Die schönsten Radtouren zwischen den Meeren

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Auf dem alten Bahndamm
Wenn Sie noch Kraft für weitere zehn Kilometer haben und neugierig auf den Heike hilft helfen-Drehort Koberg sind, machen Sie ruhig den kleinen Umweg, es lohnt sich. Im Mittelpunkt unserer Dreharbeiten stand der „Markttreff“, der auch tatsächlich der Mittelpunkt des Dorfes ist, ein Tante-Emma-Laden mit Kaffee-Ecke und der freundlichen Verkäuferin „Netti“ (viele Grüße!). Der schöne Raum nebenan ist das kulturelle Zentrum Kobergs, Platz für allerlei Veranstaltungen.
Die Einwohner von Koberg haben mit ihrem „Markttreff“ in ein Dorf, in dem nichts mehr los war (keine Schule, keine Kirche, kein Laden, keine Kneipe), wieder Leben gebracht. Wenn Sie Keramikfiguren mögen, klingeln Sie unbedingt im Atelier von Marianne Schäfer, Koppelkaten 5. Auf der gegenüberliegenden Seite wohnt der Tischler Karl-Heinz Loss. Er verkauft schöne Schaukelpferde.
Wir wollen heute jedoch nicht nach Koberg, sondern auf direktem Weg nach Linau. Vom Gasthof Stahmer fährt man einfach die Straße weiter. Der Weg ist gut ausgeschildert. Rechts neben dem Ortseingang von Linau entdecken Sie vielleicht wie wir das Storchenpaar auf seinem Nest. Unser eigentliches Ziel ist aber die Bille-Quelle. Diesen kleinen Fluss haben wir heute schon einige Male überquert, und sowohl mein Mann und ich als auch unsere Freunde wohnen in der Nähe der Bille. An ihrer Quelle waren wir allerdings noch nie. Also nichts wie hin! Insgeheim erwarten wir Großes: vielleicht einen speienden Drachenkopf aus Marmor oder ein glasklares Bächlein, das unter einem Stein hervorsprudelt. Aber auf jeden Fall etwas Einmaliges, Ursprüngliches, irgendwie Erhabenes. Und was finden wir? Eine morastige Stelle, die einer Wildschweinsuhle gleicht; daneben steht auf einem Schild „Bille- Quelle“. Wir müssen lachen. Aber immerhin können wir jetzt sagen, dass wir da gewesen sind! Wenn Sie sich selbst überzeugen wollen, fahren Sie in Linau über die große Kreuzung geradeaus, dann sehen Sie links zwei Schilder: „Burg Linau“ und „Bille-Quelle“. Durch das Drehkreuz kommen Sie in die „Burg“, ein Wäldchen. Nach etwa 200 Metern sehen Sie rechts unten einen Findling, auf dem „Bille-Quelle“ steht. Jetzt noch 10 Meter nach rechts und Sie sind da – am Ursprung der Bille, die nach 65 Kilometern in Hamburg in die Elbe mündet. Zurück auf der Hauptstraße geht es nun in flottem Tempo immer bergab auf einem super Fahrradweg neben der Straße bis Grönwohld. Wer schon immer mal wissen wollte, wo eigentlich Büttenwarder liegt, in dem die Kultbauern Brakelmann (Jan Fedder) und Adsche (Peter Heinrich Brix) zu Hause sind, ist hier genau richtig. Das Grönwohlder Gasthaus Unter den Linden ist im Film der „Dorf krug“. Außerhalb der Dreharbeiten ist hier normaler Gaststättenbetrieb und es gibt genau wie im Film „Lütt un Lütt“. Der echte Wirt ist jener Enno Oetjen, dessen Namen wir schon auf einer Stufe des Hahnheider Turms gelesen haben. Das Gasthaus Unter den Linden liegt in der Dorfstraße 13, und Sie finden es ganz leicht, wenn Sie in Grönwohld an der Kreuzung von Linau kommend nach rechts abbiegen.

