Suche nichts - finde alles!

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Sie mögen einwenden: „Nun, jede Erfahrung, die ich je gemacht habe, habe ich vor dem Jetzt gemacht.“ Das stimmt; Sie haben eine Erinnerung an eine Erfahrung und die Erinnerung besagt, dass die Erfahrung in der Vergangenheit stattgefunden habe. Doch eine Erinnerung ist ein Gedanke. Und Sie denken diesen Gedanken jetzt. Leihen Sie sich ein Video aus, nehmen Sie es mit nach Hause und schauen Sie es sich auf Ihrem Fernseher an. Drücken Sie während des Films die Pausentaste auf Ihrer Fernbedienung. Nun sehen Sie auf Ihrem Bildschirm ein Standbild. Wenn Sie eine Fernbedienung für Ihr „Kopfkino“ hätten und wenn Sie den Pausenknopf drückten, würden Sie einen einzelnen Gedanken sehen; den Gedanken, den Sie „jetzt gerade“ hätten. Es gibt nur das Jetzt. Es hat nie eine Zeit gegeben und es wird nie eine Zeit geben, die nicht jetzt ist.
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Erscheint Ihnen das ein wenig verwirrend? Haben Sie den Eindruck, was Sie gerade gelesen haben, das fühle sich fast richtig an, aber Sie würden nicht ganz schlau daraus? Regt sich sogar kaum wahrnehmbar etwas tief in Ihrem Inneren, so, als ob ein Teil von Ihnen, der geschlafen hätte, aufzuwachen begänne? Dafür gibt es einen guten Grund. Wir haben dem Verstand ein Rätsel aufgegeben, das er nicht lösen kann. Wahrscheinlich ist es nicht das erste Mal, dass der Verstand um Gedanken verlegen ist. Das Hochgefühl bei einer neuen Liebe oder einem traumhaften Sonnenuntergang ist zeitlos und jenseits des Verstandes. Was jenseits des Verstandes liegt, kann der Verstand nicht erfassen. Dorthin kommt er von hier aus nicht. Um das Rätsel zu lösen, müssen wir über den Verstand hinausgehen. Wir müssen über die psychologische Zeit hinausgehen.
Glücklicherweise wissen Sie schon, wie das geht. Erinnern Sie sich daran, als Sie fragten: „Woher kommt mein nächster Gedanke?“ Erinnern Sie sich an die Lücke, die entstand, als Ihre Gedanken anhielten? Sie beobachteten, aber sie dachten nicht. Sie erlebten den Zustand des „Nicht-Denkens.“ [Engl.: You experienced no mind.] Mit anderen Worten: Sie gingen über Ihren Verstand hinaus.
Und wenn Sie über den Verstand hinausgehen, halten Sie die Zeit an. Und zwar deshalb, weil der Verstand die Zeit erschuf. Wann immer Sie die Zeit anhalten, sind Sie frei von der Illusion von Vergangenheit und Zukunft. Und sobald Sie frei sind von Vergangenheit und Zukunft, beenden Sie das Leiden.
Was für eine wundervolle Entdeckung Sie sind!
Lassen Sie uns Platons berühmtes Höhlengleichnis aktualisieren und die Kinoanalogie gleichzeitig noch etwas weiterführen: Nehmen wir an, Sie kamen in einem Kinosaal zur Welt und wuchsen dort auf. Ununterbrochen und pausenlos lief ein Film. War es ein lustiger Film, so waren Sie glücklich; bei einem traurigen Film weinten Sie. Ihre ganze Welt drehte sich darum, Orte, Darsteller und Ereignisse kommen und gehen zu sehen. Für Sie war das kein Spiel von Licht und Schatten auf einer Leinwand, sie waren real.
Nehmen wir weiter an, Sie fanden unbeabsichtigt einen Schalter neben Ihrer Hand. Als Sie den Schalter betätigten, hielt der Film an. Jetzt war nur die leere Leinwand beleuchtet und Sie stellten etwas ganz Interessantes fest. Sie erkannten, dass die leere Leinwand schon immer da war. Wäre sie nicht da gewesen, dann hätten Sie keinen Film sehen können.
In dieser Zeit, in der „kein Film“ lief, badeten Sie in reinem, weißem Licht, das die Leinwand reflektierte. Kein Film auf der Leinwand lenkte Sie ab, deshalb wurden Sie Ihres eigenen Körpers und Handelns überaus gewahr. Die leere Leinwand lenkte Ihren Verstand nicht davon ab, wer Sie wirklich sind. Was für eine erstaunliche Entdeckung Sie waren! – Das Geheimnis Ihres Lebens ist damit gelüftet: Sie sind nicht der Film. Sie sind getrennt davon. Sie sind wirklich. Der Film ist Illusion. Sie werden nie mehr die oder der Gleiche sein.
Dann legen Sie den Schalter wieder um und der Film geht weiter. Doch diesmal ist Ihnen bewusst, dass Sie vom Film getrennt sind. Sie glauben nicht mehr, Sie seien im Film. Sobald Ihnen dieses Wissen bewusst wird, weichen Ihre Ängste und Sorgen wie die Illusionen, die sie sind. Jetzt dient der Kinofilm Ihrer Unterhaltung. Leidenschaftlich genießen Sie die Handlung, die sich auf der Leinwand entfaltet, Sie amüsieren sich und sind gleichzeitig distanziert. Schließlich sitzen Sie sicher auf Ihrem Sitz. Mit dem Gewahrwerden der Leinwand kommt Selbst-Gewahrsein.
Kerngedanken von Kapitel 4
• Unser Sicherheitsempfinden hängt eng damit zusammen, wie wir die Zeit wahrnehmen. Und das wiederum hängt davon ab, wie bewusst wir uns unseres Selbst sind.
• Die psychologische Zeit ist subjektiv und von Bedingungen, von Umständen abhängig.
• Die psychologische Zeit ist die Ursache aller Probleme, vor denen die Menschheit steht.
• Die psychologische Zeit ist die Illusion von Bewegung.
• Ein Geist, der fest in der Gegenwart verankert ist, ist ruhig.
• Nur Sie kennen Ihre Zeit. Ihr Zeitgefühl können Sie mit niemandem teilen. Die Illusion, die Sie als Ihr Leben kennen, können Sie mit niemandem teilen.
• Unsere Zukunft und unsere Vergangenheit existieren nur genau jetzt – im Verstand.
• Selbst-Gewahrsein durchbricht die Illusion der Zeit.
• Wenn Sie Ihres Selbst gewahr sind und frei von der Zeit, dann sind Sie auch frei von Leiden.
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