Ihre Partner, die Viken

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“Soll das eine Drohung sein, Evon? So wie du drauf bist, hatte ich mir schon gedacht, dass es sowieso so laufen wird.” Ich musste lachen, denn meine Worte hatten sogar Liam ein Schmunzeln entlockt und er lächelte so gut wie nie.
“Er hat recht.” Liams Miene wandelte sich zu einem Grinsen, aber seine Augen blieben durch und durch ernst. Und da, an diesem eindringlichen Blick, konnte ich Liams wahres Wesen erkennen. Evon war der Stratege, aber Liam war einfach realistisch. Er hatte seine gesamte Familie verloren und war unter schwierigen Umständen groß geworden. Der Sohn eines VSS-Anführers. Der verdammte VSS. Unser eigener, interner Feind. In gewisser Weise waren sie schlimmer als die Hive, schließlich waren sie auch Viken—Verräter—und wünschten sich einen neuen Bürgerkrieg, um den Planeten, der jetzt unter den drei Königen vereint war wieder zu spalten. Sie hatten bereits einen Mordversuch auf die Thronfolgerin, Prinzessin Allayna, verübt, um Viken erneut ins Chaos zu stürzen.
Liams Vater war ein Anführer der Separatistengruppen auf Viken, einer der Männer, die hinter dem Anschlag auf die junge Prinzessin steckten. Liam war zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr vom VSS beeinflusst. Als er als Teenager im Gefängnis landete und dann freiwillig zur Koalitionsflotte ging, um gegen die Hive zu kämpfen, hatte seine Familie ihn direkt verstoßen. Er hatte zu ihnen keinerlei Verbindung mehr und selbst seine Mutter hatte seit Jahren nicht mehr mit ihm geredet. Und im Sektor 1 stand die Familie über allem. Wir waren jetzt seine Familie. Seine einzige Familie.
Liam legte eine Hand auf Evons Schulter. “Evon, wir kennen dich doch. Du brauchst eine Frau auch nur anzuschauen und wirst sofort anfangen, uns Befehle zuzuraunen, als wären wir zurück auf Noerzen 5 mit den übergeschnappten Hive.”
In diesem Kampf wären wir fast alle draufgegangen, aber Evon hatte die Truppe zusammengehalten. Wir hatten wie Atlanische Bestien gekämpft, weil er es uns befohlen hatte und weil er uns angeführt hatte, hatten wir auch überlebt.
“Ich werde mich der Situation anpassen. Wir alle werden uns anpassen.” Das war ein schwaches Argument und wir alle wussten es. Ich grunzte unzufrieden, als Liam die Stimme erhob.
“Nein. Das werden wir nicht.” Liam schüttelte den Kopf und sein langes Haar fiel wie ein Vorhang über seine Schultern, sodass ich sein Gesicht nicht länger sehen konnte. Aber ich hörte das Verlangen in seiner Stimme, und die Verzweiflung. “Wir sind zu verschieden, Kumpel. Wenn du wirklich eine Partnerin haben willst, dann musst dir ein paar Leute suchen, die eher so drauf sind wie du. Verdammt, wir haben total unterschiedliche Bedürfnisse. Mein Schwanz wird steif, wenn ich an den hochgestreckten Arsch meiner Partnerin denke, wenn ich zusehe, wie er sich auseinander zieht und ich Stück für Stück in sie hinein gleite. Ich mag es, wenn ich meinen rosa Handabdruck auf ihren kessen Arschbacken bewundern kann.”
Liam stieß mir den Ellbogen in die Rippen und ich nahm an, dass er meine Zustimmung suchte, aber ich ignorierte ihn. Ich war einen halben Kopf größer als die beiden und sehr viel kräftiger. In unserer Einheit hatten sie mich aufgrund meiner Größe und wegen meines dunklen, bronzefarbenen Haares immer Bronzebiest genannt. Ich war groß für einen Viken, und impulsiv. Manchmal verlor ich die Kontrolle, wie eine Bestie im Paarungsfieber. Ein massiver, mit Waffen beladener Krieger, der auch noch schlechte Laune hatte? Keine besonders gute Kombination. Als ich jünger war, als frischer Rekrut, hatte ich mir eine Menge Ärger eingebrockt. Jetzt aber verließ ich mich auf Liam und Evon, um mich, wenn nötig, zurückzupfeifen. In den seltenen Fällen, an denen man es zu weit mit mir trieb und ich am Durchdrehen war, ging einer der beiden immer dazwischen, um mich vor Schlimmerem zu bewahren.
