Orte - Eine Sammlung skurriler und unterhaltsamer Fakten

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Zum besseren Verständnis: „Widersehend“ heißt, der Adler blickt Richtung Schwanzgefieder und „kürsch“ bezeichnet ein Pelzmuster.
Das Landeswappen von Burgenland ist das jüngste in Österreich und wurde 1922 vom Wappenkundler Alfred Anthony von Siegenfeld aus zwei alten Wappen mittelalterlicher und mit der Region verbundener Adelsgeschlechter zusammengebastelt. Jenes von Mattersdorf-Forchtenstein spendete den Hintergrund (Adler, Fels und Kreuzchen) und jenes von Güns-Güssing den „Herzschild“ (kürsch und rot).
Das Geschlecht der Mattersdorf-Forchtensteiner stammt ursprünglich aus Deutschland und, wenn man noch weiter zurückgeht, sogar aus Aragón in Spanien. Wo sie das Wappen bereits im 14. Jahrhundert benutzten. Die Güssinger wiederum waren eigentlich nicht aus Güssing und hießen auch nicht so. Sie waren die „Herren von Güns“ und eine alte ungarische Oligarchenfamilie mit Hauptsitz Kőszeg (= Güns). Genau genommen ist das Wappen also spanisch-ungarisch.
Jedenfalls ist das Landeszeichen des vergleichsweise flachen Burgenlands das einzige in Österreich, das einen Berg zeigt.
Freiorgel und andere Krachmacher
Spezielle Schätze der Festung Kufstein
Die Festung Kufstein (T) beherbergt die größte Freiorgel der Welt, die sogenannte „Heldenorgel“. Sie besteht aus nicht weniger als 4.948 Pfeifen, die den Besuchern jeden Tag um zwölf ein kleines Konzert vororgeln.
Doch damit nicht genug, gehören zur Feste auch noch Purlepaus und Weckauf. Auch wenn die Namen eher nach Glocken klingen, handelt es sich bei beiden um Kanonen. Genauer gesagt um zwei „Feldschlangen“, die früher 100-Kilo-Geschosse verschossen. Diese Kaliber ließ nämlich einst Kaiser Maximilian holen, weil er bei der Belagerung der Festung Kufstein von deren Kommandanten Pienzenau verhöhnt wurde (so geht die Sage). Dazu Anastasius Grün in seinem Gedicht „Max vor Kufstein“ (Ausschnitt):
„Da wurde König Maxen die Zeit wohl etwas lang,
Das pochend schon sein Herzschlag bis durch den Panzer klang;
Da sandt’ er gegen Innsbruck hinauf ins Waffenhaus:
‚Schickt doch einmal den Weckauf mir und den Purlepaus!‘
Die Mauern Kufsteins wanken, wo seine Kugel traf,
Der Weckauf, statt zu wecken, singt Manchen in den Schlaf,
Der Purlepaus schlug grimmig ins starke Bollwerk drein;
Hurrah! die Riesenwände laut donnernd stürzen ein!“
Der Kaiser ließ übrigens noch mehr Kanonen aus Innsbruck heranschaffen, unter anderen die drei Damen Schöne Kathl, Türkische Kaiserin und Burgunderin. Purlepaus und Weckauf sind sogar relativ zierlich, wenn man sie mit Pumhart von Steyr vergleicht: Dieses ist ein inzwischen im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien ausgestelltes Monster von Kanone (korrekt „Bombarde“), Kaliber 88 cm, das Kugeln mit einem Gewicht von 690 (!) kg verschoss. Sprachlich, oder besser gesagt onomatopoetisch, dürften jedoch sowohl Purlepaus als auch Pumhart doch mit der weitaus friedlicheren Glocke Pummerin in Wien verwandt sein.
