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Sein Seufzen tat mir im Kopf weh. “In der nächsten Stunde werde ich drei Frauen nach Mytikas transportieren. Ich sende dir die genauen Koordinaten.”
Der Transportcomputer übermittelte mir die Koordinaten und ich erkannte die Transportstation. “Das ist am anderen Ende der Stadt.”
“Kannst du rechtzeitig dort sein?”
Ich blickte über die leeren Straßen der Stadt. Mytikas war eine weitläufige Metropole, die in einem Tal zwischen zwei Bergketten ausgebreitet lag. “Ja. Es könnte knapp werden, aber in einer Stunde werde ich dort sein.” Ich würde bergabwärts laufen und ein paar Gesetze brechen müssen, sobald ich in meinem E-Sprinter saß, aber das Gefährt war schnell. Ich würde es schaffen.
“Den Göttern sei dank.” Er klang erleichtert.
“Wird er es schaffen? Sie werden Hilfe benötigen. Und ich hasse die Vorstellung, dass sie mutterseelenallein auf einem fremden Planeten ankommen.” Die Frauenstimmer wurde lauter, sie war hell, aber nicht unterwürfig. Es war eine Stimme, die es gewohnt war Befehle zu erteilen.
“Ja, Liebes,” sprach Nial. “Leo wird sie in Empfang nehmen.” So einen Ton hatte ich noch nie von ihm gehört und fast erkannte ich seine Stimme nicht mehr wieder. Er klang … zärtlich. Ein Wort, das ich niemals mit dem gigantischen Prillonischen Krieger assoziiert hätte.
“Gott sei Dank,” die Frauenstimme sprach weiter. “Besonders mit Trinitys Problemchen.”
“Ich gratuliere zu deiner Verpartnerung, Nial,” sprach ich. Er hatte sie Liebes genannt, was mir verraten hatte, mit wem genau der neue Prime da redete. Nämlich mit Lady Jessica Deston, seiner Partnerin. Ich ging davon aus, dass sein zweiter Mann ganz in der Nähe sein musste. Und von welchem Problem war da die Rede?
“Danke,” entgegnete er. “Wie hast du davon erfahren? Alera ist weit weg von Prillon Prime.”
Ich musste lachen. “Jeder in der Galaxie hat davon gehört, du Schuft. Hättest du es geheim halten wollen, dann hättest du die hübsche Dame nicht zusammen mit Ander in der Kampfarena erobern sollen, vor einer interplanetaren Live-Übertragung.” Ich hatte zugesehen, wie die beiden Prillonen gemeinsam ihre Frau für sich beansprucht hatten. Es war heilig und erotisch gewesen und Jessica gehörte ohne jeden Zweifel zu Nial und Ander. Ich hatte mich für meinen Kumpel gefreut, aber ich hatte nichts gespürt, als ich der Zeremonie zugesehen hatte. Die Frau war ihnen übers Programm für interstellare Bräute zugeteilt worden, eine bemerkenswerte Frau von der Erde, die sehr eindrucksvoll auf ihre Partner angesprochen hatte, als diese sie genommen hatten. Ich war froh, dass Nial sein privates Glück gefunden hatte, aber mein Körper war genauso wie immer geblieben, schlapp und schlafend.
Während ein Prillone über ein Halsband mit seiner Partnerin und seinem zweiten Mann verbunden war und mit ihnen jede Regung, Emotion und jeden Sinneseindruck teilte, verfügten die Aleraner nicht über eine solche Verbindung. Eine Partnerin zu finden war nicht leicht, besonders, da nur die einzig Richtige uns erwecken konnte. Und nur sie. Mein Schwanz würde sich erst erheben, wenn sie vor mir stand. Sicher, manchmal spürte ich einen Anflug von Verlangen, dann würde ich voller Vorfreude auf ihre enge Muschi meinen Schwanz streicheln, aber es würde keine Vollendung, keine Erfüllung für mich geben, bis ich zwischen ihren Schenkeln vergraben wäre. Erst dann würde ich zum ersten Mal kommen.