Foto: Heike Götz
Ein großer Stein für eine kleine Quelle
Für uns geht es an dieser Kreuzung heute jedoch geradeaus weiter zum Ausgangspunkt unserer Tour zurück. Der sehr schöne Fahrradweg nach Lütjensee beginnt am Dorfende rechts. Er führt auf einem alten Bahndamm bis nach Bad Oldesloe. In Dwerkaten, einem Ortsteil von Lütjensee, stoßen wir auf eine Landstraße. Hier verlassen wir den alten Bahndamm und folgen dem Radweg nach links neben der Landstraße bis nach Lütjensee. Kurz nach der Tankstelle geht es nun rechts in die Alte Schulstraße zum Hof Lütjensee zurück. Nach 40 Kilometern und 6 Stunden (inklusive mehrerer Pausen, Turmbesteigung, Suche nach der Bille-Quelle und einiger Fotostopps) sind wir zufrieden und glücklich wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen.
Es war eine sehr schöne und abwechslungsreiche Tagestour. Sie kommen durch kleine Städte und Dörfer, besteigen den Hahnheider Turm mit toller Aussicht, sehen die Bille-Quelle und den Büttenwarder-Gasthof, essen leckeren Kuchen und lernen Brillenschafe kennen. Der Weg führt teilweise durch die Felder und Wiesen und auf Sandwegen durch den Wald (Hahnheide). Es sind durchgängig Radwege.
INFOS
Besichtigungs-Tipps


Einkehr-Tipp

Heike-Tipps




Wikinger, Schlösser und ein altes Fischerdorf

Foto: Ingo Wandmacher
Entlang der Schlei
Route (37 km):
• Wikinger-Museum Busdorf
• Schleswig
• Winning
• Winningmay
• Füsing
• Brodersby
• Missunde
• Fähre
• Weseby
• Fleckeby
• Louisenlund
• Borgwedel
• Stexwig
• Fahrdorf
• Busdorf
„Wer arm war und seine Kinder nicht ernähren konnte, warf sie ins Meer“, schrieb einst ein maurischer Kaufmann aus Cordoba über die „Barbaren“ von der Schlei. Vor etwa 1000 Jahren war Haithabu an der Schlei eine bedeutende Handelsstadt im Ostseeraum und galt als Weltstadt. Hier liefen die wichtigsten Fernhandelswege zusammen. Ihre Bewohner, die Wikinger, wurden bewundert und gefürchtet und faszinieren uns bis heute. Der Überlieferung nach waren sie groß gewachsene, mutige und trinkfeste Seeleute, die sich mit ihren Ruderschiffen bis nach Amerika wagten.
Mein Mann Detlef und ich starten unsere Radtour auf dem Parkplatz des Wikinger-Museums Haithabu in Busdorf. Wer vor oder nach der Tour Lust und Zeit hat, sollte sich das 26 Hektar große Gelände und den riesigen Schutzwall, das Danewerk, unbedingt ansehen. Anhand von vielen Originalfunden wurden in Haithabu bei Busdorf, am südlichen Ufer der Schlei, in den letzten Jahren sieben Wikinger-Häuser nachgebaut. In den Häusern kann man Wikinger-Handwerkern wie einem Perlenmacher, einem Bogenschnitzer oder dem Bäcker zusehen und teilweise sogar selbst mitarbeiten: Geschichte zum Anfassen an einem historischen und lebendigen Ort.
Heute geht’s los Richtung Schleswig, auf einem Fahrradweg neben der Straße direkt an der Schlei entlang. Schon nach kurzer Zeit taucht links das weiße Schloss Gottorf auf. Auch hier lohnt ein Abstecher, der Barockgarten und der berühmte „Gottorfer Globus“ aus dem 17. Jahrhundert sind wirklich sehr sehenswert. Der Globus ist deshalb so besonders, weil man in ihn hineingehen kann. Die Kugel hat einen Durchmesser von drei Metern. Zwölf Personen können darin sitzen und den gemalten, figürlich ausgeschmückten Sternenhimmel bewundern. Wir beschließen, ein anderes Mal wiederzukommen, um den Globus und das Schloss in aller Ruhe anzuschauen, denn dafür sollte man sich gut einen halben Tag Zeit nehmen.
Heute zieht’s uns weiter. Es geht immer am Wasser entlang durch Schleswig. Wer mag, kann am Yachthafen bei frischen Waffeln und Kaffee beim Bootstreff Wolf oder im Café im Speicher direkt daneben eine erste Pause machen. Wenn Sie am Yachthafen vorbei sind, sehen Sie links den Schleswiger Dom und biegen dann scharf rechts in die wunderhübsche kleine Fischersiedlung Holm. Zwischen den kleinen malerischen Häuschen fühlt man sich wie in eine andere Zeit versetzt. Die historischen Häuser umschließen kreisförmig einen Friedhof, der wie ein Marktplatz den Mittelpunkt des Dorfes bildet. Der Holm ist berühmt für seine Totengilde, die „Holmer Beliebung“. Diese wurde 1650 nach dem Dreißigjährigen Krieg gegründet, um sich in schweren Zeiten gegenseitig zu helfen. Die Mitglieder der Gilde konnten auf dem eigenen Friedhof kostenfrei begraben werden – nicht unerheblich in Zeiten von Krieg und Pest. Noch heute wird der Friedhof von der „Holmer Beliebung“ genutzt und es werden dort ausschließlich Mitglieder beigesetzt. Jedes Jahr am zweiten Sonntag nach Pfingsten findet auf dem Holm die Beliebungsfeier statt. Die Beliebungsbrüder ziehen dann festlich bekleidet mit Zylinder durch den Holm.
Wir fahren am Sankt-Johannis-Kloster vorbei, dann links und gleich wieder rechts Richtung Klensby und Brodersby. Rechts sehen Sie noch Reste von Kasernen. Hier „Auf der Freiheit“, wie das Gelände heißt, soll in den nächsten Jahren ein ganz neuer Stadtteil entstehen. Der Weg führt entlang der früheren Bahntrasse Schleswig-Süderbrarup und ist heute ein gut zu befahrener fester Sandweg durch den Wald mit gelegentlichen schönen Ausblicken auf die Schlei. Fast 100 Jahre, von 1880 bis 1972, fuhren hier Züge. Herrlich ist das Bahnhäuschen Winning. Wir machen eine kurze Foto- und Trinkpause. Neben den FahrradHinweisschildern fällt uns das Zeichen der Jakobspilger auf, die gelbe Muschel auf blauem Grund.

