Gespielin der Cyborgs

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Ich sagte nichts dazu. Ich wollte mich nur in einem Loch verkriechen und sterben, oder vom Planeten transportiert werden.
„Sie sind einem Krieger von Prillon Prime zugeordnet worden. Herzlichen Glückwunsch.“
„Sie scheinen darüber selbst erfreut zu sein“, antwortete ich. Meine Handflächen waren feucht und ich hatte nichts, woran ich sie abwischen konnte.
„Ich weiß aus erster Hand, dass Prillon-Männer äußerst feurig sind. Besitzergreifend. Dominant.“
Ja, das fasste die beiden Kerle in meinem Traum durchaus zusammen, und ich konnte mich nicht einmal an ihre Gesichter erinnern. Nur an ihre Schwänze.
„Aus erster Hand? Sie sind zugeordnet worden?“, fragte ich.
Die Freude schwand aus ihrem Gesicht. „Ja, aber das ist schon lange her.“
Ich wusste aus dem Infomaterial des Programms, das eine Zuordnung fürs Leben war, zumindest nach der dreißigtägigen Testzeit. Das hieß, dass beiden ihrer Gefährten etwas Furchtbares zugestoßen sein musste, wenn sie zurück auf der Erde war.
„Nehmen Sie Ihre Zuordnung an?“, fragte sie als Nächstes.
Wollte ich auf der Erde bleiben und hier einen Mann finden? Guter Gott, nein. Beruflich Sexualverbrechern und Menschenhändlern hinterherzujagen hatte mir die Männer auf der Erde gründlich verdorben. Was sie hier Frauen antaten, und noch schlimmer, Kindern, brachte mich dazu, sie alle zu meiden. War das unfair? Ja. Es gab auch gute Kerle da draußen, aber ich würde meine Zeit nicht damit verschwenden, sie unter all den faulen Äpfeln herauszusuchen. Die Arbeit beim FBI konfrontierte mich mit den schlimmsten Verbrechern und der Gürtelzone der Gesellschaft. Ich wusste, dass ich abgestumpft war, misstrauisch und kalt. Ich hatte eine Mauer aus Eis um mein Herz herum errichten müssen, um durchzuhalten. Die Frauen und Kinder, denen ich geholfen hatte, brauchten von mir nicht, dass ich weich oder hilfsbedürftig war. Sie brauchten von mir, dass ich stark war, gnadenlos und knallhart, genau wie die Kriminellen, die ich die letzten Jahre lang gejagt hatte.
Und ich hatte meine Rolle erfüllt. Jetzt war ich ausgelaugt.
Nun brauchte ich einen Neuanfang auf einem Planeten, wo ich nicht jeden Mann ansehen und das Schlimmste annehmen musste. Warum Zeit damit vergeuden, einen Mann zu suchen, der kein Arschloch war, wenn ich den perfekten Mann—oder zwei—mit einem effizienten, bewährten Zuordnungstest bekommen konnte?
Und es schien, als würde ich zwei Gefährten bekommen. Gott, an die Möglichkeit hatte ich noch nicht einmal gedacht. Warum auch? Ich wollte nicht einmal einen Erdenmann, geschweige denn zwei.
„Ich bin einem Krieger von Prillon zugeordnet worden, aber ich bekomme zwei Gefährten?“
Sie legte den Kopf leicht zur Seite. „Ja, Sie sind einem Prillon-Krieger zugeordnet worden, aber die nehmen eine Gefährtin stets mit einem vorbestimmten Sekundär in Besitz. Die Krieger auf Prillon Prime sind weithin dafür bekannt, im tiefen All den Hive zu bekämpfen. Sie haben eine hohe Verlustrate und wählen einen Sekundär, um ihre Gefährtin zu beschützen und sich um jegliche Kinder zu kümmern, falls das Undenkliche passiert.“
„Falls sie im Kampf umkommen?“
Ihre grauen Augen waren traurig. „Ja. Sie würden ihre Familie niemals schutzlos zurücklassen. Alle Prillon-Krieger wählen einen Sekundär, einen Mann, dem sie vertrauen und den sie schätzen. Dieser zweite Krieger wird ein ebenso hingebungsvoller Gefährte sein wie ihr erster. Rechtlich gesehen werden Sie dem prillonischen Gesetz nach mit beiden verpartnert sein.“
„Wie in dem Traum.“ Ich erinnerte mich an die genaue Ausdrucksweise, die er mir gegenüber verwendet hatte, und die ich zur Antwort genutzt hatte. Unsere Besitznahme. Nicht meine.
