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Sie schüttelte den Kopf, ihre Augen aber leuchteten vor Interesse. “Nein.”
“Du sollst deinem Partner gehorchen, Frau.”
“Dann versuch’s doch.” Sie lachte und rannte aus dem Zimmer und der alte Lord heftete sich an ihre Fersen.
Ich musste grinsen. Konnte nicht anders. Die Dame des Hauses interessierte mich nicht sonderlich, außer wenn sie mit ihm war, und sie verdiente etwas Erleichterung. Mit Bediensteten, Besuchern und allen anderen Leuten, inklusive der Ermittler, die mehr als einmal in ihr Haus gekommen waren, blieb sie kühl. Berechnend. Nachtragend. Das Wort Diva wurde ihr nicht annähernd gerecht. Mit ihm aber?
Ich nahm seinen Becher und blickte seufzend den Kreaturen nach, wie sie sich durch ihre spezielle Katzentür davon machten. Sie blieben nie da. Ließen sich nie von mir anfassen. So loyal waren sie ihrem einzig wahren Herrchen gegenüber, hatte man mir jedenfalls gesagt.
Ich lief so leise wie möglich über den Flur und folgte dem Lord und der Lady des Hauses und fragte mich, wo die beiden es sich gemütlich machen würden. Meistens trug er sie in ihr Schlafzimmer, was mir keine Chance ließ, es zu durchsuchen.
Und heute?
Vor mir schlug eine Tür zu und durch die dicke Vertäfelung konnte ich ihr vergnügtes Gequietsche hören.
Super! Sie waren in der Bibliothek. Ihr Zimmer war frei!
Ich rannte zum Seitenschrank, stellte das halbvolle Glas ab und machte mich so schnell wie möglich ins Zimmer der Dame auf. Sonst blieb sie immer stundenlang dort drin. Jetzt oder nie!
Ich schloss leise die Tür und betrachtete die hohen Decken und das geräumige Bett mit seinem seidigen Elfenbeinplumeau. Der Teppichboden war so dick, ich müsste ihn auf dem Weg nach draußen aufrauen, um keine Fußabdrücke zu hinterlassen.
Ich begann am Schrank, öffnete und schloss alle Türen und Fächer. Ich durchsuchte Taschen. Schuhe. Dekorative Schachteln. Nichts.
Dann ging ich zum Schreibtisch und wollte die Schublade öffnen. Sie war abgeschlossen. Verdammt.
“Schlüssel. Wo ist der Schlüssel?” Es sah wie ein altmodisches Schloss aus. Das Schloss am Schreibtisch des Lords war sehr viel fortschrittlicher. Ich musste einen Fingerabdruck von einem seiner Weingläser kopieren und seine Stimme aufzeichnen, um es zu öffnen. Aber ich hatte nichts gefunden. Nur Geschäfts- und Bankunterlagen. Alle waren öffentlich zugänglich und wahrheitsgemäß, wie ich in einer stundenlangen Suche in ihrer Version des Internets herausgefunden hatte.
Lady Jax aber? Sie gab mir Rätsel auf und mein Bauchgefühl sagte mir, dass sie sehr viel mehr wusste, als sie sich anmerken ließ.
Ich legte mich auf den Rücken, rutschte unter den Schreibtisch und sah, dass der Schlüssel in einer kleinen Nische zwischen den Holzstützen in einer Ecke eingeklemmt worden war. “Hab’ dich.”
Ich nahm den Schlüssel, glitt unter dem Schreibtisch hervor und schloss die Schublade auf. Noch ehe ich sie öffnen konnte, stoppte mich eine schneidende Frauenstimme.
“Was zum Teufel machst du da?”
Ich erstarrte, dann drehte ich mich langsam um und erblickte Lord und Lady Jax, die mich von der jetzt geöffneten Schlafzimmertür anstarrten.
“Ich mache nur sauber.” Gott, ich musste wirklich an meinem Pokerface arbeiten. Nicht einmal Lord Jax glaubte mir. Er warf mir einen finsteren Blick zu und seine Lippen verjüngten sich zu einer schmalen Linie.