Fotos: Ingo Wandmacher
Starke Wikinger

Schloss Gottorf
Da mein Mann und ich selbst schon auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela gepilgert sind, interessieren wir uns natürlich sofort dafür. Führt hier ein Jakobsweg entlang? Leider treffen wir an diesem Tag keinen Pilger, sodass ich zu Hause gleich recherchiere. Tatsächlich – die Via Jutlandica, der „jütländische Weg“, ist der nördlichste aller Wege unter den deutschen Jakobswegen. Von Norden kommend führt ein Weg bis nach Schleswig. Ab Schleswig gibt es zwei Alternativen: entweder über Kiel nach Lübeck, einem im Mittelalter wichtigen Sammelpunkt für die Pilger, oder über Rendsburg nach Glückstadt und von dort über die Elbe weiter nach Stade. Im Vorwort eines Pilgerführers finde ich den Hinweis, dass sich im Mittelalter Jakobspilger im Verlauf ihrer Reise zu Gruppen zusammenschlossen, sodass sich die Pilgerströme immer weiter verdichteten. In Nordspanien und Frankreich kann man deshalb von einem „Jakobsweg“ sprechen. In Deutschland ist die Bezeichnung „Wege der Jakobspilger“ angemessener, schließlich waren und sind die Pilger hier noch einzeln und auf ganz verschiedenen Routen unterwegs. Ein Netz dieser Wege durchzieht ganz Europa. Ein Gedanke der heutigen Pilger lautet: „Der Pilgerweg beginnt vor der eigenen Haustür.“ Spätestens seit dem erfolgreichen Buch von Hape Kerkeling ist das Pilgern bei uns ja wieder „in“, und jedes Jahr machen sich unzählige Menschen aus den unterschiedlichsten Motiven auf den Weg. Mein Mann und ich haben unsere Pilgerreise nach Santiago de Compostela als eine ganz besondere Reise erlebt, voller Erlebnisse und Erfahrungen, mit Freude, Schmerz und Erschöpfung gleichermaßen. Jeder Schritt will gegangen sein und jeder geht seinen ganz eigenen Weg. (PS: Von Schleswig bis Santiago sind es über 2500 Kilometer.)
Zurück zu unserer heutigen Fahrradtour, die wir übrigens bei verhangenem Himmel und drohendem Regen starteten und bei schönstem Abendsonnenschein beenden. Bei so einer Tagestour per Rad gilt das Gleiche wie beim Pilgern, kommt mir in den Sinn: Man muss sich einfach aufmachen und alles so nehmen, wie es kommt. Am besagten Bahnhäuschen Winning verlassen wir also die alte Bahntrasse und biegen nach rechts Richtung Brodersby in den Blankenburger Weg. Wenn Sie die Hauptstraße erreichen, biegen Sie links ein. Der Fahrradweg verläuft neben der Straße. Nach ungefähr 500 Metern biegen wir schon wieder von der Straße ab und fahren nach rechts Richtung Winning. Diesen kleinen Schlenker sollten Sie unbedingt machen, denn der Weg führt durch eine wunderschöne Lindenallee. Wie durch einen grünen Tunnel fährt man direkt zum Gut Winning. Der Hof ist heute kein landwirtschaftlicher Betrieb mehr, sondern wird als Wohnhaus privat genutzt.