Ich wusste, wie man eine Frau fickte—theoretisch—ich hatte es aber noch nicht getan. Abgesehen von Verpartnerungszeremonien wie die von Prime Nial besuchten alle Männer auf Alera speziellen Unterricht dafür. Denn obwohl es Jahrzehnte dauern konnte, bis unsere Schwänze für die Richtige erwachten, so war es doch unerlässlich, dass wir unsere Frau befriedigen konnten, wenn es endlich so weit war. Sobald ein Schwanz erwacht war, beherrschte er den Mann und er würde ihn dazu drängen, seine Partnerin hart und oft zu ficken. Nicht in der Lage zu sein, die eigene Partnerin zu beglücken war eine große Schande und eines jeden Mannes größte Furcht.
Bis mein Körper erwachen würde, lebte ich einzig für die Pflicht. Nicht fürs Vergnügen.
“Ja,” antwortete Nial. “Wie hätte ich auch widerstehen können?” Sein Lachen entlockte mir ein Grinsen und er war offensichtlich überglücklich mit seiner Partnerin. Als Prillone hatte er zwar keinen schlafenden Schwanz wie die alleinstehenden Aleraner, aber ich wollte nicht bezweifeln, dass sich beim Anblick seiner ausgewählten Partnerin sein Schwanz aufgerichtet hatte und bis heute nicht mehr abgeschwollen war.
“Entschuldige, Nial, aber wer ist Trinity? Und was ist das Problem?”
“Oh, ja.” Er räusperte sich. “Wie gesagt, ich sende drei Frauen nach Alera. Sie müssen unter allen Umständen beschützt werden. Hast du verstanden? Alle verfügbaren Mittel, jeder Freund, jede Waffe muss für diese Frauen von der Erde aufgewendet werden. Sie müssen beschützt werden, egal, was es kostet.”
Mein Verstand raste. Frauen von der Erde? Auf Alera? Unter der persönlichen Aufsicht von Prime Nial?
“Es ist mir eine Ehre,” sprach ich. “Du hast mein Wort. Aber ich verstehe das nicht. Wer sind sie? Und warum kommen Erdenfrauen hierher?”
Die Erde war ein rückständiger Planet und noch kein vollwertiges Mitglied der interstellaren Koalition. Sie waren Mitglied auf Probezeit und man hätte sie für mindestens ein weiteres Jahrhundert in Ruhe gelassen, wären die Hive nicht so nahe an die Erde herangerückt. Meines Wissens nach gab es noch nicht einmal Erdenfrauen, die übers Programm für interstellare Bräute nach Alera entsendet worden waren.
Nials Partnerin musste mitgehört haben, denn sie beantwortete meine Frage. “Sie sind von der Erde, Leo, was bedeutet, dass sie zu mir gehören. Mein Volk. Sie müssen beschützt werden. Okay?”
Ich antwortete im selben Erden-Jargon. “Okay. Sie haben ebenfalls mein Wort. Ich werde sie beschützen, und zwar mit meinem Leben.”
“Gott sei Dank.” Da, schon wieder. Sie dankte einem männlichen Gott, obwohl jeder Gelehrte wusste, dass der Schöpfer weiblich war. Seltsame Kreaturen, diese Erdlinge. “Und jetzt zu Trinitys Problem. Sie hat eine Art Paarungsfieber, wie ein Atlane, aber nicht ganz. Auf der Erde hätte sie beinahe einen armen Typen erledigt, ihn ausgesaugt, verstehst du?”
Wovon zum Teufel redete die Frau? Wie konnte eine zierliche, sanfte, liebliche Frau einen Mann zu Tode saugen? Wollte Jessica damit etwa sagen, diese Trinity hatte auf der Erde zu feste an einem Schwanz gelutscht? Waren die Erdenmänner derartige Schwächlinge, dass sie an etwas extrem Angenehmen verrecken würden? War diese Erdenfrau einfach zu gut darin? Ich befühlte meinen Schwanz in meiner Hose und fragte mich, wie es sich wohl anfühlte, von einem heißen, feuchten Mund genommen zu werden.
“Nein. Verstehe ich nicht,” entgegnete ich, denn ich war total perplex. Mein Schwanz rührte sich bei der Vorstellung zwar nicht, aber ich war neugierig.
