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Bei Platon geht die Gleichberechtigung der Frauen auf Kosten ihrer geschlechtlichen Identität. Sie sind sozusagen zu Männern ehrenhalber geworden. Der einzige biologische Unterschied, der ihnen zugestanden wird, ist die Vermehrung. (Ein paar Jahrtausende später wird in radikalfeministischen Kreisen die gleiche These aufgestellt werden – dass nämlich Männer und Frauen sich nur in ihren Geschlechtsteilen unterscheiden und alles andere anerzogen sei.) Die weiblichen Wächter dürfen Kinder gebären, aber keine Bindung zu ihnen entwickeln. Die »Mutterrolle« übernimmt der Staat. Kontrolle über die Sexualität ist der Schlüssel zur Herrschaft des Staates über seine Bürger. Sie wird zu einem politischen Instrument. Indem sie alle familiären Bindungen, insbesondere die zwischen Mutter und Kind, negiert, richtet sich Platons Utopie gegen den Gedanken der Individualität an sich. Und das hat sie mit allen totalitären Ideologien gemein, in denen der Individualismus ausgelöscht wird, damit sichergestellt ist, dass die Bedürfnisse des Staates uneingeschränkte Priorität genießen.
Die Verteufelung weltlicher Vergnügen gehört zu den Aspekten in Platons Utopie, die man in totalitären Staaten des 20. Jahrhunderts wiederentdecken kann. Wenn Platon Sex als Mittel zu dem alleinigen Zweck propagiert, eine »Elite zu züchten«, nimmt er die nationalsozialistische Vision einer Herrenrasse vorweg. Die Geschlechtslosigkeit der weiblichen Wächter findet ihr Echo im kommunistischen China, wo Männer und Frauen in ihren Mao-Anzügen nicht mehr zu unterscheiden waren. In Afghanistan verboten die Taliban in ihrem fanatischen Eifer, einen islamischen Gottesstaat zu errichten, nahezu jede Form von Dichtung und Musik, und es galt sogar als subversiv, einen Frisörsalon zu eröffnen. In allen totalitären Staaten seit Platon war der Gebrauch von Make-up für Frauen verpönt.
Für Platon kann »das Andere« in verschiedener Form auftreten. Es kann beispielsweise auch nach Volkszugehörigkeiten definiert werden. Sokrates bezeichnet die Barbaren als die »natürlichen Feinde« der Griechen, so wie Frauen die »natürlichen Feinde« der Männer sind. Die Spaltung der Welt in widerstreitende Prinzipien macht es uns leicht, exklusive Kategorien zur Zuordnung von Menschen zu schaffen. Es ist kein Zufall, dass Misogynie und Rassismus oft im gleichen gesellschaftlichen Umfeld gedeihen.
Platons Dualismus findet seinen entschiedensten philosophischen Ausdruck in der Theorie der Formen, die den Wächtern als zentrale Weisheit und Kernpunkt ihrer Ausbildung vermittelt werden soll. Wer sie nicht begreift, kann die wahre nicht von der falschen Wirklichkeit unterscheiden. Und die wahre Wirklichkeit ist in Platons Augen nur mit dem Verstand fassbar.
Zur Theorie der Formen heißt es in Politeia:
Vieles Schöne und vieles Gute, was einzeln so sei, nehmen wir doch an und bestimmen es uns durch Erklärung. Dann aber auch wieder das Schöne selbst und das Gute selbst und so auch alles, was wir vorher als vieles setzten, setzen wir als eine Idee eines jeden und nennen es jegliches, was es ist. Und von jenem vielen sagen wir, dass es gesehen werde aber nicht gedacht; von den Ideen hingegen, dass sie gedacht werden aber nicht gesehen.37
Diese »Idee eines jeden« setzt Platon mit Gott gleich, der zeitlos ist in seiner Vollkommenheit. In einem Gespräch über das Wesen Gottes definiert er Gott als höchste Verwirklichung der Vollkommenheit und äußert sich abfällig über das homerische Pantheon, in dem die Götter sich, Zauberern gleich, ständig verwandeln. »Also ist es auch für Gott unmöglich, dass er sich selbst sollte verwandeln wollen; sondern jeder von ihnen bleibt, wie es scheint, das er so schön und trefflich ist wie möglich auch immer ganz einfach in seiner eigenen Gestalt«38.