“Warum rempelst du mich an? Ich weiß doch, was dich heiß macht. Einen willigen Arsch würde ich zwar auch nicht verschmähen, meine Geschmäcker sind aber verschieden.”
Evon lachte und klatschte mir auf die Schulter. “Genau. Geschmäcker. Du könntest morgens, mittags und abends Muschis ausessen.”
Ich musste grinsen. “Verdammt richtig.” Ich dachte zurück an den Traum, an die Frau, die erst unter meinen Lippen gekommen war und danach mit meinem Schwanz. Scheiße. Sie war gefesselt gewesen, aber ich würde meine Partnerin nicht erst festbinden müssen, um ihre Beine zu spreizen, es sei denn Evon würde sie zuerst verwöhnen. Ich wurde wieder steif und musste mich und meine Uniformhose zurechtrücken. “Du wirst sie ans Bett fesseln, wehrlos.”
Evon schüttelte den Kopf. “Sie wird mir vertrauen. Das wertvollste Geschenk.”
“Das wird niemals funktionieren,” Liam murrte. “Für einen von uns die Richtige zu finden wird schon schwierig werden. Aber eine für uns alle drei? Unmöglich.”
Seufzend stand ich auf. Wir hatten die Tests absolviert. Ich war der letzte von uns dreien. Jetzt würden wir abwarten. Und weiter warten, denn nie und nimmer würde es auf Viken oder irgendeinem anderen Planeten eine Frau geben, die es liebte gefickt und abgeleckt, beherrscht und herumkommandiert zu werden, übers Knie gelegt und von allen Seiten in der Öffentlichkeit genommen zu werden. Keine Frau würde mit meinem impulsiven Temperament klar kommen, oder mit Liams verstörendem, grüblerischem Schweigen, oder Evons Bedürfnis nach Macht, wenn er alles und jeden und jede Begegnung befehlen musste. Er war gnadenlos, wie die Wüstensonne um zwölf Uhr. Er ließ niemals locker. Kannte keine Auszeit.
Selbst wenn eine Frau uns sexuell befriedigen konnte, dann würde es schon einem wahren Wunder gleichen, wenn sie uns außerdem als Männer akzeptieren konnte, uns als ihre wahren Partner annehmen würde. Keine Frau würde uns alle drei lieben können. Wir hatten uns falsche Hoffnungen gemacht. Das wurde mir jetzt klar.
“Dann lasst uns zurück an die Arbeit gehen,” sprach ich. Ich wollte in mein Privatquartier verschwinden und an meinem harten Schwanz Hand anlegen, mich von der Spannung befreien. Ich musste diesen Traum wieder vergessen, aber das würde wohl nichts werden.
“Genau, wir wurden zwar getestet, aber ein Match? Das ist verfickt nochmal unmöglich. Ich hätte euch beiden sagen sollen, dass ihr euch einen anderen Dritten sucht. Ich werde euch beiden die Chancen vermiesen.” Evons Worte stimmten mich hoffnungslos. Da er es wirklich liebte, das Sagen zu haben war er vielleicht derjenige, der sich am meisten dieses Match wünschte. Es war ein logischer Schritt für einen Mann seines Alters. Eine Partnerin. Babys machen. Wie es sich gehört. Hier im Norden war das Ganze nicht so einfach und schon gar nicht für ein paar Viken, die sich als Trio verpartnern wollten. Aber Liam und ich waren im gleichen Alter. Sicher, wir wollten auch eine Partnerin, eine, die wir uns zu dritt teilen würden, die dem Auswahlprogramm des Programms für interstellare Bräute nach perfekt zu uns passen würde, aber wir waren nicht ganz so desillusioniert wie er. Oder doch? Der Traum verblasste zusehends, genau wie der Traum von einem echten Match.