Nial redete dazwischen. “Trinity hat die Aleranische Gluthitze. Frag mich nicht, wie eine Erdenfrau in diese Verfassung kommt, denn ich kann es dir nicht erklären. Erdenmänner haben nicht genug Kraft, um ihre Lust zu befriedigen ohne dabei draufzugehen, also habe ich Lord Jax bauftragt, ein paar Garden vorbeizuschicken, und einen—wie nannte er das nochmal?“
“Einen Mann für alle Gelegenheiten,” antwortete seine Partnerin. “Jemanden, mit dem sie Sex haben kann, damit sie ein bisschen runterkommt. Der soll sich besser gut anstellen, Nial. Dieser Mann hat hoffentlich das Geschick eines Profistrippers und ein Gehänge wie ein Hengst, denn ich kann sie nicht einfach wie eine Trophäe irgendeinem Alien-Freak überreichen, der sie gar nicht verdient hat.”
Meine Augenbrauen flogen schockiert nach oben. Ich hatte keine Ahnung, was ein Profistripper sein sollte oder ob Hengste große Schwänze hatten. Ich musste davon ausgehen, dass sie groß waren. Meiner war groß, er kuschelte sich an meinen Innenschenkel, in meiner Uniformhose. Und er war noch nicht einmal steif. Brauchte eine Erdenfrau mehr als das, um befriedigt zu werden? Ihre Soldaten in den ReCon-Teams waren nicht besonders groß. Vielleicht hatten ihre Frauen eine eigenartige Anatomie, die dazu gemacht war, extrem gut bestückte Männer in Empfang zu nehmen.
Nein. Ich hatte Erdenkrieger von der ReCon in der Dusche gesehen und war von ihren Schwänzen alles andere als beeindruckt gewesen—meistens jedenfalls. Aleraner waren sehr, sehr viel besser ausgestattet.
Es war nichts Ungewöhnliches, den Dienst eines Mannes für alle Gelegenheiten in Anspruch zu nehmen. Ältere Männer, die ihre Partnerin verloren hatten, konnten ihn trotzdem hochkriegen und mit Frauen unserer Spezies schlafen. Unter den wohlhabenden Familien war es durchaus üblich, dass wenn bei einer Tochter die Gluthitze einsetzte und diese noch nicht bereit war einen Partner zu suchen, sie die Dienste eines solchen Mannes nutzte.
Sie waren kein Schnäppchen, aber wie ich hörte, waren die Frauen mit den Männern immer sehr zufrieden. Tatsächlich waren Männer für alle Gelegenheiten bei den royalen Familien so hoch angesehen, dass verwitwete Männer sich gerne den noblen Häusern zur Verfügung stellten und im Gegenzug für ihre Leistungen allen erdenklichen Komfort und Schutz genossen.
Qualifizierte Männer waren selten. Und teuer. Und normalerweise standen sie nicht einfach so zur Verfügung, um auf Kommando eine Alien-Frau zu ficken.
Wer waren diese drei Frauen?
“Leo? Hörst du mich?”
“Ja.”
“Kannst du zum Transportzentrum fahren? Lord Jax schickt den Mann und fünf seiner persönlichen Garden, um sie in Empfang zu nehmen. Ihre Ankunft muss geheim bleiben. Niemand darf erfahren, wer sie sind oder woher sie kommen.”
Ich wusste, dass sie von der Erde kamen, aber ich hatte keine Ahnung, wer diese Frauen waren. Das würde also kein Problem werden. “Verstanden. Weiß Lord Jax, dass du mich kontaktiert hast?”
Nial lachte wieder und am liebsten hätte ich ihm auf die Schulter geklopft, genau wie früher. “Natürlich nicht. Ich kenne ihn, aber seine Familie kenne ich nicht. Seine Garden kenne ich nicht. Ich traue ihnen nicht, nicht so, wie ich dir vertraue. Ich vertraue niemandem in dieser Angelegenheit, niemandem außer dir. Du musst die Frauen beschützen. Stell sicher, dass Trinity ihre Gluthitze in den Griff bekommt und dann hilf den Frauen mit was auch immer sie auf Alera suchen. Hilf ihnen. Und stell keine Fragen.”
“Du hast mein Wort.”
“Du musst ihr Leben beschützen.”