Platons Theorie der Formen untermauert den Mythos der Pandora und ihres verderblichen Einflusses auf die heile Welt der Männer mit einem tragfähigen philosophischen Fundament, und sie liefert den gedanklichen Nährboden für das christliche Dogma der Erbsünde, dem zufolge der Mensch durch den bloßen Akt der Empfängnis von der Vollkommenheit Gottes abfällt und in den Abgrund der Äußerlichkeiten, des Leidens und der Sterblichkeit gestoßen wird. Mit dem Sündenfall geht der von der Frau verführte Mann zwangsläufig auch des vollkommen Guten verlustig. Diese dualistische Sicht der Wirklichkeit diskriminiert die Welt der Sinne und stellt sie in einen ewigen Widerstreit mit der höchsten Erkenntnis: der Erkenntnis Gottes. Sie hat das Bild christlicher Denker nachhaltig geprägt, für die Frauen im wörtlichen wie im übertragenen Sinne das verkörpern, was unbeständig, veränderlich und verachtenswert ist.
Schuf Platon mit seiner Theorie der Formen die philosophische Grundlage für den Frauenhass, so lieferte sein Schüler Aristoteles (384–322 v. Chr.) die wissenschaftliche Rechtfertigung dafür. Auch wenn uns viele der wissenschaftlichen Theorien des Aristoteles heute lächerlich erscheinen, dürfen wir nicht vergessen, dass sie die abendländische Sicht der Welt fast zwei Jahrtausende lang geprägt haben. Erst die wissenschaftliche Revolution im 17. Jahrhundert setzte dem Einfluss seiner Ideen ein Ende. »Vom frühen 17. Jahrhundert an ging nahezu jeder ernstzunehmenden intellektuellen Errungenschaft der Angriff gegen einen aristotelischen Lehrsatz voraus«39, schreibt Bertrand Russell.
Aristoteles ist als einer der erbittertsten Frauenhasser aller Zeiten in die Geschichte eingegangen. Seine Sicht auf Frauen begründet er sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene. Auch wenn er vielleicht ein genauer Beobachter der Natur war – Charles Darwin äußerte sich beeindruckt über seine Beschreibung verschiedener Tierarten –, versagte seine Beobachtungsgabe beim Blick auf die Frauen offensichtlich. Als Zeichen ihrer Minderwertigkeit führte er unter anderem ins Feld, dass sie keine Glatze bekommen, was er als eindeutigen Beweis für ihr kindliches Wesen deutete. Er behauptete außerdem, Frauen hätten weniger Zähne als Männer, was Bertrand Russell zu der Bemerkung veranlasst haben soll: »Dieser Fehler wäre Aristoteles nicht unterlaufen, wenn er seiner Frau ab und zu erlaubt hätte, den Mund aufzumachen.«40
Aristoteles hat den Zweck als fundamentale Größe der Naturwissenschaften eingeführt. Seiner These zufolge ist es der Zweck der Dinge, einschließlich aller lebendigen Dinge, das zu werden, was sie sind. Aristoteles, der noch nichts von Genetik und Evolution wusste, sah den Zweck als Verwirklichung des Potenzials eines jeden Dinges, es selbst zu sein. In gewissem Sinne ist dies die materialistische Variante von Platons Theorie der Formen: Es gibt den einen idealen Fisch, und alle tatsächlich existierenden Fische sind Verwirklichungen dieses einen. Das Ideal ist ihr Zweck.