“Verdammt,” brummte ich.
“Unmöglich?” fragte der Doktor. “Ich denke nicht.” Wir hatten ihn schon total vergessen. Mit leuchtenden Augen wandte er sich uns zu. “Es gibt keine Frau im Universum, die jedes einzelne eurer sexuellen Bedürfnisse erfüllen kann? Falsch. Da ist eine.” Er blickte zu Liam. “Eine, die annehmen kann, was ein Mann aus dem Sektor 1 ihr zu bieten hat.” Dann blickte er zu Evon. “Eine Frau, die willig ist, sich Ansprüchen zu unterwerfen, die nur ein Mann aus dem Sektor 2 stellen kann.” Dann blickte er in meine Richtung. “Eine, die sich mit Freude zurücklehnt und deine Art der Zuwendungen genießt, Rager, vom Sektor 3.”
Mein Herz schlug schneller und ich versuchte, das, was er da sagte zu verarbeiten. “Doktor?” Schockiert stellte ich fest, dass meine Hände zitterten.
Er lächelte. “Ich gratuliere, Krieger. Ihr Match wurde gefunden.”
2

Isabella Martinez, Planet Viken, IQC-Feld, Transportzentrum
Aufseherin Egara hatte gesagt, es würde sich wie ein Nickerchen anfühlen, die Sache mit dem Transport durchs halbe Universum. Sie hatte gefragt, ob mir die Weisheitszähne gezogen worden waren und ich hatte mit “ja” geantwortet. Als ich fünfzehn war, hatten sie mir eine Narkose verabreicht und ich war mit einer Mullbinde um die Wangen gewickelt wieder aufgewacht; ohne jede Erinnerung an die zwei Stunden, die es gedauert hatte die betroffenen Backenzähne aus mir herauszuholen. Gott sei Dank.
Als ich blinzelnd die Augen aufmachte und versuchte herauszufinden, wo ich jetzt war, erinnerte ich mich an diese Unterhaltung. Ich hatte keine komischen Medikamente im Blut. Kein Kieferchirurg, der sich mit einer Lampe an der Stirn über mich drüber lehnte oder Blutgeschmack im Mund.
Nein. Als ich nach meinem Abtransport vom Bräuteabfertigungszentrum in Miami aufwachte, erblickte ich drei große Typen, die mich allesamt auf eine Art anstarrten, dass ich mich fast hin und her winden wollte.
Aliens. Es waren Aliens.
Und ich war in einem Land, das sich weit, weit weg von der Erde befand.
Es mussten Aliens sein, oder hatten sie mir eine echt krasse Droge reingepfiffen, denn diese drei hier? Sie waren rattenscharf. Brandheiß. Magazin-Titelseiten-Supermodel-gepaart-mit-Holzfäller-heiß. Und sie waren groß, so groß, dass sie mich überragten, obwohl sie mich in Hockstellung umzingelten. Ich befand mich nicht auf einem Zahnarztsessel, sondern lag auf dem Boden ausgestreckt. Als ich mich von der harten, unbequemen Oberfläche nach oben drückte, wuselten sie hastig herum und halfen mir dabei, mich aufzusetzen.
Der unerwartete Körperkontakt ließ mich zurückschrecken, ich war überwältigt. Sie waren mir so nahe. So intensiv. Eine Sekunde lang fühlte ich mich wie eine Made unterm Mikroskop. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich Mitleid mit einem Insekt.
Ich blickte kurz an mir herunter, denn ich fürchtete, dass ich voller Blut oder schlimmer noch, vollkommen nackt war. Als ich aber das schlichte weiße Kleid erblickte, dass mir vom Hals bis zu den Knöcheln reichte, seufzte ich erleichtert. Wie eine zweite Haut schmiegte es sich an meine Kurven, sexy und unschuldig zugleich.