“Jemand will sie töten?”
“Ja. Und ich will nicht, dass man sie findet. Das ist alles, was du wissen musst.”
Seltsam. Aber ich war Soldat und ich war es gewohnt Befehle auszuführen. Ich würde nicht rumdiskutieren oder Fragen stellen, schon gar nicht, wenn der Anführer der Galaxie mich um einen persönlichen Gefallen bat. “In einer Stunde werde ich an der Transportstation sein.”
“Hey, Leo?” Jessicas Stimme klang jetzt anders, sie war tiefer geworden, schwül. “Wenn du sie siehst, werden sie dir nicht glauben, deshalb verwenden wir Trinitys Lieblingsspeise als Codewort. Erdbeereis. Alles klar? Du sagst das Codewort und sie werden wissen, dass ich dich geschickt habe.”
“Ja, werte Dame.”
“Gut,” sprach Nial. “Leo, noch eine Sache. Sollte Lord Jax mich hintergehen, dann töte ihn.”
Verflixt. Die Jax-Dynastie war extrem wohlhabend und mächtig, und der Prime auf Prillon hatte mir soeben gestattet, ihren geliebten Sohn zu ermorden. Wer waren diese Erdlinge? Und wer hatte es auf sie abgesehen? Auf Alera?
Was irrelevant war. Ich sollte sie beschützen und das würde ich. “Verstanden.”
“Danke. Eine Stunde.” Das merkwürdige Surren in meinem Kopf verstummte, was blieb, war das behagliche Zirpen der Nachtinsekten und das Hämmern meines eigenen Pulsschlags in meinen Ohren. Drei Frauen von der Erde, von denen eine schleunigst gefickt werden musste. Nicht meine übliche Nachtwache, aber ich war bereit. Ich rückte meinen Schwanz in der Hose zurecht. Stopp, ich würde das nicht bewerkstelligen, der Mann für alle Gelegenheiten würde es tun.
3

Trinity, Planet Alera, Mytikas-City, Transportstation
Ich taumelte über die Transportfläche, als die Kälte aus meinen Knochen wich. Der stechende Schmerz meiner erwachenden Glieder bewirkte, dass ich mich zu einem Bündel zusammenrollen und weinen wollte. Ich blickte kurz zu Faith und Destiny und sah, dass sie dieselben elenden Schmerzen erlitten.
“Alles in Ordnung?” fragte ich.
Sie nickten. Sie schüttelten ihre Arme aus und ließen die Köpfe kreisen, um ihre Nackenmuskulatur aufzulockern.
Der Transportraum sah genauso aus wie auf der Erde, aber genau wie Dorothy in Der Zauberer von Oz waren wir in einer gänzlich anderen Welt. Die Aleranischen Männer vor uns sahen nicht gerade wie Zwerge aus. Sie waren groß. Nicht so groß wie der Atlane im Bräutezentrum auf der Erde, aber jeder Holzfäller wäre wohl blass vor Neid geworden.
Sechs Aleranische Männer warfen uns grimmige Blicke zu.
“Willkommen auf Alera,” sprach einer von ihnen.
Himmel, Alera. Wir waren wirklich hier. Ich blickte mich um. Eine Wand. Keine irdische Wand. Es würde kein Zurück mehr geben, schließlich waren wir Lichtjahre von der Erde entfernt. Keine Zeitzonen, sondern eine ganze Galaxie trennte uns jetzt vom Leben, wie wir es bisher kannten. Wir waren in unserer eigenen Science-Fiction-Saga angekommen, und ich war keine Prinzessin Leia. Ich biss meine Lippe, denn es war leicht überwältigend.
Alera.
Der Transport musste mich gefühlsduselig gemacht haben, denn ich war den Tränen nahe. Was für eine verfluchte Scheiße. Diesen Morgen wollte ich noch arbeiten gehen und jetzt befanden wir uns auf Alera, auf der Suche nach unserer Mutter. Und das war noch nicht alles. Alle in diesem Raum Anwesenden erwarteten von mir, dass ich noch heute Abend mit einem Fremden ficken würde. Jetzt gleich. Einem Alien. Einem Mann, den ich nie kennengelernt hatte und den ich vielleicht nie wieder sehen würde.
