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Manche Menschen fühlen sich mit der unsichtbaren Welt stärker verbunden als andere. Als Medium werde ich oft gefragt, ob meine Fähigkeit in meiner Familie liegt. Soweit ich weiß, bin ich der Einzige. Vor diesem Hintergrund glaube ich, dass spirituelle Neigungen auf Anlage und Umwelt zurückzuführen sind. Unsere Umwelt formt unsere Empfänglichkeit für Spiritualität stark. Doch wir haben alle einen individuellen Ansatz, uns für unterschiedliche Perspektiven berufen zu fühlen. Meiner Meinung nach hat auch die Tatsache, dass ich Einzelkind bin, stark dazu beigetragen, dass ich meine Intuition verfeinern konnte. Ich hatte niemand, der mir widersprochen hat. Ich musste mich bei vielem allein anstrengen und wurde durch das Gelernte transformiert. Ich war ein stilles Kind, hatte wenige Freunde und zog die Gesellschaft Erwachsener der von Kindern vor. Diese isolierende Eigenschaft machte mich eher introspektiv und führte dazu, dass ich auf mein Schlagzeug einhämmern konnte, ohne von anderen »korrigiert« zu werden. Die Tatsache, dass Mystik sowohl die organisierte Religion als auch die alternative Spiritualität inspiriert hat, ist Beweis dafür, dass Menschen schon immer ihre eigene Interpretation des Mystischen vornahmen. Aufgrund ihrer transzendenten Natur müssen wir das, was wir durch das uns Bekannte wissen, selbst zusammenfügen. Das ist meiner Meinung nach der Grund, weshalb so viel Uneinigkeit und so viele Widersprüche um die Frage bestehen, wer der Sendende des Mystischen ist: Die Menschen versuchen, einer Sache, die nicht so einfach definiert und kategorisiert werden kann, Merkmale zuzuschreiben.
Deshalb denke ich, ist es wichtig, niemals zu großes Vertrauen in den Ursprung spiritueller Botschaften zu haben. Weil ich ein Medium bin, gehen die Leute häufig davon aus, dass ich bei einem Reading direkt mit dem geliebten verstorbenen Angehörigen einer Person kommuniziere. In Wahrheit habe ich eine bestimmte Beziehung zu denen, die ich meine Führer nenne, und sie übernehmen für mich einen Großteil der Kommunikation mit dem Bewusstsein, das eben durchkommt. Meine Führer sind mir ein Rätsel, ja sogar unfassbar, und ich habe den Versuch aufgegeben, herausfinden zu wollen, wer »sie« genau sind. Sie existieren, sie helfen mir, Botschaften zu erhalten und auszusenden, und das ist alles, was mir wirklich wichtig ist. Ich fordere auch Sie auf, keine Zeit für den Versuch zu verschwenden, den Sender dieser tiefgreifenden Einblicke zu suchen, wenn Sie diesen spirituellen Weg beschreiten. Gibt man sich damit zufrieden, nicht immer genau Bescheid zu wissen, erkennt man besser, was man weiß. Je mehr man lernt, desto klarer wird einem, wie wenig ein Mensch wirklich verstehen kann. Es ist nicht unsere Aufgabe, das alles herauszufinden. Wir müssen erkennen, wozu wir uns berufen fühlen und was uns zu mystischen Erfahrungen inspiriert. Unsere Rolle ist nur zu empfangen, zuzuhören und die Welt dadurch auf unsere einzigartige Weise besser zu machen.