Auf Menschen, insbesondere auf Frauen übertragen, hat ein solches Konzept unangenehme, aber vorhersagbare Folgen; es wird nicht als Erklärung der Ungleichheit, sondern als deren Rechtfertigung herangezogen. Über die Entstehung der Tiere von Aristoteles ist eines der übelsten Beispiele hierfür. In diesem Werk erklärt der Autor den nach seiner Ansicht unterschiedlichen Zweck von Mann und Frau: »Das Männliche ist dem Weiblichen von Natur aus überlegen; das eine herrscht, das andere wird beherrscht; dieses Prinzip gilt zwangsläufig auch für das gesamte Menschengeschlecht.«41 Daher muss Aristoteles zufolge der männliche Samen Träger der Seele oder des Geistes sein und alle Anlagen des fertigen Menschen in sich vereinen. Die Frau, die den männlichen Samen empfängt, liefert lediglich den Stoff, die nährende Substanz. Das Männliche ist das aktive Prinzip, das Bewegende, die Frau ist das passive Prinzip, das Bewegte. Das Kind kann seine Anlagen nur dann vollständig entwickeln, wenn es männlich ist; herrscht durch einen übermäßig starken Menstruationsfluss im Leib die »kalte Konstitution« des Weiblichen vor, so erreicht das Kind nicht sein volles menschliches Potenzial, es wird, mit anderen Worten, ein Mädchen. Aristoteles’ abenteuerliche Ausführungen gipfeln in der Behauptung, die Frau sei nichts weiter als ein misslungener, verstümmelter Mann.
Vieles von dem, was Aristoteles über das Wesen der Frauen sagt, steht im Zusammenhang mit seinen Theorien zum Sklaventum. Sklaven sind, so meint er, von der Natur dazu bestimmt, das zu sein, was sie sind – genau wie die Frauen. Nur fehle es ihnen an der Urteilskraft, die den Frauen immerhin gegeben, wenn auch mit keinerlei Befugnissen verbunden sei. Für Aristoteles ist Gehorsam die natürliche Haltung der Frau, sie erfüllt damit den Zweck ihres Daseins. Und schließlich war Sklaven und Frauen noch eines gemein: Die Minderwertigkeit gegenüber dem Herrn – dem Sklavenhalter im einen, dem Ehemann im anderen Fall – war ewig und unveränderlich.
Die Verunglimpfung der Frauen als verstümmelte Männer brachte Gepflogenheiten mit sich, die in den Nächten, wenn das Schreien von Neugeborenen die Stille zerriss, nicht zu überhören waren. »Wenn du mit einem Sohn schwanger gehen solltest, wenn das Kind ein Knabe ist, lass es sein, ist es aber ein Mädchen, wirf es fort«, heißt es in einem Brief, den ein Mann namens Hilarion im Jahr eins v. Chr. an seine Frau Alis schrieb. Der Brauch, ungewollte Neugeborene auf Müllplätzen auszusetzen, hielt sich, bis sich das Christentum im Römischen Reich als wichtigste Religion durchsetzte.42 Die Mehrzahl der ausgesetzten Säuglinge waren missgebildete oder kranke Kinder oder eben »verstümmelte Knaben«, also Mädchen. Der Brauch war so verbreitet, dass sich die braven Bürger vom Schreien der ausgesetzten Kleinen vermutlich nicht in ihrer Nachtruhe stören ließen. Archäologen machten bei Grabungen die verblüffende Entdeckung, dass in den Grabstätten Athens aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. doppelt so viele Männer bestattet waren wie Frauen. Im Jahr 180 n. Chr. klagte der römische Geschichtsschreiber Cassius Dio darüber, dass es für die hochgestellten Männer des Reiches keine Frauen mehr zum Heiraten gebe. Frauen, schrieb ein anderer Gelehrter, werden »selektiv beseitigt«. In Verbindung mit einer hohen Sterblichkeit der Frauen im Kindbett oder bei Abtreibungen war daher gesichert, dass die männliche Bevölkerung zahlenmäßig bei weitem stärker war als die weibliche.43 Aber nicht alle ungewollten Töchter starben. Da jeder ausgesetzte Säugling automatisch Sklavenstatus hatte, sahen sich Bordellbesitzer regelmäßig auf den Müllplätzen um und nahmen die Mädchen mit, aus denen später Prostituierte wurden. Wir werden nie erfahren, wie viele Millionen Töchter der Pandora auf den Müllplätzen des griechischen und des römischen Reichs verhungerten und erfroren oder, wenn sie mehr »Glück« hatten, ein Dasein als Prostituierte erwartete.