Geheimzoo
Wo in Österreich Gorillas wohnen
Wer in Österreich Zoo sagt, meint in den meisten Fällen den Wiener Tiergarten Schönbrunn. Und der ist natürlich voll super, einer der ältesten, einer der tollsten, einer der modernsten, einer der fruchtbarsten … Aber Schönbrunn ist bei Weitem nicht der einzige Zoo in Österreich. Recht bekannt sind etwa jener in Innsbruck oder der Tiergarten Hellbrunn in Salzburg sowie die Tierparks Herberstein (ST) und Stadt Haag (NÖ). Dazu kommen noch eine ganze Reihe von kleinen Zoos und Sammlungen, die oft regionalen Tierarten oder einem gewissen Thema gewidmet sind. Aber das ist nicht alles.
Denn in der oberösterreichischen Gemeinde Krenglbach, unweit von Wels, liegt gut versteckt ein erstaunlich großer und gut ausgestatteter Tiergarten namens „Zoo Schmiding“. Der Zoo Schmiding bietet unter anderem die größte begehbare Greifvogelfreifluganlage der Welt mit insgesamt 25.000 m3 Raumvolumen und Bewohnern wie Gänsegeier, Wollkopfgeier, Kondor, Milan. Diese gigantische Voliere ist auch der Ursprung des Zoos, der 1982 als Österreichs größter Vogelpark eröffnet wurde. Mittlerweile ist die Sammlung aber außerordentlich gewachsen. So findet man Giraffen, Nashörner, Faultiere, Tiger usw. Dazu gibt es einen angeschlossenen Aquazoo mit Österreichs größtem Meeresaquarium sowie einen Anthropodenzoo (Kriechtiere) inklusive Schmetterlingsraum. Außerdem hat der Zoo Schmiding als einziger Zoo Österreichs Gorillas!
Das Gehege der Menschenaffen, eine der Natur nachempfundene „Gorilla-Bai“, gliedert sich auf 1800 m2 in einen Außenbereich, einen klimatisierten Innenbereich und eine Schlafanlage. Bei den Gorillas in Oberösterreich handelte es sich um eine Junggesellengruppe und bei Bedarf wurden die Herren auch schon in andere Zoos exportiert. So zum Beispiel wurde 2008 der Schmiedinger Leitgorilla Bukavu ins englische Blackpool übersiedelt, wo er den gerade vakant gewordenen Platz als Harem-Chef einnahm und mittlerweile auch schon für Nachwuchs gesorgt hat.
Von AM bis ZT
St. Pöltner Buchstabenrätsel
Wer auf der Westautobahn an St. Pölten vorbeifährt – und, Hand aufs Herz, die meisten Österreicher fahren eher an St. Pölten vorbei als dorthin –, hat sich vielleicht schon einmal über die eigenartigen Farbflecken auf der Lärmschutzwand der A1 bei der Durchquerung des Ortsgebiets gewundert. Bei näherer Betrachtung von deren verschiedenfarbig gestalteten Balken lassen sich nämlich ein sehr stark reduziertes Wappen des Landes (gelbe, ununterbrochene Streifen auf blauem Grund ergeben stilisierte Adler) sowie auf den ersten Blick kryptische und zufällig wirkende Buchstaben erkennen.
Was könnten diese Buchstaben bedeuten?, fragt sich da so mancher Autofahrer (oder besser, weil sicherer, der Beifahrer). Haben sich hier vielleicht verspielte Bauarbeiter mit ihren Initialen verewigt? Handelt es sich um einen Code der ASFINAG? Oder um Aktenzeichen der Landesbehörde? Die Lösung ist tatsächlich diese: Die Buchstaben repräsentieren alle Autokennzeichenzeichen Niederösterreichs. In alphabetischer Reihenfolge von AM für Amstetten bis ZT für Zwettl. Achten Sie das nächste Mal doch darauf, wenn Sie sich auf Höhe Kilometer 54 der Westautobahn befinden.