Vieles von dem, was die New-Age-Bewegung definiert, hat den Ruf, ein Sammelsurium aus alten und neuen Glaubenssätzen ohne Lehre zu sein, die alle unter einem Begriff zusammengefasst werden. Es ist wichtig zu wissen, dass ein Unterschied zwischen einem spirituellen, nicht-konfessionellen Leben und dem Eintauchen in die New-Age-Glaubenssysteme besteht. Ein großer Teil der New-Age-Bewegung stammt aus der Neugeist-Bewegung, einer früheren Ideologie, die auch die Metaphysik, das Gesetz der Anziehung, persönliche Ermächtigung und die Zuwendung zu Glaubensformen umfasst, die für »östlich« gehalten wurden. Die europäische Elite war Anfang des 19. Jahrhunderts prinzipiell von den Glaubensrichtungen und -praktiken Tibets, Indiens, Ägyptens und anderen populär gewordenen Ländern fasziniert. Das Chakra-System wurde vom Hinduismus übernommen und mit buddhistischen Philosophien vermengt. Energieheilung, Intuition und Yoga begannen, Buße, Sünde und Himmel beziehungsweise Hölle zu ersetzen. Die Menschen hatten genug von Fundamentalismus und Fegefeuer und wünschten sich eine persönlichere Beziehung zu Gott. Sie suchten in alten Religionen, der Mythologie und Überlieferungen nach etwas, woran sie glauben konnten. Im Versuch, Spiritualität jenseits des jüdischchristlichen Narrativs zu finden, gelangten sie zu einem neuen Sammelsurium von Konzepten. Und dabei blieb es.
Die Neugeist-Bewegung wurde in New-Age-Bewegung umbenannt, und die 1960er-Jahre trieben eine ganz neue Glaubenswoge an. Intuition und übersinnliche Wahrnehmung wurden pauschal der Kategorie des New Age zugeschrieben, aber das lag nur daran, dass sie unter Themen fallen, die die Öffentlichkeit aktuell als alternativ definiert. Das ist ein Beispiel dafür, weshalb es so wichtig ist, viele der allgemein akzeptierten Klischees rund um Spiritualität zu hinterfragen. Sie ist viel nuancierter und verflochtener, als die meisten Leute erkennen wollen. Obwohl in den vergangenen Jahrzehnten Schritte unternommen wurden, um mehr wissenschaftliche Einblicke in die Mechanismen zu gewinnen, die bei der Intuition eine Rolle spielen, werden Wissenschaftler nie eine Antwort auf das schwierige Problem des Bewusstseins finden, bis sie die spirituelle Natur der Realität nachweisen. Das ist eine universelle Wahrheit, zu der sich Religion und die ganze Menschheit intuitiv hingezogen fühlten, aber nie wirklich begreifen konnten. Die mystische Natur der Realität existiert, egal, ob wir daran glauben oder nicht. Manchmal wird uns klar, dass wir eine Erweiterung davon sind.
Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig die pragmatische Verfeinerung Ihrer Intuition ist. Wenn Sie durch die in diesem Buch beschriebenen Werkzeuge ein spirituelleres Leben führen, ist es wichtig, Ihre Hauptprioritäten auszubalancieren. Achten Sie auf Extreme, und seien Sie stets bereit, Ihre Meinung zu ändern, wenn Sie neue Informationen erhalten. Wenn Spiritualität nicht praktikabel ist, wieso sollte man sie dann praktizieren? Ich halte es für wichtig, sich vor Gewissheiten zu hüten, wenn man sich mit Spiritualität beschäftigt. Bei meiner Arbeit habe ich festgestellt, dass das Universum in der Sekunde, in der ich mir einer Sache sicher bin, eine gegensätzliche Botschaft schickt, um mir zu zeigen, wie wenig ich tatsächlich weiß. So glaubte ich zum Beispiel am Beginn meiner Laufbahn, dass der Geist kürzlich Verstorbener nicht mit einem Medium kommunizieren könne. Nachdem ich Hunderte Readings abgehalten hatte, in denen niemand Stunden oder Tage nach seinem Tod durchgekommen war, war ich der Meinung, das bedeute, dass Menschen kurz nach ihrem Tod nicht durchkommen können. Das würde gewiss Zeit brauchen. Diese Meinung äußerte ich in meinem ersten Buch »Zwischen zwei Welten«, und dann machte ich mit meinen täglichen Readings weiter. Natürlich fand das erste Reading, nachdem ich diese Meinung überzeugt niedergeschrieben hatte, mit einer Frau statt, deren Vater kristallklar durchkam. Er war erst am Vortag gestorben. Das sollte mich wohl Demut lehren!