“Nun, mein Lord, wie es aussieht wissen wir jetzt, wer unseren Gegnern die Informationen zugespielt hat.”
Wer, ich? Sie konnte nicht mich damit meinen. Richtig?
Falsch.
Lord Jax wurde ganz rot vor Wut. “Wachen!”
Ich drehte mich zu ihnen um und verschloss mit den Händen hinter dem Rücken die Schublade. “Ich habe das Zimmer geputzt, das ist alles.”
“Ich glaube dir kein Wort. So, wie sie den Namen Jax gerade in den Medien auseinandernehmen? Wie wir unsere Integrität, unsere Ehre verlieren? Wegen Leuten wie dir und euren gemeinen, heimtückischen Machenschaften.” Lady Jax kam auf mich zu und zerrte mich von ihrem Schreibtisch weg. Mann, die Frau hatte vielleicht Kraft! Ich nutzte die Gelegenheit und warf den Schlüssel unter den Stuhl hinter mir. Das war die bestmögliche Lösung. Zumindest würde ich ihn nicht in der Hand halten.
“Du wagst es, dich ohne Erlaubnis ins Zimmer meiner Partnerin zu schleichen?” Lord Jax war nicht mehr nett oder liebenswürdig. Jetzt war er ein Mann, der seine Partnerin verteidigte und ich war am Arsch.
Zwei stämmige, gut bewaffnete Garden tauchten an der Tür auf und er trat zur Seite. “Schließt sie in mein Büro ein und ruft meinen Sohn. Und die Polizei.”
Lady Jax ging wieder zu ihm rüber und zitterte wie ein Blatt; scheinbar stellte ich eine außerordentliche Bedrohung für sie dar. Allerdings war es wohl eher Zorn als Angst. Lord Jax blickte jetzt noch finsterer und er legte beschützend die Arme um sie. Beide waren rot im Gesicht, aber selbst für einen Quickie in der Bibliothek hätte die Zeit wohl nicht gereicht. Ich musste annehmen, dass sie sich etwas mehr Zeit lassen wollten und deshalb in ihr Zimmer gekommen waren. Na toll.
“Sollten wir nicht die Palastgarden rufen? Die Optimus-Einheit? Sie leiten die Untersuchung. Sie ist der Spitzel, Liebling. Ihretwegen sind so viele unserer Garden gestorben! Wahrscheinlich hat sie Zel, den Verräter zum königlichen Empfang geschickt, um die Prinzessin zu kidnappen.” Sie klang, als stünde sie kurz vorm Nervenzusammenbruch. Tränen. Zittern. Meine Güte. Die Frau hätte fast einen Emmy verdient.
Aber vielleicht glaubte sie ja wirklich, dass ich der Spion in ihrem Haushalt war. Ich war hier, allerdings suchte ich selber nach ihm. Genau wie die Optimus-Einheit.
Die Garden kamen hereingestürmt und packten mich. Sie gingen nicht zimperlich vor und ich konnte es ihnen nicht verübeln. Wenn sie Lady Jaxs Worten Glauben schenkten—und sie hatten keinen Anlass, ihr nicht zu glauben—, war ich höchstwahrscheinlich der Grund, warum ihre Leute in der Nacht unserer Ankunft auf Alera getötet wurden.
Ich war also doppelt am Arsch.
“Thor soll zuerst mit ihr reden und ich will, dass du die Polizei rufst. Nur für den Fall, dass sie gewalttätig wird. Thor kann dann entscheiden, was er mit ihr macht …, ob er sie der Polizei oder dem Palast übergibt.”
Mit den Palastgarden würde ich klarkommen. Ich könnte einfach nach Trinity fragen. Sie würde mich vor ihren eigenen Garden retten. Aber die Polizei? Wenn sie mich für eine Spionin hielten, würden sie mich dann foltern und eventuell umbringen? Mich in eine Zelle stecken? Mich verschwinden lassen?