„Wie in dem Traum. Sobald Sie Ihre Gefährten kennenlernen, haben Sie dreißig Tage lang Zeit, deren Besitznahme anzunehmen oder ihnen mitzuteilen, dass Sie wünschen, jemand anderem zugeordnet zu werden.“
Ihre Besitznahme annehmen? Ja, ich wusste, wie die Besitznahme aussehen würde, und ich zuckte zusammen.
„Fürs Protokoll, nehmen Sie diese Zuordnung an?“, fragte sie, und ihre Stimme wurde monoton und offiziell. „Sobald Sie die Zuordnung annehmen, werden Sie offiziell eine Bürgerin von Prillon Prime. Sie werden nicht zur Erde zurückkehren, Kristin.“
Wollte ich die Zuordnung annehmen? Wenn ich Ja sagte, würde ich von der Erde nach Prillon Prime transportiert werden, mehrere Lichtjahre entfernt. Das war kein Trip nach Italien.
Aber war das nicht genau das, was ich wollte? Ich hatte mich freiwillig hierzu gemeldet. Ich hatte meinen eigenen Hintern in das dämliche Krankenhaus-Hemd gezwängt und mich den Tests unterzogen. Ich hatte jede Minute des Traumes absolut genossen. Ich wollte mehr. Ich wollte mich fühlen wie diese Frau: wild, wollüstig und frei.
„Ja.“ Es gab jetzt kein Zurück mehr. „Ja, ich nehme die Zuordnung an.“
Sie nickte knapp, und ihre Finger wischten eifrig über ihr Tablet. „Damit wir uns an das Protokoll halten, nennen Sie bitte Ihren Namen.“
„Kristin Webster.“
„Waren Sie jemals oder sind Sie derzeit verheiratet?“
„Nein.“
„Irgendwelche biologischen Nachkommen?“
„Nein.“
„Ich bin verpflichtet, Sie darauf hinzuweisen, obwohl ich dies bereits erwähnte, dass Sie dreißig Tage lang Zeit haben werden, den Gefährten, der für Sie von den Zuordnungsprotokollen des Interstellaren Bräute-Programms ausgewählt wurde, anzunehmen oder abzulehnen.“
Ich holte tief Luft und atmete aus. Keine Einsatzgruppe für Sexualverbrechen mehr. Keine bösen Jungs mehr. Kein FBI mehr. Verdammt, keine Erde mehr. Genau das, was ich wollte.
Ich holte tief Luft und atmete aus. „Ich schätze, ich gehe nach Prillon Prime. Wann bekomme ich meine Männer?“
Ich musste bei dem Gedanken einfach grinsen. Es schien verrückt. Es war verrückt.
Sie blickte noch einmal aufs Tablet hinunter, wischte noch ein paar Mal und blickte hoch. Mit strahlendem Lächeln. „Wie wär‘s mit jetzt gleich? Ihr Gefährte lebt auf einem sekundären Prillon-Planeten, der als die Kolonie bezeichnet wird. Sie sind einem Krieger mit achtundneunzig Prozent Kompatibilität zugeordnet worden.“
Die Kolonie? Nie davon gehört, aber wen kümmerte das schon. Alien war Alien. „Und der sekundäre Gefährte macht die restlichen beiden Prozent aus?“, fragte ich.
Sie trat zurück und lachte über meinen Sarkasmus. „Könnte man so sagen.“
Mit einem letzten Wisch mit ihrem Finger öffnete sich die Wand hinter mir, und ein blaues Licht trat dahinter hervor. Ich drehte den Kopf herum, konnte aber nichts sehen außer dem farbigen Leuchten.
„Keine Panik. Wenn Sie aufwachen, Kristin Webster, wird Ihr Körper für die dortigen Bräuche und die Anforderungen Ihres Gefährten präpariert worden sein. Er wird dort auf sie warten.“ Es klang, als würde sie ein Skript herunterbeten, und das bedeutete, dass ich nicht die einzige Frau war, die an diesem Punkt leichte Panik bekam.