Damit will ich sagen, dass es wichtig ist, die Information, die Sie erhalten, so zu nehmen, wie sie ist. Nehmen Sie sie auf, dokumentieren Sie sie, aber versuchen Sie nicht, sie zu etikettieren. Das erspart Ihnen viele Probleme und wird Ihnen helfen, leichter mit der Strömung zu schwimmen. Als Menschen suchen wir nach Mustern und Beständigkeit, um unsere Überzeugungen zu festigen. Doch die Mystik sabotiert dies. Wenn Sie diesen Weg in dem Wissen beschreiten, dass wir nur ein kleines Puzzleteil sind und das ganze Bild unmöglich erfassen können, wird der Versuch, das alles verstehen zu wollen, deutlich weniger stressreich.
Historisch gehörten zur Kommunikation mit dem Göttlichen bedeutsame Zufälle, Visionen und Gefühle, die der Logik trotzten. Deshalb ist es wichtig, dass ich die Bedeutung der psychischen Stabilität hervorhebe. Ausgeglichenheit ist fundamental, und wenn Ihre Spiritualität nicht zu Ausgeglichenheit führt, dann handelt es sich nicht um eine auf Gleichgewicht basierende Spiritualität. Um ein glückliches Leben führen zu können, müssen wir Pausen vom tiefschürfenden Denken einlegen können. Entscheidend ist, bei Zeichen und Vorahnungen sein Urteilsvermögen zu nutzen. Ich glaube fest daran, dass das wirklich Bedeutsame bedeutungslos wird, wenn man in allem Bedeutsames sieht. Die Intention ist ein sehr mächtiger Mechanismus der Spiritualität. Sie ist die Basis des Gebets und bestimmt alles, was wir tun. Vor jeder Aktion steht die Intention. Unser Handeln mag zwar ungewollte Folgen haben, doch die Fähigkeit zu intendieren ist für jedes bewusste Lebewesen elementar. Jedes Reading, das ich abhalte, beginnt mit dem Zusammentreffen zweier Intentionen: meiner und der meines Klienten. Ich kommuniziere die absichtsvollen Botschaften der Verstorbenen und – wie bereits erwähnt – meiner Führer. Diese Mechanismen sind bei Ihnen nicht anders als bei mir. Wenn Sie nach einem ausgewogeneren, auf Intuition basierenden Leben streben, hoffe ich, dass Sie auf die Intentionen achten, die Ihre Perspektive bestimmen.
Diese Achtsamkeit ist selbst eine Form der Intuition. Durch Selbsterkenntnis können wir bessere Mittler werden und unser Potenzial ausschöpfen und maximieren. Je mehr innere Arbeit Sie erledigen, um sich zu ergründen, desto mehr Verbindungen nach außen werden Sie herstellen können, wenn sie Ihnen gesandt werden. Die Synchronizität (zeitlich korrelierende Ereignisse, die nicht über eine Kausalbeziehung verknüpft sind, jedoch als miteinander verbunden, aufeinander bezogen wahrgenommen und gedeutet werden) hat mein Leben immens geprägt und bestimmt, und wenn Sie Ihre Intuition nutzen können, werden Sie Hilfe bekommen, von der Sie nicht einmal wussten, dass es sie gibt.
Mithilfe der Werkzeuge und Konzepte, mit denen ich Sie ausstatten werde, werden Sie ein ganzes Arsenal an Ideen zu bedenken und zu entscheiden haben, mit welchen Sie im Einklang stehen. Die Notwendigkeit der Praktikabilität ist auf dem Weg der Selbsterkundung und der Entwicklung entscheidend. Wachstum und spirituelle Entwicklung können chaotische Prozesse sein. Gefühle können an die Oberfläche dringen, die zuvor nicht da waren, und vielleicht teilt nicht jeder Ihre Begeisterung für Selbstentwicklung. Das ist in Ordnung. Das Einlassen auf Ihre Spiritualität und das Offensein für das, was sie Ihnen beibringen kann, ist ein zutiefst persönlicher Prozess, den nur Sie verstehen müssen.
