen die strikte Einhaltung des ECEF gefordert wird, um unter anderem die Franchise-Geber vor unlauteren Wettbewerbsmethoden zu schützen und das Vertrauen in den Markt zu stärken.7
b) Rechtshistorie
4
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern trat das Geschäftsmodell „Franchise“ in Spanien eher spät – Ende der 1950er Jahre – in Erscheinung und hat sich erst um 1980 flächendeckend verbreitet.8 Die ersten gesetzlichen Regelungen zum Franchise sind in Ley 7/1996 vom 15.1.1996 zu finden.9 Der Grund für die Regulierung des Franchise lag darin, dass zunehmend Arbeitnehmer aus einer unselbstständigen Beschäftigung oder der Arbeitslosigkeit in die selbstständige Tätigkeit des Franchise-Nehmers wechselten, ohne wesentliche Kenntnisse von den Besonderheiten und Risiken der selbstständigen kaufmännischen Tätigkeit zu besitzen.10 Die Folge war die Insolvenz von Franchise-Nehmern oder die Auflösung des Franchisevertrages, was zum einen zu einer Mehrbelastung der Sozialkassen Spaniens und zum anderen zu einer mangelhaften sozialen Absicherung der Franchise-Nehmer führte.11 Zur Beseitigung dieser Missstände wurden u.a. die Regelungen zum Franchise in Spanien eingeführt, wobei das den Rahmen bildende Ley 7/1996 in erster Linie den öffentlich-rechtlichen Bereich des Einzelhandels anbetrifft und Regelungen über die Ladenöffnungszeiten, über den Bau von Einkaufszentren etc. vorhält.12 Die einzige Regelung zum Franchise findet sich seit Inkrafttreten des Ley 7/1996 (und seiner späteren Modifikationen) in Art. 62. Die erste Fassung des Gesetzes beinhaltete zunächst eine allgemeine Definition von Franchise, eine einfache Mitteilungspflicht des Franchise-Gebers an das Franchise-Geber-Register sowie eine vorvertragliche schriftliche Informationspflicht des Franchise-Gebers gegenüber dem Franchise-Nehmer. Mit Ley 1/2010 (Änderungsgesetz zum Einzelhandel) wurde Art. 62 um einen Abs. 2 ergänzt. Hauptsächlich diente Ley 1/2010 gemäß der Gesetzesbegründung dazu, die bestehenden Regelungen an die aktuelle Entwicklung der Märkte und an EU-rechtliche Vorgaben anzupassen. Zudem sollte es die Regulierung und Aktualisierung des Franchise-Geber-Registers vereinfachen. Insofern wurde die Registrierungspflicht zwischen Franchise-Gebern aus Spanien sowie aus Drittländern differenziert geregelt und der Datenaustausch zwischen dem Franchise-Geber-Register beim Ministerium für Industrie, Tourismus und Handel und den Registern der autonomen Regionen näher festgelegt. Die aktuell gültige Version des Art. 62 Ley 7/1996 beinhaltet weiterhin die allgemeine Definition, eine detailliertere Ausgestaltung der Registrierungspflicht sowie die vorvertraglichen Informationspflichten.
5
Das Real Decreto 2485/1998 (Königliches Dekret zum Einzelhandel und Franchise) ist Vorgänger des Real Decreto 201/2010 und diente der Regelung der Rahmenbedingungen des Art. 62 Ley 7/1996. Es führte erstmals die vorvertraglichen Informations- und Aufklärungspflichten konkret aus und enthielt nähere Angaben zu der Registrierung der Franchise-Geber.13 Es wurde mittels des Real Decreto 419/2006 (Königliches Dekret zur Änderung des Real Decreto 2485/1998) modifiziert und dabei um weitere Regelungen bezüglich der Registrierungspflicht ergänzt. Das seit dem 14.3.2010 gültige Real Decreto 201/2010 hebt die Vorgänger-Version auf und führt die bisherigen Regelungen im Wesentlichen fort.
c) Franchisevertrag
aa) Definition des Franchisevertrags
6
Zunächst werden die gesetzlichen Definitionen zum Franchise in Art. 62 Abs. 1 Ley 7/1996 und Art. 2 Abs. 1 Real Decreto 201/2010 betrachtet. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass diese vielmehr die Tätigkeit im Rahmen des Franchise beschreiben als den Franchisevertrag selbst.
7
Gemäß der eher allgemeinen Definition aus Art. 62 Abs. 1 Ley 7/1996 ist Franchise eine wirtschaftliche Tätigkeit, welche mittels Vertrag oder Vereinbarung zustande kommt, wobei „ein Unternehmen als Franchise-Geber einem anderen als Franchise-Nehmer das Recht gewährt, das eigene Vertriebssystem von Produkten und Dienstleistungen zu nutzen“.
Art. 62 Abs. 1 Ley 7/1996
Die Geschäftstätigkeit im Rahmen des Franchisesystems ist diejenige, die aufgrund einer Vereinbarung oder eines Vertrages ausgeübt wird, durch die ein Unternehmen, genannt Franchise-Geber, an ein anderes, genannt Franchise-Nehmer, das Recht überträgt, das eigene Marketingsystem zu nutzen, um Produkte oder Dienstleistungen zu veräußern.
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Eine etwas detailliertere Definition ist in Art. 2 Abs. 1 Real Decreto 201/2010 zu finden. Hiernach ist Franchise eine Tätigkeit zur Vertragserfüllung, und zwar indem ein Unternehmen als Franchise-Geber einem anderen, dem Franchise-Nehmer, das Recht zur Nutzung eines Franchisesystems gegen (un)mittelbare entgeltliche Gegenleistung gewährt. Das Franchise bezieht sich dabei auf ein Geschäft oder eine Handelstätigkeit, welche der Franchise-Geber bereits hinreichend auf dem Markt getestet haben muss. Ferner enthält Art. 2 Abs. 1 lit. a)–c) Real Decreto 201/2010 Angaben über den Mindestinhalt von Verträgen beziehungsweise Vereinbarungen, sodass diese als Franchisevertrag/-vereinbarung zu qualifizieren sind. Die Mindestangaben umfassen (a) die Verwendung des Handelsnamens/Logos sowie anderer immaterielle Rechte des Franchise-Gebers und eine einheitliche Darstellung der Geschäftsräume oder der Transportmittel, (b) die Weitergabe von wesentlichem technischen Wissen/Know-how vom Franchise-Geber an den Franchise-Nehmer und (c) die regelmäßige wirtschaftliche und technische Beratung/Unterstützung während der Vertragslaufzeit.