Doch kein Friedhofsexpress
Geplante und reale Hilfe für die Simmeringer „Begräbnisstraße“
Als der Wiener Zentralfriedhof 1874 eröffnet wurde, war die einzige Möglichkeit, die Leichen Verstorbener dorthin zu befördern jene, sie mit Pferdefuhrwerken zu transportieren. Nun sind Pferdefuhrwerke nicht sehr schnell, der Weg nach Simmering war weit, die Leichen nicht immer ganz frisch … Kurz: Es galt, die Simmeringer Bevölkerung vom dauernden Durchzugsverkehr der Totentransporte zu entlasten. Ideen zur Lösung gab es einige, wie eine eigene Eisenbahnlinie für Leichentransporte, eine „Dampf-Tramway“ am Donaukanal entlang oder eine Art U-Bahn zum „Zentral“.
1874 schlug Franz Felbinger, Techniker, Industrieller und Maler gemeinsam mit dem Architekten Josef Hudetz eine neu revolutionäre technisches Lösung vor – die „pneumatische Leichenbeförderung“. Die Idee war, nahe der Innenstadt im dritten Bezirk eine katholisch-evangelisch-jüdische dreigeteilte Begräbnishalle zu schaffen. Der Transport der Leichen von dort nach Simmering sollte dann mittels unterirdischer Rohrpostanlage erfolgen. Soll heißen, die Särge wären dafür in Kapseln geschlossen worden, die – angetrieben durch eine 150-PS Hochdruck-Dampfmaschine – die zirka 4,5 Kilometer lange Röhre in rasanten 10 Minuten überwinden sollten. Klingt gut, was aber, wenn durch einen Defekt Särge irgendwo unterwegs steckengeblieben wären? Es wäre kaum möglich gewesen, sie schnell zu bergen. Mit allen unangenehmen Folgen.
Deswegen blieb es lediglich beim Plan. Und erst 1918 löste eine andere Form der Modernisierung das Problem: Leichentransport per elektrifizierter Straßenbahn – die sprichwörtliche „Schwarze Tram“. Ab dem Jahr 1925 mit eigenen motorisierten Leichenwagen eingesetzt und heute im Wiener Bestattungsmuseum als Lego-Modell erhältlich.
Franz Felbinger modifizierte seine Idee danach jedoch und konnte sie schließlich erfolgreich an die Wiener Post verkaufen. 1875 wurde die „pneumatische Rohrpostanlage“ mit insgesamt 14 Kilometern in Betrieb genommen.
Hochalpine Superlative
Von begehbaren Kreuzen, tibetischen Dörfern und Holzpferden
Die im Jahre 1212 erstmals urkundlich erwähnte Jagdhausalm (T), heute im Nationalpark Hohe Tauern gelegen, ist eine der ältesten, wenn nicht sogar die älteste Alm Österreichs. Aufgrund ihrer uralten und unter Denkmalschutz stehenden Steinhäuser, die an eine ganz andere Weltgegend erinnern, wird sie auch als „tibetisches Dorf“ oder „Tibet in Österreich“ bezeichnet.
Beim sogenannten Jakobskreuz handelt es sich um ein Gipfelkreuz der anderen Art. Es ist knapp unter 30 m hoch, hat die Form eines Doppelkreuzes – es gibt nicht zwei, sondern vier Seitenteile des Kreuzes, die jeweils 90 Grad voneinander entfernt in vier Himmelsrichtungen weisen – und ist begehbar. Tatsächlich ist das Kreuz also ein Gebäude, genauer gesagt ein Aussichtsturm, aber aufgrund seiner Position tatsächlich gleichzeitig auch ein Gipfelkreuz. Es steht auf knapp 1500 m Höhe auf der auch als Aussichtsberg im Pillerseetal (T) bekannten Buchensteinwand und ist das größte seiner Art. Das heißt, es wird als „größtes begehbares Gipfelkreuz“ der Welt beworben – obwohl eine (oberflächliche) Internetsuche nicht verifizieren konnte, dass es überhaupt noch andere gibt.
Das erste dokumentierte Gipfelkreuz befand sich auf dem höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner. Dieses wurde 1800 auf Anregung von Franz II. Xaver Altgraf von Salm-Reifferscheidt anlässlich seiner Erstbesteigung aufgestellt. Seit 1880 steht an seiner Stelle das sogenannte „Kaiserkreuz“.
