Bio-psycho-soziales betriebliches Gesundheitsmanagement für Sozial- und Gesundheitsberufe

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Der Gesetzgeber stärkt betriebliche Gesundheitsförderung durch eine mögliche steuerliche Entlastung der Betriebe (§ 3 EStG). So können bis zu 500 EUR pro Person und Kalenderjahr steuerlich angesetzt werden, wenn die Ausgaben den gesetzlichen Anforderungen genügen.
Leistungen im Krankheitsfall
Klassischerweise tritt für Versicherte bei Erkrankung § 27-53 SGB V in Kraft. Darin sind die Leistungen im Krankheitsfall definiert. Beim Auftreten von arbeitsbedingten gesundheitlichen Störungen bzw. Schädigungen können auch Leistungen der GUV in Anspruch genommen werden.
Sollten Unfälle im Arbeitskontext oder arbeitsbedingte gesundheitliche Störungen auftreten, muss die Wiederherstellung der Gesundheit der Versicherten geleistet oder Entschädigung gezahlt werden. Medizinische und berufliche Rehabilitation und finanzielle Entschädigung sind im Versicherungsschutz der DGUV enthalten (Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz 1996).
Medizinische Leistungen zur Prävention
Gemäß § 14 Abs. 1 SGB VI bietet die Rentenversicherung Versicherten ohne Rehabilitationsbedarf, aber mit besonderen gesundheitlichen Risiken, medizinische Leistungen zur Prävention an. Die Maßnahmen werden meist berufsbegleitend angeboten und dienen der Sicherung der Erwerbsfähigkeit.
BEM
Das SGB IX Sozialgesetzbuch Neuntes Buch – Rehabilitation und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen regelt die berufliche Wiedereingliederung von ArbeitnehmerInnen (Kap. 2.2), die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen oder wiederholt arbeitsunfähig waren (Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz 2016).
Nationale Präventionskonferenz (NPK) (Hrsg.) (2016): Bundesrahmenempfehlungen nach § 20d Abs. 3 SGB V. In: www.bundesgesundheitsministerium.de. 5.09.2020
Bundesministerium für Gesundheit (2015): Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention (Präventionsgesetz PrävG) vom 17. Juli 2015. Bundesgesetzblatt Jahrgang 2015 Teil I Nr.31 ausgegeben zu Bonn am 24.Juli 2015. In: www.bgbl.de. 5.09.2020
Wichtiger Hinweis: Es sollte immer tagesaktuell das jeweilige Gesetz recherchiert werden, da sich die Gesetze kontinuierlich angepasst werden. Gesetze werden im Bundesanzeiger veröffentlicht: www.bgbl.de oder www.gesetze-im-internet.de.
Faber, U., Faller, G. (2017) : Hat BGF eine rechtliche Grundlage? Gesetzliche Anknüpfungspunkte für die Betriebliche Gesundheitsförderung in Deutschland. In: Faller, G. (Hrsg.), 57–76
2.5 Einführung der Unternehmensbeispiele zum BGM
Im folgenden Abschnitt werden fiktive Unternehmensbeispiele vorgestellt, die in den nachfolgenden Kapiteln aufgegriffen werden, um auf exemplarische Weise die Einführung und den Aufbau eines betrieblichen Gesundheitsmanagements umzusetzen. Es werden eine kommunale Verwaltungsbehörde, ein mittelständischer Produktionsbetrieb und ein Non-Profit-Unternehmen beschrieben, da diese sich thematisch und strukturell unterscheiden. Dies soll der LeserInnenschaft den möglichen Transfer in die Praxis des bio-psycho-sozialen betrieblichen Gesundheitsmanagements erleichtern.
Fallbeispiel I: Landkreis Zukunftsblick (abgekürzt ZuBli):
Der Landkreis ZuBli ist eine kommunale Behörde von hoher regionaler Bedeutung, da er ca. 1.400 MitarbeiterInnen unterschiedlichster Professionen beschäftigt. Dazu gehören die Verwaltung, EDV-Fachkräfte, MediengestalterInnen, HandwerkerInnen (u. a. GärtnerInnen, StraßenbaumitarbeiterInnen), IngenieurInnen, technische ZeichnerInnen, ArchitektInnen, SozialpädagogInnen und MitarbeiterInnen des Gesundheitswesens (z. B. ÄrztInnen, PflegerInnen, Lebensmittelkontrolleure). Weitere Personen sind in der Abfallwirtschaft, als RaumpflegerInnen, KüchenhelferInnen sowie im Rettungsdienst beschäftigt. Die Verwaltung des Landkreis ZuBli ist hierarchisch gegliedert. Die oberste Stelle verkörpert die LandrätIn, der Dezernate und Ämter mit ihren Abteilungen unterstellt sind. Diese unterteilen sich wiederum in unterschiedliche Sachgebiete. Der Landkreis ZuBli befindet sich im ländlichen Raum und umfasst 18 Gemeinden. Er dehnt sich über eine Fläche von 1.354,3 m3 mit einer Bevölkerungsdichte von 132 EinwohnerInnen / m3 (ca. 178.676 EinwohnerInnen) aus. Nun plant der Landkreis ZuBli ein systematisches BGM aufzubauen und kontinuierlich umzusetzen. Ziel ist es, sowohl die Arbeitsfähigkeit der MitarbeiterInnen bis zur Rente zu gewährleisten, als auch die Arbeitszufriedenheit zu erhöhen und gesundheitliche Belastungsfaktoren zu minimieren.