Ihre Spiritualität und Intuition sollten Sie zum Handeln inspirieren und nicht etwa lähmen oder verängstigen. Ich erhalte viele E-Mails von Eltern, die meinen, ihr Kind sei ein Medium. Dann frage ich sie, was sie beobachtet haben, das darauf hindeutet, und die Geschichte ist meist die Gleiche. Gewöhnlich erzählt ihr Kind, dass es unheimliche Dinge sieht, weil es nicht allein schlafen will oder aufgrund seiner Erlebnisse nicht zur Schule gehen möchte. Meist stelle ich fest, dass die Menschen annehmen, ein kindliches Medium zu sein sei unheimlich. Ich kann die Zahl der beunruhigenden Augenblicke, die ich als Kind mit spirituellem Bewusstsein hatte, an einer Hand abzählen. In Wahrheit handelt es sich bei 95 Prozent dieser Fälle um ängstliche Kinder mit wilder Fantasie und um Eltern, die diese etwas zu ernst nehmen. Wir müssen das, was wir durch Filme und die Popkultur über ein Medium und die spirituelle Kommunikation allgemein wissen, aktiv vergessen. Es sollte nicht als unheimliche Sache trivialisiert werden, das im Dunkeln herumpoltert, und doch hält sich diese gängige Vorstellung von spiritueller Kommunikation hartnäckig. Ich sage das, weil es wichtig ist, dies bei Ihren eigenen spirituellen Aktivitäten zu bedenken. Entmystifizieren Sie jede Angst, die Sie vor dem Mystischen haben, denn andernfalls wird sie Ihre Bemühungen blockieren. Die spirituelle Welt ist ein Teil der Natur, ebenso existent wie die Umgebung, in der wir leben. Obwohl das Wort »übernatürlich« dieses Thema aus Sicht der Öffentlichkeit definiert, handelt es sich einfach um Natur, die man noch nicht versteht. Irgendwann wird man sie begreifen. Durch Ihre eigene Arbeit, Ihre Intuition zu verfeinern, sie zu erkennen und an die Oberfläche zu bringen, könnten Sie selbst dazu beitragen.
Es ist wichtig, der Logik, der Vernunft und dem kritischen Denken Bedeutung beizumessen. Deshalb lege ich bei einem Reading so großen Wert auf die Überprüfung der Informationen, die nur die Person, für die das Reading abgehalten wird, und der Geist, der durchkommt, kennen können. Jeder kann Ihnen erzählen, dass Ihr geliebter Angehöriger stolz auf Sie ist, aber es sind die Fakten und speziellen Details, die ein gutes Reading ausmachen. In gleicher Weise müssen wir ausgewogen an jedes Glaubenssystem herangehen, das wir annehmen, und wir müssen beide Seiten berücksichtigen. Betrachten Sie immer auch Gegenargumente. Mystik und im weiteren Sinne Spiritualität werden manchmal von Menschen mit materialistischer Herangehensweise als nicht greifbar, nicht praktikabel und vage betrachtet. Das sind sie aber nicht. Ich behaupte, dass Intuition zu vielen großen Leistungen und Erfindungen geführt hat. Als Menschen haben wir schon immer nach den Sternen gegriffen, um zu verstehen, wer uns erschaffen hat, und das hat einen Grund. Spiritualität nimmt uns mit auf Reisen, führt uns zu Erkundungen und ermuntert uns, neue Höhen zu erklimmen. Mystische Menschen sind die Revolutionäre ihrer Zeit, auch wenn sie sich selbst nicht als Mystiker bezeichnen. Vor allem Erfinder, Komponisten, Philosophen und Bürgerrechtsaktivisten wurden inspiriert, dem Ruf ihrer Seele zu folgen, um einen Beitrag für die Zukunft der Menschen zu leisten. Die Xerox-Maschine, das heißt der Fotokopierer, entstand, nachdem eine gechannelte Botschaft seinen Erfinder Chester Carlson bei einem Reading durch ein Medium erreichte. Er war durch diese Erfahrung so inspiriert, dass er die Erlöse seines Lebenswerks der psychischen Forschung stiftete. Von ideologischen Bewegungen bis hin zu praktischen Geräten, die wir im Alltag nutzen, irgendetwas hat die Idee im Geist des Erfinders hervorgerufen. Dieser Funke der Eingebung, dieser Augenblick der Erleuchtung kann nur der Intuition zugeschrieben werden.