Von wegen romantisch … Ich war zwar keine Jungfrau mehr, aber das musste nicht heißen, dass ich mal eben mit Wildfremden fickte. Ich hatte noch nie ein One-Night-Stand gehabt, belangloser Sex behagte mir nicht. Keine Kumpels mit gewissen Vorzügen. Wäre mein Körper nicht auf hundertachtzig aufgeheizt, dann würde ich den Gigolo—nein, den Mann für alle Gelegenheiten—zum Teufel jagen und mich auf meine Mutter konzentrieren.
Und dieser Mann? Jener Typ, mit dem ich mich so schnell wie nur menschlich möglich nackig machen und in die Horizontale begeben sollte? Es war ziemlich offensichtlich, wer er war. Die anderen fünf trugen identische Uniformen und standen einen Schritt hinter ihm. Der Mann infrage war gutaussehend, muskulös und mindestens zwanzig Jahre älter als ich. Er sah aus wie fünfzig, mit dunklem Haar und silbernen Strähnen an den Schläfen. Er hatte einen adretten Anzug an. Marineblau. Seine Schultern waren breit und sein Blick wohlwollend. Das würde helfen. Gott sei Dank war diese Gluthitze eine einmalige Sache. Etwa so, wie von einem außerirdischen Stecher entjungfert zu werden. Sobald die Gluthitze vorüber war, würde ich normal weiterleben können. Mir ein neues Zuhause aufbauen. Ich würde es überleben. Solange ich nicht vor Scham verrecken würde.
“Verehrte Damen, ich bin Cassander, von der Familie Jax. Es ist mir ein Vergnügen Ihnen zu dienen.” Der Mann verneigte sich und streckte die Arme aus, um uns die Garden vorzustellen. “Diese edlen Krieger sind treue Diener der Familie Jax. Wir stehen ihnen zur Verfügung.”
Seine Stimme war tief. Selbstbewusst. Ruhig.
Vielleicht würde eine Nummer mit ihm ablaufen wie ein Besuch beim Gynäkologen. Effizient. Unaufgeregt. Schnell.
Vorbei.
Wenn ich diesem Mann auf der Straße begegnet wäre, dann hätte ich wohl bemerkt, wie großartig er sich gehalten hatte. Er war groß, genau wie die Garden hinter ihm, aber um einiges älter. Ein Silberfuchs, wie meine Mutter gesagt hätte.
Die Garden waren allerdings jünger. Ihre dunklen Uniformen umzeichneten jede Kurve, jeden Muskelstrang und … andere Dinge. Rasch wandte ich den Blick ab und bemerkte, wie Destiny mich beobachtete.
“Schade, dass du es nicht mit einem der Garden treiben kannst. Heilige Sexbombe.”
“Halt die Klappe.” Meine Antwort war pathetisch. Wie im Kindergarten. Leider fiel mir nichts Besseres darauf ein.
“Lass sie in Ruhe. Trinity soll es hinter sich bringen, damit wir uns Wichtigerem zuwenden können.” Faith verschränkte die Arme, sie stieg von der Plattform und näherte sich einem der Garden an. “Ich nehme an, wir werden nicht hier in dieser Transportstation verweilen.”
“Natürlich nicht. Wir haben ihnen eine Unterkunft für die Nacht besorgt. Wir werden Sie bewachen, bis Herr Cassander nicht mehr gebraucht wird.” Der Mann verneigte sich leicht, aber eher als Zeichen des Respekts einer Dame gegenüber als Zeichen bedingungslosen Gehorsams. Meine Schultern entspannten sich leicht. Gut. Diese Männer waren hier, sie folgten ihren Befehlen und sie hatten keine Ahnung, wer wir waren. Prime Nial hatte Wort gehalten.
Ich bezweifelte, dass wir wie Prinzessinnen aussahen. Mein verdammtes Shirt war immer noch verkehrt herum. Ich musste mich fragen, ob Cassander überhaupt auf mich stand. Würde er überhaupt mit mir schlafen wollen? Wann hatte ich mir das letzte Mal die Beine rasiert?
Stopp. Was? “Bis er nicht mehr gebraucht wird?”