Transferaufgabe: Welche Ressourcen und Belastungsfaktoren können Sie beim Landkreis ZuBli entdecken?
Fallbeispiel II: Mittelständischer Betrieb Hephai GmbH & Co. KG:
Dieser mittelständische Betrieb wurde im Jahr 1895 gegründet und stellt Metallgussteile her. Der Betrieb wird als GmbH & Co. KG geführt und verfügt über ein Stammkapital von 2,0 Mio. EUR. Das Betriebsgelände gehört zum Betriebseigentum und verzeichnet eine Fläche von 30.000 m2. Die Belegschaft umfasst 232 MitarbeiterInnen in Vollzeit. In der Fertigung sind die Arbeitsgänge eingeteilt in die Bereiche Formen und Gießen, Reinigen der Fertigungsteile, CNC-Fräsen, Montieren und Lackieren. Im Bereich der Verwaltung und des Vertriebes handelt es sich um Büroarbeitsplätze mit häufigem, persönlichem, telefonischem und schriftlichem Kundenkontakt. Der Betrieb plant die Bereiche Personalmanagement, Qualitätsentwicklung, Arbeitsschutz, Fehlzeitenmanagement und Gesundheitsförderung zu verknüpfen. In den letzten Jahren lässt sich eine Erhöhung der Krankheitsrate um 10 % in der Fertigung und um 5 % in der Verwaltung feststellen. 93 % der Belegschaft sind männlichen und 7 % weiblichen Geschlechts. Die weiblichen Mitarbeiterinnen sind ausschließlich in der Verwaltung und im Vertrieb tätig. Die Altersverteilung beträgt 9,3 % in der Alterspanne unter 30 Jahren, 9,5 % zwischen 30 und 39, 37 % zwischen 40 und 49 Lebensjahren sowie 32 % sind Personen im Alter zwischen 50 und 59 Jahren sowie 12,2 % der Belegschaft sind bereits über 60 Jahre. Die meisten Arbeitsunfähigkeitstage sind unspezifisch (40,2 %), d. h. dem Betrieb liegen keine Daten vor. 18,3 % der ArbeitnehmerInnen leiden unter Muskel-Skelett-Erkrankungen, 16,1 % unter Erkrankungen der Atemwege, 13, 5 % unter Erkrankungen der Verdauungsorgane und 11,9 % unter Psychischen und Verhaltensstörungen laut AOK Bericht 2020.
Die Personalleitung intendiert mit der Einführung des BGM eine Reduktion von Muskel-Skeletterkrankungen, die Verbesserung des Betriebsklimas sowie der MitarbeiterInnenzufriedenheit und die Maximierung der Produktqualität. Die Geschäftsführung klagt über mangelnde Innovationsbereitschaft der MitarbeiterInnen und eine hohe Fluktuationsrate insbesondere bei jungen MitarbeiterInnen.
Transferaufgabe: Welche Ressourcen und Belastungsfaktoren können Sie bei der Hephai GmbH & Co KG entdecken? Wodurch unterscheiden sich die möglichen gesundheitlich relevanten Themen und Strukturen vom Landkreis ZuBli.
Fallbeispiel III: „Werkstatt Menschen mit Behinderungen: Carpe Diem gGmbH“
Die Carpe Diem gGmbH wurde im Jahr 1968 gegründet. Die Hauptaufgabe der Werkstatt ist es, die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für Menschen mit geistiger oder psychischer Behinderung zu fördern. Im Gesellschaftervertrag der Einrichtung ist die Förderung, Betreuung, Ausbildung, Beschäftigung und Eingliederung von Menschen mit Behinderungen verankert. Die Angebote beinhalten stationäres und teilstationäres Wohnen und die Eingliederung ins Arbeitsleben. Zum aktuellen Zeitpunkt sind in diesem mittelständischen Unternehmen 205 Menschen mit einem Altersdurchschnitt von 46 Jahren in der Verwaltung und der Betreuung tätig. 513 Beschäftigte mit Behinderungen werden in folgenden Tätigkeitsfeldern Arbeitsmöglichkeiten angeboten: Druckerei, Floristik, Kleidersammlung- und verkauf, Garten- und Landschaftsbau, Holz- sowie Metallverarbeitung (Abb. 11). Hier beträgt der Altersdurchschnitt 40 Jahre.

Abb. 11: Organigramm der Carpe Diem gGmbH
In einem Werkstattladen wird ein umfangreiches Sortiment an Holzprodukten und Druckerzeugnissen für Haus, Büro und Garten angeboten.
Mit über 65 % ist der Paritätische Wohlfahrtsverband e.V. HauptgesellschafterIn. Mit über 20% zählt die Stadt zur zweitgrößten AnteilseignerIn. Die übrigen Anteile verteilen sich auf den Landkreis, örtliche Kirchengemeinden und Ortsvereine der Lebenshilfe und weitere Vereine wie z. B. das DRK.
Der Jahresumsatz beläuft sich auf über 18,5 Millionen €. Ca. 73% fließen aus Leistungsentgelten und der Rest aus Arbeitserlösen des Produktions- und Dienstleistungsbereichs.
Transferaufgabe: Welche Ressourcen und Belastungsfaktoren können Sie bei der WfbM Carpe Diem gGmbH entdecken? Welche Unterscheide erkennen Sie zu Fallbeispiel I und II?
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