Ich schaute nochmal auf das hinreißende Kleid und atmete tief durch, dann nahm ich meinen gesamten Mut zusammen und blickte auf. Mich zu zieren oder die Schüchterne zu spielen würde mir nicht helfen. Nicht hier. Eben war ich quer durchs Universum gereist, um einen Fremden zu heiraten, um mit ihm zu schlafen und “Ich will, auf immer und ewig” zu einem Mann zu sagen, den ich noch nie vorher getroffen hatte. Aufseherin Egara hatte auch etwas Komisches über meine Partner verlauten lassen. Als ginge es um mehr als einen Mann. Aber ich hatte einfach nur genickt und angenommen, dass ich mich verhört hatte.
Vielleicht hatten sie mich ja wirklich unter Drogen gesetzt, denn diese drei Typen waren dabei, mich wie ihre liebste Zuckerschnecke zu beäugen, so als ob jeder von ihnen mich gleich ablecken wollte. Bei der Vorstellung leckte ich mir die Lippen, woraufhin ihre Blicke auf meinen Mund wanderten. Ich schwöre, einer der drei machte ein knurrendes Geräusch in der Brust. Ihre Hände lagen auf mir, sie stützten mich behutsam, als ob ich von alleine nicht sitzen konnte und die Hitze ihrer Handflächen ließ mich erschaudern, als sich wie ein Tropensturm in mir das Verlangen aufbaute. Mein gesamtes Leben lang war ich von Dunkelheit gepeinigt worden, hatte ich mich nach dem verzehrt, was ich nicht haben konnte. Aber das war mein altes Leben, richtig? Ich hatte eine Broschüre vom Programm für interstellare Bräute gelesen und in dieser hatte gestanden, dass die Übereinstimmungsrate bei den Verpartnerungen bei über 97 % lag.
Allerdings war ich schon immer einsame Spitze, wenn es darum ging, die Ausnahme vom Regelfall zu sein. Unter meinen Freundinnen in der Grundschule war ich die einzige, die nicht in Tommy Parker verknallt war. Die einzige Achtklässlerin im Mathe-Club. Die einzige weibliche Programmiererin in einem schnelllebigen Silicon-Valley-Startup, bis die beschissene Einstellung der Männer dort im Büro mich zu etwas getrieben hatte, was ich noch immer nicht wirklich bereute.
Sicher, ich war dafür ins Gefängnis gegangen, aber anschließend bin ich hier gelandet, mit den drei schärfsten Typen, die ich je gesehen hatte und die mich gerade anglotzten, als wäre ich ein Dessert. Nicht nur ein einfaches Dessert, sondern ein heißer Schokoladenkuchen mit einem Herz aus geschmolzenem Fondant, Karamelltopping und einer Kugel sahnigem Vanilleeis als Beilage.
Das ultimative Dessert.
Aber solange sie mich anfassten, konnte ich keinen klaren Gedanken fassen. Vielleicht war es auch wegen des Trips durch eine Art dunkle Materie, quer durchs Weltall, mit einer irren Transporttechnik, die direkt aus einer Folge Star Trek hätte stammen können. Ich wollte aufstehen, aber alles im Raum drehte sich und ich plumpste direkt wieder zu Boden.
“Sie ist verletzt.” Der blonde Typ fing an zu reden.
“Warum ist der Doktor nicht hier?” Dieser Typ hatte dunkles Haar, es war unglaublich schwarz und fast so lang wie meines.
“Ich werde ihn holen.” Der Typ mit welligen, kupferfarbenen Haaren stand auf und, heilige Scheiße, war er groß. Wie ein Riese. Ich legte den Kopf in den Nacken und blickte zu ihm auf, als er die Männer hinter der Steuerkonsole anschrie. Es war, als wäre ich gerade bei Dreharbeiten für einen durchgeknallten Science-Fiction-Streifen hereingestolpert … mit riesigen, verdammt heißen Aliens. Nur, dass diese hier menschlich aussahen. Ein Kopf, zwei Augen, breite Schultern, schmale Hüften und überall Muskeln. Ihre Haut war weder blau, noch war sie mit Schuppen bedeckt und da waren weit und breit keine Tentakel zu sehen. Sie sahen besser aus als Menschen, zumindest meiner Libido nach zu urteilen.