Zwei große Metallarme mit riesigen Nadeln am Ende schienen zu beiden Seiten auf meinen Kopf heran zu fahren. „Moment bitte. Was zur Hölle sind diese Dinger?“
Ich versuchte, davonzurutschen, aber das funktionierte nicht, da ich immer noch an den verdammten Stuhl geschnallt war.
„Sie werden Neuroprozessor-Units anbringen, die sich mit den Sprachzentren in Ihrem Gehirn verbinden und es Ihnen auf diese Weise ermöglichen, jede Sprache zu sprechen und zu verstehen. Bleiben Sie ruhig, dann sind Sie schon bald bei ihrem Gefährten.“
Ich hielt den Atem an, als die Nadeln näherkamen und dann in meine Schläfen stachen, direkt über den Ohren. Ich zuckte zusammen, aber so schmerzhaft war es gar nicht. Sobald sich die Roboterarme zurückgezogen hatten, glitt mein Stuhl nach hinten und ich wurde in ein warmes, blau leuchtendes Bad gelassen. Ich atmete aus und entspannte mich, denn alle Furcht schien dahinzuschmelzen.
„Kristin Webster, Sie sind unterwegs zu Ihrem Prillon-Krieger. Ich bin nicht voreingenommen, denn jede Frau wird dem Planeten zugewiesen, der für sie perfekt ist, aber diese Prillon-Männer liegen mir besonders am Herzen. Ich weiß, dass Sie dort glücklich werden, so wie ich es einmal war.“
Ich seufzte und schloss die Augen. Glücklich? Das war der größte Traum von allen.
„Ihre Abfertigung beginnt in drei... zwei... eins.“
Alles wurde schwarz.
2

Captain Hunt Treval, die Kolonie, Basis 3, Abfertigungsraum für Neuankömmlinge
Ungeduld nagte an mir, ließ mich in meinem Stuhl zappeln. Über den Tisch hinweg starrten mich unsere vier letzten Neuankömmlinge mit einer Mischung aus Rage und Verzweiflung an. Sie versuchten, ihren Schmerz zu verbergen, aber den Zorn? Der Zorn zeichnete sich klar in den angespannten Linien ihrer Körper ab, in der grimmigen Spannung in ihren Lippen, der völligen Abwesenheit jeden Fünkchens Humors in ihren Augen. Sie waren Krieger der Koalitionsflotte, hatten Gefangenschaft und Folter in der Gewalt unseres Feindes, des Hive, überlebt, und nun waren sie hier.
Hierher wollte niemand.
Diese Teufelswut war etwas, das Kriegern nur allzu vertraut war. Und wer auf die Kolonie geschickt wurden, hatte mehr Anlass zur Rage als die meisten. Ich wusste das. Wir alle wussten es. Wir waren Ausgestoßene. Verlassen. Abgelehnt von jenen, für deren Schutz wir gekämpft hatten, bevor wir die Höllenqualen von Folter und Experimenten durch den Feind erlitten hatten. Wir hatten überlebt, einige von uns nur knapp, aber wir waren nicht länger erwünscht. Und es war schwer, das zu akzeptieren. Das Eintreffen in der Kolonie war der Nachweis für diese Ablehnung, so wie die Veränderungen an unseren Körpern der Nachweis waren, dass wir nie wieder ganz sein würden.
Wut überdeckt eine Bandbreite anderer Emotionen gut, aber ganz besonders Schmerz. Als Krieger waren wir die stärksten, härtesten Typen im Universum. Verletzte Gefühle waren nicht unser Ding. Die meisten, die in den vergangenen zwei Jahren durch dieses Zimmer gekommen waren—seit ich damit beauftragt worden war, Neuankömmlinge bei der Eingewöhnung zu unterstützen—würden lieber Folter als Tränen wählen. Diese Vier, so schien es, waren da keine Ausnahme.
