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Auch Amtsvormund Stilli war an der Jahresversammlung 1926 gegenwärtig.267 Mit dem Amtsvormund holte sich der Vorstand des Armenerziehungsvereins Olten-Gösgen einen offiziellen Vertreter der kantonalen Behörden ins Boot. Seine Äusserung über die Eignung der Pflegekinder zur Fabrikarbeit oder die Ausbildung zu Dienstmädchen steht im Grund genommen gegen die Praxis der Armenerziehungsvereine, die «ihre» Pflegekinder wegen moralischer Bedenken nicht in Fabriken arbeiten lassen wollten. Das Votum muss aber auch als Zeichen der Zeit gelesen werden, indem in den 1920er-Jahren das Handwerk ein eher unsicherer Sektor war und insbesondere wegen der Knappheit an Dienstboten Mädchen für sogenannte «grössere und kleinere Plätzchen» immer gesucht waren. Der Präsident ging dann auch entsprechend mit dem Amtsvormund einig. Beim zweiten Votum des Amtsvormunds sah es hingegen anders aus: Stilli berichtete über die Absicht der Stadt Olten, «ein eigenes Bürgerheim nach Möglichkeit dezentralisiert für wenige benachbarte Gemeinden gemeinsam»268 einzurichten. Hier erklärte der Präsident: «Bürgerheime sollten dagegen nach seiner Ansicht nicht allzusehr dezentralisiert werden. Er denkt dabei an die frühern berüchtigten Gemeindespittel.»269
Dass die zweite Hälfte der 1920er-Jahre für den Verein eine Krisenzeit verkörperte, verdeutlicht die Erhöhung der Kostgelder: Einerseits versuchte der Vorstand damit den steigenden Lebenskosten Rechnung zu tragen, andererseits aber auch eine gewisse Attraktivität für Pflegeeltern und Gemeindebehörden zu bewahren. Mitgliederschwund insbesondere bei den als Kollektivmitglieder aufgeführten Gemeinden bewog den Armenerziehungsverein Olten-Gösgen zu einer vermehrten Mitgliederwerbung mittels Zirkularen.270 1928 fand in Zusammenarbeit mit dem Lehrergesangverein Olten-Gösgen in der christkatholischen Kirche in Olten ein Wohltätigkeitskonzert statt, dessen Reingewinn von 370.15 Franken dem Verein übergeben wurde.271
Die schwierige Finanzlage blieb selbstverständlich auch während der Weltwirtschaftskrise ein beständiges Thema. Der Vorstand des Armenerziehungsvereins Solothurn-Lebern führte diese auf die «Nachwirkungen des grossen Weltkrieges von 1914–1918» zurück, der die «europäische Wirtschaft» erschüttert, den Kampf um die «Lebensexistenz» zu einer bisher unbekannten «Schärfe» gesteigert und zu einer politischen und wirtschaftlichen «Planlosigkeit» bei den Völkern geführt und dabei «Traditionen in Scherben» geschlagen habe. Ähnlich wie beim Ersten Weltkrieg forderte nun der Armenerziehungsverein den gesunden, auf «die opferwillige und nützliche Zusammenarbeit» ausgerichteten «Sinn des Schweizers», um den Schwachen zu helfen.272
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