Der Großglockner (3798 m) ist übrigens erst seit dem Ende der Kaiserzeit der höchste Berg Österreichs. Davor wurde er vom Ortler (3905 m) und der Königsspitze (3851 m) überragt, die sich allerdings in Südtirol und somit inzwischen in Italien befinden.
Zwar durchaus mitten im Alpenraum, allerdings eher niederalpin, befindet sich in Loipersdorf (ST) das größte Holzpferd der Welt. Es ist 18 m hoch, 5 m breit, 20 m lang und ebenfalls begehbar. 40 Personen passen hinein. Genug, um einer griechischen Invasionsarmee die Tore zu öffnen. Weshalb das Pferd auch passenderweise „Austrojaner“ genannt wird
Burgen-Land
Vulkane, Schrägaufzüge und ein wenig Dracula
Österreich ist voll von interessanten und ganz speziellen Burgen und Schlössern, wie etwa
•Burg Hochosterwitz (Sankt Georgen am Längsee, K), urkundlich bereits 860 erwähnt und seit ihrem Umbau im 16. Jahrhundert wohl eine der optisch beeindruckendsten Burganlagen Österreichs. Ein langer, von Mauern gesäumter Steinweg führt teilweise im Zickzack, teilweise spiralförmig auf den Berg und wirkt aus der Vogelperspektive fast wie ein steinernes Schneckenhaus. Der Weg wird von 14 Toren unterbrochen beziehungsweise bewacht, wobei jedes Tor seinen eigenen Namen und eigene bauliche Charakteristika hat – bis man die eigentliche Burg auf dem steilen Dolomit-Felsen erreicht. Ein früher für Feinde kaum zu überwindender und auch noch heute für Touristen recht beschwerlicher Weg. Es gibt zwar einen „Hintereingang“, der ist dafür aber ziemlich steil. Seit 1993 kann man die Burg nun auch per Aufzug, korrekt Schrägbahn, besuchen. (Quasi eine kleine Schwester des Lärchwand-Schrägaufzugs am Stausee Kaprun, seines Zeichens der größte offene Schrägaufzug Europas und „das personenbefördernde Schienenfahrzeug mit der größten Spurbreite der Welt“.) Der Name der Festung hat übrigens weder mit Ostern noch mit Witzen zu tun, er leitet sich von Ostrovica, „die Scharfe“ oder „die Kantige“, ab.
•Die 900 Jahre alte Riegersburg (bei Riegersburg, ST), die auf einem erloschenen Vulkan liegt.
•Burg Forchtenstein (bei Forchtenstein, B), in der man ein Gemälde, genauer: ein seltenes Ganzkörperporträt, des walachischen Fürsten Vlad Tepes III., genannt Vlad Drăculea, bestaunen kann. Ja, genau dieser Drăculea („Sohn des Drachens“), die lebende Vorlage für Bram Stokers Graf Darcula. Der Grund dafür liegt in der weit verzweigten Verwandtschaft des österreichischen Adels (in diesen Fall der Familie Esterházy). Übrigens: Stoker wollte seinen Roman ursprünglich in Österreich, vermutlich in der Steiermark, ansiedeln und entschied sich erst später für das entferntere Transsilvanien.
Kärntner Büffelfedern und die Löwen aus Mödling
Die kuriose Welt der Bundesländerwappen – Teil 2
Das Wappen von Kärnten gibt es gleich zwei Mal. Einmal das „kleine“, das offiziell so beschrieben wird: „Der Schild des Landeswappens ist von Gold und Rot gespalten; vorn sind drei schwarze, rot bezungte und gewaffnete Löwen übereinander, hinten ein silberner Balken.“ Was für laienhafte Betrachter so viel heißt, wie der Schild hat zwei Teile, rechts ist er rot-weiß-rot, links sieht man drei Löwen. Die eigentlich aus Mödling stammen, genauer gesagt von der Mödlinger Seitenlinie der Babenberger. Deren Löwen allerdings erst nach dem Aussterben der Babenberger für das Wappen des Herzogtums Kärnten verwendet wurden. Der rechte Teil des Schildes steht für Österreich.
Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Denn Kärnten hat als einziges Bundesland neben Wien auch ein „großes Wappen“, auch „Vollwappen“ genannt. Im Ernst.
Das große Kärntner Wappen ist doppelt so hoch (!) und doppelt so breit (!) wie das normale. Die offizielle Beschreibung lautet: „Der gekrönte Turnierhelm mit rot-goldenen Decken trägt zwei goldene Büffelhörner, die außen mit je fünf goldenen Stäbchen besteckt sind, von denen rechts je drei schwarze, links je drei rote Lindenblätter herabhängen.“
Laienhaft beschrieben handelt es sich um einen Ritterhelm (inklusive Schulterteil) mit goldener Krone, aus dem links und rechts Stoffstreifen mit etwa 30 Enden herausragen. Aus der Krone selbst wachsen zwei Hörner, aus denen wieder nach außen je fünf parallele horizontale Streben sprießen, an denen wiederum rechts 15 rote und links 15 schwarze Herzchen baumeln. Uff.
Offiziell nennt man das verniedlichend „Helm, Helmzier und Helmdecken“, insgesamt erinnert es optisch aber eher an ein aufgetakeltes Glockenspiel. Damit nicht genug: Die Büffelhörner waren ursprünglich Pfauenfedern und die Laubstangen Fähnchen. Sie gehen auf einen Helmschmuck von Herzog Ulrich III. von Kärnten zurück. Zu näheren Details befragen Sie bitte Ihren Heraldiker, Genealogen oder Heimatkundler.
Sportliche Heimleuchtung
Ein Leuchtturm und ein Weltcup in Podersdorf
Der Neusiedlersee, gelegentlich auch „die größte Badewanne Österreichs“ genannt, obwohl der maximal 1,8 m tiefe See bei Wind und Sturm durchaus sehr gefährlich sein kann, beheimatet seit 1998 ein Weltsportereignis. Denn jährlich findet hier rund um den 1. Mai der „Surf Weltcup“ statt. Genauer gesagt ist Podersdorf am See (B, Ungarisch: Pátfalu) die Heimstätte dieses Events. Als Disziplinen werden ein Freestyle-Bewerb, ein Tow-In-Bewerb (Windsurfen ohne Wind, nachts bei Flutlicht) sowie ein Kitesurf-Slalom (Surfen mittels Lenkdrachen) ausgetragen. Dazu gibt’s Konzerte und Partys, bis der Onkel Doktor kommt.
Podersdorf hat aber noch eine weitere nautische Besonderheit zu bieten: Der Leuchtturm Podersdorf ist einer der ganz wenigen (tatsächlich als solche betriebenen) Leuchttürme in Österreich und wahrscheinlich der südlichste im ganzen deutschsprachigen Raum.
Ausländisches Inland
Seltsame österreichische Ortsnamen – Teil 2
Österreichs Orte sind nicht nur – vermeintlich – schweinisch, sondern auch geografisch interessant. Steyr liegt nämlich in Oberösterreich, Tirol dafür in der Steiermark. Und Thüringen in Vorarlberg. Amerika ist im Innviertel (OÖ) zu finden, Chikago dafür in Kittsee (B), Gallizien, Malta, Schwarzindien und Türkei jedoch in Kärnten. Mexiko liegt in Schrems (NÖ), Russland in Schwoich (T), Wolga bei Weiz und Rostock bei Deutschlandsberg (ST). Und Österreich schließlich liegt in Berndorf (ST).
Auch sprachlich geben sich Österreichs Ortsnamen den Nachbarländern gegenüber aufgeschlossen: Tschau liegt nicht weit weg von Italien in Kärnten. Kraß auch, ob das allerdings besonders deutsche Touristen anzieht, ist nicht bekannt. Im ehemals von der Kirche regierten Salzburg findet man sogar die Ortschaft Latein.