Ich könnte ihnen zwar sagen, dass ich eine Prinzessin war, aber sie würden mir niemals glauben. Der ganze Planet suchte nach mir und meiner Schwester Destiny. Alle und jeder, obwohl sie nicht wussten, wie wir aussahen, oder dass wir tatsächlich Prinzessinnen waren. Und ich hatte Bäder geputzt und sie von vorne bis hinten bedient. Hmm. Nicht sonderlich royal. Und abgesehen davon würde der wahre Verräter jetzt vielleicht sein Gesicht zeigen oder zumindest zu mir kommen, um sich zu brüsten.
Ich würde abwarten und sehen, wie die Sache sich entwickelte.
Ohne Widerstand ließ ich mich von den Garden abführen. Und als sie in Lord Jaxs Büro Wache standen und auf Thor und die Polizei warteten, weigerte ich mich Tränen zu vergießen.
Ich war eine verdammte Prinzessin.
3

Lord Thordis Jax, Mytikas City, Planet Alera
“Mein Lord, sie werden zum Familienanwesen gerufen.” Meine Gouvernante, eine ernste und äußerst effiziente Frau stand im Eingang zu meinem Büro.
“Meine Mutter?” fragte ich. Mutter ließ oft nach mir rufen. Wenn sie einsam war oder wenn ihr langweilig war oder wenn sie mir mal wieder eine potenzielle Braut vorführen wollte. Meine allerliebste Mutter führte immer etwas im Schilde; sie hoffte, dass die richtige Frau vorbeispazieren, meinen schlafenden Schwanz erwecken und mich zu Größerem inspirieren würde. Sie glaubte, mit einer Partnerin würde ich mich stärker in Politik und die Familienfinanzen investieren. Ich hatte es alles andere als eilig an den Eiern herumgeführt zu werden und einer Frau zu Füßen zu liegen. Und ich hatte nicht die geringste Lust, meine Mutter heute aufzumuntern.
“Nein, mein Lord. Ihr Vater. Der Verräter wurde geschnappt. Er sagt, sie sollen sofort kommen.”
Der Verräter? Geschnappt? Kein Wunder, dass sie nach mir riefen. Beide waren aufgrund der Ermittlungen gegen unsere Familie mehr als gestresst—verständlicherweise. Die Sache mit Zel hatte mich verflucht nochmal umgehauen. Ich war mit ihm aufgewachsen, sein Vater war Garde meines Großvaters gewesen. Wir waren zusammen zur Schule gegangen, waren beste Freunde. Bis wir einander fremd wurden. So fremd, dass er vom rechten Weg abgekommen war. Er hatte versucht die Prinzessin zu kidnappen. Und zwar nachdem ich mit ihr auf dem königlichen Empfang geplaudert hatte, was uns in den Augen der Optimus-Einheit nur noch verdächtiger machte.
Der Verräter war gefasst worden. Halleluja. Ich stellte mein Kristallglas auf den Tisch und holte meinen Mantel. Die Luft in dieser Höhe war kalt.
Der Tanz mit der Prinzessin hatte zwei Dinge mehr als deutlich gemacht. Erstens, Celenes Tochter war hochintelligent und kein ignorantes, verwöhntes Dümmerchen, wie ich es erwartet hatte.
Und zweitens? Sie wusste sehr viel besser über Mytikas Bescheid, als sie sich anmerken ließ. Und sie tat alles was in ihrer Macht stand, um die Identität der anderen beiden Frauen zu schützen, die mit ihr nach Alera gekommen waren—dem Licht der Türme nach mussten beide royales Blut haben.
Prinzessin Trinity war mir einen Schritt voraus—oder zehn— und das gefiel mir nicht. Kein bisschen. Mutter war zwar anderer Ansicht, aber ich kümmerte mich seit Jahren um unsere Geschäfte. Mein Vater wollte vor seiner Angebeteten nicht das Gesicht verlieren und gab sich kompetent, allerdings gab er ihr nur Informationen weiter, die ich ihm hier und da gesteckt hatte. Da ich in meinem eigenen Apartment in der Nähe des Stadtzentrums lebte, war es nicht schwierig die Farce aufrecht zu halten. Meine Mutter sorgte sich ständig um unseren Status, um Geld und Macht. Besser, wenn sie glaubte, dass alles beim Alten war. Dass ihr Partner sich um sie kümmerte und immer noch ein kompetenter, ehrgeiziger Lord war.