Mit einem zahlenmäßigen Ungleichgewicht zugunsten der männlichen Bevölkerung ist oft ein niedrigerer gesellschaftlicher Status der Frauen verbunden. Heute finden wir eine solche Situation in Teilen Indiens und Chinas, wo die selektive Abtreibung weiblicher Feten dazu geführt hat, dass es weniger Frauen als Männer gibt, und Frauen einen entsprechend niedrigen Status genießen. Als »knappe Ware« werden sie auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter beschränkt.
Wenn Frauen dagegen den Männern zahlenmäßig überlegen sind, steigt ihr gesellschaftliches Ansehen.44 Dieses Phänomen ist in Sparta belegt, der Stadt, die siegreich aus dem Peloponnesischen Krieg hervorgegangen war und Platon als Vorbild für seinen Idealstaat diente. Sparta wich von der Normalität ab: Hier war Säuglingsmord zwar durchaus gebräuchlich, aber es wurde nicht zwischen Jungen und Mädchen unterschieden, sondern nur zwischen kranken und gesunden Kindern. Alle gesunden Nachkömmlinge wurden aufgezogen, und da Jungen bei der Geburt oft schwächlicher und anfälliger sind als Mädchen, wurden mehr männliche als weibliche Säuglinge ausgesetzt. Die Kriege, in die Sparta ständig verwickelt war, taten ihr Übriges, um die Sterblichkeitsrate unter den Männern drastisch hochzutreiben. Zudem heirateten spartanische Frauen relativ spät für die damalige Zeit. Dadurch standen ihre Chancen, eine Schwangerschaft zu überleben, um einiges besser. Weil von spartanischen Frauen erwartet wurde, dass sie als Mütter der künftigen Krieger in bester körperlicher Verfassung waren, sorgte sich der Staat um ihre Gesundheit. Sie trainierten – sehr zum Entsetzen, wahrscheinlich aber auch zum heimlichen Ergötzen des übrigen Griechenland – nackt wie die Männer, nahmen an sportlichen Wettkämpfen teil und waren im Allgemeinen kräftiger und gesünder als ihre Geschlechtsgenossinnen anderswo. Die Athenerin Lysistrata sagt in Aristophanes’ gleichnamiger Komödie zu einer Frau aus Sparta:
Wie hübsch du bist. Und wie gesund ihr seid,
Und Muskeln! – Du könnt’st einen Stier erwürgen!45
Darüber hinaus bestand ihre nicht eben züchtige Alltagskleidung aus einer kurzen, freizügigen Tunika, was Aristoteles und andere griechische Moralapostel mit Entrüstung zur Kenntnis nahmen. Eine spartanische Frau konnte den Besitz ihres Mannes erben und verwalten, was dazu führte, dass sich im 4. Jahrhundert v. Chr. zwei Drittel des Grundbesitzes in Sparta in Frauenhand befand. Das Ergebnis dieser Gesellschaftsordnung war – auf den ersten Blick ein Paradox – ein Militärstaat, in dem Frauen einen höheren Stand innehatten als in Athen, dem Mutterland der Demokratie.
Sparta verschwand von der Bühne der Geschichte, und die Rechte der spartanischen Frauen fanden nur noch als widernatürliche Kuriosität Erwähnung. Platon und Aristoteles dagegen lebten fort als die beiden Säulen des philosophischen und wissenschaftlichen Denkens in der westlichen Welt, auf denen das wuchtige Gebäude des Christentums ruhte. Platons Theorie der Formen mit der ihr immanenten Verachtung für die sinnlich erfahrbare Welt und Aristoteles’ biologischer Dualismus, der Frauen als misslungene Männer betrachtet, lieferten das intellektuelle Rüstzeug für die vielen Jahrhunderte der Frauenfeindlichkeit, die folgen sollten.