Die gleiche Eingebung, die von den größten Geistern der Welt bewusst oder unbewusst genutzt wurde, ist etwas, auf das jeder von uns Zugriff hat. Wenn wir wissen, wonach wir Ausschau halten müssen, können wir sie verfeinern.
Um Ihre Intuition zu erkennen, betrachten Sie die Momente in Ihrem Leben, in denen Sie etwas wussten, ohne einen logischen Grund zu haben, zu diesem Schluss zu gelangen. Häufig können wir uns an Momente zurückerinnern, in denen wir unserer Intuition nicht gefolgt sind; das waren die Fälle, als sie versuchte, uns etwas mitzuteilen. Es kann in einer Gesellschaft – die uns konditioniert, zu glauben, dass Vorahnungen vernunftwidrig sind – schwierig sein, unserem Bauchgefühl zu folgen. Dennoch bestimmen Vorahnungen einen großen Teil unseres Verhaltens, ohne dass wir uns dessen voll bewusst werden, und ihre Nützlichkeit ist nicht zu leugnen. Intuition ist die Gabe des Wahrnehmungsvermögens. Wir nutzen unsere Wahrnehmung tagtäglich – von der Abwägung, wie wir uns fühlen, bis hin zur Entscheidung, was wir tun. Der Künstler nutzt die Wahrnehmung bei jedem Pinselstrich. Der Chirurg muss jeden Schnitt mit dem Skalpell abwägen. Die Intuition widerspricht der Logik nicht, sie wirkt mithilfe der geistigen Strukturen, die wir erschaffen und pflegen. Je mehr Sie logisch und informationell wissen, desto mehr kann die Intuition helfen und Sie beim Herangehen an alles, was Sie tun, leiten.
Wir müssen uns anstrengen und uns aktiv bemühen, die Dinge zu überwinden, die uns daran hindern, unsere spirituelle Natur zu erkennen. Wenn wir unseren Beitrag leisten, findet das Universum einen Weg, den seinen zu leisten, manchmal auf höchst geheimnisvolle Weise.
Als Medium habe ich durch die Readings eine Menge atemberaubender Bestätigungen erhalten. Doch das Geheimnisvollste, was ich je erlebt habe, geschah nicht bei einem Reading. Es ereignete sich, als ich einen Drucker reparierte.