Er hatte gesagt, er sei zu alt. Zu müde. Er wollte nichts sehnlicher, als mit seinen teuren und exotischen Haustieren herumsitzen, hier und da einen Schluck Wein trinken und seine Partnerin ficken. Über Letzteres wollte ich nicht einmal nachdenken. Aber er war total ihn sie vernarrt und das musste ich zumindest respektieren. Dieser ganze Schlamassel zehrte an uns allen und ich war mehr als froh, dass der Spuk jetzt womöglich vorüber war.
Besonders, da ich jetzt für die Familie verantwortlich war. Ich hatte keine Partnerin und mein Schwanz war auch nach all den Jahren mit unzähligen Partys und einer Endlosschleife an Frauen noch nicht aufgewacht. Von meiner Partnerin fehlte weit und breit jede Spur.
Früher war alles so einfach, so ruhig. Zumindest bis vor nicht allzu langer Zeit drei neue Türme über Mytikas Nachthimmel erleuchtet waren. Ganz Alera dachte wahrscheinlich wie ich, nämlich dass unsere Leben über Nacht durcheinandergewürfelt worden waren.
Für die meisten war die Ankunft von Prinzessin Trinity ein Grund zur Hoffnung, die Leute waren neugierig und guter Dinge. Für andere aber machte das Licht der Türme jahrzehntelange Machtkämpfe und Intrigen zunichte. Zwischen den verfeindeten Häusern, die sich alle gegenseitig den Rang abliefen, um Königin Celenes Thron an sich zu reißen, war es verdächtig still geworden. Vor einer Woche noch hatte die royale Garde, darunter Leoron Turaya, Prinzessin Trinitys Partner, einen weiteren Einfall in die heilige Stadt verhindert.
Die Angriffe auf die Hauptstadt waren jedes Mal von Söldnertruppen ohne Banner ausgeführt worden. Sie waren berüchtigt für ihre Brutalität und nahmen sich eher das Leben, als sich zu ergeben. Ich hatte mit Vaters Wachleuten gesprochen, nachdem sie mit den royalen Garden gekämpft hatten und sie alle hatten dasselbe berichtet.
Die Söldnertruppen sprachen kein einziges Wort. Sie kämpften bis zum Tod oder sie verschwanden in der Nacht. Sie hinterließen keine Verletzten. Nur Tote. Und tote Söldner hatten nichts zu erzählen.
Ich ging zur Straße raus und schlüpfte auf den Sitz meines Sprinters, der mich zum Haus meiner Eltern bringen würde. Das Haus Jax war der Krone gegenüber immer loyal gewesen. Jahrtausendelang hatten wir der Blutlinie der Alten gedient. Wie andere Familien auch. Diese aber mussten erst noch verstehen, dass ihr Kampf nicht mehr zu gewinnen war. Nicht mit drei neuen Türmen, die den Himmel über Alera erleuchteten.
Im Hause Jax ging es im Moment allerdings drunter und drüber. Nicht der Krone wegen, das Problem lag gänzlich woanders. Bei uns gab es einen Spitzel und wir wollten herausfinden, wer es war. Ein Verräter, der bereit war unseren uralten Namen und die damit verbundene Ehre zu zerstören. Ich wünschte mir, mein Sprinter würde schneller vorankommen, weil ich selber sehen wollte, wer dieser Spitzel war, der ihnen in die Lappen gegangen war.
Als die Prinzessin auf Alera eintraf, hatte man eine Gruppe Garden aus dem Hause Jax damit beauftragt, sie und ihre mysteriösen Begleiterinnen zu beschützen. Alle unserer Männer waren getötet worden, abgesehen von Zel, der schwer verletzt in einen ReGen-Tank verlegt worden war. Unser teuerster und beliebtester Mann für alle Gelegenheiten, Cassander, war ebenfalls verletzt worden.
Wir hatten geglaubt, dass der Angriff von jemandem außerhalb unserer Familie durchgeführt wurde, einem Killerkommando, das den Auftrag hatte, unsere Leute zu ermorden.