Im Übrigen entfalten viele österreichische Ortsnamen ihr Humorpotenzial erst so richtig, wenn man sie englisch ausspricht. Wie Rottenegg (OÖ), wo man auf sein Frühstücksei vielleicht besser verzichten sollte. „Abseiling“ ist ein echtes englisches Wort für eine Trendsportart, Zupfing, Kubing, Hareding in Wendling (OÖ) harren noch ihrer Erfindung. Gaming (NÖ) gibt es dafür schon, genau wie Kicking (OÖ) und Going (T). Mining (OÖ) betreibt man in Österreich an so mancher Stelle, Pisching (NÖ) eher im Internet. Auch eher gefährlich klingt Persching (K). Wildermieming (T) klingt nach grimassierenden Schauspielern oder aber Darstellern in Billy-Wilder-Filmen. But that’s the Point (T). In vielen dieser Orte finden sich in der Reisezeit Amishaufen (T), vielleicht sogar auf der Suche nach dem Missingdorf (NÖ)? Worauf ein echter US-Bürger wohl antworten würde: Damreith (OÖ)!
Wankham (OÖ) ist für alle lustig, die wissen, was „wank“ beziehungsweise „ham“ im umgangssprachlichen Englisch einzeln oder auch in Kombination bedeuten. Aber auch auf Deutsch bleibt es immerhin eine nette Aufforderung an einen Wirtshausgast zur Sperrstunde.
Urin auf Schienen
Wie der Flascherlzug in Stainz zu seinem Namen kam
Seit 1892 dampft die „Stainzerbahn“ (ST), eine der letzten und ältesten dampfbetriebenen Schmalspurbahnen Österreichs, durch die Gegend. Sie heißt auch „Lokalbahn Preding–Wieselsdorf–Stainz“, was zugleich ihre heutige Strecke beschreibt. Außerdem trägt sie noch die Bezeichnung „Flascherlzug“. Und das deswegen, weil hier einst ein Volksdoktor (Bauerndoktor, Natur- oder Wunderheiler, je nach Sichtweise) namens „Höllerhansl“ praktizierte, dessen Spezialität es war, das Krankheitsbild seiner Patienten aus deren Urin zu erkennen. Womit er der ehrwürdigen Tradition der medizinischen „Urinschauer“ folgte. Er war zu seiner Zeit sehr populär und der beste Weg, ihn zu erreichen, war mit der Bahn. Es reisten also haufenweise Patienten zum Höllerhansl (eigentlich Johann Reinbacher), alle mit einer in einem Fläschchen transportierten Urinprobe im Gepäck. Und so wurde die Bahnlinie eben zum „Flascherlzug“.
Eine weitere Besonderheit der Stainzerbahn, die heute mit einer 1894 gebauten Lok angetrieben wird, ist ihre Farbgebung. Jeder Waggon, der auch einen eigenen Namen trägt, hat eine andere Farbe. Im Normalbetrieb sind das neben dem Generatorwagen die Waggons „Höllerhansl“ (grün), „Bergliesl“ (rot, nach einer Kräutersammlerin namens Elisabeth Strametz), „Kräuterwagerl“ (gelb) und „Schilcherschaukel“ (ein blauer Buffetwagen). Außerdem kommen noch manchmal die Wagen „Erzherzog Johann“ (rot), „Ölspur“ (grün) und der „Kinderwaggon“ (bunt) dazu. Die „Panoramawagen 1 und 2“ sind nicht so auffällig bunt gefärbt, haben dafür aber große Panoramascheiben.