Ich lebte 2017 mit meinem damaligen Freund und meinen Eltern zusammen. An einem Sonntagmorgen funktionierte der Drucker in meinem Zimmer nicht richtig, und ich bat meine Mutter, mir beim Lösen des Papierstaus zu helfen. Das tat sie, und wir arbeiteten etwa fünfzehn Minuten lang daran, den Drucker auf dem Boden zu reparieren. Ich war zunehmend frustriert, und dann passierte es. Auf einmal leuchtete der Drucker, auf den ich blickte, als richte jemand eine Taschenlampe direkt darauf. Nach wenigen Sekunden erhellte eine Lichtquelle hinter mir das Zimmer. Ein seltsamer Summton erfüllte den ganzen Raum und ließ meine Haare zu Berge stehen. Meine Mutter und ich blickten einander an, dann drehten wir uns zur Lichtquelle um. Nur etwa zwei Meter von uns entfernt bewegte sich ein helles blaues Licht knapp unter der Zimmerdecke. Es war etwa einen Meter breit und einen Meter lang. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Wir waren sprachlos und beobachteten, wie diese Lichtquelle unter der Decke sich allmählich zu verändern begann. Das leuchtend himmelblaue Licht, das den Raum erhellt hatte, schien in sich zusammenzufallen, und währenddessen wurde es von einem gelben Lichtschein umgeben, der wie Nebel schwebte. Aus diesem Nebel fiel goldene Glut auf den Teppich herab. Es dauerte nicht länger als ein paar Augenblicke. Wir beobachteten, wie dieses Licht unter seinem eigenen Gewicht zusammenzubrechen schien. Als ich die goldene Glut zu Boden fallen sah, stürzte ich mich darunter und versuchte, irgendwelche Reste aufzufangen. Meine Bemühungen waren vergebens. Während ich, meine Mutter neben mir, nach dem Licht griff, kam mein damaliger Freund herein, und seine Kinnlade klappte herunter. Wir drei waren Zeugen des bizarrsten Ereignisses, das jeder von uns je erlebt hatte und wohl auch erleben wird. Nach wenigen Sekunden fiel das Licht ganz zusammen und erlosch, und das statische Geräusch war kaum mehr als ein nachlassendes Surren.
Keiner von uns konnte sich dieses Erlebnis erklären. Wir zogen alles in Betracht, von einem Kugelblitz bis zu einer elektrischen Störung, aber keiner von uns konnte auch nur annähernd begreifen, welch tiefe Wirkung das Licht auf das Leben von uns allen hatte. Wir sprachen nicht so viel darüber, wie man vielleicht vermuten würde. Es war ein zutiefst persönliches Erlebnis, das uns alle auf unterschiedliche Weise beeinflusste. Meine Mutter sprach nur sehr ungern darüber und gesteht, dass es das Seltsamste war, was ihr je begegnet ist. Mein damaliger Freund und ich haben noch immer Kontakt, und ich fragte ihn kürzlich nach dem Licht. Erstaunlicherweise erklärte er, dass es das Geräusch gewesen sei, das ihn anfangs verblüffte, noch bevor er ins Zimmer kam. Die ganze Wohnung schien von dem Geräusch erfüllt zu sein und veranlasste ihn, in mein Zimmer zu kommen, wo er dann auch das Licht sah. Die Tatsache, dass von der goldenen Glut nichts übrig geblieben war, frustrierte und verwirrte mich sehr. Die Lichtperlen, die von der ursprünglichen Quelle herabfielen, hatten etwa die Größe eines halben Dollarscheins, und dennoch blieb nichts davon übrig oder verbrannte den Teppich. Was immer wir auch an diesem Sonntagmorgen in einer kleinen Wohnung in Los Angeles erlebt hatten, es kam von woanders her. Dessen bin ich mir sicher.
Mein eigenes Erlebnis passte zur Definition einer mystischen Erfahrung: Es war schwer zu beschreiben und für eine ungewöhnlich lange Zeit schwierig, darüber zu sprechen. Es veranlasste mich, herausfinden zu wollen, worum es sich handelte und weshalb es vor drei Menschen aufgetaucht war. Es war kurz gewesen, aber die überwältigendste Erfahrung meines Lebens. Ich möchte nicht behaupten, dass es sich wie die Anwesenheit Gottes anfühlte, aber das Licht strahlte eine unbeschreibliche Empfindungsfähigkeit aus. Es schien, als wäre jemand mit uns im Zimmer. Das hat meine Meinung über das Unbekannte für immer verändert, und wären nicht zwei Zeugen dabei gewesen, hätte ich meinen eigenen Augen nicht getraut.
Schon lange vor dem Erlebnis mit dem Licht in der Wohnung hatte ich Augenblicke subtiler Merkwürdigkeiten gehabt, die mein Leben zu bestimmen schienen. Ich hatte häufig von etwas geträumt, was sich am nächsten Tag tatsächlich ereignete. Ich hatte bestimmte Zufälle bemerkt, die Aspekte von Dingen hervorzuheben schienen, von deren Kenntnis ich profitierte. Es gab Momente, in denen das Universum eingriff und eine Botschaft sandte; das war offensichtlich. Diese bestätigenden Augenblicke, die ich »Momente der Gnade« nenne, sind zentral und fanden statt, wenn ich bereit war, sie zu hören.