In der Nacht des Empfangs zu Ehren der Prinzessin aber hatten wir eine sehr viel verstörendere Wahrheit entdeckt. Zel war Teil eines Kommandos gewesen, dass die Prinzessin und ihre beiden Begleiterinnen umbringen sollte. Als das nicht funktionierte, hatte der Schweinehund Trinity auf ihrem eigenen Empfang gekidnappt.
Mit dem Wappen der Familie Jax auf der Brust.
Wenn er nicht bereits tot wäre, dann würde ich ihn eigenhändig umbringen. Und zwar langsam.
Prinzessin Trinity konnte zum Glück befreit werden. Zel war dabei umgekommen. Zwar bedauerte ich nicht sein Ableben, allerdings wünschte ich mir, ich könnte ihn vernehmen. Wir waren fast wie Brüder gewesen, nach seiner Tat aber erkannte ich ihn nicht mehr wieder. Ich hätte gerne herausgefunden, für wen er arbeitete. Offensichtlich war er nur eine Marionette gewesen. Nicht allzu clever. Leicht zu ersetzen.
Solange wir nicht wussten, wer hinter dem üblen Komplott gegen Königin Celene steckte, war die Prinzessin nicht sicher. Die Spannung in unserem Hause war ins Unermessliche gestiegen. Waren alle Mitglieder der Familie Jax Feinde der Königin und ihrer Familie? Wollten wir ihnen Schaden zufügen? Sie tot sehen? Derartige Fragen geisterten derzeit in der Presse herum.
Niemals, mit Worten allein aber würden wir nicht unsere Unschuld belegen können. Da unser Name in Verruf geraten war, konnte nur der Kopf des Verräters unsere Unschuld beweisen. Ich wollte das Ganze so schnell wie möglich hinter uns bringen und hatte mehr Zeit mit meinen Eltern verbracht. Ich hatte meine eigenen Verpflichtungen und kümmerte mich um die finanziellen Folgen unseres jetzt angeschlagenen Familiennamens. Ich konnte es mir nicht leisten mich in meinem Apartment zu verstecken. Für meine leicht reizbare Mutter oder meinen liebenswerten, aber verantwortungslosen Vater stand zu viel auf dem Spiel, als dass sie dieses finanzielle Fiasko alleine bewältigen konnten.
Es gab noch einen anderen Grund, warum ich mich in den letzten Tagen öfters als sonst im Anwesen unserer Familie aufgehalten hatte. Jemand im Haus hatte etwas mit mir angestellt. Ein gewisser Duft lag in der Luft, ein Duft, den ich nur als hypnotisierend beschreiben konnte und der in fast jedem Raum meine Sinne kitzelte. Mein Schwanz regte sich. Er war nicht vollständig erwacht, aber … auch nicht länger am Schlafen. Die verfahrene Situation quälte mich.
Das erste Mal war vor einigen Tagen, als ich im leeren Esszimmer gestanden hatte. Ich hatte dort mein ganzes Leben lang meine Mahlzeiten eingenommen und mein Schwanz war nie dick geworden, nie in meiner Hose angeschwollen. Die Erregung überkam mich wie Heißhunger, aber nicht aufs Essen, dass dort später serviert wurde, sondern auf die feuchte, begierige Muschi einer Frau.
Was zum Teufel war nur los mit mir? Eine Frau war es, die mich eines Tages erwachen lassen sollte, und zwar nur eine einzige. Meine Partnerin.
Ich hatte mich gezwungenermaßen entschuldigt und mein altes Zimmer aufgesucht, dann hatte ich meine Hose aufgerissen und den wachsenden Drang in meinen Eiern gelindert. Ich hatte zum ersten Mal gesehen, wie mein Schwanz zu einer Keule angewachsen war, mit fetten Venen an den Seiten und breitem Kopf. Er war geil. Ich hatte ihn gestreichelt und einen übermächtigen Anflug des Verlangens gespürt, aber das Verlangen war nicht gestillt worden.
Die Erregung war abgeklungen. Ich fragte mich, ob mein Körper nach fast dreißig Jahren ohne Partnerin schlicht und einfach verrückt geworden war. Denn es war weit und breit keine Partnerin in Sicht, nur dieser Duft. Er war flüchtig. Trügerisch. Immer wieder schnappte ich sein ätherisches Aroma auf.