“Mir geht’s gut,” sagte ich. Ich räusperte mich einmal und versuchte es erneut. “Wirklich.” Das war nicht gelogen. Der Raum hatte aufgehört sich zu drehen und mein vernebelter Verstand wurde zusehends klarer und nervöser. War einer dieser Typen mein Match? Ich war zu aufgeregt, um nachzufragen, aber Himmel, ich wollte noch nicht einmal daran denken. Nicht ernsthaft. Alle drei waren umwerfend und auf keinen Fall wollte ich vor die Wahl gestellt werden.
Der Riese machte auf der Stelle kehrt, als er meine Stimme hörte und blickte zu mir herunter. Dann ging er in die Hocke, eine absichtliche Geste, damit wir auf Augenhöhe waren.
“Ich bin Rager, einer deiner Partner.”
Er redete kein Englisch, aber ich konnte ihn verstehen. Merkwürdig. Aber klar doch. Mit den Fingern befühlte ich den Knubbel über meinem Ohr. Aufseherin Egara hatte mir erklärt, dass sie mich für den Transport bereit machen würden, inklusive NPU, einer neuralen Prozessionseinheit. Sie sagte, dabei handelte es sich um eine Art Dolmetschertechnik, die sich direkt ins Sprachzentrum in meinem Gehirn einhaken würde, damit ich alle Sprachen des Universums verstehen könne. Das Ganze erschien mir surreal, bis jetzt.
“Rager.” Der Name passte zu ihm. Seine Hände waren auf seine Oberschenkel gestützt—mächtige, kräftige Oberschenkel—und ich konnte ihre enorme Größe nicht übersehen. Ja, alles an ihm war groß. Ich riss die Augen auf. “Du bist mein Partner?”
Seine goldenen Augen dämpften sich und meine Nippel wurden augenblicklich hart. Ich verspürte mehr als nur reine Lust. Ich wusste nicht genau was, aber mein Körper reagierte auf ihn, als ob er mich gerade eine Stunde lang durchmassiert hatte. Wurde ich etwa schwach? Hier und jetzt? “Also, ähm. Wow. Freut mich, dich kennenzulernen.”
Ich streckte ihm die rechte Hand aus und er wirkte irritiert, dann aber reichte er mir seine sehr viel größere Hand. Er hielt meine Handfläche, die Fingerspitzen seiner anderen Hand strichen über meinen Arm, dann die Innenseite meines Handgelenks und ich biss meine Lippe, als die Hitze mich überkam. Nicht nur seinetwegen, sondern gleichermaßen von den anderen vier Händen, die mich weiterhin berührten und mir dabei halfen, aufrecht sitzen zu bleiben.
So verdammt heiß. Gott, mir blieb die Luft weg.
Ich wandte den Blick von ihm ab und konnte nicht anders als darauf zu hoffen, dass alles an ihm groß sein würde. Die Vorstellung bewirkte, dass ich mir erneut die Lippen leckte. Mein Partner? Er war umwerfend.
Er grinste und ich schwöre, ich konnte meine Eierstöcke spüren, wie sie vor Freude einen Hüpfer machten. Krass. Ich konnte es kaum fassen, dieser Typ war mein Partner? Derjenige, dem ich zugeteilt worden war? Zuvor, auf dem Untersuchungsstuhl, hatte ich diesen verdammt heißen Traum durchlebt. Einen Sextraum, in dem ich gefesselt und genommen wurde. Ja, genommen. Rau und heftig, lieblich und wild. Dinge, die ich nie getan hatte und Stellungen, die ich mir kaum ausgemalt hätte. Und es hatte sich so verdammt gut angefühlt. Tatsächlich war ich nicht einmal, nicht zweimal, sondern dreimal gekommen, bevor Aufseherin Egara mich auf grausame Weise aufgeweckt hatte. Meine Muschi war dermaßen gierig und feucht gewesen, dass die Rückseite meines Untersuchungskittels ganz nass gewesen war.