Ich blickte zu ihm rüber und ertappte ihn, wie er mich mit den Augen auszuziehen schien. Das professionelle Interesse in seinen Augen von vorhin hatte sich zu etwas anderem gewandelt. Etwas, was mir im Moment völlig egal war. Lust. Begierde. Ich war eine beliebige Schlampe und sein Job war es, mein Loch zu füllen.
Na toll. Einfach nur toll.
“Es kommt auf die Frau drauf an, werte Dame,” erläuterte Cassander. “Einige benötigen zwei Tage meiner Zuwendungen. Andere sogar vier. Nur du wirst wissen, wann alle deine Bedürfnisse befriedigt wurden. Ich verspreche, ich werde alle deine Wünsche erfüllen.”
Würg. Mein Wunsch war es, möglichst schnell von diesem Typen wegzukommen.
“Gütiger Gott, Trin. Vier Tage? Wir haben keine Zeit.” Destiny klang abgebrüht wie immer. Leider hatte sie recht. Oder zum Glück, denn wenn ich es mit diesem Typen treiben müsste, dann würde ich es so schnell wie möglich hinter mich bringen … in einer Stunde. Nicht vier verdammten Tagen.
“Was passiert, wenn ich mich nach einem Tag davonmache, selbst, wenn ich nicht vollkommen—befriedigt wurde? Was passiert dann?”
Er wirkte schockiert, als ob er diese Frage zum ersten Mal hörte. Was? Alle anderen wollten offensichtlich tagelang im Bett verschwinden und endlos Sex haben. Ich aber nicht.
Scheiße. So gesehen hörte es sich gar nicht so krank an. Welche Frau würde denn nicht ohne Unterlass gefickt werden wollen …, und zwar immer wieder? Dieser Mann war ausschließlich anwesend, um mich auf alle erdenklichen Weisen zu befriedigen. Was bedeutete, dass er alle meine Wünsche erfüllen würde. Mir geben würde, was immer ich wollte.
Ich würde einfach die Augen zumachen und so tun, als wollte ich tatsächlich … von ihm angefasst werden. Als ob er meine Gedanken lesen konnte—und beleidigt war—richtete er sich auf und plusterte die Brust raus. Toll. Selbst Männer für alle Gelegenheiten hatten empfindliche Egos. “Wenn du früher gehst, wird die Erleichterung nur vorübergehend sein. Kurz danach wird dein jetziger Zustand dich erneut überkommen,” sprach er voller Überzeugung.
“Wie lange danach?” Wenn mir ein paar Wochen blieben, dann konnten wir unsere Mutter aufspüren und unsere Zukunft in Angriff nehmen. Vielleicht würde ich sogar einen Mann finden, den ich tatsächlich mochte und mit dem ich es treiben wollte, um die Gluthitze zu beenden.
“Binnen Stunden, wie mir berichtet wurde.” Er neigte den Kopf zur Seite und plötzlich kam er mir vor wie ein Zuhälter. Offensichtlich hatte er in seiner Aufgabe noch nie versagt. Seine Kundinnen hatte er wohl immer befriedigt. Permanent. “Ich werde mich bestens um dich kümmern. Du hast mein Wort.”
Verflucht. Ich konnte nur hoffen, dass ein einziger Tag mit ihm reichen würde. Aber ich vermutete, dass es wohl eher vier Tage dauern würde. “Dann lass uns gehen.”
Ich wirkte wohl nicht besonders begeistert—genauso fühlte ich mich auch—, denn Faith reckte die Hand aus und pfiff mich zurück. “Warte.”
“Was?” fragte ich, schließlich wollte ich es hinter mich bringen, damit wir endlich unsere Mutter suchen konnten.
“Du musst nicht mit ihm gehen. Himmel, das ist doch lächerlich. Warum würdest du mit einem Typen schlafen, wenn du nicht auf ihn stehst? Das ist … schräg. Es ist falsch. Hier stehen noch fünf andere Typen. Der Zweite sieht süß aus.”
Die Garden warfen sich fragende Blicke zu, wahrscheinlich wollten sie herausfinden, wer von ihnen ‘der Zweite’ war.
“Sie hat recht, Trin,” bekräftigte Destiny. “Es ist wie deine Entjungferung. Das macht man nicht einfach so nebenbei.”