Von vertikalen und horizontalen Türmen
Schräge Türme am Pyramidenkogel und in Lanzendorf
Wer einen besonders spektakulären Blick auf den Wörthersee werfen möchte, sollte den 851 m hohen Pyramidenkogel (K) besuchen. Und dort danach noch den 100 m hohen Aussichtsturm (eröffnet 2013) besteigen oder befahren. Denn man hat von dort nicht nur einen noch viel spektakuläreren Blick auf den See, der Turm ist auch eine Attraktion für sich. Die schraubenförmige Konstruktion ist nämlich der höchste aus Holz errichte Aussichtsturm der Welt. Er besteht aus elf Ebenen – auf einer davon befindet sich ein Veranstaltungsraum – und ist ganzjährig geöffnet. Wenn man dann von dem spektakulären Blick auf den Wörthersee genug hat, kann man schließlich die höchste und längste überdachte Rutsche Europas abwärtszischen. Vorausgesetzt, man ist ein Erwachsener oder schon über 130 cm groß.
Ein anderer besonderer Turm befindet sich seit 2017 in Lanzendorf in der Nähe von Mistelbach (NÖ). Er weist allerdings nicht, wie Türme es meistens tun, gerade nach oben und ist auch nicht schräg wie jener berühmte Turm in Pisa, sondern … horizontal. Tatsächlich handelt es sich bei diesem „Turm“ um ein begehbares Kunstwerk des deutschen Künstler Ingo Vetter. Als Grundlage dienten ihm 20 m Rohr mit etwa 3 m Durchmesser aus einer ehemaligen Windkraftanlage. Wie es sich für einen veritablen Aussichtsturm gehört, bietet auch dieses Rohr diverse Ausblicke. Dafür hat der Künstler mehrere Löcher in den Horizontalturm Lanzendorf eingebaut, die den Ausblick auf die umliegenden Schönheiten des Weinviertels erlauben: Dörfer, Kirchtürme, hügelige Landschaft, Felder … was man ebenso im Weinviertel zu sehen bekommt. Wem das zu wenig ist: An den gelb bemalten Innenwänden sind auch noch mehrere Fotocollagen der Künstlerin Magdalena Frey angebracht und ausgestellt.
Patriotische Wappenverbesserung
Von abgeschlagenen Köpfen und Urahnen in Lavamünd
Österreichische Wappen, seien es die von Bundesländern, Gemeinden oder Ortsteilen, bergen so manche Skurrilität.
Eine ganz besondere heraldische Geschichte hat das Wappen von Markt Lavamünd (K). Seit dem 17. Jahrhundert war darauf nämlich eine sogenannte „Johannesschüssel“ dargestellt. Wer jetzt dabei an eine Schüssel mit Johannisbeeren denkt, liegt falsch. Tatsächlich wurde hier das abgeschlagene Haupt von Johannes dem Täufer auf einem Teller beziehungsweise eben in einer Schüssel dargestellt. Und zwar bis 1959. Dann wurde das Wappen als für die moderne Zeit doch etwas zu fragwürdig empfunden und durch ein neues ersetzt. Dabei entschied man sich allerdings nicht für etwas für die Marktgemeinde Typisches, sondern für eine – zumindest von außen betrachtet – neuerliche Seltsamkeit. Das neue Wappen zeigt nämlich eine … Urne. Diesmal allerdings wenigstens keine Begräbnisurne, sondern eine, die für Wahlzwecke verwendet wird.
Erinnert wird damit an die Volksabstimmung von 1920. Diese wurde im Zuge der Neuaufteilung der österreichischen Gebiete nach dem Ersten Weltkrieg in zum Teil von Slowenen bewohnten Gebieten Südkärntens abgehalten. Zur Wahl stand die Angliederung an Österreich oder an das damalige Jugoslawien. Lavamünd entschied sich für Österreich und vermutlich weil es sich bei der Gemeinde 1959 noch um eine Grenzgemeinde zu Jugoslawien handelte, wollte man mit der Schildsymbolik wohl ein weiteres klares Bekenntnis zu Österreich dokumentieren. Daher ragt auf dem Wappen aus der Urne ein grüner Stimmzettel hervor, der 1920 für eine Stimme für Österreich stand. Die für Jugoslawien waren weiß.
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