„Ich wünsche, auf meinen Heimatplaneten zurückzukehren.“ Der große atlanische Kampflord, ein Riesenkrieger namens Rezz, funkelte mich aus seinem Stuhl heraus an. Seine tellergroßen Hände ballten sich wieder und wieder um die Armlehnen an seinem Stuhl zu Fäusten zusammen, und ich blickte in die Ecke des Raumes, wo mein Sekundär Captain Tyran mit einem Ionen-Blaster und einem Betäubungsgewehr im Anschlag bereitstand. Ich traf seinen dunklen Blick, nur für einen Augenblick, mit fragendem Ausdruck.
Tyran nickte, die Bewegung war kaum wahrnehmbar. Er war schussbereit. Nicht, dass er die Waffen brauchen würde, selbst gegen das Biest. Der Hive hatte Tyrans Knochen und jede wichtige Muskelgruppe in seinem Körper verstärkt. Er war stark, stärker als jede andere lebende Kreatur, die ich gesehen hatte, einschließlich eines Atlanen im vollen Biest-Modus. Als Tyran und ich gemeinsam in Gefangenschaft gerieten, waren wir Freunde gewesen. Nach dem, was sie uns angetan hatten, wusste ich, dass es niemand anderen gab, dem ich eine Gefährtin anvertrauen würde, und ich hatte ihn gebeten, mein Sekundär zu werden.
Damit, dass wir das Vertrauen des anderen im Kampf brauchen würden, war es nun vorbei. Eine Gefährtin zu teilen, würde hoffentlich unsere Zukunft sein und noch viel wichtiger als alles andere, was wir getan hatten.
Als zum ersten Mal jemandem auf der Kolonie eine Gefährtin zugeordnet worden war, eine Erdenfrau namens Rachel, war ich skeptisch gewesen. Aber zuzusehen, wie sie einen von uns in den Armen hielt, während er starb, hatte meine Meinung über das Interstellare Bräute-Programm geändert. Darüber, eine Gefährtin zu haben. Ich hatte mich nach der sanften Berührung von Frauenhänden auf meiner Haut gesehnt, nach jemandem, der mich mit etwas anderem als Angst in den Augen anblicken würde. Götter, ich sehnte mich so sehr danach, aber ich hatte angenommen, dass die Verbannung auf die Kolonie bedeuten würde, dass dieses Glück nie mir zuteil werden würde. Dass ich niemals eine Gefährtin gewährt bekommen und niemals eine heiße, willige Frau mit Tyran teilen würde.
Aber Rachels Ankunft hatte alles verändert. Begierig ließ ich mich sofort am nächsten Tag testen, Tyran am Tag darauf. Und nun warteten wir einfach und versuchten, nicht zu hoffen. Hoffnung war schmerzhaft, erfüllte meine Brust mit einer Leere, die keine noch so große Menge an Alkohol oder Arbeit je stillen konnte. Jedes Mal, wenn ich Rachel—Lady Rone—mit ihren Gefährten Gouverneur Maxim und Captain Ryston zusammen sah, wurde diese Hoffnung schlimmer.
Ich hatte gelernt, dass Hoffnung eine gefährliche Sache war. Ein wenig davon war zum Überleben notwendig, aber zu viel davon, und die Enttäuschung würde grausam sein. Es war ein empfindliches Gleichgewicht, mit dem ich seit meiner eigenen Ankunft auf diesem Planeten leben musste.
Aber seit meinem und Tyrans Test waren Wochen vergangen. Hunderte Krieger waren auf der Kolonie getestet worden, und keine neuen Bräute waren eingetroffen. Diejenigen von uns, die hier in der Falle saßen, fingen an, die Hoffnung auf eine Zuordnung wieder aufzugeben. Hoffnung verblich. Wut war besser. Und Arbeit.
Ich hatte drei Koalitionskrieger vor mir sitzen und einen der furchteinflößenden Jäger von Everis, der selbst jetzt in einiger Distanz zu den anderen saß. In ihren Augen lag überhaupt keine Hoffnung mehr. Das war der Grund, weshalb Tyran seine Hand aufmerksam über seine Ionen-Pistole hielt, auf seinem Posten neben der Tür.
Der Jäger Kjel war aus einem getrennten Bereich des Hive-Baus geborgen worden, einem Bereich, der für die Zucht vorgesehen war. Er sah harmlos genug aus, sein dunkles Haar und seine blasse Haut eher wie ein Krieger von der Erde oder von Trion. Aber er war alles andere als menschlich, die Jagdkünste seines Volkes furchteinflößend und unerklärlich. Sie waren wie Phantome, die in die Abgründe des Weltraums blicken konnte. Nichts und niemand konnte sich vor ihnen verbergen.