Eines der frühesten Beispiele ereignete sich in meinen Teenagerjahren. Ich erhielt selbst ein Reading von einer Frau, die in das Geschäft kam, in dem ich arbeitete. Sie fragte mich nach meinem Geburtsdatum und begann ohne Umschweife, mir intime Informationen über mich zu erzählen. Ich war verdutzt. Sie spulte Details aus meiner Kindheit herunter und erzählte mir Einzelheiten über mich, die mich sprachlos machten. Sie kannte meine Vergangenheit, aber was noch interessanter ist, sie begann, über meine Zukunft zu reden. Sie sprach wie ein Wasserfall und sagte mir voraus, dass ich im Alter von neunzehn Jahren an einem Berg eine lebensverändernde Nachricht erhalten würde.
Jahre vergingen, und als ich achtzehn war, führte ich mit mehreren TV-Sendern Verhandlungen und hatte vor zahllosen Managern und ihren Freunden und Familien bewiesen, dass ich ein Medium bin. Die Botschaft der Hellseherin noch im Hinterkopf, fragte ich mich, ob sie wohl meine sich entwickelnde Karriere gesehen hatte, bevor ich sie erkannte. Nach vielen erfolgreichen Meetings rechnete ich damit, die Mitteilung zu erhalten, dass eine Show, in der ich die Hauptrolle spielen sollte, von ABC Family übernommen würde, und fragte mich, ob sich die Hellseherin vielleicht um ein Jahr geirrt hatte. Ich hatte es so eilig, meine Karriere zu starten, deshalb musste die Vorhersage eventuell vorverlegt werden!
Aber so sollte es nicht kommen. Mitten in den Abschlussverhandlungen erhielt ich eine Nachricht, die ich nicht erwartete: Der Sender zog sein Angebot zurück und hatte ein Medium gefunden, das altersmäßig besser zu seiner Zielgruppe passte, das wars. An einem Tag ist man der Größte, am nächsten ein Fußabtreter.
Trotz meiner Enttäuschung wusste ich, dass sich in naher Zukunft etwas ergeben würde. Die Hellseherin hatte in so vielen Dingen absolut richtig gelegen, und ich scharrte mit den Hufen, irgendwelche Nachrichten zu erhalten.
Kurz nach meinem neunzehnten Geburtstag fuhr mich meine Mutter nach einem langen Tag, an dem ich in den Hollywood Hills Readings abgehalten hatte, nach Hause. Der Handyempfang ist in den Hollywood Hills bekanntermaßen schlecht, und als das Handy meiner Mutter läutete, dachte ich mir, ich lasse es klingeln, bis wir aus dem Funkloch heraus sind. Doch aus irgendeinem Grund lenkte meine Mutter das Auto an den Straßenrand und nahm den Anruf entgegen. Die Stimme am anderen Ende war die meines Managers Michael Corbett, und durch das Rauschen konnte ich nur ein paar wenige wichtige Wörter hören: »E! Network möchte mit dir eine Show machen. Sie haben für deine Sendereihe grünes Licht gegeben!« Ich war perplex.
Mit E! hatten wir uns vor der ABC Family getroffen, aber es war nicht gut gelaufen. Ich erhielt die Absage von einem Sender, um das Interesse des anderen zu gewinnen. Nie zuvor hatte ich ein besseres Beispiel dafür erlebt, dass sich eine Tür öffnet, wenn sich eine andere schließt. Als ich verarbeitete, was ich da am Telefon hörte, blickte ich auf, und mir wurde bewusst, wo ich war: Ich saß im Auto an einer Bergflanke mit Blick auf das Schriftzeichen von Hollywood. Mit neunzehn Jahren erhielt ich die Nachricht, die mein Leben verändern sollte, und das Zeichen war kristallklar.
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