Die letzten paar Monate in dieser beschissenen Gefängniszelle hatten nicht gerade dabei geholfen, meine Lust auf einen starken, ordentlichen Orgasmus zu dämpfen. Guten Sex hatte ich schon immer gemocht, oder zumindest war ich nie eine dieser Frauen gewesen, die sich nicht trauten ihrem Lover zu sagen, was sie wollten oder wie sie gerne angefasst wurden. Das Problem aber war, abgesehen davon, dass es im Frauengefängnis keine Männer gab, mit denen ich schlafen konnte, dass auch draußen viele Typen einfach nicht zuhören wollten.
Im Knast hatten mich auch ein paar Lesben angemacht und ich hatte zumindest mit dem Gedanken gespielt. Aber ernsthaft? Ich stand nun mal auf Männer. Ich liebte die Art, wie ihre Schultern sich beim Ficken über mir aufbäumten, ich liebte ihren Geruch, ihre Stärke. Ich liebte es, wenn ich mir an ihrer Seite klein und ausgeliefert vorkam. Nicht, dass ich das je einem Typen erzählt hätte, aber ich wusste es. Ich wollte einen Mann, einen dominanten, kommandostarken Lover mit einem großen, harten Schwanz und ausreichend Geduld, um mich zum Stöhnen zu bringen.
Wenn dieser heiße Alien meine Belohnung dafür war, das Gesetz zu brechen, dann hätte ich das schon vor Jahren machen sollen, anstatt mir von diesen verlogenen paar Arschlöchern meinen Code klauen zu lassen und mir beim Vorbeigehen auch noch an den Hintern grapschen zu lassen. Nicht alle waren dermaßen übel gewesen, aber Junge, es waren nur ein paar faule Äpfel nötig, um es allen anderen Mitarbeitern zu verderben. Besonders den Frauen. Zwei Jahre nach der Eröffnung war ich die einzige Frau, die übrig geblieben war.
Die Informationen, die ich weitergereicht hatte, hatten ihnen den Börsengang ruiniert und mich wegen Insidergeschäften in den Knast gebracht, aber das mir vollkommen egal. Sicher, ich hätte die zwei Jahre einfach absitzen und dann mein Leben weiterleben können. Aber dann … kam das hier dazwischen.
Ein Partner. Ein Neubeginn mit dem Programm für interstellare Bräute.
Die Vergangenheit existierte nicht mehr. Ich befand mich jetzt auf einem fremden Planeten, umgeben von heißen Typen. Wie sich herausgestellt hatte, würde ich einen normalen Typen von einem netten Planeten bekommen—einen Alien—der sich den Rest meines Lebens um mich kümmern würde. Von den Anzeigen und Werbespots des Bräute-Programms wusste ich, dass der Testvorgang mich mithilfe diverser Persönlichkeitstests und Analysen des Unterbewusstseins zu einem spezifischen Planeten zuordnen würde. Davon ausgehend würde man mir einen perfekten Partner finden. Aber ich hatte meine Zweifel, dieselben Zweifel, die mich plagten, seit ich mich für Sex zu interessieren begann. Vielleicht sogar schon früher, als ich mich danach sehnte, gefesselt zu werden und von einem dominanten Mann herumkommandiert zu werden, auch wenn ich diese Neigung damals noch nicht verstand.
Ich meine, welcher Typ von einem anderen Planeten würde schon in der Lage sein, meine schrägen sexuellen Bedürfnisse zu erfüllen? Klar, ich war irgendwie anders gestrickt als andere Frauen. Ich wusste es seit meiner Highschool-Zeit, als ich nicht die schüchterne, zurückhaltende Jungfrau hergab—selbst als ich wirklich noch Jungfrau war. Mein Sextrieb war viel stärker als bei anderen Frauen. Ich war dreimal in einem Testtraum gekommen, was, Aufseherin Egara zufolge, nicht normal war. Was also war, wenn ich ein paar heiße Knöpfe besaß, die manche Männer noch nicht einmal versuchen wollten zu drücken? Was, wenn ich kaum Hemmungen hatte? Nicht selten hatte man mich als Schlampe, Freak oder Hure bezeichnet. Ich war zwar nichts Derartiges, aber die Beschimpfungen waren mir egal. Kein Mann hatte von mir mehr als eine schnelle Nummer gewollt, ein One-Night-Stand und niemals lief es besonders toll. Also hatte ich dem verdammten Planeten Lebewohl gesagt und war jetzt hier. Auf Viken.