Kjel war unser erster Jäger, und ich war mir noch nicht ganz sicher, was wir mit ihm anfangen sollten.
Niemand außer mir und Gouverneur Rone kannte den gesamten Inhalt der Akten dieser Männer, aber mir schauderte bei dem Gedanken daran, was dieser stolze und tödliche Jäger hatte ertragen müssen. Die Everianer waren die tödlichsten Auftragskiller, Spione und Fährtensucher der Flotte. Sie machten einen großen Teil des Geheimdienstes der Koalitionsflotte aus, und der Hive war, wenn sie einen Jäger gefangen nehmen konnten, absolut gnadenlos. Ich war schockiert darüber, dass der Jäger überhaupt überlebt hatte.
Kjel von Everis musste einen Willen aus Eisen haben. Unzerbrechlich. Was in der Schlacht hilfreich war, aber nicht hier. Ich brauchte von diesen Männern, dass sie als Team zusammenarbeiteten und sich in unsere Gesellschaft integrierten. Ein wenig Hoffnung schöpften, dass ihr altes Leben vielleicht vorüber war, aber ein neues sich schaffen lassen konnte. Es war meine Aufgabe, meine Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie das taten.
Diese Männer brauchten Arbeit, einen Zweck, einen Wohnplatz und eine neue Gruppe von Waffenbrüdern, die ihnen dabei helfen konnten, mit ihrem neuen Leben fertigzuwerden.
Die Kolonie war kein Zuhause, für niemanden von uns. Selbst die Gefährtin des Gouverneurs hier zu haben, reichte nicht aus. Dieser Ort war ein Gefängnis, unsere Endstation, und wir alle wussten das. Eines Tages, mit Gefährtinnen und Kindern, konnte es vielleicht ein Zuhause für uns alle werden. Aber bis dahin...
„Keiner von uns kommt nach Hause, Kampflord.“ Ich deutete zu meinem rechten Auge und schob den linken Ärmel hoch, um den metallischen Schimmer sichtbar zu machen, der knapp unter der Hautoberfläche meinen entblößten Arm und die Hand überzog. Zu diesen Treffen trug ich nie meine Rüstung, wählte stattdessen eine zivile Tunika mit kurzen Ärmeln und Hosen, um diese Krieger daran zu erinnern, dass ich nicht gegen sie kämpfte. Ich war nicht der Feind. Auch ich hatte gekämpft, war in Gefangenschaft geraten. Gefoltert worden. Befreit worden. Hatte überlebt. Lebte.
Rezz‘ Blick flog zu meinem Arm, dann verweilten er auf den handgenähten Ziernähten am Ärmel, bemerkten den grünen Gefährtenkragen um meinen Hals, und er verzog das Gesicht noch stärker. Dieser verweilende Blick, und die verächtlich verzogene Lippe beim Anblick meines Kragens verbesserten meine Laune nicht gerade. Ich trug ihn schon seit drei Monaten, seit dem Tag, an dem ich mich den Testprotokollen des Bräute-Programms unterzogen hatte. Ich trug ihn, um andere dazu zu ermutigen, sich ebenfalls testen zu lassen. Um ihnen zu zeigen, dass ich Hoffnung hatte, dass sie kommen würde. Dass ich ihr bereits gehörte, wo auch immer im Universum sie noch war. Als meine Hoffnung nach und nach geringer wurde, wurde die Gegenwart des Kragens eine Quelle von Spott zu den Mahlzeiten, wenn die anderen meine Zuversicht verhöhnten. Manche zweifelten sogar daran, dass ich mich überhaupt hatte testen lassen.
Mir war egal, was diese Scheißkerle dachten. Ich hatte die verdammte Hoffnung. Ich war fest entschlossen, stärker zu sein als sie. Ich weigerte mich, daran zu glauben, dass dieses einsame Leben mein Schicksal war. Ich weigerte mich, den Kragen abzunehmen. Sie würde kommen. Irgendwann.
„Ich werde hier nicht verweilen wie ein Gefangener“, sagte Rezz nachdrücklich.