Foto: Heike Götz
Unter Linden zum Gut Winning
In den Ställen sind die Pferde des Reit- und Fahrvereins Winning und von Freizeitreitern untergebracht. Links vom Gut geht es über eine kleine Holzbrücke und dann direkt an der Schlei entlang. Nach wenigen Hundert Metern kommt ein einladender Rastplatz mit Holzbänken und einer Badestelle. Über Winningmay geht es nach Füsing und dort wieder auf dem Fahrradweg neben der Straße bis Brodersby. An der Kreuzung, an der es rechts nach Missunde zur Fähre geht, gibt es einen Bäcker und auf der anderen Seite einen „Markttreff“, wo man sich bei Bedarf noch Reiseproviant kaufen kann. Wir entscheiden uns für Kuchen, den wir auf einem Bootssteg an der Missunder Fähre genüsslich verspeisen. Wer lieber einkehren will: An beiden Ufern der Schlei gibt es Fährhäuser mit Restaurants. Da die Missunder Fähre an der schmalsten Stelle der Schlei ist, dauert die Fährfahrt nur ein paar Augenblicke und kostet pro Person einen Euro.

Foto: Ingo Wandmacher
Auf der Missunder Fähre
Am südlichen Ufer der Schlei angekommen, fahren wir auf der Straße ungefähr 500 Meter geradeaus Richtung Rieseby. Dann geht es nach rechts Richtung Weseby. Dort fragen wir am Imbiss „Naschikönig“ nach dem Weg Richtung Fleckeby. Die freundliche Besitzerin weist nach links in den Tannenweg und rät uns: „Immer das Wasser im rechten Auge behalten, dann kann nichts schiefgehen!“ Am Zeltlager fahren wir links vorbei. Es muss toll sein, hier als Jugendlicher zu zelten, denke ich etwas wehmütig und erinnere mich an frühere Zeltlagerferien …
Ein sehr hübscher Sandweg führt wieder direkt am Schleiufer entlang. Für schmale Reifen, wie mein Mann sie fährt, ist der Weg allerdings etwas beschwerlicher. Wir bleiben immer am Wasser, auch als der eigentliche Radweg über einen Parkplatz Richtung Straße führt. Der Uferweg ist einfach schöner, wenn auch nicht asphaltiert. Wir fahren durch ein Wäldchen, links kommt ein Klärwerk und kurz darauf führt rechts ein schmaler Weg nach Fleckeby. Dort trifft man auf eine T-Kreuzung und fährt rechts auf einer Betonstraße direkt zur privaten Internatsschule Louisenlund.
Rund 200 Schülerinnen und Schüler der 9. bis 13. Klasse machen hier ihr Abitur. Die Familie des Herzogs zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg hat die barocke Anlage mit dem Herrenhaus nach dem Krieg einer Stiftung übertragen. Die Schüler kommen aus ganz Deutschland und lernen und wohnen in dieser Eliteschule unter besten Bedingungen. Doch keine Scheu, man kann mit dem Rad ganz offiziell durch die weitläufige Anlage fahren und folgt den Wegweisern nach Borgwedel. Die Jugendherberge dort sieht deutlich bescheidener aus als die Internatsschule Louisenlund, liegt aber ebenfalls in bester Lage direkt an der Schlei.
In Borgwedel ist der Radweg direkt am Ufer zu Ende und es geht durchs Dorf ziemlich bergan – wer sichert sich das Bergtrikot? Der Fahrradweg neben der Straße führt uns nun über Stexwig und Fahrdorf zurück an unseren Ausgangspunkt, den Parkplatz des Haithabu-Museums in Busdorf.
Die 37 Kilometer dieser wunderschönen Rundtour führten oft direkt am Ufer der Schlei entlang, wir sind durch Alleen und kleine Wäldchen gefahren, sind an vielen Orten in die Geschichte eingetaucht, haben Güter und Schlösser gesehen, ein herrliches Picknick gemacht und sind mit der Fähre gefahren. Der Weg ist gut ausgeschildert, allerdings oft nicht asphaltiert, was bei Regen oder mit schmalen Reifen problematisch sein kann. Ich habe wieder einmal gemerkt, dass Schleswig-Holstein ganz schön hügelig sein kann und sehr abwechslungsreich.
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Einkehr-Tipps
An beiden Ufern der Missunder Fähre:


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