5 Siehe Statistiken in: Steven Pinker, Das unbeschriebene Blatt. Die moderne Leugnung der menschlichen Natur, deutsch von Hainer Kober, Berlin, Berlin Verlag 2003, S. 18
6 Hesiod, Werke und Tage, übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger, Stuttgart, Philipp Reclam jun. 1996, S. 11
7 Ebd., S. 9
8 Hesiod, Theogonie, übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger, Stuttgart, Philipp Reclam jun. 1999, S. 49
9 Robert E. Meagher, Helen: Myth, Legend, and the Culture of Misogyny, London, New York, Continuum 1995
10 Hesiod, Werke und Tage, S. 11
11 Sarah B. Pomeroy, Frauenleben im klassischen Altertum, deutsch von Norbert F. Mattheis, Stuttgart, Kröner 1985, S. 63
12 Aus einer altbabylonischen Tafel, deren Text in die neueren Übersetzungen des Gilgamesch-Epos keinen Eingang gefunden hat.
13 Susan Blundell, Women in Ancient Greece, Cambridge, Harvard University Press 1995
14 Der griechische Dichter Semonides schrieb im 7. Jahrhundert v. Chr.: »Denn Zeus hat dies als größtes Übel geschaffen: die Frauen, und legte es uns als Fessel und unzerreißbare Bande an.«
15 Christopher Marlowe, Die tragische Geschichte vom Leben und Tod des Doktor Faustus, 4. Akt, deutsch von Alfred van der Velde, Stuttgart, Reclam 1966
16 Homer, Ilias, 6. Gesang, deutsch von Johann Heinrich Voß, Frankfurt am Main, Insel 1990
17 Euripides, Die Troerinnen, übertragen von Ernst Buschor, München, C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung 1957, S. 50
18 Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur. Und andere kulturtheoretische Schriften, Frankfurt am Main, Fischer 1997, S. 82f.
19 Aus dem Vorwort von Larousse Encyclopedia of Mythology, London, Hamlyn 1968
20 Zitiert in: Eva Keuls, The Reign of the Phallus, New York, Harper & Row 1985
21 »A Husbands Defense, Athens circa 400 B. C.« in: Mary R. Lefkowitz und Maureen B. Fant (Hrsg.), Women’s Life in Greece and Rome. A sourcebook in translation, Baltimore, The Johns Hopkins University Press, 3. Aufl. 2005
22 Pomeroy, Frauenleben im klassischen Altertum, a.a.O.
23 Ebd.
24 James N. Davidson, Kurtisanen und Meeresfrüchte. Die verzehrenden Leidenschaften im klassischen Athen, München, Siedler Verlag 1999
25 Keuls, The Reign of the Phallus, a.a.O.
26 Abby W. Kleinbaum, The War against the Amazons, New York, New Press 1983. »Verwundet, geprügelt, besiegt und niedergemacht mit den Speeren der klassischen Helden, mit der moralischen Entrüstung der Kirchenväter und zahlloser Kämpfer für das Christentum, mit den Künsten und Kräften der Helden der Renaissance, mit der Unerschrockenheit und Gier der Conquistadores der frühen Neuzeit, leben die Amazonen doch fort und begegnen uns wieder und immer wieder in der westlichen Kultur«, schreibt Kleinbaum in Anspielung auf die Hartnäckigkeit des Amazonen-Mythos.
27 Aristophanes hat in seinen ebenfalls im 5. Jahrhundert entstandenen Komödien ganz ähnliche Themen aufgegriffen und Frauen porträtiert, die sich gegen die gesellschaftliche und politische Ordnung und bestehende Moralvorschriften auflehnen. Zweifellos spiegeln sich in seinen Stücken die Sorgen, Interessen und Zwänge seiner Zeit wider. Aus der Tatsache, dass sich die Stoffe und Motive in Tragödien und Komödien gleichen, können wir schließen, dass beide ein relevantes Bild ihrer Zeit wiedergeben.