„Sie sind kein Gefangener, Kampflord.“ Ich seufzte, lehnte mich in meinem Stuhl zurück und machte mich aufs Schlimmste gefasst. Zweimal in den letzten zehn Jahren war ein Biest hier eingetroffen und hatte die Beherrschung verloren. Diese Tatsache war mir und allen anderen Kolonie-Offizieren, die der Unterhaltung beiwohnten, nur allzu bewusst. Tyran war nicht die einzige Sicherheitskraft im Zimmer. Drei Krieger pro Neuankömmling war meine Präferenz. Heute waren wir weit unterbesetzt. Mit Tyran waren nur sieben Wachen anwesend—und keiner von ihnen war Atlane. Wenn Kampflord Rezz die Beherrschung verlor und in den Biest-Modus wechselte, würden wir selbst mit Tyrans Kraft den Atlanen wahrscheinlich töten müssen. Eine Aktion, die ich gerne vermeiden wollte.
Früher einmal hätte der Gedanke daran, das Biest exekutieren zu müssen, mich in einen Teufelskreis aus Trauer und Selbsthass gestürzt. Reue. Frust und das Gefühl, verraten zu sein. Aber nicht nur er musste gerade damit fertig werden, auf der Kolonie zu sein, sondern auch sein Biest. Es war ein innerer Willenskampf, und ich musste bei Kampflord Rezz erst herausfinden, wer gewinnen würde.
Ich wusste, wie er sich fühlte. Gefangen. Einem Gefängnis entkommen, nur um in einem anderen Gefangnis zu landen. Vor drei Jahren hatte ich mit Tyran auf der anderen Seite des Tisches gesessen. Und kurz davor hatten wir drei grauenvolle Tage in den Händen der Hive-Integrationseinheit verbracht, bevor das Bergungsteam der Koalition uns herausgeholt hatte. Wir hatten Glück gehabt. Waren noch zu retten gewesen. Auch wenn es sich zu der Zeit nicht wie Glück angefühlt hatte.
Nun war die einzige Emotion, die mich durchströmte, während ich Rezz bei seinen Beherrschungsversuchen beobachtete, Resignation. Er würde sich entweder unter Kontrolle bringen, oder nicht. Es gab keinen Mittelweg.
Und er hatte nicht unrecht. Obwohl dies hier genau betrachtet kein Gefängnis war, würde niemand von uns nach Hause zurückkehren. Nie wieder. Und auch, wenn in den Koalitionswelten allgemein die Ansicht herrschte, dass die Krieger auf der Kolonie mit Hive-Technologie verseucht waren und nicht dazu geeignet, sich wieder in die Gesellschaft auf ihren Heimatplaneten einzugliedern, war die Wahrheit noch schlimmer—aber einfacher zu akzeptieren.
Die Koalitionsflotte war nicht in der Lage, die Ausstrahlung von Hive-Steuerbefehlen im großen Ausmaß zu unterbinden. Jeder Krieger hier hatte Hive-Technologie eingepflanzt bekommen, die nicht entfernt werden konnte, ohne uns umzubringen. Wir waren auf der Kolonie nur deswegen in Sicherheit, weil wir so tief im Koalitionsraum waren, dass der Hive uns nicht erreichen konnte, um mit unseren Gedanken zu spielen und uns wie Marionetten zu steuern. An ein paar von uns wurden experimentelle Implantate getestet. Wir testeten ein neues Gerät zum Scannen und Generieren von Störfrequenzen. Und Lady Rone, eine wissenschaftliche Expertin im Bereich Gehirn- und Körperchemie, half uns, neue Wege zu testen, wie wir unsere Körper gegen Hive-Angriffe stärken konnten.
Aber ich wusste, dass das vielleicht nicht ausreichte.
Auf den höchsten Befehlsebenen wollte man die Zivilbevölkerung unserer Planeten nicht darauf aufmerksam machen, dass wir Schwierigkeiten damit hatten, den Hive aufzuhalten. Es war beängstigend und konnte zu Massenpanik führen. Wir waren der Beweis für dieses Versagen, und wir durften einen solchen politischen Alptraum nicht durch unsere Anwesenheit auf den Heimatwelten enthüllen.