Ich verdrehte die Augen, dann lehnte ich mich an Faith heran. Destiny trat näher, sodass wir einen Kreis bildeten. “Stell dir vor du nimmst deinen Vibrator und du bist kurz davor, du bist wirklich kurz vorm Kommen. Du bist direkt an der Schwelle … und die Batterie gibt auf.”
Destiny machte ein witzig schmachtendes Geräusch. Wir wohnten zwar alle noch Zuhause, aber wir waren allesamt erwachsen. Wir hatten Vibratoren und Freunde und Sex und ein echtes Leben.
“Genau so geht es mir. Die ganze Zeit.”
Faith biss ihre Lippe und warf mir einen mitleidsvollen Blick zu. “Dann such dir einen aus. Sechs Typen sind hier. Einer davon müsste doch deiner hysterischen Mumu zusagen.”
Darauf musste ich lachen. Ich strich Faith über den Kopf und wir drehten uns gemeinsam um und starrten auf die Männer. Alle sechs. Der ältere Mann war verlockend, aber nicht verlockend genug. Destiny hatte recht. Der zweite Wächter war wirklich heiß.
Cassander wirkte jetzt verärgert, als ob wir ihn nicht nur beleidigt hatten, sondern auch noch vollkommen bescheuert waren. “Bei allem Respekt, werte Damen, die Garden werden nicht imstande sein, sie so zu bedienen, wie es sich gehört. Nur ein Mann, der die Richtige für sich bereits getroffen hat, dessen Lanze von seiner einzig wahren Partnerin erweckt wurde, kann eine Frau beglücken. Männer meiner Sorte haben ihre Partnerinnen verloren. Meine Frau ist vor zwei Jahren in einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Ich bin der einzige hier, dessen Körper erwacht und voll funktionsfähig ist. Keiner dieser Garden hat eine Partnerin. Und Aleranische Männer schlafen nicht mit anderen Frauen, solange ihre Partnerin noch am Leben ist. Ich werde nicht zulassen, dass sie einen anderen Mann um diesen Gefallen bitten und so seine Partnerin entehren. Ich bin zwar nur ein einfacher Diener, aber meine Aufgabe ist heilig und sie wird auf ganz Alera geschätzt und geachtet.”
Na toll. Wir waren seit zwei Minuten hier und hatten bereits alle anwesenden Aleraner beleidigt.
“Verzeihung, Cassander. Es war nicht unsere Absicht, dich oder die Garden zu beleidigen. Ich würde niemals einen Krieger darum bitten, seine Partnerin zu entehren. Nie.” Ich blickte zu den Garden. Faith und Destiny ebenfalls. Diese großen, knackigen Jungs, allesamt in unserem Alter, hatten noch nie Sex gehabt? Ihre Schwänze waren noch nicht aufgewacht? Mutter hatte diesen Umstand erwähnt, ihn erklärt, aber ich hatte ihr nicht geglaubt. Ich meine, auf der Erde waren alle Jungs über vierzehn geil wie Sau. Sie dachten von morgens bis abends an nichts anderes als Sex und wie sie in ein weibliches Höschen kamen.
Und diese fünf Garden waren noch nie erregt gewesen? Sie hatten noch nie Sex gehabt? Keinen Orgasmus?
“Heilige Scheiße,” flüsterte Destiny. “Ein Planet voller heißer Jungmänner. Die Fantasie einer jeden Frau.”
“Dann muss eben er hinhalten, Trin,” flüsterte Faith. “Mach einfach die Augen zu und denk an Justin Timberlake.”
Ich musste lachen. Faith war immer noch von ihrem Lieblingspopstar besessen. Ich beschloss, das Beste aus der kniffeligen Situation zu machen und ging auf Cassander zu; der verneigte sich und küsste meine Handfläche. Sein Kuss war warm. Angenehm. Die einfache Berührung bewirkte keine Wunder, aber ich brauchte keinen Lustrausch. Oder wahre Liebe. Ich musste nur diese außerirdische Gluthitze loswerden—so schnell wie möglich—, damit wir die Kidnapper aufspüren und Mutter retten konnten.