Mit ihm.
“Rager,” ich wiederholte seinen Namen, während mein Blick seine vollen Lippen nachzeichnete und ich mir vorstellte, wie meine Finger durch sein Haar fuhren. Es war schwer zu sagen, wie groß genau er war, bestimmt aber würden ihm meine eins-siebzig nicht mal bis unters Kinn reichen.
Heiß. Einfach nur heiß.
Er nickte einmal, dann wandte er sich den anderen beiden zu. “Das ist Evon.”
Der stählerne Blonde nickte.
“Und Liam.” Das war der Schwarzhaarige mit den aufgewühlten blauen Augen.
Der Erstere sah aus wie ein knallharter Guerilla-Kämpfer von der Navy und der zweite ähnelte einem Piraten.
Die beiden Männer begrapschten mich weiterhin und noch immer beäugten sie mich wie Raubtiere, die eben ihre Beute geschnappt hatten. Es schien seltsam, dass die beiden mich anfassten, obwohl Rager mein Partner war.
“Sag uns, ob du verletzt bist.” Evon stellte keine Frage, er forderte einfach eine Auskunft und ich gehorchte ihm instinktiv; aus irgendeinem merkwürdigen Grund, den ich in diesem Moment nicht analysieren konnte, wollte ich es ihm recht machen.
“Mir geht’s gut,” sagte ich. “Ich möchte einfach nur aufs—”
Bevor ich den Satz zu Ende sprechen konnte, schaufelte mich Liam—der längliche, rabenschwarze Hüne—auf seine Arme.
“Aiii,” quietschte ich, als ich mit einer Hand seinen Bizeps umklammerte und mit der anderen Hand gegen seinen Torso drückte und fürchtete, dass er mich fallen lassen könnte. Gütiger Gott, der Mann war wohl aus Stahl. Heißem Stahl. Ich spürte seine sehnigen Muskeln, als sie sich gerippt und wohl definiert unter meinen Fingern anspannten. Nie und nimmer würde er mich fallen lassen. Verdammt, auf die Art, wie er mich fest hielt, war ich mir nicht ganz sicher, ob er mich je wieder runter lassen würde. Ich leckte mir die Lippen und musste mich fragen, wie all diese Pracht von einem Torso wohl nackt aussehen würde.
Vor mir stand jetzt der blonde Mann. Er war kurz geschoren und seine hellblauen Augen waren kalt wie Eis und fokussiert. Auf mich.
“Ich bin Evon. Dein anderer Partner.”
Meine Kinnlade klappte nach unten.
“Ich würde auch gerne hören, wie du meinen Namen sagst.”
“Evon. Mein anderer Partner?” fragte ich ungläubig. Hatte meine Stimme sich gerade überschlagen? Zum Glück hatte ich nicht auch noch—nicht—mit dem Typen, der mich wie ein Federgewicht in den Armen hielt geliebäugelt, während mein auserwählter Partner, also Rager, neben mir stand. Ich fand Männer zwar allgemein attraktiv, aber das war selbst für mich unterste Schublade. Ich war eine Ein-Mann-Frau. Ich mochte zwar Sex, aber ich war der Monogamie verschrieben. Ich war keine Fremdgeherin.
“Du hast drei Partner,” sprach Evon, als er seine Hand auf meine Hüfte legte und sanft zukniff. “Und ich möchte gerne wissen, wie du deinen Namen aussprichst.”
“Auf dem Protokoll steht: ‘Iiieh-zah-be -la’?” Rager hielt eine Art Tablet in der Hand und zog verwirrt die Augenbrauen zusammen. “Ich kenne diese Sprache nicht.”
“Bella. Mein Name ist Isabella Maria Santiago Martinez, aber meine Freunde nennen mich Bella.”
“Wir sind nicht deine Freunde.” Evon sprach erneut und streichelte mir mit der Hand über die Wange. “Wir sind deine Partner. Und du bist Bella. Unsere Bella.”