Es fühlte sich an, als ob ich einem Gespenst hinterherjagte. Oder, schlimmer, als ob ich den Verstand verloren hatte.
Ich wollte die Antwort herausfinden. Diejenige finden, die mich erweckt hatte. Jedes Mal, wenn ich mein Elternhaus besuchte, hoffte ich darauf, diesen schwer fassbaren, süchtig machenden Duft einzuatmen.
Und ich wurde immer frustrierter—mein Schwanz wurde jedes Mal, sobald ich den Duft erhaschte härter—und mein Körper wollte immer dringender ficken. Sich paaren. Jene Frau befriedigen, die mich so geheimnisvoll neckte.
Mein Sprinter stoppte vor dem Portal und ich stieg in die kalte Luft hinaus, mein Schwanz war wieder so wie immer, schlafend. Meine Schritte aber versprühten einen neu gefundenen Elan, als ich mich der Haustür näherte.
Die Bediensteten grüßten mich und ein vertrautes Gesicht nahm mir den Mantel ab. Manchmal war es gut, wieder zu Hause zu sein.
Zu Hause. Sollte ich meine Partnerin finden, dann würde ich eventuell auf unser Anwesen zurückkehren und hier, wo mein Vater sie verwöhnen und meine Mutter sie mit Aufmerksamkeiten überschütten konnte, meine Kinder großziehen.
Selbst jetzt, als ich dabei war einem Verräter ins Gesicht zu blicken, war ich wie besessen von ihr, musste ich ständig an sie denken. Mich fragen, wie sie wohl aussah. In welch noble Familie sie geboren worden war. Denn ich glaubte jetzt tatsächlich, dass es eine unbekannte Frau war, deren Duft mich überall in diesem Haus anstachelte. In der Bibliothek, in meinem alten Schlafzimmer, selbst in der Garderobe. Ich war in meinem Elternhaus ständig aufgegeilt und das trieb mich in den Wahnsinn. Eigentlich sollte ich mich um den Spitzel sorgen und nicht auf einen geheimnisvollen, lieblichen Duft freuen, der meinen Schwanz einmal mehr ersteifen lassen würde.
Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Lust auf Sex. Das Verlangen hatte bisher geruht, weil … nun, deswegen. Auf Alera wurde der Schwanz eines Mannes erst lebendig, wenn er seiner Partnerin gegenüberstand. Davor konnte er zwar Erregung spüren, aber er wurde nie steif. Ich konnte meinen Schwanz zwar wichsen, verspürte aber keine Befriedigung dabei und ich spritze auch nicht ab, denn mein Körper wartete auf die Richtige. Aber wer zum Teufel war sie nur?
Ich fuhr mit meiner Hand über meinen Nacken, als ich durch den reich geschmückten Flur lief. Meine Eltern hielten sich nie zurück, wenn es darum ging ihren Reichtum zur Schau zu stellen.
Ich folgte dem Stimmengewirr bis zum Büro meines Vaters und ich war bereit dem Verräter eigenhändig die Fresse zu polieren. Die ganze aufgestaute Energie brauchte dringend einen Auslass und ich war froh, dass ein Mann ohne Ehrgefühl sich dafür zur Verfügung stellen würde. Zel war tot, aber dieser andere Typ … würde für seine Sünden geradestehen.
Ich erblickte meinen Vater, meine Mutter und drei Garden. Alle standen sie mit dem Rücken zu mir und blickten auf das lange Sofa vor dem jetzt kalten Kamin. Wenn Vater nicht an seinem Schreibtisch arbeitete—vor dem großen Fenster und mit Ausblick auf den Garten des Anwesens—, dann saß er oft dort und las. Das hier war sein Rückzugsort und es war sonderbar, so viele Leute hier zu sehen.