28 Sophokles, Antigone, 2. Akt, 1. Szene, übersetzt von Friedrich Hölderlin, Frankfurt am Main, Insel 1979
29 Ebd.
30 »Hippolytos«, in: Euripides, Tragödien, übersetzt von Hans von Arnim und Franz Werfel, Wiesbaden, Berlin, Vollmer 1958, S. 105
31 Platons Dualismus war kein neuer Gedanke. Im 6. Jahrhundert v. Chr. hatte Pythagoras eine Tabelle der Gegensätze aufgestellt. Die Tabelle enthielt zehn Begriffspaare, die der Überzeugung des Philosophen nach die Welt beherrschen, darunter gut/böse, rechts/links, Licht/Dunkelheit, begrenzt/unbegrenzt und männlich/weiblich. Auch die vier Elemente, die in der Auffassung der Antike die gesamte Natur ausmachten, bildeten zwei Gegensatzpaare: Feuer und Luft, Erde und Wasser. In dieser Sicht war der Unterschied zwischen Mann und Frau ein ewiger und unveränderlicher Gegensatz und eine nie versiegende Quelle des Konflikts.
32 Karl Raimund Popper, »Der Zauber Platons« in: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Bd.1, Tübingen, Mohr, 7. Auflage, 1992
33 Platon, Politeia. Der Staat, nach der Übersetzung von Friedrich Schleiermacher, in: Platon, Werke in acht Bänden, vierter Band, hrsg. von Gunther Eigler, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2001, S. 473
34 Ebd., S. 415
35 Ebd., S. 397
36 Ebd., S. 393
37 Ebd., S. 537f. Im Höhlengleichnis erklärt Platon seine Theorie von der falschen Auffassung der sinnlich wahrgenommenen Welt: In einer unterirdischen Höhle sind Menschen von Kindheit an gefangen und so festgebunden, dass sie nur auf die ihnen gegenüberliegende Höhlenwand blicken können. Hinter ihnen brennt ein Feuer, und zwischen dem Feuer und ihrem Rücken gehen Leute vorbei, von denen die Gefangenen nur den Schatten sehen, den sie an die Wand werfen. Weil sie nichts anderes kennen, halten sie dies für die Wirklichkeit. So wie die Gefangenen sich von den Schatten einer Wirklichkeit täuschen lassen, die sie nie unmittelbar gesehen haben, wissen wir, die wir die Welt nur durch die Sinne erfahren haben, nichts über die universale und unvergängliche Welt der vollkommenen Formen, von der das, was wir um uns herum sehen, hören, schmecken und ertasten, ein bloßer Schatten ist. Der Philosoph gleicht dem Gefangenen, der aus der Höhle entkommen ist und die Welt außerhalb ihrer gesehen hat.
38 Ebd., S. 171
39 Bertrand Russell, Philosophie des Abendlandes. Ihr Zusammenhang mit der politischen und sozialen Entwicklung, übersetzt von Elisabeth Fischer-Wernecke und Ruth Gillischewski, Frankfurt am Main, Holle 1950
40 Bertrand Russell zitiert in: Keuls, The Reign of the Phallus, a.a.O.
41 Aristoteles, Werke in deutscher Übersetzung, herausgegeben von Ernst Grumach, Hellmut Flashar, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft o. J.
42 Lefkowitz und Fant (Hrsg.), Women’s Life, a.a.O.
43 Pomeroy, Frauenleben im klassischen Altertum, a.a.O.
44 Marcia Guttentag und Paul F. Secord, Too Many Women: The Sex Ratio Question, Thousand Oakes, Sage Publications 1983
45 Aristophanes, Lysistrata, neu übersetzt von Erich Fried, Berlin, Wagenbach 2000, S. 35
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