Die Koalitionsflotte hatte große Mühe, die Ausdehnung des Hive in das Gebiet der Koalition zu verhindern. Wir standen knapp davor, diesen verdammten Krieg zu verlieren.
Als Prinz Nial Primus unseres Planeten wurde, hatte er damit den Mantel des Kommandanten der gesamten Koalitionsflotte geerbt. Prillon Prime war die erste Welt gewesen, die sich dem Hive entgegengestellt und andere rekrutiert hatte, und die Koalition war um uns herum gewachsen. Wir kämpften schon seit langer, langer Zeit. Seit Jahrhunderten. Als Primus Nial an die Macht kam, hatte er den Bann auf die Heimkehr von Hive-verseuchten Kriegern aufgehoben, besonders, da er selbst einer war. Einer von uns. Das hatte zu weiteren Erkenntnissen geführt...hatte den Koalitions-Geheimdienst I.C. dazu gezwungen, mit ein paar harten Wahrheiten herauszurücken.
Wir konnten nicht nach Hause. Nie wieder. Nicht jeder von uns.
Primus Nial war selbst mit Hive-Technologie infiziert. Aber nachdem er den Thron bestiegen hatte, hatte er ein Treffen mit dem I.C. gehabt. Die hatten ihm die Lage erklärt, die Dinge, die wir auf der Kolonie bereits wussten—dass es keinen Weg gab, sicherzustellen, dass er sich unter Kontrolle haben würde, sollte er einen Hive-Befehl empfangen. Die Technologie, die in seinem Körper eingebettet war, gehorchte immer noch ihrem Meister und würde seinem Ruf folgen.
Der Primus hatte vom I.C. ein spezielles Implantat erhalten, einen dauerhaften Signalhemmer, der ihn frei von Hive-Kontrolle halten sollte. Aber es war experimentell. Und selbst mit den verfügbaren Signalhemmern weigerten sich die meisten Koalitions-Planeten, den Bann darauf aufzuheben, dass verseuchte Krieger sich ihrer Zivilbevölkerung wieder anschließen durften.
Verseuchte Krieger waren ein zu großes Risiko. Dem widersprach ich nicht. Ich musste mich täglich mit ihnen herumschlagen. Verdammt, ich war einer von ihnen. Darauf zu hoffen, dass jene auf Prillon Prime mich und Tyran als normal akzeptieren würden, war zu viel, selbst für mich.
Primus Nial gab sein Bestes, aber am Ende beschlossen die meisten der Prillon-Krieger auf der Kolonie, einschließlich mir und Tyran, zu bleiben. Wir alle hatten dafür gekämpft, unser Volk zu beschützen. In unserem Zustand nach Hause zu gehen, selbst mit der experimentellen Technologie, die der I.C. anbot, würde unsere Familien in Gefahr bringen und unser Opfer, und die Tode so vieler Freunde und Mitstreiter, wertlos machen. Keiner von uns wollte den Hive zu ihnen führen, ihnen in den Rücken fallen und die Kontrolle verlieren.
Also blieben wir in einem Gefängnis, das wir selbst gestalteten.
Und hofften auf Besserung, darauf, dass wieder ein wenig Leben in unseren Alltag einkehren konnte.
Auf eine Gefährtin.
„Das hier fühlt sich an wie ein Todesurteil.“ Kampflord Rezz knurrte, und ich sah die Anfänge seiner Verwandlung zum Biest in seinem Gesicht, wo die Knochen zu schmelzen und länger zu werden schienen, bevor sich alles wieder normalisierte. „Sie hätten mich in dieser Höhle verrecken lassen sollen.“
„Es tut mir leid.“ Ich deutete zu den Kriegern, die an den Wänden entlang bereitstanden. „Uns allen ging es genauso, als wir hier eintrafen.“ Der Raum war groß genug, dass noch mindestens fünfzig Kämpfer in voller Rüstung Platz gehabt hätten. Mit nur elf fühlte es sich an wie eine leere Höhle, in der unsere Isolation verhallte. „Aber es wird mit der Zeit einfacher. Und die Kolonie empfängt inzwischen Gefährtinnen aus dem Interstellaren Bräute-Programm. Sobald Sie sich alle eingelebt haben, können Sie sich für eine Zuordnung testen lassen.“