Meine Mutter hörte mich und drehte sich zu mir um. “Thordis, ich bin so froh, dass du da bist.” Sie kam anmutig wie immer zu mir herüber und fasste meinen Oberarm. Ihr graues Haar war zu einem einfachen Dutt hochgesteckt, die Linien auf ihrem Gesicht waren tiefer als gewöhnlich. Ihre Lippen waren gespitzt. Ihr sonst so frostiges Gesicht sah besorgt und verärgert aus. “Wir haben sie ertappt, als sie dabei war mein Schlafzimmer zu durchsuchen.”
Das Wort sie und der herbe Waldgeruch trafen mich im selben Moment. Diesmal aber war es sehr viel mehr als nur ein Hauch der erotischen Duftnote. Mein Schwanz zuckte und wurde steif. Mein gesamter Körper verhärtete sich zu einer notgeilen Steinsäule und mein Verstand setzte aus. Ich war wie verwandelt und in mir erwachte plötzlich ein Instinkt, den ich nie zuvor verspürt hatte. Er war mächtig. Dominant. Bereit zuzuschlagen …
Verfickt nochmal. Ich murrte insgeheim. Ich musste mich zusammenreißen. Das hier war nicht der richtige Zeitpunkt für meinen Schwanz—
“Sie?” fragte ich ungläubig und rappelte mich soweit auf, um auf dieses eine Wort eingehen zu können.
Meine Mutter drehte sich um und deutete mit dem Finger. Auf sie.
Ihr langes, braunes Haar fiel wie feinste Seide über ihre Schultern. Ihre Augen waren groß und hatten eine satte Farbe, die wie sonnengetrockneter Honig aussah. Ihre Lippen waren rosig und voll. Kussreif. Und ihr Blick, als unsere Augen sich trafen, war herausfordernd. Rebellisch.
Mein Körper und mein Verstand wurden von einem einzigen Wort verschlungen. Mir. Das war alles, was mein gesamtes Wesen hervorbringen konnte. Mir. Mir. MIR.
Meine Mutter stand zwischen uns und blockierte den Weg zu jener Frau, die ich für mich beanspruchen würde, die ich ficken würde. Und sie quatschte immer noch. Warum war sie weiter am Quatschen? “Ja, Sohn, es war eine der Mägde. Es war klar, dass sie nicht unter meinem Schreibtisch geputzt hat und als ich sie gefragt habe, was sie da zu suchen hat, hat sie angeblich nur sauber gemacht.”
Meine Mutter redete und ich starrte auf die Magd. Ihr langes Haar war uneitel hinter ihre Ohren gesteckt, als ob Äußerlichkeiten nicht zählten. Sie trug eine einfache Hausuniform, diese aber verhüllte weder die Rundungen ihrer Brüste, noch ihre schmale Taille. Sitzend konnte ich schlecht ihre Größe einschätzen, aber sie sah zierlich aus, als ob ich sie mühelos hochheben und in mein Bett tragen konnte.
Diese erdigen Augen aber waren es, die mich sofort in ihren Bann zogen.
In ihren Tiefen erblickte ich keinerlei Furcht, wie wenn sie erwischt worden wäre und um ihr Leben fürchtete. Nein, ich sah Trotz und einen Anflug von … Frieden. Nach ein paar Sekunden aber weiteten sich ihre Pupillen, als ob sie nicht überrascht war, dass man sie ertappt hatte, sondern weil ich jetzt vor ihr stand. Etwas Merkwürdiges ging zwischen uns hin und her, eine … Verbindung, die ich nicht nachvollziehen konnte, die aber meinem Schwanz gefiel.
Sie öffnete ihre vollen Lippen und ihre Wangen wurden ganz pink. Göttin, sie war entzückend. Mein Schwanz sah es genauso. Es gab keinen Zweifel, keinerlei Zwiespalt; sie war meine Partnerin. Diejenige, die ich beschützen würde, sie gehörte mir … für immer.
Und Scheiße! Sie war der Spitzel, der Verräter, der die Prinzessin umbringen wollte. Sie. Sie war für den Tod mehrerer Garden verantwortlich. Diejenige, die unseren Namen in den Medien durch den Dreck gezogen hatte. Dabei sah sie gar nicht so heimtückisch aus. Sie war verdammt nochmal eine Magd. Oder etwa nicht?